Jens Hegenberger TV 2020 – Wie werden wir fernsehen?

Jens Hegenberger: Gründer & CMO Zapitano

Jens Hegenberger ist Marketing-Chef bei der Social-TV-Plattform ZAPITANO. Doch nicht nur das: Er ist ein wahrer Revolutionär des weltweiten Netzes. Er hat der Deutschen Telekom beigebracht, dass nicht alles im Internet kostenlos sein muss. Er brachte uns den ersten legalen digitalen Plattenladen. Und er kennt die Psychologie der Massenmedien. Wer also wäre besser geeignet, um mit uns einen Blick in die Fernsehzukunft zu wagen?

Attitüde statt Abspieltechnik

Der technologische Fortschritt wie zum Beispiel Satellitenfernsehen, Videorecorder, HDTV, HbbTV, etc. schrieb bisher die Geschichte des Fernsehens: Aber der nächste Innovationssprung wird nicht durch solche technologischen Faktoren angetrieben. Denn die Zukunft des Fernsehens liegt in der Rückbesinnung: In der Rückbesinnung auf die Wirkung des Fernsehens auf den einzelnen Zuschauer und auf das gesamte Publikum.

Fernsehen wirkt

Fernsehen thematisiert und hat Auswirkungen auf die Gesellschaft und unser soziales Umfeld. Es beeinflusst, worüber wir nachdenken, kommunizieren und ein Stück weit auch unser Handeln. So werden Fernsehinhalte und die Akteure der verschiedensten Sendungen zu Sprechthemen – zu unserem “sozialen Kit”. Und wir reden in unserer Peergroup über Fernsehinhalte. Mit unserer Programmauswahl und somit der Selektion von Sprechthemen für den nächsten Tag beeinflussen wir unsere Suche nach Identität und Orientierung. Bei dieser Suche ist die Kombination von Bild und Ton hilfreich. Denn sie erleichtert es uns Fernsehthemen zu konsumieren, zu verstehen und uns darüber innerhalb unseres sozialen Umfeldes auszutauschen.

Phänomen „Second Screen“

In den letzten Monaten stieg die Nutzung  von Notebooks, Tablet-PCs und Smartphones parallel zum Fernsehen enorm an.  Dieses Phänomen bejubeln die Marktforscher als „Social.TV“ oder als „Second Screen“.  Und jeder versteht darunter noch immer etwas anderes. Das Spektrum ist weit gefächert. Es reicht von einer Abspielstation non-linearer Inhalte bis hin zu einem reinen Organisationstool.

Die Fernseh-Zukunft liegt in der Hand des Publikums.

Die Fernseh-Zukunft liegt im „Second Screen“. Dort finden keine Inhalte statt, sondern „soziale Begleitservices“ fürs Fernsehprogramm. Diese Begleitservices bedienen unsere sozialen Fernseh-Bedürfnisse entlang des „Public Life Cycles“ einer Sendung: VOR der Ausstrahlung gibt solch ein Service Selektionshilfen bei der Sendungsauswahl, beispielsweise durch Freundesempfehlung; WÄHREND der Ausstrahlung kann man die Sendung und deren Stars bewerten und kommentieren und darüber hinaus Beiträge anderer User zur Sendung kommentieren;  NACH der Ausstrahlung liefert der „soziale Begleitservice“ zum Beispiel die „Primetime-Winner“ des gestrigen Abends und bestätigt den Nutzern somit ihre Programmauswahl des Abends.

Der „Second Screen“ wird somit das Werkzeug einer neuen TV-Generation, der „Viewser“.

Zukunftsteam First und Second Screen.

Die Rollenteilung ist ideal: Der „First Screen“, das Fernsehen liefert scharfe Bilder und satten Sound. Der „Second Screen“ löst die Fernbedienung als neue Macht ab. Er bündelt das Publikum in einem virtuellen Public Viewing und veredelt jede Sendung mit Kommentaren und Bewertungen der User.

Mittelfristig werden so neue TV-Formate entstehen, die eine Dramaturgie zwischen „First Screen“ und „Second Screen“ spannen und die User bereits WÄHREND des laufenden TV-Programms als neue Fernseh-Akteure berücksichtigen und sogar einbinden. Darüber wird es auch ähnlich verzahnte Geschäftsmodelle geben, die dieser nicht nur technischen, sondern auch sozialen Entwicklung Rechnung tragen müssen.

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