Bio-Produkte sind zwar sehr nachgefragt, aber der Nachschub stockt. Pacht und Ackerland sind teuer wie noch nie, da die Biogas-Bauern für Mais-Anbauflächen hohe Preise zahlen können. Gleichzeitig erzielt konventionell produzierte Ware auch gute Preise. Die ersten Bauern satteln bereits wieder um. Bio-Läden haben schon jetzt Lieferschwierigkeiten. Der Öko-Bäcker Pfister hat große Probleme, genügend Bio-Getreide zu bekommen. Regional produziertes “Bio” könnte schon bald wieder richtig teuer werden. Da hilft es auch wenig, wenn die EU Fördergelder künftig an Umweltauflagen knüpfen will.
Letzte Woche kam raus: in manchen Fertiggerichten aus der Kühltruhe steckt undeklariertes Pferdefleisch. Doch mittlerweile fragt man sich schon fast, in welcher Tiefkühlware eigentlich KEIN Pferdefleisch ist. Und Ilse Aigners Zehn-Punkte-Pläne, die sie seit Amtsantritt regelmäßig präsentiert, sobald ein neuer Lebensmittelskandal auftaucht, verlieren immer mehr an Glaubwürdigkeit. Doch egal ob BSE, Gammelfleisch, Dioxin – an der Esskultur hat sich in Deutschland nur marginal etwas geändert. quer fragt: Sind wir insgeheim sogar dankbar, wenn wir von unappetitlichen Details verschont werden und dafür weiterhin billig essen können?
Ein Jahr ist er her, der letzte große Lebensmittelskandal: Schmutz und Ungeziefer in der Großbäckerei von Müller-Brot führten zu der Forderung, dass die Verbraucher früher und ganzheitlicher über Hygienemängel informiert werden müssen. Der Hygienepranger im Internet (zu finden hier) ward geboren, bloß: Immer mehr Städte nehmen von diesem Warninstrument inzwischen wieder Abstand und liefern keine Daten mehr zu. Zu ungenau die Kriterien, zu groß die Gefahr, auf Schadensersatz verklagt zu werden. Denn oft stehen auch Sünder im Internet, deren Vergehen eine Bagatelle sind. Und so scheitert eine gute Idee an der schlechten Ausführung – der Dumme ist wieder einmal der Verbraucher.
Eine neue EU-Richtlinie sorgt für Aufregung in den bayerischen Gemeinden. Wenn der Plan umgesetzt wird, könnten die Kommunen gezwungen werden, ihre Wasserversorgung europaweit auszuschreiben. Kritiker befürchten, dass dann große Konzerne zuschlagen und dass das Trinkwasser dann schlechter und teurer wird. In vielen bayerischen Orten formiert sich jetzt der Widerstand. Bis Mai ist noch Zeit, dann soll das Europaparlament entscheiden.
120 000 Kilo Blei, so schätzen Experten, verschießen deutsche Jäger pro Jahr. Ein Teil davon landet direkt im Festtagsbraten, denn beim Auftreffen der Geschosse zerlegen sich diese in zahlreiche kleine Splitter. Deshalb warnen Behörden Schwangere oder Kleinkinder ausdrücklich davor, Wild zu essen, das mit bleihaltiger Munition erlegt wurde. Doch woher weiß ich, womit das Tier erlegt wurde? Und das Problem wäre vermeidbar: bleifrei schießen! Doch die traditionsbewussten Jäger tun sich schwer mit dem Umstieg – sie schwören auf Präzision und Wirkung des giftigen Schwermetalls.
Massentierhaltung mag der Verbraucher nicht. Als Supermarkt-Kunde kauft er Fleisch solcher Herkunft trotzdem. Und nimmt dafür in Kauf, dass Schweine etwa in zu engen Ställen vor sich hinvegetieren. Denn Bio ist den meisten dann doch zu teuer. Um den Verbraucher trotzdem zu sensibilisieren, vergibt der Deutsche Tierschutzbund künftig das Siegel “Für mehr Tierschutz” an Bauern, die ihre Tiere artgerechter halten, als gesetzlich vorgeschrieben. Glücklich wird das Schwein so wohl trotzdem nicht. Aber wie sinnvoll ist so „ein bisschen Bio“ dann überhaupt?
Weitere Informationen zum Thema von quer-Autorin Katarina Schickling:
Was für Schweinefleisch-Qualitätssiegel gibt es und was sagen sie über die Art der Tierhaltung aus? Hier eine Übersicht als pdf-Datei zum herunterladen. Zur Frage “Was kaufen? Konventionelles oder Biofleisch” hier einige Informationen als Entscheidungshilfe: (weiterlesen …)
In Ammerthal in der Oberpfalz haben die Menschen genug von ihrem Trinkwasser. Nicht nur, dass es extrem kalkhaltig und hart ist. Möglicherweise ist es auch noch gesundheitsgefährdend, da Spuren von Pestiziden gefunden wurden. Per Bürgerbegehren haben die Ammerthaler deshalb im April dafür votiert, sich dem benachbarten Amberger Wassernetz anzuschließen. Geschehen ist seither aber nichts. Denn der Ammerthaler Gemeinderat beharrt trotz des Bürgerbegehrens weiter auf der eigenen Wasserversorgung. Jetzt wird in Ammerthal erbittert gestritten – und mittlerweile geht es um viel mehr als das Wasser.
Schweinekotelett für unter 4 Euro das Kilo – das geht nur mit Dumpinglöhnen: Im Schlachthof im oberbayerischen Waldkraiburg wurden jetzt die ohnehin schon billigen Fleischhauer aus Polen und Ungarn durch noch billigere Kräfte aus Rumänien ersetzt. Die Gewerkschaft NGG beobachtet rechtswidrige Kündigungen, Arbeitsbedingungen am Rande der Legalität, Sozialversicherungsbetrug. Das geht auch auf Kosten der Qualität: Mitarbeiter berichten von Tieren, die lebend am Haken landen, weil sie nicht sachgemäß geschlachtet wurden.
Wer Dosentomaten aus Italien kauft denkt gemeinhin, die Tomaten in der Dose kommen aus Italien. Doch oft stammt nur die Dose aus Italien, der Inhalt aber aus China. Das Reich der Mitte drängt auf den europäischen Lebensmittelmarkt – und der Verbraucher bekommt es nicht mit. Denn eine Kennzeichnung ist bei verarbeiteten Lebensmitteln nicht vorgeschrieben. Dabei würden spätestens seit dem Schulessen-Skandal mit keimbelasteten Erdbeeren viele Verbraucher gern wissen, in welchen Lebensmitteln chinesische Zutaten vorkommen. Und auch heimische Produzenten würden sich über mehr Information freuen, denn sie leiden unter der Billigkonkurrenz aus Fernost.
Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben, die über die Informationen im Bericht hinausgehen, stellen Sie sie gerne als Kommentar. Unsere Autorin des Berichts, Katarina Schickling, antwortet. Die Liste, der für den Bericht angefragten Lebensmittelhersteller und deren Antworten, finden Sie hier.
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Nach den letzten Lebensmittelskandalen wie zum Beispiel bei Müller-Brot war klar: die Verbraucher müssen früher vor haarsträubenden Hygienebedingungen gewarnt werden. Aber wie? Eine Ampel für Gastronomie und Lebensmittelherstellung lehnte Bayern im Bundesrat ab. Stattdessen jetzt ein eigener Vorstoß: der „Internet-Pranger“. Gut versteckt im Internet.
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Bayerns Bäcker in Sorge: Wer bisher arglos übrig gebliebenes Essen den so genannten “Tafeln” für arme Menschen spendete, muss vielleicht schon bald eine saftige Nachzahlung ans Finanzamt überweisen. So bereits geschehen in Sachsen, wo ein Bäcker für seine Spenden 3000 Euro zahlen soll. Der Landesverband des bayerischen Bäckerhandwerks rät seinen Mitglieder inzwischen alte Semmeln nicht mehr zu verschenken, sondern zu einem symbolischen Preis abzugeben, um der Steuerpflicht zu entgehen. Und die Tafeln (deren Stellungnahme hier) fürchten um ihre Zukunft. Ganz zu schweigen von den Bedürftigen.