Für ganze 12 Jahre musste man sich keine großartigen Gedanken machen, wie es nach den Sommerferien weitergeht. Das nächste Schuljahr wartete auf einen - jedes Jahr aufs Neue. Dieses Jahr ist das anders. Mit dem Abi ist die Schulzeit vorbei und mit ihr auch die feste Struktur und von vornherein feststehende Zukunft. Das erste Mal ist der weitere Verlauf noch völlig offen - was nach den Sommerferien folgt, liegt ganz und gar (meistens zumindest) in dein eigenen Händen. Das ist einerseits ein komisches Gefühl, vielleicht sogar ein beängstigendes und beunruhigendes. Welche Entscheidung ist die richtige? So viel kann davon abhängen, wegweisend für das restliche Leben sein. Diesmal liegt niemand schon Dinge für einen fest, es gibt niemanden, der einem genau sagt, wie und wo es weitergeht. Es kann aber auch ein aufregendes, spannendes Gefühl sein, denkt man an die Möglichkeiten, die sich einem zum ersten Mal im Leben eröffnen. Wann im Leben ist man denn noch einmal mit der einzigartigen Situation konfrontiert, dass man sich für einfach alles entscheiden kann, einfach überall hinziehen kann; Jura, BWL, Modedesign, Lebensmitteltechnik oder Erlebnispädagogik studieren kann? Nichts steht schon fest. So ist es zumindest bei mir.
Lange Zeit war der Plan, Psychologie in Regensburg zu studieren, zusammen mit Janna und Riccarda in einer WG zu wohnen. Wenn es erstmal so weit ist, merkt man, dass das alles leichter gesagt, als getan ist. Riccarda, die ebenfalls Psychologie studieren wollte, hat sich an allen möglichen Unis beworben: In Regensburg erhielt sie eine Absage - mit einem Schnitt von 1,4! (so viel zum doppelten Abiturjahrgang). Mir widerfuhr dasselbe: Absage mit einem Schnitt von 1,5. Psychologie in Regensburg wäre damit schon mal erledigt. Inzwischen frage ich mich, ob das vielleicht gar nicht so schlecht ist. Ich hatte ohnehin die letzte Zeit Unsicherheit darüber, ob es wirklich das richtige für mich ist. Vielleicht darf ich die Absage als einen Wink des Schicksals verstehen. Erstmal langsam - zumindest so lange, wo ich noch keine genauen Vorstellung bezüglich meines Berufswunsches habe? Aber was kommt dann jetzt erstmal? Zuerst fand ich das Gefühl beunruhigend und aufreibend, dass mir damit für's Erste die klare Zukunftsperspektive fehlt. Inzwischen finde ich es spannend. So gar nicht zu wissen, was kommt. Die nächsten Wochen, die nächsten Monate. Überhaupt. Einfach mal nicht - wie all die Jahre davor - schon genau zu wissen, wo und wie es einen in nächster Zeit hinverschlagen wird. Keine festen Pläne, keine fixen Abläufe. Ich werde die Zeit genießen, weil ich davon ausgehe, dass sie so wohl nicht mehr wiederkehren wird. Wenn man erstmal im Studium, später Beruf ist..
Wer weiß: Vielleicht studiere ich doch noch diesen Herbst. Vielleicht doch in der geplanten WG. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ergibt sich spontan noch einmal ein Auslandsaufenthalt. Vielleicht arbeite ich erstmal intensiv in meiner bisher nur als Nebenjob genutzten Geldfabrik und begebe mich mit dem damit verdienten Gehalt auf Selbstfindung? Das pure Leben, man muss sich nur darauf einlassen können - nicht ist spannender!














2 Kommentare
Uiuiuiui.. solche guten Abschlüsse und trotzdem nicht den Wunschsstudienplatz bekommen?
Da lobe ich mir Faulheit und Taktik, denn so kommt man zum Erfolg. Nicht, indem man 2 bzw. sogar 8 Jahre lang sich jeden Tag den Allerwertesten aufreißt. Die Schule ist zum chillen da und wie sagte Seneca so schön
Non vitae, sed scholae discimus („Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“)
Konkret in meinem Fall:
Im ersten Halbjahr gelernt wie ein Irrer -> Schnitt 1,8
Für ein duales Studium (BWL) bei einem größeren Unternehmen beworben -> genommen worden
Und danach 3 HJ fast nix mehr getan, auch für's Abi nicht und so sprang am Ende ein schöner 3,1 Schnitt heraus
Also Faulheit (3 Halbjahre nur Spaß haben und fast nix lernen) und Taktik (1 Halbjahr Gas geben und rechtzeitig bewerben) bringen oft mehr, als einfach nur zu lernen.
Hey voll beschissen, ich hab auch 1,4 und wurde für Psycho in Regensburg abgelehnt.
Echt assi, wenn man bedenkt, dass mir im Abi auch "nur" 4 Punkte auf eine bessere Noten fehlten.
Diese hab ich unter anderem meiner unglaublich "tollen" Kunstlehrerin zu verdanken, die jedem auf jedes Bild die gleiche Note gegeben hat. Mein erstes Bild in der 11. war leider nur 6 Punkte (und war auch nicht so toll), aber danach hab ich mir richtig Mühe gegeben und alle fanden meine Bilder toll, aber ich hab trotzdem immer 6 Punkte bekommen und jedes HJ in Kunst 8 Punkte. In den Jahren davor bei anderen Lehrern immer 'ne 1.
Na ja.. kann man nix machen.
ABer solche Dinge nerven eben, ne?
Kunst - etwas, das man nie fürs Leben braucht, versaut einem genau das. Zumindest ein wenig!
Kann man nix machen.