Die rundshow er Erklär’ mir die Welt in 140 Sekunden

Für TV-Macher ist das eine Herausforderung: Jeder Zuschauer hat seinen ganz eigenen Wissensstand. In der rundshow arbeiten wir deshalb mit Erklärfilmen, die eine Grundlage für Diskussionen schaffen und alle auf den gleichen Wissenstand bringen sollen. Ein Artikel von Simone Stoffers.

Das erste und wahrscheinlich einzige Mal, dass ich das gute Gefühl hatte, zu verstehen, wie so etwas Kompliziertes wie die Börse funktioniert, war nach einem Erklärfilm beim Kindermagazin “neuneinhalb“. Seitdem bin ich großer Fan solcher Formate.

Erklärstücke finden wir nicht nur in Kindersendungen, die auch von Erwachsenen bewusst gesehen werden (Die Sendung mit der Maus, Löwenzahn, Pusteblume, Logo, etc). Arte zum Beispiel gönnt sich neben erklärenden Einspielern (u.a. die “Nackten Fakten” bei “Yourope“) gleich ganze Erklär-Sendungen wie “Mit offenen Karten” oder das grafisch angenehm abwechslungsreiche “Karambolage“.

Bei der Rundshow sollen die Erklärfilme in 140 Sekunden die Fakten eines Themas pointiert aufbereiten.

Wie vermitteln wir die Fakten?

Grafiken werden natürlich eine Rolle spielen. Wie gut Visualisierungen gerade bei komplexen Themen funktionieren, wissen netzaffine Menschen nicht nur seit den Filmen von Alexander Lehmann.

Auch außerhalb von Fernsehen und Internet tauchen Erklärgrafiken immer häufiger auf. Schon 2007 z.B., als der Datenjournalismus in Deutschland noch am Schnuffeltuch hing, freute ich mich jede Woche auf das Zeit-Magazin, das liebevoll gestaltete Deutschlandkarten zur Verteilung von  Scheidungsquoten, Dax-Unternehmen und Cabriofahrern brachte.

Visualisierung einer Vision, 30er Jahre. CC-BY: perhapstoopink

Visualisierung einer Vision, 30er Jahre. CC-BY: perhapstoopink

Aber Grafiken sind nur ein Teilaspekt. Bei der Auswahl der Fakten für die Erklärfilme werden wir zwangsläufig nach der Schnittmenge von Machbarem und Sinnvollem suchen. Dazu gehört Mut zum Weglassen, sich nach Hanns Joachim Friedrichs auch mal vom Vollständigkeitswahn zu lösen. Verstärkt werden wir natürlich auf Präzision achten, denn uns ist bewusst, dass sich falsche Fakten im Netz nicht versenden. Und wir können Fehler in einem Video unter Creative Commons-Lizenz nicht so einfach korrigieren wie einen Wiki-Eintrag.

Die Erklärfilme sollen aber vor allem eines: eine gemeinsame Grundlage für Diskussionen schaffen, User, TV-Zuschauer und Talkgäste auf den gleichen Wissensstand bringen. Und schon sind wir bei der Kernfrage:

Welches Wissen können wir voraussetzen?

Klar, das sollte man sich auch fragen, wenn man politische Kommentare, Hochzeitsreden oder Steuererklärungen schreibt. Bei der Rundshow legen wir aber einen ziemlichen Zielgruppenspagat hin, den Rundshow-Kollege Deef ja schon ausführlich beschreiben hat. Wird der TV-Zuschauer einen deutlichen Umschaltimpuls spüren, wenn er einen Oberholz-Witz nicht versteht? Überziehen uns  Nerd und Nerdette mit Shitstörmchen, weil wir sowas Selbstverständliches wie Meme kurz erläutern?
Vielleicht.

Vielleicht wollen aber auch viele einfach nur Hintergründe und Zusammenhänge erfahren - zu den hashtags, die sie schon den ganzen Tag inhaliert haben, zu Themen, die abseits des TV-Mainstreams Diskussionen auslösen oder einfach zu Dingen, die sie nie zu fragen wagten.

Was meint Ihr?

In der ersten Konzeptskizze sind für den Erklärfilm 140 Sekunden angedacht, in diesen 2:20 Min kann man einen Menge Hintergrundinformationen unterbringen. Aber sollen wir uns überhaupt auf eine Länge oder auch eine durchgehende Optik festlegen? Bieten solche Festlegungen innerhalb einer Beitragsreihe für euch eher Orientierungshilfe oder Einschränkung? Und habt ihr Beispiele für gute Erklärstücke?

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