Der Troll – einfach nur eine große Nervensäge. Wer einen solchen Satz sagt, kann sich anfangs zumindest einer gewissen Zustimmung sicher sein. Dabei ist die Sache so einfach nicht. Sicher, Trolle nerven erst einmal, sie sind destruktiv, (zer)stören jede halbwegs vernünftige Kommunikation und haben ihren üblen Spaß daran, aus dem Schutz der Anonymität heraus Spielverderber zu spielen.
Der Troll, das ist keineswegs eine Gattung, die erst mit dem Netz entstanden ist. Den analogen Troll, den manischen Verfolger, die destruktive Nervensäge gibt es ja schon seit Zeiten des Briefe schreibens oder des telefonierens. Nur: Durch das Netz sind seine Möglichkeiten noch sehr viel umfassender geworden. Ist der Troll also einfach nur keiner weiteren Diskussion wert, weil er so sinnvoll wie ein Fliegenpilz ist?
Es gibt aber möglicherweise auch andere Aspekte: Vielleicht kann man sich auch seine Hartnäckigkeit abschauen, seine Zielstrebigkeit, den unbedingten Glauben daran, das Richtige zu tun. War Galileo Galilei nicht irgendwie zumindest in damaligen Dimensionen gedacht auch ein Troll? Haben die allseits hochgelobten “Wutbürger” nicht ebenfalls etwas Trolliges an sich?
Und schließlich: Man wirft ja gerne alles mal in einen Troll-Topf, Stalker, Mobber, Basher, Psychopathen — ebenso wie die kleinen Nörgler, die harmlosen Störenfriede oder sogar die unbeholfenen, weltfremden und durchaus wohlmeinenden Menschen, die sich möglicherweise nur etwas dusselig ausdrücken und an sich gar nichts Böses wollen. Zeit, sich mit ein paar Definitionen auseinanderzusetzen. Mit der Frage, wer wem schadet – und wie trollgeschädigte Menschen damit umgehen.
Es diskutierten zum Thema live in der Show:
Udo Vetter
Der Düsseldorfer Rechtsanwalt betreibt das Blog lawblog.de und hat selbst schon schlechte Erfahrungen mit Trollen gesammelt. Ein Troll hat ihn lange Zeit permanent angegriffen und ihn aufgrund seiner Thailandreisen als Kinderschänder beschimpft. Seiner Meinung nach wird man Trolle los, indem man sie ignoriert und sich auf keine Diskussion einlässt. Wenn es gar nicht anders geht, sollte man den User löschen.
Margarete Stokowski
Margarete Stokowski ist Kolumnistin bei der taz/taz.de. Bei “ihren Trollen” handelt es sich aus Stokowskis Sicht nicht (nur) um Chauvis, sondern (auch) um verunsicherte Typen, die sich durch Stokowskis Kolumnen angesprochen fühlen, und meinen, sich verteidigen zu müssen. Stokowski dazu: „Kollegen warnen mich davor, die Online-Kommentare zu lesen, da bei diesen - im Gegensatz zu Leserbriefen, die viel differenzierter sind – viel Niveauloses darunter ist. – Trotzdem lese ich die Online-Kommentare, denn ich finde sie aus einem Grund interessant: Man kann den Sexisten quasi direkt ins Hirn schauen. Und das liefert mir den Stoff für neue Geschichten. – Für solche Leute schreibe ich…“
Sebastian Frankenberger
Als Initiator des rigorosen Rauchverbots in Bayern wurde Sebastian Frankenberger sowohl selbst als Troll bezeichnet, als auch Opfer von Trollangriffen. Er selbst hat von seiner Meinungsäußerung zwar profitiert, jedoch äußert er seine Meinung nur über seine privaten Seiten (z.B. Facebook). Er würde niemals auf fremden Seiten andere Personen verbal attackieren und persönlich angreifen. Hier zieht er die Toleranzgrenze.
Ralf Höcker
Prof. Dr. Ralf Höcker ist Rechtsanwalt und vertritt bzw. vertrat neben Unternehmen auch Prominente wie Heidi Klum oder Jörg Kachelmann. Seiner Meinung nach sollte man Trolle im Netz nicht ernst nehmen. Problematisch würde es nur, wenn falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt werden, wie z.B. „XY ist ein Kinderschänder.“ Das ist Rufmord und hier sollte man mit rechtlichen Schritten vorgehen.
Gabriele M. Pauli
Gabriele Pauli sitzt als fraktionslose Abgeordnete im Bayerischen Landtag. Für Pauli ist Trollen im Sinne von Dagegen-sein ein No-Go. Anders verhält es sich ihrer Meinung nach, wenn man von einer Idee überzeugt ist, die man voranbringen will. Je mehr Aufmerksamkeit man einem Troll schenkt, desto stärker wird seine Reaktion. Wenn man aber seiner Position genauer zuhört und einen Wert zugesteht, fühlen sie sich wahrgenommen und werden vielleicht konstruktiver.

Ich denke das Problem ist wie so oft die Definition des Wortes Troll -> sowie bei Hacker und Cracker… früher waren ja alle nur Hacker und natürlich böse!!!! Heute unterscheidet man schon, aber halt eben immer noch nicht genug. Um es auf das echte Leben zu projizieren : Stalker und Detektive sind nicht das selbe, obwohl sie ja im Grunde fast das selbe tun…. Und Galilei war eher ein Hacker und kein Troll!!!
Hm, dann bleibt wohl das Thema Wikipedia und die Konsensdiktatur http://ichsagmal.com/2010/10/31/die-konsens-diktatur/ auf der Strecke. Schade.
“Prof. Dr. Ralf Höcker ist Rechtsanwalt und vertritt bzw. vertrat neben Unternehmen auch Prominente wie Heidi Klum oder Jörg Kachelmann. Seiner Meinung nach sollte man Trolle im Netz nicht ernst nehmen.”
Oh – wenn das mal in standesrechtlicher Hinsicht in Ordnung ist, sich öffentlich so über eigene Mandanten zu äußern. Jörg Kachelmann nicht ernst nehmen … tz tz
Da habt Ihr ja den Experten zum Thema im Haus. Wenn ich an den Vortrag auf der re:publica 11 denke, muss ich immer noch schmunzeln.
Wer es nicht kennt, die ersten 10 Minuten sind Pflicht. Hier ist das Video zu finden: http://www.blog-in-orange.de/2011/04/17/sascha-lobo-jungste-erkenntnise-der-trollforschung/
Mal Butter bei den Fischen, das Trollen ist so alt wie der Aufrechte Gang. Es muss immer einer da sein der Nörgelt und alles in Frage stellt, auch wenn vieles wirklich als extrem störend empfunden werden kann – ist es manchmal auch Rettung vor einer Dummheit wenn nicht im rechten Augenblick einer/eine “Trollt”. Im Grunde hat jeder irgend jemand schon in seinen Leben irgendwann getrollt, lg #Pinopank
Für mich sind selbst ernannte Experten, die sich im Internet vermarkten, viel mehr Troll, als diejenigen, die als Trolle gelten. Wer Kritik bei seiner Vermarktung erhält, sollte darüber nachdenken, warum die Kritik entstanden ist und eventuell sein Verhalten überdenken. Warum zum Beispiel veröffentlicht Udo Vetter die Ziele seine Urlaubsreisen? Warum zum Beispiel bezeichnet Sascha Lobo einen Professor der IBM indirekt als asozial? Wer mit oder im Internet Geld verdient, indem er seine Meinung, seine Angebote und seine Person öffentlicht macht, muss die Kommentarfunktion deaktivieren oder mit Kritik leben. Experten- und Vermarktungstrolle verdienen nichts, wenn die eigenen Angebote negativ gevotet oder rezensiert werden. Um den Geldfluss zu erhalten, werden zum Beispiel positive Bewertungen gekauft oder Anwälte beschäftigt, um Kritiker los zu werden.
Drohungen, Beleidigungen, falsche Tatsachenbehauptungen, Persönlichkeitsverletzungen usw. haben nichts mit Trollen zu tun und sind offline und online verfolgen.