Was schreibt man in einen letzten Blogeintrag? Das vergangene Jahr Revue passieren lassen? Einen Ausblick in die Zukunft wagen? Gedanken, Wünsche, Hoffnungen preisgeben im ewigen Spagat zwischen Persönlichkeit und Privatheit?
Diese letzte Frage hat mich während dieses Projekts immer wieder beschäftigt. Einerseits möchte man den Lesern ein Bild von der eigenen Persönlichkeit vermitteln, vom eigenen Leben, von den gemachten Erfahrungen (und das war ja schließlich der Sinn dieses Blogs, den Weg 12 unterschiedlicher Menschen von der Schule ins Studium zu begleiten,mit allen Fehlentscheidungen und Irrwegen). Auf der anderen Seite schwingt immer der Gedanke mit, dass alles, was einmal im Internet ist, nie mehr verschwindet.Und mit diesem Gedanken kommt die innere Zensur : ich will nicht, dass meine Leser manches wissen, auch wenn es vielleicht für meine Entscheidungen bezüglich meiner Studienwahl eine wichtige Rolle gespielt hat. Gleichzeitig betreibt man (wenn auch nicht immer gewollt) eine Art von Selbstinszenierung, man erschafft ein Alter-Ego im Blog.
Buchenbergkomprimiert
Was haben meine Blogpersönlichkeit und ich im neuen Jahr bis jetzt gemacht? Eigentlich war ich dauernd unterwegs, hier ein Auszug aus meinem viel zu vollen Terminkalender:
06.01.2012 Umrahmung des Heilig-Drei-Königsgottesdienst in Grammelkam (sollte ich jemals zu viel Geld haben, so spende ich allen Kirchen eine Heizung)
08.01.2012 Aufführung von Camille Saint-Saens Weihnachtsoratorium in Schierling (dieses Stück wollte ich immer schon spielen)

20.-22.01.2012 Probenwochenende mit dem ABACO-Orchester in Baumburg mit Konzert (eine tolle Zeit mit viel Musik und sehr lustigen Abende mit den Orchestermitgliedern sowie ein Schneesturm, der das Autofahren nicht einfach machte)
27./28.01. 2012 Probenwochenende mit dem Collegium Muwicum in Windberg (eine sehr lustige Fahrt, natürlich viel Musik und viele nette Leute, aber auch ein Navi, das mich partout nicht nach München zurück leiten wollte...)
28.01.2012 Konzert mit dem ABACO in Gilching (an dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Eltern bedanken, fürs Auto leihen und fürs viele Fahren)
29.01.2012 Konzert mit dem Collegium Muwicum in Landshut (in dem Saal, in dem ich vor vielen Jahren zum ersten Mal mit der Harfe eine Veranstaltung begleitet habe)
31.01.2012 Grundlagen- und Orientierungsprüfung Zivilrecht (§§§ unendlich viel zu lernen, ich sollte bestanden haben-hoffe ich...)
04.02.2012 Konzert mit dem Abaco im Herkulessaal in München (der Harfentransport wurde durch die Sicherheitskonferenz im Saal darunter zu einem Abenteuer, aber vor dem Konzert konnten wir vom Fenster aus sehr viele wichtige Leute sehen)
06.02.2012 Klausur Einführung in die Musikwissenschaft (die Klausur war najaaa, vor allem als mich in der Mitte ein alte Freundin heimsuchte, die liebe Sehnenscheidenentzündung, da kam natürlich große Freude auf...)
06.02.2012 Konzert mit dem Collegium Muwicum in der großen Aula der LMU
07.02.2012 Klausur Deutsche Rechtsgeschichte (wenn das Thema interessant ist, macht lernen richtig Spaß)
Zwischendrin sollten natürlich auch die neuen und alten Freunde nicht zu kurz kommen, sodass die letzten eineinhalb Monate wie im Flug vergangen sind...
Harfe üben wollte ich natürlich auch, da ich von meiner neuen Lehrerin unendlich viel lerne, auch dadurch, dass ich viele Etüden üben soll und alle Stücke auswendig spielen muss. Ich liebe meine neues Stück, die Fantaisie von Louis Spohr! Im Moment kann ich leider nicht viel spielen, ich möchte meine Sehnen nicht komplett ruinieren, aber ich vermisse es. Und vielleicht, wenn ich viel übe, klappt es mit dem Harfestudium doch noch...Schön wäre es, auch wenn ich immer nebenher etwas "Sinnvolles" zum Geldverdienen machen müsste...Mal schauen.

Wo ich schon bei sinnvoll bin...genau diese Frage beschäftigt mich in meiner Hausarbeit:"Wofür braucht man Musikwissenschaft?". Bis jetzt kann ich nur sagen, dass ich auf die Antworten selbst gespannt bin. Mittlerweile (vorallem, wenn ich mir das Vorlesungsverzeichnis fürs nächste Semester anschaue) habe ich mich mit meinem Studium recht gut angefreundet, wozu sicher auch meine netten Kommilitonen/innen beigetragen haben. Für den Master würde ich gern ins Ausland gehen, nach Dublin oder London, aber das ist ja zeitlich noch weit weg... Vielleicht wechsle ich nach dem Bachelor auch zu Jura und mache das erste Staatsexamen (ich könnte mir die Nebenfachkurse anrechnen lassen). Ich hätte es nie gedacht, aber ich mag Jura, es interessiert mich, ich verstehe es (meistens). Das Leben ist voller Überraschungen.

Was habe ich sonst so vor? Möglicherweise mache ich in den Semesterferien ein sechswöchiges Praktikum im Bereich Kutlurmanagement, das ist aber noch nicht ganz sicher, außerdem ich möchte in die Oper und in Konzerte gehen, im Sommer will ich reisen, aber davor werde ich an Ostern wieder bei der Jungen Philharmonie Ostbayern mitspielen, eine Uraufführung steht neben der Filmmusik zum "Lord of the Rings" auf dem Programm .
Was die Zukunft sonst so bringen wird?Ob die Welt wirklich am 21.12.2012 untergeht? Wer weiß, wir werden sehen....

Zum Schluss noch ein paar Gedanken zu diesem Blog. Beworben hatte ich mich aus einer Laune heraus, in einer Zeit als es mir gar nicht gut ging, Chancen, genommen zu werden, hatte ich mir nicht ausgerechnet, zu langweilig schien mir mein Leben. Wider Erwarten fand der BR das nicht. Ich habe manche Entscheidungen in meinem Leben bereut (wer tut das nicht?), aber diese nie. Habe ich doch durch das Artikelschreiben endlich 10-Finger-Tippen gelernt
. Nein, die wirkliche Bereicherung durch den Blog war, dass ich durch die Sendung bei U21 (die an sich schon ein unglaubliches Erlebnis war) Minni besser kennengelernt und somit die beste Mitbewohnerin gefunden habe (Minni möge mir verzeihen, dass ich über ihr schwäbisches "sch" in diversen Wörtern lache, ich finde es wirklich süß) und ich Marlene getroffen habe, mit der ich dank Skype (sonst wäre ich Pleite) nächtelang über Gott und die Welt reden kann.

Hätte ich mir vor einem Jahr mein Leben so vorgestellt wie es jetzt ist?Wohl kaum, es ist besser, als ich es mit hätte vorstellen können, was beweist, dass es immer wieder aufwärts geht, egal wie schwarz die Zukunft scheint. Nichtsdestotrotz ist alles anders als es geplant war, eigentlich wollte ich ja Harfe studieren, aber mit meinen Durchblutungsstörungen und der immer wiederkehrenden Sehnenscheidenentzündung ist es so vielleicht besser.
Dies war, so ganz am Schluss, mein wohl persönlichster Blogeintrag. Damit man auch die wahre Person mal sieht.

P.S.: Ich kann mittlerweile richtig gut kochen und backen...











