Die Energiesparlampe Eine Erfolgsstory des Lobbyismus

Wir haben uns mit ihr abgefunden, so wie wir uns auch mit vielem anderen abfinden müssen, wenn es um die Energiewende geht: Der Einfluss von Interessengruppen reicht soweit, dass er bis in den hintersten Wohnzimmerwinkel reicht.

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Nach dem GAU in Fukushima waren sich die Deutschen und ihre Politiker ungewöhnlich einig: Raus aus der Atomkraft, her mit einer Energiewende! Deutschland sollte schnellstmöglich ein Land der blühenden Windpark- und Solarlandschaften werden, Atommeiler hingegen, noch kurz vor Fukushima zum unverzichtbaren Bestandteil des Energiemixes erklärt, fanden in dieser Vorstellung keinen Platz mehr. In keinem Industrieland wurde dem Atom so schnell entsagt wie bei uns.

Und auch wir, wir ganz normalen Menschen da draußen im Land sollten unseren Anteil auf dem Weg zu weniger Strom und schönerer Natur leisten. Beispielsweise mit vermeintlich nachhaltigeren neuen Leuchtmitteln, die den schmeichelnden Namen “Energiesparlampen” verpasst bekamen. Viel schöner, besser, effizienter und die Natur schonender als die bisherigen Lampen sollten sie sein. Und weil es offenbar doch den einen oder anderen gab, der daran zweifelte, wurde allen Möglichkeiten zur Auswahl die Grundlage entzogen: Die bisherige Glühbirne darf nicht mehr verkauft werden.

Ob das allerdings wirklich eine gute Entscheidung war, wird immer öfter bezweifelt. Die Lampen enthalten Quecksilber, jenen gesundheitsschädlichen Stoff, den man zuvor erst mühevoll aus Thermometern verbannt hatte. Das Umweltbundesamt sieht sich in der Pflicht, einen Beitrag zum Umgang mit den gesundheitsgefährdenden Substanzen im Falle der Beschädigung einer “Energiesparlampe” zu publizieren. Ihre Leistungsfähigkeit ist signifikant schlechter, als die Angaben auf der Verpackung dem Verbraucher glauben machen wollen. Ihre Eergiebilanz ist umstritten.

Kann es also sein, dass wir es im Großen im Kleinen bei der Energiewende mit ausgeprägten Formen des Lobbyismus zu tun haben? Dass es um Natur und Umwelt und regenerative Energie nur untergeordnet geht und selbst solche Kleinigkeiten wie eine Glühbirne interessensgesteuert sind? Heute Abend das Topthema: Eine große Geschichte der Energiewende, erzählt an der kleinen Geschichte der Glühbirne.

Über Skype im Interview war FDP-Europaabgeordneter Holger Krahmer

Holger Krahmer kritisiert das Versprechen der EU-Kommission, Verbraucher würden durch das Verbot der Glühlampe Milliarden Euro sparen: „Dass Milliarden zurückfließen, ist hochgradig fragwürdig. Ich habe eher das Gefühl, dass die Industrie das Produktverbot auch deshalb begrüßt, weil sie an den klassischen Lampen, die seit 100 Jahren auf dem Markt sind, nichts mehr verdient und sehr gerne die Energiesparlampen nach vorne drücken will, weil da die Margen höher sind. Am Ende belastet das den Verbraucher.“ [http://www.holger-krahmer.de]

Diese Experten waren in unserem Google-Hangout dabei:

Wolfgang Herter

Wolfgang Herter arbeitet als Dipl. Ingenieur am Prüfinstitut PZT Wilhelmshaven. “Energiesparlampen” sind für Herter ein No-Go! Aus Umweltschutzsicht drängt er aber darauf, sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen. Herter setzt sich unter anderem für  ein Pfandsystems für die Energiesparlampen ein.

Felix Kamella

Kamella arbeitet seit zwei Jahren bei LobbyControl. Er ist Projektleiter für Lobbypedia – einem lobbykritischem Onlinelexikon,  mit dem der Einfluss von Lobbyisten auf Politik und Medien beleuchtet werden soll. Seine Ansicht: Lobbyismus  in Deutschland ist häufig intransparent, von großen Machtungleichgewichten geprägt und arbeitet nicht selten mit manipulativen Methoden.  Kamella kennt sich mit Seitenwechslern und Nebeneinkünften von Politikern aus und kann uns prominente Beispiele nennen.

Dr. Rüdiger Paschotta

Dr. Paschotta ist promovierter Physiker und beschäftigt sich unter anderem eingehend mit der der Rolle von Quecksilber bei Energiesparlampen. Sein Standpunkt: Die geringe Menge an Quecksilber, die in den Energiesparlampen enthalten ist, ist nicht so gefährlich, wie immer behauptet wird. Für ihn ist die Diskussion um gefährliche Mengen Quecksilber in Energiesparlampen Hysterie und Angstmacherei.

Klicktipps zum Thema

  • Schon mal was vom Heatball gehört?Heatballs sind aus technischer Sicht der Glühbirne sehr ähnlich, nur dass man sie nicht zum Leuchten benutzt, sondern zum Heizen.
  • Das Verbot der klassischen Glühbirne: Der Dokumentarfilm Bulb Fiction nimmt diesen Fakt zum Anlass, um die Mechanismen der Energielobby, sowie den Widerstand gegen die „Richtlinie zur Regulierung von Lichtprodukten in privaten Haushalten“ darzustellen.
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