Frieden per Facebook

Iran: Wir lieben Dich. Iran: Wir werden nicht angreifen. Ungewöhnte Töne auf den Strassen von Tel Aviv. Über Facebook und Youtube versuchen Jugendliche gegen das Säbelrasseln in der Region anzukämpfen. Entsteht hier eine neue Bewegung?

 

 

Kommentieren:

Kommentare werden vor der Freischaltung geprüft. Mehr in den Kommentarrichtlinien.
  1. es ist schoen und naiv zugleich.

    das problem mit solchen bewegungen auf der israelischen seite ist, dass es keine aehnlichen bewegungen oder demos auf der gegnseite existieren.

    es gibt unzaehlige organisation in israel, welche sich fuer palaestinenser einsaetzen. nehmen wir mal peace now. gibt es so was irgendwo in der arabischen welt? alle menschenrechts organisationen, welche es auf der arabischen seite gibt, sind damit beschaeftigt, das eigene volk zu bemitleiden. es gibt nicht mal eine, welche sich ernsthaft fuer frieden oder fuer rechte der israelischen zivilisten einsaetzt.

    ein profesor aus einer israelischen uni, hat mir mal erzaehlt, dass er einen jungen aegyptischen doctor in europa getroffen hat. er hat ihm vorgeschlagen, post-doc in israel bei ihm zu machen. der professor hat die ganze buerokratie auf sich genommen und so kam der junge mann tatsaechlich nach israel und kehrte als proffesor nach aegypten zurueck.

    waehrend seiner aufenthalt in israel hat er sich entschieden ein gegenstueck fuer peace now zu gruenden. er wollte noch 2 wissenschaftler finden um zu dritt diese bewegung zu bilden. und was glauben sie, wie viele bereit waren mitzumachen? keiner! er hat es nach mehreren jahren aufgegeben!

    er hat auch versucht eine aegyptisch-israelische wissenschaftliche konferenz zu organisieren. die aegypter waren nicht bereit gelder dafuer zu geben, aber israel hat sich bereit erklaert das alles zu finanzieren. daraufhin sagten die aegypter, dass sie nicht bereit sind nach israel zu kommen und es deswegen in aegypten statfinden soll. israel war aber nicht bereit fuer eine konferenz in ausland die ganzen kosten zu uebernehmen. und das war zu mubaraks zeiten!

    nach dem king david vertraegen von 78, hat israel die bevoelkerung zu einem frieden mit aegypten erzogen. es gab und gibt keinen feindbild-aegypter in der israelischen gesellschaft. auf der anderen seite gehoert aegypten mit seiner presse zu den groessten antisemitischen quellen des nahen ostens. damit meine ich filme, literatur und zeitungen.

    es ist zwar schoen, dass in isael fuer “frieden” demonstriert wird. viel schoener ist aber, dass es in israel keine demos fuer krieg gibt!!! in allen laender von marokko, ueber iran bis nach pakistan wird regelmaessig fuer vernichtung israels demonstriert!

    und jetzt stellt euch vor, eine israelische friendesdemo trifft irgendwo, sogar im benachbarten jordanien, auf arabische demonstranten um ihnen die hand zum fireden zu reichen. was glaubt ihr wohl, was da passieren wird….ganz genau.

    • @ ariel

      „es ist schoen und naiv zugleich.“ usw.

      Sie übersehen etwas, wenn Sie diesen Aktionismus mit europäischen Friedensdemos auf eine Stufe und das ganze dann arabischen Kriegsdemos gegenüberstellen.

      Hinter jeder dieser Aktionen steht ein Idealismus. Den teilen alle drei Bewegungen, auch wenn Motivation und Ziele grundverschieden sind:

      Dem israelischen Frieden per facebook liegt eine bestimmte israelische Denkart zugrunde, auch wenn es sich nicht vordergründig um eine „fromme“ Aktion handelt. Es gibt immer diese beiden Argumentationsebenen, wenn es um die Gefahr geht, die vom Iran ausgeht:

      1) Als starker Staat die Zähne zeigen und den Iran angreifen (bedarf keiner weiteren Erklärung).

      2) Individuell: umkehren, BuBe tun, etwas für wohltätige Zwecke tun.

      Der individuelle Ansatz ist Teil jüdischen Selbstverständnisses. In der jüdischen Geschichte gab es immer wieder Verfolgung, Gefahr von Vernichtung und Exil. Gott hat Sein Volk immer wieder gerettet, wofür jedoch die Rückkehr zu Gott notwendig war.

      Diese Rückkehr zu Gott meint mehr als dem christlichen Verständnis nach. Mit dieser Umkehr tut jeder einzelne etwas für sich selbst und erfüllt zugleich den gröBeren Auftrag, nämlich, die Welt zu „reparieren“. In der jüdischen Kabbala wird dieses Prinzip als „Tikkun“ bezeichnet. (Im Christentum wird es eher so gesehen, grob ausgedrückt, dass die Welt durch Jesu Opfertod bereits repariert wurde.)

      Darüber hinaus gibt es diese Idee, wonach alles vorherbestimmt sei, freie Wahl jedoch jederzeit gegeben, ein Paradoxon. Gott zeichnet den Lauf der Geschichte vor, und doch sind wir nicht bloBe Marionetten und können jederzeit durch unsere Entscheidungen, durch unser Handeln und unser Gebet Einfluss nehmen, Unheil abwenden oder vermehren.

      Diese Konzepte sind „im Volk“ mehr oder minder bewusst präsent, und meinem Eindruck nach liegen sie dieser Friedensaktion per facebook zugrunde. Das Ergebnis ist ein Idealismus, den ich weniger naiv als irrational und visionär finde. Es steckt darin ein freudiger Enthusiasmus, manchmal auch eine Traurigkeit (angesichts der Ohnmacht), jedoch keinerlei Aggressivität oder Schwere angesichts der Herkulesaufgabe, die getan werden „muss“. Dass sie getan werden muss, „weiB man“ einfach, unabhängig vom Ergebnis, das einzig Gnade Gottes ist. Der einzelne steht voll in der Verantwortung seiner Tat; das Ergebnis legt er in Gottes Hände.

      Durch diese facebook-Friedensaktion wurden Freundschaften geschlossen und Brücken geschlagen. Die ‚Veranstalter‘ sagen selbst, dass es immer wieder zu herzerweichenden, rührenden – virtuellen – Begegnungen kommt, obgleich ihnen bewusst ist, dass sie mit ihrer Aktion lediglich eine intellektuelle Minderheit erreichen können und nicht die breite Masse der Bevölkerung. Aber es ist ein Anfang. Ein Anfang, der etwas mehr „Licht in die Welt“ bringt und sie ein stückweit repariert, und darauf kommt es den israelischen Friedensaktivisten an. – Und wer vermag schon die (Un)möglichkeit eines Wunders zu ermessen?

      In diesem – weiteren – Sinne handeln die facebook-Aktivisten in göttlichem Auftrag.

      Das trifft so nur teilweise auf europäische Anti-Kriegs-Veranstaltungen zu. Es mögen auch Kirchgänger dabei sein, aber in erster Linie geht es um das persönliche Eintreten für den Frieden, ob da einer an Gott glaubt oder nicht. Es werden Sprüche skandiert und Banner getragen, weil man keinen Krieg, keine Auseinandersetzung mit Waffen, Leid und Zerstörung will. Der Mensch steht selbst im Zentrum seines Tuns. Er handelt rational und aufgeklärt, nicht „naiv“. Er kalkuliert seine Chancen auf Erfolg. Die Atomkraftgegner beispielsweise, die sich an Schienen ketten, tun so, damit atomarer Restmüll nicht im Zwischenlager ankommen kann. Handeln sie in „göttlichem“ Auftrag? Sie handeln so, weil sie selbst es so richtig finden. Es gibt keinen göttlichen Auftrag, Atomkraft zu stoppen (womit ich nicht meine, dass wir damit weitermachen sollten, da wir erkannt haben, wie problematisch sie ist!). Kurz: Der aufgeklärte, rational denkende Mensch steht im Zentrum seines Handelns, das er gezielt und erfolgsorientiert einsetzt.

      Dschihadisten wiederum handeln in (zweifelhaftem) „göttlichem“ Auftrag, jedoch nicht mit dem Ziel zu reparieren,… -

      Und die von Ihnen erwähnte imaginäre Handreichung zwischen den einen und den anderen, naja, ist wohl eher Filmmaterial.

      • liebe lily,

        sie haben sich die muehe gemacht mir so viel zu schreiben, daher habe ich es gelesen. ich will ueberhaupt nicht in die richtung (hier im forum) gehen, wohin sie die diskussion entfuehren wollen.

        “Begegnungen kommt, obgleich ihnen bewusst ist, dass sie mit ihrer Aktion lediglich eine intellektuelle Minderheit erreichen können und nicht die breite Masse der Bevölkerung.”

        wollen sie damit sagen, dass nur die intellektuellen frieden wollen oder dass nur die israelsichen intellektuellen so naiv sind?

        “In diesem – weiteren – Sinne handeln die facebook-Aktivisten in göttlichem Auftrag. ”

        falsch, falsch und noch mal falsch. ich bin ueberhaupt nicht bereit diese menschen unter diesem winkel zu sehen. die intellektuellen welche sie meinen, haben sich zum groesstem teil von gott losgeloest. und was wenn iran tatsaechlich israel atomar angreifen will? waere es dann auch ein goettlicher auftrag laechelnd und mit bunten schildern den bobmen entgegenzujubeln.

        sie haben leider die kernaussage meines beitrags komplett verpasst.

        • ariel,

          danke fürs Lesen. Das viele Schreiben müht mich [leider] nicht. Ich hatte wohl etwas überstürzt Ihren post als Aufhänger für meine Worte benutzt. I’m sorry, denn…

          “wohin sie die diskussion entfuehren wollen.”

          … ich “will” die Diskussion nirgends hin “entführen”.

          Mit der intellektuellen Minderheit – hatte ich natürlich diese Minderheit IM IRAN gemeint, die einzig die Möglichkeit hat, staatliche Internetkontrolle zu umgehen. In Israel geht diese Initiative von einer intellektuellen Minderheit aus (nicht wahr?), was weder wertend ist noch etwas über die Hoffnung auf Frieden in der Restbevölkerung aussagt.

          Und schlieBlich haben Sie das mit dem göttlichen Auftrag IM WEITEREN SINNE aus dem Kontext gerissen. Ich kann nicht beurteilen, inwieweit diese jungen Leute Atheisten sind oder ob das ihr Selbstverständnis ist. Gibt es da Studien? Ich sprach von dem, was sie mehrheitlich mit der Muttermilch aufgenommen haben (nun bitte kein Gegenkommentar zur Beschaffenheit von Muttermilch, danke.).

          “waere es dann auch ein goettlicher auftrag laechelnd und mit bunten schildern den bobmen entgegenzujubeln.”

          SEUFZ. Das wäre dann wirklich genauso naiv wie meine Hausführungen von Kauf- und Einbruchsinteressierten zugleich! Naivität sieht die Gefahr nicht. Diese Freunde sind sich der groBen Gefahr jedoch voll bewusst und werden nicht mit We-love-Iran-T-Shirts Flugblätter beim Freitagspicknick irgendwelcher Dschihadgruppen verteilen (also zumindest sicher nicht mehr als einmal…).

          Ich will in Zukunft besser aufpassen, wo ich was hinkommentiere.

  2. Der Bewegung und denen, die antworten, meine besten Wünsche!

  3. Be nam-e-choda!

    Gott ist groß! Baruh ha-shem!

    Nur leider ist der Herr Rosch ziemlich naiv! Eine winzige Initiative von Privatpersonen wird weder Netanyahu und seine Knechte noch Ahmedinedschad und die seinen beeinflussen. Wow, tausende von Iranern… von 80 Millionen… Und der Herr Rosch wittert die nächste große grundlegende gesellschaftsumwälzende Revolution in Israel… Natürlich kann man eine Versammlung “von mehreren” hunderten jungen Leuten in Tel Aviv großreden (weil man sonst nicht viel zu sagen hätte), aber erstens gehören diese sicher nicht zum Wählerkreis derjenigen, die Netanyahu und den seinen ihre politische Legitimation geben/ gegeben haben, noch interessiert sich die israelische Regierung für die Meinungskundgebungen von jungen linken Israelis in Tel Aviv. Zumindest den großen israelischen Zeitschriften war dieser “Revolutionskeim” kein Wort wert.

    P.S. Ariel: Du bist leider nicht gut informiert. Zumindest auf der iranischen Seite gibt es eine entsprechende (und ebenso einflußlose) Gegenbewegung. Einfach in Youtube danach suchen.

    • ali, ich habe es nicht verpasst. ich weiss, dass die iraner den israelischen kuenstler geantwortet haben.

      der unterschied, wie ich schon betonte besteht darin. dass in israel menschen frei protestieren koennen. keiner hat angst, sympatien fuer das iranische volk zu loesen. auch die rechtesten aller rechten in israel wuerde nicht auf die idee kommen, diesen menschen etwas anzutun. und zweitens, es gibt keine demos bei denen fuer einen krieg gegen iran demonstriert wird.

      in iran dagegen, wird jeder der in irgendeiner weise symathie fuer israel aeusert, als spion angeklagt. das ist keine uebertreibung sondern bittere wirklichkeit. und es gibt regelmaessig demos, bei denen fuer vernichtung israels aufgerufen wird.

  4. @ Markus Rosch

    Das ist ein schöner Film. Ist das wieder der berühmte, frisch verlegte Grünstreifen, auf dem letztes Jahr gezeltet wurde? :-)

  5. Zum Thema “Naivität”:
    Ich glaube, dass alle großen Veränderungen innerhalb einer Gesellschaft, wenn nicht einfach repressiv durchgesetzt, “naiv” begonnen haben. Nicht jeder dieser “naiven” Anfänge kann sich behaupten – andere schon. Beispiele dafür gibt es in der Geschichte genung – nicht nur in Deutschland. Wem dient diese Etikettierung “naiv”?