Obama, Netanjahu, Krieg mit Iran – ein Blick hinter unsere Kulissen

Die 1-Million Dollar Frage: Wird Israel Iran angreifen? Und wenn ja, wann? Und wie machen wir dazu Nachrichten? Und was bedeutet das Meeting zwischen Obama und Netanjahu in Washington?

 

 

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  1. Danke Richard Schneider nach Tel Aviv. Ich teile Ihre Einschätzung zur aktuellen Situation in weiten Teilen – wie sie auch seit Wochen in den israelischen Medien diskutiert werden.

    Jeder in Israel weiß was Krieg bedeutet, von Anfang an zum Zeitpunkt der Staatsgründung bis zum heutigen Tag. Und niemand in Israel hat aus niedrigen Beweggründen ein Interesse eines bewaffneten Konflikts mit Teheran.

    Es geht um das Existenzrecht des Staates Israel und seiner Menschen. Es ist sicherlich kein Zufall, daß Saudi Arabien und die benachbarten Staaten des Iran in den vergangen Monaten und Wochen ergänzend von den Amerikanern “ausgestattet” wurden.

    In wieweit Iron Dome oder Patriot Systeme das von Ihnen beschriebene Szenario für Tel Aviv , Haifa oder Jerusalem verhindern oder begrenzen können, bleibt offen. Hat Netanyahu in Washington keine Zusage für “tiefenwirksame” Waffensysteme erhalten, läuft für ihn – aber auch für Teheran- die Zeit in der Tat davon und er muß – wenn alle diplomatischen Optionen wirkungslos verpufft sind – die Option eines Präventivschlags – mit entsprechenden Konsequenzen auch für Israel in Erwägung ziehen. Die logistische Problemstellung davor wären für die israelische Luftwaffe damit jedoch nicht gelöst.

    “Flexible response” war in Europa sicherlich ein wirksames Mittel um sich gegenseitig von Dummheiten abzuhalten. Ob dies zwischen den bedrohten Nachbarstaaten Irans und Israel ebenso sein wird, muß sich zeigen. Es wäre wünschenswert, wenn die arabischen Kanäle Richtung Teheran eine klare Sprache sprechen und die moderaten Stimmen im Iran an Einfluß gewinnen würden.

    Den Entscheidern in Teheran muß klar sein, daß für sie letztendlich die “Dimona” Option auch für den Iran und seine Bevölkerung verheerende Auswirkungen hätte.

    “Im Zweifel für Israel” -wie Wehner einmal sagte – gilt auch für Obama. Netanyahu hat die AIPAC Karte sicherlich nicht unbedacht gespielt und nachkommentiert. Aber – es geht nicht um billige Machtspielchen oder innenpolitische Profilierungssüchte von Netanyahu – sondern es geht um das Existenzrecht des Staates Israel kurz- oder mittelfristig.

    Ihnen allen in Tel Aviv eine ruhige und friedliche Zeit. Ich wünsche mir, daß wir in den Tagesthemen keine Bilder von einschlagenden Raketen in Israel oder sonstwo sehen müßen. Shalom und eine gute Zeit.

  2. Eine interessante Einlassung, auch wenn man als Nichtjurist kaum einen fundierten Einwand formulieren wird können. Der Vorzug solch klarer Standpunkte (ich wollte “extrem” nicht verwenden, da er nur polemisch oder polarisierend wirkt), wie sie in der Vergangenheit de Maistre, Burke oder Davila für andere Bereiche formulieren, ist die Erschütterung, die sie auslösen und erst einmal Tabula rasa machen. Ich will sagen: Man denkt nach solchen Bemerkungen anders, selbst wenn man auf seinem Standpunkt beharrt.

    • Ich kann den letzten Beitrag von Richard C. Schneider, das Interview mit dem deutschstämmigen Siedler und seine Einlassung über die Westbank nicht mehr finden. Lebe ich in einer Parallelwelt?

  3. Hallo Herr Schneider,
    ich verfolge seit Beginn Ihrer Videoblogs diese mit großem Interesse und wollte einfach mal sagen, dass ich die immer sehr interessant, informativ und ausgewogen finde. Man erfährt und sieht viel aus dem Alltagsleben, was hier sonst in den Medien nirgends Beachtung findet.
    Weiter so! Ich wünschen Ihnen und Allen um Sie herum alles Gute an einem Ort dieser Welt, der wie kein anderer weltweit Beachtung findet – wenn auch oft nur sehr einseitig – und der eine enorme “Sprengkraft” in sich birgt.

    Shalom und viele Grüße vom bayerischen Untermain,
    Siggi C.

  4. Interessant ist vor diesem Hintergrund das heutige Bild auf der Titelseite der FAZ, das Esther mit Ahashveros und Haman im Hintergrund – wohl aus einem Purimspiel – zeigt.
    Dass die Gespräche zwischen Netanjahu und Obama garade zu Purim stattfinden, kann durch die Aktualisierung der Geschichte für eine entsprechende emotionale Aufladung sorgen, die zumindest außerhalb des Judentums vermutlich oft nicht wahrgenommen wird.

  5. Mein Kommentar von heute ist an dieser Stelle natürlich falsch platziert, er bezog sich auf den Beitrag des heutigen Tages. Ich habe wohl den falschen Button gerückt.

  6. Wow. Herr Schneider, ich verfolge auch Ihren Blog zwischen Mittelmeer und Jordan schon recht lange. Aber ich muss ehrlich sagen, dass das hier der zweitbeste Beitrag vom Inhalt her ist (nach den Karten, den genauen Titel weiß ich leider nicht mehr) und vom Gesamteindruck und dem den technischen Aspekten der beste Beitrag ist, den ich in einem Blog gesehen habe.

    Also, danke und bitte machen Sie weiter so!

  7. Purim und der Iran -

    In der Aktualität des Nahen Ostens verwischt immer wieder das Bild aus handgreiflicher Politik und religiösem Hintergrund. Beide nähren und bedingen einander.

    Auf einem englischsprachigen zionistischen Blog mit Sitz in Jerusalem habe ich einen Artikel über genau die Parallele zwischen Purimfest und der Rettung des jüdischen Volkes durch Königin Esther gelesen sowie die anschliessende Diskussion mit ca. 100 Beiträgen. Es ging dabei um die Frage, welches der richtige Umgang mit der Bedrohung durch den Iran sei. Etwa 10 – 20 % sprachen sich für einen Präventivschlag gegen den Iran aus; alle anderen waren sich einig darin, dass Gebet, Umkehr und Sühne Gebot der Stunde seien. Von “Angst” sprach niemand. Von Gasmasken, Schutzanzügen und Bunkern sprach niemand. Der Kippa wurde gröBere Bedeutung beigemessen als der Gasmaske.

    Das zeigt, wie sehr “Angst” doch eine Illusion oder eine relative GröBe ist. Die Gefahr ist real, aber unsere Reaktion darauf hängt auch sehr von unserem sozio-kulturellen Hintergrund ab. Ich glaube daher nicht, dass Israelis ihre Angst vor dem Krieg einfach verdrängen. Leben mit der Todesangst ist Teil jüdischen Erbes (“narrative”) und der Umgang damit daher anders.

    Was löst das Bewusstsein des möglicherweise nahenden Todes im Menschen aus? Er wird sich seiner selbst bewusst, räumt in seinem Leben auf, tut, was er auf keinen Fall zu tun versäumen will. Ich denke, Juden/Israelis tun dies (mehr als andere) ihr Leben lang. Das Leben so zu begreifen wird von Generation zu Generation weitergegeben. Lebe jeden Tag, als sei es Dein letzter bzw könnte es Dein letzter sein…

    Und diese Wahrheit steht auch im Zentrum der Purimerzählung, denn Esther zögert, ihre Aufgabe zu erfüllen, um ihr Volk zu retten. Sie muss sich in Gefahr begeben. Aber dann wird ihr gesagt : « Wenn du zu dieser Zeit schweigen wirst, so wird eine Hilfe und Errettung von einem andern Ort her den Juden erstehen, du aber und deines Vaters Haus, ihr werdet umkommen. Und wer weiB, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gekommen bist?” – Und anschlieBend erwirkt Esther die Rettung ihres Volkes.

    Es heiBt auch, mit Purim habe es eine spirituelle Erneuerung des jüdischen Volkes gegeben.

  8. Noch ein paar andere Gedanken:

    Ich möchte zu einem Kalten-Kriegs-Szenario noch ergänzen, dass ein Kalter Krieg nur vor dem Hintergrund zumindest annähernd vergleichbarer Rationalität möglich ist. (Das klingt nun, als sei Kalter Krieg “wünschenswert”.) Solch eine Situation kann es mit dem Iran jedoch niemals geben, da das Land anderen Gesetzen und andere Ziele verfolgt.

    Shiiten/Sunniten. Auf Wikipedia findet man eine interessante Karte unter “Islam by country”. Es wird deutlich, dass einzig Irak und Iran eine shiitische Mehrheit haben. Es würde mich interessieren, worin der ideologische Konflikt zwischen Sunniten und Shiiten besteht. Wie kann eine Spannung noch gröBer sein als die zwischen Iran und Israel?
    Interessant ist auch, dass die gröBte jüdische Minderheit der Region auBerhalb Israels im Iran lebt! (zwischen 10 000 und 25 000 Gläubige), und es gibt wohl 25 Synagogen in Teheran, wobei die Beziehungen zwischen jüdischen und muslimischen Iranern wohl friedlich sind. Sie erkennen einander an, und die auch vom Islam geprägten Juden dort verstehen es so, dass es Teheran mehr um die Vernichtung des Zionismus als der Juden gehe (?). Paradox.

    Und dann müssten sich die sunnitischen Palästinenser doch angesichts einer potentiellen nuklearen Bedrohung durch den Iran ganz auf die Seite Israels schlagen, oder? – Kann man diese Zusammenhänge überhaupt irgendwie verstehen?

    • Also ich bin selbst Iranerin. Geboran als Shiitin und lebe nun sunnitisch. So wie der Iran in der Welt da gestellt wird, ist er gar nicht. Viele Iraner im Iran leben modern und akzeptieren jede Religion. Dort wird kein Unterschied gemacht ob man jetzt Muslim, Christ oder Jude ist. Mein Vater war selbst damals mit vielen Juden befreundet (als er noch im Iran war). Das einzige was viele als problematisch sehen ist nicht die existenz der Juden in Israel, sondern deren Aggression gegenüber jene Länder, die vllt nicht die Politik in Israel befürworten. Ich selbst hatte eine Freundin aus Palestina die mir grausame Erfahrungen erzählt hat und auch nichts gegen Juden hatte. Es ist einfach die Politik dort, die unter anderem meiner Meinung nach die Zivilisten aus Palestina als gefährlich und minderwertig darstellt. Und tut mir leid aber ich kann kein Angriff gegenüber Iran nachvollziehen. Der Iran hat vllt auch nicht ganz legitime Ansichten aber das ist hauptsächlich innenpolitisch und Israel muss lernen dass nicht alles mit Krieg zu lösen ist und sich auch mal auf Gespräche einlassen. Das hört sich jetzt krass an. Mir ist auch wichtig klarzustellen dass ich nichts von Antisemitismus halte und dass die Juden das gleiche Existenzrecht haben wie jeder andere. Dafür darf man aber keine andere Leben auslöschen.

      Btw. die Bekriegung zwischen Shiiten und Sunniten ist ebenfalls Schwachsinnig und zeigt die Unwissenheit der Menschen. Es gibt durchaus große unterschiede wie z.B. den Hass der Shiiten gg. dem Kalifen Omar. Allerdings gibt es auch hier keinen Grund für einen Krieg. Man soll selbst die Religion leben die man für richtig hält und nicht über das Leben anderer entscheiden.

      In diesem Sinne,

      Salamu aleykum

      Hania