Minimalisten glauben, mehr als 100 Besitztümer müssten nicht sein. Ökonomen glauben, dass der Gedanke an das ständige Wachstum schon alleine deshalb fatal ist, weil es kein ewiges und immerwährendes Wachstum geben kann. Der “Club of Rome” prophezeit in seinem neuesten Bericht eine düstere Entwicklung für die kommenden 40 Jahre: Bis 2052 werde die weltweite Wirtschaft nur noch sehr langsam wachsen, während gleichzeitig sowohl die Zahl der in Armut lebenden Menschen steige, als auch sich die globalen Klimabedingungen dramatisch verschlechtern würden. 2052 komme es demnach zu einem möglichen Kollaps, in einigen Regionen sogar schon eher – falls nicht entschieden gegengesteuert werde.
Doch wie soll das aussehen? Weniger Wirtschaft, mehr Glück, mehr Nachhaltigkeit? Das Ende des Wachstums-Fetisch? Immerhin steht auch zur Debatte, das wir an unsere Vorstellungen von ”Glück” auch andere Maßstäbe anlegen als die von der materiellen Versorgung. Beispielsweise, dass in einem neu zu definierenden Index auch Faktoren wie Zufriedenheit einberechnet werden sollten. Letztere steigt übrigens keineswegs parallel zu den Einkünften an. Im Gegenteil: Obwohl das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in der Vergangenheit in vielen Ländern stark angestiegen ist, blieb das durchschnittliche gemessene “Glücksniveau” gleich oder sank sogar. Die Menschen können sich viel mehr leisten, sind damit jedoch nicht spürbar zufriedener oder sogar glücklicher geworden.
Müssen wir also ewig weiter wachsen? Oder ist die Dauerkrise nicht auch eine gute Gelegenheit, sich einige sehr grundsätzliche Gedanken zu machen? Zum Beispiel darüber, dass man materiellen Wohlstand gar nicht unbedingt braucht, um zufrieden zu sein.
Begleitend zu unserem Tagesthema unsere Fotoaktion:
Was macht euer Leben perfekt und KOSTET NICHTS? Schickt uns euer Foto oder euer Video per App oder per E-Mail an postkarte@rundshow.de (Bitte Fotos und Videos immer im Querformat!) und wir verewigen euch in unserer Hall Of Joy! Die rundshow-App ist gratis downloadbar im App Store – als iOS-Version für das iPhone oder als Android-Version.
Unsere Gesprächspartner in der Sendung
Rudolf Wötzel: Der Ex-Investmentbanker bei Deutsche Bank und Lehman Brothers ist 2007 aus dem Bankengeschäft ausgestiegen und betreibt jetzt eine Berghütte in der Schweiz. Er hält Vorträge & Seminare zum Thema „Ausstieg, Umstieg, nachhaltige Lebensgestaltung“.
Fabian Schwan-Brandt: Schwan-Brandt ist Mitglied im Club Of Rome und Co-Autor der neuen sieben Wachstumsthesen des Club of Rome. Er kritisiert, wie Wachstum ausgelegt wird und fordert Wachstum in neuen Bereichen wie zum Beispiel Pflege.
Enoch zu Guttenberg: Zu Guttenberg ist Mitbegründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), aus dem er im Mai 2012 austrat. Der Grund: Er kritisiert, dass unberührte Landschaften durch Windräder und riesige Photovoltaikanlagen zu Industrieflächen verkommen. Zu Guttenberg plädiert stattdessen für mehr Energiesparen und fordert von der Politik und den Bürgern ein Umdenken zur Energiewende.
Tobias Thalhammer: Seit 2008 sitzt er für die FDP als Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Seiner Meinung nach ist Wachstum die Lebensader eines ganzes Landes. Ab 2% Wirtschaftswachstum herrscht Stagnation. Das Ziel muss es sein, so weit wie möglich über 2% Wachstum zu kommen – nur lässt sich die Krise bewältigen.
Manuel Suhre: Suhre betreibt das Blog reduziert-leben.de und vertritt die These, dass man nicht so viele Güter Dinge braucht, wie es von Medien suggeriert wird.
Prof. Stefan Sell: Sell lehrt Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften an der FH Koblenz und auf dem Campus Remagen. Er vertritt die These, dass man Wachstum auch aus sozialen Bereichen generieren kann. Zum Beispiel durch den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen, durch den Ausbau der Pflege, der in Zukunft immer evidenter wird.











Hallo Christian,
deinem Gedankenansatz stimme ich zu.
Wir Europäer müssen nicht stetig wachsen und wie du es bereits beschrieben hast, ist es unserer Wirtschaft nicht einmal möglich auf alle Ewigkeiten im gleichen Tempo zu gedeihen. Wenn die FDP, Bundeskanzlerin Frau Angela Merkel oder Wirtschaftsexperten jeglicher Sparte von Wachstum reden, dann reden sie stets von unserem Wachstum.
Es fragt sich aber keiner wie es mit dem Wachstum außerhalb unserer Sichtweite aussieht!
In kleineren Entwicklungsländern rund um den Globus, gar auf ganzen Kontinenten wie Afrika wächst seit Jahrzehnten nicht viel. Beispielsweise schreibt GIGA Focus, das deutsche Institut für Afrika-Studien in einem seiner Berichte:
“Afrika differenziert sich. Einige wenige Länder zeigen über die letzten Jahre eine sehr gute wirtschaftliche Leistungsbilanz. Die meisten Länder jedoch verbleiben in einem Gleichgewicht auf niedrigem Niveau und in der Armutsfalle. Viele Länder werden im internationalen Wettbewerb nicht mithalten können.”
Es mag vielleicht ein linker Gedankengang sein, doch kein unvernünftiger. Die ganze Welt muss wachsen. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch menschlich. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies die nächsten Jahre und Jahrzehnte nicht nur eine parteiideologische Aufgabe sein sollte.
Es sollte die Aufgabe aller sein. Für mehr Gerechtigkeit, Frieden und wirtschaftliche Stabilität auf unserem Planeten!
Liebste Grüße
CSU & Junge Unions-Mitglied
Mate Raspovic
Wenn von Wachstum gesprochen wird, ist doch meist Fortschritt gemeint. Vielleicht könnt Ihr den Unterschied herausarbeiten.
Wenn es um Wirtschaftswachstum geht (das meint wohl der Herr Rösler) würde mich interessieren, welche Veränderungen auf die Gesellschaft zu kämen, wenn dieses Dogma nicht mehr gilt. Ist es nicht zum Beispiel auch Basis für Gesellschaftlichen Wohlstand? Oder kann der auch anders erreicht werden?
In Bezug auf die endlichen Ressourcen (Bodenschätze, Ackerland, Wasser, Biodiversität) wäre statt wachsendem verbrauch eine höhere Effizienz notwendig. Was ist die Voraussetzung dafür? Oder anders: welche Anreize braucht eine (globale) Gesellschaft um Fortschritt zu ermöglichen bei geringerem Ressourcenverbrauch?
Da habt Ihr ja gleich die universelle alles total Frage gestellt.
Das Thema Wachstum muß differenziert werden:
z.B Bevölkerungswachstum=> mehr Leute, mehr Kalorien-(Energie)-Bedarf, mehr Kleidung, mehr Häuser
etc.
Daneben Wachstum: mehr privater Konsum, mehr wachstum in Forschung , Medizin oder Wachstum bei Waffen (totes Kapital) , Seifenblasenwachstum (Finanzblase,…)
WWie sieht es mit qualitativer Verbesserung aus? Bessere TV Geräte, sicherere Autos,….
Ich habe lieber weniger Dinge aber bessere.
Wie steht es mit der gemeinsamen Nutzung von Dingen ? Carsharing.
Oder brauche ich eine eigene CD Sammlung wenn ich alles immer überall aus dem Netz abspielen kann?
Viele Fragen – wenig Antworten . Wir müssen mal ernsthaft drüber reden
Ich finde Eure Frage falsch gestellt: Die Alternative schrumpfen oder wachsen ist mir zu platt, zu eng. Schrumpfen würde zu mehr Inflation, Arbeitslosigkeit, Unzufriedenheit, weniger Wohlstand und nicht zwingend Nachhaltigkeit führen. Was mir fehlt, ist die Alternative: Verlagerung/Verschiebung. So wie der Übergang von der Industrie- in die Dienstleistungsgesellschaft eine Verlagerung war, sollten wir jetzt auch zu einer Veränderung in Richtung nachhaltigem Wachstum zu einer nachhaltigen Gesellschaft – wie auch immer man die nennen mag – hinarbeiten. Just 2 ad my 5 Cents.
Grüß Euch!
Ich seh das Thema vom Einzelnen aus: Im Coaching habe ich immer wieder Menschen, die an diesem vermaledeiten “Stillstand ist Rückschritt” fast zugrunde gehen. Immer schneller, immer weiter und immer höher. 2 Jahre in einem Job…..dann hopphopp schnell der nächste – und zwar natürlich mindestens 2 Stufen rauf auf der Karriereleiter. Atemlos. Verhuscht. Ohne Achtsamkeit und meist ohne ausreichende Selbstfürsorge.
NEIN! Stillstand muss nicht Rückschritt bedeuten. Stillstand ist auch:
Anhalten. Innehalten. Zur Ruhe kommen. Ausatmen. Sich umsehen “Wo bin ich eigentlich gerade? Wie geht es mir? Was brauche ich?”
Ich rate dringend dazu, zwischendurch und regelmäßig diese Art von Stillstand zu leben, ja, zu zelebrieren! Auf den inneren einsamen Berg gehen und auf mein Leben schauen. Konsolidieren. Es dort gut finden, wo ich gerade bin – ohne gleich das nächste, höhere Ziel ins Auge zu fassen.
Ich würde mir sehr wünschen, dass auch diese Facette des Themas heute abend zur Sprache kommt. Sie ist so wichtig!!
Herzlichst, Bettina Stackelberg
Das immer fortschreitende Wachstum ist nicht realistisch, wenn man nicht gelegentlich einen “Reset” macht. Das sind in unserem System die Weltwirtschaftskrisen, die mal vorübergehend alles in Schutt und Asche legen und ungeheures Leid verursachen. Währungen blähen sich auf, die Profite der Unternehmer und – insbesondere – ihrer Eigner wachsen, bis das System zusammenbricht, meist begleitet von Kriegen.
Wenn derzeit die Global Player wie Monsanto versuchen, die Abhängigkeit von Farmern in armen Ländern von teurem Saatgut über Patente zu sichern, wenn die Behandlung von AIDS in armen Ländern daran scheitert, dass wir zwar von billigen Arbeitskräften dort profitieren, die Medikamente aber von Monopoplisten zum selben Preis verkauft werden, wie bei uns, wird ein Schwelbrand erzeugt und mit Abkommen wir ACTA warm gehalten, der in einer Weltwirtschaftskrise zum Flächenbrand wird.
Hallo,
ich halte diesen gesamten immer nur Wachstumsgedanken für geradezu gefährlich, da er dann sowohl die Unternehmen als auch die Mitarbeiter irgendwann in eine Überlastungsspirale treibt, die entweder zum Zusammenbruch oder zum “Beziehungsabbruch” führt. Wir müssen wegkommen von der gewollten Obsolesenz und wieder mehr zu einer Kultur des Teilens und Reparierens gelangen. Weder die Ressourcen, noch die Psyche der Mitarbeiter machen diese endlose Spirale unbegrenzt mit. Mal vom zu hinterfragenden Sinn ganz abgesehen..
Wenn Ihr nach Gästen für heute Abend recherchiert: Standardwerk von E.U.v. Weizsäcker nicht vergessen:
Faktor vier – Doppelter Wohlstand Halbierter Naturverbrauch
und
Faktor Fünf – Die Formel für nachhaltiges Wachstum
–> http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Ulrich_von_Weizs%C3%A4cker
–> http://de.wikipedia.org/wiki/Wuppertal_Institut_f%C3%BCr_Klima,_Umwelt,_Energie
Warum müssen so abgehalfterte CSU-Mitglieder, die nicht mal wissen was sparen bedeutet oder was Energie ist in so einer Sendung eingeladen werden?
Oh Gut Stand-by frisst soviel Energie wie 1 Atomkraft-Werk. Der Mensch weiss vermutlich gar nicht das das gerade mal 2 Concord-flugzeuge sind und das wir die Energie 100-fach als Abwärme in die Luft blasen. Diese Energie könnte man zum kühlen von Supermärkten nehmen oder zum heizen von alten Häusern, die nur mit viel Aufwand zu renovieren wären.
Dieser Mensch mit dem Namen non grata. Hat sich selbsrt auch unnötigerweise in Fahrzeugen bewegen lassen, die an einem Abend den Energiebedarf eines Hartz-4 Empfängers im Jahr verblasen haben.
Nur er zahlt sein Benzin nicht selbst!
Viele die Wachstum predigen
vergessen bzw. Übersehen das sparen und vermeiden
ein riesengroßes Wachstumspotential beinhalten.
Z.b.Obst und Gemüse zur rechten Jahreszeit, etwas weniger Bequemlichkeit.
Hallo,
ich habe schon viele Diskussionen zum Thema “Kritik am Wirtschaftswachstum” gehört. Ich bin ein Anhänger der Kritik am Wirtschaftswachstum wegen der Gefährdung der Umwelt und Endlichkeit der Ressourcen. Aber bzw. gerade deshalb stört mich an den meisten Diskussionen zu den Gefahren des Wirtschaftwachstums etwas sehr.
Immer wieder – auch gerade in eurer Sendung – wird darauf hingewiesen, dass die Politiker doch – trotz der ganzen Gefahren – immer Wirtschaftswachstum propagiert wird. Und dann wird auch (fast?) immer mit den Schultern gezuckt oder das Propagieren von Wachstum belächelt, weil es ja von den “blöden Politikern” kommt. Kann man nicht mal die Frage ansprechen, ob und wie man auch ohne Wirtschaftswachstum allen Bürgern ein wirklich auskömmliches Leben (Arbeitsplätze? – hier wäre ein Zurück zun einem gesunden Pensum für den einzelnen Arbeitnehmer denkbar – und eine menschenwürdige Pflege organisieren kann?
Zum Thema “Tempolimit”: Kann man nicht statt “Korrution durch Macht” ganz nüchtern sagen, dass die Mehrheit der Wähler das nicht will, das also wir Bürger hier schuld sind und nicht die Politiker?
Solange wir Zinsen und somit Zinseszinsen haben, muss es Wachstum geben. Die Schuld wächst mit dem Zins und kann nur durch Wachstum ausgeglichen werden. Ist euch das klar?
Das mit dem Wachstum ist ganz einfach: Rechnet doch mal nach was der Zinseszins über einen längeren Zeitraum bewirkt. Das gibt zwangsläufig eine exponentielle Entwicklung der Schulden. Ohne Wachstum kann das nicht funktionieren, sonst können die Schulden nicht bezahlt werden. Der Staat in dem wir leben hat aber Schulden und zwar ziemlich viel. Eigentlich ganz einfach. Wenn wir kein Wachstum wollt, müssten wir den Zins abschaffen. Wen euch das Thema interessiert, kommt einfach in die Bülowstrasse 27, München und fragt nach mir.