Wie eine Landplage das Netz bevölkert Null Trolleranz!

Er gehört zu den unangenehmsten Begleiterscheinung der digitalen Kommunikation: Trolle sind das, worauf man sich am ehesten einigen kann, wenn es um die Frage geht, auf was man ohne nachzudenken verzichten kann. Aber ganz ehrlich: Was wäre das Netz ohne die Trollerei?

Notice: Undefined offset: 0 in /local/blog/blog-multi/blog-live-v341_1/wp-content/plugins/add-local-avatar/avatars.php on line 727 Notice: Undefined offset: 0 in /local/blog/blog-multi/blog-live-v341_1/wp-content/plugins/add-local-avatar/avatars.php on line 727

Der Troll – einfach nur eine große Nervensäge. Wer einen solchen Satz sagt, kann  sich anfangs zumindest einer gewissen Zustimmung sicher sein. Dabei ist die Sache so einfach nicht. Sicher, Trolle nerven erst einmal, sie sind destruktiv, (zer)stören jede halbwegs vernünftige Kommunikation und haben ihren üblen Spaß daran, aus dem Schutz der Anonymität heraus Spielverderber zu spielen.

Der Troll, das ist keineswegs eine Gattung, die erst mit dem Netz entstanden ist. Den analogen Troll, den manischen Verfolger, die destruktive Nervensäge gibt es ja schon seit Zeiten des Briefe schreibens oder des telefonierens. Nur: Durch das Netz sind seine Möglichkeiten noch sehr viel umfassender geworden. Ist der Troll also einfach nur keiner weiteren Diskussion wert, weil er so sinnvoll wie ein Fliegenpilz ist?

Es gibt aber möglicherweise auch andere Aspekte: Vielleicht kann man sich auch seine Hartnäckigkeit abschauen, seine Zielstrebigkeit, den unbedingten Glauben daran, das Richtige zu tun. War Galileo Galilei nicht irgendwie zumindest in damaligen Dimensionen gedacht auch ein Troll? Haben die allseits hochgelobten “Wutbürger” nicht ebenfalls etwas Trolliges an sich?

Und schließlich: Man wirft ja gerne alles mal in einen Troll-Topf, Stalker, Mobber, Basher, Psychopathen — ebenso wie die kleinen Nörgler, die harmlosen Störenfriede oder sogar die unbeholfenen, weltfremden und durchaus wohlmeinenden Menschen, die sich möglicherweise nur etwas dusselig ausdrücken und an sich gar nichts Böses wollen. Zeit, sich mit ein paar Definitionen auseinanderzusetzen.  Mit der Frage, wer wem schadet – und wie trollgeschädigte Menschen damit umgehen.

Es diskutierten zum Thema live in der Show:

Udo Vetter

Der Düsseldorfer Rechtsanwalt betreibt das Blog lawblog.de und hat selbst schon schlechte Erfahrungen mit Trollen gesammelt. Ein Troll hat ihn lange Zeit permanent angegriffen und ihn aufgrund seiner Thailandreisen als Kinderschänder beschimpft. Seiner Meinung nach wird man Trolle los, indem man sie ignoriert und sich auf keine Diskussion einlässt. Wenn es gar nicht anders geht, sollte man den User löschen.

Margarete Stokowski

Margarete Stokowski ist Kolumnistin bei der taz/taz.de. Bei “ihren Trollen” handelt es sich aus Stokowskis Sicht nicht (nur) um Chauvis, sondern (auch) um verunsicherte Typen, die sich durch Stokowskis Kolumnen angesprochen fühlen, und meinen, sich verteidigen zu müssen. Stokowski dazu: „Kollegen warnen mich davor, die Online-Kommentare zu lesen, da bei diesen  - im Gegensatz zu Leserbriefen, die viel differenzierter sind – viel Niveauloses darunter ist. – Trotzdem lese ich die Online-Kommentare, denn ich finde sie aus einem Grund  interessant: Man kann den Sexisten quasi direkt ins Hirn schauen. Und das liefert mir den Stoff für neue Geschichten. – Für solche Leute schreibe ich…“

Sebastian Frankenberger

Als Initiator des rigorosen Rauchverbots in Bayern wurde Sebastian Frankenberger sowohl selbst als Troll bezeichnet, als auch Opfer von Trollangriffen. Er selbst  hat von seiner Meinungsäußerung zwar profitiert, jedoch äußert er seine Meinung nur über seine privaten Seiten (z.B. Facebook). Er würde niemals auf fremden Seiten andere Personen verbal attackieren und persönlich angreifen. Hier zieht er die Toleranzgrenze.

Ralf Höcker

Prof. Dr. Ralf Höcker ist Rechtsanwalt und vertritt bzw. vertrat neben Unternehmen auch Prominente wie Heidi Klum oder Jörg Kachelmann. Seiner Meinung nach sollte man Trolle im Netz nicht ernst nehmen. Problematisch würde es nur, wenn falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt werden, wie z.B. „XY ist ein Kinderschänder.“ Das ist Rufmord und hier sollte man mit rechtlichen Schritten  vorgehen.

Gabriele M. Pauli

Gabriele Pauli sitzt als fraktionslose Abgeordnete im Bayerischen Landtag. Für Pauli ist Trollen im Sinne von Dagegen-sein ein No-Go. Anders verhält es sich ihrer Meinung nach, wenn man von einer Idee überzeugt ist, die man voranbringen will. Je mehr Aufmerksamkeit man einem Troll schenkt, desto stärker wird seine Reaktion. Wenn man aber seiner Position genauer zuhört und einen Wert zugesteht,  fühlen sie sich wahrgenommen und werden vielleicht konstruktiver.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.