Freitag, 18. März 2011, 22.24 Uhr

Wannabe-Weekend

Miriam Buchmann

Miriam Buchmann in der Rubrik Leben

Es ist Freitag und nichts fühlt sich so toll an, als das Ende einer harten Woche. Man kommt nach Hause, platziert seine Schulsachen dort, wo sie am hübschesten aussehen (in der hintersten Ecke des Zimmers) und wirft sich automatisch auf  das Bett. Wenn einem dann ein leises Seufzen über die Lippen huscht und mit dem Schließen der Augen ein sofortiges Einschlafen vorprogrammiert ist, weiß man es ist Wochenende. Blickt man auf die letzten Tage voller schlafloser Nächte zurück und den Stress, der sich morgens schon vor dem Weckerklingeln ins Unterbewusstsein frisst, ist man froh noch irgendwie da zu sein und klar zu sehen. Dennoch, Freitage sind Jammertage. Tage, an denen man dem angestauten Frust freien Lauf lässt und sich auf eine kurze Zeit der Ruhephase freut.

  Aber sind die Wochenenden wirklich noch das, was sie einmal waren?

    ENTSPANNUNG       RUHE         ENERGIE          ZEIT           SPAß      FREIHEIT

                         ...DINGE TUN, DIE MAN LIEBT

  Während ich den Abend in einem Café ausklingen lasse und nachdenklich an meinem Latte macchiato nippe, kommt mir die schreckliche Erleuchtung, dass die Wochenenden zu bloßen Brückenstücken der "Arbeitstage" geworden sind. Meistens ist jede einzelne freie Minute schon damit verplant, die Reste der letzten Tage abzuarbeiten, oder verpassten Schlaf nachzuholen. In Wirklichkeit ist es nur noch ein "Wannabe-Weekend"! Mir dieser erschreckenden Tatsache bewusst geworden, widme ich mich meinem lange vernachlässigten Notizbuch.

6 Kommentare

  1. Ich finde es angenehm zu sehen, dass es noch junge Leute gibt, die sich schriftlich in Deutsch ausdrücken können. Das Wochenende von einst, wie es oben beschrieben ist, ist tatsächlich das Wochenende der frühen Schulzeit. In den Abschlussklassen und im Arbeitsleben wird das "Brückenstück" zur Regel. Erst große Einkommen und das damit finanzierbare Hauspersonal (Hausfrau/-mann, Bedienstete) oder aber das "Hotel Mama" würden im Großteil des modernen Erwachsenendaseins für viel Freizeit am Wochenende sorgen. Erlebt man den Ruhestand noch, und reicht, ohne Zuverdienst, die Altersversorgung dann aus, so könnte - angesichts der dann herrschenden körperlichen Defizite - die Anzahl der Werktage noch ausreichen, um die Alltagsgeschäfte zu bewältigen, sodass die Wochenenden zur Muße (und also für die Muse :))genutzt werden können.
    Noch ein Wort zu Deinem Steckbrief: Die Schriftstellerei dient - wie ich einmal aus einem Interview mit Heimito von Doderer entnahm - tatsächlich der Ordnung der eigenen Gedanken. Die große Literatur kann demzufolge eine Folge wiederkehrender Zufälle angesehen werden, wo Schriftstücke die Aufmerksamkeit und das Wohlgefallen der Öffentlichkeit fanden. Hingegen sind Massenmedien (Bestseller, Zeitungen, Internet usw.) oft vorab bezahlte Auftragsarbeit, die nur geringen Bezug zur Person des Schreibers hat.

  2. avatar Torrani sagt:

    Mit dem Beitrag hast du vollkommen Recht. Wir haben wirklich kein Wochenende zum entspannen, sondern müssen die Zeit dafür nützen, um wieder zu lernen und uns vorzubereiten. Doch ich denke, dass wir des jetzt alle durchstehen werden und danach haben wir eine schönere Zeit. Weiter so MamiriMannbuch. :)

  3. avatar Miriam Buchmann sagt:

    Ui, also darf ich mich mit 70 dann das nächste Mal auf ausgeglichene, rosige Wochenenden für die Muse freuen? Tolle Zukunftsperspektive!
    Aber ich denke, dass nicht jeder Bestseller nur des Kommerz wegens entsteht. Hinter so einer zeitaufwenigen Arbeit muss auch viel Geduld und Leidenschaft stecken. Folglich schwingt immer- in jedem geschriebenen Gedanken- ein Teil seiner Selbst mit.

  4. Also, so richtig entspannte Wochenenden hatte ich eigentlich nach Eintritt ins Erwachsenendasein erst nach mindestens 2 Wochen Urlaub - also selten genug.
    Du hast natürlich recht: Schon wer fragt gibt über sich Auskunft. Also erst recht, wer etwas sagt. Das ist das Interessante an der Kommunikation, dass, wenn zwei das Gleiche meinen, es doch ganz unterschiedlich ausdrücken. Und: Wenn zwei das Gleiche hören/sehen/fühlen/schmecken/riechen, es doch unterschiedlich verstehen.
    Ich glaube, du bist mit deinem Berufswunsch in der richtigen Richtung unterwegs. Jetzt musst Du nur noch herausfinden, ob Du lieber selbständig/freischaffend oder auf Anweisung/Befehl arbeiten möchtest. Viel Glück.

  5. avatar Miriam Buchmann sagt:

    Oh ja das wär ja schön, wenn ich mich schon auf eine Richtung festgelegt hätte. Die Angabe ist nur eine momentane Festhaltung meiner Orientierungslosigkeit, die sich zu meinem Leidwesen alle Tage mal wieder ändert. Es ist schon eine wichtige Entscheidung und immer, wenn man denkt, man hat das richtige gefunden, stolpert man über Argumente, die dagegensprechen- ganz zu schweigen von den Ratschlägen, mit denen man von allen Seiten bombadiert wird. Wie soll einer da noch durchblicken?

  6. Wer sich nicht gleich entscheiden kann oder möchte, für den gibt's auch Möglichkeiten zum Zwischenparken. Wegen des Durchblicks verwende einfach den "total perspective vortex" (*grins*).