Schmerzfrei Radeln und die Natur genießen. Senioren fahren zunehmend gerne E-Bike. Aber haben bringen sie sich nicht damit selbst in Gefahr? Immerhin kursieren beängstigende Unfallstatistiken mit Senioren und E-Bikes bzw. sogenannte Pedelecs. Das bayerische Innenministerium hingegen sieht keine auffällige, geschweige denn alarmierende Häufung. Woher also die Aufregung? Quer findet raus: Die Warnungen sind in erster Linie PR der Versicherungen. Sie würden gern eine Haftpflichtversicherung für Elektroräder verkaufen.
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Tja. Die Versicherungen haben eigentlich recht. Wenn, ja wenn nicht schon bereits eine Privathaftpflichtversicherung besteht. Dann ist eine eigene Haftpflichtversicherung dafür überflüssig. Oft ist aber genau das nicht der Fall: es gibt keine eigene Haftpflichversicherung. Aber genau die wird sehr sinnvoll, in dem Moment, in dem auf eine Fahrrad gestiegen wird – egal ob mit oder ohne “e”.
Endlich sieht man mal, wie eine Lobby so arbeitet. Die Versicherungspflicht wird also kommen. Hoffentlich liefert die Versicherungswirtschaft den Gesetzentwurf ohne Rechtschreibfehler ab, sonst steht es so im Gesetz!
Selbst viel mit dem Fahrrad unterwegs steigt in mir gelegentlich bei Begegnungen mit e-unterstützten Radlergruppen der Verdacht auf, dass Menschen , welche aus eigener Kraft nicht mit 25km/h radeln können, eventuell auch nicht entsprechend reagieren wenn sie dann bei diesem Tempo in eine kritische Situation kommen.Auch wenn die Statistiken bisher dagegen sprechen…
Als toleranter und freiheitsliebender Mensch finde ich aber, dass man nur hoffen kann, dass viele e-biker vielleicht doch vernünftiger Weise auf den zusätzlichen Genuss des Fahrtwinds um die Ohren zu Gunsten eines Helms verzichten werden.
Dann dürfte sich an der Statistik so schnell nichts ändern und man nimmt hoffentlich auch den Versicherungen den Wind aus den Segeln.
Lieber Casimir, hier sieht man nicht, wie eine Lobby arbeitet, sondern wie ein politisch, satirisches Magazin arbeitet. Ich bin der im Beitrag interviewte Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Und auch, wenn es schwer zu glauben ist: Wir versuchen mit großem Aufwand, ein paar Meschenleben zu erhalten und schwere Verletzungen im Straßenkehr zu verringern. Das mag auch im Interesse der Versicherer sein, kommt aber allen zu Gute. Um das hier ganz klar zu sagen: Die Versicherungswirtschaft will keine Versicherungspflicht! Es ist auch fraglich, ob sie daran überhaupt etwas verdienen würde. Den im Beitrag sehr großzügig geschätzten Einnahmen stünden nämlich auch Ausgaben in Form von Schadenzahlungen und Vertragsverwaltung gegenüber. Das Spannende ist, dass ich dies dem Redakteur am Telefon auch gesagt habe. Er hat mich dann sicherheitshalber gar nicht erst vor der Kamera danach gefragt
Aha, deswegen stammen die im Bericht gezeigten Zeitungsartikel alle aus der Versicherungsbranche? Also werden Sie mir doch zustimmen, daß der Lobbyismus eine Pest ist, die strengste Regeln braucht?
Das mit den Zahlungen ist natürlich auch wieder nur die halbe Wahrheit. I.d.R. haben die Leute eine Privathaftplicht, die bisher für Fahrradunfälle zahlt. Solange das Pedelec als Fahrrad gilt, ist man also schon versichert. Allerdings würde eine zusätzliche Versicherung natürlich zusätzlich kosten, und dann das zahlen, was bisher die Haftpflicht zahlt.
Für mich hört sich das nach einem guten Geschäft für die Versicherungen an.
Lasst euch nicht ver”’schen…
Übrigens werden Mofas auch versichert. Warum? Wenn das so unretabel ist?
Lieber Siegfried,
deine Aussagen halte ich für kompletten Unsinn. Durch E-Biker verursachte Schäden sind zurzeit durch die allgemeine private Haftpflichtversicherung abgedeckt. Ich nehme daher an, dass die Mehreinnahmen aus einer zusätzlichen Pflichtversicherung für E-Biker für die Versicherung – mal abgesehen von den Kosten für die Ausfertigung des Versicherungsscheins – einen reinen Mehrgewinn bedeuten würden.
Es ist ja auch bekannt, dass Versicherungen weit mehr Geld ausschütten, als sie einnehmen und auch bereitwillig jeden Schaden begleichen. Bis auf die natürlich, die eine gewisse Summe übersteigen und die dann schon mal ausgesessen oder solange prozessiert werden, bis einer nachgibt, oder aus dem Leben scheidet. Im Zweifelsfall der Versicherte. Aber davon ab die reinsten Wohlfahrtsunternehmen, diese Versicherungen.
Davon ab: “Wir versuchen mit großem Aufwand, ein paar Meschenleben zu erhalten und schwere Verletzungen im Straßenkehr zu verringern” – wie mit einer Versicherung Menschleben erhalten oder Verletzungen vermieden werden können, will mir nicht so recht einleuchten.
Leider schützt ein Helm nur bis 20km/h. Wer schneller fährt, den schützt der Helm nicht. siehe Verkehrsgerichtstag. Leider gibt es auch keinen tauglichen Helm für S-Pedelecs – bis 45km/h – müssten dann schützen wie ein Motorradhelm. Gibt es aber nicht, da keiner angeboten wird.
Erstens: Die Artikelauswahl ist sehr subjektiv. Man könnte genauso viele kritische Artikel über E-Bikes bei anderen Quellen finden.
Zweitens: Zum Thema Lobbyismus sind schon ganze Bibliotheken gefüllt worden. Die sehr überwiegende Meinung dabei ist, dass dieser nützlich ist, vor allem, wenn – wie in unserem Pluralismus – dabei unterschiedliche Meinungen vertreten werden. Das ist hier ganz sicher der Fall. Der Zweiradindustrieverband und der ADFC sind mächtige Lobbyorganisationen, die alles tun, um die Pedelecgefahren zu verharmlosen.
Der Lobbyismus ist vorrangig für die Industrieverbände und den bestochenen Parteien und Politikern nützlich. Für das gemeine Volk hat dies meist Nachteile! Dieses lässt sich an vielen Beispielen belegen.
Der ADFC kann Wissen anbieten, die Versicherungslobby Geld: Parteispenden, hochbezahlte Mini-Jobs (Vorträge, Beratung), hochbezahlte Lobby-Jobs nach Ende der aktiven Karriere in der Politik. Ich sehe keinen fairen Widerstreit von verschiedenen Gruppen, mit gleichen Mitteln und Sieg der besten Konzepte.
Bsp: Riester- und Rührupp-Renten, hat die Versicherungen reich gemacht, ist offenbar für die Versicherungsnehmer schlechter als das Umlagesystem. Die Demographie-Panik wurde von den Versicherungen organisiert, so wie jetzt die Gefahr durch Pedelecs.
Mir sind zwei interessante Dinge aufgefallen:
1. Mindestens drei der gezeigten Prüf-Unfälle sind so wie gezeigt Unfälle, die von Autofahrern verschuldet sind: Vorfahrt genommen, Tür ohne Rücksicht geöffnet und nochmal Vorfahrt genommen. Wieso sollen sich Fahrradfahrer versichern?
2. Hier wird wieder der Helm in den Himmel gelobt obwohl es noch keine belastbaren Studien gibt, dass Helme wirklich helfen. In Holland z.B. ist gibt es kaum Leute, die mit Helm fahren, trotzdem gibt es relativ gesehen weniger Unfälle mit schweren Verletzungen, in Neuseeland, wo Helmpflicht besteht, ist gibt es seit der Helmpflicht relativ mehr schwere Unfälle. Nachzulesen z.B. hier: [Link entfernt. Siehe Kommentarrichtlinien.]
Sehr geehrter Herr Brockmann,
darf ich der Erste sein, der Ihnen mein aufrichtiges Beileid für diese schwere Bürde der Vertragsverwaltung und Schadensregulierung ausspricht und Ihnen dazu ein Taschentuch gereicht? Schließlich ist es in der Tat eine wahrlich gemeine Annahme der Menschen, dass Versicherungsbeiträge lediglich dazu dienen, den Herren der oberen Abteilungsränge ein angenehmes Leben und den Versicherungen selbst, die stets lautstark um ihr Leben und jeden Cent kämpfen, ihre Glaspaläste, die aufgrund ihrer extravaganten Bauformen mit aller Kraft den Elementen zu trotzen suchen.
Vielleicht, so denke ich, sollten Sie ein weniger schweres Aufgabenfeld eruieren. Ich habe gehört in der Stahlindustrie sollen derzeit noch freie Arbeitsplätze vorhanden sein. Gemessen an Ihrer Belastung wäre das sicher eine Leichtigkeit, oder?
Das Problem an der ganzen Geschichte ist, dass hier wieder alles in einen Topf geworfen und durcheinander gebracht wird.
Man muss zwischen E-Bikes und Pedelecs unterscheiden.
Pedelecs sind Fahrzeuge mit tretunterstützendem Elektromotor. Die Unterstützung durch den Motor erfolgt nur dann, wenn in die Pedale getreten wird. Daneben gibt es auch Pedelecs mit einer sogenannten Anfahr- oder Schiebehilfe bis 6 km/h. Bis zu dieser Geschwindigkeit ist ein Fahren auch ohne Tritt in die Pedale möglich.
Bei E-Bikes erfolgt die Motorunterstützung ohne Treten des Fahrers. Über einen Gasgriff kann die Geschwindigkeit eingestellt werden.
Maßgebend für die Klassifizierung dieser Fahrzeuge ist die EU-Richtlinie 2002/24/EG über die Typengenehmigung für zweirädrige oder dreirädrige Kraftfahrzeuge. Nach der Richtlinie fallen E-Bikes mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 km/h und einer Höchstleistung von bis zu 4 kW unter die Klasse „Kleinkraftrad“.
Damit sind diese E-Bikes analog zu Mofas und ganz ohne Zutun der Vrsicherungslobby versicherungspflichtig und müssen mit einem sogenannten Versicherungskennzeichen versehen werden.
Pedelecs sind unter bestimmten Voraussetzungen von der Richtlinie ausgenommen und gelten als Fahrräder, wenn die Motorleistung höchstens 0,25 kW beträgt, die Motorunterstützung sich bei zunehmender Fahrgeschwindigkeit progressiv verringert und die Unterstützung beim Erreichen einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterbrochen wird.
Bisher ungeregelt sind Pedelecs, die über eine Anfahr- oder Schiebehilfe bis 6 km/h verfügen. Der 50. Deutsche Verkehrsgerichtstag hat den Gesetzgeber aufgefordert zu regeln, dass auch solche Fahrzeuge als Fahrräder einzustufen sind.
Diese Pedelecs sind damit nicht versicherungspflichtig. Versicherungsschutz besteht regelmäßig im Rahmen der Privat-Haftpflichtversicherung wie bei normalen Fahrrädern. Das wird von den Versicherern auch entsprechend bestätigt. Eine Privat-Haftpflichtversicherung sollte ohnehin jeder halbwegs intelligente Mensch abgeschlossen haben.
Leider ist die Branche der Fahrradhändler den Anforderungen an ihre Beratungspflicht in diesem Segment noch nicht immer gewachsen. Daher werden hier oft falsche Auskünfte zum Thema Versicherung erteilt. Manchmal wird hier vielleicht auch bewusst das Thema Folgekosten für Kennzeichen verheimlicht, um den Verkaufserfolg nicht zu gefährden. Ein Rentner, der also lustig mit seinem neuen E-Bike durch die Gegend surrt, sich immer auf den vermeintlich kompetenten Radlhändler verlassend, muss bei einer Polizeikontrolle mit Ärger und Bußgeldern rechnen.
Die Verschwörungstheorie um die Versicherungslobby ist damit natürlich auch Quatsch. Die Versicherungswirtschaft hat kein Interesse, hier etwas dramatischer darzustellen als es ist. Es ist ja schon fast alles gesetzlich geregelt, was nötig ist. Und mit gesundem Menschenverstand betrachtet, ist die Regelung und Einstufung von E-Bikes und Pedelecs auch nachvollziehbar. Ebenso nachvollziehbar ist, dass die Versicherer ihre eigene Unfallforschung betreiben, um auch künftig risikogerechte Beiträge kalkulieren zu können, oder?
Wieso muss die Versicherung Tarife für langsame Pedelecs kalkulieren können, wenn gar nicht beabsichtigt ist, eine Versicherung dafür zu erzwingen?
Bei der allgemeinen Haftpflichtversicherung wird ja wohl kein Risikozuschlag dafür anfallen – es gibt viel Gefährlicheres.
Ich stimme dem Quer-Beitrag voll zu und danke für die öffentliche Warnung.
@ Jaheira: Die Versicherung muss keine Tarife für langsame Pedelecs kalkulieren, auch gibt es in der Privat-Haftpflichtversicherung keine Risikozuschläge für dergleichen, weder für Radfahren, noch Pedelec oder gar Inline-Skaten. Wie in allen Versicherungen muss aber anhand von Erfahrungen aus der Vergangenheit (Schadenaufwendungen, Schadenquoten) und Prognosen für die Zukunft (z. B. Forschung) eine Tarifkalkulation immer wieder überprüft und ggf. angepasst werden. Das ist schon deswegen nötig, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben.
Forschung bzw. Auswertung von Daten durch Versicherungen findet auch nicht nur im Bereich Pedelecs sondern in verschiedenen Lebensbereichen statt. Und das Risiko Pedelec oder E-Bike ist ja nicht nur für die Haftpflichtversicherung von Interesse, sondern betrifft beispielsweise auch die Unfallversicherung.
Alles in allem ein sehr komplexes Thema, bei dem man mit plakativen Anschuldigungen, Schwarz-Weiß-Malerei, Verschwörungstheorien, Illiminaten, Galileo Mystery, bösen Konzernen, noch böseren Lobbys und schlecht recherchierten Fernsehbeiträgen nicht wesentlich weiterkommt. Aber stimmen Sie dem undifferenzierten Quer-Beitrag ruhig voll zu. Doch was ziehen Sie daraus dann für Konsequenzen aus der “öffentlichen Warnung”? Künftig gar keine Versicherungen mehr für irgendwas abschließen und einfach drauf los? Oder geht es nur darum, mal wieder ein Klischee vermeintlich bestätigt zu sehen und sich ordentlich aufregen zu können?
Lieber Casimir, hier sieht man nicht, wie eine Lobby arbeitet, sondern wie ein politisch, satirisches Magazin arbeitet. Ich bin der im Beitrag interviewte Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Und auch, wenn es schwer zu glauben ist: Wir versuchen mit großem Aufwand, ein paar Meschenleben zu erhalten und schwere Verletzungen im Straßenkehr zu verringern. Das mag auch im Interesse der Versicherer sein, kommt aber allen zu Gute. Um das hier ganz klar zu sagen: Die Versicherungswirtschaft will keine Versicherungspflicht! Es ist auch fraglich, ob sie daran überhaupt etwas verdienen würde. Den im Beitrag sehr großzügig geschätzten Einnahmen stünden nämlich auch Ausgaben in Form von Schadenzahlungen und Vertragsverwaltung gegenüber
Dagegen sind Versicherungen abgesichert.
Steht alles im Kleingedruckten.
Es wäre auch das erste mal, dass sich Versicherungen um Menschenleben Gedanken machen würden.
Moin. Ich erlaube mir mal, mich in die Diskussion einzuklinken. Ich arbeite und lebe auf einer Ostsee-Insel, die nach Aussage des Pedelec-Herstellers “Flyer”, die Gemeinde mit der höchsten “E-Bilke”-Dichte Deutschlands ist. Viele fahren den “Flyer”, weil es sie zuerst gab, inzwischen gibt es auch noch andere Marken. Alle haben eines gemeinsam: Sie unterstützen des Treten, ein Motor springt beim ersten Tritt an, ab 25 km/h schaltet er sich aus bzw. hilft nicht mehr. Wer schneller fahren will, muss selbst treten und seine eigene Energie verbrauchen. Es ist demnach Blödsinn zu behaupten, dass man mit den Teilen schneller fahren kann, das kann man nicht, man kann damit lediglich schneller die gewünschte Geschwindigkeit erhalten und diese dann mit minimalem Kraftaufwand halten, sol lange man unter 25 km/h fährt – was die meisten Radler tun. Und, deswegen gibt es auf unserer Insel so viele dieser Räder, man kann auch bei starkem Gegenwind, den es hier immer gibt, leichter fahren und ist dann schneller unterwegs als ohne Hilfsmotor, und kommt nicht abgekämpft am Arbeitsplatz an. Auch beim Bergauf-Fahren hilft der Motor. Das sind enorme Vorteile, die keiner mehr missen möchte. Hinzu kommt noch, dass die Insel autofrei ist, viele einen Wagen an diese Räder hängen, und leichter Dinge von A nach B transportieren können. In all den Jahren ist mir nicht aufgefallen, dass mehr gerast wird – von Ausnahmen abgesehen, denn man kann diese Räder auch so tunen bzw. bestellen, dass die tatsächlich schneller sind als “normale” Räder. Fazit: Unfälle passieren mit jedem Fahrzeug, warum nicht auch mit Pedelecs. Weil es früher keine pedelecs gab, konnte es auch keine Unfälle mit ihnen geben. Am Ende müssten auch bobbycars versichert werden, oder Inliner, oder Schlittschuhe…wozu gibt es wohl Privathaftpflicht? Wer keine hat, ist selber schuld, eine Zusatzversicherung wäre nichts als Abzocke.
Hier mal einige Antworten auf verschiedene Beiträge:
- Die deutschen Autoversicherer machen sich tatsächlich um Menschenleben Gedanken und unterhalten seit über 60 Jahren eine eigene Unfallforschung. Sie haben die Einführung der Gurtpflicht und etlicher elektronischer Helfer sowie technischer Regelwerke zur Straßengestaltung maßgeblich beeinflusst.
- Mofas sind Kraftfahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit über 6 km/h. Sie unterliegen dem Pflichtversicherungsgesetz. Versicherer brauchen sich also gar keine Gedanken darüber zu machen, ob sie etwas anderes wollen.
- Die Haftpflichtversicherung kann nur zahlen, wenn eine besteht. Das ist statistisch aber in mindestens jedem vierten Fall nicht gegeben. Man kann die Uhr danach stellen, dass der erste Fußgänger von einem Pedelec schwer verletzt wird und keine Versicherung dafür aufkommt. Aber wahrscheinlich ist der Verursacher dann über alle Berge.
- Die ganze Rechtslage bei Pedelecs ist noch in der Grauzone: Nach dem Wiener Übereinkommen ist ein Fahrrad etwas, das AUSSCHLISSLICH mit Muskelkraft bewegt wird. Das kann man für kein Pedelec sagen. Deshalb brauchen wir dringend eine Klarstellung durch den Gesetzgeber. Die Mehrheitsmeinung sieht S-Pedelecs als Leichtmofas an, da sie einen Eigenantrieb bis 20 km/h haben. Dies bedeutet Versicherungspflicht, aber KEINE Helmpflicht. Pedelec bis 25 km/h mit und ohne Anfahrhilfe sollen Fahrrädern gleichgestellt sein, haben also weder Versicherungs- noch Helmpflicht.
- Nochmal ganz klar: Die Versicherer wollen daran nichts ändern! Es gibt viele Dokumente, die dies belegen und kein Einziges für das Gegenteil.
- Die Schutzwirkung von Fahrradhelmen ist in der Tat begrenzt. Hier sollte die Industrie weiter an Verbesserungen arbeiten.
- Zum Thema Lobbyismus ist in einem anderen Beitrag alles gesagt.
- Auf die unsachlichen Beiträge antworte ich nicht.
-> Siegfried. Ein Pedelec fährt nicht von alleine, es fährt nur mit Muskelkraft, sonst rührt sich gar nichts. Der Motor hilft lediglich beim “Strampeln”, aber man muss eben Strampeln, sonst bleibt man stehen. Jeder Rückenwind, jedes bergab fahren sorgt für mehr Bewegung, OHNE dass man in die Pedale treten müsste. Ich schlage vor, dass es dann auch gleich eine Bergabfahr-Haftpflicht gibt, für alles was Räder hat, und auch noch eine Rückenwind-Haftpflicht, weil der wie die Fahrt ins Tal dafür sorgt, dass man nicht ausschließlich per Muskelkraft vorwärts kommt, ja sogar ganz ohne.
Es gibt, was Pedelecs angeht, m.E. keinen Klärungsbedarf, höchstens bei denen, die noch nie mit einem gefahren sind, damit sie begreifen, dass es sich wie ein normales Fahrrad fährt, nur eben leichter, aber nicht schneller.
Etwas anderes wäre es, wenn es einen Motor hätte, der ganz ohne Muskelkraft läuft, dann wäre es ein Mofa, und muss auch so behandelt werden.
Herr Brockmann,
auch wenn wir oft entgegengsetzter Meinung sind, finde ich es gut, daß Sie sich den Fragen der Bevölkerung stellen.
Danke Casimir. Das ist ja das Schöne am Web 2.0: Dass Kommunikation in beide Richtungen laufen kann. Und da die Unfallforschung der Versicherer eben gerade nicht Lobbyismus betreibt, sondern mit seiner Forschung in jeder wissenschaftlichen Diskussion bestehen kann, habe ich ja nichts zu befürchten. Nicht mal von Gespenstern.
Darf so ein Gespenst mal die Forschungseinrichtungen besichtigen? Wäre mal interessant. Kritische Fragen von mir gibts dazu gratis.
@ Siegfried Brockmann
Quer wirft der Versicherungsindustrie vor, die Gefahren des Pedelec-Fahrens stark zu Übertreiben. Wie erklären Sie, dass die Versicherungsindustrie alarmiert ist, während dem bayerischen Innenministerium keine Häufung von Unfällen bekannt ist?
Wenn die Versicherungskonzerne die Presse mit Berichten versorgen, in denen die Gefahren übertrieben werden, was ist dann das Motiv?
Technisch gesehen, wie retten Ihre Studien Menschenleben? Pedelecfahrer unterliegen im Wesentlichen den gleichen Risiken, wie andere Radfahrer auch. Am meisten könnte durch eine bessere Infrastruktur für die Sicherheit getan werden. Die Konzepte sind bekannt und im Ausland erprobt und wissenschaftlich evaluiert.
Also jetzt nochmal zum Thema Versicherungspflicht: Wir sind uns doch alle einig, dass Pedelec 25 keine haben sollen. Damit könnten wir es doch eigentlich abschließen. Nur dass der Fernsehbeitrag etwas anderes behauptet hat, ohne mich konkret danach zu fragen oder auch nur eine Fundstelle zum Beweis zu liefern.
Zum Thema Muskelkraft: Ein Pedelec fährt eben nicht AUSSCHLIESSLICH mit Muskelkraft. Und auf genau dieses Wort kommt es an. Übrigens gibt es auch etliche Pedelecs, deren Motoren ihre Kraft nicht linear zum Treteinsatz abgeben, sondern schon beim geringsten Treten mit voller Wucht. Das ist dann schon sehr nah am Gaspedal und läßt Herstellern viel Raum für Kreativität.
Ob einer, der keine private Haftpflichtversicherung hat, selbst Schuld ist, dürfte ein Unfallopfer anders sehen, das seinen Ansprüchen hinterherlaufen muss.
@ Ostsee-_Insulaner: Ich verweise an dieser Stelle mal auf meinen Kommentar weiter oben mit den entsprechenden Begriffsbestimmungen und der Unterscheiduung zwischen tretunterstützendem Pedelec und selbstfahrendem E-Bike. Diese Abgrenzung wird leider weder im Fernsehbericht noch meist sonst in der öffentlichen Diskussion vollzogen. Geschweige denn, dass die meisten Fahrrad-Händler da Ihre Kunden aufklären. Im Gegenteil, oftmals werden E-Bikes munter als Pedelecs verkauft und andersrum. Verschlimmernd kommt hinzu, dass inzwischen auch noch die sogenannten S-Pedelecs ins Spiel kommen, die eigentlich der Kategorie E-Bikes zuzurechnen sind, da sie meist neben Anfahrhilfen etc. bis 45 kmh Motorunterstützung bieten.
Es bleiben verwirrte Kunden, die sich Sorgen um ihren Versicherungsschutz machen und bei ihren Versicherungen auf Nachfrage entsprechende Auskunft bekommen sollten.
Wie dem auch sei, einen Regelungsbedarf gibt es hier für die Versicherungswirtschaft nicht. Die hält sich einfach an die Einistufungen des Kraftfahrtbundesamtes. Damit unterliegen E-Bikes und S-Pedelecs einer Betriebserlaubnis bzw. Einzelzulassung des Herstellers und der Versicherungspflicht im Rahmen von Kleinkrafträdern.
Für die “normalen” Pedelecs besteht Versicherungsschutz im Rahmen der Privathaftpflichtversicherung. Die sollte jeder in eigenem Interesse haben, da sonst mal schnell das eigene (auch künftige) Vermögen im Schadenfall draufgehen kann.
Ach ja, und dass auch Versicherungen mit ihren Wirtschaftsunternehmen Geld verdienen wollen, scheint in diesem Diskussionsforum ja für manche besonders verwerflich zu sein. Unfassbar, was für ein verschrobenes Weltbild manche Menschen hier haben. Nichtsdestotrotz fließt nicht wenig Geld der Versicherungsbeiträge in Unfall-Forschung und -Verhütung, weil es in aller Interesse ist, Schadenaufwendungen so gering wie möglich zu halten.