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Zwischen Hoffnung und Verzweiflung – der neue Nahe Osten

 

Was verbinden Sie mit dem „Nahen Osten“? Märchen aus 1001 Nacht? Uralte Traditionen und Mythen? Oder Kriege und Konflikte? Vielleicht ja beides! Dann sind Sie nicht allein. Und wer blickt da überhaupt durch? Bei all den Strippenziehern und Einzelinteressen in dieser Region? Nur eins steht fest: Gleichgültig kann uns diese faszinierende Region voller Widersprüche nicht sein. Denn wir sind mit ihr verbunden – geschichtlich, wirtschaftlich, kulturell und politisch.

Was muss man wissen, um den Nahen Osten zu verstehen? Unsere langjährigen Korrespondenten Richard C. Schneider und Jörg Armbruster haben sich für Sie auf Spurensuche begeben. In ihrer Dokumentation „Zwischen Hoffnung und Verzweiflung – der neue Nahe Osten“ berichten sie über die enormen Veränderungen und erklären, wie die Menschen in den Ländern der Region denken, fühlen und handeln.  

Kommen Sie mit auf diese Reise! Wir möchten Sie einladen, bereits vor der TV-Premiere Ihr Wissen auf diesen Seiten zu vertiefen. Dabei helfen soll Ihnen unter anderem unsere „Video-Kommentar-Funktion“. Egal, ob Sie einfach nur zusehen, mehr wissen wollen oder Ihre Meinung sagen wollen – Sie entscheiden selbst, wie tief Sie ins Thema einsteigen wollen. Wir freuen uns über Ihre Teilnahme an einer kleinen, virtuellen Reise…

Der Nahe Osten

Der Begriff „Naher Osten“ meint im engeren Sinn die Staaten der Arabischen Halbinsel, außerdem Israel, Libanon, Syrien, Jordanien und Irak. Im weiteren Sinn zählt man auch Ägypten und Lybien dazu. „Naher Osten“ ist eine Bezeichnung aus europäischer Perspektive. Im angelsächsischen Raum nennt man die Region „Middle East“ bzw. „Mid-East“. Im deutschen Sprachgebrauch umfasst der „Mittlere Osten“ dagegen im Wesentlichen Afghanistan, Pakistan und den Iran.  

Eine geographische Übersicht des Nahen Ostens

Israel

laenderkarten-israelDer demokratische Staat Israel wurde gemäß einer Resolution der UN-Generalversammlung 1948 nach dem Ende des britischen Palästina-Mandats gegründet. Von damals weniger als eine Million ist die Bevölkerung im jüdischen Staat auf inzwischen mehr als acht Millionen angewachsen. Etwa 75 Prozent sind Juden, 20 Prozent Araber. Die beiden Amtssprachen sind Hebräisch und Arabisch. Israel ist mit einer Fläche von fast 21.000 Quadratkilometern (innerhalb der Waffenstillstandslinie von 1949) etwa so groß wie Hessen. Die 1967 eroberten Gebiete Westjordanland, Gazastreifen sowie die Golanhöhen umfassen zusammen noch einmal etwa 7.000 Quadratkilometer. Mit -420 Metern ist das Ufer des Toten Meeres die tiefste Landsenke der Erde.

Iran

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Der Iran ist eine Jahrtausende alte Kulturnation. Eines der wichtigsten geschichtlichen Ereignisse war die Wahl des Offiziers Reza Pahlavi 1925 zum Schah. Mit der Revolution von 1979 wurde die Monarchie abgeschafft, seitdem nennt sich der Iran Islamische Republik. Heute geht die oberste Staatsgewalt vom sogenannten Geistlichen Führer aus. Im Iran leben etwa 75 Millionen Menschen. Offiziell sind 98 Prozent von ihnen Muslime. Der schiitische Islam, zu dem sich fast 90 Prozent bekennen, ist Staatsreligion. Amtssprache ist Farsi – daraus leitete sich der früher gebräuchliche Landesname Persien ab. 65 Prozent der Iraner sind Perser, daneben gibt es große Minderheiten wie Aserbaidschaner und Kurden. Geografisch gesehen besteht der Iran in weiten Teilen aus Hochland und den beiden großen Wüsten Lut und Kavir.

Levante

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Für die Länder und Inseln des östlichen Mittelmeers wanderte der italienische Begriff „Levante“ („Osten“ bzw. „aufgehende Sonne“) in den allgemeinen Sprachgebrauch. Darunter fallen neben Israel etwa die arabischen Staaten und Gebiete Ägypten, Jordanien, Syrien, Libanon, Palästina – alles Hauptschauplätze im Nahen Osten. Ägypten mit seinen 80 Millionen Einwohnern blickt als Staatsgebilde auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurück. Jordanien, Syrien, Libanon, Palästina – und der Irak – gingen jedoch als Konstrukte mit künstlicher Grenzziehung aus der Erbmasse des Osmanischen Reiches hervor. Briten und Franzosen teilten sie sich nach dem Ersten Weltkrieg auf und verwandelten sie zunächst in Mandatsgebiete.

Arabische Halbinsel

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Die Arabische Halbinsel hat eine Fläche von etwa 2,7 Millionen Quadratkilometern und besteht beinahe vollständig aus Wüste. Fast 80 Prozent der Halbinsel gehören zu Saudi-Arabien. Es stellt auch annähernd die Hälfte der insgesamt 60 Millionen Einwohner. Auf der Halbinsel gibt es fünf weitere Länder: Kuwait, Katar, Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Jemen – außerdem den Inselstaat Bahrain im Persischen Golf. Alle Staaten der Halbinsel außer der Republik Jemen sind absolute Monarchien. Alle Länder außer Jemen profitieren von Erdölreichtum.

Im Nahen Osten leben auf insgesamt fast sieben Millionen Quadratkilometern über 300 Millionen Menschen. Die Religion der weitaus meisten Menschen ist der Islam: Sunnitische Muslime bilden die Mehrheit, daneben gibt es – vor allem im Iran – schiitische Muslime. In Israel bekennen sich die meisten Menschen zum Judentum. Außerdem leben in vielen Ländern des Nahen Ostens christliche Minderheiten.

Dicht besiedelte Städte und leere Wüsten

Die gesamte Region ist von extremen Gegensätzen geprägt: einerseits Megametropolen wie Kairo, Istanbul oder Teheran, andererseits nahezu menschenleere Wüstenlandschaften auf der Arabischen Halbinsel, im Iran, in Syrien, in Israel und Ägypten. In diesen kargen Gegenden leben vorwiegend Beduinen.

Zahlreiche Konfliktherde

Religiöse und ethnische Spannungen, lokale Machtrivalitäten, Spielball von Großmächten, Stellvertreter- und Bürgerkriege, Kampf um international begehrte Ressourcen wie Öl – kaum eine Region der Erde ist derart geprägt von kriegerischen Konflikten und politischer Instabilität wie der Nahe Osten. Der Begriff ist zwar zunächst eine geografische Bezeichnung, doch er ist immer auch politisch aufgeladen.  

Die Geschichte des Nahost-Konflikts (Stand: 28.09.2011)

 

   

„Ahnengalerie“ des Nahen Ostens

Eine Auswahl bedeutender Politiker der Region Naher Osten, nach Ländern geordnet.

Der Arabische Frühling

Erst der Rücktritt des tunesischen Langzeitherrschers Ben Ali, dann einen Monat später der des ägyptischen Dauerpräsidenten Mubarak. Fast schien es so, als könnten die Protestbewegungen in Ägypten und Tunesien so etwas wie ein Lawine im Nahen Osten auslösen. Das war Anfang 2011. Man sprach vom Arabischen Frühling. Vielleicht etwas vorschnell. Denn jetzt drei Jahre später ist es schwer, die neuesten Entwicklungen einer Jahreszeit zuzuordnen. Eine Rückkehr des alten Systems mit neuem Personal scheint nicht ausgeschlossen zu sein. Zumindest nicht in Ägypten. Besonders dann wenn der Verteidigungsminister, Feldmarschall Sisi gewählt werden sollte – woran kaum ein Zweifel besteht, sollte er tatsächlich kandidieren. Starker Präsident aus den Reihen des Militärs – schwaches Parlament.

Tunesien scheint es besser zu machen. Das kleine Land im Maghreb entwickelt sich – mühevoll und holprig – tatsächlich in Richtung Demokratie.

Syrien – ein einziges Desaster. Über 150.000 Tote im Frühjahr 2014. Rebellen, die sich gegenseitig bekämpfen und ein altes Regime, das den Krieg zwar nicht gewinnen kann aber auch nicht verlieren. All das um den Preis einer vollständigen Zerstörung des alten Kulturlandes.

 

Tunesien – die Wiege der Rebellion

Es war ein schreckliches Fanal –  im Dezember 2010 protestierte der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi mit seiner Selbstverbrennung gegen die Polizeiwillkür in Tunesien – und seitdem war nichts mehr, wie es einmal war. Die Tunesier verjagten  vier Wochen später ihren Diktator Ben Ali, Jasmin-Revolution und arabischer Frühling veränderten dramatisch die politische Landkarte in der Region.

Vieles verlief in Tunesien ähnlich wie in Ägypten – die Islamisten von der bis dahin verbotenen Ennahda-Partei kehrten aus Exil und Untergrund zurück, gewannen Parlamentswahlen und übernahmen die Regierung.  Radikale Salafisten trieben womöglich mit Duldung der Ennahda-Islamisten ihr Unwesen, zwei prominente Politiker der säkularen Opposition wurden ermordet, Tunesien blickte in den Abgrund – und hier enden die Parallelen mit Ägypten. Denn dann setzten sich in Tunesien islamistische und säkulare Parteien zusammen und einigten sich Anfang 2014 nach langen, zähen Verhandlungen auf eine äußerst fortschrittliche Verfassung. Die Gleichheit zwischen Mann und Frau wird uneingeschränkt festgeschrieben, die Gewissenfreiheit und ein ziviler Staat garantiert. Und die Scharia nicht erwähnt.

Islam und Demokratie gehen doch – sagt etwa begeistert Frankreichs Präsident Hollande. Warum in Tunesien? Vielleicht, weil hier das Militär nicht so mächtig ist wie in Ägypten, dafür Zivilgesellschaft und Gewerkschaften schon seit jeher eine wichtige Rolle spielen. Und Tunesiens Frauen lassen sich ihre Rechte nicht so einfach wegnehmen. Wenn man im Bild des arabischen Frühlings bleiben will, dann ist Tunesien so etwas wie eine zarte Knospe in frostiger Umgebung. Der Botaniker weiß:  mit einer Knospe bezeichnet man den jugendlichen Zustand eines Triebes, die Entwicklung ist noch nicht weit fortgeschritten. Die Knospe bleibt stark gefährdet. 

Ägypten

Wie ehrenvoll hatte alles begonnen, wie heldenhaft, wie siegreich: die jungen Revolutionäre vom Tahrirplatz hatten mit dem Blut Hunderter Gesinnungsgenossen bezahlt, aber das Unmögliche geschafft: eine der starrsten und für unbezwingbar gehaltenen Diktaturen des Nahen Ostens wurde hinweggefegt, Langzeitregent Mubarak hinter Gittern, Ägypten schien zum ersten Mal den Ägyptern zu gehören. Dann – ein langer, ein steiniger Weg zum neuen Staat: Wahlen, Abwahlen. Kandidaturen, Rückzüge. Koalitionen, Brüche. Die Menschen begannen, Demokratie mit Chaos gleich zu setzen. Mitte 2012 wird einer zum Präsidenten gewählt, den die wirklich Mächtigen lieber weiter im Gefängnis sähen, und den die Revolutionäre für eine Katastrophe halten: Muslimbruder Mohammed Mursi. Seine Amtszeit wird vom Militär, dem Rückgrat des Landes, nach nur einem Jahr brutal beendet. Das Volk jubelt mehrheitlich, die Islamisten schreien Zeter und Mordio. Wenn Armeechef al-Sisi nun für das Präsidentenamt kandidieren wird, dann wird er gewinnen. Dann wird wieder ein starker Mann regieren, dann wird es so sein, als ob es drei Jahre lang keinen Fortschritt gegeben hätte. Mit einer wichtigen Ausnahme: die Menschen am Nil haben sich endlich eine Stimme erkämpft; sie werden nun nicht mehr schweigen. 

Syrien

Ein paar Demonstranten in Damaskus am 15. März 2011, Sympathisanten mit den Revolutionären in Tunis und Kairo, nicht der Rede wert. Doch dann, zwei Tage später in Daraa im Süden Syriens an der Grenze zu Jordanien: ein paar Schüler hatten regierungskritische Graffitis an die Wände gesprüht, und wurden verhaftet. Als ihre Eltern an diesem Tag lautstark deren Freilassung fordern, fallen die ersten Schüsse. Nach einer Woche – Dutzende Tote. Nach einem Monat mehrere Dutzend, dann Hunderte, Tausende, Zehntausende, weit über 100.000 Opfer in diesem Bürgerkrieg, der sich zu einer großen Tragödie des 21. Jahrhunderts entwickelt hat. Schuldig das Regime zu Beginn, gnadenlos, unmenschlich. Doch je mehr die Islamisten von al-Kaida und Co. die Schlachtfelder okkupieren, je mehr die Opposition zerfällt und sich gegenseitig bekämpft, desto stärker wird Bashar al-Assad. Drei Jahre nach dem Beginn der Aufstände sitzt er – unterstützt von Russland, China, Iran und der libanesischen Hisbollah – so fest im Sattel wie noch nie. Er kann sogar Giftgas einsetzen, ohne dass es wirklich Konsequenzen für ihn hätte, außer dass er zusagen muss, sie zu vernichten. Syrien: eine schallende Ohrfeige für die untätige und gelähmte Weltgemeinschaft.  Syrien: eine ununterbrochene Katastrophe.

Martin Durm, ARD-Hörfunk-Korrespondent, saß neben seinem Fernsehkollegen Jörg Armbruster im Auto, als auf ihren Wagen geschossen und Jörg Armbruster schwer verletzt wurde. In diesem Video berichtet er von dem Anschlag in Syrien am 29. März 2013.

Libanon

Fragil, instabil, anfällig für Unruhen aller Art, abhängig von Syrien, Frontstaat zum Erzfeind Israel. Aber der kleine Libanon ist zugleich Heimat für die irantreue, schiitische Hisbollah, die Partei Gottes, die Laus im Pelz der Israelis, Verbündete der schiitischen Alawiten in Syrien. Doch nicht nur da! Man braucht nur zwei Stunden mit dem Wagen aus Beirut in Richtung der Stadt Tripoli fahren, wo oben auf einem Berg die libanesischen Alawiten leben, wie in einer Festung. Und unten, am Fuße des Hügels, die sunnitischen Gegner. Schon 2011 kommt es hier zu dauernden Schusswechseln, es ist der beginnende syrische Bürgerkrieg en miniature. Der Libanon, ehedem das Paris des Nahen Ostens, wird als Geisel gehalten von der Partei Gottes. Ihre Kämpfer, die sich unter Gesinnungsgenossen brüsten können, Israel 2006 aus dem Libanon vertrieben zu haben, sind wesentlich stärker als die Armee in ihrer Heimat. Wenn es ihnen beliebt, können sie in zwei Stunden die Seehäfen und den Flughafen sperren und das Land von der Außenwelt abschneiden. Seitdem die Hisbollah an der Seite der verbündeten syrischen Armee in den Krieg eingegriffen hat, mehren sich die Bombenanschläge in den Hisbollah-Vierteln von Beirut. Der Libanon selbst steht an der Schwelle zu einem Bürgerkrieg.

 

Warum fühlt sich Israel bedroht?

Mahmud Ahmadinedschad

Dieses Besatzungsregime muss von den Seiten der Geschichte verschwinden.
Diesen Satz soll Mahmud Ahmadinedschad gesagt haben. Solche Drohungen lassen die Alarmglocken schrillen in Israel – einem Land, in das nach 1945 viele Holocaust-Überlebende einwanderten. Der islamische Hardliner Ahmadinedschad ist zwar nicht mehr Präsident des Iran, doch angesichts des Atomprogramms des Landes fühlt sich Israel nach wie vor von Teheran bedroht. Die Uran-Anreicherung könnte der Iran nicht nur für zivile Zwecke, sondern – trotz des Atomabkommens mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland – auch zum Bau von nuklearen Waffen nutzen, so die Befürchtung in Israel.

Umgeben von Aggressoren

6-Tage-Krieg

Grafik:BR

Szenarien der existenziellen Bedrohung begleiten Israel seit seiner Staatsgründung 1948. Noch in der Nacht der Unabhängigkeitserklärung griffen ägyptische, syrische, jordanische und irakische Verbände gleich den neuen Staat an. 

Ein israelischer Panzer fährt an einem Lastwagen mit palästinensischen Flüchtlingen vorbei, die ersuchen, von Israel in das Jordan-Gebiet zu kommen. | dpa/picture-alliance

Ein israelischer Panzer fährt an einem Lastwagen
mit palästinensischen Flüchtlingen vorbei, die versuchen, von Israel in das Jordan-Gebiet zu kommen.
| picture-alliance/dpa

1949 schloss Israel nach einem verlustreichen aber letztlich gewonnenen Krieg mit den arabischen Nachbarstaaten Ägypten, Jordanien, Libanon und Syrien Waffenstillstandsabkommen aber keinen Frieden. Als sich im Frühjahr 1967 eine gemeinsame Militäroffensive Ägyptens, Syriens und Jordaniens abzeichnete, holte Israel zum Präventivschlag aus:

Es begann der sogenannte Sechstagekrieg. Völlig überrascht wurde Israel im Oktober 1973 von einem gemeinsamen Angriff Ägyptens und Syriens, dem Jom-Kippur-Krieg. 1991, während des Zweiten Golfkriegs, wurden die Bewohner von Tel Aviv in Angst und Schrecken versetzt, als auf die Metropole Scud-Raketen niedergingen. Iraks Diktator Saddam Hussein hatte sie abfeuern lassen, obwohl Israel an dem Krieg gar nicht teilnahm.

Unsicherheitsfaktor Syrien

Neue Sorge bereitet in Israel die Entwicklung in den Nachbarstaaten Ägypten und Syrien. Nach dem Sturz von Ägyptens Machthaber Hosni Mubarak erstarkten dort die Muslimbrüder. Die islamistische Bewegung bestreitet das Existenzrecht Israels und unterhält gute Beziehungen zu ihrer Tochterorganisation im Gazastreifen, der Hamas. Nach dem Sturz der Muslimbrüder haben inzwischen wieder die Generäle das Sagen in Ägypten. Für Israel war das Militär als Machthaber in Kairo traditionell ein Stabilitätsfaktor. Und in der Tat macht nun offenbar das ägyptische Militär sogar gegen einen Hauptfeind Israel mobil: die Hamas. Langfristig sollen die radikalen Palästinenser sogar gestürzt werden, hieß es aus ägyptischen Sicherheitskreisen. Der Bürgerkrieg in Syrien könnte Israel in mehrfacher Hinsicht bedrohen. So kämpfen auf Seiten des Machthabers Baschar al-Assad libanesische Hisbollah-Milizen: anti-israelische, vom Iran unterstützte Einheiten. Aber Israel-feindliche Gruppierungen gibt es auch in den Reihen der syrischen Rebellen, wie zum Beispiel die militante und Al-Kaida nahe al-Nusra-Front.

Krieg und Frieden mit Israel

Sechstage-, Jom-Kippur-, Libanonkrieg, Intifada – im Nahen Osten gab es seit der Staatsgründung Israels 1948 immer wieder Spannungen und Kriege, aber auch große Friedensinitiativen. Eine Chronologie.

Iron Dome – Israels Raketenschutzschild

Spätestens nach den Raketenangriffen 2006 aus dem Libanon mit Toten und zahlreichen Verletzten war für die israelische Regierung klar: es bedarf einer neuen Abwehrtechnik. Damals feuerte die Hisbollah Katjuscha-Geschosse ab. Aber auch die Kassam- und Fajr- und M75- Raketen aus dem Gazastreifen (ebenso wie die Scud-Raketen aus Syrien und andere Raketen-Typen)  mit Reichweiten von bis zu 75 Kilometern sind in dieser geografisch kleinteiligen Region eine ständige Bedrohung für Israel.

Funktionsweise von „Iron Dome“

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Intelligentes Abwehrsystem

station-42407936Die Regierung gab daraufhin beim staatlichen Rüstungskonzern Rafael „Iron Dome“ (Eiserne Kuppel) in Auftrag, ein Abwehrsystem gegen Kurzstreckenraketen und Artilleriegranaten. Es besteht aus drei Komponenten: 1. Ein Radar überwacht den Flugraum, erfasst anfliegende Raketen und berechnet in Nano-Sekunden deren Flugbahn. 2. Diese Daten werden an ein Kontrollzentrum geschickt, das den Einschlagpunkt errechnet. 3. Von einer Rampe starten eine oder mehrere Abfangraketen des Typs Tamar, falls das Ziel eine Wohnsiedlung oder eine Militärzone ist. Im Idealfall wird das feindliche Geschoss dann in der Luft zerstört. Falls es aber – und das ist der Clou von „Iron Dome“ – auf unbewohntes Gebiet niedergehen oder ins Meer stürzen wird, spart sich das System den Abschuss. Denn eine einzelne Abfangrakete kostet mehrere Zehntausend Euro.

Feuerprobe bestanden

Bewährt hat sich „Iron Dome“ gleich beim ersten großen Einsatz, während Israels Gaza-Offensive im November 2012, als aus dem Gazastreifen wieder Tausende Raketen abgefeuert wurden. Israels Medien sprachen damals von einer Erfolgsquote des Abwehrsystems von fast 90 Prozent. Kein Wunder, dass es als „Wunderwaffe“ bezeichnet wurde – zumal die mobile Batterie auch noch innerhalb weniger Stunden verlegt werden kann.

Keine hundertprozentige Sicherheit

raketen-angriff-8822502Doch ganz ohne Nachteile ist „Iron Dome“ nicht. Es hat nach Experteneinschätzung eine Fehlerquote von zehn Prozent, die offenbar auch mit der sehr kurzen Flugdistanz zwischen Gazastreifen und Israel zusammenhängt. Bei einem regelrechten Raketenhagel können Falschberechnungen tödlich sein. Große Städte wie Tel Aviv und Haifa gelten weiterhin als gefährdet. Außerdem stellen nach erfolgreichem Abschuss in der Luft herabfallende Splitter eine Gefahr dar.

Derzeit arbeitet Israel an weiteren Abfangsystemen: „David’s Sling“ (Schleuder Davids) soll Mittelstreckenraketen aus einer Entfernung bis zu 200 Kilometern abwehren können. Gegen Langstreckenraketen wird „Arrow“ (Pfeil) ständig weiter entwickelt.

Iran und Saudi-Arabien –
Macht-Rivalen im Nahen Osten

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Gläubige beten rund um die Kaaba.
| picture-alliance/dpa

Syrien scheint zu zerfallen, auch Ägypten ist instabil geworden. Neben der Türkei sind als Hauptakteure in der islamischen Welt des Nahen Ostens Saudi-Arabien und Iran übrig geblieben, die um die Vormachtstellung am Persischen Golf ringen. Beide Länder sind Schwergewichte in der Region: Iran hat etwa 75 Millionen Einwohner, Saudi-Arabien knapp 30 Millionen. Beide Länder sind im Nahen Osten die größten Ölproduzenten und die größten Flächenländer.

 

 

 

 

 

Islamische Spaltung: Sunniten und Schiiten

Beide Staaten unterscheiden sich deutlich. Die Bewohner des saudischen Königreichs sind ethnische Araber, mehrheitlich Beduinen. Im Iran leben vorwiegend Perser. Der

Blick über den Innenhof auf die goldene Kuppel der Askari-Moschee im irakischen Samarra. | picture-alliance/dpa

Blick über den Innenhof auf die goldene Kuppel der Askari-Moschee im irakischen Samarra. | picture-alliance/dpa

Hauptunterschied besteht in der religiösen Ausrichtung. In beiden Ländern ist zwar der Islam Staatsreligion, doch die Araber sind mehrheitlich Sunniten, die meisten Iraner hingegen Schiiten. Diese Spaltung ist gravierend und reicht sehr weit in die Geschichte zurück – bis ins 7. Jahrhundert. Ursache dafür war ein Streit um die legitime Nachfolge des Propheten der Muslime Mohammeds. Die eine Seite, die „Schiat Ali“ (Partei Alis) hielt den Schwiegersohn des Propheten Mohammeds, Ali, für den rechtmäßigen Nachfolger. Diese Fraktion nannte man fortan Schiiten. Diese bezichtigten die Sunniten, die Mohammeds Schwiegervater Abu Bakr einsetzten, die Nachfolge usurpiert zu haben. Die Anhänger der Sunna (arabisch: Brauch, Überlieferung) setzten sich letztlich im arabischen Raum durch. Persien dagegen wurde 1501 überwiegend schiitisch. Der Sunna-Schia-Gegensatz war jahrhundertelang Grund für – auch gelegentlich bewaffnete – Konflikte und kocht bis heute immer wieder hoch. Schiiten waren für viele Sunniten von Anfang an Abtrünnige. Der Streit geht soweit, dass etwa für radikal-sunnitische Al-Kaida-Kämpfer das Töten der „ungläubigen“ Schiiten legitim ist.

 

 

Der Schiitische Halbmond

Obschon die große Mehrheit der Muslime der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam zuzurechnen ist, gibt es  Regionen oder Staaten, in denen die Schiiten aus historischen oder geographischen Gründen eine starke Minderheit bilden. Im Iran, Irak und in Bahrain stellen die schiitischen Muslimen sogar die Mehrheit der Bevölkerung. Diese Zone mit einem hohen Anteil schiitischer Muslime hat in etwa die Form einer Mondsichel und erstreckt sich von Bahrain über den Iran bis in den Libanon, wo die Schiiten in etwa ein Drittel der Bevölkerung stellen. In der Wissenschaft und Publizistik wird deshalb für dieses Gebiet der Ausdruck „schiitischer Halbmond“ verwendet.

Wahhabiten – Kämpfer für den „reinen Islam“

Verschärfend kommt noch hinzu, dass in Saudi-Arabien eine besonders konservative Variante der Sunna Staatsreligion ist: der Wahhabismus.

Eine schwarz verschleierte, junge arabische Frau, a ufgenommen in Riad. | dpa/picture-alliance

Eine schwarz verschleierte, junge arabische Frau,
aufgenommen in Riad. | picture-alliance/dpa

Er geht zurück auf Muhammad ibn Abd al-Wahhab (1703-1792). Diese äußerst dogmatische Richtung begründete einen von allen modernen Einflüssen „gereinigten“, puritanischen Islam. In Saudi-Arabien kann bei Ehebruch oder Alkohol- und Drogenkonsum die Todesstrafe drohen. Kinos sind verboten, Frauen dürfen nicht Autofahren und sollten in der Öffentlichkeit ihr Gesicht mit einem Schleier bedecken. Wahhabiten und Schiiten pflegen eine besonders innige Feindschaft. Das bekommt auch die schiitische Minderheit im Osten Saudi-Arabiens zu spüren. Sie klagt seit langem über religiöse und soziale Diskriminierung durch das saudische Herrscherhaus und den saudischen Klerus. Es kommt immer wieder zu öffentlichen Protesten. Riad wirft wiederum dem Iran vor, die schiitische Minderheit aufzuwiegeln.

 

 

Atomarer Wettlauf im Nahen Osten?

Aufnahme des Schwerwasserreaktors Arak im Iran von 2011. | dpa/picture-alliance

Aufnahme des Schwerwasserreaktors Arak im Iran von 2011. | picture-alliance/dpa

Die Spannungen zwischen Teheran und Riad wurden in jüngster Zeit durch Irans Nuklearprogramm noch verschärft. Saudi-Arabien – das verbindet es sogar mit dem Erzfeind Israel – ist besorgt, dass der Iran zu einer militärischen Atommacht aufsteigen könnte. Teheran zu bremsen, daran hat Riad ein vitales Interesse. Das Interimsabkommen der fünf UN-Vetomächten und Deutschland mit dem Iran hält Saudi-Arabien für unzureichend. Insidern zufolge knüpfte es bereits Kontakte zu einer anderen Atommacht: dem mehrheitlich sunnitischen Pakistan. Der Konflikt in Syrien ist für Saudi-Arabien und dem Iran also eine Art Stellvertreterkrieg mit stark religiöser Einfärbung.

 

Die Strippenzieher – USA, Russland, Katar

USA – Ordnungsmacht auf dem Rückzug

pendeldiplomatie-2390951Vor 40 Jahren hetzte Henry Kissinger monatelang zwischen Washington, Moskau, Jerusalem und Kairo hin und her. Während des Yom-Kippur-Kriegs im Herbst 1973 war die Lage im gesamten Nahen Osten zum Zerreißen gespannt. Die Amerikaner hatten ein veritables Interesse an stabilen Verhältnissen in der Region: Israel sollte weiterhin in Sicherheit existieren – und das Öl fließen können. Die flugintensive und erfolgreiche Friedensmission des damaligen US-Außenministers ging in die Geschichte ein unter dem Begriff „Pendeldiplomatie“.

 

 

Bislang gescheiterte Nahost-Politik

US Päsident Barack Obama mit dem japanischen Premie rminister Naoto Kann während der APEC 2010. | dpa/picture-alliance

US-Präsident Barack Obama mit dem japanischen
Premierminister Naoto Kann während der
APEC 2010. | picture-alliance/dpa

Der Nahe Osten ist von dauerhaftem Frieden nach wie vor weit entfernt. Auch wenn heutige US-Außenminister viele Reisekilometer in der Region sammeln. John Kerry ist allein in den letzten 8 Monaten mehr als zehn Mal in den Nahen Osten gereist (Stand: Mitte März 2014). Präsident Barack Obama bekundet regelmäßig seine Solidarität mit Israel, doch eine engagierte Nahost-Politik der Amerikaner ist bislang gescheitert. Immerhin hat Obama am zweiten Tag seiner ersten Amtszeit sofort einen Sonderbeauftragten für den israelisch-palästinensischen Konflikt benannt: George Mitchell.  Der „pazifische Präsident“ hat sein Interesse nach Fernost verlagert. Obama unterstützt aber weiterhin das Engagement von Kerry, das größer und stärker ist als das all seiner Vorgänger in den letzten 20 Jahren. Und: Obama hat keinen Staatsmann öfter getroffen als Netanyahu.

Zuschauer im Nahen Osten

Die USA verzichteten aus innenpolitischen Gründen auf ein militärisches Eingreifen im blutigen Bürgerkrieg in Syrien, was bei einem Teil der Aufständischen große Enttäuschung hervorrief. Obwohl Ägypten traditionell der arabische Hauptverbündete ist, schauten die Amerikaner zu, wie dort erst Hosni Mubarak gestürzt wurde, dann der Islamist Mohammed Mursi an die Macht kam, der gleich wieder vom Militär weggeputscht wurde. Auch Obamas Einsatz für einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern  ist inzwischen nicht mehr übereifrig, nachdem seine Initiative in seiner ersten Amtsperiode gescheitert war. 

 

Abschied vom Öl aus der Golfregion?

Dass sich die einstige Ordnungsmacht aus den Wirren heraushält, hängt sicher auch damit zusammen, dass die nach den verlustreichen und kostspieligen Einsätzen in Afghanistan und im Irak kriegsmüde sind. Sie werden langfristig sogar generell ihre Präsenz im Nahen Osten zurückfahren, denn neue Fördertechniken wie Fracking und Tiefseebohrungen vermindern die Abhängigkeit der Amerikaner von Öl aus der Golfregion deutlich. De facto werden die Amerikaner werden 2016 unabhängig vom arabischen Öl sein. 

 

Gewinner Russland?

Der Russische Präsident Vladimir Putin mit dem ägyptischen Verteidigungsminister Abdel Fattah al- Sisi. | dpa/picture-alliance

Der Russische Präsident Vladimir Putin mit dem
ägyptischen Verteidigungsminister
Abdel Fattah al-Sisi. | picture-alliance/dpa

Nachdem Chemiewaffeneinsätze im syrischen Bürgerkrieg bekannt geworden waren, erwogen die USA zunächst doch einen Militärschlag gegen das Assad-Regime. Obama selbst machte einen Rückzieher, nachdem er sich entschied, erst den Kongress zu befragen, den er gar nicht hätte befragen müssen. Das US-Gesetz hätte es ihm erlaubt, zuzuschlagen ohne Genehmigung von Capitol Hill. Syrien ist traditionell Verbündeter von Moskau. So unterhält die russische Kriegsmarine schon seit langem in der syrischen Hafenstadt Tartus eine Basis – ihren einzigen Militärstützpunkt im Mittelmeer.

Doch Russland versucht nun, seinen Einfluss in der gesamten Region auszuweiten. So plant der Kreml offenbar einen Iran-Öl-Deal im ganz großem Stil. Auch in Ägypten könnte Russland in die Bresche springen: Die USA froren 2013 einen Großteil der Unterstützung von jährlich 1,5 Milliarden Dollar ein, von der vor allem das ägyptische Militär profitierte. Prompt flog Ägyptens Militärchef Abdel Fattah al-Sisi nach Moskau. Die Rede war von einem milliardenschweren Waffengeschäft mit Russland.

 

AIPAC – Israels mächtige Lobby in den USA

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US-Präsident Barack Obama spricht 2012
auf der AIPAC (American Israel
Public Affairs Conference). | picture-alliance/dpa

Trotz aller jüngster Differenzen mit den USA ist Israel nach wie vor ein Eckpfeiler amerikanischer Außenpolitik. Das äußert sich nicht zuletzt auch in umfangreicher finanzieller Unterstützung, größtenteils Militärhilfe. Ein wichtiges Bindeglied zwischen den USA und Israel ist AIPAC, das „American Israel Public Affairs Committee“. Es ist die größte und mächtigste pro-israelische Lobby-Organisation und eine der am besten organisierten Lobby-Gruppen überhaupt, die es in der amerikanischen Politik in allen Bereichen als legitimer und erwünschter Teil der US-Politik gibt. Mehr als 100 000 Menschen engagieren sich für AIPAC, die insbesondere massiven Einfluss auf die US-Gesetzgebung im Kongress in Sachen Israel nimmt. AIPAC ist eine jüdische Organisation, doch viele Nichtjuden unterstützen sie ebenfalls. Sie ist „bi-partisan“, d.h. sie wendet sich gleichermaßen an Demokraten und Republikaner. Bei der alljährlich stattfindenden Convention in Washington nehmen regelmäßig fast alle Senatoren und Kongressmitglieder teil, außerdem Botschafter aus aller Welt, die US-Army u.v.a. Jedes Jahr sprechen entweder der amerikanische Präsident oder der US-Außenminister vor der Convention sowie der jeweilige israelische Premier.

 

 

 

 

Hamas und Fatah

Die Palästinenser haben keinen eigenen Staat. Ihre Interessen werden von diversen Organisationen vertreten. Die wichtigsten Parteien sind die Fatah und die Hamas. Die Fatah ist für eine Zweistaaten-Lösung, die Hamas ist strikt dagegen. 

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Die Moderaten: Fatah

Die Fatah wurde 1958 gegründet. Dieser arabische Name ist eine Abkürzung für „Bewegung zur nationalen Befreiung Palästinas“, bedeutet als Akronym (Aneinanderreihung der Anfangsbuchstaben) aber auch „Sieg“ bzw. „Eroberung“. Bis zu seinem Tod 2004 prägte Jassir Arafat, Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, die Fatah. Innerhalb der PLO ist die Fatah die größte Fraktion. Sie ist säkular ausgerichtet, ihr Ziel ein unabhängiger Palästinenserstaat mit vollen Souveränitätsrechten. In der Vergangenheit hatte die Fatah auch auf den gewaltsamen Kampf für ein Palästina in historischen Grenzen gesetzt, d. h. nicht nur Westjordanland, Gazastreifen und Ost-Jerusalem, sondern auch das Gebiet von Israel. Im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses erkannten sich PLO und Israel 1993 gegenseitig an. Danach änderte die Fatah ihre Charta und strebt offiziell die Schaffung eines Staates mit friedlichen Mitteln in den Grenzen vor dem Sechstagekrieg 1967 an: Westjordanland, Gazastreifen, Ost-Jerusalem.

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Mitglieder der Fatah feiern 2014 das 48-jährige Bestehen der Fatah-Bewegung. | picture-alliance/dpa


Die Radikalen: Hamas

Kämpfer der militärischen Flügels der Hamas. | dpa/picture-alliance

Kämpfer der militärischen Flügels der Hamas.
| picture-alliance/dpa

Die Hamas dagegen ist eine radikal-islamistische Partei. Sie wurde 1987 als Ableger der ägyptischen Muslimbruderschaft gegründet. Hamas ist der arabische Begriff für „Eifer“ und ist zugleich ein Akronym für „Islamische Widerstandsbewegung“. Sie fordert in ihrer Charta die Zerstörung des Staates Israel und die gewaltsame Errichtung eines islamischen Staates Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer.

Der militärische Arm der Hamas, die Al-Kassam-Brigaden, verübte Dutzende tödliche Anschläge auf Israelis. Die Hamas wird deshalb gemeinsam mit ihren Milizen unter anderem von Deutschland und den Vereinten Nationen als terroristische Vereinigung eingestuft. Ihr gehören mehrere Zehntausend Kämpfer an. Die Hamas wurde jahrelang vom Iran und von Syrien mit Geld und Waffen unterstützt, später kurzzeitig auch von Katar. Zwei Jahre lang schien es, hatten sich die unterstützenden Länder zurückgezogen. Im März 2014 kündigte der Iran an seine Unterstützung der Hamas wieder auf zu nehmen.

Spaltung der Autonomiegebiete

Bei den Parlamentswahlen für die palästinensischen Autonomiegebiete  2006 verlor die Fatah ihre Mehrheit an die Hamas. Daraufhin bildeten Fatah und Hamas eine „Koalition der nationalen Einheit“, die 2007 nach dem Putsch der Hamas gegen Fatah in Gaza endgültig beendet war. Seitdem hat die Hamas im Gazastreifen das alleinige Sagen. Die Fatah kontrolliert nur noch die Palästinensischen Autonomiegebiete im Westjordanland. Trotz anhaltender Feindschaft bemühten sich beide Gruppen immer wieder, eine gemeinsame Regierung zu vereinbaren. Doch die Bemühungen um Aussöhnung blieben bisher nur Absichtserklärungen und wurden von beiden Seiten nicht wirklich ernst genommen. Vereinbarte Wahlen fanden bislang nicht statt.

 

Angriffe aus Gaza auf Israel

Die Hamas änderte nach 2007 zwar ihre Strategie und äußerte prinzipiell Bereitschaft zu einer langfristigen Waffenruhe mit Israel – zu ihren Bedingungen. Doch bis es so weit ist, setzt die Hamas weiter auf „bewaffneten Widerstand“, wie sie die ständigen Raketenangriffe ihres militanten Flügels auf Israel bezeichnet. Außerdem agieren im Gazastreifen weitere militante Organisationen, die Israel bekämpfen, etwa der „Palästinensische Islamische Dschihad“, das „Volkswiderstandskomitee“, die „Salafistischen Dschihadisten“ sowie anstelle der nicht mehr vorhandenen „Al-Aksa-Brigaden“ Organisationen, die mit Al-Kaida liiert sind.

Jerusalem, Siedlungspolitik und die Chancen auf Frieden

Nach dem militärischen Sieg im Sechstagekrieg 1967 besetzte Israel unter anderem das Westjordanland, den Gazastreifen und Ost-Jerusalem. Danach begannen Juden, in diesen mehrheitlich von Palästinensern bewohnten Gebieten Siedlungen zu bauen. Bis heute sind es insgesamt über 250 mit weit mehr als einer halben Million Einwohnern. Die meisten Siedlungen wurden mit Unterstützung der Regierung in Jerusalem errichtet, etwa 100 betrachtet diese jedoch als illegal. Manche Siedlungen – wie Ariel oder Betar Illit – sind Städte mit zum Teil mehreren Zehntausend Einwohnern. Die israelischen Siedlungen im Gazastreifen ließ 2005 die Regierung in Jerusalem räumen.

Der Bau israelischer Siedlungen in Palästinensergebieten ist international umstritten. Er wird als völkerrechtswidrig kritisiert, da Staaten laut Genfer Konvention besetzte Territorien nicht besiedeln dürfen. Jerusalem argumentiert dagegen, dass das Westjordanland nach dem Ende des Osmanischen Reiches nie Teil eines souveränen Staates war, völkerrechtlich somit gar nicht besetzt worden sei. Auch der Status von Ost-Jerusalem ist umstritten. Israel betrachtet ganz Jerusalem als seine Hauptstadt, international ist dies jedoch nicht anerkannt. Israel betrachtet es als Teil Jerusalems, international ist dies jedoch nicht anerkannt. Für die Palästinenser ist der Siedlungsbau einer der größten Hürden für einen Friedensvertrag und eine Zwei-Staaten-Lösung. Auch innerhalb Israels ist der Siedlungsbau umstritten.

 

Das einzigartige TV-Projekt „24h Jerusalem“ bildet einen Tag lang das facettenreiche, konfliktbeladene Leben in Jerusalem ab. Zu sehen am 12. April 2014 auf ARTE und im Bayerischen Fernsehen. Mehr Infos unter: www.24hjerusalem.tv/de

Glossar

Abd al Fattah as Sisi:

Ägyptischer Feldmarschall und Verteidigungsminister, treibende Kraft beim Sturz Moursis, der ihn zum Verteidigungsminister ernannt hatte.
Voraussichtlich aussichtsreichster Kandidat bei den nächsten Präsidentenwahlen im Frühjahr 2014. Die Ägypter projizieren auf ihn sämtliche Hoffnungen und Erwartungen auf eine bessere Zukunft. Sollte er gewählt werden, dann ähnelt das neue politische System des Landes dem alten: starker Präsident, schwaches Parlament.

Al Kaida in Syrien:

Es gibt mindestens zwei große islamistische Verbände im syrischen Bürgerkrieg, die Al Kaida zugerechnet werden. Einmal Jabat Al Nusra (Unterstützungsfront für das syrische Volk): schon 2011 entstanden, verantwortlich für Selbstmordanschläge. Gilt als starke Kampforganisation. Außerdem wird ISIS (Islamischer Staat in Syrien und Irak), bestehend aus ausländischen Djihahdisten, Al Kaida zugerechnet. Sie sind verantwortlich für die Kämpfe innerhalb der Rebellen, gilt als außerordentlich grausam.

Assad-Familie:

Die Familie Assad gehört der religiösen Minderheit der Alawiten in Syrien an, die im Nordwesten bei Latakia und dem Hinterland ihr Kerngebiet haben.
Die Alawiten sind eine Sekte, die sich vor gut 1000 Jahren vom schiitischen Islam abgespalten hat. Der Vater des jetzigen Präsidenten Hafiz al Assad putschte sich 1970 an die Macht. Davor war er Luftwaffen-General und Verteidigungsminister gewesen. Seit 1970 kontrolliert die verzweigte Assad-Familie mit harter Hand die Politik des Landes, aber auch viele Zweige der Wirtschaft.

Drusen:

Die Glaubensgemeinschaft der Drusen kann religionsgeschichtlich verkürzt dargestellt als eine Abspaltung der schiitischen Tradition des Islam bezeichnet werden. Die Drusen konnten sich seit ihrer Begründung im Mittelalter in den lange Jahrhunderten nur schwer zugänglichen Bergregionen des Libanon behaupten. Heute leben drusische Minderheiten vor allem im Libanon, Syrien und Israel. Die Drusen stehen loyal zum israelischen Staat und dienen auch in den Streitkräften des jüdischen Staates.

Dschihad / Djihad:

Ursprünglich, so die Meinung von Islamwissenschaftlern und muslimischen Gelehrten, verbirgt sich hinter dem Begriff „Dschihad“, lediglich die Anstrengung, sich für seinen Glauben einzusetzen.
Dies muss nicht bedeuten, mit der Waffe in der Hand zu kämpfen. Für radikale Islamisten hingegen hat der Begriff „Dschihad“ eine klare Bedeutung; nämlich der Einsatz von Gewalt im Namen der Religion.

Fatah:

Die Fatah wurde 1958 gegründet. Dieser arabische Name ist eine Abkürzung für „Bewegung zur nationalen Befreiung Palästinas“, bedeutet als Akronym (Aneinanderreihung der Anfangsbuchstaben) aber auch „Sieg“ bzw. „Eroberung“. Bis zu seinem Tod 2004 prägte Jassir Arafat, Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, die Fatah. Nach Arafats Tod übernahm Mahmud Abbas den PLO-Vorsitz. Abbas ist zugleich Führungsfigur der Fatah und Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde. Diese säkular ausgerichtete Bewegung ist innerhalb der PLO die größte Fraktion. Ihr Ziel ist seit dem Oslo-Abkommen mit Israel 1993 ein unabhängiger Palästinenserstaat mit vollen Souveränitätsrechten in den Grenzen vor dem Sechstagekrieg 1967, also Westjordanland, Gazastreifen, Ost-Jerusalem, auch wenn Teile der Fatah, wie die Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden, den bewaffneten Kampf z.T. mit terroristischen Mitteln gegen Israel weiter forcierten.

Fatwa:

Ein religiöses Gutachten.
Immer wieder haben diese Gutachten die Politik im Iran beeinflusst; auch vor der Islamischen Revolution. So erlangte beispielsweise Ayatollah Schirazi große Bedeutung, als er sich Ende des 19. Jahrhunderts mit einer Fatwa gegen das Rauchen von Tabak wandte. Damals wurde mit einer Tabak-Konzession das gesamte Geschäft mit Rauchwaren an einen Briten vergeben; was Schirazi wiederum ablehnte. Die Gläubigen hielten sich an das Verbot und die Tabak-Konzession war somit wertlos. Die sogenannte „Tabakrevolte“ gilt heute als erste religiös begründete Protestbewegung im Iran und somit als Vorläufer der Islamischen Revolution, die maßgeblich von Geistlichen getragen wurde.

Golan:

Das Golan-Gebirge östlich des Sees Genezareth wurde von Israel im sogenannten Juni-Krieg 1967 besetzt und 1981 de facto annektiert.
Der Golan hat für Israel nicht nur größte geostrategische Bedeutung. Auch die drei Quellen des wichtigsten israelischen Flusses Jordan liegen in dem nahe des Golan angrenzenden Dreiländerecks Syrien, Israel und Libanon.

Hamas:

Im Unterschied zur Fatah ist die Hamas eine radikal-islamische Partei. Sie wurde 1987 als Ableger der ägyptischen Muslimbruderschaft gegründet. Hamas ist der arabische Begriff für „Eifer“ und ist zugleich ein Akronym für „Islamische Widerstandsbewegung“. Die Hamas fordert die Zerstörung des Staates Israel und die Errichtung eines islamischen Staates Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer. Der militante Arm der Hamas, die Al-Kassam-Brigaden, verübte Dutzende tödliche Anschläge auf Israelis. Die Hamas wird deshalb unter anderem von Deutschland und den Vereinten Nationen als terroristische Vereinigung eingestuft. Wichtige Führungsfiguren der Hamas sind Ismail Haniyya, der als Hamas-Ministerpräsident in Gaza lebt und der Führer der Hamas, Khaled Mashal, der sich zuletzt in Katar aufhielt.

Intifada:

Der Begriff Intifada bezeichnet zwei Aufstände der Palästinenser gegen die israelische Besatzungsmacht.
Üblicherweise wird zwischen der ersten Intifada, die 1987 begann und 1993 mit dem israelisch-palästinensischen Abkommen endete, wie auch der zweiten Intifada unterschieden. Die zweite Intifada begann 2000, als der damalige israelische Oppositionsführer Ariel Scharon ankündigte, den Tempelberg in Jerusalem zu besuchen. Die zweite Intifada endete 2005 mit der Unterzeichnung eines Abkommens Israels mit der Palästinensischen Autonomiebehörde.

Irak-Iran-Krieg:

Nur ein Jahr nach der Islamischen Revolution griff der Irak 1980 den Iran an.
Der damalige Machthaber in Bagdad, Saddam Hussein, glaubte, mit einem Überraschungsangriff den Süden des Iran mit den vielen Erdöl- und –Gasfelder zu erobern. Aus dem „Blitzkrieg“ entwickelte sich ein acht Jahre lang andauernder Abnützungskrieg ohne wirklichen Sieger. Tatsache ist aber auch: Die Islamische Revolution überstand den Krieg auf sich alleine gestellt und ohne die Unterstützung großer Mächte als Regierungssystem.

Jassir Arafat:

Jassir Arafat war seit den 1960er Jahren das Gesicht und bald auch der unumstrittene Führer der palästinensischen Widerstandsbewegung gegen Israel. Arafat galt als Verbündeter der Sowjetunion und forderte zunächst die Zerstörung Israels. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks unterzeichnete er mit Israel in Washington ein Abkommen, das den Weg zur Begründung der Palästinensischen Autonomiebehörde ebnete. 1994 erhielt Arafat zusammen Shimon Peres und Jitzchak Rabin für diese Politik der Annäherung den Friedensnobelpreis.

Katar:

Kleiner, aber extrem reicher Halbinsel-Staat, angedockt an Saudi Arabien.
Durch eines der größten Gasvorkommen der Welt hat Katar eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Unterstützt Muslimbrüder und Extremisten in Syrien. Streng sunnitisch, aber nicht so orthodox wie Saudi Arabien.

Libanon – Regierungssystem:

Um möglichst alle Religionen an der Macht zu beteiligen sind die hohen Regierungsämter nach einem Religionsproporz geordnet.
Der Staatspräsident muss Christ sein, der Regierungschef und Ministerpräsident Sunnit, der Parlamentspräsident Schiit, und der Oberkommandierende der Armee wieder Christ. Auch die Parlamentssitze sind nach einem komplizierten Religionsschlüssel den Konfessionen zugeordnet.

Libanon – Religionsproporz:

Mehr als die Hälfte der 4,5 Millionen Einwohner sind Muslime, von denen ungefähr die Hälfte Schiiten und Sunniten sind. Die restliche Bevölkerung setzt sich zusammen aus einer großen christlichen Minderheit (ca 37%), die meisten Maroniten und viele kleinere christliche Religionsgemeinschaften, außerdem Drusen.
Insgesamt 18 verschiedene Religionsgemeinschaften leben im Libanon. Dazu kommen ca. 350.000 palästinensische Flüchtlinge (Sunniten), die in Lagern leben, und offiziell über 500.000 Flüchtlinge aus Syrien. Wie viele Christen, Sunniten oder Schiiten sind, ist nicht bekannt.

Massada:

Die Festung Massada in der Nähe des Toten Meeres wurde vor über 2.000 Jahren von König Herodes errichtet und von den Römern während des Jüdischen Aufstandes 73 n.Chr. belagert und erobert.
Die Verteidiger der Festung gehörten einer militanten jüdischen Organisation an, die sog. Sikarier; benannt nach dem lateinischen Wort für Kurzdolch, mit dem sie ihre Feinde töteten. Vor dem entscheidenden Angriff der Römer nahmen sich die Verteidiger mit ihren Familien kollektiv das Leben. Massada wurde viel später zu dem Symbol für den jüdischen Freiheitswillen. Es gibt aber auch kritische Stimmen, die in dem Massenselbstmord der radikalen Sikarier keine Vorbildsfunktion für den modernen jüdischen Staat erkennen mögen.

Militär in Ägypten:

Seit dem Sturz des letzten ägyptischen Königs Faruk im August 1952 herrschen am Nil Offiziere; lediglich unterbrochen durch die Regierungszeit von Staatspräsident Moursi. Das Militär galt und gilt in Ägypten wie auch im Ausland als Garant für stabile, politische Verhältnisse (was keinesfalls mit Demokratie zu verwechseln ist) wie auch als Gegenmacht zu den islamistischen Gruppierungen wie beispielsweise den Muslimbrüdern.

Moslembrüder in Ägypten:

1928 gegründet als antikoloniale Bewegung zur Wiedererweckung des Islam in Ägypten.
Verboten seit 1956, aber als Wohlfahrtsorganisation erfolgreich. Zugelassen nach dem Sturz Mubaraks 2011. Ägyptens erster frei gewählter Präsident, Mohamed Moursi, gehörte zu den Moslembrüdern (MB). Heute als Terrororganisation eingestuft durch die ägyptische Übergangsregierung. Fast jedes arabische Land hat eine eigene MB-Bewegung.

Mullahs:

Im Gegensatz zur sunnitischen Glaubensrichtung des Islam gibt es bei den schiitischen Muslimen eine Art Hierarchie unter den Mullahs, der grob vereinfacht mit „Klerus“ der Römisch-Katholischen Kirche verglichen werden kann. Diese Strukturen führten dazu, dass sich die „Mullahs“ auch als ein wichtiger Faktor des politischen Lebens im Iran herausbilden konnten.

Schah:

Schah Mohammad Reza Pahlevi floh aus dem Iran im Januar 1979. Er war der wichtigste Verbündete der USA im Mittleren Osten.
Mit Israel pflegte der Schah enge Beziehungen. Die beide nichtarabischen Länder, der Iran und Israel waren damals nicht nur prowestliche Staaten, sondern hatten auch gemeinsame Feinde; insbesondere den Irak unter Saddam Hussein.

Scharia:

Religionswissenschaftler betrachten den Islam wie auch das Judentum als eine Gesetzesreligion; das bedeutet, dass sich der Islam als eine allumfassende Lebensweise versteht. Die Scharia gründet sich auf den Koran und ist Grundlage der islamischen Gesetzgebung. Für Muslime wurde der Koran von Allah durch seinen Propheten Mohammed offenbart.

Schiitischer Halbmond:

Obschon die große Mehrheit der Muslime der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam zuzurechnen ist, gibt es Regionen oder Staaten, in denen die Schiiten aus historischen oder geographischen Gründen eine starke Minderheit bilden. Im Iran, Irak und in Bahrain stellen die schiitischen Muslimen sogar die Mehrheit der Bevölkerung. Diese Zone mit einem hohen Anteil schiitischer Muslime hat in etwa die Form einer Mondsichel und erstreckt sich von Bahrain über den Iran bis in den Libanon, wo die Schiiten in etwa ein Drittel der Bevölkerung stellen. In der Wissenschaft und Publizistik wird deshalb für dieses Gebiet der Ausdruck „schiitischer Halbmond“ verwendet.

Shoah / „keine zweite Shoah“:

Millionen Juden wurden während des Zweiten Weltkrieges von Nazi-Deutschland und seinen Helfershelfern ermordet, weil sie kein Land aufnehmen wollte. Der jüdische Staat Israel hingegen sieht sich als Zufluchtsort für alle verfolgten Juden in der ganzen Welt. Jeder Jude kann nach Israel einwandern und erhält per Gesetz die israelische Staatsbürgerschaft. Dank der Existenz des jüdischen Staates werde es nie mehr eine zweite Shoah geben, hofft man in Jerusalem. Dies ist die wohl wichtigste Legitimation des 1948 gegründeten Staates Israel.

Sunniten/Schiiten:

Hinter diesen Begriffen verbergen sich die beiden wichtigsten muslimischen Konfessionen in der Welt.
Auslöser für die Aufspaltung des Islam in die beiden Gruppen war ein Streit um die Nachfolge des Propheten der Muslime, Mohammed im 7. Jahrhundert n. Chr. Im Laufe der Jahrhunderte vertiefte sich dieser Konflikt und sah am Ende die Herausbildung zweier auch theologisch unterschiedlicher Konfessionsrichtungen.

Syrischer Stellvertreter-Krieg:

Saudi-Arabien versucht, den Iran aus Syrien zu verdrängen und damit aus der gesamten arabischen Region, um seinen Einfluss nicht zu gefährden, aber auch um eine schiitisch missionarische Regierung an der Verbreitung des schiitischen Islam zu hindern.

Tamarod-Bewegung:

Eine im April 2013 gegründete Protestbewegung in Ägypten, die gegen den gewählten Präsidenten der Muslimbrüder, Mohamed Moursi, gerichtet war.
Sie verlangte seinen Rücktritt, da es ihm nicht gelungen war, die wirtschaftlichen Probleme des Landes zu lösen. Außerdem versuchten er und seine Muslimbrüder, dem Land eine streng islamische Ideologie überzustülpen. Die Massenproteste am 30. Juni 2013 leiteten den Sturz ein. Am 3. Juli putschte das Militär gegen ihn und setzte ihn und seine Regierung ab. Es gibt aber auch Hinweise, dass diese Tamarod-Bewegung (Rebellion) auch von reichen Ägyptern gesteuert war.

Zionisten:

Der Begründer des modernen Zionismus ist der österreich-ungarische Journalist und Publizist, Theodor Herzl. Er entwickelte das Konzept eines modernen jüdischen Staates in der alten Heimat des jüdischen Volkes vor dem Hintergrund des zunehmenden Antisemitismus in Europa am Ende des 19. Jahrhunderts.
Die Juden, die an Herzls Visionen glaubten und sie in die Tat umsetzten, nannten und nennen sich Zionisten Zionismus ist somit die Nationalbewegung des jüdischen Volkes. Zion ist eine biblische Bezeichnung für Jerusalem

Credits

Das Webspecial zur Doku „Zwischen Hoffnung und Verzweiflung – der neue Nahe Osten“ ist eine Ko-Produktion von BR und SWR Redaktion ARD-Doku / Gesamtleitung Webspecial: Christian Daubner Projektleitung/-koordination: Isabella Schels Online-Koordination / Online-Redaktion: Silvia Renauer, Sandra Marsch Redaktion ARD-Doku / Online-Koordination: Susanne Sterzenbach Autorinnen/Autoren: Videos: Jörg Armbruster, Richard C. Schneider, Markus Rosch, Esther Saoub, Alexander Stenzel, Martin Weiss Texte: Jörg Armbruster, Richard C. Schneider, Thomas Aders, Ernst Eisenbichler, Stefan Meining, Stefan Schaaf Projektassistenz: Manuela Lerchl Leitung Grafik ARD-Doku/Webspecial: Bibiane Wimbauer Grafik-Koordination: Beatrix Rottmann, Thilo Schreiber Grafik: Christian Sonnberger Design: Ursula Brunnthaller Mediengestaltung: Korbinian Kalleder Frontend-Entwicklung: David Zeidler, Sven Schulz Product Owner Blog: Jerry Manz UX-Architektur/Konzeption: Evelyn Pinter Konzeption/Beratung: Ulrike Herm, Peter Stenz, Benedikt Angermeier Video-Kommentarfunktion-Entwicklung: Oliver Gregortschek (Product Owner), Mustafa Isik (SW-Architekt), Anselm Eickhoff (SW-Entwickler)Quellen zum Video „Syrien: Kultur-Erbe in höchster Gefahr“: https://www.facebook.com/Archeologie.syriennehttps://www.facebook.com/apsa2011