2013
Jan
14

Charlotte Knobloch stellt in München Memoiren vor

Redaktion

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Einen besseren Platz für die Buchvorstellung hätte sich Charlotte Knobloch wohl kaum aussuchen können: Das 2006 eröffnete Jüdische Zentrum.
Es kann als das Lebenswerk der langjährige Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern bezeichnet werden. Jahrelang hat sie sich beharrlich für den Bau eingesetzt, heute stehen hier am Rande der Altstadt eine Synagoge, ein jüdisches Museum, eine Schule und ein Gemeindezentrum mit einem großem Veranstaltungsaal.

Die Bauherrin dieses Ensembles feierte im letzten Jahr ihren 80. Geburtstag. Doch an einen Rückzug ins Private will die dreifache Mutter und mehrfache Großmutter nicht denken. Mit ihrem Buch will Charlotte Knobloch deshalb auch nur die Bilanz “ihres bisherigen Lebens” ziehen. Alte Weggefährten, wie Münchens Altoberbürgermeister Hans-Jochen Vogel waren gekommen, um der wohl bedeutendsten Münchner Jüdin zuzuhören.

Charlotte Knobloch ist bekannt dafür, dass sie Klartext spricht, wie etwa in einem Exklusiv-Interview bei uns. In einem report MÜNCHEN-Beitrag hat sie im letzten Jahr den Verlauf der sogenannten Beschneidungsdebatte beklagt. Dieser Beitrag und ihre Meinung wurden mit großem Zulauf sehr kontrovers diskutiert. Sie ist eine starke Persönlichkeit mit streitbaren Ansichten.

Auch bei der Buchvorstellung nimmt Charlotte Knobloch kein Blatt vor dem Mund. Im Gespräch mit dem Chefredakteur des Bayerischen Fernsehen, Sigmund Gottlieb, sagt sie, was sie denkt, was sie meint, was sie umtreibt. Sie berichtet, wie sie als Mädchen die Nazizeit er- und überlebte; wie schwer ihr der Neuanfang in Deutschland nach 1945 fiel: “Wir haben verdrängt, um Leben zu können,” sagt sie im gut besuchten Jüdischen Gemeindesaal – ohne eine Spur von Verbitterung. Denn heute, sieben Jahrzehnte später, bekennt sie sich zu ihrem Heimatland.

Es war ein langer Weg, den Charlotte Knobloch in ihrem Lebensbericht erzählt, ohne dabei die vielen Rückschläge, die Anfeindungen alter neuer Nazis und Antisemiten zu verschweigen. Trotz allem zieht sie an diesem kalten, grauen Sonntagnachmittag ein positives Fazit. Sie ist “In Deutschland angekommen”, so lautet auch der Titel ihrer Memoiren. Das Buch ist weitaus mehr als nur die Biographie einer faszinierenden Persönlichkeit; es ist ein aufrüttelnder, aber immer ehrlicher Blick in acht Jahrzehnte deutschjüdischer Geschichte mit allen Höhen und schrecklichen Tiefen.

Autor: Stefan Meining


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