Die Abiprüfungen des ersten G8-Jahrgangs laufen. Das Schwitzen vor und das Grübeln nach den Prüfungen sind heißer Diskussionsstoff im Internet. Lerne ich das Richtige? War das im Deutsch-Abi wirklich ein personaler Erzähler? Und hat das G8-Abi eigentlich kein Niveau? Eine Netzreportage.
Das Mathe-Abi wirft in der Welt der Blogs, Web-Foren und Sozialen Netze seine drohenden Schatten voraus: "Hoffentlich sind sie am freitag gnädig mit uns..
Bittebittebitte!" schreibt Chrischtie in einer Facebook-Gruppe zum G8-Abitur. Bettina bekommt beim Gedanken an das Zahlenfach Angst, dass sie in Deutsch "totalen Mist geschrieben" habe - sie werde ohnehin schon "in Mathe unterpunkten", kommentiert die Schülerin einen Beitrag im BR-Abi-Blog.
Mathe und Verschwörungstheorien
Bereits beim G9-Abitur war die anspruchsvolle Matheprüfung Gegenstand von Diskussionen bis hin zu Verschwörungstheorien. Auf der Plattform "Raid Rush" etwa hatte ein Blogger spekuliert, diese sei aus politischen Motiven "mit Absicht schwer gestaltet" worden, damit die G8-Abiturienten besser abschneiden würden. Dass analog die G8-Prüfung in Mathe besonders leicht sein werde, erwartet dagegen niemand - zumindest unter den Betroffenen.
Praktische Tipps und Spiel mit der Angst bei Facebook
Auf den einschlägigen Plätzen bei Facebook tummeln sich die Spammer: "Mathe, Bio, Geschichte oder Deutsch im Abitur? Wir helfen dir effizient zu lernen… Schau doch mal auf unserer Website vorbei!" Andere bieten ihre Hilfe kostenlos an: "Den Song kurz vor Mathe hören dann gehts ab!", empfiehlt Jens. Jennifer gibt praktische Tipps zur Verwendung des Taschenrechners, und stellt klar, "dass man bei sinus und cosinus auf ‚rad' umstellt, alles andere wird mit ‚deg' gerechnet".
Drittes Abiturfach als Pflichtübung
Das variable dritte Prüfungsfach am heutigen Dienstag schlägt dagegen nur kleine digitale Wellen: "Schlecht war's wohl nicht", schreibt Julia im BR-Abi-Blog nach der Englisch-Prüfung. Eileen findet auf Facebook, das Wirtschafts-Abi sei "gut machbar" gewesen. Die "Abiturübungen im STARK waren deutlich anspruchsvoller", merkt Kommentator Felix an. Und für Steffis Frage "Wer hat Musik Aufgabe IV genommen?" interessiert sich bislang niemand der rund 11.000 Gruppenmitglieder.
Auktorialer oder personaler Erzähler?
Schon vor Beginn der Prüfungen am 13. Mai mit dem Deutsch-Abi war guter Rat im Netz begehrt: Im Schülerforum deutschboard.de fragte "meerjungfrau 21", "wie genau man einen sachtext vergleich schreibt" (auf jeden Fall - das sei hier gesagt - unter Berücksichtigung der Groß- und Kleinschreibung sowie keinesfalls unter Verwendung nicht gekoppelter Nominalkomposita). Ein Leser half mit einer Beispielgliederung, die zeigte, wie so ein Vergleich aufgebaut sein kann. Nach der Prüfung wurden Einzelheiten der Themen diskutiert, die zur Auswahl standen. Im BR-Abi-Blog etwa entbrannte eine Diskussion darüber, ob im Auszug aus Kumpfmüllers "Hampels Fluchten" ein auktorialer- oder ein personaler Erzähler vorläge.
Zweifel am Niveau des G8-Abiturs
Ein quälendes Thema für G8-Abiturienten scheint die Geringschätzung des Niveaus ihrer Abiturprüfungen durch manche Älteren zu sein. "Wenn ein Erstklässler ein Gedicht aufsagt und ein Physiker einen Masterabschluss erwirbt, erhalten beide vielleicht eine Eins, haben aber nicht dasselbe Leistungsniveau", versucht sich Kommentator "josephus" unter einem G8/G9-Artikel auf sueddeutsche.de an einem Vergleich. Im BR-Abi-Blog witzelt "mex" über das Deutsch-Abi: "'Chancen und Risiken für Freundschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation' ...nichts gegen euch G8ler...aber das Thema fände ich ja in der 10ten schon zu banal für eine Deutscherörterung".
Neue Aufgabentypen
"Leibnitz Schüler" hält in seinem Kommentar unter einem Artikel auf dem fränkischen Nachrichtenportal n-land.de dagegen. Er will sich nicht Nachsagen lassen, dass Leistungskursniveau in seinem Jahrgang gar nicht mehr erreicht werde: "Zwar soll die Prüfung Grundkursniveau haben, allerdings werden nun neue Aufgabentypen gestellt, die die Anwendung des Wissens auf neue, unbekannte Bereiche fordern. Also ist das G8-Abitur nicht so einfach wie es immer dargestellt wird". "Leistungskurs-Wissen kann man im G-8-Abitur nicht mehr abfragen", hatte es in dem Artikel unter Berufung auf Angaben des Kultusministeriums geheißen.
Anstoßpunkt Abitur
Die Diskussionen über mögliche Einflussnahmen auf Notenschnitte durch schwere Aufgaben und über den Bildungsstand der G8ler im Vergleich zu den G9-Kollegen zeigen: Über die Ratgeberdienste zum Abi hinaus wird das Netz während der G8-Prüfungen Schauplatz gesellschaftlicher und politischer Diskussionen, die sich am Thema Abitur entzünden. Fortsetzung folgt - spätestens zur offiziellen Bekanntgabe des G8-Notenschnitts.














9 Kommentare
Das Erörterungsthema des G8-Jahrgangs in Deutsch scheint auf den ersten Blick leicht gewesen zu sein, aber es geht in der Korrektur ja nicht um das Thema selbst, sondern dass man die vorhandenen Materialein in die Erörterung miteinbezieht, seine Argumente stützen kann und Verbesserungsvorschläge dazu bringt.
Das Kunst-Abitur z.B. fand ich persönlich gar nicht leicht und vor Mathe haben wohl 90% der Schüler Angst.
Ich finde es unmöglich von G9ern, die sauer über ihr schweres Mathe-Abitur sind, uns G8ern vorzuwerfen, dass wir es viel einfacher hätten. Das stimmt so keineswegs. Nicht auf die Prüfungen bezogen und auch nicht in anderen Bereichen. Im G8 muss man in der Oberstufe beispielsweise viel viel mehr Wochenstunden haben (min.132) .. die G9er nur 108. Zudem herrschte an der Schule auch immer wieder Ungewissheit über die Lehrpläne, Termine etc. - selbst bei den Lehrern selbst!
Ich wäre viel lieber im letzten G9, als im ersten G8 Jahragng gewesen.
Dass das Matheabitur der G9er schwer war kann ich nicht feststellen, ich habe diese Prüfung komplett druchgerechnet und hatte keine Probleme, und das auch noch als G8 Schülerin ...
jetzt höhrt bitte mit diesem ewigen G8-Gejammer auf... das kann man echt nicht mehr hören. Wenn man das Abitur in acht Jahren macht dann ist es doch klar dass man dann mehr Stunden belegen muss, und wenn die Halbjahresnoten 1:1 mdl. zu schriftl. gerechnet werden weiß ich mir auch nicht mehr zu helfen... dafür hätten sich viele G9ler den Fuß abgehackt.
Dass ihr es nicht immer einfach hattet sieht jeder ein, aber irgendwann sind die ersten G8ler mit so viel Mitleid überschüttet worden, dass sie sich nur noch selber leid getan haben. Fürs Abi muss man was leisten, das ist in G9 wie G8 (hoffentlich) nicht anders!
Ich finde es wirklich nervig, dass zwischen den beiden Jahrgängen immer Grabenkriege ausgetragen werden a la "Euer Abi ist einfacher" oder "Unser Abi war viel schwerer" etc.! Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich habe mein Abi mit dem letzten G9-Jahrgang abgelegt und denke, dass die G9-Jahrgänge vor uns vielleicht von wenigen Wochenstunden profitiert haben etc., doch im letzten G9-Jahrgang war es ein gehöriger Stress, Prüfungen, Klausuren und Facharbeit unter einen Hut zu bringen und ich habe ein ziemlich gutes Abitur, d.h. ich bin keine, die Schwierigkeiten mit irgendwelchen Stoffinhalten hatte. Unsere Facharbeit hatte einen größeren Umfang als die Seminararbeit, das bedeutet meiner Meinung nach auch einen höheren Aufwand, und unsere Abiturvorbereitung, z.B. der Unterricht nur in Prüfungsfächern, betrug drei Tage, da vorher 13/2 noch gar nicht geendet hatte. Im G8 waren es ja volle zwei Wochen nach den Osterferien? Außerdem kann man sich wirklich an einem kleinen Rechenbeispiel vor Augen führen, dass es im G8-Abi schon etwas mit polemisch gesagt Dummheit zu tun hat, wenn man einen schlechten Schnitt hat, da die 1:1-Wertung ein erheblicher Vorteil für den Großteil der SchülerInnen ist. Aus Erfahrung würde ich sagen, dass die allermeisten deutlich bessere mündliche Leistungen als schriftliche erbringen! Ich finde, irgendwann muss man sich auch fragen, wenn alle Eins-Komma-Schnitte im Abitur erhalten, ob dieser Trend des "Höher-Schneller-Weiter" mit einer gehörigen Portion Oberflächlichkeit vor allem bezüglich der Lerntiefe sinnvoll ist. Doch dafür können die SchülerInnen des ersten G8-Jahrgangs auch nichts, darum sollte die Beschwerde eher ans KuMi gehen, anstatt sich gegenseitig immer die Köpfe einzuschlagen, wer jetzt am Ende die bessere Durchschnittsnote hat.
1. Der Umfang der Facharbeiten und Seminararbeiten ist an unserer Schule identisch. Nur ein anderes Wort für die G8ler!
2. Schriftlich:mündlich 1:1 ist meist nur ein Vorteil für schlechtere Schüler..ich profitiere überhaupt nicht davon, ich verschlechtere mich dadurch. Da kommt mal eine unerwartete Ex und schon ist die perfekte Klausur deutlich gedrückt! Und meist gibt es nur 2 mündliche Noten, also eine Ex und eine Abfrage. Schön, dass die G9-ler denken, das wäre ein Vorteil für uns..
3. wir bekommen auch unser Abi nicht geschenkt. Die ersten Abiprüfungen sind geschrieben, und ja ich bin eine 1-er Schülerin (deiner Meinung nach ja eher ungerechtfertigt), und muss sagen, auch im Matheabi war eine 1er Bremse vorhanden!!!
@nichtsalsgespenster
Dein Beitrag widerspricht sich etwas. Zuerst erzählst du uns über Grabenkriege, die du nervig findest, und dann fällst du übers G8 her, was die G8ler ja alles für Vorteile haben?
Ach übrigens: Bin ich deshalb dumm, nur weil wir die 1:1 Wertung haben und ich keinen 1er-Schnitt habe? Nur weil du vllt mündlich besser bist, heißt das nicht, dass es auch für die Allgemeinheit gilt.
Außerdem: Durften wir uns die Oberstufen- und Abifächer "raussuchen"? Nein! Also könnte ich genauso behaupten: "Alle G9er sind dumm, wenn sie keinen 1er-Schnitt haben, schließlich müssen sie ja nicht in Deutsch, Mathe und Englisch Abi machen"
G9 Stundenzahl pro Woche: 27
G8 Stundenzahl pro Woche: 33
Hmm, ihr G9er hattet es wohl wirklich stressig!
Dies trifft übrigens nicht nur auf die Oberstufe zu, schon in den vorherigen Jahren hatten wir im Durchschnitt 1-2 mal mehr Nachmittag. Gut, dass ihr kurz vorm Abi viel Stress hattet wegen Klausuren, kann ich verstehen, liegt aber nicht am G9, sondern es ist halt einfach dumm gelaufen, dass ihr der letzte Jahrgang wart.
Ich hab mich selbst nie bemitleidet (@mex), sondern ich war froh darüber, ein Jahr früher fertig zu sein. Trotzdem kann ichs nicht leiden, dass Leute, die keine Ahnung davon haben, sagen: "Ohhh ihr G8er hattest es wirklich leicht im Gegensatz zu uns"
@lara: Bezüglich der Facharbeiten kann ich einfach nur von meiner Schule reden, an der die Seminararbeit einen Umfang von ca. 10 Seiten hat und eine Facharbeit einen Umfang von ca. 20 Seiten. Vielleicht ist es nur bei uns so, wie auch immer.
Zu den mündlichen Noten: Ich meinte damit nicht, dass du als sehr gute Schülerin damit massig Vorteile besitzt, da es in den vorderen Bereichen egal ist. Ich sehe einfach nur einen Vorteil bei der 1:1-Rechnung bei den Schnitten im 2er-Bereich (für mich gute Abischnitte!). Ich würde einfach sagen, dass die mündlichen Noten zum großen Teil besser ausfallen (fragt einfach mal einen Lehrer!) als die schriftlichen und daher die Wahrscheinlichkeit dafür, dass man sich am Ende auf eine bessere Note retten kann, wenn man durchschnittliche Leistungen erzielt, höher ist, sodass am Ende ein 3-Komma-Schnitt nun mal unwahrscheinlicher ist als im G9. Natürlich stimmt es auch, dass man als G9ler bei einer guten Klausurnote eine Art Freifahrtschein hatte, da mündlich nicht mehr viel schief gehen konnte. Das ist eben ein Vorteil des G9!
@Yess: Mit den Nachmittagsunterricht gebe ich dir völlig Recht!
Ich sehe es auch als Nachteil, dass euch die Abifächer vorgeschrieben werden. Im G9 ist es aber durchaus auch so, dass man Vorgaben hat. Ganz viele mussten durch ihre Lk-Kombination ebenfalls in einer Sprache oder Mathe/Naturwissenschaft Abitur machen. Deine Lk-Kombination gibt dir deine Abifächer meistens vor. So viel wählen kann man da nicht, d.h. auch im G9 kannst du nicht nach Gusto "einfache" Fächer wählen, ohne um ein paar Hämmerchen a la Mathe oder Deutsch zu kommen. Ich denke, da gibt sich weder das eine noch das andere viel. Auch habe ich nicht gesagt, dass alle G8ler einen Einser-Schnitt haben müssen, da alles "so einfach ist". Vielmehr meinte ich s.o., dass sich die berühmte Gauß'sche Notenkurven eben nach links verschiebt. Wie weit wird man sehen. Dafür könnt ihr aber nichts, es liegt ja am Bewertungssystem.
Und ich hatte im Übrigen auch 33 Wochenstunden, wie die meisten meiner Freunde auch, weil es auch hier auf die Lk-Kombination draufankommt, wie viele Wochenstunden man letztendlich belegen muss. Diese berühmten 108 Wochenstunden haben vielleicht 1 oder 2 aus einem Jahrgang.
Ich denke nicht, dass euch euer Abi geschenkt wurde. Vielleicht sollten wir auch mal aufhören, uns zu vergleichen.
Habt ihr euch schon mal mit Lehrern darüber unterhalten? Die Frage meine ich jetzt nicht böse. Ich kann nur von meinen sprechen und die sagen z.B. auch, dass die Klausuranforderungen deutlich niedriger sind im G8. Jetzt schreit gleich wieder jemand! Nein, sie sagen aber auch, dass ihr halt auch einfach anders lernt und Vergleiche nun mal mühselig sind, auch wenn es jeder tut.
Meine Lehrer jammern nur das wir so wenig beigebracht kriegen, das bezieht sich aber glaub ich auf die lezten Jahre unabhämgig vom G8/G9. Aber in Mathe ist das Niveau(naja nicht nivea sondern der Stoff) deutlich gesunken, will man also eine Naturwissenschaft studieren besteht die Frage wie man gedenkt die Lücke zur Uni zu füllen. Vorallem die Naturwissenschaftlichen Lehrer waren bei mir am meckern da ja die Naturwissenschaften eine Stunde wenige kriegen als die Sprachen?! Von den Klausuren her kann man glaube ich gar nichts sagen da dies ja schon immer sehr Lehrer abhängig ist, das habe ich in Physik zu spüren bekommen, der eine wollte ein paar Experimente und Herleitungen sprich stures Auswendiglernen, während die andere vorallem auf Transferaufgaben gesezt hat und eigene Formeln finden.
Also Klausuren sind wie eh und jeh sehr Lehrer abhängig, am deutlichsten ist es in Deutsch weil sich die Korrektur noch unterscheidet, meine konervative Lehrerin lässt nicht viele Möglichkeiten und ist mir anderen Interpretationsansätzen nicht wirklich einverstanden, auch ihr Niveau ist sehr hoch da sie noch so korrigiert wie vor 20 Jahren.
Und das ist es eben, vor 20 Jahren war das Abitur noch anspruchsvoll, da musste ich auch mal beim Mathe Abi mehr denken, mittlerweile ist das Niveau sehr gesunken da aus irgendeinem Grund alle Eltern darauf bestehen ihr Kind aufs Gymnasium zu schicken, irgendwie musste das ja ermöglicht werden.
Ok, anfangs dachte ich mir, dass das G8 Abi super einfach werden soll (was ich mir auch erhofft habe) und das G9er schwer, damit kein schlechterer Durchschnitt rauskommt.
Zu den Klausuranforderungen:
Wie das G9er Abi an sich war, kann ich schlecht beurteilen, ich finde nur, dass z.B. Mathe vllt etwas schwerer war, aber keinesfalls so, dass jeder meckern müsste.
Bei Deutsch haben unsere Lehrer gemeint, dass das G9er geschenkt war (v.a. das Gedicht), ich fand aber unser G8er auch nicht allzu schwer.
Bei Englisch muss ich selbst als "totale Englisch-Niete" sagen, dass unsers super einfach war. Vom G9er weiß ich nicht, wie es war.
Dass das G8 Abi kein Niveau hat, und das G9er mit Absicht schwer gestaltet wurde, kann ich also nicht behaupten. Den "Durchschnitts-Schnitt" kann das Ministerium sowieso nur bedingt beeinflussen, nämlich durch die 3 schriftlichen Prüfungen (entsprechen 1/5 der Gesamtnote).