In einem vergangenen Blogbeitrag habe ich die Schule mit einem Hamsterrad verglichen. Schneller, immer schneller dreht sich das Hamsterrad, je näher das Abi rückt. Das Abitur, das große Ziel, dem wir mit breiten Scheuklappen und kleinen Hamsterschritten unermüdlich entgegen galoppieren. Immer mit dem Traum, dass wir danach endlich frei sein werden und „unser Ding“ machen können. Doch in Wirklichkeit steigen wir von einen Hamsterrad ins nächste...Und so sprach mir der begnadete Rapper Casper auf seinem Konzert gestern aus der Seele:
„Heute lass' ich den Job, Gott, ich hasse den Trott, noch so'n paar Tage mehr, man ich schwör, dann platzt mir der Kopf. Immer nur funktionieren nach Regeln und Listen, will in Mitten der Schnappschüsse mal das Leben erwischen und bin weg...“
Irgendwie fühlt sich die Uni doch verdammt an wie Schule.
Vorlesungen, Seminare mit Anwesenheitspflicht, Tutorien, Hausaufgaben...Ich komme mir vor wie eine Zielscheibe, die mit unnützem Wissen bombardiert wird. Ich wollte mir nach dem Abitur ein Jahr lang Zeit nehmen, um mir über meine Interessen klar zu werden. In meinem „Orientierungsjahr“ studiere ich nur Germanistik auf Gymnasiallehramt (zunächst ohne Zweitfach) und schaue mir nebenbei Vorlesungen der Psychologie und der Medienkommunikation an. So, dachte ich, finde ich am besten heraus, was ich wirklich will.
Den Wald vor lauter Bäumen nicht...
Schmerzlich habe ich gemerkt, dass ich im Germanistik-Hamsterrad nicht zur Erleuchtung kommen kann. Ich sehe den Wald vor lauter Mittelhochdeutsch-Übersetzungen, Ablautreihen und Sprachgeschichtsstammbäumen nicht mehr.
„Und heute bin ich aufgewacht, Augen aufgemacht, Sonnenstrahlen im Gesicht, halte die Welt an und bin auf und davon...“
Jetzt möchte ich die Welt der Hamsterräder endlich mal anhalten. Die Welt des Informations-Inputs und der Wissens-Trichter. Deshalb habe ich beschlossen, gleich für den Sommer ein Pausensemester zu beantragen. Zwei Monate lang möchte ich an Schulen gehen, zwei Monate in die Medien, zwei Monate arbeiten, reisen und einfach mal den Kopf frei kriegen.
Hat jemand ähnliche Pläne? Oder habt ihr euer Traumstudium schon gefunden?












7 Kommentare
Ich finde die Idee gut... Später wirst du vielleicht keine Zeit mehr haben, diese Erfahrungen zu machen. Und lieber merkst du schon jetzt, dass es doch nicht das richtige war, bevor du dein Studium einfach blind durchziehst...
Viel Spaß bei deinem Pausensemester! So wie ich dich kenne, wird das genau richtig für dich sein
Servas!
Du machst einen Studium Generale, oder?
Hatte ich vor ein paar Jahren auch gemacht, wollte mal Journalist oder doch Jurist werden, deshalb war ich vor allem in Medienstudiengängen und in Jura-Vorlesungen aktiv. Schließlich und endlich hatte ich dann aber herausgefunden, dass mir beides doch nicht so gut gefällt (Journalismus zu unsicher, Festanstellungen gibt's heutzutage fast gar nicht mehr und das zu erwartende Gehalt fand ich auch nicht so prickelnd | Jura war mir einfach zu unkreativ und zu langweilig, auch wenn man sicher nicht schlecht verdienen würde). Habe mich dann schließlich umentschieden und studiere jetzt BWL. Wollte ich erst gar nicht machen, weil ich in Mathe nieeee so wirklich gut war, aber eigentlich ist es gar nicht so schlimm, wenn man sich dahinterklemmt. Werde mich dann wohl später auf Marketing spezialisieren, da mir das echt am aller besten gefällt, denn man kann kreativ arbeiten, man verdient ordentlich. Joa.
Gruß Jossi
Hey Jossi!
Marketing hört sich wahnsinnig spannend an, würde mich auch interessieren, kann man da nicht auch mit Abschlüssen anderer Studiengänge reinkommen?
Ja, ich mache so etwas wie ein "Studium Generale". Ich habe so zum Beispiel schon herausgefunden, dass es BWL wohl nicht wird, eben wegen der Mathematik...Psychologie scheint deswegen wohl auch durchzufallen (Würzburg hat einen sehr hohen Matheanteil im Psycho-Studium). Bleibt Medienkommunikation, wobei mir das wie dir auch zu unsicher erscheint. Naja, ich habe noch fast ein Jahr Zeit, um mir meine Gedanken zu machen. Da ich im G8 schneller fertig bin und nicht zum Bund muss, gönne ich mir das Jahr der Orientierung einfach mal
Also so viel ich weiß hat man mit Psychologie ironischerweise auch gute Chancen. Nur willst du das ja nun eben auch nicht unbedingt machen.^^
Es kommt halt drauf an.. wenn du z.B. irgend'ne Geisteswissenschaft studierst, aber wie auch immer vllt durch Vitamin B an ein Praktikum bei Audi oder so kommst, dann biste im Prinzip "drin" im Geschäft. Weil dann kannst du bei den nächsten Bewerbungen ja mit dem Praktikum Eindruck machen und zeigen, dass man nicht unbedingt BWL studiert haben muss, um im Marketing zu arbeiten.
Dennoch - der einfachste und sicherste Weg ins Marketing bleibt nunmal BWL.
PS. Wie waren deine Mathenoten denn so? Also ich war nie der Überflieger und war nie im 2er Bereich in der Schule, aber im Studium wurde es dann nach und nach besser und ich habe auch Kommilitonen, die auch nicht sooo gut in Mathe waren und trotzdem gut durchkommen. Also nicht alles von der Mathematik kaputt machen lassen. Das Schlimmste haste sowieso nach dem Grundstudium überstanden.
Naja, ich hatte im Matheabi 11 Punkte und war auch ansonsten immer im 2er Bereich. Aber ich will halt eigentlich was kreatives machen und Kreativität verbinde ich nicht unbedingt mit einem BWL-Studium. Kannst du mich vom Gegenteil überzeugen?
Und ich denke, dass es im Marketing ähnlich ist wie in den Medien: Es ist ein Handwerk und es gibt viele Quereinsteiger, du musst einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und einfach was auf dem Kasten haben
Naja, ich habe noch ein Jahr Zeit...wie hoch ist denn der mathematische Anteil ca. in Prozent?
11 Punkte? Das ist doch richtig stark! Ich hatte in den Halbjahren immer 7-9 Punkte und im Abi sogar nur 5 Punkte.
Wie hoch der mathematische Anteil ist? Das kommt auf die Uni an. Manche sind eher mathelastiger und manche setzen eher andere Schwerpunkte. Ich studiere an der LMU und kann dir daher sogar genau sagen, wie hoch der mathemaische Anteil hier in Prozent ist: 8 % (Quelle Homepage der LMU)
Gefühlt ist es zwar schon etwas mehr, aber das liegt wohl einfach daran, dass die Mathematik und Statistik v.a. in den ersten Semestern abgehandelt wird.
Marketing und Medien? Der Vergleich hinkt m.E. ein wenig. Ich glaube in den Medien braucht man doch 'ne Schippe mehr Glück. Um in eine gute Position im Marketing zu kommen sind 2 Dinge entscheidend: 1. Gute Noten im Studium und 2. Praxis, Praxis, Praxis!
Studium ist Pflicht, die praktischen Erfahrung sind die Kür. Man muss einfach gucken, dass man sich für gute Praktika bewirbt. Da kann man dann Kontakte knüpfen und sehr sehr viel lernen. Nicht selten bekommen ehemalige Praktikanten, die einen guten Eindruck gemacht haben nach dem Studium eine Stelle beim jeweiligen Unternehmen. So war's z.B. bei meinem Cousin (war während des Studiums als Praktikant bei IBM und arbeitet jetzt auch dort)
PS. Hattest du Wirtschaftsinformatik in der Schule? Wenn du da auch gut warst und es dich zumindest halbwegs interessiert hat, bringt dir das zumindest anfangs einiges im Studium.
PS2. Um noch einen Vergleich zu den Medien herzustellen: Auf einen Platz an einer Journalistenschule gibt's definitiv wesentlich mehr Bewerber als auf einen Praktikumsplatz bei einem großen Unternehmen.