Flame & Co.: Wie der Rechner zum Warroom wird Es ist Krieg – und keiner muss mehr hingehen

"Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin" - was in den 80er Jahren romantisierend daherkam, ist inzwischen zu einer Realität geworden. Wenn im 21. Jahrhundert Krieg ist, dann muss niemand mehr hingehen. Es reichen: ein paar Programmierer und ein Sicherheitsleck. Spätestens, nachdem der neue Superspion "Flame" zwei Jahre unbemerkt sein Unwesen treiben konnte, scheint festzustehen: Die Schlachten der Zukunft werden im Netz geschlagen.

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Seit beinahe zwei Jahren ist “Flame” unterwegs. “Flame” ist der Spion, der aus dem Rechner kam. Und “Flame” kann ungefähr alles: Gespräche mitschneiden. Programme installieren. Daten löschen, auf umliegende Bluetooth-Geräte zugreifen, Screenshots erstellen und Tastatureingaben protokollieren.  Der Superspion zerstört sich ggf. selbst, wenn irgendjemand Verdacht schöpft und hinterlässt keine Spuren, wenn er erst einmal weg ist. So war es denn auch eher Zufall, dass er inzwischen entdeckt wurde.

Oder “Stuxnet”. Dieser Schädling wurde vor rund zwei Jahren entdeckt und ging deutlich weiter als “Flame”.  ”Stuxnet” griff aktiv in die Steuerung von Anlagen ein. Im Iran attackierte er eine Urananreicherungsanlage und ein Kernkraftwerk. Die Autoren und die exakte Zielsetzung sind bis heute nicht vollständig geklärt.

Kann aber irgendjemand einen Cyberwar überhaupt beherrschen? Kann, wenn irgendwo ein Link ins Netz besteht, Sicherheit garantiert werden? Experten gehen davon aus, dass die Antwort “nein” ist. Müssten wir uns also radikal entnetzen, wäre das überhaupt eine realistische Alternative?

Selbst Experten kommen bei diesem Thema zu höchst unterschiedlichen Einschätzungen. Die einen kreieren Horrorszenarien, nach denen die volldigitalisierte Welt von Bösewichten an den Rand des Ruins getrieben wird – und sehen sich durch Stuxnet und Flame bestätigt. Andere wiederum sehen die ganze Sache sehr viel entspannter: Aufgrund der höchst individuellen Installationen in vielen Hightech-Anlagen sei es kein realistisches Szenario, alleine mit einer einzigen Software ernsthaften Schaden anzurichten.

Unsere Gesprächspartner  in der Show

Nahla Osman

Die 33 Jahre alte Rechtsanwältin ist als Kind syrischer Einwanderer in Deutschland aufgewachsen. Sie spricht sich für das freie Internet aus. Die staatliche Kontrolle über das Internet (Facebook-Verbot und Youtube-Verbot) in Syrien sieht sie als problematisch an, weil das Internet eigentlich ein Instrument sein sollte, um an aktuelle Informationen zu gelangen. Osman hat sich dem Aktionsbündnis „Freies Syrien“ angeschlossen, einer Gruppe von Regierungsgegnern, die sich über Facebook organisiert. Sie unterstützt die syrischen Oppositionellen in rechtlicher Hinsicht (Verlängerung der Visa etc.)  organisiert Demonstrationen, verteilt Infozettel, sammelt Unterschriften, diskutiert mit Passanten und Politikern und trifft Augenzeugen und Flüchtlinge.

 

Thomas Wiegold

Thomas Wiegold ist Journalist und Betreiber des Blogs augengeradeaus.net. Sein Spezialgebiet liegt im Bereich der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, dem Militär und der Bundeswehr.  Seiner Meinung nach  sollten deutsche Firmen nicht weniger, sondern sogar mehr in Sachen Cyberkrieg unternehmen. Denn nur so kann gewährleistet werden, dass Deutschland seine Sicherheitsinteressen wahrnehmen kann. Das heißt auch: mitmachen bei der Überwachungssoftware. Das bedeutet aber auch: die Bundeswehr könnte auch Bürger ausspähen. Er glaubt aber nicht dass das geschieht.

Kai Nothdurft

Kai Nothdurft geht von einer digitalen Rüstungsspirale und einem aktiven Krieg im Netz  aus.  Er sieht darin einen Bruch des Völkerrechts. Der Export von Überwachungstechnologien ist seiner Ansicht nach wenig bis gar nicht reglementiert. Hier fordert Nothdurft mehr parlamentarische Kontrolle und mehr Investitionen von Regierungen und Unternehmen zum Schutz im Netz. Ohne diesen Schutz befürchtet er eine akkute Bedrohung für den Otto-Normalverbraucher.

Klicktipps

  • In diesem Artikel bei GrünDigital, dem gruenen Blog zur Netzpolitik, geht es um deutsche Firmen, die Technikgüter exportieren, die der Unterdrückung und Zensur in autoritären und totalitären Staaten dienen können. Im Mittelpunkt stehen Lieferungen von Überwachungstechnik nach Syrien.
  • Dieser Bericht entstand von Reporter ohne Grenzen anlässlich des Welttags gegen Internetzensur.

 

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