Das erste und wahrscheinlich einzige Mal, dass ich das gute Gefühl hatte, zu verstehen, wie so etwas Kompliziertes wie die Börse funktioniert, war nach einem Erklärfilm beim Kindermagazin “neuneinhalb“. Seitdem bin ich großer Fan solcher Formate.
Erklärstücke finden wir nicht nur in Kindersendungen, die auch von Erwachsenen bewusst gesehen werden (Die Sendung mit der Maus, Löwenzahn, Pusteblume, Logo, etc). Arte zum Beispiel gönnt sich neben erklärenden Einspielern (u.a. die “Nackten Fakten” bei “Yourope“) gleich ganze Erklär-Sendungen wie “Mit offenen Karten” oder das grafisch angenehm abwechslungsreiche “Karambolage“.
Bei der Rundshow sollen die Erklärfilme in 140 Sekunden die Fakten eines Themas pointiert aufbereiten.
Wie vermitteln wir die Fakten?
Grafiken werden natürlich eine Rolle spielen. Wie gut Visualisierungen gerade bei komplexen Themen funktionieren, wissen netzaffine Menschen nicht nur seit den Filmen von Alexander Lehmann.
Auch außerhalb von Fernsehen und Internet tauchen Erklärgrafiken immer häufiger auf. Schon 2007 z.B., als der Datenjournalismus in Deutschland noch am Schnuffeltuch hing, freute ich mich jede Woche auf das Zeit-Magazin, das liebevoll gestaltete Deutschlandkarten zur Verteilung von Scheidungsquoten, Dax-Unternehmen und Cabriofahrern brachte.
Aber Grafiken sind nur ein Teilaspekt. Bei der Auswahl der Fakten für die Erklärfilme werden wir zwangsläufig nach der Schnittmenge von Machbarem und Sinnvollem suchen. Dazu gehört Mut zum Weglassen, sich nach Hanns Joachim Friedrichs auch mal vom Vollständigkeitswahn zu lösen. Verstärkt werden wir natürlich auf Präzision achten, denn uns ist bewusst, dass sich falsche Fakten im Netz nicht versenden. Und wir können Fehler in einem Video unter Creative Commons-Lizenz nicht so einfach korrigieren wie einen Wiki-Eintrag.
Die Erklärfilme sollen aber vor allem eines: eine gemeinsame Grundlage für Diskussionen schaffen, User, TV-Zuschauer und Talkgäste auf den gleichen Wissensstand bringen. Und schon sind wir bei der Kernfrage:
Welches Wissen können wir voraussetzen?
Klar, das sollte man sich auch fragen, wenn man politische Kommentare, Hochzeitsreden oder Steuererklärungen schreibt. Bei der Rundshow legen wir aber einen ziemlichen Zielgruppenspagat hin, den Rundshow-Kollege Deef ja schon ausführlich beschreiben hat. Wird der TV-Zuschauer einen deutlichen Umschaltimpuls spüren, wenn er einen Oberholz-Witz nicht versteht? Überziehen uns Nerd und Nerdette mit Shitstörmchen, weil wir sowas Selbstverständliches wie Meme kurz erläutern?
Vielleicht.
Vielleicht wollen aber auch viele einfach nur Hintergründe und Zusammenhänge erfahren - zu den hashtags, die sie schon den ganzen Tag inhaliert haben, zu Themen, die abseits des TV-Mainstreams Diskussionen auslösen oder einfach zu Dingen, die sie nie zu fragen wagten.
Was meint Ihr?
In der ersten Konzeptskizze sind für den Erklärfilm 140 Sekunden angedacht, in diesen 2:20 Min kann man einen Menge Hintergrundinformationen unterbringen. Aber sollen wir uns überhaupt auf eine Länge oder auch eine durchgehende Optik festlegen? Bieten solche Festlegungen innerhalb einer Beitragsreihe für euch eher Orientierungshilfe oder Einschränkung? Und habt ihr Beispiele für gute Erklärstücke?


ich würd die Beiträge nicht auf eine bestimmte Zeit festlegen.
100 Sekunden gibts schon bei Galileo. Mit Uhr die die Zeit runterzählt. Die ist vollkommen unnötig.
140 Sekunden gibts schon als Format das sich ja auf twitter bezieht und daher sehr passend ist.
Trotzdem ist es wichtig auf die Zeit zu achten, dauert ein Erklärfilm zu lange wirds manchmal uninteressant, vor allem weil der Macher mehr Zeit hat Zeug reinzubringen das nicht wirklich wichtig ist. Aber da es zu unterschiedlichen Themen unterschiedlich viel zu sagen gibt, würde ich keine feste Zeit nehmen. Wenn dann nur eine Begrenzung wie lang er mindestens sein muss und wie lang er höchstens seien darf.
Ich find ansonsten Erklärvideos ganz toll die aus Texten und einfachen klaren Animationen. Wie zum Beispiel der hier über google:
http://youtu.be/9zKXCQpUnMg
und bekannt ist ja auch das Video: du bist terrorist: http://www.youtube.com/watch?v=SGD2q2vewzQ
So kurz und so verständlich wie möglich! Das sollte eigentlich als Vorgabe anspruchsvoll genug sein. Ob 30, 140 oder 365 Sekunden kurz sind, hängt schließlich vom Thema und von der Qualität der Erklärung ab. Beim “Did you know 2.0″-Filmchen hab ich mit Begeisterung 8:19 Min zugeschaut und gestaunt. Weitere Beispiele und Formate siehe —> http://moeglichmacher.wordpress.com/2009/02/16/verdammt-gut-erklart/
Schöne Beispiele da bei Andreas Franks link.
Die meisten von den Videos sind auch in diesem “einfache Animations” Stil. Find den super, da er nicht ablenkt und wichtige Fakten noch mal hinschreibt.
Das von euch diskutierte Konzept kommt mir sehr bekannt vor und gibt es auch schon.
Die Jungs von “explainity” machen seit kurzem genau das bei YouTube. Sie erklären komplizierte Dinge in einfachen Videos. Sehr nett gemacht, wie ich finde. Die Themen werden dabei anscheinend von den Usern (über Facebook) ausgewählt.
Sie liefern Zusammenhänge zu den täglichen Nachrichten und erklären Aktienkurse, Eurokrise aber auch Themen wie Organspende u.ä.
Es erinnert ein wenig an “die Sendung mit der Maus” – jedoch für Erwachsene. Und mir geht es nach jedem Video wie dem Herrn vom Handelsblatt über die ich auf das Projekt aufmerksam wurde: “Endlich hab Ichs kapiert”…
( http://blog.handelsblatt.com/handelsblog/2011/08/17/ah-jetzt-kapier-ichs-endlich/ )
Hier ist der Kanal von denen: http://www.youtube.com/explainity
Sollte man sich mal anschauen. Das scheint auch irgendwie an einer Uni aufgehängt zu sein… Richtig viel findet man dazu aber nicht.
Beste Grüße
Dennis
@Kurt, @Andreas, @Dennis: Danke für die Tipps! In Plain English z.B. ist ja schon ein Klassiker, wie explainers.tv, etc. Wir sind auf weitere Lieblings-Erklärfilme gespannt!
Ich stimme Andreas völlig zu. Wenn man auf eine bestimmte Zeit festgelegt ist, muss man bei umfangreicheren Themen bestimmte Aspekte weglassen, die aber vielleicht wichtig für die Diskussion sind. Daher: In 140 Sekunden lässt sich viel unterbringen, aber ich würde mich nicht strikt an diese Dauer binden.
Meine Lieblings-Erklärungen finde ich bei “Wissen vor 8″ mit Ranga Yogeshwar (wobei ich die aktuellen Folgen nicht kenne, die Ersten fand ich jedoch sehr gut.) und “Die Welt in Zahlen” aus “W wie Wissen”. Gerade bei letztem bekommt man über die gute Illustration und Animation einen Überblick über die wichtigen und villeicht auch nicht ganz so wichtigen Fakten in einem bestimmten Themenblock.
Soweit von mir, freue mich schon auf weitere Blogposts!
Ich würde immer vom DAU ausgehen. Mein Wunsch war es immer, das Gesamtniveau zu steigern. Meine besten Freunde sind zB. einfache Leute denen aber der Zugang zum Wissen immer durch langweilige Lehrkörper vermittelt wurde. Ich würde auch nicht alles erklären sondern Grundlagen und Hintergründe vermitteln um das Interesse zu wecken, jetzt selbst weiter zu forschen. Ihr wollt ja Interaktiv sein. Vor meinem geistigen Augen geht das ja alles schon genau in die Richtung die sich unser Stevie vorgestellt hat. Ich drück Euch weiter die Daumen
Welche Erklärformat gefällt mir am besten im TV? Eindeutig Lesch! Paltentektonik und Tomantensuppe einfach -zumindest für mich- nicht zu toppen!
einer meiner lieblinge: was ist arbeit.
http://vimeo.com/8074418