Ägypten vor der Wahl Was von der Revolution übrig blieb

Die Bilder gingen im vergangenen Jahr um die Welt: Die arabische Revolution nahm ihren Lauf in Ägypten. Eine Erhebung, basierend auf der Unzufriedenheit der Massen. Und ein bisschen auch auf dem Netz. Dachte man zumindest.

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Zugegeben, wir hatten anderes erwartet, als unsere Kollegin Natalie nach Kairo flog: Wir rechneten mit Menschenmengen auf den Straßen, mit einer womöglich aufgeheizten Atmosphäre, mit dauerbloggenden Autoren und mit einer wenigstens sich vorsichtig entwickelnden demokratischen Kultur. Stattdessen aber das: der Tahir-Platz beinahe leer, die Blogger haben sich zurückgezogen. Enttäuschung über den Verlauf der Revolution prägt die Stimmung. Die Freude über die Möglichkeit, zum ersten Mal seit Jahrzehnten frei wählen zu können, ist der Ernüchterung gewichen. Die Machtverhältnisse scheinen sich nicht wirklich zu ändern – sind die künftigen Machthaber dann doch nur die Claqueure des bisherigen Systems?

Aber da war doch mal dieses supervernetzte junge Volk, das sich via soziale Netzwerke organisisiert und einen kompletten Umsturz angezettelt hat? Auch dieser Eindruck trügt. Stattdessen handelt es sich bei dieser Gruppe eher um eine nur sehr kleine Elite. Die meisten Menschen dort haben von Facebook noch nie etwas gehört und stehen eher dem Muslimbruder im Ort als dem Blogger im fernen Kairo nahe.

Am Mittwoch wird in Ägypten gewählt, 13 Kandidaten stehen zur Wahl. Die Auszählungen können sich bis zu einer Woche hinziehen – aber ob sich das Land wirklich verändert haben wird, das ist offener denn je.

Bilder: Diese Fotos nahm unsere Kollegin Natalie Amiri während ihres Kairo-Aufenthalts am vergangenen Wochenende auf.

Die Aktivistin Mona Seif, die während der Revolution als @monasosh twittert(e), erzählt uns im Interview mehr über die Rolle der Blogger während der Proteste und spricht über die Zukunft Ägyptens.

Im Google-Hangout waren dabei: Maikel Nabil

Maikel Nabil ist ägyptischer Blogger und wurde wegen seiner Kritik an der ägyptischen Militärführung zu drei Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde später aufgehoben und Nabil wurde Anfang 2012 aus der Haft entlassen. Während seiner Haft trat Nabil in einen Hungerstreik und fiel, nachdem er auch das Trinken verweigerte, für einige Tage ins Koma. Für Nabil ist das Militär das Problem, denn es war seiner Meinung nach nie auf der Seite des Volkes.

Melody Sucharewicz

Melody Sucharewicz engagiert sich für den Friedensprozess in Nahost nimmt dabei den israelischen Standpunkt ein. Sie sieht eine  Islamisierung in Ägypten als Bedrohung für Israel.

 

 

Hamed Abdel-Samad schaltete sich per Skype in die Sendung

Der deutsch-ägyptische Politologe, Historiker und Autor, studierte Englisch und Französisch in Kairo und Politikwissenschaft in Augsburg. Abdel-Samad fordert einen „Islam-Light“ in Europa. Während der Revolution reiste er in seine alte Heimat und stellte sich auf die Seite der Protestierenden.

 

Klicktipps zum Thema

  • Wie steht es eigentlich um die Wirtschaft in Ägypten? Und welche Beziehungen pflegen die EU und Deutschland mit Ägypten? Hier die Zahlen (Stand: November 2011).
  • Die englischsprachigen Zeitung Al Masry al Youm gilt als eine der wichtigsten oppositionellen Plattformen für Autoren von unterschiedlicher politischer Ausrichtung.
  • Al Ahram ist die größte Zeitung Ägyptens. Obwohl sie staatlich ist, gilt sie dennoch als regierungsunabhängig. Gerade die englische Onlineausgabe setzt sich kritisch mit der politischen Lage des Landes auseinander.

Die Highlights der Sendung

 

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