Langeweile

Ban Ki-Moon war in Gaza. Der UN Generalsekretär hat sich die Zerstörungen dort angeschaut. Gut. Und er hat dann gewichtige Worte gesprochen: “Der Zyklus von Aufbau-Zerstörung, Aufbau-Zerstörung muß durchbrochen werden!” – WOW! We’re impressed. Und berichten darüber. Langeweile pur.

Seien wir doch mal ehrlich: das ewige Gelabere der Politiker geht uns allen doch auf die Nerven. Besonders im Nahen Osten. Manchmal möchte ich einen Bericht für die Tagesschau oder die Tagesthemen machen und einfach mal O-Töne von vor 20, 30 Jahren reinschneiden. Es ist just more of the same. Palästinenser und Israelis sagen immerzu dasselbe, machen nahezu immer dasselbe (mit wenigen Ausnahmen). Es ist manchmal zum Aus-der-Haut-Fahren.

Ich erinnere mich an das Jahr 1993. Damals lebte und arbeitete ich in Jerusalem und war auf einer Demonstration für den Friedensprozess. Weiterlesen

 

Soll Inspektor Clouseau Iran überwachen?

PM Netanjahu auf dem Weg in sein Büro

In Wien wollen heute US-Außenminister Kerry und sein iranischer Kollege Zarif über den Konflikt um Uran-Anreicherung, Zentrifugen und Raketen beraten. Aber aus Jerusalem ruft einer: “So wird das nichts!” Wenn man sich nur auf neue Inspektionen einigt, wer soll die durchführen, Inspektor Clouseau, fragt Netanjahu im Interview im Sommer.

Den Gag haben wir ihm am Ende nehmen müssen, weil das Gespräch recht lang wurde. Was geblieben ist, ist nicht weniger eindeutig. Weiterlesen

 

Tel Aviv meets Istanbul

Von einem Krisengebiet ins nächste: Knapp eine Woche durfte ich die Kollegen in Istanbul unterstützen. Wieder ein Krieg, unter anderen Vorzeichen. Dienstag Nachmittag kam der Auftrag! Schnell habe ich gepackt. Dann ging´s Abends an den Bosporus. Erster Eindruck: Zum Hotel kam ich nur auf Umwegen, da demonstriert wurde. Dem Taxifahrer war´s zu gefährlich. Mittwoch in der Früh ging´s dann sofort los. Nonstop bis Samstag. In der Metropole war die Spannung deutlich zu spüren: Überall Polizei auf den Strassen, viele Sicherheitskräfte in Zivil. Auf dem Shuk begegnet uns ein Mann, der ständig “Gott ist gross. Er soll alle Ungläubigen töten,” schrie. Beklemmend auch die Bilder an der türkisch-syrischen Grenze: Dauerbeschuss, Kämpfe, IS-Kämpfer und untätige türkische Truppen. Und vor allem: Flüchtlinge. Dieser Konflikt wird uns in der ganzen Region noch lange beschäftigen, fürchte ich. Auch in Gaza soll es bereit IS-Zellen geben. Zurück zur Arbeit: Produzieren im Stundentakt, mit einem tollen Team: Das hat Spass gemacht. Und am Sonntag blieb auch etwas Zeit um Stadt anzuschauen. Früh zu Fuss los, dann Bosporus Schifffahrt. Aufällig: Viele Graffitis mit antiisraelischen Parolen. Auch das beklemmend, irgendwie. Israel und die Türkei hatten ja einmal eine strategische Allianz, vorbei die Zeiten. Präsident Erdogan ist ein Förderer der Hamas, seit dem Marama Zwischenfall 2010 ist das Verhältnis belastet (Damals griffen israelische Soldaten eine türkische Gaza-Flotille an, es gab Tote). Am Samstag Nachmittag gings ab in den Flieger. Und zurück nach Tel Aviv. In einem supervollen Flugzeug mit vielen türkischen Grossfamilien.

 

Verletzt in Gaza

In Kairo war Gaza-Geberkonferenz. Zusagen über 4,3 Milliarden Euro für den Wiederaufbau nach dem Krieg in diesem Sommer sind zusammenkommen.

In Gaza geht das Beiseiteschieben von Trümmern nur langsam voran. Das kann man auf den Straßen sehen. Was man nicht auf Anhieb sieht, sind die vielen Verletzten dieses Kriegs. Deshalb hier Passagen eines Gesprächs mit dem palästinensischen Arzt Ghassan Abu Sitta, das am 5. August in Gaza-Stadt entstanden ist, also noch vor Inkrafttreten der aktuellen Waffenruhe.

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Abu Sitta ist plastischer Chirurg und lebt in Beirut. Für knapp zwei Wochen hat er während des Gaza-Kriegs im Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt gearbeitet, im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation – wie schon in den beiden vorangegangenen Gaza-Kriegen. Erfahrung mit Kriegsverletzungen hat Abu Sitta, denn er behandelt in der libanesischen Hauptstadt immer wieder Verletzte aus dem Irak oder aus Syrien.

Zu dem Zeitpunkt Anfang August hat Ghassan jeden Tag fünf oder sechs Kriegsopfer operiert. Klar war für ihn: 80 Prozent von ihnen werden den Rest ihres Lebens mit Behinderungen leben müssen.     Weiterlesen

 

Zurück aus dem Urlaub

Zurück aus dem Urlaub, melde ich mich auch hier in dem trimedialen Blog bei Ihnen zurück. War das ein Urlaub? Hm… Irgendwie ließen mich die Bilder des Krieges nicht los, natürlich kamen nachts in den Träumen die schrecklichen Dinge, die wir gesehen und erlebt haben, zurück, natürlich war da auch die physische, die mentale Erschöpfung, nachdem wir seit der Entführung der drei israelischen Jugendlichen im Grunde jeden Tag 17, 18 Stunden gearbeitet haben.

Dennoch versuchte ich, mit wechselndem Erfolg, Distanz zu wahren. Mit dem Kopf mal wegkommen aus dem Nahen Osten. Möglichst wenig zu lesen (naja…), möglichst wenig anzuschauen (das gelang mir). Möglichst wenig zu twittern (phasenweise … immerhin!).

Das Schlimmste an  Twitter: die Reduzierung auf 140 Zeichen. Verkürzt, z.T. banal, z.T. simplifizierend werden da “Nachrichten” übermittelt. Informationen. Schlagworte. Weiterlesen

 

“Schaut mal wie billig” – Preisvergleich Berlin-Tel Aviv bringt Politiker auf die Palme

Ob Maariv oder Haaretz, ob Kanal 2 oder 10, alle berichten über den “Milky”-Protest. Dessen schärfste Waffe: Ein Kassenzettel aus einer Berliner Aldi-Filiale. Weiterlesen

 

Die grosse Freiheit: Umsonst Lesen!

 

Manal schreibt über den Gaza-Krieg

“Wie oft müssen wir sterben, um das Leben davon zu überzeugen, dass wir es wert sind, zu leben?”, fragt Manal Miqdad in einem der Gedichte, die sie im Gaza-Krieg diesen Sommer geschrieben hat. Die junge Palästinenserin kann ein wenig verständlicher machen,  wie die Menschen in Gaza diese 50 Tage Krieg überlebt haben.

 

Rad, Bruch und Yom Kippur.

Vorsicht! An Yom Kippur ist der Hörfunk gelegentlich mit der Kamera unterwegs. Wir hatten vor drei Jahren schon einmal berichtet, dass der höchste jüdische Feiertag in Tel Aviv auch der “Tag des Rades” ist. Leider hat das eigene Fahrrad noch in der Nacht aufgegeben, deshalb kam ein Mietrad zum Einsatz. Ergebnis: Es wackelt heuer noch mehr.

Und was Max Bruch angeht: Der Komponist hatte 1880 das traditionelle jüdische Gebet Kol Nidrei für ein Cello-Konzert verwendet; auf Bitte des Cellisten Robert Hausmann. Eine halbe Stunde hatte der israelische Klassiksender Kol Ha Musica diese Woche deshalb über Bruch berichtet. Da lag die Wahl für das Musikzitat in diesem Jahr nah.

 

Shimon Peres auf Jobsuche

Erst seit zwei Monaten ist Israels ehemaliger Staatspräsident Shimon Peres im Ruhestand. Doch der 91 jährige scheint rastlos und begibt sich nun wieder auf Arbeitssuche. Fiktiv natürlich, in einem Video produziert von seiner Enkelin. Dabei lässt er nichts unversucht und zeigt Sinn für Humor. Auf dem Arbeitsamt stellt sich heraus, daß Peres berufliche Qualifikationen nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen. Peres versucht sich als Tankwart, Pizzabote oder auch als Security. Der Videoclip ist gespickt mit Anspielungen auf die Geschichte Israels und seine eigene politische Vergangenheit. Dabei zitiert Peres sich mehrfach selbst.

Die Botschaft des Clips stellt sich allerdings erst zum Schluss heraus: Peres wirbt für Frieden. Er ist der Gründer des Peres Center for Peace, eine Organisation, die sich besonders auch für den Frieden zwischen Israel und den Palästinensern einsetzt.