Sonntag, 22. Mai 2011, 21.17 Uhr

Drei Wochen Praktikum - ein Zwischenbericht

Marlene Kost

Marlene Kost in den Rubriken Leben und Lernen

Knappe drei Wochen bin ich nun am Louise-Schröder-Gymnasium und mache mein Praktikum für Lehramtsstudenten. In dieser Zeit habe ich bereits viel gesehen und viel gemacht. Sehr interessant war natürlich der Blick hinter die Kulissen, ins Lehrerzimmer, die Erkenntnis, dass Lehrer auch nur Menschen sind und fast genauso oft über uns Schüler reden wie wir über sie geredet haben. Ungewohnt war es schon, aber nach einiger Zeit habe ich mich schon fast als Lehrer gefühlt.

Ich stand bereits mehrmals vor der Klasse, sei es für ein Diktat, ein bisschen Textarbeit oder das Hausaufgaben verbessern. Ein besonderer Moment war, als ich meine erste komplette Stunde halten durfte. Nach ziemlich langen Vorbereitungen, was man als Schüler oft unterschätzt, stand ich vor der Klasse mit einer Unmenge an Notizen. Entgegen aller Befürchtungen arbeitete die Klasse gut mit und nach 45 Minuten hatte ich die komplette Tafel mit französischer Grammatik beschrieben und teilte den Schülern noch eine kleine Hausaufgabe aus. Alles in allem waren es also ereignisreiche 3 Wochen –

Notizen für die Unterrichtsstunde / Bild: Marlene Kost

– in denen ich allerdings gemerkt habe, dass Lehramt nichts für mich ist. Zu viel Pädagogik, zu wenig vom Fach, und sehr viel Geduld mit Kindern. Auch wenn ich wirklich gerne Französisch spreche und französische Bücher lese, reicht das noch lange nicht aus, um dieses Wissen gut vermitteln zu können. Der Ansatz, nur Lehrer zu werden, weil man das Fach so gerne mag, ist eindeutig falsch, jedenfalls für mich. Da ich also nun nicht Lehramt studieren möchte, habe ich mich dazu entschieden, das Praktikum nicht komplett zu machen, sondern nach drei Wochen, also der Orientierungsphase, abzubrechen. Morgen wird mein letzter Tag im Praktikum sein.

Der Zwischenbericht ist somit auch ein Abschlussbericht geworden, was ich vor drei Wochen als vollkommen abwegig abgetan hätte. Von meinem als sicher gedachten Weg habe ich eine Abzweigung genommen und stehe nun wieder an der Kreuzung mit den tausend Schildern und zehntausend Richtungen. Wohin wird mein Weg mich führen?

6 Kommentare

  1. avatar Vo Minh Thu Tran sagt:

    Ohje - was ist dann dein Plan für die kommende Zeit? Willst du erst mal ein Jahr zur Orientierung einlegen oder hast du schon eine Ahnung wies weitergeht?

  2. avatar Julia sagt:

    Krass, was so ein bisschen Berufspraxis alles umschmeißen kann!

  3. avatar Vanessa Herfeldt sagt:

    Das stimmt, aber deswegen sind Praktikas ja so extrem wichtig. Ich wollte früher unbedint Architektin werden, dann hab ich ein Praktikum bei einem super netten und engagierten Architekten gemacht und habe festgestellt, das ich es einfach tot langweilig fand...

  4. avatar Ruth Lorenz sagt:

    Oh je. Kannst du nicht etwas anderes mit Französisch studieren?Übersetzerin,Fremdspachenkorrespondentin oder so was ähnliches?

  5. avatar Marlene Kost sagt:

    nun also erst mal nix mit Französisch, aber man kann ja immer noch ein Semester nach Frankreich gehen :-)

  6. avatar Uli Krahn sagt:

    Intelligent und tapfer, dass du dahinter stehst, was du nicht willst, und prompt handelst! Auch eine Form von Wissen was man will. Und weiss man das, findet man auch das Richtige. (kann ja nicht immer in den allerersten Wochen gefunden werden...;)