Montag, 17. Oktober 2011, 17.18 Uhr

Stehplätze für Erstsemester

Vanessa Lünenschloß

Vanessa Lünenschloß in den Rubriken Leben und Lernen

Seminarräume suchen, Bibliothekskarte ausstellen lassen und hoffen, dass es im Hörsaal noch einen freien Sitz gibt – der doppelte Abiturjahrgang goes Uni. Wir haben einige Erstsemester an ihrem ersten Vorlesungstag an der LMU München begleitet. Und wie erwartet gibt es in manchen Hörsälen nur noch Stehplätze.  

Glücklich, wer zumindest auf dem Boden noch ein Plätzchen gefunden hat

Nebel kriecht durch die Straßen, auf dem Rad frieren augenblicklich die Fingerspitzen ein und bis auf einen Mann mit Hund ist niemand auf der Leopoldstraße unterwegs. Wenn sich die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm ein Bühnenbild zimmern dürfte - so sähe es aus. Tatsächlich ist um neun Uhr morgens, eine Stunde nach Beginn der ersten Vorlesung in diesem Wintersemester, noch nichts, wirklich gar nichts los an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Hier und da stehen vereinzelt Studenten vor dem Hauptgebäude am Geschwister-Scholl-Platz. Ein Mann mit gelbem Schal steuert auf Neuankömmlinge zu und überreicht Äpfel. Die Freien Wähler setzen auf Obst für Erstsemester. Immerhin erwartet die LMU 9.500 neue Studenten für dieses Wintersemester.

 

Vielleicht hat sich der Ansturm nach innen verlagert. Hinter dem Lichthof, der mit seiner Gewölbedecke und der Glaskuppel fast an eine Kathedrale erinnert, liegt der größte Hörsaal. Im Audimax endet gerade die erste Vorlesung des Tages. Eine Gruppe BWL-Studenten steht etwas ratlos vor dem Gang zu den Toiletten. Bereits am Freitag haben sie sich kennengelernt, denn für Wirtschaftswissenschaftler gibt es eine mehrwöchige Orientierungsphase an der LMU. Ein großer Vorteil für die Studenten, die so viele Kommilitonen haben, wie noch kein Jahrgang vor ihnen. „So lernen wir zusammen den Unialltag kennenlernen“, sagt Theresa Hirtenfelder. „Das ist viel besser, als alleine unterwegs zu sein.“ Die 18-Jährige aus Rosenheim hat das achtjährige Gymnasium besucht. Auch Christopher Beck, 19 Jahre alt und G9-Absolvent aus Frankfurt ist begeistert. "Dafür, dass es in diesem Semester so viele Leute sind, ist das nicht schlecht organisiert. Die Tutoren helfen bei vielen Fragen weiter. "  

Der BR begleitet Theresa Hirtenfelder an ihrem ersten Unitag.

Die BWL-Studenten haben sich in der Orientierungsphase kennengelernt

Inzwischen ist es 10.15 Uhr und das Hauptgebäude füllt sich langsam. Nicht für jeden verläuft der erste Unitag entspannt. Michelle Drexl müsste jetzt eigentlich in einer Einführungsveranstaltung für Lehramtsstudenten sitzen. „Es ist wirklich alles schief gegangen. Ich habe verschlafen, jetzt saß ich gerade im falschen Raum und mein Handy habe ich auch vergessen. Ich weiß überhaupt nicht, wo ich hin muss.“ In ihrem Studiengang gibt es keine Orientierungsphase und Gruppen wie bei den BWLern. Sie muss sich selbst helfen. Am Informationsstand der Studierendenvertretung darf Michelle ins Internet und nach der Raumnummer suchen. „In die Große Aula, wo ist das jetzt wieder?“ Eine halbe Stunde zu spät, aber die Augsburgerin hat Glück: Die Tür zur Veranstaltung ist noch offen. Am ersten Tag gibt es immer viele Nachzügler. Nur auf einen Stuhl braucht Michelle in diesem Jahr nicht zu hoffen. Es sind einfach zu viele Studenten. Bis auf den letzten Platz ist die Aula besetzt. Dutzende müssen stehen.

Organisation ist alles - wie Mario, Annika und Corinna den ersten Tag erleben.

Manchen vergeht da gleich die Lust. „Zuviel los, wir trinken lieber Kaffee“, verkünden drei Studenten und machen sich in Richtung Amalienstraße davon. 

Voll, voller, Audimax

Kurz vor 12 Uhr. Auf einmal geht es zu wie im Taubenschlag. Hunderte Studenten laufen durch das Hauptgebäude der LMU, viele in Richtung Audimax. Professor Armin Nassehi hat gerade eine Einführungsvorlesung für Soziologiestudenten gehalten. Der erste Tag des Semesters sei auch für ihn etwas Besonderes. Etwa 850 Studenten haben ihm zugehört, rund 200 mehr als in anderen Semestern, schätzt er. „Aber es musste keiner auf dem Boden sitzen."

Auf Professor Armin Nassehi haben die Erstsemester einen guten Eindruck gemacht.

Nach dem Mittagessen wollten sich eigentlich auch die BWLer im Audimax treffen. Die Einführungsveranstaltung für Wirtschaftswissenschaftler beginnt gleich, doch mit der Ruhe ist es inzwischen vorbei. Mario Tramer kommt mit Tasche und Jacke im Arm wieder aus dem Raum heraus. „Wir probieren es oben auf der Galerie, vielleicht ist da noch etwas frei.“ Schnell verschwindet er wieder in der Menge. Drei Treppen weiter oben, auf dem obersten Balkon im Audimax, bietet sich dann der Anblick, den man mit rund 1.000 zusätzlichen Erstsemestern an der LMU in diesem Wintersemester auch erwarten würde: Sie sitzen überall. Auf der Treppe, zu zweit auf Stühlen, drängen sich eben noch in die Türen, rutschen auf dem Boden zusammen und balancieren das Laptop auf den Knien. Vor allem in den Fächern, die auch früher schon Platzprobleme hatten, wird es eng in diesem Semester.

 

Wie sieht es bei Euch in den Hörsälen aus?

Findet Ihr, die Unis sind auf den Ansturm gut vorbereitet?

 

2 Kommentare

  1. avatar Robert sagt:

    Nun, als Ersti fällt es schwer, Studiengänge zu vergleichen, dennoch glaube ich, dass die LMU es ganz gut macht. Von einem Freund ich Köln weiß ich, dass es dort keine Platzprobleme gibt, aber bei uns in NRW gab's auch noch keinen Doppeljahrgang.
    Ich bin persönlich froh in München zu sein. Neben Stadt ist die Uni auch einfach toll. Ob nun voll oder nicht. Der frühe Vogel fängt den Wurm, das schult ;-)

  2. avatar Vanessa sagt:

    Wenn ich mir so die vollen Vorlesungssääle anschaue, bin ich wirklich froh, die Möglichkeit zu haben an der MHMK zu studieren.