Dienstag, 20. September 2011, 18.45 Uhr

Ruth Lorenz

Ruth Lorenz in den Rubriken Leben und Lernen und Lieben

Jungen Menschen Musik und die Freude am Musizieren näherbringen. Talente entdecken und fördern. Theoretische Inhalte und Praxis vermitteln. Lange Zeit hatte ich mir Gedanken gemacht, ob ich nicht aus genau diesen Gründen ein Lehramtsstudium für Musik beginnen sollte-letztendlich habe ich mich dagegen entschieden (zu viel Klavier, Gehörbildung und Harmonielehre, keine Harfe, unmotivierte Schüler,...).

In den letzten Jahren konnte ich eine Veränderung in diesem Beruf bemerken, mein ehemaliger Musiklehrer Patrick Ehrich beschreibt dies so:

" Im Zentrum steht nicht mehr die Vermittlung eines Kanons "großer Meisterwerke". Stattdessen sollte ein Musiklehrer kompetenter Ansprechpartner in Fragen zu vielen Bereichen von Musik sein (viele Stile, Phänomene des Pop-Business, rechtliche Fragen bei Musiknutzung im Internet). "

Dies stimmt auch mit den Marktoberdorfer Thesen des Bayerischen Musikrates über ein, die eine "durchgängige und qualifizierte musikalische Bildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene durch bestmöglich qualifizierte Lehrkräfte" fordern. Erreicht werden soll dies durch "die Sicherung einer qualifizierten musikpraktischen Ausbildung für alle Lehramtsstudierenden mit Musikfach" sowie die "qualifizierte Fort- und Weiterbildung von Musiklehrern".

Schön und gut, aber so eine Bildung lässt sich leider nicht verwirklichen, wenn in einem Kurs mit 30 Schülern in der neuen gymnasialen Oberstufe sowohl Schüler, die das Additum belegen, als auch Schüler, die nicht einmal Noten lesen können, sitzen. Diese Additumsschüler-potenzielle neue Musiklehrer-sollen in zwei Unterrichtsstunden alles für das Abitur wichtige lernen(die anderen müssen dies notgedrungen auch tun). Das schriftliche Musikabitur ist dann dasselbe wie das an Gymnasien mit musikalischem Zweig, nur die Voraussetzungen für die Schüler sind durch den Wegfall des Leistungskurses ganz andere (das gilt übrigens auch für das Matheabitur, das am sprachlichen Zweig dasselbe ist wie am naturwissenschaftlichen).

Umso wichtiger ist es dann, dass der Musiklehrer für seinen Beruf wichtige Eigenschaften mitbringt und diesen Beruf auch gerne ausübt. Patrick Ehrich über seine Motivation, Musiklehrer zu werden :

"Als Schulmusiker ist man die zentrale Figur des musikalischen Schullebens. Deswegen sollte man eine glaubhafte und begeisternde Ausstrahlung haben, um die vielen Generationen von Schülern, denen man im Laufe eines Berufslebens begegnet, immer wieder begeistern zu können. Außerdem hat sich bei mir bei der Studienwahl schnell heraus gestellt, dass ich mit Schülern unterschiedlichster Altersklassen gut zurecht kam und meine Erklärungen in der Regel recht gut verstanden wurden."

Wie es mit der Musikbildung an der Schule wohl weitergeht?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Schluss noch eine persönliche Erfahrung. Der Eignungstest für Musikwissenschaft umfasst angeblich den Lehrplaninhalt der Klassen sieben bis zehn am normalen Gymnasium. Trotz meiner zusätzlichen Vorbereitung bei Herrn Ehrich, an der Musikschule (Gehörbildung und Harmonielehre) und der Tatsache, dass ich in Musik mit dem Additum Abitur gemacht habe, wurde es knapp, da Dinge verlangt wurden, die in der Schule nicht besprochen werden (Septakkorde auflösen, Kadenzen schreiben, Rhythmusdiktat in Klasse 7-10???),die ich zum Glück privat nachgelernt hatte. Bis zur Umsetzung der Markoberdorfer Thesen ist es noch ein langer, steiniger Weg...

 

 

3 Kommentare

  1. avatar ZoeZ sagt:

    Was ist denn eigentlich die Aufgabe eines Musiklehrers? 1 Stunde Musik in der Woche ist doch ein Witz, da ist es doch klar, dass sich die Musiklehrer um Projekte und Konzerte kümmern müssen...

  2. avatar Maik sagt:

    Weiß hhier jemand wie das mündliche Abitur in Musik am G8 so abläuft? Möchte das nämlich machen.
    Muss man da einfach ein Lied interepretieren und dann noch ein paar Fragen zu den Halbjahren beantworten können, oder?

  3. avatar Ruth Lorenz sagt:

    @ZoeZ: Ein Musiklehrer hat ja nicht nur eine Klasse, sondern unterrichtet genauso viel/ etwas weniger als ein Englisch- oder Mathelehrer. Insofern ist der Musikunterricht und dessen Vorbereitung seine Hauptaufgabe (aber eine Musikstunde pro Klasse ist ein Witz was den vermittelten Stoff angeht, vor allem, weil Schüler ja auch singen, etc. wollen). Projekte wie Chor und Orchester sind dann noch zusätzliche Arbeit, insgesamt ist da dann genauso viel wie bei anderen Lehrern.
    @Maik: Im Prinzip läuft das mündliche Musikabitur genauso ab wie die anderen Kolloquia, nur dass ein Musikstück und ein Notenbeispiel dabei sind Was du dann genau damit machen musst, hängt von deinem Schwerpunkt und den gewählten haljahren ab. Genaueres kann ich dir dazu leider auch nicht sagen, da ich ja schriftlich in Musik Abi gemacht habe.