Die Sendung vom 14. Mai gibt es hier in voller Länge zum Nachschauen.
Die Bilder haben sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Aufruhr in Spanien, Krawalle in England, Gewalt in Frankreich. Die Wirtschaftskrise wurde auch eine Systemkrise. Hohe Jugendarbeitslosigkeit, keine Perspektiven, selbst für gut ausgebildete junge Menschen schien der Weg in eine gute Zukunft dauerhaft verbarrikadiert.

Gerade im Moment laufen die Telefone heiß. Wir haben Stéphane Hessel kontaktiert, er ist grundsätzlich gerne bereit, heute Abend an der Sendung mitzuwirken. Zu klären ist nur noch: wie. Hessel selbst hat kein Internet und ihn mal eben für eine Beinahe-Mitternacht-Sendung von Paris nach München zu holen, ist für ihn kaum zumutbar. Kontaktiert haben wir jetzt Kollegen in Paris — und wir hoffen sehr darauf, dass wir eine Lösung finden. Das Interview mit Stéphane Hessel hat geklappt. Der Autor von “Empört euch” berichtete uns im Video ausführlich, warum er glaubt, dass man sich empören muss — und ob sein flammender Appell die Wirkung hatte, die er sich wünscht.
Und auf der anderen Seite das: Banken, die sich mit unfassbar hohen Milliardenbeträgen von den Steuerzahlern retten lassen mussten, weil sie angeblich zu groß waren, um sie sterben zu lassen. Unternehmen, die ihren Vorständen Millionensaläre bezahlen, die für einen normalen Arbeitnehmer so weit entfernt erscheinen müssen wie München vom Mars. Staaten, die sich so unglaublich verschuldet hatten, dass bis heute keiner so richtig weiß, wie sie jemals wieder auf die Spur zu bringen sind. Auf der ganzen Welt besetzte eine Bewegung die Hotspots des Kapitalismus, ohne freilich eine Idee zu entwickeln, wie es denn anders besser aussehen könnte.
Sogar in Deutschland, diesem ewigen Musterland der geordneten sozialen Marktwirtschaft, machte sich ein spürbares Unbehagen breit, wenn auch nicht im Ansatz vergleichbar mit den Protest-Auswirkungen, die andere Länder zu verkraften hatten. Man wählt hierzulande die Linke (inzwischen weniger) oder die Piraten (inzwischen mehr). Und festhalten lässt sich ja auch, dass der Wähler deutlich sprunghafter geworden ist.
Gleichwohl: Lange schon nix mehr von Occupy gehört, oder? Geht eigentlich noch irgendwo irgendjemand auf die Straße? Und wenn ja: Für was eigentlich? Ist es nicht eine naive Vorstellung, dass man mit dem friedlichen Besetzen von Plätzen oder dem Randalieren und Krawallmachen irgendetwas erreichen kann? Ist die Bewegung schon wieder vorbei oder ist sie etabliert?
Auch die Soziologin und Protestforscherin Dr. Britta Baumgarten haben für ein Interview gewinnen können. Sie diskutierte live über Skype mit uns darüber, ob man die Protestwellen in Spanien, England oder Frankreich als gescheitert ansehen muss.
Das Gespräch mit Baumgarten und alle Highlights der Sendung gibt es hier im Backsell zu sehen.

Das erste Thema klingt vielversprechend. Wünsche eine erfolgreiche Premiere!
Stépane Hessel, Autor von “Empört Euch” heute Abend in der rundshow? Das wäre ein Knaller!
vielleicht sollte man auch mal mit den Aktivisten sprechen:) in Berlin täglich auf der Biennale zu finden
http://occupybb7.org/node
ansonsten http://www.alex11.org oder http://www.occupyberlin.info
Ja, Inge, wir sind dran.
Daumen hoch für euer Engagement, ich hoffe das sich unsere Form der Demokratie noch weiterentwickelt.
Empört euch! als Thema? Wunderbar.
Aber bitte unbedingt den Versuch unternehmen, dem Idealismus, der von einigen Rezipienten der Empörungsfähigkeit unserer Zeit zugeschrieben wird, auf die Beine zu “helfen”.
“Piraten wählen” reicht aus meiner Sicht nicht aus
oder anders gesagt: Nur Piraten wählen “ist auch keine Lösung”.
Sich empören über den Zustand der Welt ist schon mal ein guter Anfang. Aber dann? Wenn aus der Emotion keine Idee und kein Plan folgt, bleibt Empörung ein Strohfeuer. Das gibt kurzzeitig Wärme, und dann folgt die Resignation.
@Michael – Genau das fragen wir uns auch. Und später unsere Gäste / Zuschauer in der Show. Stay tuned.
Start, Super-Thema! Extra wach geblieben und im gleichzeitigen Chat mit Rundshow-Follower Marcel in USA.
“Empörung” in Form von Bürger-Protestbewegungen ist ein wichtiges Element jeder Demokratie, aber Empörung allein schafft leider noch keine Arbeitsplätze.
Ein Land, das ausgerechnet an Bildung spaart, begeht schlichtweg (zukünftigen) volkswirtschaftlichen Selbstmord. Was Länder mit hoher (Jugend-)Arbeitslositgkeit benötigen sind Investitionen in wirtschaftliche Zukunftskonzepte und Bildung, gleichzeitig aber auch Einspaarung an unnötigen Staatsausgaben.
Ein gesamtwirtschaftlicher Sinn in der Auswanderung junger Fachkräfte von einem europäischem Land in ein andere ist mir auch nicht ersichtlich.
Grundlegend werden die Regierungen die wirtschaftliche Lage nicht allein lösen können, aber sie müssen die Rahmenbedingungen für ein gelingendes Wirtschaftswachstum schaffen.
Die Rundshow ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung! – macht weiter so, die deutsche Fernsehlandschaft braucht diese Entwicklung
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@Miachel – Danke für Deinen Beitrag. Ich hatte gestern Abend einen Gänsehaut-Moment, nämlich, als Eleni aus Athen in der Web-gestreamten Aftershow berichtet hatte, dass viele ihrer Freundinnen bereits das Land in Richtung Deutschland verlassen hätten. Ihre Freundin ElenA (ausgerechnet die Schalte nach Berlin hat am schlechtesten funktioniert) war eine von ihnen. Trotz der Hektik einer Premieren-Sendung hat mich das berührt.
Die Qualität und Auflösung der Show in der BR Mediathek ist ja übelst schlecht. Gibts das nicht in besserer Qualität zum Nach-schauen?
Owei. jetzt bin ich an der Stelle nach der App-Vorstellung: Die Zuschauer Beiträge (Inserts) kann man gar nicht lesen, so “§$%&/ ist die Auflösung.
Empörung!
Schnellstens ändern!
leider war mir die Sendung (die ich erst heute nachschauen konnte) viel zu kurz und vor allem das Hauptthema wurde mir zu wenig behandelt.
Trotzdem ein tolles neues Format! – macht weiter so! und hoffentlich auch noch mehr als nur 4 Wochen!!!