Mittwoch, 23. März 2011, 18.56 Uhr

DLV-Vorsitzender Josef Kraus: "Jammern ist zum guten Ton geworden"

Florian Regensburger

Florian Regensburger in der Rubrik Lernen

Die Prüfungen laufen, Schüler beklagen kurze Vorbereitungszeiten auf zu schwere Abituraufgaben - vor allem im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Für Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DLV), sind die Wehklagen unbegründet.

DLV-Vorsitzender Josef Kraus

DLV-Vorsitzender Josef Kraus

Ein Kommentator in diesem Blog nennt die heurigen Grundkurs-Aufgaben in Mathematik "für einen ‚normalen' G9ler unverhältnismäßig schwer". Diese hätten eher Leistungskurs-Niveau. Andere Kommentatoren pflichten ihm bei. In der Facebook-Gruppe "ABI 2011 (G9)" bezeichnet Schüler Christoph die Aufgaben "im naturwissenschaftlichen Bereich" als "viel zu schwer".

"Anspruchsvoll, aber nicht überzogen"

DLV-Präsident Kraus findet die Kritik am Niveau mancher Abituraufgaben übertrieben - ganz anders als die Schwierigkeit des gescholtenen Mathe-Abiturs: "Anspruchsvoll, aber nicht überzogen" seien die sechs Aufgaben aus Infinitesimalrechnung, Stochastik und Analytischer Geometrie gewesen, aus denen die Lehrkräfte drei für ihren Kurs ausgewählt haben. Jedoch sei es, so sein Eindruck, "zum guten Ton geworden, zu jammern, im G9 als auch im G8". Die Schüler dürften nicht vergessen, wo man ihnen entgegengekommen sei, etwa durch weniger Klausuren in den Leistungskursen oder erweiterte Möglichkeiten zu Nachprüfungen.

Prüfungs-Niveau dem der Vorjahre vergleichbar

Auch das bayerische Kultusministerium, wo eine Kommission die Abituraufgaben aus Vorschlägen der Schulen zusammenstellt, weist die Kritik zurück. Die Abiturkommission sei angehalten, Aufgaben zu stellen, deren Niveau dem der Vorjahre vergleichbar sei, so Pressesprecher Ludwig Unger. "Uns ist versichert worden, dass das auch so war", sagt Unger weiter. Angesichts des entsprechend den vorgezogenen Abiturprüfungen verkürzten Stoffplans sei nur abgeprüft worden, was tatsächlich im Unterricht durchgenommen wurde. "Subjektiv" könne ein einzelner Schüler oder Lehrer eine Aufgabe aber immer "als besonders schwer empfinden".

"In Mathe hatten wir Mitte Februar erst die Klausur"

Neben dem Anspruch der Aufgaben beanstanden Schüler die aus ihrer Sicht viel zu kurze Vorbereitungszeit nach den letzten Grundkursklausuren. Die Abiturprüfungen haben in den Vorjahren in der Regel etwa sechs Wochen später, Anfang Mai, begonnen. Heuer haben die Schüler teilweise drei Wochen vor dem Abi noch Klausuren geschrieben. "In Mathe hatten wir Mitte Februar erst die Klausur. Die haben wir 4 Tage vor dem Abi erst rausbekommen", sagt Blogger Tony.

Drei Wochen Vorbereitungszeit kein Einzelfall

Kraus kann auch diese Kritik nicht nachvollziehen. Drei Wochen seien zwar nicht viel. Doch die letzten G9ler stünden damit nicht allein, das habe es auch früher schon gegeben - etwa wenn zwischen dem Notenschluss des zweiten Halbjahres der 13. Jahrgangsstufe und den Abiturprüfungen die Osterferien auf einen späten Termin gefallen seien.

"Da mussten wir fürs Abi nicht mehr viel tun"

Im Gegensatz zu den zentral gestellten Abituraufgaben haben die Schulen bei den Klausurterminen mehr Handlungsspielraum. Nicht überall in Bayern war die Vorbereitungszeit so kurz. Dazu hängt es vom Lehrer ab, wie stark im Unterricht und bei Klausuraufgaben bereits auf die Abiturprüfungen hingearbeitet wird. Bloggerin Marlene lobt ihren Mathe-Lehrer: Ihm sei "gelungen, die Vorbereitung in den Unterricht einzubauen, da wir (…) seit Januar Abituraufgaben zu allen Teilbereichen geübt haben". Tony fühlte sich in Englisch durch den gesamten Unterricht in der Kollegstufe gut vorbereitet: "Da mussten wir direkt fürs Abi eigentlich nicht mehr viel tun."

Verschwörungstheorien aus der "Sagenwelt der Germanen"

Die durchs Internet geisternde Theorie, Prüfungsaufgaben seien mit Absicht schwer gestellt worden, entstammt laut Unger "der Sagenwelt der Germanen": Auf der Plattform "Raidrush" etwa spekuliert ein Blogger, man habe das "diesjährige G9-Abitur mit Absicht schwer gestaltet", damit die G8-Abiturienten besser abschneiden würden und das achtjährige Gymnasium von der Staatsregierung als großer Erfolg gefeiert werden könne. Als zweiter möglicher Zweck einer solchen Verschwörung gilt unter ihren Anhängern die Entlastung der Hochschulen, auf die eine Flut von Studienanfängern zukommt, durch eine höhere Durchfallquote.

G8 besser als G9?

"Dummes Zeug" nennt Kraus die Spekulationen. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die durchschnittliche Abiturnote in Bayern immer etwa zwischen 2,4 und 2,5 bewegt. Er gehe davon aus, dass das auch in diesem G9-Jahrgang der Fall sein werde. Dass die G8ler besser abschneiden, hält er dennoch für möglich.

23 Kommentare

  1. avatar Ingo sagt:

    Allein der letzte Satz zeigt, was man von den Aussagen von Josef Kraus halten sollte: garnichts.
    Oder fehlt mir da der logische Schluss, der einen direkten Zusammenhang zwischen kürzerer Schulzeit und besseren Abiturnoten herstellt?

  2. avatar Julia Winkler sagt:

    Ich finde vor allem den Teil "Jedoch sei es, so sein Eindruck, "zum guten Ton geworden, zu jammern, im G9 als auch im G8". Die Schüler dürften nicht vergessen, wo man ihnen entgegengekommen sei, etwa durch weniger Klausuren in den Leistungskursen oder erweiterten Möglichkeiten für Nachprüfungen" ziemlich unverschämt. Ich will einfach keine Meinung eines 40+ Verbandspräsidenten, Politikers, o.ä. über die Situation der Schüler in der neuen G8-Oberstufe oder der letzten, gekürzten G9-Oberstufe hören. Die haben ihr Abitur zu Zeiten gemacht, in denen es zu eine Ausnahmen war, wenn ein Schüler in der Oberstufe mal Nachmittagsunterricht hatte. Wie es heute an den Schulen läuft und wie es v.a. den Schülern dabei geht, können allein die Schüler beurteilen.

  3. avatar pffffffff sagt:

    richtig, julia winkler

  4. avatar Matthias Jansen sagt:

    Man sollte aber auch nicht vergessen, das sich die Leute immer beschweren werden wie schwer sie es haben.
    Unabhängig davon ob sie es wirklich besonders schwer haben oder nicht. Verschenkt werden sollte der Abschluss ja auch nicht - das ist für keine der Beteiligten von Vorteil, denn damit würde er ja auch seinen Wert einbüßen.

  5. avatar Jajaja sagt:

    Eine Frechheit! Ich glaube, wenn wir uns das Grundkurs- und Leistungskursabi anschauen, dann sprech ich für alle, wenn ich jetzt sage, dass der letzte Satz totaler Schwachsinn ist...Ich hab von so vielen Leuten gehört, dass das Matheabi einfach nur bodenlos war...Ich denke, dass hier keiner verlangt, dass man uns das Abi schenkt aber angesichts der Situation sollte man uns mehr Verständnis entgegenbringen. Denn egal wie sie es auch hinbiegen wollen: wir haben definitiv die A-Karte gezogen, egal in welchem Bereich! Und die Theorie ist ganz sicher nicht Unsinn oder weit hergeholt, sondern meiner Meinung nach fast Tatsache, denn nach den zwei schriftlichen Prüfungen habe ich es das Gefühl, dass es zwar machbar aber dennoch so schwierig wie möglich gestellt wurde, damit die G8er glänzen können während wir uns teilweise durchbeißen. Der hat doch gar keine Ahnung wie es uns geht oder unter welchem Druck wir eigentlich stehen...

  6. avatar Vo Minh Thu Tran sagt:

    Ich muss vor allem Ingo beipflichten - allein der letzte Satz stellt für mich die oberen Aussagen infrage.

  7. avatar Franz Georg Fuchs sagt:

    Wo ist da der Widerspruch? Die G8ler werden das leichteste Abitur seit vielen Jahren bekommen. Schon allein damit das Kultusministerium die Einführung als Erfolg vermelden kann. Und zu den angeblich nicht ausreichenden 3 Wochen Vorbereitungszeit: Ich kenne nur wenige Leute aus den letzten Jahrgängen, die mehr als 3 Wochen gelernt haben, auch wenn sie die Zeit gehabt hätten. Da wurde halt Ostern mal angefangen zu lernen (oder auch erst am Tag davor). Denkt mal bitte dran, dass eure gleich alten Kollegen aus der Grundschule z.T. 40Stunden (volle Stunden nicht Schulstunden) die Woche arbeiten, und dabei nur 6 und nicht 14 Wochen Urlaub haben. Und ihr jammert wegen dreimal die Woche Nachmittagsunterricht (keine Sorge übrigens, den hatte ich vor 3 Jahren auch schon). Das Gejammer rund ums Abi ist (wie auch schon die letzten Jahre) einfach nur lachhaft. Egal ob im Studium oder im Berufsleben werdet ihr bald merken, warum.

  8. avatar F. Reinholdt sagt:

    War doch klar, dass so ein Komentar von einem "Politiker"/Beamten kommt, schließlich geht es bei der ganzen Sache um ihre Hintern.
    Sollte sich das G8 als schlechter als das G9 herausstellen sind nämlich genau diese Leute, die uns seit Jahren ja das G8 als bestes Schulsystem verkaufen wollen, die, die als Verantwortliche dastehen.
    Folglich muss das G8 ein Erfolg werden, sonst hätten sie keine Rechtfertigung für die ganze Umstellung unseres guten bayrischen Systems.
    Also schön alles Abstreiten und als "Verschwörungstheorien" abstempeln.
    Ach und eine Aussage wie "Jammern ist zum guten Ton geworden" ist ja wohl eine Frechheit und grenzt ja schon fast an Verleumdung.

  9. avatar Franz Georg Fuchs sagt:

    Nein, das Jammern nervt echt. Spätestens in ein paar Jahren dürftest du wissen, was gemeint ist. Ich hab mir die so viel bejammerte Matheaufgabe ausm GK-Abi mal angesehen. Was daran schwer sein soll? Ich weiß es beim besten Willen nicht. Aber ich hab ja auch schon das viel zitierte "Grundschul-Abitur" versäumt, wo man doch angeblich für den Übertritt jeden Nachmittag büffeln muss.
    Aber das reicht wohl nicht. Das Niveau wird noch weiter runter müssen, damit wir die 50%, 60%, 80% und irgendwann 100% Abiturientenquote schaffen.

  10. avatar Ingo sagt:

    Du wunderst dich also, dass du als Student ein Matheabi nicht schwierig findest?
    Interessant...

  11. avatar Christina Auburger sagt:

    Also ich muss Franz Georg beipflichten. Ich habe selber letztes Jahr Abitur gemacht und studiere jetzt. Ich hab zwar das diesjährige Abi noch nicht gesehen und werde auch nicht unbedingt beurteilen können ob es unverhältnismäßig schwer war oder nicht, aber ich habe selber damals sehr gejammert genauso wie die meisten anderen. Das Abitur ist halt nunmal der Schritt ins Unileben, da ist klar, dass das nicht wie eine normale Klausur sein kann. Ich kann völlig verstehen wenn ihr euch aufregt, aber das war bisher einfach jedes Jahr so und wenn ihr in einem Jahr (so wie ich zum Beispiel) sieben Prüfungen am Ende des Semesters schreiben müsst, dann werdet ihr auch sagen, dass das Abi Kinderkram war...
    Ich will eure Klagen auf gar keinen Fall runterspielen, ich weiß ja selber wie schlecht es mir teilweise im Abi ging, aber ich finde ihr solltet euch nicht als so wahnsinnig benachteiligter Sonderfall Sonderrechte rausnehmen wollen, denn das wollten alle vor euch auch schon.

  12. avatar Franz Georg Fuchs sagt:

    @Ingo: Ich kann den Schwierigkeitsgrad von Abituraufgaben durchaus einschätzen. Wer nach insgesamt drei Jahren gymnasialer Oberstufe Schwierigkeiten hat, eine e-Funktion abzuleiten, der sollte sich fragen, ob er wirklich den geeigneten Schultyp besucht. Es ist ja nicht so, dass ihr das Ableiten erst vor drei Wochen gelernt hättet. Ihr hattet jetzt fast 3 Jahre Zeit das eingehend zu üben. Das jetzt auf drei Wochen mehr oder weniger zu schieben, ist lediglich eine faule Ausrede. Schwere Aufgaben sehen jedenfalls anders aus. Ich habe schon GK-Klausuraufgaben gesehen, die deutlich anspruchsvoller waren...

  13. avatar julia salven sagt:

    @franz georg fuchs
    also mein lieber, vielleicht hast du einfach eine mathematische begabung??? nicht alle menschen sind gut in mathe und manche von uns sind GEZWUNGEN in mathe das abi zu machen!!!!!!!!!!!!! ich persönlich bin nicht schltecht in mathe (hatte einen jahresfortgang von 14p), habe mich in der vorbereitung sicher gefühlt und in keinem gebiet probleme gehabt. und dann kam die prüfung. ich bin froh wenn ich da 5p kriege!!!!!! und von wegen wir hatten 3 jahre zeit! ich weiß ja nicht wie es bei dir so war in der kollegstufe, aber wir hatten keine zeit irgendwas zu wiederholen, üben, vertiefen... die letzten zwei jahre waren wir alle am limit und jetzt kommt nicht mit "am ende vom semester 7 prüfungen" gejammer. ihr sagt uns dass wir rumjammern aber in meinen augen ist das auch gejammer! außerdem habt ihr keine exen, ausfragen was einen sehr großen teil an zeit in anspruch nimmt. ich musste mich immer auf jede einzelne stunde vorbereiten und die lehrer waren ziemlich herzlos wenn es darum ging dass man am selben tag z.b. geschichte klausur hat und in 4 tagen 100 seiten aus dem scheiß geschichtsbuch lernen musste und vielleicht nicht die 3 stunden zeit hatte sich auf diese ausfrage vorzubereiten!!!! natürlich es wird immer gejammert... aber es war wirklich schwer! ihr könnt euer abitur nicht mit unserem direkt vergleichen weil es einfach anders ablief. und ach ja wenn man eine e-funktion nicht ableiten kann gehört man nicht aufs gymi? tja, vielleicht kannst du keine sprachen und hast immer nur 5er in englisch, französisch etc. gekriegt. ja da würd ich mal sagen da gehören solche auch nicht aufs gymnasium wenn man nach solchen devisen geht! und zum thema grundschul-abi: vielleicht wurde dir ja dein abi in den asch geschoben aber an meiner schule wurde einem nichts geschenkt.

  14. avatar Johannes sagt:

    @julia salven
    Übertreiben würde ich jetzt auch nicht! Für mein "Grundschulabitur" musste ich nicht jeden Nachmittag büffeln, das ist völlig übertrieben. Außerdem habe ich während meiner Kollegstufenzeit (ich bin auch gerade mitten im Abitur) auch nicht jeden tag bis ultimo gelernt und bin trotzdem gut durchgekommen. Allerdings muss ich dir auch beipflichten, denn im Studentenleben beschränkt sich die Lernzeit, die Schüler, vor allem in der (damaligen?) Kollegstufe auf das ganze Jahr verteilt haben, auf zwei Monate, in denen man versucht das aufzuholen, was man das ganze Jahr über verfeiert hat. Ich kenne sehr viele Studenten und jeder hat unterm Jahr einfach nichts zu tun, es kommt ja eh nur auf die Prüfungen am Semesterende an! Dass der Lernaufwand dafür dann natürlich größer ist, als wenn man fürs Abitur lernt, wo man ja schließlich die ganze Kollegstufenzeit über stetig vorbereitet wird, weil der Leistungsdruck im Jahresfortgang schon so hoch ist, liegt ja dann wohl auf der Hand!
    Auch muss ich Herrn Fuchs zumindest teilweise wiedersprechen! Es liegt nicht immer daran, wie sich die Schüler vorbereiten, sondern auch daran, wie sie vom Lehrer vorbereitet werden! Die e-Funktion wird im Grundkurs in der 12. Klasse durchgenommen, die ganze 13. Klasse über wird sich nicht mehr mit ihr befasst, weder mit Ableiten, noch sonst irgendeinem Teil der Infinitesimalrechnung, und am Ende soll es aber wieder komplett fürs Abitur abgerufen werden. Dass man sich an den Unterricht, der schon über ein Jahr her ist nicht mehr vollständig erinnern kann, bei der Stofffülle, ist nicht abwegig. Ich habe auch mit vielen Mathelehrern von verschiedenen Schulen gesprochen, und von jedem gehört, dass sie dieses Jahr unverhältnismäßig schwer seien. Ich für meinen Teil kann das nicht beurteilen, ich hatte Mathematik Lk und einen absolut wunderbaren Lehrer, der es verstand Interesse und Niveau auf ein Level zu rücken und uns so optimal aufs Abitur vorbereitet hat! Wenn ich aber sehe, dass der Altersdurchschnitt von Mathelehrern auf jeden Fall über 50 liegt, die dann seit 30 Jahren die selben Aufgaben vorne an der Tafel rechnen, wirkt sich das vor allem auf die Motivation aus. Lehrereinstellverfahren bräuchten viel strengere Vorschriften (siehe Vorbild Skandinavien!!!)
    Und noch ein Punkt: Natürlich wird abgestritten, dass das jetzige Abitur schwieriger ist. In der Politik wird doch immer alles abgestritten! Ob es nun Herr von und zu Guttenberg war, der seine Plagiatsvorwürfe zurückwies (beim besten Willen, wenn man Abschreibt, merkt man das!), oder wenn es jetzt um die AKW-Laufzeiten geht, und Zwischenfälle in Atomkraftwerken bewusst verschwiegen und vertuscht werden, und somit eigene Fehler verheimlicht werden. Man kann der Politik ja nicht mehr vertrauen (die Frage ist, ob man das schon jemals konnte). Die absolute Wahrheit spricht keiner mehr, der "an der Macht" ist.
    Vielleicht sollte sich die Politik selbst mal an der Nase nehmen und sich zu mehr Transparenz überwinden, damit solche offiziellen Stellungnahmen auch mal wieder ernst genommen werden können. Das Vertrauen in die Politik ist im Keller, nicht nur bei mir!
    Allen Abiturienten noch viel Erfolg beim Colloquium nächste Woche!

  15. avatar Doris K. sagt:

    Wir hätten uns früher schon auch gerne beschwert. Aber da hiess es : Goschn halten, kuschen. Wir hatten keine Möglichkeiten, uns irgendwo zu beschweren. In den 70er - als ich Abi machte - gabs zuhause ja oft nicht mal ein Telefon.

    Jugendliche, nutzt Eure heutigen Möglichkeiten und machts Maul auf. Wenn jemand berechtigte Kritik mit Jammern verwechselt, ist das sein Problem. Dann uss ER lernen - nämlich, wie man mit Kritik umgeht. Im übrigen findet man die Jammerer nicht selten auf der anderen Seite.
    Wenn ich kürzlich im Radio höre, dass eine süddeutsche Lehrerin sich bitter beschwert, dass sie beim doppelten Abi ja soooo oft Vertretung machen muss, sie schon Schlafstörungen hat und ihr Familienleben drunter leidet, lang ich mir an den Kopf und bedaure die Schüler, die solche Jammerlehrer haben.

  16. avatar mäuschen sagt:

    noch zum thema möglichkeit der nachprüfung. also entschuldigung aber uns wurde total kurzfristig mal mitgeteilt, dass das jetzt doch nicht für jeden erlaubt sei, sondern nur für die, die ansonsten nicht zugelassen sind. dieses hin und her (genauso auch die unsicherheit über vermeintlich oder tatsächlich oder nicht wegfallenden stoff) war absolut nicht auszuhalten. man konnte sich auf NICHTS verlassen.
    von den meisten lehrern wurde ich persönlich kein stück fürs abi vorbereitet. wenn ich ab anfang der 12ten beispielsweise statt in den matheunterricht zu gehen nur selbstständig starkbücher durchgearbeitet hätte, hätte ich die zeit effektiver genutzt - ganz ehrlich.
    an alle die sich hier übers jammern beschweren: lest halt woanders rum. wenn euch alles so schön leicht fällt is es ja wunderbar für euch. wir müssen halt auch irgendwo mal druck ablassen. und ich denk die meisten sind sich durchaus bewusst, dass so eine verdammt göttliche chillerzeit wie schule niewieder kommen wird im leben!

  17. avatar Franz Georg Fuchs sagt:

    @julia salven: Ja , ich bin durchaus mathematisch nicht unbegabt, das ist richtig. Ich gehe allerdings davon aus, dass auch du deutlich mehr als 5Punkte haben wirst (außer du hattest einen Totalblackout). Die "ich hab alles falsch"-Kandidaten (hauptsächlich Mädels), die dann doch immer zweistellig sind, kenn ich zur Genüge. In diesem Sinne Kopf hoch ;) .

    Soweit ich informiert bin, ist es Sache des Lehrkörpers wie er den Stoff auf 4 Semester verteilt. Bei mir im LK gings damals immer blockweise (für etwa 3 Monate je 2 der 3 Gebiete). Ist vermutlich auch eine Geschmacksfrage, wie man besser lernen kann.

    Vor allem der Analysisteil, noch dazu im Grundkurs, ist wohl derjenige, der am leichtesten vorzubereiten ist, weil das im Prinzip immer nach Schema F geht.
    Die Ableitungsregeln lernt man meines Wissens in Klasse 11 (manche auch schon in 10 in Physik) und werden sowohl in Mathematik als auch in Physik laufend benötigt. Das sollte man am Ende der Gymnasiallaufbahn wirklich drauf haben (und man braucht es in erstaunlich vielen Studiengängen wo man es nicht erwartet).
    Zu deiner Beruhigung kann ich anfügen, dass ich in meinem 2. LK Englisch durchaus passable Noten hatte, ebenso im GK Spanisch und Französisch mit einer 3 nach der 11. abgelegt habe.

    Wo ich gejammert hätte, weiß ich nicht. Ich stelle nur fest, dass ich heute deutlich mehr Arbeitszeit investieren muss als zu Schulzeiten. Ich habs mir selber so ausgesucht, und ich erwarte kein Mitleid.

    Ich schreibe zwar in der Tat keine "Exen" mehr, dafür übers Jahr verteilte Klausuren, und habe in manchen Fächern wöchentliche Übungen, auf die man sich vorbereiten muss, und dann auch "abgefragt" wird (sprich Beispiele an der Tafel vorrechnen muss).
    Auch das keine Beschwerde, nur eine Feststellung, dass du dir offensichtlich Vorstellungen vom Studium machst, dass nicht auf alle Fächer zutrifft.

    Ansonsten gratuliere ich zum (vermutlich) bestandenen Abitur und wünsche alles Gute für den weiteren Lebensweg.

    @Johannes:
    Auch an deine Adresse nochmal der Hinweis, dass sich die Gepflogenheiten der Universitäten, was die Leistungserhebung angeht, sowohl zwischen einzelnen Unis als auch und noch ausgeprägter zwischen verschiedenen Fachrichtungen z.T. massiv unterscheiden.

    Auch muss ich dir einige "Illusionen" nehmen, was Äußerungen von Lehrern angeht. Es gibt Lehrer, die jedem Jahrgang erzählen, ihre Abitur sei besonders schwer gewesen, entweder um sich beliebt zu machen, oder um sich bezüglich eigener Mängel in der Vorbereitung aus der Schusslinie zu nehmen.

    Unsere Meinung was die Politik angeht, unterscheidet sich hingegen nur marginal. Auch wenn ich grad den Zusammenhang zwischen Kernenergie und Matheabitur nicht ganz nachvollziehen kann ;)

    @mäuschen:

    Irrtum: Die göttlichste Chillzeit sind die Wochen direkt nachm Abi. Und dabei wünsche ich viel Spaß ;)

  18. avatar julia salven sagt:

    @franz georg fuchs: nach drei jahren am gymnasium kann ich glaub ich einschätzen ob es mir nicht so prickelnd ging in einer arbeit oder nicht. so eine "ich hab alles falsch"-tusse die am ende 13p abstaubt kann ich selber nicht ausstehen. ein LKler kann das nicht einschätzen, tut mir leid! im GK geht ist das niveau deutlich niedriger, weil alle die gut waren in Mathe dann im LK gewesen sind! was das niveau im unterricht deutlich runter zieht und die guten, die die anderen mitziehen einfach fehlen.man kann nicht einfach nach der stunde den mathe-crack fragen wie das denn jetzt geht. denn den gibts ja nicht! DER SITZT IM LK!!!!
    ich bin immer noch auf der suche nach jemandem dem es gut ging in der prüfung. wenn es bayernweit so ein miserfolg war, dann kann es doch nicht so einfach gewesen sein wie du meinst mein lieber^^
    ja "normale" ableitungsregeln lernt man in der 11.! wir haben die restlichen für ln/e etc. im schnelldurchlauf in der 12. gemacht und die mussten wir dann nach fast anderthalb jahren von einem tag auf den nächsten uns wieder ins gedächtnis rufen. hinzu kommt eine sehr kurze vorbereitungszeit. wir hatten theoretisch bis zum tag vor der prüfung ANWESENHEITSPFLICHT. und an meiner schule nehmen die das nicht so locker mit dem schwänzen und einfach nicht kommen in den letzten tagen... ich persönlich bin dann einfach zuhause geblieben aber ich hatte nur die faschingsferien zeit mich auf die prüfung vorzubereiten!
    ne mehr arbeitszeit investieren geht nicht... abitur war wie ein vollzeitjob... ich weiß nicht wie viele wochenenden ich damit verbracht habe für klausuren zu lernen, referate vorzubereiten oder einfach nur um für eine ausfrage zu lernen! und da bin ich kein einzelfall!!!! eine musste sogar wegen burnout vor zwei monaten abbrechen also so ein zuckerschlecken ist das nicht...

  19. avatar Franz Georg Fuchs sagt:

    @julia salven:

    Ich weiß, nicht wie das bei euch gelaufen ist, aber uns wurden wir LK-ler durchaus gefragt und haben auch teilweise GK-lern bei der Vorbereitung aufs Abi geholfen bzw. knifflige Fragen beantwortet. Dass das Matheniveau im GK teilweise zum Heulen ist, brauchst du mir nicht zu erzählen, das weiß ich auch schon. Hängt auch damit zusammen, dass über die Jahre Defizite aufgebaut werden, und diese Leute aus ideologischen Gründen (höhere Abiturientenquote) weiter mit durchgeschleppt werden. Man tut diesen Leuten damit im Endeffekt aber keinen Gefallen, weil die Defizite von Jahr zu Jahr größer werden und es immer schwerer wird den Rückstand aufzuholen. Und ideologische Verbohrtheit verhindert auch, sich das einzugestehen (von offizieller Seite).
    Und an den Unis schießen die Nachhilfeinstitute aus dem Boden, weil die Abiturienten teilweise nicht mal mehr die Grundlagen beherrschen (z.B. Bruch- und Prozentrechnung aus der Unterstufe).

    Ob es ein bayernweiter Misserfolg war, steht doch noch gar nicht fest, oder? Meines Wissens gabs noch keine Ergebnisse.

    Wie du auf die seltsame Idee kommst, für ln und e-Funktion würden andre Ableitungsregeln gelten, als für andere Funktionen, müsstest du mir dann auch noch mal verklickern.
    Es gelten wie überall Produkt-,Quotienten- und Kettenregel. Du tust ja so, als würde für diese Funktionen das Rad neu erfunden...

  20. avatar Magdalena sagt:

    Hallo ich bin (zu meinem Bedauern) auch eine Abiturientin des letzten G9-Abiturjahrgangs. Die Kollegstufe war wirklich hart und die Beschreibungen von Julia kann ich nur bestätigen, auch bei uns sind leute nach dem Abi heulend rausgegangen. Ich fand die Einstellung der Lehrer an meiner Schule eine Frechheit! Da wurden wir wie der letzte Dreck behandelt, wir waren immer die bösen letzten G9-Schüler, die den Lehrern nur mehr Arbeit aufhalsen. Es gab bei uns (Religions!-)lehrer die meinten das sie ja so froh wären wenn wir endlich weg wären! Als wir dann aber kurz vorm abi waren kamen die lehrer dann in den zugzwang, weil sie sich wohl nie bewusst gemacht haben wie wenig zeit jetzt noch bleibt!Rein unter dem organistatorischen Gesichtspunkt gesehen waren die g8ler im Vorteil!Ich hatte viermal die Woche Nachmittag und war bis dreiviertel 4 in der schule und die g8-leute hatten dafür den super-studentenplan und allerhöchstens 2 mal nachmittag, dann aber meistens auch nur bis 15:00. Und bei uns mussten aufgrund des lehrermangels die lehrer in der Kollegstufe gewechselt werden. In zwei Fällen ging es darum, ob es nun im G9 Abiturjahrgang zum Wechsel kommt oder bei den G8-Abiturienten. In beiden Fällen mussten wir in den sauren Apfel beißen.
    Wir hatten einen gk mathe in dem 3 mal der lehrer gewechselt hat und in einem anderen (wo ich unter anderem war) 2 mal!!! Während es im G8 nie zu einem Lehrerwechsel kam.
    Mein subjektiver Eindruck war überhaupt die g8-ler einfach relaxter waren. Allein vom Erscheinungsbild her. Die gingen auch alle weiterhin ihren hobbys nach während bei uns ein Großteil seine Hobbys aufgeben musste.
    Außerdem hat eine lehrerin unserer Schule erzählt, dass es ein schreiben gegeben hat in dem die lehrer angewiesen wurden die ganze notenleiste auszuschöpfen, und das es ein ähnliches schreiben wür das g8 gibt in dem wiederum stand das möglichst gute noten vergeben werden sollen.
    Ich persönlich hatte den Eindruck das wir es teilweise schon in den klausuren schwerer hatten.
    Ich hab schon den Eindruck das wir gedrückt wurden. Und den Artikel finde ich einen Witz! Den dieser Herr Josef Kraus, scheint ja überhaupt nicht kapiert zu haben worum es geht!"Dass die G8ler besser abschneiden, hält er dennoch für möglich" Das ist es doch gerade warum wir uns ungerecht behandelt fühlen !!! Denn, wenn man sich um einen Studienplatz bewirbt dann zählt ja gerade der Abi-schnitt!
    Ich finde es unverantwortlich die Zukunft junger leistungswilliger leute für die Politik zu missbrauchen!!! Da zerbrechen ganze träume an einem n.c den man nicht erreicht hat! Der (sehr geehrter Herr Kraus) auch für uns g9 abiturienten greift!Und letztendlich ist das g8 nichts anderes als ein großes Sparprogramm, dass hinter diesem feinen Ein-Jahr-früher-abi-argument gut versteckt ist! Und überhaupt sind viele g8- Abiturienten ja eh total unentschlossen und überlegen nach dem abi ein jahr als au-pairs oder work&travel ins ausland zu gehen!Es ist pervers wie Deutschland an seiner Jugend spart, da braucht man sich echt nicht wundern das die demographische Situation so schlecht ist!

  21. avatar Magdalena sagt:

    Wollte nur mal meine persönliche Position darlegen, dass ich das ganze als unmittelbar Betroffene natürlich nicht objektiv berurteilen kann, ist klar!
    Und noch was wegen des schnittes, der ist angesichts des enormen Abiturientenansturms zum WS 2011 natürlich noch viel relevanter, den der n.c richtet sich schließlich auch nach der Bewerberzahl!

  22. avatar Franz Georg Fuchs sagt:

    @Magdalena:
    Mein herzliches Beileid für solche Lehrkörper. Ich hatte in der K12 übrigens auch 4mal nachmittags Unterricht, und das mindestens bis 16Uhr. Ob eure Klausuren schwerer waren kann ich nicht beurteilen. Ich kann und werde auch nicht den Schwierigkeitsgrad eines Deutsch oder Erdkundeabis bewerten. Ich kann nur über das Mathe-GK-Abi, über das so lauthals gejammert wurde sagen, dass diese Aufgaben alles andre als schwer waren. Mir würden anhand des Grundkursstoffs doch noch deutlich schwerere Aufgaben einfallen.
    Das Mathe-LK-Abi war im Rahmen. Was ich natürlich nicht weiß, ist, wie heuer die Bewertungsvorgaben waren. Aber die Aufgaben an sich waren aber machbar.
    Die Bevorzugung des G8 ist auch Ausdruck der individuellen Handhabe jeder Schule, vor allem, was so Dinge wie die Stundenpläne (Nachmittagsunterricht) und Lehrerwechsel angeht.

    Und nein, der Abischnitt ist nicht in allen Fächern wirklich von Belang. Die Noten einzelner Fächer möglicherweise.
    Aber der Numerus clausus gilt nur noch für eine sehr begrenzte Anzahl von Fächern, bei allen anderen dürfen die Unis selbst entscheiden. Es gibt durchaus Fächer, in denen der Abischnitt fast ohne Bedeutung ist, weil der Andrang generell sehr gering ist (Elektrotechnik, Maschinenbau etc.).

    In deiner Einschätzung zur Politik gebe ich dir mit einer Ausnahme Recht. Die Entscheidungen sind Folge der demographischen Struktur nicht umgekehrt. Das ist nunmal Demokratie. Mit einer noch so kleinen Rentenerhöhung kann man mehr Wählerstimmen kaufen, als mit einer Verbesserung der finanziellen Situation an Schulen und Unis, weil schlichtweg mehr Menschen kurzfristig zu profitieren meinen. Wobei auch das vorhandene Geld teilweise sinnlos verpulvert wird. In den letzten 15 Jahren zum Beispiel für kaum genutzte Computerräume an den Schulen.

    Auch ist es höchst bedauerlich, dass immer weniger Abiturienten eigentlich wissen, was sie mit ihrem Abitur anfangen wollen. Das ist aber eine Entwicklung, die schon seit einigen Jahren anhält und jetzt nicht primär mit dem G8 zu tun hat, sondern höchstens deutlicher zu Tage tritt.

    Ansonsten möchte ich dir einfach nur ein "Kopf hoch" mitgeben. Es findet sich immer ein Weg. Mir hilft in solchen Situationen immer, mir ins Gedächtnis zu rufen, dass uns rund 80% der Weltbevölkerung um solche Probleme beneiden...

  23. avatar sabine meise sagt:

    Hier sei nur der Wende-Witz angemerkt: Warum brauchen Schüler in der BRD 13 Jahre zum Abi und Schüler in der DDR nur 12 Jahre? ....
    Im Westen gibt`s / gab`s ein Jahr Schauspielunterricht!

    Nun ist euch der Schauspielunterricht genommen worden und das laute Jammern wird so recht sichtbar.
    Dass in deutschen Schulen nicht genug gelernt wird, zeigt PISA. Noch Fragen? Wacht auf und guckt euch in der Welt um - dort ist der Standard.