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Eine Woche Blickwechsel

Was bedeutet eine Woche Blickwechsel? Was bedeutet es, eine Woche lang die Welt aus der Perspektive eines Menschen mit Handicap wahrzunehmen? Die Erwartungen, mit denen ich zu den Special Olympics angereist bin, wurden schon in den ersten Tagen auf den Kopf gestellt. Selbst, wenn man noch nie mit geistig behinderten Menschen gearbeitet hat, ergibt sich in der eigenen Vorstellung dennoch ein gewisses Bild, wie es sein müsste. Meine Position als Co-Reporterin konnte mir diesbezüglich ganz klar aufzeigen, dass man gar nichts versteht, wenn man nicht im unmittelbaren Kontakt zu ihnen steht.

Wir waren vieles, tägliche Begleiter, technische Assistenten, aber vor allem Mitglieder eines Teams. Wir trugen unsere Kreativität, unseren Elan bei, doch am Ende wurde uns etwas gezeigt, zu dem wir nur kleinen Beitrag leisten konnten. Niemand war so nah an den Athleten dran, wie wir. Für eine Woche wechselten wir unsere Position, fernab jeder Kamera bekamen wir Einblicke in das Leben unserer Athleten. Über die Spiele zu berichten war eine Geschichte, in der Perspektive der Athleten zu stehen und von ihrem Blick aus die Special Olympics wahrzunehmen eine ganz andere. Den eigenen Blick für das vermeintliche Wichtige radikal umgedeutet zu sehen, war die mit Abstand die lehrreichste Erfahrung.

 Ich möchte gerne Paul Breitners Worte zum Abschied von den Special Olympics wählen: “Hier geht jeder als Sieger vom Platz!” Genauso habe ich die Spiele wahrgenommen, der Sieg wird jedem gegönnt, jeder schafft es hier auf ein Treppchen und gefühlt ist jeder Athlet ein Held. Damit will ich keineswegs die Bedeutung eines Olympiasieges in Frage stellen, sondern einfach auf den allgemeinen Grundtenor der Spiele hinwiesen. Natürlich war die Freude bei den Athleten umso größer, wenn eine funkelnde Medaille um ihren Hals baumelte. Hautnah konnte ich miterleben, wie Christina ihren ersten Olympiasieg erringt, der sie definitiv als Heldin vom Platz gehen lässt.

Christina und Linda haben die ganz Woche über fleißig für uns von ihren Erlebnissen während der Special Olympics berichtet. Ich hab mich gefragt, wie es für sie weitergehen wird. Sicher, ihre sportliche Karriere steht noch ganz am Anfang, aber wird sich nach den Special Olympics für sie etwas ändern?

Die Aufmerksamkeit, die sie hier erlangt haben, kann ihnen niemand mehr nehmen. Das Ziel der Spiele ist diesbezüglich erreicht. Dennoch wird man nicht umhinkommen gerade dieses Event als eine exklusive Verwirklichung der Inklusion anzusehen, die Maßstäbe setzen kann, aber noch lange nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Ich bin überrascht davon, mit welcher Klarheit und Ehrlichkeit manche Athleten die Ressonanz der Gesellschaft selbst reflektieren können. Dies allein zeigt mir auf, dass Inklusion möglich ist, aber nur, wenn man miteiannder kommuniziert und noch intensiver an der Integration gearbeitet wird. Der Blickwechsel allein ist die Voraussetzung für ein Miteinander.

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2 Kommentare zu Eine Woche Blickwechsel

  1. avatar Reinsperger sagt:

    Hallo, meine Tochter Franziska hat in Bremen und in Berlin an den Special Olympics teilgenommen und jetzt in München. Sie ist alleine aus Erlangen angereist und hat in München natürlich bei den Eltern gewohnt. Aufgefallen ist ihr, daß in München nirge ndwo unterwegs, U-Bahn, Plakate usw dafür geworben wurde, das sei in Berlin anders gewesen.

  2. avatar mickel sagt:

    hallo Christina
    so nun ist das bloggen vorbei und jetzt geht das normale leben weiter. es war sehr schön mit dir ich hoffe wir treffen uns bald wieder!
    machs gut
    lg mickel