Ausblick: UN-Klimakonferenz in Paris

Vom 30. November bis 11. Dezember 2015 findet in Paris die 21. UN-Klimakonferenz statt. Physik-Nobelpreisträger Brian Schmidt setzt große Hoffnungen in die Ergebnisse dieser Konferenz. Ein Scheitern wäre ein großes Risiko für die Menschheit, fürchtet er.

 

Aufruf der Nobelpreisträger zum Klimaschutz

Zum Abschluss der Nobelpreisträgertagung auf der Insel Mainau, verabschiedeten die Laureaten die „Mainau-Deklaration“. Eine Mahnung an alle Entscheidungsträger der Welt, sich stärker für den Klimaschutz einzusetzen.

Nobelpreisträger unterschreiben die Lindau Deklaration 2015

„Wenn wir (der Klimaerwärmung) nicht entgegensteuern, so wird die Erde schließlich nicht mehr in der Lage sein, den Bedürfnissen der Menschheit gerecht zu werden und unsere ständig zunehmende Nachfrage nach Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Und dies wird zu einer umfassenden menschlichen Tragödie führen.“ Die Nobelpreisträger fordern die Entscheidungsträger auf, bei der UN-Klimakonferenz in Paris im Dezember, entschlossen zu handeln. Emissionen müssten endlich weltweit begrenzt werden.

brian_schmidt

Science is global. Das wurde hier in Lindau ja die ganze Woche über deutlich. Aber auch die Bemühungen, die Erde bewohnbar zu halten, sollten global sein. Über 30 Nobelpreisträger – ob Chemiker, Physiker oder Biologen – aus vielen verschiedenen Ländern standen Schlange, um die Deklaration zu unterzeichnen. Sprecher der Initiatoren ist der Astrophysiker Brian Schmidt, dem ihr im letzten Jahr eure Fragen stellen konntet. Er sagte uns heute: „Ja, Wissenschaft ist immer wahnsinnig kompliziert. Aber in diesem Fall gibt es doch erstaunliches Einverständnis unter den meisten Kollegen: Wir müssen endlich gemeinsam etwas dafür tun, dass sich das Klima der Erde nicht noch weiter verändert.“

Die „Mainau-Deklaration“ zum Nachhören (Brian Schmidt):

 

Friedensnobelpreisträger Satyarthi: „Schaut auch mal zurück zu den Menschen!“

Zum Abschluss der Tagung diskutierten die Wissenschaftler auf der Insel Mainau darüber, wie man wissenschaftliche Erkenntnisse besser vermitteln kann. In Schulen, in Universitäten aber auch in der breiten Öffentlichkeit.

Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi

Und wieder war ein Nobel-Gast unter den Naturwissenschaftlern: Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi aus Indien, ausgebildeter Ingenieur. Er erinnerte sich an seine eigene wissenschaftliche Ausbildung und daran, wie er forschte, immer bessere Ideen und Erkenntnisse hatte und sich immer höhere Ziele setzte. Wie die meisten hochkarätigen Wissenschaftler. „Aber manchmal sollten wir auch zurück schauen. Zu den ganz normalen Menschen und zu dem, womit sie sich gerade beschäftigen. Wir müssen sie mit einbeziehen. Sie müssen fühlen, dass sie ein Teil der Wissenschaft sind.“

 

Lucia hilft Wissenschaftlern in Afrika

Lucia Prieto Godino

TReND in Afrika“ heißt die Organisation, die Lucia Prieto Godino mit befreundeten Studenten gegründet hat. Das Konzept ist einfach: Da es in vielen afrikanischen Labors an teuren Geräten mangelt, bringen ihnen die Studenten Ausrüstung wie Mikroskope oder PCR-Geräte, die hier ausrangiert wurden. „Die Geräte funktionieren noch wunderbar. Nur möchte hier keiner mehr dran arbeiten, wenn es ein ganz neues Exemplar im Labor gibt. Und dann werden sie entsorgt.“

Noch lieber erzählt Lucia aber von den Workshops, die ihre Organisation veranstaltet. Die Studenten von „TReND in Afrika“ bringen afrikanischen Kollegen bei, 3-D-Drucker zu bauen. Dann zeigen sie ihnen, welche Einzelteile oder Ersatzteile von Laborgeräten sie damit drucken können. So haben Labore in Afrika die Chance, Equipment, das sie für ihre Forschung brauchen, selbst zu drucken und auch selbst zu reparieren. Anleitungen dafür gibt es mittlerweile kostenlos im Internet.

Lucia Prieto Godino, Trend in AfrikaLucia hat selbst schon viele solcher Workshops abgehalten. „Es ist unglaublich,  wie groß die Motivation ist, die unsere afrikanischen Kollegen zeigen. Sie arbeiten bis tief in die Nacht, wollen gar nicht mehr aufhören. Das ist auch für uns sehr schön.

Hier das ganze Interview zum Nachhören:

 

Nobelpreisträger auf dem Weg zur Insel Mainau

Wie immer am letzten Tag der Nobelpreisträgertagung: Um 7 Uhr treffen sich die jungen Wissenschaftler am Hafen und fahren zur Abschlussdiskussion auf die Insel Mainau. Die Nobelpreisträger steigen unterwegs zu. So kommt es auch hier wieder zu vielen interessanten Gesprächen…

 

Serge Fobofou im Interview

Afrika ist reich. Reich an Arten: Unfassbar viele Pflanzen wachsen allein in Kamerun – manche davon noch nicht mal entdeckt oder wissenschaftlich beschrieben. Der Chemiker Serge Fobofou holt die traditionellen Heilpflanzen ins Labor und untersucht sie nach bioaktiven Stoffen. Die Medikamente der Zukunft.

 

Goaßlschnalzen im Sari

In Sari, Dirndl und Kaftan schmeckte den Wissenschaftlern das urbayerische Buffet. Und dann rockten sie zu traditioneller Volksmusik durch die Nacht.

 

Cup of Coffee with Peter

Ihr habt dem Nobelpreisträger Peter Agre viele interessante Fragen gestellt. Bei einem virtuellen Kaffeeklatsch hat er sie beantwortet:

Persönliches, globale Fragen und Fragen zur Wissenschaft.

 

Serge sucht Heilpflanzen in Kamerun

Serge Fobofou

Serge ist Chemiker aus Kamerun. Er will in den traditionellen Heilpflanzen seines Landes biochemische Stoffe finden, die Krankheiten heilen. Uns hat er erzählt, wie er das macht und warum er sich sicher ist, dass in den Pflanzen Afrikas noch viele Medikamente versteckt sind.

Hier ist das ganze Gespräch mit Serge.

 

Mein ganz persönliches Genom

Menschen sind ja extrem unterschiedlich: Das sehen Genetiker ganz deutlich an dem unterschiedlichen Erbgut. Selbst wenn die Diagnose beim Arzt manchmal die gleiche ist, stecken ganz unterschiedliche Probleme dahinter. Kein Wunder, dass man Krankheiten am besten bei jedem einzelnen individuell behandelt.  Nobelpreisträger Aaron Ciechanover hat über die personalisierte Medizin gesprochen.

Ciechanover

Zuerst müsste dann beim Arzt ein genetisches Profil erstellt werden, sozusagen als Grundlage für die Behandlungen. Das soll in Zukunft immer schneller und kostengünstiger möglich sein, sagte der israelische Biochemiker. „Wir steuern auf eine Zeit zu, in der wir das Genom eines Menschen in einer halben Stunde haben.“

Ganz so einfach ist es aber doch nicht. Wer will schon all seine genetischen Daten irgendwo gespeichert haben? Und die wenigsten Krankheiten sind an einem einzigen Gen festzumachen. Außerdem will man vielleicht auch gar nicht genau wissen, was auf einen zukommt. „Es kann sein, dass ich mit Brustschmerzen zum Arzt gehe und dann erfahre, dass ich in 10 Jahren sehr wahrscheinlich Alzheimer haben werde.“

Ein paar gute Beispiele für personalisierte Medizin gibt’s aber trotzdem schon: Die zielgerichtete Behandlung bei Brustkrebs („targeted therapy“) und manche Medikamente werden nur eingesetzt, wenn bestimmte Rezeptoren vorliegen, gegen die sie sich richten.

 

Oliver Smithies: „Don’t be a clone of your adviser. Be yourself.“

Der fast 90-jährige Biochemiker Oliver Smithies erzählte den jungen Wissenschaftlern sehr amüsant aus seinem Leben und gab ihnen dabei ein paar gute Ratschläge.

Oliver Smithies, Rechte: Lindau MediathekSchon als Kindergartenkind wollte er Wissenschaftler werden. Nur fehlte ihm damals noch das Wort dafür. Er sagte deshalb einfach „Erfinder“. Das Feuer eines jungen Erfinders versprüht er noch heute. Und das ist auch einer seiner Ratschläge: „You must be enjoying it.“ Ansonsten: Forschungsfrage wechseln.

Smithies ging in England in einem winzigen Dorf am River Calder zur Schule. Ein Stück aufwärts und ein Stück abwärts des kleinen Flusses wuchsen beachtlicherweise noch drei weitere Nobelpreisträger auf. „The water?“, spekuliert Smithies und lacht. Dann wird er deutlicher: „The teachers!“ Für gute Ideen braucht es gute Lehrer, die einem Freiraum lassen.

Lecture of Sir Harold Kroto | Bild: Christian Flemming/Lindau Nobel Laureate Meeting

Schließlich zeigte er seinen Zuhörern noch ein Buch: Advances in Enzymology. Das habe ihn so inspiriert, dass er noch 70 Jahre später genau weiß, wo er es gelesen hat. Die Methode, die er daraufhin mit Feuereifer entwickelte, hat zwar nie jemand gebraucht – auch er selber nicht – aber er hatte gelernt, ein guter Wissenschaftler zu sein.

Oliver Smithies bekam 2007 den Medizin-Nobelpreis für seine Arbeit an der sogenannten Knockout-Maus, bei der gezielt Gene deaktiviert werden können. Außerdem hat er schon in den 50ern mit Kollegen die Gelelektrophorese entwickelt. Das ist eine Methode, mit der man Erbgut untersuchen kann. Auf die Idee ist er gekommen, als er seiner Mutter beim Stärken der Hemdkragen zugeschaut hat.

 

Auch Nobelpreisträger lassen sich überraschen

Die Nobelpreisträger Warshel, Szostak und Ramakrishnan diskutierten heute über die Zukunft der Biowissenschaften. Auch ein Nachwuchswissenschaftler war dabei: John Schell von der University of Utah (USA). Was werden die großen Fragen in den nächsten 50 Jahren sein?

Press talk

Der israelische Chemiker Arieh Warshel glaubt, dass uns vor allem Energieprobleme beschäftigen werden – und der Kampf gegen Arzneimittelresistenzen. Für den Molekularbiologen Jack Szostak wird vor allem eine alte Frage wichtig sein: Gibt es Leben auf anderen Planeten? John Schell, der an Stammzellen forscht, erwartet die Herstellung ganzer Organe aus Zellkulturen, zumindest die „einfacheren“ wie Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse.

Einig sind sich alle, dass es einen weiteren Sprung in der Computertechnik geben wird: Quantencomputer. Die würden auch die Möglichkeiten in der Forschung nochmal revolutionieren. Fraglich ist natürlich, wie man solche Forschung bezahlen soll. Ein wichtiger Punkt für die Wissenschaftler ist also in Zukunft, ihre Themen besser zu kommunizieren, meint Schell.

„Welche großartige, wegweisende Entdeckung können wir denn als nächstes erwarten?“, wollte jemand im Publikum wissen. Aber das konnte ihm auch kein Nobelpreisträger beantworten. „Echte revolutionäre Entdeckungen kommen unerwartet“, sagte der Ribosomenforscher Ramakrishnan. Genau das sei ja der Grund, warum Wissenschaft in der Breite finanziert werden muss.

 

 

 

Ein ungewöhnlich berührender Vortrag

Satyarthi Picture/Credit: Rolf Schultes/Lindau Nobel Laureate Meetings

„Freunde, es ist möglich!“ – Der Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi spricht irgendwie anders als die Naturwissenschaftler. Er erklärt keine komplexen Theorien. Er hat eine einfache Bitte an all die klugen Köpfe: Setzt Euch mehr für die Bildung von Kindern ein!

Satyarthi erzählt von Kinderarbeitern auf Kakaoplantagen, die den Geschmack von Schokolade nicht kennen. Von einem Kind, das ihn gefragt hat, warum es für 50 Dollar verkauft wurde, wenn eine Kuh in seinem Dorf das Zehnfache kostet. „168 Millionen Kinderarbeiter weltweit, über 5 Millionen Kindersklaven“, sagt er, „das können wir nicht länger ignorieren.“ Frieden hätte auf der Welt erst eine Chance, wenn alle Kinder in die Schule gehen können und lernen dürfen.

Der Inder Kailash Satyarthi hat seine Karriere als Ingenieur abgebrochen, um gegen die Ausbeutung von Kindern zu kämpfen. Er erhielt 2014 den Friedensnobelpreis zusammen mit der pakistanischen Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai.

 

Seth Asante im Interview

Seth ist passionierter Mathematiker, der in die Physik gegangen ist, um über Quantengravitation zu forschen. In seinem Institut forschen Afrikaner aus vielen verschiedenen afrikanischen Ländern mit vollkommen unterschiedlichen Kulturen. Aber die Welt der Quantengravitation ist universell, sagt Seth. Da spielen die Nationalitäten keine so große Rolle.

 

Amanda Amoah im Interview

 

Mit Amanda haben wir am Ufer des Bodensees über ihre Forschung gesprochen und über die Unterschiede zwischen Accra und Bremen, die ihr als Biologin aufgefallen sind.

 

Soyinka über Bildung und religiöse Extremisten

Wole Suyinka, Literatur NobelpreisträgerIm Stadttheater Lindau hörten die vielen klugen Köpfe der Lindau-Konferenz dem Exoten unter ihnen zu: Wole Soyinka, Literatur-Nobelpreisträger 1986.

Der nigerianische Schriftsteller erzählte den Wissenschaftlern von den grausamen Taten der Terrorgruppe Boko Haram in seinem Heimatland. Anfangs hätten die Extremisten die Menschen in den Dörfern noch versammelt, um zu predigen. Jetzt nur noch, um sie zu töten. Soyinka glaubt nicht, dass man den Kampf gegen religiöse Extremisten mit Waffen allein gewinnen kann. Denn die Zielscheibe der Boko Haram und anderer Fundamentalisten sei nicht nur der Körper, sondern vor allem der Geist.

Boko Haram, diesen Namen haben sich die Extremisten nicht selbst gegeben. Es heißt „Bücher verboten“. Und Bücher stehen hier symbolisch für Bildung und Kreativität, sagte Soyinka. Wie wichtig aber Bildung und Kreativität für eine menschliche Welt ist, davon brauchte er sein Publikum nicht erst überzeugen. Nobelpreisträger und Jungwissenschaftler gaben Standing Ovations. Schade, dass es im Anschluss keine Fragerunde gab.

 

Amanda ist ein Fan des Immunsystems

Amanda Amoah, Biologin

Amanda studiert Biologie in Bremen und findet es wunderbar, dort in einer so internationalen Forschungsgruppe zu arbeiten. Sie interessiert sich besonders dafür, wie geschickt unser Körper auf Krankheiten reagieren kann.

Hier ist das ganze Gespräch mit Amanda.

 

Sonne, Kuhmilch und MS?

Der Mediziner Harald zur Hausen forscht an der Frage, inwiefern Ernährung eine Rolle für manche Krebsarten und für andere Krankheiten spielt. Jetzt erzählte er in Lindau, dass die Ernährung auch bei Multipler Sklerose (MS) einen Einfluss haben könnte.

Harald zur Hausen, 20015

Der Forscher verdächtigt einerseits Kuhmilch als möglichen Risikofaktor für MS. Andererseits soll auch Vitamin-D-Mangel, zum Beispiel durch zu wenig Sonne, einen Einfluss haben. Wie genau das alles zusammenhängt, daran will der Wissenschaftler in den kommenden Jahren weiterforschen.

Harald zur Hausen bekam 2008 den Nobelpreis für seine Entdeckung, dass bestimmte Typen von Papillomviren (HPV, Warzenviren) Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Zur Hausen war schon lange davon überzeugt, dass Viren dabei eine Rolle spielen. Dank seiner Forschung gibt es jetzt einen Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs.

 

„Grill and Chill“ is global

Nachwuchswissenschaftler beim „Grillen und Chillen“ am Bodensee haben uns erzählt, was in ihren Heimatländern so alles auf den Grill kommt.

 

Seth denkt noch im Schlaf über Quantengravitation nach

Seth Asante, Physiker und Mathematiker aus Ghana

Seth Asante ist Mathematiker und Physiker in Ghana. Für sein PhD wird er bald nach Kanada gehen, da es dort mehr Experten für Quantengravitation zum Austausch gibt. Aber anschließend will er nach Ghana zurückkehren und junge Leute ermutigen, sich ebenfalls mit seiner theoretischen Wissenschaft zu beschäftigen. „Mathematik und Physik sind wunderschön“, schwärmt er.

Hier ist das ganze Gespräch mit Seth.