The End of the Trail – Am Ziel nach 7.600 Kilometern

Es ist vollbracht! Fast vier Monate nach dem Start in Hanau erreicht Dirk den Santa Monica Pier, das Ende der legendären Route 66 und seiner Tour quer durch Amerika. 7.600 Kilometer hat er dabei zurückgelegt, mehr als 50.000 Höhenmeter erstrampelt und nur eine Panne gehabt.

00Der Nagel auf dem Seitenstreifen in Jonesboro, Arkansas sorgte für den einzigen Platten der gesamten Reise. Sonst nichts, keine Probleme, das Rad schnurrte bis zuletzt reibungslos über den rauen Asphalt. Danke also an die Ausrüster für das großartige Equipment !

Meine letzten Kilometer an der Küste verliefen zwischenzeitlich unangenehm kühl. Im August hängt der Marine Layer, eine batzige Nebelschicht, oftmals zäh über dem Pazifik und blockiert die Sonne. Zum Glück weist der Highway 1 zahlreiche Steigungen auf, an denen ich mich rasch warmstrampeln konnte 😉

Bei den unweigerlich folgenden rasanten Abfahrten blieb dann kaum Zeit, die grandiose Kulisse zu geniessen. Kaliforniens Küste ist eine wilde Schönheit. Schroffe Klippen, tosende Brandung, aber auch immer wieder tiefblaue Buchten, an deren Sandstränden sich Seeelefanten sonnen oder Surfer für den nächsten Wellenritt präparieren.

Der letzte Tag war geprägt von Menschenmassen, die sich erst in ihren Cabrios über den Pacific Coast Highway zwängten und schließlich alle zeitgleich mit mir den Pier in Santa Monica zu erreichen schienen. Da wünschte ich mich ganz schnell in die Wüste zurück, allein auf weiter Flur.

So überwiegt denn auch noch immer die Wehmut über das viel zu schnelle Ende der Tour. Wobei es bald ja wieder auf die Highways geht. Mit meinem Truck Loretta werde ich die Route nach Osten zurückverfolgen und noch mehr Fotos und Geschichten sammeln, für die neue Live-Reportage HIGHWAY JUNKIE, mit der wir ab 2014 touren und den gleichnamigen Bilband, der parallel bei National Geographic erscheinen wird.

 

Am Golden Gate nach 7.000 Km – Dirk erreicht California und den westlichsten Punkt

Knapp drei Monate nach dem Start in New York hat Dirk auf seiner Tour quer durch Amerika das Golden Gate am Pazifik erreicht. Fast 7.000 Kilometer sind inzwischen zurückgelegt, jetzt geht es immer Richtung Süden.

00Als lange Zielgerade habe ich mir den PCH, den Pacific Coast Highway Number 1, ausgesucht. Möchte die Tour am Santa Monica Pier ausklingen lassen, wo auch die Route 66 offiziell endet.

Bis dahin sind es aber noch gut 700 Kilometer auf der vielleicht spektakulärsten Küstenstraße der Welt. Werde in den nächsten Tagen die endlosen Serpentinen am Pazifik raufhecheln und runterasen, hoffentlich mit Rückenwind.

In jedem Fall wird es ein bittersüßes Erlebnis, denn das Ende der Tour naht, was mich eher wehmütig als triumphierend stimmt. Immerhin hatte ich ab Folsom (ja, da wo das Gefängnis liegt, über das Johnny Cash gesungen hat) einen Weggefährten für einen halben Tag.

Jeff Maihack hatte mich auf der Straße mit seinem Rennrad überholt und mir dann spontan eine Übernachtung angeboten. Am nächsten Tag sind wir gemeinsam nach Sacramento geradelt, Training für seine Tour quer durch den Süden, bei der auf die Gefahren von Übergewicht aufmerksam machen und Spenden sammeln möchte.

Hier der Link zu seiner Website (http://rollingon2fightobesity.com). Ich melde mich dann wieder aus Los Angeles, nach hoffentlich erfolgreichem Abschluss der Tour.

 

America’s Loneliest Road – Auf Highway 50 durch Nevadas Wüste

400 Meilen Einsamkeit und nichts, was einen Stopp lohnen würde, schrieb einst ein Reporter des amerikanischen Life Magazins über Highway 50 in Nevada und verlieh ihm den Titel The Loneliest Highway in America. Die Straße wurde zu einem Mythos, der heute mehr Besucher anlockt, als man der abschreckenden Beschreibung zutrauen würde. Im Sommer donnern Allrad-Jeeps und Harley-Cruiser über die raue Piste. Und hin und wieder ein wackerer Radler.

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Für mich sollte dieser Abschnitt zu Reifeprüfung werden. Die Siedlungen liegen mitunter über 100 Meilen weit auseinander, mehr als an einem Tag mit Gepäck über die Berge und gegen den Wind machbar. Vorausplanen und rechtzeitig die Vorräte aufstocken, vor allem Flüssigkeit, wurden zur obersten Priorität. 10 Liter und mehr pro Tag reichten kaum aus. So einsam wie befürchtet blieb es dann allerdings doch nicht.

Reisende und Trucks brausten immer wieder mal an mir vorbei, grüßten mit aufmunternden Gesten, und gelegentlich stoppte auch mal jemand für einen kurzen Plausch. So wie Troy, der auf seiner Enduro ebenfalls nach Westen zog und mir 5 Dollars als Anerkennung spenden wollte. Konnte ihne gerade noch davon überzeugen, dass er sich keine Sorgen machen muss. Fazit am Ende der Einsamkeit also, Rad und Körper haben durchgehalten, die Kondition scheint besser als je zuvor.

Inzwischen habe ich Reno erreicht und werde nach fast vier pausenlosen Radelwochen ein paar Tage rasten, ehe es über die Berge Richtung kalifornische Küste geht.

 

Monumentale Natur in Utah – Dirk strampelt durch grandiose Landschaften

Gut drei Monate liegt der Start in Hanau schon zurück, mittlerweile ist Dirk mit dem Rad in Amerikas spektalulärem Westen angekommen. Utah empfängt ihn mit dramatischen Himmeln, atemberaubender Landschaft und unvorstellbarer Hitze.

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In der Sonne steigen die Werte auf fast 50 Grad, kein Wunder, Sommer in der Wüste. Hydrate! Trinken wird hier zur obersten Priorität, 10 Liter und mehr pro Tag. Leider liegen die Ortschaften mitunter 250 Kilometer weit auseinander. Dann muss der Vorrat für zwei Tage irgendwie am Rad verstaut werden.

Ich bin allerdings nicht der einzige Wahnsinnige, treffe nun immer wieder auf andere Radler. Denn die Adventure Cycling Association, quasi der amerikanische ADFC, führt eine Fernradwanderroute durch die Hochwüste, der einige von West nach Ost folgen. Die Kollegen haben mir übrigens versichert, dass das ständige Auf und Ab über die Berge bis Kalifornien anhalten wird.

Na prima, dann wird es im nächsten Abschnitt durch Nevada auf Highway 50, Amerikas Loneliest Highway, wenigstens nicht langweilig.

 

Freudensprünge auf 3.300 Meter! Dirk überquert die Continental Divide.

Höhepunkt für Dirk auf seiner Tour von New York nach Los Angeles. In den Rocky Mountains überquert er auf dem Wolf Creek Pass in 3.300 Höhenmetern die Continental Divide. Höher wird es bis zum Ziel nicht mehr.

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Das heißt aber nicht, dass ich jetzt entspannt Richtung Küste ausrollen kann. Im Gegenteil. Die Rockies bleiben bergig. Und atemberaubend schön. Wüstenartige Steppe auf den Hochplateaus in Colorado wechseln mit saftig-grünen Nadelwäldern.

Von den großflächigen Waldbränden, die die Menschen wochenlang in Atem gehalten haben, ist auf meiner Strecke zum Glück nichts mehr zu sehen. Aber auch so wurde die Luft ziemlich dünn, vor allem im letzten Abschnitt bis zur Continental Divide.

Bin jetzt in Durango, einem wirklich schmucken Städtchen im Südwesten Colorados bei Greg, Diana und Daniel. Die Drei haben mich über die Internetplattform warmshowers.org zu sich eingeladen. Tourenbiker weltweit bieten hier Übernachtung, Dusche und Waschmaschine für andere Radler. Tolles Konzept!

Morgen geht es nach Utah und in die Einsamkeit. Werde sicher noch vier Wochen unterwegs sein …

 

Halbzeit in Kansas – Nach bisher 4000 Kilometern

Bergfest für Dirk mitten in der Prärie. Sunflower State Kansas markiert Halbzeit auf seiner Tour von New York nach Los Angeles. Anhaltende 40 Grad, nervige Seitenwinde und hilfsbereite „Road Angel“ prägen den Abschnitt durch Amerikas Heartland.

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Jim bietet mir einen halben Laib Brot an, Matt stoppt am Straßenrand für Eiswasser und ein maskierter Motorradfahrer reicht mir sogar unterm Fahren eine Wasserflasche, Kansas meint es gut mit mir! Da wird dann auch die brütende Hitze erträglich. Fahre meist mit Country Radio im Ohr, der einzig wahre Soundtrack für die weite Landschaft.

Und spätestens in Dodge City habe ich Cowboy Country erreicht. Wyatt Earp sorgte hier einst für Recht und Ordnung, nachdem die Stadt durch die Santa Fe Railroad zum wichtigen Umschlagplatz für Texas Longhorn Rinder geworden war.

Heute will ich weiter nach Colorado. Mein Radcomputer zeigt inzwischen wieder knapp 1.000 Höhenmeter, die Rockies warten.

Auf "America's Main Street" durch Kansas, zimundest ein kurzes Stück ...

 

Erste Panne nach 3.000 km … Dirk in ‚Klein Vegas‘ in den Ozarks

Mehr als 3.000 Kilometer hat Dirk auf seiner Amerika-Durchquerung inzwischen erradelt, bislang ohne Panne. Ein fieser Nagel auf dem Seitenstreifen sorgte jetzt für den ersten Pitstop. Nach rascher Reparatur ging’s bald weiter in die Ozarks, das letzte Mittelgebirge vor den Great Plains, der Großen Prärie. Und mittendrin, Branson, Klein-Vegas in Missouri …

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Nicht ganz so groß, aber mancherorts genauso schrill wie das Vorbild. Die Titanic, King Kong, Elvis, überall gigantische Legenden aus Fiberglass als Blickfang oder deren Imitatoren auf den zahlreichen Bühnen der Kleinstadt. Genau das passende Ambiente für meinen 4. Juli, Independence Day. Leider gab’s keine Parade, dafür aber viel kleine und große Feuerwerke. Habe keine Kosten gescheut und mich bei Walmart für 10 Dollar mit einem Red-White-and-Blue-Kopftuch und T-Shirt extra in Schale geworfen. Dazu Sonnenbrille und stoischer Blick, be stoic and patriotic ! Erschreckt Euch bloß nicht beim Durchklicken der Bildergalerie 😉

Die Hügel der Ozark Mountains habe ich nun verlassen, vor mir liegt die endlose Prärie mit der „Tornado Alley“, wo jederzeit brachiale Wirbelstürme für katastrophale Zerstörung sorgen können. Davor bleibe ich hoffentlich verschont. Nicht aber vor der Hitze, die sich rechtzeitig mit bis zu 40 Grad in den nächsten Tagen zurückmeldet…

Dirk bei 40 Grad Hitze auf dem Weg in die Ozark Mountains

 

Cajuns, Creoles & Gators – Dirk unterwegs in Louisiana

Bevor Dirk die Durchquerung Amerikas auf dem Rad fortsetzt, besuchte er in den letzten Tagen das Land der Cajuns und Kreolen in Louisiana, wo sich französisch-stämmige Siedler Mitte des 18. Jahrhunderts niederließen, nachdem sie von den Briten aus Kanada vertrieben worden waren. In Lafayette lernte er dabei Zydeco-Dancing zu mitreißendem „Louisiana French Blues“.

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Aus New Orleans kennt Ihr vielleicht den unwiderstehlichen Fusion-Sound aus französischen, afrikanischen und amerikanischen Klängen, dominiert von Fiddle, Akkordeon und Washboard. Amerika ist nirgendwo exotischer als hier in South Louisiana mit seiner einzigartigen Kultur, die sich besonders lebendig in der Musik ausdrückt.

Die Sümpfe sind auch das Reich der Alligatoren. Lafayette leistet sich selbst auf dem Unicampus mitten in der Stadt einen ‚Swamp‘, in dem einige beeindruckende Urzeitechsen herrschen. Immerhin haben sie einen stabilen Zaun errichtet, nachdem sich einige Exemplare wiederholt in den Katakomben unter den Hörsälen abkühlen wollten.

Verständlich bei steten Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad im Sommer mit unerträglicher Schwüle. Mittlerweile bin ich zurück in Arkansas, wo es heute ähnlich heiß werden soll. Genau rechtzeitig zur Weiterfahrt Richtung Missouri.

 

The Mighty Mississippi & Johnny Cash – Dirk erreicht den Mittleren Westen …

Auf seiner Reise von New York nach Los Angeles beginnt für Dirk ein neuer Abschnitt. Mit Überquerung des Mississippi enden die Hügel, und er wird in den nächsten Wochen durch den MIttleren Westen radeln. Und vermutlich mit zermürbendem Gegenwind kämpfen.

Bislang aber ist das Land gut zu mir. Bin in Jonesboro, Arkansas, wo ich im letzten Jahr beim Johnny Cash Music Festival Moriah und Elista Istre kennen gelernt habe. Die beiden Schwestern waren enstcheidend am Restaurierungsprojekt „The Boyhood Home of Johnny Cash“ beteiligt.

00Edit-2156 Johnny, der eigentlich J.R. heißt, wuchs in Dyess auf, einer Agrarkolonie, die 1935 während der Großen Depression gegründet wurde. Die Regierung um Präsident Franklin D. Roosevelt wollte 500 ausgewählten Familien hier die Chance auf einen Neuanfang geben. Sie erhielten Land, ein Maultier, Hühner, Schweine, Saatgut – vor allem Baumwolle – und ein nagelneues Haus. Mit den Erträgen sollten die Farmer dann die Kosten dafür im Laufe der Zeit zurückzahlen. Vom ursprünglichen Projekt ist heute nicht mehr viel zu sehen.

Aber die Universität von Arkansas retauriert seit 2011 in Zusammenarbeit mit der Stadt Dyess das Haus der Familie Cash, das auch im Film „Walk the Line“. Fünfzehn Jahre lang lebt Johnny hier mit den Eltern und seinen sechs Geschwistern, bis er 1950 die Highschool abschloss und später mit der Air Force nach Landsberg am Lech versetzt wurde. Wir bekamen vom Bürgermeister eine kurze Vorabtour, denn erst im kommenden Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen und das Haus als Museum eröffnet werden.

Am Abend trafen wir noch zufällig auf J.E. Huff, einen von Johnnys besten Freunden. Der 81-Jährige erzählte uns von den ersten Freundinnen, einem Ausflug zu Fuß ins 70 Kilometer entferte Memphis, und dass er schon damals ahnte, dass Johnny ein ganz Großer sein würde.

Werde noch ein paar Tage pausieren, denn am Wochenende wollen wir in die Swamps von Louisiana, wo Moriah und Elista aufgewachsen sind …

Ein neuer Abschnitt beginnt ...

 

Country’s Nights to Rock!

Nach 2.200 zurückgelegten Kilometern gab es für Dirk bei seiner Amerikadurchquerung mit dem Rad jetzt eine einwöchige Pause. In Nashville besuchte er das CMA Music Festival, das jedes Jahr Zehntausende von Fans aus ganz Amerika und dem Rest der Welt in die Music City bringt …

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Für mich war es auch ein kleines Jubiläum, zum zehnten Mal habe ich mich in diesem Jahr mitreissen lassen. Von der Begeisterung, dem bunten Treiben in Downtown und natürlich von der Musik. Viele Besucherrekorde sind heuer gefallen, und vor allem die abendlichen Konzerte im großen Footballstadion sorgten für einige Überraschungen.

Allen voran Lenny Kravitz, der, vorher nicht angekündigt, das All-Star-Line Up der größten Country Stars ergänzte. Auch Kelly Clarkson, Jason Mraz, Sheryl Crow und Kid Rock begeisterten die Country Fans und zeigten, wie breit das Genre mittlerweile aufgestellt ist.

Highlight für viele war die Fan Fair im gerade erst eröffneten Music City Center, wo die Stars sich vier Tage lang an verschiedenen Messeständen hautnah präsentierten, Autogramme schrieben und für Fotos posierten. Ein einzigartiges Event in der Musikszene. Wie die Tatsache, dass alle Künstler ohne Gage auftraten, denn von den eingenommenen Geldern unterstützt die Country Music Association (CMA) Programme für den musikalischen Nachwuchs.

Nashville ist zweifelsohne meine Lieblingstadt in USA, nicht nur weil es beim Brunch jederzeit passieren kann, dass plötzlich Keith Urban und Nicole Kidman mit den beiden Töchtern am Nebentisch platznehmen. Kein Scherz, echt passiert, am letzten Sonntag. Nun aber will ich weiter nach Westen, Richtung Arkansas, wo Johnny Cash augewachsen ist.

Jedes Jahr Anfang Juni wird Nashville zur Music City ...