Collateral Damage

Collateral Damage, auf Deutsch: Kollateralschaden oder “Nebenschaden” – diesen Begriff hörte ich das erste Mal, als die NATO 1999 im Kosovo-Krieg aus Versehen eine Gruppe von Flüchtlingen, also Zivilisten beschoß. Und ich sah, was das bedeutete: Im zerschossenen Bus konnte man z.B. noch den Busfahrer “erkennen”: den Unterleib mit den Füßen am Gaspedal, völlig verkohlt, der Rest war weg. – Sie ekeln sich? Sie finden meine Beschreibung widerlich? Wir Journalisten haben das gesehen. Und noch mehr, was ich Ihnen jetzt gar nicht einmal beschreiben möchte. Damals sprachen die Generäle der NATO von “Collateral Damage”, sie dachten, sie hätten auf irgendwelche serbischen Truppen geschossen, aber nein, es waren Zivilisten. Es war übrigens der Krieg, an dem zum ersten Mal seit 1945 auch deutsche Soldaten wieder aktiv beteiligt waren…

Die Generäle, die europäisch/amerikanischen Generäle sprachen nicht von Toten, von unschuldig Getöteten, sie sprachen von “Nebenschaden”. So zynisch ist die Sprache des Krieges. Immer, überall.

Gestern also gab es auch den ersten “größeren” Fall von Collateral Damage: Israel bombardierte ein Haus, das angeblich einem Hamasführer gehörte, doch man zielte auf das falsche Haus und tötete eine Familie, Frauen, Kinder… Es sind diese Momente, die Israel allmählich in den Strudel der Verurteilung durch die ganze Welt hineinziehen. Und es sind diese Situationen, die in jedem Krieg natürlich unerträglich sind, ganz egal wer die Opfer sind, auf welcher Seite die Opfer sind.

Mit jeder Bombe, die Israel jetzt abwirft, wird die Wahrscheinlichkeit des “Kollateralschadens” größer, mit einem Einmarsch der Bodentruppen erst recht. Und was das bedeutet, haben wir in jeder Hinsicht im Gaza-Krieg 2008/9 gesehen. Diesmal dürfte es noch schlimmer kommen, wenn Israel einmarschieren sollte. Denn wir alle gehen davon aus, daß die Hamas und all die anderen Jihadisten aus ihren “Fehlern” damals “gelernt” haben und den Israelis die Hölle auf Erden zur “Begrüßung” bereiten werden. Und das bedeutet: Die Bevölkerung wird leiden, brutalst leiden.

Der Aufschrei der Welt angesichts der Bilder, die auch wir dann, aber auch schon jetzt liefern und liefern müssen, weil dies unsere journalistische Verpflichtung ist, ist garantiert. Und verständlich. Und Israel sollte auf keinen Fall einmarschieren. Es würde selbst militärisch m.E. nichts gewinnen. Denn die Armee würde sich irgendwann zurückziehen, die Wiederaufrüstung der Jihadisten würde sofort wieder beginnen… ein nie enden wollender Kreislauf, die nächste Runde der Gewalt ist vorprogrammiert…

Nur, was ich nicht verstehe: Warum ist der Aufschrei der Welt soviel leiser, wenn er denn existiert, wenn Tag für Tag für Tag Raketen auf Zivilisten in Israel abgefeuert werden und das nicht erst seit gestern, warum ist der Aufschrei nicht groß, daß Organisationen wie Hamas, Islamischer Jihad, Hizbollah im Libanon usw. zivile Wohngegenden wählen, um von dort aus ihre Raketen auf den Feind abzufeuern und damit “Kollateralschaden” zu provozieren, denn sie w o l l e n ja, daß es zivile Opfer gibt, damit diese Bilder um die Welt gehen und die Welt dann aufschreit. Das ist nicht nur im Nahen Osten so, sondern überall. Mag das auch daran liegen, daß wir TV-Journalisten diese Bilder des täglichen “Terrors” für die Zivilisten auf der israelischen Seite nicht in den Abendnachrichten bringen? Denn die Tagesschau z.B. – so wie alle anderen Nachrichtensendungen aller anderen Sender ja auch – sie sind nur 15 min. lang und da sind wir verpflichtet zu gewichten. Und zugegeben: Raketen aus Gaza, die nicht gleich 10, 20 oder 50 Tote verursachen, sind nicht “nachrichtenswert”, wenn der Rest der Welt brennt, wenn z.B. der syrische Präsident sein eigenes Volk abschlachtet. Also berichten wir darüber kaum, höchstens sporadisch. Aber die Menschen im Süden Israels leben mit dieser Angst täglich. Seit Jahren. Wie kann ich das als Journalist, als TV-Journalist zumal vermitteln? Ich weiß es nicht. Ich bin manchmal ratlos.

Und diese Form des Krieges, die man heute “asymetrischer Krieg” nennt, ist militärisch und ethisch-moralisch für eine reguläre Armee eines Staates immer problematischer als für Milizen oder Terrororganisationen, die ihn führen. Und das Internationale Recht? Das den Militärs dann mit Prozessen droht wg. Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Das genau sagt, wie man, wann man, wo man schießen darf und wo nicht? Das zwischen “Kombattanten” und Zivilisten unterscheidet und juristisch klare Linien zu ziehen versucht, was ein Militär im Kriegsfall “darf” und was nicht? Dieses Internationale Recht wurde für Kriege  geschrieben, die noch “normal” waren: Zwei Staaten kämpfen gegeneinander, zwei reguläre Armeen, die man erkennen kann, weil sie Uniformen tragen, stehen gegeneinander.

Doch heute ist alles anders in einem asymetrischen Krieg, wie ihn z.B. auch deutsche Truppen in Afghanistan führen.

Müßte das Kriegsrecht nicht neu geschrieben werden? Was darf ein Staat? Darf ein Staat, dessen Bürger beschossen werden und die er zu beschützen hat, darf ein Staat auf Raketensilos oder Abschußrampen schießen, die mitten in Wohngebieten sind? Und der Staat, die Armee, die auch noch so sehr versucht “pinpointed” zu zielen, also möglichst genau, mit Präzisionsmunition, um eben “Kollateralschäden” zu vermeiden, der Staat, die Armee wissen, daß es keinen 100% Schutz für die Zivilisten auf der anderen Seite gibt – daß also Kinder und Frauen und Alte  und und und getroffen und verwundet und getötet werden – darf ein Staat dann trotzdem schießen? Bombardieren? Um seine Bevölkerung zu schützen? Oder darf er das nicht?

Es ist die Frage des 21. Jahrhunderts. Es ist die Frage, die nach 9/11 noch virulenter geworden ist als zuvor. Es ist die Frage, die nicht nur Israel betrifft, sondern alle Staaten, die in den Krieg ziehen. Totalitäre Staaten wie China, Rußland etc. – denen ist das egal, sie machen, was sie wollen. Und der Aufschrei der westlichen Welt ist nur Lippenbekenntnis, denn man kann gegen diese Staaten ja nichts tun. Sie sind zu stark, zu mächtig und man will sich ja auch die Märkte nicht kaputt machen. Also protestiert man. Und weiß, daß es zumeist fruchtlos bleibt. Empört sich – kurz. Sagt das, was “pc” ist – und macht doch irgendwie weiter.

Aber wenn ein Staat sehr klein ist, dann ist der Protest viel lauter und empörter. Wird da mit zweierlei Maß gemessen? Und wie darf sich nun ein Staat schützen? Diplomatie, politische Lösungen sind zu bevorzugen, das ist eine Binse. Eine politische Lösung für den Nahostkonflikt wäre die Lösung, wenn man den Konflikt denn wirklich lösen könnte. Und es ist ebenso eine Binse, daß immer beide Seiten Teil des Konflikts sind und nicht immer nur die eine oder die andere Seite schuld. Es ist müßig darüber zu sinnieren, was Israel oder die arabischen Staaten in der Vergangenheit falsch gemacht haben, wer Schuld ist 1948 und 1967 und 1987 und 2000 und 2008 und heute. Wer Schuld ist – das ist die falsche Frage in einem Konflikt, den man l ö s e n will und nicht nur moralisch aburteilen. Die Frage ist: Wie findet man den Weg zueinander? Und solange man ihn nicht findet, warum auch immer, solange es daher immer wieder zu Gewalt kommt, solange muß man sich auch fragen – vor allem als Zaungast, als Beobachter: Wie würde mein Land, wie würde ich in solch einer Situation reagieren? Was würde ich tun, wenn ich Palästinenser wäre? Was würde ich tun, wenn ich Israeli wäre?

Und schon merkt man: es gibt keine einfachen Antworten. Es gibt sie einfach nicht!

 

 

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  1. Boker tov Schalom Herr Schneider, es gäbe durchaus Lösungen.
    1.) nach UNO-Resolution waren zwei Staaten im Mandatsgebiet geplant. Die “Palästinenser”/Araber, sowie die Anreinerstaaten, Syrien,Jordanien, Ägypten, etc. haben einen Angriffskrieg gegen den einen Tag alten Staat Israel geführt und diesen und alle anderen Kriege VERLOREN.

    DAMIT ist das Recht auf einen eigenen Staat VERWIRKT worden.

    Daraus resultiert der Gazastreifen wird Ägypten zugeordnet. Sämtliche (seit 1949!)
    existierende Flüchtlingslager werden aufgelöst und den dazugehörenden Ländern völkerrechtlich zugeordnet. ( Syrien, Jordanien, Libanon etc. )

    Nur waren 1948 die Wege des Öls und des Geldes schon “unergründlich”.

    Das ist bis HEUTE so geblieben. Abschließend sei nur EINES angemerkt. Stellen Sie sich bitte vor WIR Deutschen würden nahezu TÄGLICH Raketen auf die ehemaligen deutschen Ostgebiete abfeueren und nach 67 Jahren immer noch und immer wieder diese Gebiete zurückfordern.. Was würde hier in Europa wohl passiert sein bzw. passieren ??!!
    Die Zweistaaten-Lösung bleibt der Stachel im Fleisch der gesamten Region, aber diese Lösung ist eine Utopie und wird auch nie realisiert werden können. Wäre die westliche Welt nicht so ABHÄNGIG vom ERDÖL der Region, würde es den Konflikt seit spätestens 1967 bzw. dem Yom Kippur Krieg nicht mehr geben.

    Nur welche westliche oder welcher Politiker hätte überhaupt den Mut und das Rückrat eine solche Lösung überhaupt anzusprechen ?!

    Mit freundlichem Gruß aus dem Bergischen Land

    Jürgen Grün

    • Ich kann ihnen nur raten, sich mal wirklich über die geschehnissen 1947/48 zu informieren und nicht einfach israelische Propaganda zu glauben. Bevor nur 1 Arabischer Soldat im Mai 1948 in den Krieg eingestiegen ist haben israelische Terroristen hunderte Palästinenser ermordet, tausende vertrieben und mehrere Dörfer dem Erdboden gleich gemacht. Suchen sie mal nach Deir Yassin. Die Israelis haben den Krieg begonnen!

      • Das ist einfach nur lächerlich so eine dumme Antwort zu lesen. Deir Yassin war ein grausames unnötiges Verbrechen und die Verantwortlichen hätte man standrechtlich erschießen müssen. Aber im geschichtlichen Kontext muss man einfach beachten, dass zuvor arabische Terroristen die Versorgung von Jerusalem mit Lebensmitteln verhinderten. Sie machten die Strassen dorthin fast unpassierbar.
        Auch muss man Bedenken, dass das Zusammenleben zwischen Arabern und Juden (fast) unproblematisch war, bis der Großmuffti von Jerusalem seine Landsleute aufhetzte. Also “Free”, ich glaube, sie sollten sich mit den wirklichen Geschehnissen beschäftigen und uns hier mit arabischer Propaganda fernbleiben.

        • @meine meinung

          schonen sie die muehe. free versucht schon die ganze zeit die geschichte umzuschreiben.

        • Und warum hat der Großmufti seine Leute aufgehetzt? Weil die Zionisten keinen Hehl daraus machten, dass sie ganz Palästina als Staat haben wollten und die Palästinenser, die sie Barbaren nannten, vertreiben wollten. Darf man sich gegen solche Rassisten nicht verteidigen? Natürlich war der wahlose Mord an Juden ein unmenschliches Verbrechen, dass ich in keiner Weise legitmieren will. Aber Fakt ist, dass es nie einen Nahostkonflikt wie Heute geben würde wenn man den rassistischen politischen Zionismus von Anfang an daran gehindert hätte seine rassistische Vision von einem Judenstaat und der Vertreibung der Einheimischen in die Tat umzusetzen.

          • Da bringen Sie ein sehr gutes Beispiel für die verlogene arabische Propaganda, und dafür, dass die Propagandisten sie am Schluss selbst glauben. Wie schon Peter Scholl-Latour das festgestellt hat.

          • Haben sie auch mal irgendwas mit Relevanz zu sagen? Was wollen sie mit Peter-Scholl-Latur? Wissen sie das seine Mutter Zionistin was? Ich habe ein Buch von ihr gelesen. Aber wahrscheinlich kennen sie das auch.

      • Ich sage hier glasklar: keine Palästinenser keine Probleme.
        Wenn wir uns hier in Deutschland nach dem verlorenen 2. Weltkrieg geweigert
        hätten 17 Millionnen Flüchtlinge aufzunehmen, hätten uns die Alliierten garantiert was erzählt. Hätte es Öl in den Ostgebieten gegeben wäre da vielleicht was zu machen gewesen. Aber Gott sei Dank ist ja bald Schluß mit Öl und dann müssen die westlichen Regierungen nicht mehr in die Allerwertesten der arabischen Welt kriechen !!! Es lebe die Brennstoffzelle.
        Es wird definitiv keinen Paästinenserstaat geben nicht in diesem und auch nicht im
        nächsten Jahrtausend. Eigentlich muss man nur darauf warten oder es beschleunigen das sich Hamas, Hisbollah und Fatah gegenseitig umbringen und dann ist endlich RUHE !!!

      • Da Sie mir ja etwas “geraten” haben, erlaube ich mir Ihnen und evtl. der arabischen Jugend ebenfalls einen Rat zu geben:

        1.) Eine politische ” Führung” die es in über 60 JAHREN nicht geschafft hat
        etwas zu verändern ist schlecht und verfolgt letztlich nur ihre EIGENEN
        Interessen.
        2.) Fragt Euch doch mal wer denn am meisten von der Situation profitiert?
        Wer hat das meiste Geld in Gaza ?
        Wer hat die größten Villen ?
        Wer fährt die dicksten Autos ?
        Wer verdient am Tunnelbau ?
        Und zu guter Letzt WEM nützt was am MEISTEN ?
        Wer hat den größten Nutzen an einer “ungebildeten Bevölkerung” ?

        Würde speziell die “palästinesiche Jugend das begreifen und eine ZUKUNFT für
        sich einfordern, das wäre ein echter Anfang!
        Das würde dann aber wohl Bürgerkrieg im Gazastreifen bedeuten, denn die, die
        das NICHTS-TUN gewöhnt sind, werden natürlich versuchen ihre Pfründe zu behalten.
        Deshalb liebe Gaza-Jugend Ihr solltet nicht danach trachten die Israelis ins Meer zu werfen, IHR solltet Hamas Hisbollah und Konsorten schleunigst ins Meer werfen. Wieviele verlorene Generationen soll es denn noch geben ?

        Ich bin der felsenfesten Überzeugung wenn die Ausbeuter des “palästinensischen Volkes” entmachtet sind, und das sind Hamas Hisbollah und Co. dann hat die jüngere Generation in Gaza eine echte Chance auf eine Lebensperspektive !

        Entmachtet eure eigenen Tyrannen und IHR habt eine Chance!
        Ihr sterbt so sinnlos für die kranken Ideen einiger ewig Gestriger!
        Ohne eure Tyrannen könntet ihr Geld aus der EU, den USA letztlich aus der ganzen Welt bekommen um an einer Lebensperspektive zu bauen und nicht an Bunkern und Tunneln.
        BEFREIT EUCH VON DIESER FÜHRUNG ! (die letztlich keine ist !!! )

  2. Hmm, also ‘Collateral Damage’ ist hier eigentlich zu kurz gegriffen – viel eher sollte man die zivilen Opfer in Gaza als ‘Intentional Collateral Damage’ bezeichnen, weil die Hamas es ja ausdruecklich will, dass auf ihrer Seite Menschen bei diesen Angriffen sterben, weil sie laengst gecheckt haben, dass ein toter Palaestinenser viel mehr wert ist als ein lebender und sich damit wunderbarste anti-Israel Hetzpropaganda betreiben laesst und sofort linke als auch rechte Israel- und Judenhasser – nicht wenige davon europaeische Journalisten und Politiker – anfangen zu klaeffen wie ein Rudel Pavlov’scher Hunde.

    Was die Frage “wie findet man den Weg zueinander?” angeht – ein Zueinander zwischen Juden und Arabern in ‘Palaestina’ kann es nicht geben, solange der Islam, die Inhalte des Korans und der Hadithen, die politische Antriebsfeder der Araber ist und dieser Ideologie ihre anti-juedischen Giftzaehne nicht gezogen werden.

    Ich denke aber nicht, Herr Schneider, dass es auch nur einen dt. Journalisten gibt, der den Mut hat, diese Wahrheit anzudeuten geschweige denn auszusprechen. Eher faehrt alle ihr Berichterstatter heute noch nach Gaza und laesst euch von der Hamas als menschliche Schutzschilde benutzen. Das waere (beruflich) weniger selbstmoerderisch.

    • Veritas, danke dass du deine Stimme erhebst. Du sprichst die Wahrheit.

    • … Sie haben leider vergessen zu erwähnen, dass es auf israelischer Seite ähnliche idiologische Widrigkeiten zu überwinden gilt..

    • “solange der Islam, die Inhalte des Korans und der Hadithen, die politische Antriebsfeder der Araber ist und dieser Ideologie ihre anti-juedischen Giftzaehne nicht gezogen werden.” VORSICHT VOR IHREN GIFTZÄHNEN! Es gibt auch christliche Araber und jüdische Europäer, und muslimische Israelis usw. … Scheren sie bitte nicht pauschal alle über einen Kamm.

    • schön, wie sich unsere islamophobiker mit ihrer wortwahl immer wieder selbst entlarven. weiter so.

  3. nur ein weiteres bsp:

    waehrend der operation gegossenes blei gab es noch einen “vergessenen” krieg. sri lanka hat die tamilen region endlich eingenommen. fast 30 000 toten innerhalb eines monats. gefilmte massenerschiessungen, vertreibung von zivilisten usw.

    hat es jemanden interessiert? ja! die un vollversammlung hat sri lanka gratuliert die tamilische terrorganisatoin besiergt zu haben.

    sri lanka ist klein und unbedeutend und trotzdem wollte kaum jemand eingreifen. wieso ist die welt dann so von dem judenstaat besessen?

    • Weil der zweite Weltkrieg und damit auch der Holocaust ein zentrales Thema im Geschichtsunterricht in Europa und den damals beteiligten Staaten ist. Dieses Thema wird dann auch in der Außenpolitik mal mehr, mal weniger häufig rwähnt und manchmal auch gerne mal ausgenutzt.

      Durch all diese Gründe bleibt das Thema present und der Nahe Osten interessant.

      Das hääten Sie aber eigentlich wissen müssen…

  4. Toller Artikel.
    Und ja, es ist verwunderlich, dass die Verantwortung dieser Gewaltspirale immer eher Israel angelastet wird. Jeder Staat hat das Recht auf Selbstverteidigung. Natürlich im Rahmen der Verhältnismäßigkeit. Aber naiv gefragt: Sollte die Hamas, wenn sie sich wirklich für den Aufbau eines palästinensischen Staates und den Schutz “ihrer eigenen Bevölkerung” einsetzt, nicht ein größeres Interesse an der Beendigung dieses Konfliktes haben? Sollte der “Schwächere” nicht umso mehr mit Weisheit und Rationalität agieren. Israel kann diesen Konflikt vielleicht nicht nachhaltig und vollständig gewinnen. Aber die Menschen in Gaza verlieren mit der Austragung des Konflikts auf ihrem Territorium, bspw. durch eine Bodenoffensive, doch viel mehr. Warum fällt es der Hamas also so schwer den Beschuss israelischen Gebiets einzustellen, um einen Waffenstillstand einzuleiten. Und wenn Hamas diese Weisheit nicht besitzt, hat Israel dann nicht umso mehr das Recht, den Kampf um eine Bodenoffensive auszuweiten? Worum geht es hier seitens der Hamas? Falsch verstandener Stolz oder Rache? Um den Schutz der Menschen in Gaza scheint es der Hamas ja nicht wirklich zu gehen, oder? Viele viele Fragen…
    In jedem Fall: Tolle Arbeit die ihr vor Ort leistet!

  5. Sehr geehrter Herr Schneider,

    was mich an Ihrer Arbeit mit größtem Respekt erfüllt: Ihre Neutralität.

    Als jemand, der oft in Israel war und ein halbes Jahr in Jerusalem studiert hat (die schönste Zeit meines Studiums), weiß ich, wie sehr die Situation dort polarisiert. Die Studenten, die wie ich in West-Jerusalem lebten und studierten, sahen die Situation völlig anders als die, die in Bethlehem lebten. Ich habe eigentlich niemanden getroffen in der Zeit, der sich diesem “Polarisierungssog” entziehen konnte.

    Gerne verfolge ich weiter Ihre engagierten Beiträge. Kol tuv v’shalom.

  6. Danke Richard, für deine persönliche und sehr ausgewogene Darstellung der Zusammenhänge. Priceless!

  7. Guten Tag

    Könnte es nicht auch daran liegen, dass die Welt eben genau sieht, was Sie beschrieben haben? Dass die Hamas und andere eben mit voller Absicht ihre Raketenstellungen in Wohngebiete legen und die Raketen eben auch mit voller Absicht in israelische Wohngebiete lenken?
    Israelische Offizielle sagen ja zumindest, sie würden alles tun, um zivile Opfer, Kollateralschäden, zu vermeiden, während die Hamas nicht mal so tut. Kann es nicht sein, dass eigentlich alle Kriegsführer auf der ganzen Welt davon träumen, genau so, ohne Rücksicht auf Verluste, Krieg zu führen? Und dass man deswegen nicht so viel gegen die Hamas sagt? Weil man sie eigentlich für ihre “Konsequenz” bewundert?
    Kann es nicht sein, dass mancher NATO-General in Afghanistan am liebsten jedes Dorf, aus dem heraus oder in dessen Umgebung auf einen Konvoi geschossen wurde, in Schutt und Asche bomben würde? Und jetzt eigentlich die Hamas dafür bewundert, eben genau so, ohne Rücksicht auf Verluste, Krieg zu führen?

    Eine wilde Vermutung, ich weiss, aber vielleicht mal wert, einen Gedanken daran zu verschwenden …

    Ihnen und dem ganzen Team alles Gute

  8. Ein weiteres Dilemma sehe ich schon jetzt in der Luftkriegsführung. Selbst wenn jeder einzelne Treffer “sitzt” und es gelingt, systematisch und effektiv die gesamten Hamas-Strukturen von ihren getarnten Fabriken, Abschussrampen, Depots, Kommunikationsstrukturen, Führungspersonal und Polizeikasernen zu zerstören – wer, bitte, soll dann einen Waffenstillstand unterschreiben und (im Zweifel eben auch gegen andere Splittergruppen) effektiv durchsetzen? Eine kopf- und handamputierte Hamas könnte das nicht (bzw. hätte immer eine Ausrede parat, wenn doch eine Rakete aufsteigt).

    Man möchte gar nicht denken, was die logische Konsequenz wäre: Die “Korrektur” des früher gemachten “Fehlers” einer einseitigen Räumung des Gazastreifens und die Re-Etablierung eines dauerhaften Besatzungsregimes. Was allerdings das bedeuten würde, für die Zivilisten, die mit Militärwillkür, Checkpoints und anderen Drangsalierungen konfrontiert werden, für die Armee, die dann wieder Zielscheibe von Anschlägen, Entführungen und bewaffneten Kinderdemos wird, was das für Israels Bild nach außen bedeuten würde – denn ein Besatzungsregime lässt sich nicht gewaltfrei aufrechterhalten – das sollte doch jeden vernünftigen Mensch noch einmal dazu bringen, sich an die Gründe zu erinnern, weshalb man die Besatzung Gazas damals aufgegeben hat.

    Aber auch hier gilt natürlich: vom sicheren Deutschland aus lassen sich leicht die guten Ratschläge in die Tastatur tippen – denn auch diese Frage stellen sie zu recht, Herr Schneider: soll die Moral von der Geschicht am Ende bedeuten, dass Israel sich an den Raketenbeschuss nun mal gewöhnen müsse, weil andere Optionen viel grausamer sind? Oder wäre es nicht an der Zeit, international den Terrorhelfern Iran, Sudan und halbblind auch Ägypten erheblich mehr Druck zu machen, um den Kriegsverbrechern in Gaza, die täglich bewusst Wohngebiete bombardieren, den Hahn abzudrehen?

    Wenn Israel in der Sorge um seine Sicherheit allein gelassen wird, wird es auch einsame Entscheidungen treffen, und genau das tun, was in seiner Macht steht, um seine Bürger zu schützen. Ob es uns gefällt oder nicht.

    Heidelbaer

  9. Betrachten Sie es doch einmal so: Die Hamas und diverse andere Gruppen werden in der Regel als „Terrororganisationen“ gebranntmarkt, während Israel sich selber als Rechtsstaat – früher auch gerne als „einzige Demokratie im Nahen Osten“ – bezeichnen würde.

    Von Terrororganisationen erwarten wir im Prinzip, dass sie Raketen abfeuern und ab und an auch mal etwas treffen. Das ist nichts neues. Oder hören sie noch von Selbstmordanschlägen irgendwelcher Gruppen im Irak oder in Afghanistan?

    Von einem Rechtsstaat hingegen erwartet man in der Regel nicht, dass er gezielt Menschen tötet (der Auslöser der jetzigen Eskalation). Was man aber – zurecht! – erwartet ist, dass er die Zivilbevölkerung schützt, denn, Sie haben es angesprochen, gelten für ihn nunmal gewisse Konventionen, die er auch akzeptiert hat.

    Wenn also ein Rechtstaat tötet, dann ist das deshalb verwerflicher (es erfolgt also mehr Berichterstattung), als wenn Terroristen es tun, weil er für sich ein gewisses Maß an Moral und Anstand reklamiert. Diese beiden Eigenschaften spricht er gleichzeitig den Raketen abfeuernden Gruppen ab, indem er sie zu Terroristen abstuft.

    Ironischerweise würde das bedeuten, dass der Aufschrei größer wäre, wenn man die Hamas als gewählte Regierung des Rechtsstaates Gaza (oder Palästina, was immer Sie mögen) anerkennen würde, von deren Gebiet aus Raketen abgefeuert werden ;)

  10. Sie sind der Ranga Yogeshwar für den Nahen Osten.
    Vielen Dank!

  11. „Nur, was ich nicht verstehe: Warum ist der Aufschrei der Welt soviel leiser, wenn er denn existiert, wenn Tag für Tag für Tag Raketen auf Zivilisten in Israel abgefeuert werden und das nicht erst seit gestern, […]
    Mag das auch daran liegen, daß wir TV-Journalisten diese Bilder des täglichen “Terrors” für die Zivilisten auf der israelischen Seite nicht in den Abendnachrichten bringen? Denn die Tagesschau z.B. – so wie alle anderen Nachrichtensendungen aller anderen Sender ja auch – sie sind nur 15 min. lang […]“ (R. Schneider)

    Warum die Welt nicht aufschreit? Das Grundproblem besteht m.E. darin, dass die meisten Menschen sich in dieser/unseren globalisierten Welt nicht mehr zu Recht finden. Menschen müssen Antworten auf Fragen finden, die sich vor der Industrialisierung und der Aufklärung nicht stellen mussten. Welchen Beruf will ich ausüben, welche Partnerschaftsform ist die beste für mich, wie definiere ich meine Identität. Leider werden diese Fragen im Gegensatz zur 68er-Geneartion nicht mehr im Sinne der Aufklärung (Geschwisterlichkeit, Freiheit, Gleichheit) beantwortet, sondern im individualistischen bzw. egozentrischen Sinne. Auf die Bedeutung der Aufklärung haben Sie, Herr Schneider, bereits an anderer Stelle verwiesen. Auf Grund dieser individualistischen Identitätsbildung werden die Probleme anderer Menschen – wenn überhaupt- sekundär hinterfragt, da die eigene Identität ja zunächst im individualistischen Sinne ausgebildet werden muss.

    Was machen nun die TV- Anstalten, was machen die öffentlich-rechtlichen Sender? Wirken sie solchen Identitätsbildungsprozessen entgegen, indem sie die Menschen durch kritischen Journalismus aufklären? Nein!!! Die lieben öffentlich-Rechtlichen^^ transformieren sich allmählich zum Trash-TV-Sender um.
    Beispiel: Eines schönen Abends saß ich vor meinen Fernseher und hab die Tagesthemen geschaut. Was musste ich mir an diesem Abend ansehen? Nun, einen ca. 5-minütigen Bericht über (ACHTUNG!!!) ein gewisses sadomasochistisches Buch, dass ich an dieser Stelle ganz bestimmt NICHT bewerben werde.

    Nun zurück zur Ausgangsfrage, warum die Welt nicht aufschreit. Meine etwas polemisch und provokant formulierte Antwort:

    Die TV-Sender (auch die öffentlich-Rechtlichen) wollen Geld verdienen. Wie verdient man Geld? Indem man die Nachfrage bedient? Was wollen die Konsumenten? Trash-TV! Was bekommen sie Trash-TV! Wo bleibt der kritische Journalismus? Hinterm Trash-TV zurück!

    Da sag ich nur: Trash-TV ist der Eingang zur Selbstverschuldeten Unmündigkeit!
    Sorry Kant
    Und
    Adieu aufklärerischer Journalismus!!!

    • Sagen Sie, Yessa, halten Sie denn diesen öffentlich-rechtlichen Weblog ebenfalls für trash?

  12. Wow, selten so einen realitätsbezogenen und wirklich guten Kommentar gelesen. Leider ist das in der heutigen Pressewelt viel zu selten, besonders wenn es um das Thema Israel geht.
    Danke!

  13. Deine Verzweiflung, lieber Richard, bedrückt auch uns Außenstehende. Als sogenannte “aufgeklärte” Europäer ist uns dieses Ausmaß an Irrationalität, das bei den Hamas vorherrscht, schlicht unverständlich. Die Argumente von Sem, dass es im Interesse von Hamas liege, den Konflikt mit Israel zu beenden, sind ebenso vernünftig wie wirkungslos. Der Wert eines Menschen wird bei den aggressiv den Koran interpretierenden Araber mit Null veranschlagt. Hier müssen wir die Waffen strecken. Angesichts dieser Hilflosigkeit ist die Informationsarbeit, die Ihr vor Ort leistet, umso bewundernswerter, weil sie sich trotzdem erfolgreich um Neutralität der Berichterstattung bemüht.

    • “Deine Verzweiflung, lieber Richard, bedrückt auch uns Außenstehende. Als sogenannte “aufgeklärte” Europäer ist uns dieses Ausmaß an Irrationalität, das bei den Hamas vorherrscht, schlicht unverständlich.”

      genau. deswegen ist es auch voellig unverstaendlich, wenn der westen versuch auf eine “westliche” art der diplomatie dieses konflikt zu loesen.

      • Welches ist denn dann die nahöstliche Art der Konfliktlösung? Raketen drauf?

        • besser als nichts. wobei ich es sinnlos finde, die kriege nicht zu ende zu fuehren. ziele muss es sein, die hamas zu vertreiben, damit die fatah welche auch in westbank regiert die ruder uebernehmen kann.

          • Ich sehe das anderes , warum soll Israel die schmutzige Arbeit für Abu Mazen erledigen ??? Israel kann nur gewinnen , wenn die Hamas stark geschwächt bestehen bleibt und zwar ohne Raketen zumindest keine die Tel Aviv erreichen können. Israelisches Blut vergießen um der Autonomie-Behörde in Judäa und Samaria einen Geschenk zu machen ? Nein !
            Die hassen Israel ebenfalls und werden sich nicht davon abbringen lassen ihren Status bei der UN aufwerten zu lassen. Dann sollen sie Gaza als Belohnung
            geschenkt kriegen ?? Israel wird international bedrängt werden und dann kommt die Stunde Obamas und Konsorten Israel zwingen zu wollen sich in die “1967 Grenzen” die gar nicht existieren zurückzuziehen plus andere Maximalforderungen.
            Kein Gutes Geschäft !

          • “damit die fatah welche auch in westbank regiert die ruder uebernehmen kann.”

            -> Hier wurde früher bereits von Herrn Jarolimeck festgestellt, dass die Fatah sehr stark an Popularität in der West Bank verloren hat. Wie wollen Sie die Bevölkerung von einem solchen Plan überzeugen?

    • nur weil aus unserer perspektive die motive für gewaltanwendung nicht auf den ersten blick deutlich werden, ist gewaltanwendung noch lange nicht irrational. auch hamas handelt mitnichten irrational. was rational ist, legt nicht der äußere beobachter fest.

      islamische rhetorik ist keine gewaltursache, sondern ein instrument zur mobilisierung von anhängerschaft und legitimierung bestimmter aktivitäten, d.h. der kleinste gemeinsame nenner, unter dem sich anhängerschaft mobilisieren und vermeintliche legitimation gewinnen lässt. genauso wie der unsägliche begriff des terroristischen im westen, der keinerlei analytischen wert, sondern lediglich einen politischen wert hat.

      an herrn schneider und das ganze team dahinter: vielen dank für ihre informationsarbeit. ich bewundere es, wie es ihnen gelingt, weitestgehend auf dem schmalen grat der objektivität zu bleiben, auch wenn dieses thema dafür prädestiniert ist, von diesem schmalen grat abzurutschen, zumal sie alle selber in gewisser weise “kriegsparteien” sind oder verleitet werden sollen, partei zu ergreifen.

  14. Vielen Dank für diesen Beitrag, lieber Richard Schneider! Sie sprechen mir aus dem Herzen. Die Kommentare dazu fallen dann wieder zurück in Schuldzuweisungen, die für die heutige Situation nichts nützen. Als Pfarrerin mit 20 Jahren Projekterfahrung im Heiligen Land und im interreligiösen und interkulturellen Dialog/Trialog nervt es mich auch, wenn allein der Islam verantwortlich gemacht wird. Hamas ist nicht der Islam! es gibt auch ganz andere, spirituellere Wege in dieser Religion. Überall gibt es Fundamentalisten und im Kontrast dazu echt spirituell-religiös suchende Menschen, auch bei den Christen und Juden! Es sind die tiefen Verletzungen aller Seiten, die dazu führen, dass Religion instrumentalisiert wird und eine fundamentalistische Ideologie, die oft wenig mit der wirklichen Religion zu tun hat, vorgeschoben wird – und dann der Gegenseite als Feindbild dient!
    Eine echte Lösung sehe ich nur, wenn die Menschen sich besinnen auf ihr wahres Menschsein jenseits aller Gruppenidentifikationen. Praktisch auf dem Wege dahin sind die Ideen einer sich in Galiläa unter arabischen und jüdischen Israelis bildenden Initiative: Verletzungen anerkennen, Traumata respektieren, Verzeihung erbitten und gewähren… Zwei Staaten, ganz pragmatisch, und jeder darf einem oder beiden angehören, egal wo im ganzen Lande er wohnt, muss sich aber der regionalen Verwaltung unterordnen. So dass die israelischen Araber Staatsbürger Israels mit Wohnsitz in Israel bleiben können und/oder göleichzeitig Palästinenser sein können, und die Siedler könnten auch Israelis bleiben, müssten sich aber der palästinensischen Staatsautorität einfügen, wenn sie in Palästina wohnen wollen. Naja, viele Probleme auch dann, aber ein menschenwürdiger Anfang? Viele sagen ja, dass die Zweistaatenlösung tot ist, wenn die Siedler weiter den palästinensischen Staat unterminieren, aber so könnte es vielleicht noch gehen?

    • “Eine Pfarrerin mit 20 Jahren Projekterfahrung im Heiligen Land und im interreligiösen und interkulturellen Dialüg, die es nervt, wenn allein der Islam verantwortlich gemacht wird.”

      Meine gute Frau, ob es Sie nun nervt oder nicht, aber der Islam, sprich der Judenhass im Koran und den Hadithen, und der jihadistische Charakter dieser Ideologie (Israel ist das einige Gebiet ausserhalb Europas, das sich jemals aus seiner islamischen Unterdrueckung befreit hat!), sind die zentralen Faktoren, warum es in Palaestina niemals Frieden geben wird. Da koennen sie nochmal 20 Jahre interreligiösen und interkulturellen Dialüg dranhaengen – an der Wahrheit aendert sich dadurch rein gar nichts.

      “Wir lieben den Tod so wie ihr das Leben liebt.” – Fahti Hammad, Innenminister, Hamas

      • HAllo Veritas,
        Schade dass sie diesen undogmatische Antwort von Ilse so mit Absolutheit und Hass niederwälzen. Auch sie mischen ja das Buch Koran, dessen Interpretationsmöglichkeiten, die islamische Religion und die extremistische Hamas bunt durcheinander. Genau das ist doch der undifferenzierte Fehler der so oft auch in den Medien gemacht wird und der damit mehr Hass und Gewalt, Antisemitismus, Antiislamismus oder antichristliche Gewalt schürt….
        Seien sie bitte Vorsichtig mit solchen Äußerungen!
        Danke!

        • Sorry kirsten,
          Ilses Aussagen klingen zwar nett, sind aber durchaus sehr einseitig.

          Dass es viele friedliebende Muslime gibt, ist unbestritten, aber der radikalisierte Islam ist immer mit Gewalt verbunden. Christliche und jüdische Fundamentalisten binden sich keine Sprengstoffgürtel um den Bauch, um andere mit in den Tod zu reissen.

          Der Islam lässt sich erheblich leichter instrumentalisieren, und die moderaten Moslems sind viel weniger in der Lage, sich intellektuell gegen die Radikalen abzugrenzen, als dies in anderen Religionen der Fall ist. Wobei man natürlich auch hier zwischen religiösen und kulturellen Ursachen differenzieren muss. Das Umma-System lässt Loyalität nur gegenüber der eigenen Familie, aber nicht gegenüber kodifiziertem Recht zu. In der Summe ist das eine gefährliche Mischung. Ignoriert man diese Gemengelage (wie es in dem Beitrag rüberkommt), schürt man die Probleme eher, und darin hat Veritas recht – auch wenn wir selten übereinstimmen.

          • Lieber Michael,

            Sie haben mir schon oft geholfen, einiges mir bis dahin Unbekanntes kennenzulernen und zu verstehen. (Siehe die Frau am Jakobsbrunnen) Wegen der regelrechten Explosion der neueren Geschehnisse, kam ich bisher nicht dazu, mich dafür bei Ihnen zu bedanken. Dies versuche ich hiermit nachzuholen.

            „… und die moderaten Moslems sind viel weniger in der Lage, sich intellektuell gegen die Radikalen abzugrenzen, als dies in anderen Religionen der Fall ist“
            Mir fehlt die Hintergrund-Information um mir darunter etwas vorstellen zu können. Können Sie mir bitte dabei ein wenig helfen? Ich wäre Ihnen sehr verbunden.

          • Lieber Sam,
            keine Ursache, immer wieder gerne.

            Die Salafisten sagen, dass sie den originalen Islam leben. Dem widersprechen moderate Muslime nicht, d. h. sie weisen nicht auf die logischen Brüche in den Lehren hin.

            So tragen Salafisten z. B. Baumwollkleidung, weil sie denken, dass Mohammed solche Kleidung getragen hat. Sie tragen Waffen, weil Mohammed gesagt hat, dass ein Gläubiger ein Schwert tragen soll. Aber keiner weist darauf hin, dass ein Schwert keine Kalaschnikov ist.

            Salafisten verschleiern ihre minderjährigen Töchter, weil sie glauben, dadurch gottgefällig zu leben. Dabei steht in der Sure nur, dass die Ehefrauen sich bedecken sollen, um sexueller Belästigung zu entgehen.

            Salafisten schicken ihre Töchter nicht in den Schwimmunterricht, weil sie da männliche (kindliche) nackte Körper sehen könnten, dabei hat Mohammed geboten, dass jeder reiten, schwimmen und bogenschießen lernen sollte.

            Diese inneren Widersprüche (es gibt noch viel mehr) können aber nicht benannt werden, weil der jeweilige Imam uneingeschränkte Autorität besitzt, und jeder Koranschüler nur für Auswendiglernen belohnt wird, aber nicht für das Hinterfragen oder selbst Denken. Es gibt keine Diskussionskultur. Widersprüche führen zur Exkommunikation. Der Geist der Aufklärung hat hier bislang nicht gewirkt.

            Wobei mir wie gesagt nicht klar ist, welche Teile davon aus der Religion und welche aus der arabischen Kultur stammen.

          • Vielen Dank, Michael für ihre geduldige Erklärung. Sehr hilfreich.

          • Lieber Sam,
            über Ihre Fragen muss ich länger nachdenken.

            Mittlerweile habe ich mir Gedanken gemacht, warum es im Judentum nur kleine Gruppen gibt, die Gewalt ausüben (radikale Orthodoxe) und es im Christentum mehrere Phasen gab, in denen Gewalt als religiös begründet gesehen wurde, und welche Parallelen es zum Islam gibt.

            Allen Ereignissen gemein zu sein scheint, dass es eine apodiktische Autoritätsfigur gibt, die die absolute Meinungshoheit besitzt, und von der nur überliefert werden darf, die aber nicht hinterfragt werden kann.

            Im Christentum beziehe ich mich auf den Papst (Kreuzzüge) bzw. den Vater als familiärer Stellvertreter des Kaisers / des Königs (Erster Weltkrieg).

            In islamischen Ländern ist wiederum der Sultanismus eine verbreitete Regierungsform, was auch hier durch die absolute Autoritätsstellung des Vaters in der Familie begünstigt wird.

            Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind ohne Aufklärung nicht denkbar, wobei Aufklärung im Kantschen Sinne nicht vor Extremismus schützt, wie die beiden Weltkriege zeigen. Deshalb führt auch der arabische Demokratisierungsprozess in eine Radikalisierung, sehr zum Unwillen der demokratischen Ägypter.

            Ich denke, dass die Kantsche Aufforderung, den eigenen Verstand zu benutzen, die einzige Chance ist – für ein Individuum wie für eine Gesellschaft – radikalen Brandstiftern zu widerstehen.

            Daneben gibt es aber auch religiöse Ursachen. Sowohl die Kreuzzügler als auch die Teilnehmer des Ersten Weltkriegs mussten das Neue Testament massiv fehlintepretieren (sie bezogen sich beide auf Matt 10:34 ff.), um ihre zerstörerischen Aktivitäten zu entfalten.

            Im Koran gibt es dagegen nicht nur viele zur Gewalt aufrufende Verse, sondern auch eine theologische Figur (naskh), die die Aufhebung der zum Frieden aufrufenden Verse durch die zur Gewalt aufrufenden Verse (an-nasikh = der aufhebende Vers und al-mansukh = der aufgehobene Vers) begründet. Damit können Hassprediger ohne Probleme alle Gewalttaten auf den Koran stützen, während das beim Neuen Testament schwierig bis unmöglich ist.
            Und ich denke, das ist der religiöse Anteil an der von mir genannten Anfälligkeit.

          • Danke Michael.

            „Damit können Hassprediger ohne Probleme alle Gewalttaten auf den Koran stützen, während das beim Neuen Testament schwierig bis unmöglich ist.“

            Das würde zumindest Veritas Wettern gegen den Islam als ideologische Ursache für Unmenschlichkeit und Gewalt erklären.

          • Ja, wobei Veritas hier alle über einen Kamm schert. Es gibt nicht den Islam. Die Sufis sind z. B. friedlich, und bis zum Syrienkonflikt auch die Alleviten. Sie betrachten die gewalttätigen Verse des Koran nicht als Handlungsanweisung für die heutige Zeit, und den Dschihad als Anstrengung zur inneren Vervollkommnung, nicht als Aufruf zum Morden. Außerdem differenzieren sie (im Gegensatz zu den Salafisten) zwischen den Ungläubigen (die an gar nichts glauben) und den Vertretern der Buchreligionen (Juden und Christen), denen Sie zumindest Respekt entgegen bringen.

          • “Die Sufis sind z. B. friedlich, und bis zum Syrienkonflikt auch die Alleviten…”

            Es sind immer die MYSTIKER, die die inneren Zusammenhänge sehen und verstehen. Da ist kein Nährboden für den Hass…

  15. Hallo Herr Schneider,

    vielen Dank für diesen tollen Beitrag!! Diese Komplexität der Ereignisse ist für uns Europäer nur schwer vorstellbar!
    Ich möchte mich ausdrücklich Antony anschliessen!
    Ich war, zur Hochzeit der zweiten Intifada, in Jerusalem und habe die Indoktrination, speziell auch der jungen Menschen erlebt und es hat mich erschrocken. Sie lässt keine Kommunikation oder Nachdenken über die Situation zu, die Jahrzehnte lange Weitergabe von Vorurteilen und Doktrin verhindert dies, auf beiden Seiten.
    Die ökonomische Situation der Palästinenser trägt dazu bei, denn nur wenn man etwas zu verlieren hat, macht man sich Gedanken darüber wenn man sich mit dem Nachbarn anlegt.
    Mit der Hamas, die vom Ausland politisch und finanziell gesteuert wird, und die mit “sozialen Wohltaten” (Schul- und Krankenhausbauten) sich den Rückhalt der Bevölkerung erkauft hat, ist wohl keine Zwei-Staaten-Lösung denkbar, obwohl dies “eigentlich” von aussen betrachtet die einzige Lösung wäre!

    Ich freue mich auf weitere Berichte von Ihnen!!
    Alles Gute!
    MfG NUF

  16. Ich kann mich den vielen Kommentatoren nur anschließen.Auch von mir nocheinmal vielen Dank für diesen wirklich objektiven und unabhängigen Videoblog, der uns User tagtäglich mit Informationen versorgt.

    Diese Beiträge sind wirklich unersetzlich und mit so einer Klasse gemacht, dass man immer am Ende eines Beitrages schon wirklich auf den nächsten wartet. Diese Arbeit, die sie und Ihr Team erledigt, ist absolut durch nichts zu ersetzen.

    Aber was dieses Wort “Collateral Damage” angeht, finde ich dieses Wort als nicht fair gegenüber den Toten und Verletzen in Gaza und Tel-Aviv. Collateral Damage ist für mich eher ein Sachschaden (also kaputte Autos oder Häuser oder sowas). Aber verletze und tote Menschen als internationalen Collateral Damage” zu bezeichnen ist schon nicht so ganz ideal. Ich würde dieses Wort gerne auf die Liste von “Unwort des Jahres” setzen lassen. Denn diese vielen Schicksaale von Toten und Verletzten dort in Tel-Aviv und Gaza machen einfach nur betroffen und traurig. Und wie es Herr Lüders in der ARD richtig sagt: was hier gebraucht wird, ist eine visionelle politische Lösung.

    Lüders bezeichnet den Gaza-Streifen völlig zu recht als ein einziges extrem enges und eingemauertes Freiluft-Gefängnis von 350qm. Das ist so drangvoll eng, dass es da – aut Herrn Lüders in der ARD – nur logisch ist, wenn da solche radikalen Parteien gewählt werden. Und daher hat er – wie so viele Poster und Kommentatoren hier auch – recht damit, dass hier mehr als dringend eine politische Lösung her muss: also ein eigener Staat für die Palästinenser. Anders funktioniert dass nicht. Anders kann es keinen Frieden geben, zumindest keinen dauerhaften.

    Liebe Grüße
    Linuxpinguin

    • @ Linuxpinguin

      Sie wünschen sich eine visionelle politische 2-Staaten-Lösung und setzen sich sehr dafür ein. Können Sie selbst einen Vorschlag unterbreiten, wie diese Lösung funktionieren kann, so dass die Palästinenser aus ihrem Elendsquartier Gaza den Weg in Freiheit und Gerechtigkeit finden?

      Ich selbst bin skeptisch. Ich wäre interessiert an den Schritten, die Sie erforderlich finden, um diesem Ziel näherzukommen. Damit meine ich nun nicht, dass Sie Leute benennen, die den Frieden für Sie finden sollen, sondern wie sieht Ihre eigene Vorstellung davon aus? Was ist ihre Vision, Ihr Traum?

      Es ist gut, dass es Menschen gibt wie Sie, die eine echte Chance für den Frieden sehen.

      • Hier ist meine Vision:
        HaDerech HaMeshutefet – Al-Tariq al-Mushtarak – Der gemeinsame Weg…
        Im Herbst 2011 nahm eine neue Grasswurzel-Friedensinitiative ihren
        Ausgangspunkt in der Begegnungsstätte Sha’ar laAdam – Bab l’il Insan in Galiläa: Menschen aus dem Umfeld, die einen sinnvollen gemeinsamen Weg „von unten“ anstoßen wollen, den alle Bewohner des einen Landes gemeinsam gehen können, und auf dem alle zu ihrem Recht kommen. Die grundsätzliche Idee ist ein Land, in dem alle leben dürfen, wo sie wollen, und in dem es zwei Staaten geben kann, zu denen jeder nach seiner Wahl gehören darf. Der Platz hier reicht nicht aus, um zu beschreiben, was alles dazugehört, aber die Aktivitäten dazu werden immer umfassender und erreichen viele maßgebliche Menschen, die es sehr interessant finden, in der verfahrenen Situation auch einmal neue Gedanken zu fassen.
        Eine Übung dazu war, dass jeder ein Bild entwirft, gewissermaßen einen individuellen Friedensplan. Jeder Leser kann ja einmal aus- probieren, was das bewirkt. Hier ein Beispiel in sieben Punkten:
        • Das ganze Land gehört beiden Völkern, die ein Recht haben, hier zu leben. Außerdem steht es im Fokus weltweiten Interesses, weil es drei Weltreligionen heilig ist.
        • Beide Völker erkennen an, dass sie einander Leiden verursacht haben und dass die Angehörigen des anderen Volkes ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben im Land haben.
        • Deshalb soll es zwei Staaten geben, aus praktischen Gründen weitgehend in den Grenzen von 1967.
        • Ziel ist es, jedem Bewohner das Recht zu geben, im ganzen Lande zu wohnen wo er will, solange er sich der Gesetzgebung des jeweiligen Landes unterwirft.
        • Jeder darf die Staatsangehörigkeit wählen, die ihm entspricht, auch Doppelzugehörigkeiten sind möglich.
        • Beide Regierungen verpflichten sich, alles dafür zu tun, dass die Zusammenarbeit zwischen den Volksgruppen zum Wohle aller von lokaler und regionaler Ebene her gefördert wird.
        • Das religiöse, soziale und kulturelle Zentrum des Landes ist für beide Völker die heilige Stadt Jerusalem, die die Hauptstadt bei- der Staaten ist. Ungeteilt soll sie in Bezirke aufgeteilt werden, die von ihren jeweiligen Bewohnern verantwortet gemeinsam die Stadtverwaltung bilden. Die Verwaltung der Altstadt wird zusätzlich von einem übernationalen Rat verantwortet. (iws)

        • Hallo!

          Haben Sie selbst eine Idee, warum sich Ihr Plan nicht umsetzen lässt?

        • Klingt sehr schön und wünschenswert.

          Allerdings frage ich mich, ob Graswurzeldemokratie hier funktionieren kann. Die Hamas ist aus meiner Sicht eine gewissenlose Verbrecherorganisation, die die Bevölkerung einerseits totalitär regiert, andererseits durch Lebensmittelzuteilungen in sozialer und emotionaler Abhängigkeit hält.
          Wie soll es gelingen, dieser Organisation die Meinungshoheit streitig zu machen?

          • Die Abhängigkeit (die auch nicht überall und bei allen im Gaza-Streifen funktioniert…) ist deshalb so stark, weil die Menschen so hoffnungslos sind. Das ist eine Art Teufelskreis, den man irgendwie brechen muss – und in dem Gewalt keine dauerhafte Lösung bietet.

            Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.

            Albert Einstein

          • Da gebe ich Ihnen (und Einstein) voll und ganz recht.

            Nur beantwortet das meine Frage nicht, sondern benennt eine Ursache. Eine Erziehung zum Hass durch die Hamas ist eine weitere (vgl. die schwarze Pädagogik vor dem Ersten Weltkrieg, die beide Weltkriege mit verursacht hat).

            Wie bringt man den Menschen in Gaza Hoffnung jenseits der Hamas? Wie bricht man den Kreis aus Gewalt und Abhängigkeit?

        • • Deshalb soll es zwei Staaten geben, aus praktischen Gründen weitgehend in den Grenzen von 1967.

          Supertolle Idee, liebe Ilse. Israel soll gefaelligst zurueck in die Grenzen von 1967, obwohl man 1967 von den Arabern angriffen wurde, weil diese die Grenzen von 1967 nicht akzeptierern wollten und ihnen Israel in jener Form auch noch zu gross war.

          Seither hat sich an der Israel- und Juden-feindlichen Einstellung der Araber kein Deut geaendert, aber Sie finden, Israel muesse sich dieser Gefahr wieder aussetzen.

          Das nennt man wohl unfassbare Naivitaet.

      • hi Anna-E.,

        wie wäre es, wenn man die östliche Hälfte von Israel an die Palästinenser abgeben würde ( die Städte Ramallah, Hebron, und die östlich davon liegenden Städte) und dann von Norden (Zububa) nach Süden bis al-Kashkar. Du kannst dir dass gerne hier mal in Google-Maps
        ansehen. Dieses Gebiet ist wirklich riesig und dort könnte man einen eigenen Staat aufbauen. OK, er hätte zwar keinen Meereszugang, hat aber genug Fläche. Was die Stadt Jerusalem angeht, müsste diese Stadt dann beiden Staaten als Grenzstadt gehören (also Grenze verläuft durch Jerusalem). Aber ich betone ausdrücklichst: ich möchte auch nicht, dass Jerusalem geteilt wird. Jerusalem gehört allen Menschen auf dieser Welt. Denn jerusalem ist zentrale Städte für mehr als drei Weltreligionen. Und diese stadt bedeutet vielen Menschen sehr viel. Dass bedeutet: Israel und der Palästinenserstaat müssten sich dann Jerusalem gleichberechtigt als Stadt teilen, [b]ohne dass sie geteilt wird[/b]!!!

        Klar ist darüber hinaus natürlich auch, dass vor Aufnahme von dauerhaften Friedensverhandlung diese Schritte erfüllt sein müssen:

        1. die Palästinenser (darunter auch die Hamas) müssen damit aufhören, Israel mit Raketen zu beschießen

        2. Israel muss seine Kampfpanzer hinter die israelische Grenze zurückziehen

        Denn wenn der Punkt 2 nicht erfüllt würde, dann würde Israel sich selbt unglaubwürdig machen und zeigen, dass es keinen wirklichen Frieden will. Und dass will ich ja wohl mal nicht hoffen.

        Und nach den abgeschlossenen Friedensverhandlungen muss Israel den neuen Palästinenserstaat anerkennen. Denn Israel muss einsehen, dass auch die Palästinenser ein Recht auf eigenes Land, auf eine eigene Heimat und auf einen eigenen Staat haben.

        Von daher: was würdest du von diesem Vorschlag halten??

        Grüße
        Linuxpinguin

      • Ich stelle mir diesen Staat dann mit offenen Grenzen vor, nach dem Vorbild unserer Europäischen Union. Dieser Staat hätte dann Jordanien als Nachbarland und die südlich davon angrenzenden Städte.

        Diese Lösung würde bedeuten, dass Gaza zurück an Israel geht, dafür bekommen die Palästinenser die von mir genannte Landfläche. Dass würde im Süden auch die Städte Meitar, Hura, al-Quasasi, al Ghunaymat bis runter nach al Kashakr und östlich davon bedeuten. Diese Städte würden dann an die Palästinenser fallen. Auch die Städte Abu Rubay’a, Abu Quraynat und östliche davon betreffen bis zur Grenze nach Jordanien und bis zu den Grenzen der anderen Nachbarländer bedeuten.

        Die Städte westlich dieser genannten Städte verbleiben bei Israel und werden nicht angetastet.

        Ich denke, dass dürfte eine tragfähige Lösung sein, oder?? Was würdest du von dieser Idee halten??

        Grüße
        Linuxpinguin

        • Liebe Linux,

          danke für Deine Erklärungen. Ich habe das mal auf meiner Israelkarte nachgesehen. Du hast Dir den Kopf zerbrochen und bist zu einer Lösung gekommen, die für Dich oder uns Europäer vielleicht funktionieren könnte, so ein bisschen wie die BRD und die DDR, aber mit durchlässiger Grenze und mehr Freiheit.

          Aber Du kannst das Problem ja mal nach Deutschland transportieren. Es würden dann auf der einen Seite der Grenze die Palästinenser leben, so wie Palästinenser eben leben. Du denkst, das wäre dann ganz bestimmt anders als in Gaza oder dem Westjordanland, weil sie dann ja ihr eigenes Land hätten und sich selbst etwas aufbauen könnten. Das Problem ist aber, dass Palästinenser in ihrem ganz eigenen Land dann leben würden wie die Jordanier oder wie die Ägypter oder die Saudi Arabier, was ja auch okay ist, aber so ganz ohne Erdöl sind arabische Länder eigentlich nicht als führende Industrienationen mit einer florierenden eigenen Wirtschaft bekannt.

          Auf der anderen Seite würden dann die Juden sicher und in Frieden leben.

          Ob sie das wohl könnten? Grundsätzlich schon. Die Juden haben ja schon früher auch in Deutschland gelebt. Sie hängen zwar an ihrem Gelobten Land, aber jüdisch sind sie auch ohne. Dass sie das Land zu wirtschaftlichem Erfolg führen würden, steht für mich ausser Frage.

          Aber würden die Palästinenser auf dem eigenen Land den jüdischen Nachbarn es auch gönnen, wenn sie da wieder etwas auf die Beine stellen würden? Und was ist mit dem göttlichen Auftrag, das jüdische Volk zu vernichten? Oder werden die Palästinenser auf dem eigenen Land alle zu Säkularen?

          Kurz: Das funktioniert so nicht. Die Palästinenser werden nicht aufhören, Anstoss an den Juden zu nehmen.

          Die andere Sache ist die des Landes selbst. Du blendest aus, dass dieses Land durch und durch mit Religion durchtränkt ist. Gott ist eine allgegenwärtige Grösse. Es ist nicht einerlei, wer wo wohnt. Du möchtest den Palästinensern Heiliges Land ganz überlassen. Das geht für die (jüdischen) Israelis einfach nicht bzw. es ginge, wenn ein wirklich friedliches Miteinander in gegenseitigem Respekt zu erwarten wäre, aber dieser Respekt ist nun einmal nicht gegeben.

          Ich will auch kein Blutvergiessen. Ich glaube aber auch, dass es etwas auf sich hat mit der Rolle Israels in der Weltgeschichte. Glaubst Du, das sei alles nur ein Zufall? Wenn nicht, so wird es noch schlimmer kommen, ehe endlich alles gut werden kann.

          Das bedeutet nicht, dass ich mir nicht auch eine Friedenslösung wünschen würde. Ich setze jedoch mehr Vertrauen in das Gebet der Menschen weltweit als in Mursi, Westerwelle und Erdogan.

          Ich fürchte aber, dass die jungen Menschen an der Grenze losgelassen werden, um ins offene Messer zu laufen. Wir können es nicht verhindern, müssen zusehen und müssen irgendwie damit fertigwerden.

    • “Und wie es Herr Lüders in der ARD richtig sagt: was hier gebraucht wird, ist eine visionelle politische Lösung.” (Linuxpinguin)

      O, dieses Interview, o, dieses Ansichten!! :-o

      • “Lüders bezeichnet den Gaza-Streifen völlig zu recht als ein einziges extrem enges und eingemauertes Freiluft-Gefängnis von 350qm.” (Linuxpinguin)
        Eigentlich schade,daß Richard C. Schneider mit einem sogenannten “Experten” und u.a. Mitglied im Beirat der NUMOV wie Michael Lüders in einem Atemzug genannt wird. Das hat ersterer nicht verdient.
        Was das ‘Unwort des Jahres’ angeht : “Collateral Damage” ist zynisch,aber “Freiluft-Gefängnis” in Bezug auf Gaza ist eine perfide Lüge.

        • Zur Information: “NUMOV” aus Wikipedia:
          Der Nah- und Mittelost-Verein e.V. (NuMOV) ist ein Zusammenschluss der im Nahen und Mittleren Osten engagierten deutschen Unternehmen und vertritt seit seiner Gründung im Jahre 1934 die Handels- und Investitionsinteressen der deutschen Wirtschaft in den Ländern dieser Region. Er versteht sich außerdem als Lieferant von Informationen aus erster Hand über diese Länder.

    • “Lüders bezeichnet den Gaza-Streifen völlig zu recht als ein einziges extrem enges und eingemauertes Freiluft-Gefängnis von 350qm.”

      Sorry, aber das ist hanebüchener Blödsinn. Der Gazastreifen ist 40 km lang und zwischen 6 und 14 km breit, hat eine Fläche von 360 km². Darin leben 1,7 Millionen Menschen. Das sind gut 4.720 Einwohner pro km²
      Zum Vergleich: Westberlin hatte 481 km² mit zuletzt rund 2,5 Millionen Menschen. Das sind knapp 5.200 Einwohner pro km². West-Berlin war damals ebenfalls eingemauert, und es war viel “enger”. Trotzdem hat kein West-Berliner Raketen auf das Gebiet der DDR gefeuert.

      • vielleicht rechenen sie nochmal – dann macht’ vielleicht klick

        • Die Zeiten als ich noch einen Abakus verwenden musste, sind vorbei. Und Computer machen beim Rechnen nicht “klick”. ;)

    • @LinuxP..
      Herr Lüders, der Nahost-Experte? LOL!!! Herr Lüders sollte sich von Herrn Schneider über Fakten unterrichten lassen anstatt wieterhin Romane zu dichten.

    • “Denn diese vielen Schicksaale von Toten und Verletzten dort in Tel-Aviv und Gaza machen einfach nur betroffen und traurig. Und wie es Herr Lüders in der ARD richtig sagt: was hier gebraucht wird, ist eine visionelle politische Lösung.”

      Ihre eigenartigen Ausfuehrungen werte ich jetzt mal ganz vorsichtig als die fuer Pinguine bekannte Kurzsichtigkeit. Sie machen Herrn Schneider sicher kein Kompliment fuer seinen “objektiven und unabhängigen Videoblog”, wenn sie a) Tel Aviv mit dem zerbombten Sueden des Landes verwechseln und b) ihn mit Herrn Lueders in einen Topf werfen. Das “Freiluftgefaengnis” hat hauptsaechlich die Hamas aus dem Gazastreifen gemacht. “Gewaehlt” ist auch so ein schwammiger Begriff. Die Menschen in Gaza wuerden gerne statt in Raketen in den medizinischen oder den Bildungssektor investieren. Das liegt nicht in Israels Verantwortung was die dortige Regierung mit den Geldern anstellt. Seit es keine Juden mehr in Gaza gibt fallen dafuer die Raketen auf Israel. Vielleicht haben sie auch nicht mitbekommen wie die Hamas mit ihren Leuten umgeht, bzw welche internen Auseindersetzungen um die Macht herrschen und wie diese ausgetragen werden. Dazu muesste das Team vielleicht mal oefter rueberhuschen, wenn es Spontanerschiessungen wegen Verdachts auf Kollaboration mit Israel gibt. Zudem ist die Hamas ein Muslimbruderableger der aegyptischen Mutterbewegung, auch in Deutschland vertreten, vielleicht nicht mehr offiziell, da als Terrororganisation eingestuft, aber inoffiziell.

      Liebe Gruesse aus Israel

  17. Lieber Herr Schneider!

    Sie haben recht dass es schade ist, dass eine Nachrichtensendung allein doch eher oberflächlich bleibt und Nachrichtenclips leider oft nach ihrem Anteil von Feuer, Tot oder Explosion im Bild ausgewählt werden. Deshalb haben Kameraleute eine so große Verantwortung, nicht nur das geschockte Gesicht der am Leben gebliebenen palästinensischen Frau, die aus Trümmern ausgegraben wird zu zeigen, sondern auch die Angst und Verzweiflung im Gesicht der israelischen Frau, die zumindest körperlich unversehrt gerade einen Bombeneinschlag in Ihr Wohnhaus erlebt hat.

  18. Vor ca. 1 1/2 Jahren fragte ich Dr. Gniffke als Chef der Nachrichtenredaktion Tagesschau, warum die Israels Bombardierungen immer zuerst genannt werden, aber dann gesagt wird, zuvor hätten Hamas, Hisbollah (oder wer auch immer das so macht) Raketen auf den Süden/respektive Norden Israels abgefeuert. Man wüsste ja nie in dieser Ecke, wer zuerst anfinge, war die aufschlussreiche Antwort.

    Ihre Radiokollegen des DLF haben genau das neulich morgens thematisiert. Von daher bin ich sehr beeindruckt, wie z.Zt. das ganze ARD-Team versucht, beide Seiten gleich darzustellen. Viele Deutsche scheinen in der Ecke da unten immer noch was regeln zu müssen. Das hängt natürlich mit unserer Geschichte zusammen. Das gelingt natürlich nicht wirklich. Auch auf Guido Westerwelle wartet im Nahen Osten niemand wirklich, es sei denn er hätte die “Wunderlösung” in seinem Dienstgepäck.

    Die Invasion “Gegossenes Blei” hat letztlich auch nichts bewirkt und Sie selber sagen in Ihrer Moderation, dass ein jetziger Einmarsch nur den Kreislauf wieder anheizt und in paar Jahren geht’s wieder von vorne los.

    Vielleicht einmal ganz anders reagieren: Unter Berücksichtigung, möglicherweise einer echten VN-Überwachung, die nicht nur zählt und aufschreibt, was jede Seite Ungehöriges tut, den Gazastreifen mit Geld und Konsumgüter überschwemmen. Denn wer was hat und einen gewissen Wohlstand genießt, hat doch keine Lust auf Krieg mehr.

    Aber das werden Verschwörungstheoretiker auf beiden Seiten niemals zulassen. Wer nix mehr zu verlieren hat, der kann eben auch alles auf’s Spiel setzen. Das ist das grausame Spiel der Extremisten.

  19. Sehr geehrter Herr Schneider,

    vielen Dank für diesen Artikel und für Ihre wertvolle Arbeit im Nahen Osten. Ich schätze Ihre Ausgewogenheit und die Auswahl der Beiträge in den (Video-) Blogs.

    Lisa

  20. Ein sehr guter Eintrag, danke.

    Mit folgender Aussage stimme ich jedoch nicht überein:

    “Wer Schuld ist – das ist die falsche Frage in einem Konflikt, den man l ö s e n will und nicht nur moralisch aburteilen. Die Frage ist: Wie findet man den Weg zueinander?”

    Ich denke, dass die Schuldfrage beantwortet werden muss, ehe man den Konflikt lösen kann. Dies dient nicht der Verurteilung des einen, des anderen oder beider, sondern diese Frage führt hin zum Fehler (Denkfehler, Verhaltensfehler…), der dem Konflikt zugrunde liegt.

    Zuerst muss also geklärt werden, wo der Fehler liegt. Damit darf man sich jedoch nicht zufrieden geben. Das ist erst der Anfang. Von da an hängt es davon ab, ob es sich um einen kleinen, leicht korrigierbaren Fehler, oder um eine grössere Angelegenheit handelt.

    Wenn Kinder sich streiten, ist es in der Regel leicht, den Fehler aufzudecken, das Verhalten zu korrigieren und sie versöhnen sich leicht wieder miteinander.

    Bei Erwachsenen, deren Denken besonders im Fall von Israel/Palästina jeweils ein grundverschiedenes Rechts- und Religionsverständnis zugrunde liegt und das Gewicht vergangener Verletzungen – der Geschichte! – ist das erheblich schwieriger. Diese Konflikte sind sehr viel tiefgründiger.

    Es hilft nichts, derart tiefsitzende Zwietracht an der Oberfläche lösen zu wollen. Ilses Idee ist daher ganz gut, in einer grassroots-Bewegung, also von der Basis her und individuell den Weg wieder aufeinander zu zu finden, und im kleinen Rahmen funktioniert das auch.

    Gestern gab es einen Bericht aus Berlin von Marcus…? (ich kann den Beitrag leider gerade nicht wiederfinden), und darin wurde auch ein Stammtisch von Israelis und Palästinensern erwähnt. Die Treffen müssen heimlich stattfinden – aus Angst vor Repressionen.

    Man kann die gewaltsamen Kräfte, die da zugange sind, nicht ignorieren und auf dauerhaften Frieden hoffen, wohl aber versuchen, Brücken zu bauen, Freundschaften zu schliessen und zu pflegen und so ‘hinterrücks’ den Frieden beginnen.

    Die Schuld und den Fehler betreffend, so ist zuerst der erklärte Wunsch nach der Vernichtung Israels zu nennen. Da, wo verstanden wird, dass solch eine Hoffnung ein Fehler ist, dass, wer so denkt und danach handelt, “Schuld” trägt und bereit ist, den Fehler zu korrigieren, da ist Frieden möglich, und der Weg zueinander ist bereits beschritten.

    Es kann keine Lösung geben, wenn am Fehler, der den Konflikt ausgelöst hat, festgehalten wird. Die Schuld muss erkannt, der Fehler benannt werden, und davon ausgehend, NUR davon ausgehend, ist Frieden möglich.

    • Liebe Lily,
      guter Beitrag, aber eine Frage habe ich: Sie schreiben, dass erst die Schuldfrage geklärt werden muss. Geht das überhaupt? Und falls ja, würde das wirklich etwas bringen?

      Peter Scholl-Latour hat einmal auf die Frage, wie ein Araber denkt, eine Geschichte erzählt: Ein Araber liegt auf dem Sofa, während draussen auf der Strasse Kinder spielen. Weil sie laut sind und er seine Ruhe möchte, öffnet er das Fenster und ruft ihnen zu: Kinder, da vorne um die Ecke gibt es Eis. Die Kinder rennen los und er legt sich wieder hin. Plötzlich springt er wie von der Tarantel gestochen auf und rennt zur Tür. Seine Frau fragt ihn, was er denn habe. Er antwortet: Da vorne um die Ecke gibt es Eis.

      Diese Geschichte ist provokant, aber sie sollte verdeutlichen, dass Araber die Geschichten, die sie erzählen, auch glauben. So ist die Geschichte von der Nakbah, der “Vertreibung” durch die Israelis, Teil des kollektiven Gedächtnisses der palästinensischen Araber, egal wie viel davon stimmt oder nicht. Das ist für mich das erste Problem: können sich beide Seiten überhaupt anhand historisch verbürgter Fakten auf eine Version einigen?

      Zweites Problem: Wenn man die Schuldfrage geklärt hat (und in einem hunderttausendseitigen Dokument aufgegliedert) – was will man damit anfangen? Viele Beteiligte sind lange tot. Wie will man da ausgleichen?

      Drittes Problem: nach psychologischen Studien hat die Lösung psychologischer Probleme (und ein solches haben wir hier) in genau 0,000% der Fälle einen inhaltichen Bezug zum Problem. Beispiel: der absolut einzige Fall, in dem alle Muslime und alle Juden in Deutschland mal einer Meinung waren und sich gegenseitig unterstützt haben, war nach dem Beschneidungsurteil des Kölner Gerichts. Welchen Beitrag könnte also die Schuldfrage zur Lösung haben?

      • Lieber Michael,

        Antworten finden Sie auch in meinem Kommentar weiter unten. Konkret zu Ihren Einwänden:

        1) Kann man die Schuldfrage klären?

        Ja, die Schuldfrage kann man immer klären. Es ist nicht möglich, solange man an der Oberfläche der Ereignisse hängen bleibt. Wenn diese Frage richtig verstanden wird, wird sie uns letztlich immer zurückbringen zur Geschichte mit dem Apfel. Auf beiden Seiten wird man erkennen, dass man nicht anders handeln konnte aufgrund dessen, was vorher war – und immersoweiter. Und damit werden die Beteiligten stolz ihr Verhalten rechtfertigen und ihren Fehler verteidigen. Ziel sollte aber sein, dass sie den Fehler erkennen, der möglicherweise von Generation zu Generation als Wahrheit weitergegeben wurde und der religiös fest etabliert ist, und dass sie in der Erkenntnis der Wahrheit ihre Wege ändern.

        Im Nahostkonflikt stehen Israels Lebenswille und das Selbstverständnis vom auserwählten Volk und die Doktrin des Islam, Juden töten zu sollen gegeneinander.

        Es kann keine Lösung ohne die Klärung dieses unvereinbaren Widerspruchs geben.

        Die Sache mit dem auserwählten Volk mag den Stolz der Araber verletzen und mit einem gewissen Landanspruch einhergehen, aber sie tut an sich niemandem weh. Das Tötenwollen des anderen hingegen schon. Darin liegt die Schuld, die es zu benennen gilt, der Fehler, der korrigiert werden muss. Es ist der unlösbare Kampf zwischen Bibel und Koran, der die Weltgeschichte schreibt.

        2) Wenn ja, was will man damit anfangen, wie ausgleichen?

        Es geht nicht um ein Ausgleichen und Urteilen. Die Klärung der Schuldfrage sollte Umkehr, Abkehr vom Fehler, gegenseitige Vergebung und Versöhnung zum Ziel haben.

        3) Die Lösung psychologischer Probleme hat niemals einen inhaltlichen Bezug zum Problem. Was nun?

        Sie machen den Nahostkonflikt zu einem psychologischen Problem. Interessant. Vielleicht kann man es so sehen, wenn man bedenkt, dass die Menschen aufgrund fehlerhafter religiöser Ideologien andere verletzt haben und selbst verletzt wurden, so dass niemand die Wahrheit in aller Deutlichkeit erkennen kann.

        Im Angesicht der Wahrheit können die Menschen wieder zueinander finden – oder auch, wenn es darum geht, gemeinsam an einem Fehler gegen die Erkenntnis Dritter festzuhalten, wie wir in Ihrem Beispiel des Beschneidungsurteils sehen konnten.

      • PS: Mir ist nun gerade noch etwas gekommen: Israel und seine Unterstützer fordern ein Ende des chronischen Raketenbeschusses in Friedenszeiten, und die Hamas wünschen sich Freizügigkeit, völlige Autonomie und Freiheit, sich weiter zu bewaffnen, und sie wollen ihre Grundsätze nicht ändern. Und Israel? Die sollen die Hamas bitteschön mal machen lassen…

        DER “pink elephant”, der nicht genannt wird – und so weit ich weiss, spricht Mursi auch niemals das Wort “Israel” aus -, also dieser pink elephant ist Israels AUSERWÄHLUNG, die der wahre Kern des Problems ist. Es ist eine völlig irrationale Grösse, die noch kein Mensch mit welcher Waffengewalt auch immer aus der Welt schaffen konnte.

        Warum?

        ;-)

        Ja, genau.

      • Liebe Lily,

        Sie schreiben, dass die Auserwählung der rosa Elefant sei, den niemand nennen würde. Betrachtet man die Versiegelung und den Friedhof am Goldenen Tor, würde man auch zu der Schlussfolgerung gelangen, aber Süleiman der Prächtige ist schon lange tot. Woher nehmen Sie die Überzeugung, dass er den Arabern heutzutage überhaupt bewusst ist?

        “Warum?

        ;)

        Ja, genau.”

        Könnten Sie das noch ein wenig genauer ausführen?

  21. Gegenfrage:

    Müsste ich die Tagesthemenredaktion kritisieren, wenn sie darauf verzichten würde sadomasochistische Bücher 5min-lang zu bewerben und wenn sie diese 5 Min besser nutzen würde, um über das Leid anderer Menschen zu berichten und sie somit ihrer Aufgabe, kritischen Journalismus zu fördern, wie er ja hier praktiziert wird, nachkäme?

    Nur um allen Missverständnissen entgegenzuwirken:

    NEIN! Das wäre doch sehr wünschenswert.

    In den oben stehenden Kommentar habe ich nicht mit einer Silbe diesen Blog kritisiert. Warum? Weil ich darauf gar nicht hinauswollte!!!

    In dem oben stehenden Kommentar wollte ich „lediglich“ auf den Missstand aufmerksam machen, dass die TV-SENDER, die eine große Masse an Menschen erreichen, nicht dem Auftrag nachkommen, KRITISCH die Menschen über POLITISCHE Geschehen aufzuklären! Ich bezweifel, dass dieser Blog, so großartig er auch ist, mehr oder auch nur annähernd so viele Menschen erreicht wie die Tagesthemen. Sprich: Auch wenn die Journalisten vor Ort HERAUSRAGENDE Arbeit leisten, können die TV-Sender im Heimatland deren Arbeit zunichtemachen, indem sie kritischen Themen zu Gunsten höherer Einschaltquoten im Keller verrotten lassen.

    Warum das Ganze?

    Herr Schneider schreibt das Folgende:

    „Mag das auch daran liegen, daß wir TV-Journalisten diese Bilder des täglichen “Terrors” für die Zivilisten auf der israelischen Seite nicht in den Abendnachrichten bringen? Denn die Tagesschau z.B. – so wie alle anderen Nachrichtensendungen aller anderen Sender ja auch – sie sind nur 15 min. lang […]“ (R. Schneider)

    Ich frage mich:

    1)Warum dauert die Tagesschau nur 15 Minuten?
    2)Warum zeigt die ARD nicht mehr kritischen Journalismus?
    3)Und: Warum verschwendet die Tagesthemen-Redaktion (Natürlich nicht immer, aber leider doch immer wieder) ihre wertvolle Sendezeit mit Trash (Vgl. Beispiel)?
    4)Warum gibt man kritischen Journalismus nicht mehr Raum?
    5)Warum werden nicht mal wieder Telenovelas abgesetzt und kritische Sendung im Nachmittag- und Abendprogramm gezeigt???

    SO weit der Kommentar zum Kommentar und nochmal zur Wiederholung:
    diesen Webblog habe ich mit keiner Silbe kritisiert!

    • “Sagen Sie, Yessa, halten Sie denn diesen öffentlich-rechtlichen Weblog ebenfalls für trash?” (ich)

      “diesen Webblog habe ich mit keiner Silbe kritisiert!” (Yessa)

      <<<<<<<<<<<<<<

      Sorry, Yessa. Reagieren Sie immer so dünnhäutig? Ich hatte mich nur vergewissern wollen.

      Ich schätze Ihre Betrachtungen zum kritischen Journalismus sehr und teile Ihre Ansichten darin.

      Es ist aber wohl ein Problem, den Zuschauern das etwas anspruchsvollere und anstrengendere Informiertwerden in geeigneter Form nahezubringen. Leider zappen die Leute weiter, wenn die Nachrichten nicht einfach nur bequem und unterhaltsam sind.

      Dennoch sollte es den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die Mühe wert sein, die Bürger zu kritischem Denken zu erziehen. Selbständig-kritisches Denken, Denken überhaupt, unsere Intelligenz – sind es, die unser Menschsein ausmachen. Ohne – verlieren wir unsere Freiheit.

  22. Ich möchte auch Ihnen Richard und dem Kamerateam für diese Arbeit danken. Ein toller Bericht der mir sehr gut gefallen hat!

  23. “Wer Schuld ist – das ist die falsche Frage in einem Konflikt, den man l ö s e n will und nicht nur moralisch aburteilen. Die Frage ist: Wie findet man den Weg zueinander?”

    sehr gut. das habe ich auch immer wieder versucht zu erklären, als ich in nablus und ramallah war. auch in tlv.
    immer wieder musste ich sagen “dieses aufrechnen und schuld suchen und wer-hat-angefangen gelaber” ist müßig und im endeffekt bringt es einfach NICHTS und NIEMANDEM was.

    aber leider trifft man in diskussionen immer wieder auf so pauschale standpunkte von leuten, die so stur wie ein esel sind. und zumindest ich fühle mich dann leider so provoziert von so viel engstirnigkeit, dass ich mich auch zum ansprechen der schuldfrage hinreissen lasse und dann meinem eigentlichen standpunkt widersprechend dem jeweiligen gesprächspartner, sei es israel-hat-nie-was-falsch-gemacht oder israel-ist-der-einzige-agressor-hier rednern, das jeweilige gegenteil versuche anschaulich zu machen. dabei merke ich aber immer, dass es in einem aufrechnen endet und es einfach komplett sinnlos ist :(

    • “dass ich mich auch zum ansprechen der schuldfrage hinreissen lasse und dann meinem eigentlichen standpunkt widersprechend dem jeweiligen gesprächspartner, sei es israel-hat-nie-was-falsch-gemacht oder israel-ist-der-einzige-agressor-hier rednern, das jeweilige gegenteil versuche anschaulich zu machen. dabei merke ich aber immer, dass es in einem aufrechnen endet und es einfach komplett sinnlos ist ”

      jakbo!

      Vielen Dank!! Es arbeitet da schon länger etwas in mir, aber mir fehlt immerzu ein Beispiel, um den Gedanken veranschaulichen zu können…

      Sie sagen, dass Sie sich zum Ansprechen der Schuldfrage “hinreissen” lassen. Das heisst, eigentlich wollen Sie diese Frage vermeiden, weil Sie sich aufgrund vergangener Erfahrungen(?) sagen, dass selbst der Versuch, eine Antwort auf diese Frage zu finden, sinnlos ist.

      Fehler 1: Sie wollen von vornherein nicht glauben, dass diese Frage zu beantworten sei.

      Sie erklären weiter, dass Sie Ihrem eigenen Standpunkt widersprechend argumentieren.
      Sie verteidigen reflexartig die gegenteilige Meinung Ihres Gegenübers, vermutlich um ihn zu hinterfragen, weil sie seine sture Meinung stört und ärgert – so sehr, dass Sie Ihren eigenen Standpunkt in dem Moment darüber vergessen.

      Fehler 2: Sie verlieren Ihren eigenen Standpunkt aus den Augen? Warum?

      Vermutung: Sie wollen den anderen zurechtweisen und ihn zum Umdenken bewegen, da Sie sich irgendwie verantwortlich für die Ansichten des anderen fühlen oder auch nur darüber ärgern. Sie möchten ihn gerne belehren.

      Und schliesslich enden Sie in einer Verstrickung gegenteiliger Überzeugungen, die beide nicht die Ihren sind, und sie empfinden Sinnlosigkeit, und das Gespräch erschöpft Sie.

      LÖSUNG: … Sie klingen wie ein Schüler des dialogischen Prinzips (?) und glauben, Wahrheit werde aus dem Abwägen zweier starrer oder extremer Meinungen geboren, da Wahrheit in der Regel in der Mitte zwischen Extremen liegt und im Dialog erkannt werden kann.

      Sie hatten bereits eine Meinung, einen Standpunkt für sich selbst gefunden, aber Sie verlieren ihn, sobald Sie mit einem anderen Standpunkt konfrontiert werden. Wenn Sie dem anderen Ihren eigenen Standpunkt gegenüberstellen, wissen Sie, dass Sie davon abweichen müssen und sich ein stückweit auf den anderen zubewegen. Sie wollen Ihre Überzeugung jedoch auf keinen Fall fahren lassen. Daher bewahren Sie sie an einem sicheren Ort auf (tief im Herzen), abstrahieren und konfrontieren Ihr Gegenüber oberflächlich mit dem Gegenteil dessen, was ihm heilig zu sein scheint, und Sie investieren Zeit und Energie, um die sture Überzeugung des anderen zu demontieren.

      Am Ende sind sie erschöpft, empfinden Sinnlosigkeit und das Gespräch bleibt ergebnislos.

      ICH halte NICHTS von dieser Vorgehensweise. Ich denke, wir sollten immer nach der (subjektiv erkannten, klar!) Wahrheit streben und den anderen mit dieser selbst erkannten Wahrheit konfrontieren. Dialog funktioniert nur, wenn wir bereit sind, uns selbst verwundbar zu machen. Wenn der andere nicht einer wie Sie ist ;-) – der Sie sich in der Konfrontation zu allererst selbst schützen will, so wird er sich wohlfühlen in dieser Wahrheit und sich entsprechend ebenfalls öffnen, und je nachdem, wie weit der eine oder der andere in seiner Erkenntnis der Wahrheit ist, können beide voneinander lernen und am Dialog wachsen, indem neue Erkenntnisse in die bereits vorhandene Wahrheit integriert und Fehler eventuell korrigiert werden.

      Es gibt solche Gesprächsformen wie die dialogische, die einen konstruktiven und möglichst objektiven Dialog fördern sollen, uns jedoch leicht von uns selbst und dem Gesprächspartner entfernen. Das ist sehr bedauerlich und leider Usus in den meisten intellektuell geführten Debatten.

      Man muss hinnehmen, dass es sein kann, dass der andere die Wahrheit besser als man selbst erfasst hat, dass manchmal nur der eine oder der andere recht hat, oder dass man die Wahrheit ganz woanders suchen muss. Ebenso ist es mit der Schuld, die mal bei dem einen, mal beim anderen, bei beiden oder keinem zu finden ist. Es soll dabei niemals um ein Aufrechnen gehen, sondern immer nur darum, das Wesen der Dinge besser zu verstehen und der Wahrheit und damit auch einer Konfliktlösung näherzukommen.

  24. Sehr geehrter Herr Schneider,

    vielen Dank für diesen Artikel, die vorherigen Reflektionen zu den Schwierigkeiten der objektiven Berichterstattung und ihre unermüdliche Arbeit insgesamt. Dieser Dank gilt auch ihrem gesamten Team, aufgrund dessen – z.T. sehr gefährlicher – Arbeit wir uns auf dem laufenden halten können.

    Ich schätze ihre ausgewogene Berichterstattung und hoffe noch viel davon zu lesen, hören und sehen!

    Leider wirkt sich diese Differenziertheit nicht unbedingt auf die Talkbacks aus, in denen es von selbsternannten Nahostexperten, die die Schuldigen ausgemacht haben und die Wahrheit kennen nur so wimmelt. Das Maß an Oberflächlichkeit und aus dem Kontext gerissenen oder verdrehten Informationen, das in manchen Talksbacks ersichtlich wird spricht Bände und ist ab und an beschämend.

    • @jakbo, @Student
      Und was sagen Sie zu Lilys Kommentar?

      “Die Schuld und den Fehler betreffend, so ist zuerst der erklärte Wunsch nach der Vernichtung Israels zu nennen. Da, wo verstanden wird, dass solch eine Hoffnung ein Fehler ist, dass, wer so denkt und danach handelt, “Schuld” trägt und bereit ist, den Fehler zu korrigieren, da ist Frieden möglich, und der Weg zueinander ist bereits beschritten.

      Es kann keine Lösung geben, wenn am Fehler, der den Konflikt ausgelöst hat, festgehalten wird. Die Schuld muss erkannt, der Fehler benannt werden, und davon ausgehend, NUR davon ausgehend, ist Frieden möglich.”

      Ist das auch pauschal und undifferenziert?
      Da möchte ich doch für so manche Talkbackers eine Lanze brechen.

      • @Sam Lewis,

        ich habe nicht behauptet dass alle Talkbacks undifferenziert sind und das Wort pauschal habe ichkam in meinem Kommentar gar nicht erst vor. Dennoch, auch gerade auf das von ihnen zitierte könnte ich mich beziehen. Es gibt nicht die eine Schuld und schon gar nicht den einen Fehler, der die Ursache des Konflikts ist. Es ist auch nicht der – absolut abscheuliche – erklärte Wunsch der Hamas nach Israels Zerstörung. Davon abgesehen ist es irrig anzunehmen, dass die Hamas eine absolut homogene Front bildet, die Tag ein Tag aus nur von der Erfüllung dieses Ziels träumt.

        Für mich ist unklar warum man nicht akzeptieren kann das beide Seiten Einfluss auf die Dynamik des Konfliktes haben. Ich finde das mehr als deutlich.

        • “Für mich ist unklar warum man nicht akzeptieren kann das beide Seiten Einfluss auf die Dynamik des Konfliktes haben. Ich finde das mehr als deutlich.” (student)

          Hi!

          Natürlich haben beide Seiten Einfluss auf die Dynamik des Konflikts. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es Kernursachen für das Problem gibt, auch wenn die Situation sehr verfahren ist und viele verschiedene Parteien hierin eine Rolle spielen.

          Das mag Ihnen gefallen oder nicht, ich persönlich sehe, dass die Juden mit dem Problem gewissermassen angefangen haben durch ihre Auserwählung, und dann haben die Palästinenser ein neues Problem geschaffen, indem sie die Auserwählten vernichten zu müssen glaubten.

          Wer hat recht? Wer Töten zur Tugend erklärt, kann nicht recht haben, und die Nummer mit der Auserwählung? Ich denke, es gibt viele Israelis, die ihr Leben danach ausrichten und andere, die diesen Segen, der zugleich auch ‘Fluch’ ist, lieber als alles ablegen würden. Ein Palästinenser kann sagen: “Ich will den jüdischen Nachbarn nicht töten.” – Ein jüdischer Israeli kann nicht wählen, nicht ‘auserwählt’ zu sein.

          Wie aber angemessen umgehen mit einem derart irrationalen (das Wort benutze ich heute zum dritten Mal) Sachverhalt? “Man” muss erwarten, dass die anderen das Ding so hinnehmen, es akzeptieren kann. Die (meisten) Christen akzeptieren mittlerweile dieses Rolle Israels, Moselms nicht, auch wenn Frieden im Kleinen jenseits der Religionen immer möglich ist.

          Wenn Sie die vielen Schichten der Konfliktdynamik analysiert und zerlegt, und die Schuld des einen sowie des anderen identifiziert haben, dann wird dieser eine Knackpunkt auf der einen sowie der anderen Seite immer zurückbleiben.

          Vermitteln können nur die Mystiker, die wissen, dass wir in der mystischen Erfahrung alle gleich sind. Sie können uns lehren zu sehen, wo uns die Bilder, Taten, Worte des Hasses und der Angst blind für die Wahrheit gemacht haben.

          • Lily,

            Was meinen Sie nur mit “Auserwählung”? Und durch was oder wen?

    • Na, da sind wir in Israel aber froh ueber diese spaet eingesetzte “differenzierte” Berichterstattung fuer das deutsche Publikum, besonders ueber die 0-Information zum Hamas- Raketenhagel auf den Sueden des Landes in den letzten Monaten, der Zerstoerung und Verletzte zur Folge hatte und der primaere Grund (@Herr Teichmann) war fuer Israels Angriff.

      • @Sabrinag,

        ich höre immer wieder die deutschen Medien würden darüber nicht berichten und frage mich manchmal auf welche Medien sich da bezogen wird. In den vergangenen Monaten wurde immer wieder über den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen berichtet, natürlich hauptächlich wenn eine Eskalation im Raum stand. Das hat aber nicht unbedingt etwas mit Voreingenommenheit zu tun sondern mit Nachrichtenwert. Wie sieht es in den israelischen Medien aus? Werden dort alle Raketen registriert?

  25. Liebe Kirsten, wer lesen kann, ist im Vorteil.

    Ich schere in meinem Posting nicht alle ueber einen Kamm – von christlichen Araber und jüdischen Europäern ist keine Rede. Ich streiche hier explizit die Ideologie Islam heraus, die in diesem Konflikt das zentrale Problem darstellt.

    Solange sich die Juden in Palaestina unterwuerfig zeigten und ihren Dhimmi-Status als Menschen 2. Klasse akzeptierten, gab es ein relativ friedliches Zusammenleben mit den Arabern. Das haben sie dann irgendwann nicht mehr getan und seither gibt es Stunk.

  26. salam aleikum und shalom muss es wohl heißen in diesen Tagen.

    Ihr Artikel hat mich sehr bewegt. Widerspruch und Zuspruch regten sich abwechselnd in mir und eine Flut von Gedanken und Gefühlen überwältigten mich. Herrlich! Ich bin ziemlich überzeugt, dass es Ihnen beim Schreiben ähnlich ging und dass sie wahrscheinlich am Ende das Gefühl hatten dennoch nicht alles richtig und vollständig erklärt zu haben. Dennoch gute Arbeit!

    Am interessantesten fand ich den Punkt, dass Sie der Meinung sind, dass es einen Aufschrei in der Welt ob des Leidens der Palästinenser gibt, aber nicht oder nur leiser ob des Leidens der Israelis. Ich hatte das noch gar nicht so empfunden. In meinem Blickwinkel war der Aufschrei für die Israelis immer stärker und ich war der Meinung, dass das Leid der Palästinenser nicht wahrgenommen wird. Denn in der Berichterstattung kommen sie Palästinenser häufig trotz ihres Leids negativ weg, was häufig einfach an simplen Vokabeln liegt oder an Verallgemeinerungen (die ganz klar auch der Zeit Ihrer Beiträge geschuldet sind) Das Sie diesen Punkt anders sehen, zeigt mir aber, dass es wohl auch Leute gibt, die sehen was die Palästinenser durchmachen.

    Ich weiß, dass Journalisten klagen, dass Ihre Artikel entweder proisraelisch oder propalästinensisch verstanden werden. Aber für mich schließt das eine das andere ja nicht aus. Ich bin ziemlich propalästinensich, weil ich hier lebe und auch erlebe, wie die Palästinenser behandelt werden auch in Nichtkriegszeiten. Deshalb bin ich aber nicht antiisraelisch. Ich weiß ja auch, dass es solche und solche Israelis gibt und auch mit Checkpoint Soldaten kann man nett schwatzen, sogar in arabisch. Wenn es nach den Menschen geht, wollen doch die meisten nur in Frieden leben und auch, wenn ich kaum Israelis kenne, bin ich überzeugt davon, dass die Mehrheit das auch einfach nur will und ist denn das zuviel verlangt?

    Ich kann das Leid beider Seiten sehen und bin sehr traurig und besorgt darüber. Nicht desto trotz bin ich der Meinung, dass das Vorgehen der Isralis zur Zeit in Gaza ehe einem Abschlachten gleicht, auch wenn es die Raketen der anderen auch in sich haben. Aber Israel ist einfach besser vorbereitet. Die Frage nach dem richtig oder falsch stellt sich für mich nicht.

    Am Ende ist es doch ganz einfach: Gewalt ist und bringt keine Lösung egal von welcher Seite sie kommt. Meiner Meinung nach haben beide Seiten in der Geschichte bereits mehr als genug Möglichkeiten gehabt, eine gemeinsame Lösung zu finden.

    Und was eine gute Lösung für hier wäre, weiß ich: sich vertragen und zusammen raufen und gemeinsam gegen die jeweiligen extremen Fragmente vorgehen. Aber ob das möglich ist?

    Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht. Wir hier in Ramallah verfolgen Ihre Berichterstattung sehr genau immer in der Hoffnung auf gute Nachrichten.

    Danke für Ihre Arbeit und passen Sie gut auf sich auf.

  27. Wenn Irondome so gut funktioniert, könnte Isr. sich doch einfaqch zurücklehnen und die Raketenbastler machen lassen. Klar wäre das keine lösung des Konflikts, aber niemand würde was dabei verlieren – schon garnicht sein Leben.

    • Dank “Iron Dome” haben wir vielleicht ein paar Raketen weniger. Die Mehrzahl kommt durch und zerstoert, verletzt oder toetet. Das ist doch kein Waldorfkindergarten wo die kleinen aggressiven Racker sich austoben duerfen und man laesst sie mal machen…die basteln nicht nur Raketen, sie kaufen sie u.a. von den Iranern und die fliegen dann bis Jerusalem.

      • Sie würden doch nicht ernsthaft ihre heilige Stadt bombadieren, oder doch?

        Jedenfalls macht Iron Dome den selben Eindruck auf mich wie die Mauern, die gebaut werden. Man sollte sich selbst auch in die andere Seite versetzen. Russland und der geplante katastrophale Raketenschild in Europa ist ein weiteres Beispiel, das einen Einblick in die unfreundliche Bedeutung eines solchen Projektes ist. Ich bin oft abgeschreckt von solchen Maßnahmen – weil was wäre wenn man seinen Handelspartnern oder Gästen nur aus defensiven Gründen immer eine Pistole an den Rücken hält, auch wenn man beteuert, man solle sich keine Sorge machen – man schieße nur, wenn zuerst auf sie geschossen werde? Weckt das Vertrauen? Oder weckt dass Hass?

        Das soll nicht heißen, dass defensive Vorrichtungen schlecht sind – nur sollte man den symbolischen Charakter nie vergessen.

        Ich will auch, dass Israel sicher ist – aber wie Sie selbst sagten, ist auch solch ein Abwehrsystem kein toller Schutz. Daher wird richtige Sicherheit für Israel nur durch gegenseitiges Vertrauen von Region und Israel ineinander, das langsam wieder aufgebaut werden muss, erreicht werden können. Und das mag seine Zeit brauchen. Bedauernswert dann allerdings, dass jede Offensive oder wie auch immer kriegerische, feindliche oder kränkende Tätigkeit (egal ob von Israel, Hamas oder sonst einer Partei ausgehend) die wirkliche Sicherheit der Region und der eigenen Bevölkerung in weitere Ferne rückt als es eh schon war.

        Ich denke daher, nur durch internationale Gleichberechtigung und Fallenlassen aller Vorurteile und eine Konzentration der Politik auf die wichtigen Fragen (anstatt über mögliche Kriege nachzudenken) und Einsicht und freundschaftliches Teilen (in diesem Fall des Landes), wird wirklich Frieden für die israelische und Ihre Nachbarbevölkerungen vorankommen.

        Warum auch immer Netanjahu den Krieg angefeuert hat – Wahlen scheinen ein Faktor, egal ob die gerade beendete amerikanische oder die israelische anstehende. Keiner weiß, welche Absprachen es da weiß …
        Wir sollten unseren Demokratien endlich den Stempel der Perfektheit entziehen und weiter an ihr arbeiten.

        (Verzeiht den vielen Text. Ich halte mich jetzt lieber mal etwas zurück. Das muss ja auch alles korrekturgelesen werden – mein ganzer Senf)

  28. Geehrter Herr Richard C. Schneider,

    Vielen Dank für Ihr unermüdliches Engagement und Ihre wundervollen Beiträge. Sie veruschen – im Sinne der Aufklärung – die Dinge zu hinterfragen und bleiben dabei selbstkritisch.

    Immer wieder stellen Sie interessante Fragen:
    “Müßte das Kriegsrecht nicht neu geschrieben werden? Was darf ein Staat? Darf ein Staat, dessen Bürger beschossen werden und die er zu beschützen hat, darf ein Staat auf Raketensilos oder Abschußrampen schießen, die mitten in Wohngebieten sind? Und der Staat, die Armee, die auch noch so sehr versucht “pinpointed” zu zielen, also möglichst genau, mit Präzisionsmunition, um eben “Kollateralschäden” zu vermeiden, der Staat, die Armee wissen, daß es keinen 100% Schutz für die Zivilisten auf der anderen Seite gibt – daß also Kinder und Frauen und Alte und und und getroffen und verwundet und getötet werden – darf ein Staat dann trotzdem schießen? Bombardieren? Um seine Bevölkerung zu schützen? Oder darf er das nicht?”

    Darauf wurde noch nicht direkt geantwortet. (Nicht dass Sie eine Antwort haben wollten.) Meine Position jedoch dazu ist folgende: Könnte man es nicht so lösen, dass man die Zivilbevölkerung an oberste Stelle stellt? D.h. man könnte zuerst Warnungen ausrufen – per Drone oder wie auch immer (die heutige Technik steht einer Vorwarnung der Zivilbevölkerung zumindest nicht im Weg).

    Dieser direkte Aufruf vor Ort am Ziel des (Luft-)Angriffs, hätte einer medien-/meldungsbezogenen Vorwarnung gegenüber einen entscheidenden Vorteil. Es wird das Volk erreichen – und dieses kann sich dann in Sicherheit bringen. Eine offizielle Meldung/Veröffentlichung in schriftlicher Form wäre nicht nur bürokratisch, sondern würde wahrscheinlich auch niemals in dem Zeitfenster die Zivilbevölkerung erreichen.

    Das ist die einfachste Lösung, die ich dafür sehe. Wer der Zivilbevölkerung nichts anhaben will und Opfer nach einem Angriff offiziell bedauert, sollte das wirklich in Betracht ziehen, um nicht nur leere Worte zu verkünden.
    Sämtliche Argumente wie, was wenn die Hamas dann selbst mit Ihrem Raketenstützpunkt flieht?, halte ich für unagebracht, denn es dürfte komplizierter sein, die ganze Munition und den Stützpunkt so schnell zu verlegen, als sich als Bürger in Sicherheit zu bringen.

    Über das Zeitfenster wäre dann noch zu diskutieren. Und über Kritik auch, zeigt mir bitte mögliche Denkfehler auf, es ist nur ein Vorschlag, der keinen Anspruch auf Vollkommenheit stellen soll.

    Auf einen zweiten Punkt, der in den Kommentaren öfter diskutiert wurde, möchte ich noch eingehen. “Die Frage ist: Wie findet man einen Weg zueinander?”

    Das ist ein sehr guter Punkt. Ich persönlich denke, sämtliche Brechstangenmethoden, d.h. kriegerische usw., sind nicht zielführend. (teilweise wurde dazu in den Kommentaren: “besser als nichts” gesagt, was ich sehr bedauere)

    In der Vergangenheit zu wühlen ist ebenfalls nicht Zielführend. Sonst kann man einen Teufelskreis (auch öfter in Kommentaren thematisiert) nicht durchbrechen.

    Müssen wir uns nicht eher fragen, Was haben wir? – Ein riesiges Problem. Warum wir es haben, ist egal, Fakt ist, es ist da, und es will gelöst werden! Warum lösen wir es dann nicht? (Ich meine jetzt alle betroffenen Fraktionen.) – Weil die einen sagen, die Hamas beschiesst uns mit Raketen, die anderen sagen, die Israelis gehören nicht hierher. Und wir Deutschen gleich sagen: Es tut uns Leid, es tut uns gottverdammt nochmal Leid!

    Tatsache ist, eigentlich müssten beide Seiten am Verhandlungstisch sitzen und sich endlich einmal überlegen, wie sie das Dilemma beenden können. Und nicht Luftangriffe fliegen.

    So wird das nie etwas, beide Seiten können nur verlieren. Und wie so oft auch von Richard C. Schneider betont, vor allem die Zivilbevölkerung muss leiden. Sie muss Krieg nicht nur bezahlen, sie wird auch vom Krieg hauptsächlich getroffen – durch tragisches Schicksal oder Existenzverlust, Traumata und und und. Umso mehr seit dem Aufflammen von “asymmetrischem” Krieg, wie Herr Schneider bereits ausführte …

    Also legt die Waffen beiseite, ohne Bedingungen, ohne Auflagen, ohne Wischiwaschi und Palaver. Droht einander nicht, seht nicht die Religion des anderen, seht nicht die Hautfarbe, seht das Wesen.

    Rache bringt nichts. Rache, Neid, Machtpolitik und Voreingenommenheit sind der Grund des ganzen Dilemmas der Welt, in der es sich vielleicht in der Tat immer schwieriger zurecht finden lässt, wie in einem obenstehenden Kommentar erläutert.

    Genau wegen dieses militärischen Wegs (oder meinetwegen Antwort, wer angefangen hat, ist egal) verstehe ich die vorhandene Kritik an Israels Regierung, wie sie auch im bösen Deutschland (machen wir uns nichts vor) kocht. Ich bin alles andere als Stolz auf meine Nation. Aber es hat mir etwas gebracht: Man lerne aus der Geschichte und verzichte auf Krieg – lieber verhungere ich als dass ich jemand anderen dafür erschlage, auch wenn ich in Armut lebe – oder von Raketen beschossen werde oder mein Land von einem anderen Land okkupiert wird.

    Nur so kann man wieder zueinander finden.

    Die israelische Regierung scheint von diesem Konzept jedenfalls genauso wenig zu halten, wie die Hamas. Dafür überschütten wir euch, liebe Regierung mit allen Ehren, denn das ist wirklich vortreffliche Arbeit! Hier passt noch ein Orden hin. Am Unterschenkel hat noch einer Platz. Wahrlich die Militärs – egal ob Paramilitär oder Regierungsgeneräle. Gute Arbeit!
    So schürt man nicht nur noch mehr Hass – Krieg und Gewalt schüren immer Hass und der Teufelskreis nimmt kein Ende.

    Meine kritischen Worte sollen nicht heißen, dass Israels Regierung (ich betone, nicht das Volk, die Regierung!) allein schuld an einer Eskalation und am Scheitern der von Richard C. Schneider in einem Videoblog beschriebenen Zweistaatenlösung ist. Einzig, dass die Brechstange nicht zum Ziel führt.

    Wie schön wäre die Geste gewesen, trotz aller Raketenbeschüsse nocheinmal auf die Palästinenser zuzugehen?

    Ich wünschte, die Welt würde endlich aufwachen. Was bringen einem Geld, Karriere, Macht, Wahlgeschenke, … wenn die wirklich wichtigen Dinge auf der Strecke bleiben. Jeder ist Mensch, und Menschen aller Nationen, ob Pakistani und Inder, Deutsche und Franzosen, Japaner und Amerikaner, Iraqi und Amerikaner, Russen und Nepalese, arbeiten zusammen und achten und ehren einander. Das ist doch wundervoll! Warum aber nicht auch auf Ebene der Herden und Nationen?
    Da sieht das aus obengenanten Gründen leider ganz anders aus. Dabei würden alle von Weltfrieden und globaler Union profitieren. Und so utopisch das auch klingen mag. Irgendwann wird es, muss es soweit sein, und wir kümmern uns um die wichtigen Dinge auf dieser Welt – oder die Erde wird sich unserer entledigen.

    Nun wieder bodenständiger.
    Einen dritten Punkt möchte ich noch ansprechen. Letztens wurde in einem dieser Talkbacks, oder wie auch immer man es nennt, von einem Mitarbeiter des öffentlich- rechtlichen Fernsehens bezüglich des schrecklichen Programms genannt, die Augsburger Puppenkiste wäre einfach nicht von den Kinder gewollt …
    Diese Aussage, völlig ohne Visionen und Glaube ist traurig! Wie sollen die Kinder das auch überhaupt kennen, Puppenkiste, wenn sich soetwas nicht mal in öffentlich- rechtlichen Sendern durchsetzen kann?

    Wir brauchen Visionen und Aufklärung, und mehr dieser Beiträge von Herrn Schneider und mehr solche Videoblogs! Auch im Fernsehen. Ich kenne viele Leute, die würden sich das ansehen. (Aber Internet ist vielen Leuten einfach zu vollgemüllt oder sanfter ausgedrückt: datengefüllt. Den Videoblog müssten sie erstmal finden. Zumindest nennen könnte man den mal im Fernsehen.)

    Und noch ein vierter Punkt: Die Nachrichten dürften wirklich länger sein! Warum ändert man den Dong zur Einleitung der Tagesthemen mehrfach und warum auch immer, aber die Zeit ist fix auf 15 Minuten? Kann man da nichts ändern? Flexibilität wie jetzt in solchen Krisenzeiten bei der Berichterstattung der Journalisten hier zu diesem Thema – die Videoblog und Beiträge haben sich hier stark gehäuft. Warum darf nicht auch die Tagesschau mal länger dauern. Ganz ehrlich, da gibt es doch keine technischen Grenzen.

    Danke für euer Engagement, eure Berichterstattung und die unvergleichbaren Momente und Einblicke in den Videotouren!
    Und verzeiht meine Blauäugigkeit.

    • @ Jansea

      Nur zu einem Punkt möchte ich mich äußern: Könnte man es nicht so lösen, dass man die Zivilbevölkerung an oberste Stelle stellt? D.h. man könnte zuerst Warnungen ausrufen – per Drone oder wie auch immer..“ „Dieser direkte Aufruf vor Ort am Ziel des (Luft-)Angriffs hötte einen ….entscheidenden Vorteil“
      Das wird doch bereits gemacht. Zumindest hat in einem Interview ein Palaästinser erzählt, dass er sich so in Schutz begeben hat.

      Ansonsten ist es immer aufschlussreich sich mal in Schuhe des Gegenübers hineinzustellen. Dazu könnte Sabrinags Kommentar hilfreich sein.

      • Das klingt interessant. Es wäre vortrefflich. Theoretisch müssten sich doch so alle Zivilopfer verschonen lassen, wenn man denn noch mit ausruft, dass die anderen auch Ihre nächsten warnen sollen. Da müsste man das Zeitfenster vielleicht anpassen, aber es dürfte keinen Personen-”Kollateralschaden” – wirklich ein schrecklicher Ausdruck – mehr geben.

        Aber es gibt ihn doch noch? Also wird noch nicht genug gewarnt. Zivilopfer im Nachhinein zu beklagen ist jedoch lächerlich. Aber ich frage mich gerade, ob die Hamas das überhaupt tut?

        Überhaupt sollten beide Seiten endlich zusammenarbeiten – jeder Politiker sollte beide Staaten besuchen – am besten wäre sogar zeitgleich, was natürlich nciht geht, aber ansonsten denkt immer eine Fraktion sie wäre (un)wichtiger. So wie das momentan läuft, dass alle zur Hamas rennen, ist nicht zielführend, wenn nicht im gleichen Maß auch von denselben Politikern nach Israel gereist wird.

        So ist es jedenfalls kein Wunder, dass die Hamas die Raketenangriffe nicht einstellt … (wobei das wiederum leider entgegen ihrem Erwarten von Schwäche zeugt, denn “der Klügere gibt nach” gilt auch hier)

        Dass beide Seiten gleichermaßen am Übel beteiligt sind, ist mir nach anfänglichen Sympathien für die Hamas ziemlich schnell aufgegangen als ich mir die Raketenfrage stellte. Deshalb sollte man beide Parteien auch komplett gleich behandeln – und am besten nicht durch Drohung etwas bewirken wollen (wie es West und Ost gleichermaßen üblicherweise pflegen sobald es um die andere Partei und nicht einer selbst geht). Das löst nämlich meist unerwünschte Effekte hervor – nämlich Hass. (bestes Beispiel: im Iran sind die U.S.A. als Großer Teufel bekannt – woher das wohl kommt? aber auch Europas Ansehen leidet in der östlichen Welt – Heureka, gut gemacht liebe Politiker. Machteinfluss scheint wichtiger als Ansehen …)

        Genau das selbe Spiel bei Israel und Palästinensern, oder nicht? Immer Bedingungen, kein offenes, kompromissbereites und menschliches Aufeinanderzugehen? Keine Hinnahme von Nachteilen? Am besten nur Vorteile, nur das gute vom Kuchen! Solche Leute werden im Allgemeinen als sehr unangenehme Gäste bezeichnet. Müssten die Israelis und Palästinenser nicht stattdessen gleichermaßen auf den Frieden und eine Einigung pochen? Umso mehr da sie sehen, welch Grauen und Terror Raketen und auch nur die bloße mögliche Gefahr eines Beschusses sind?

        Das ist, was ich nicht verstehe! Warum unterstützen dann alle die Regierung, die die gleichen Bestien auf die Palästinenser loslässt, die sie selbst so fürchten? Das ist doch wirklich traurig …

        • @ Jansea “(bestes Beispiel: im Iran sind die U.S.A. als Großer Teufel bekannt – woher das wohl kommt?” Fragen sie Veritas!

          Könnnen Sie sich vorstellen dass andere Menschen, andere Kulturen von Glaubenssätzeen, Erklärungen, Wahrnehmungen und Handlungsimpulsen ausgehen die sich von den Ihrigen voll und ganz unterscheiden?

  29. “Wie schön wäre die Geste gewesen, trotz aller Raketenbeschüsse nocheinmal auf die Palästinenser zuzugehen?”

    Das erklaeren sie mal meinen Landsleuten im Sueden des Landes, die seit Jahren beschossen werden. Oder dem Baby, dass bei einem Angriff seine Eltern verlor. Eine “schoene Geste” waere es, wenn die Hamas Charta geaendert wuerde in :wir erkennen Israel an und wollen keine Juden mehr toeten. Es sind leider weder Sitzstreiks noch Lichterketten hilfreich. Glauben sie irgendeine Mutter hier moechte, dass die Soehne (Durchschnittsalter 19) kaempfen? Glauben sie die Politiker moechten das? Warum hat man wohl monatelang gewartet und zugesehen, wie die Menschen hier in Panik auf die naechsten Sirenen lauschen, nicht wissend wo die Raketen landen. Nicht alle Staedte haben Bunker. Hat jemand an unsere Kinder gedacht? Erst nach hunderten von Raketen wurde geantwortet und nach vielen Warnungen. Irgendwann ist es gut, Werteste/r. All diese Begebenheiten, Juden in Angst-wiedermal – waren der tagesschau bis vor einer Woche, nachdem Israel angriff keine Sekunde der 15 Minuten-Sendung wert.
    S.G
    Israel

    • Natürlich es ist auch Hamas, die ich ansprach. Nicht umsonst lobte ich sie für ihre wundervolle Tarnung unter der palästinensischen Zivilbevölkerung (indirekt) und für die ganzen Raketen (direkt).

      Herr Schneider hat den Punkt, den Sie ansprachen, öfters angesprochen. Und dadurch wusste ich davon und habe auch auf Facebook beide Seiten kritisiert:

      “Barack Obama gewinnt die Wahl. Die EU bekommt den Nobelpreis. China’s Machthaber Hu verzichtet freiwillig auf die Fortführung seines obersten Militärbefehlshaberpostens, gibt alle Macht an Xi ab. Griechenland bekommt mehr Zeit. Bundeskanzle
      rin Merkel kritisiert Putin für zu hartes Vorgehen gegen die Opposition und Putin kritisiert Deutschland für fehlende Gleichstellung von Mann und Frau. Iran vor Gesprächen mit den U.S.A über Thema Kernwaffen. Förderung von grünen Energien. Klimabewusstsein.

      *Da redet man von Hoffnung für die Welt – und dann gibt’s statt Kompromiss und Deeskalation im brennenden Nahen Osten Eskalation im Großen Stil.*

      So macht man das, große Klasse, Israel, Herzlichen Glückwünsch, wir überschütten euch, Ihr dort Regierenden, mit allen Ehren. Da hat noch ein Orden Platz, und am Unterschenkel auch noch für ein paar. Alte Kader, hm … eingefleischte Militärs … ohne Euch wär die Welt nicht so friedlich! Warum auch Diplomatie, wo es auch das Brecheisen gibt? Warum in der Wüste Politiker gegeneinander im Sandkornweitwerfen antreten lassen, wo doch Wohlstand- und vor allem Personenschaden viel mehr schmerzen (ganz zu schweigen von der Natur, die im Krieg ebenso fällt).

      Gleiches gilt auch für die raketenschiessenden Palästinenser-Gruppen – auch für Euch haben wir noch massig Orden übrig. Aus purem Gold. Gerne schenken wir sie her!
      Vielleicht sollten Geschosse aus Gold hergestellt werden, dann gäbe es sicher ganz plötzlich weniger Kriege. Denn alle ticken ja nach G[e]ld. Der Gesellschaft kommt nichts besseres in den Sinn. Obwohl, es gibt doch nichts besseres als Gegner zu bombadieren bevor man sich auf einen Komprmiss einlässt, gell, denn in Kompromissen schneidet immer eine Partei schlechter ab, nicht wahr, raketenwerfende Hamas? ”

      Ich habe auch über die 2-Staatenlösung nochmal nachgedacht und dachte über eine 3-Staaten-Lösung nach. Dann erinnerte ich mich an Richard C. Schneiders Ausführungen und die Komplexität und dann gefiel mir der Vorschlag von Ilse WS immer besser. Warum nicht drei Staaten gründen, in dem alle Bürger alle Staatsbürgerschaften haben. Es gibt ein einheitliches Militär und 3 oder 2 Premierminister … aber damit sind die eigentlichen Probleme ja auch nicht aus der Welt, oder?
      Also glaubte ich, vielleicht könne die Wohlstandsgüterflutidee von Michael (?) funktionieren. Sodass die Hamas an Einfluss verliert, weil sie sich nicht mehr einschmeicheln kann. Oder wie auch immer.

      Ich verstehe euer Leiden. Ein Satz zeigt genau, wo der Hund begraben liegt. “Was du nicht willst das man dir tu, das füge auch keinem anderen zu.”
      Beide Seiten wollen in der Welt geachtet werden, also sollten sie auch die Gegenseite achten.

      Eine Lösungsidee hat sich mir noch aufgetan: Israel sollte von Deutschland zurückgeholt werden nach Deutschland. Ich weiß, das klingt komisch, aber es ist vielleicht eine gar nicht so unvernünftige Lösung. Die 7 Mio. Leute kriegen wir noch unter.

      Die Hamas sollte jedoch dafür alle Macht nach Fatah abgeben und Jerusalem unter internationale Verwaltung gestellt werden. Weiter sollten die Israelis vielleicht auch die palästinensische Staatsbürgerschaft erhalten.

      Zu der Idee mit den Drohnen möchte ich noch anfügen, dass unsere Universität selbst die friedlichen autonomen Warn-Drohnen für das Militär liefern könnte. Also technisch sehe ich keine Hindernisse.

      Das gute daran wäre weiter, dass Drohnen nicht nur in schlechtem Licht stehen würden. Wir entwickeln weiter auch für Katastrophen und Erdbeben Rettungsdrohnen.

      Wenn wir das mit den Warndrohnen, die gleich auch die Leute auf der Straße warnen könnten, in internationales Gesetz schreiben könnten (und das durchkriegen würden), dann hätten wir in Europa auch gleich etliche Jobs für die israelische Bevölkerung.

      Ich verstehe, wenn ihr nicht auswandern wollt, notfalls müsste man tauschen, d.h. freiwillige Deutsche herunterschicken, die dann im palästinensischen Staat leben und im Austausch gehen dann die Israelis in die Posten der Deutschen. Hier auch gleich meine Zusage, ich melde mich hiermit freiwillig. Ich habe muslimische Freunde und daher kein Problem mit ihrer Kultur. Genauso wie ich Juden achte und mit ihre Kultur und Religion toleriere.

      Deswegen verstehe ich auch nicht, warum sich die Politiker nicht endlich mal richtig an eine Lösung heranwagen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, die man probieren könnte. Und dabei sollte man mal die größte Schwäche unseres achwietollen demokratischen Systems außer Acht lassen: Wahlen.

      Wahlen im Sinne von des Volkes Stimme sind ja nicht schlecht. Doch könnte man das besser regeln. Um konkret zu werden und nicht nur leere Worte zu zollen, könnte man z.B. festlegen, dass jeder Bürger nur einmal gewählt werden kann. Nämlich dann, wenn er noch keine aktuelle Politik macht. Dafür aber für einen längeren Turnus.

      Das empfinde ich für eine angebrachte Verbesserung. Bitte zeigt mir Schwachpunkte auf. In der Diskussion liegt der Ursprung der Demokratie.

    • Dann hätten die Israelis mal vorher mit ihrer rassistischen Politk ein ende machen sollen bevor die Hammas gegründet wurde. Die Hammas waren nicht das Problem. Der Landraub und die Unwilligkeit sich an UN-Resolutionen zu halten sind das Problem.

      • Nur in der Vergangenheit wühlen hilft nicht. Der Mist ist nunmal passiert. Was will man jetzt noch daran ändern. Das ist doch schon hundertmal passiert – dass Grenzen sich ändern, ob freiwillig oder nicht. Früher mal hatten die Italiener in Form der Römer ein riesiges Reich. Und fordern sie es zurück? Kann man es überhaupt zurück fordern?

        Sich ändernde Landesgrenzen sind ein Nebenprodukt und gleichzeitig ein Ziel von Krieg – und das ist ein weiteres Indiz für das Übel, das jegliches Kriegsdenken über die Menschheit bringt.

        Eben deshalb sollten wir Deutschen es wieder gutmachen. Es wäre eine beispielhafte Geste. Die Israelis nach Deutschland rufen, Jerusalem’s Altstadt unter internationale Verwaltung und Reisefreiheit und beide Pässe für Israelis (den deutschen und palästinensischen).

        Nur einer macht da sicher nicht mit: Benjamin Netanjahu – und andere Machthaber auch nicht. Geschweige denn, dass das Volk das überhaupt will. Selbst wenn Netanjahu einen Ministerposten in Deutschland versprochen bekäme und die Parteien übernommen würden – ich glaube, selbst dann wäre das noch nicht lukrativ genug, oder?

        Demographisch sind diese 7 Mio Einwohner Israels jedenfalls unterzubringen. Wenn man es nur wollte …

        Natürlich Free, dass sich Länder nicht an Vereinbarungen halten (wie die der UN) oder diese zu Ihren Gunsten auslegen, ist ein weiteres Problem. Und wieder hat auch unser Land kürzlich solch ein Faux-pas beschritten, als sie den Maastricher Vertrag verletzten und Konsequenzen (Sanktionen) einfach nicht zuließen.
        Das mag ein anderes Thema sein, doch ist das alles eng miteinander verknüpft. Denn wenn sich eh nichtmal Deutschland an Verträge vor der eigenen Haustüre hält, warum sollten dann andere Länder wie Israel oder Syrien UN-Verträge einhalten??

        • “Nur in der Vergangenheit wühlen hilft nicht. Der Mist ist nunmal passiert. Was will man jetzt noch daran ändern. Das ist doch schon hundertmal passiert – dass Grenzen sich ändern, ob freiwillig oder nicht. Früher mal hatten die Italiener in Form der Römer ein riesiges Reich. Und fordern sie es zurück? Kann man es überhaupt zurück fordern?”

          Also finden sie dass man Landraub, Mord und Vertreibung einfach so zulassen sollte und den Agressor einfach mit dem erbeuteten Land belohnen sollte?
          Also hätten die Araber ihrer Meinung nach das Recht alle Israelis zu vertreiben und sich das Land dann durch Gewalt zu erobern? Das wäre völlig ok?

          Für mich wäre das inakzeptabel. Und genau deswegen sind auch die Verbrechen jüdischer Terroristen inakzeptabel und dürfen nicht damit belohnt werden, dass man ihnen das geraubte Land einfach so überlässt.

          • Die falschen Schlüsse daraus zu ziehen, wäre in der Tat problematisch und nicht gewollt. Aber das kann man natürlich auch nicht verhindern. Deswegen könnte man meinen, es wäre legitim sich einfach so ein Land zu holen – ist es aber nicht.

            Und deswegen will ich ja, dass Deutschland da in’s Spiel kommt. Als herausstehendes Beispiel der Einsicht – Lernen aus der Vergangenheit. Israelis nach Deutschland einzuladen.

            Letztendlich kann man nur darauf hoffen – dass die, die das Übel angerichtet, Ihr Unrecht einsehen. Und das wird im Schnitt jeder nur tun, wenn er den anderen einigermaßen schätzt.

            Umso wichtiger ist es doch, dass man der widersachenden Partei (für Hamas u.a., Israel – für Israel die Hamas u.a.) im Jetzt und in der Zukunft kein Leid und Schaden zufügt.

            Achtung kommt eben nur durch große Gesten. Hörte die Hamas eigenständig auf mit den Raketenattacken – dann würde ihr Image sofort gehoben. Wäre Israel stoisch und kompromissbereiter (sie als eine Art Besetzermacht – egal was in der Vergangenheit war — wenn Deutschland das Gebiet von Polen zurückerobern würde, wäre sie doch auch Besetzer von Polen? ist einfach die federführende Macht) und freundlicher und offener gegenüber ihrer Anrainerstaaten und nicht so vergangenheitsbezogen – so wäre die Israel-Meinung von der Bevölkerung in den anderen Ländern einfach viel besser.

            Und wenn das Volk ein anderes Land nicht mehr verachtet, weil es ja eigentlich ganz nett ist – dann kann man sich damit arrangieren und auch die Politik wird sich mittelfristig umstellen müssen.

            Die stärkere Partei ist die, die die andere auf ihr Level heraufheben muss.
            Ansonsten bliebe nur der kleineren Partei den größeren zu sich herabzureißen, was offensichtlich keine gute und nachhaltige Lösung ist. (geschweige denn dass es überhaupt funktionieren wird solange nicht noch mehr andere Parteien in der Feindseligkeit der starken Partei bestärkt werden, bis es letztendlich in Kumulation der Kräfte zum Hinabreissen reicht)
            Gleiche Augenhöhe ist wichtig – und da liegt es beim Stärkeren die Weichen zu stellen.

            In der Vergangenheit kann man jedenfalls nichts mehr ändern – und deshalb ist es auch nicht zielführend, alle zu erschlagen, weil es in der Vergangenheit andersherum war.
            Was ich meine, sieht man denke ich gut an der Nuklearen Frage: Hat ein Land Atomwaffen, so kann man von außen nichts mehr machen. Auch wenn man am liebsten mit droht und Druck macht – dann droht die andere Partei auch, und zwar mit der Atombombe.
            Wenn sich aber die Parteien gemeinsam zur Abrüstung verpflichten ist das ein Auftreten auf gleicher Augenhöhe – obwohl die U.S.A. will stärker wären und der Schaden auf der anderen Seite viel größer wäre (wenn auch bei Atomwaffen jeder Schaden in extremem Maßstab wäre), sollte es zu einem kriegerischen Konflikt kommt, lässt sich die stärkere Partei dazu herab, auf Waffen zu verzichten damit es die anderen auch tun.

            Das ist eine Geste – und die muss vom starken Land kommen.

            Und im konventionellen Krieg ist es da nicht anders – nur ist die Skalierung viel kleiner. Man sieht es doch an den Zahlen hier im Gaza-Konflikt. Und hier bei den Kommentaren kriegt man es auch zu hören. Krieg trifft beide Seiten.

            Daraus folgt dann, die stärkere Partei muss also auf die kleinere Partei zugehen und Zugeständnisse machen und sich vor allem vermehrt tolerant und freundlich zeigen. Dann wird nach kurz oder lang die Meinung im anderen Land kippen. Die Beziehungen werden immer besser und beide Seiten profitieren (die stärkere Macht beispielsweise durch Export in die schwächeren Länder).

            Insgesamt folgt aus den Schlüssen zur atomaren Bewaffnung, dass Krieg überhaupt kein vernünftiges Mittel/Antwort ist – ist es nicht eher ein Instrument, dass langfristig immer genau das Gegenteil von dem bewirkt, wozu es eigentlich dienen sollte?

            Eben weil alle so denken – ah, vor Hundert Jahren ist uns das widerfahren – das Verzeihen wir nicht.
            Ist es nicht so, dass Staaten, die einst bitter verfeindet waren – erst durch große Gesten oder letztendlich durch “Vergessen” der Vergangenheit (durch Sterben der betroffenen Generation) wieder “zueinander finden”?

            Also kann in der Vergangenheit wühlen nicht der richtige Weg sein, sondern große Gesten und Achtung auf beiden Seiten. (dazu muss eine Seite – hier Israel durch Raketen – durchaus viel ertragen, bis die Meinung auf der anderen Seite kippt – hält sie durch und zeigt sich trotzdem freundlich und sieht das Gute – so ist es geschafft, die erste große Geste ist da, die feindliche Meinung wird kippen)

            Noch ein Wort zum Islam: Egal wie sehr jemand von seinem Glauben überzeugt ist, Freundschaft ist die größere Macht. Und das ist die Chance.

            Ein Gläubiger, dem sein Freund lieb, wird diesem nichts böses tun, auch wenn er vermeintlich gegen seine Glaubensauslegung verstößt.

            Würde es nicht viel mehr zum Nachdenken anregen (notfalls nach einer Auseinandersetzung), ob das wirklich so richtig sei, was seine Glaubensauslegung ihm da vorschreibt?

            Ein anschauliches Beispiel: Hexenverbrennung
            Dein bester Freund wird als Hexe angeprangert. Nun, da du auch überzeugter Christ bist und bisher immer dabei, wenn es um Anprangerung ging – spätestens jetzt wirst du zum Nachdenken kommen. Und es könnte dennoch schon zu spät sein. Aber würde es dir nicht die Augen öffnen?

  30. “die Augsburger Puppenkiste wäre einfach nicht von den Kinder gewollt …” (Jansea)

    Schauen Sie, ich glaube zu verstehen, wovon Sie hier sprechen. Ich selbst diskutiere sehr gerne auf diesem Forum. Andererseits ist diese Form der Diskussion in der Tat hochanspruchsvoll, so dass es nicht wenige Zuschauer oder Mitleser geben mag, deren Interesse an diesem Format leider nicht geweckt wird.

    Die Inhalte und die kritische Auseinandersetzung mit den Fakten, die hier diskutiert werden, halte ich genau wie Sie für sehr wichtig. Es könnte jedoch sein, dass man dieselbe “Botschaft” dem User in etwas leichter verdaulicher Art und Weise nach Hause auf den Bildschirm bringen könnte. Wenn die Thematik nicht so stockernst wäre, so könnte man in Anlehnung an die sehr erfolgreiche heute show des ZDF eine NahOstShow andenken… , aber das wäre dann wirklich ein völlig anderes und sehr aufwendiges Projekt.

    Ich glaube, den meisten Usern fehlt ein solider Grundstock an Wissen, um von unseren Diskussionen hier profitieren zu können. Die meisten Leute haben leider auch nicht genügend Zeit, um in die Materie voll eintauchen zu können, und sie setzen ihre Prioritäten anders.

    Ob die Augsburger Puppenkiste nun wieder im Programm oder ins Hauptprogramm aufgenommen wird oder nicht, es hängt nicht die Welt davon ab. Wissen, das gewusst werden soll, wird erfahren, ob das TV-Programm nun dabei hilft oder nicht.

    Ich weiss nicht, ob eine Verlängerung der Sendezeiten der Nachrichten hilfreich wäre. Vielleicht ja. Aber dann würden 5 Minuten mehr auch nicht wirklich viel bringen. Besser wäre dann gleich eine 45minütige Nachrichtensendung jeden Abend oder immer wieder auch längere Dokumentationen zum aktuellen Thema. Es fällt den TV-Zuschauern und Internetusern sicher leichter, sich einmalig eine 60minütige Doku anzusehen, die zu kritischem Mitdenken anregt!!, als sich aktiv an einem täglichen Blog zu beteiligen, auch wenn ich es nicht missen möchte.

  31. Ich habe die regen Diskussionen in der Kommentarsektion schon öfter verfolgt und habe schon das eine oder andere gelernt und über vieles nachgedacht.

    Da haben Sie recht. Ich glaube, es ist vielleicht besser, einmal am Tag spezielle Brennpunkte einzuplanen, als die Sendezeit um mickrige 5 Minuten zu verlängern.

    Das TV-Programm und in diesem Kontext die scheinbar fehlende Konkurrenzfähigkeit von freundlichen Sendungen wie die der Augsburger Puppenkiste gegenüber Talkshows mit Drehbuch oder Pseudonachrichten mit unvorstellbar realfernen Comicfiguren bringt unsere Kinder doch nicht vorwärts. Es führt sie in die falsche Richtung. Warum sollen Kinder die Einschaltquoten bedienen? Es geht eher darum, das Programm kinderfreundlich und kinderbildend zu gestalten. Die Sendung mit der Maus ist da ein vortreffliches Beispiel. Leider sind die öffentlich-rechtlichen Sender die einzigen auf die man in diesem Kontext überhaupt bauen kann. Alles andere könnte man häufig getrost in die Tonne treten. Aber die Kinder schauen es an. Die Eltern haben meistens kein Zeit und Muße sich auch noch darüber mit ihren Kindern streiten zu müssen.

    Und der Einfluss im Reifeprozess der Kinder und die Bildung und Erziehung der Nachkommen legen doch den Grundsatz des Charakters des Menschen. Und diese Heranwachsenden bestimmen die Zukunft. Sie machen die Politik von morgen. Da ist doch der Fehler begraben, da fangen zumindest die Probleme von morgen schon an. Heutzutage läuft der Fernseher fast immer bei den jungen Leuten …

    Das ist auch der Grund, warum ich das Internet bevorzuge, man kann sich die Nachrichten selbst suchen und gegenprüfen, in mehreren Sprachen recherchieren und Blogbeiträge von Menschen aller Glaubensrichtungen lesen, um zu versuchen, zu verstehen, wie die anderen denken.

    Die Frage, wie man am besten kritisch aufklärt, stellen sich die Journalisten ja öfter (z.B. Herr Schneider) und haben sich auch viel tiefgründiger damit befasst als ich z.B., aber Fernsehen erreicht die Leute, das ist sicher. Daher ist es auch signifkant und fatal, was Richard C. Schneider dazu sagte. Der Druck ist enorm, die Zeit ist knapp und man muss gefasst sein, darf nicht übertreiben und muss doch versuchen, die Zuschauer kritisch und möglichst gut aufzuklären. Diese Aufgabe ist unter gegebenen Umständen und derart kleiner Zeitfenster einfach unmöglich!

    • @ Jansea

      Ich habe gestern abend noch länger hierüber nachgedacht. Sie haben völlig recht damit, die besondere Rolle, Aufgabe und den ‘Erziehungsauftrag’ der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zu betonen. Es ist dabei in der Tat ein Armutszeugnis, wenn diese sich an Inhalten und Methoden der privaten Konkurrenz orientieren oder sich gar vom Ruf nach leichter Unterhaltung für die Kleinen leiten lassen.

      Wenn der Bildungsauftrag richtig verstanden wird, so kann er dazu ermutigen, die Dinge ANDERS zu machen als die anderen, so anders, dass Methode, Format und Inhalt dennoch Aufmerksamkeit erregen und entsprechende Einschaltquoten garantieren.

      Ein neues, geändertes Format für die Abendnachrichten wäre spektakulär und käme sicher einer Revolution gleich. Ich habe mich gestern an eine exzellente Nachrichtensendung erinnert: Die amerikanische “News Hour” auf PBS. Wie der Name sagt, dauern diese Nachrichten eine volle Stunde. Auf deren Website ist mir darüber hinaus direkt die Rubrik “Teaching” ins Auge gefallen…

      Dokumentationen, differenziert dargestellte Hintergründe, Debatten usw. könnten im Schulunterricht als Referenz dienen. Die verschiedenen Videoblogs könnten auf DVD vermarktet werden (Einnahmen!).

      Und es ist toll, wenn Journalisten bereit sind, weder Zeit noch Mühe zu scheuen, um einen Einblick in ihre Tätigkeit sowie Informationen und weiterführende Gedanken an die User weiterzugeben. Sie bedienen sich damit selbst des Mittels, das professionellem Journalismus in den Rücken fällt. Es fehlt weder an Blogs noch Informationen, wohl aber an fähigen Köpfen, die in der Lage sind, die auf uns einströmende Datenfülle zu sichten, verarbeiten und den Sinn in verständlicher Weise zu vermitteln.

      Hierbei kommt nicht nur die Leistung des Blogmasters zum Tragen, sondern die Blogger selbst mehren auch das Wissen, indem sie sich gegenseitig hinterfragen und eigene Informationen aus anderen Quellen mit einbringen. Ich habe immer wieder den Eindruck, dass solche partizipativen Formate auch als Gefahr gesehen werden: Und dann kommen Blogger daher, die wissen mehr als der Maestro selbst?! Mit solchen Ängsten kann man heutzutage aber keinen Blumentopf mehr gewinnen. Das ist genauso wie die Angst der Grundschullehrer/innen vor Erstklässlern, die – o Schreck! – schon lesen und schreiben können. Daher ist Lesen und Schreiben im Kindergarten nicht erwünscht – und dann wird es zum Muss.

      Wissen muss immer fliessen dürfen. Kommunikation und kritischer Austausch dürfen nicht gehindert und müssen bestmöglich gefördert werden.

      Die online verfügbare Berichterstattung der ARD zum neuen Gazakrieg finde ich “outstanding”. Es ist nicht nötig, woanders suchen zu gehen. Ich sprach gestern mit einer amerikanischen Bekannten hierüber. Sie sagte mir, seit Ausbruch des Krieges könne sie keine Nachrichten mehr sehen. “Nicht mehr können?” – Klar. Sie wird NUR mit reisserischen Bildern von Tod und Zerstörung konfrontiert. Hintergründe und Zusammenhänge: Fehlanzeige.

      Bilder aber, die die Bevölkerung schrecken und ängstigen (und auch manipulieren), da wir als Zuschauer gar nichts TUN können (ausser Spenden? und beten?), sind kontraproduktiv. Wenn wir geistig aktiv mit in den Konflikt hineingenommen werden, mitdenken, jeder einzelne, dann wird Veränderung im Grossen möglich und wir leiden nicht an unserem eigenen tatenlosen Zusehen. Solange wir nur (geistig) abschalten wollen und die Unterhaltung suchen, kann sich weder im Kleinen noch im Grossen etwas ändern, und unser Leben verliert den Sinn, weil wir unsere Intelligenz nicht unserer Spezies entsprechend nutzen.

      Wir sind dazu berufen zu sein, wer wir sind: denkende und fühlende MENSCHEN.
      Wir wollen TEILNEHMEN.
      Brot und Spiele sind NICHT genug.

      PS: Um dieses Blog zu promoten, halte ich für sinnvoll, einen laufenden Balken unter dem Namen des Sprechers mit dem Hinweis auf dieses “Programm” immer dann einzublenden, wenn es eine “Live” aus dem Nahen Osten gibt.

      • Danke für die Anregungen. Im Prinzip leistet die ARD das, was Sie propagieren: Es gibt kurze Nachrichtensendungen wie die Tagesschau – auch diese in verschiedenen Längen, es gibt längere wie das Mittagsmagazin (60 Minuten!), das in speziellen Fällen auch zur Sondersendung werden kann, es gibt Brennpunkte speziell zu einem Thema, es gibt Online rund um die Uhr ein aktuelles Angebot mit Hindergründen, es gibt Blogs wie diesen, in denen Sie sich beteiligen können. Die aktuellen Sendungen sind zudem auf Youtube und Facebook. Der Blog ist auf tagesschau.de und auf mittagsmagazin.de prominent platziert, in den linearen Sendungen wird derzeit ständig auf den Blog hingewiesen. Genug Möglichkeiten, sich zu informieren, aber auch seine Meinung zu äußern.

        • Vielen Dank für Ihre Hinweise.

          Dann bliebe nur noch, die Abendnachrichten um 45 Minuten zu verlängern. ;-)

          Es sind doch in erster Linie Hausfrauen, Arbeitslose und Rentner (bzw. die Armen, die Alten und die Kranken), die sich das Mittagsmagazin ansehen können.

          Andererseits informiert sich die potentiell andere Zielgruppe am Abend wohl eher am Laptop/im internet.

  32. “Müßte das Kriegsrecht nicht neu geschrieben werden? Was darf ein Staat? Darf ein Staat, dessen Bürger beschossen werden und die er zu beschützen hat, darf ein Staat auf Raketensilos oder Abschußrampen schießen, die mitten in Wohngebieten sind?”
    (Zitat Richard Schneider)

    Das ist eine gute Frage, insbesondere wenn man sich noch nicht intensiv damit beschäftigt hat. Und am Abend reicht es nur für ein paar zusammenhanglose Gedanken, die ich zur Diskussion stellen möchte.

    Die erste Frage ist, ob Kriege nur von Staaten, oder auch von nicht-staatlichen oder staatsähnlichen Organisationen geführt werden können. Nur wenn das möglich ist, kann die Hamas auch tatsächlich einen Krieg führen und als Kriegspartei gelten.

    Prinzipiell sind gezielte Angriffe auf zivile Ziele ein Kriegsverbrechen und können auch heute schon verfolgt werden – unter der Bedingung der ersten Frage. In den Jugoslawienkriegen ist das geschehen, obwohl es Bürgerkriege waren und die Staaten erst später entstanden sind.

    Die Genfer Konventionen sind zwar allgemein anerkannt, nur hält sich niemand daran, und Verstöße werden nicht konsequent geahndet. Die Hamas versteckt sich feige hinter der Zivilbevölkerung. Im Irak wurde das Missbrauchen ausländischer Geiseln als Schutzschild als Kriegsverbrechen gewertet. In Afghanistan passierte dasselbe, aber die Taliban wurden keinem geordneten Kriegsverbrechertribunal überstellt.

    Vielleicht würde die Anerkennung eines Palästinenserstaates die Situation für Israel insoweit verbessern, als dann die Hamas auch vor das Kriegsverbrechertribunal gezogen werden könnte.

    Auf der anderen Seite stellt sich für mich die Frage, ob ein Zivilist, der den Einbau von militärischen Einrichtungen in sein Wohnhaus gestattet, wirklich noch ein Zivilist ist. Unter der Prämisse, dass ich nicht in einem Rechtsstaat leben würde, also folglich nicht zur Polizei gehen könnte, habe ich zwei Möglichkeiten:
    1.) ich sabotiere die militärische Anlage und verhindere den Aufbau
    2.) ich verlasse das Haus.
    Wenn ich keine der beiden Maßnahmen ergreife, zeigt das mein konkludentes Einverständnis mit der Anlage und ihren Zwecken, und macht mich zu einem Kriegsteilnehmer.

    Das Tragen feindlicher Uniformen ist ein Kriegsverbrechen und rechtfertigt den Verlust des Status als Kriegsgefangener und die damit verbundene bevorzugte Behandlung. Dazu gehört auch das verdeckte Tragen von Waffen und das Tragen von Zivilkleidung. Wäre die Hamas Kriegspartei, würde sie keinem Schutz der Konventionen über Kriegsgefangene unterliegen aufgrund ihrer Methoden.

  33. @ Dermichael

    [Sie schreiben, dass die Auserwählung der rosa Elefant sei, den niemand nennen würde. Betrachtet man die Versiegelung und den Friedhof am Goldenen Tor, würde man auch zu der Schlussfolgerung gelangen, aber Süleiman der Prächtige ist schon lange tot. Woher nehmen Sie die Überzeugung, dass er den Arabern heutzutage überhaupt bewusst ist?

    “Warum?

    ;-)

    Ja, genau.”

    Könnten Sie das noch ein wenig genauer ausführen?]

    Zu Ihrem ersten Absatz mit Frage: Ich kann Ihnen hier nicht folgen. Was meinen Sie?

    Zu Ihrer zweiten Frage: Dies war eine Anspielung auf die offensichtliche ‘Wahrheit’ dieser Auserwählung, die sich uns mit Voranschreiten der Geschichte immer mehr offenbart und die uns wiederum sagt, dass es einen Schöpfergott gibt und dass ‘der Lauf der Welt’ nicht zufällig ist. – Erschreckend und sehr beruhigend..

    PS: Wollten Sie mich in Ihrem ersten Absatz darauf hinweisen, dass den Arabern jüdisches “Auserwähltsein” vielleicht gar nicht im Bewusstsein ist? Sie sehen nur den eigenen Auftrag gegenüber Israel, das sich im Irrtum befindet und “ungläubig” ist; und fühlen sich selbst dazu berufen, die Weltgeschichte zu vollenden. Ist es das, was Sie meinten?

    • Liebe Lily!
      Ja, das war meine Absicht in der Frage. Ich habe den Eindruck, dass heute vieles verschüttet und vergessen wurde, was früher einmal den Menschen bewusst war.
      P.S.: Danke, dass Sie nicht wieder T. geschrieben haben.

      • “Danke, dass Sie nicht wieder T. geschrieben haben.” (Michael)

        Ohne das T. können Sie leider nicht hören, wie ich Ihren Vornamen ausspreche! ;-)

        • Mmmh. Normalerweise haben die Leute eher Probleme mit meinem Nachnamen. ;)

          Nochmal meine Frage: Woher nehmen Sie die Überzeugung, dass er den Arabern heutzutage überhaupt bewusst ist?

          • “Woher nehmen Sie die Überzeugung, dass er den Arabern heutzutage überhaupt bewusst ist?” (Michael)

            Das weiss doch jeder! ;-)

            Nein, ich weiss es nicht. Ich habe diese Annahme unbewusst übernommen, so wie der Mann aus dem Gazastreifen in der Weltspiegelreportage von heute abend sich sicher ist, dass Israel zum nächstmöglichen Zeitpunkt auf Rache sinnen wird.

            Ich habe darüber nachgedacht. Ich nehme an, dass “die” Araber die Idee von Israel als dem auserwählten Volk völlig aus dem kollektiven Bewusstsein verdrängt haben. Der Name Israel wird nicht ausgesprochen. Etwas, das kein Recht zu existieren hat, verdient keinen Namen und wird durch die Nichtnennung zu einem nicht existenten Gebilde. Sein Name allein könnte es noch stärker ins Leben rufen und am Leben erhalten.

            Es ist nicht möglich, dass ein namenloses Gebilde ohne jedes Existenzrecht zu irgend etwas auserwählt wäre… —

            Auftrag und Berufung – die Welt zu islamisieren, liegen ganz allein auf der Seite der Nachfolger Mohameds.

            “Auserwählung” ist eher eine Begrifflichkeit, um die Christen und Juden sich streiten.

            Wie denken, was wissen Sie darüber? Warum haben Sie mir diese Frage gestellt?

          • “Wie denken, was wissen Sie darüber? Warum haben Sie mir diese Frage gestellt?”

            Gestellt habe ich Ihnen die Frage, weil Sie im Brustton der Überzeugung davon ausgingen, dass die Araber den rosa Elefanten nicht nennen, was voraussetzt, dass sie ihn sehen und erkennen. Ich dachte, Sie wüssten dazu mehr als ich.

            Auf der theoretischen Ebene weiss ich eine Menge darüber. Israel wurde auserwählt, dann “vorübergehend außer Dienst gestellt” oder auf die Strafbank gesetzt, während die Gojim jetzt “am Zug” sind, bis deren Zeit auch irgendwann vorüber ist und Israel wieder ins Spiel kommen wird. Auch die Araber wurden auserwählt, aber von der anderen Seite und dazu bestimmt, Israel noch richtig Ärger zu machen (vgl. Ps. 83 + Jos 23:12ff.).

            Was ich dazu denke ist: Schaun wir mal, was kommt. Bisher war noch jede konkrete Vorhersage zu dem Thema falsch. Allgemein würde ich sagen, dass je mehr Macht die religiösen Araber bekommen, desto mehr werden sie nach noch mehr streben.

            So sehr ich es mir wünsche, und so nett wie einige der Israelis und Palästinenser sind, die ich kennengelernt habe, so wenig glaube ich, dass wir Frieden in der Region erleben werden. Die arabischen Politiker sind (Gott sei Dank) zu dumm, um ihre hasserfüllten Pläne Realität werden zu lassen, und die Israelis sind nicht skrupellos genug um die Probleme militärisch lösen zu können. Und da beide Seite es nicht lassen könen, der jeweils anderen Seite einen reinzudrücken, ist dauerhafter Frieden nicht möglich.

          • Michael,

            ich war aus Unwissenheit davon ausgegangen, dass die Araber Israels Auserwählung den Kampf angesagt haben.

            “Israel wurde auserwählt, dann “vorübergehend außer Dienst gestellt” oder auf die Strafbank gesetzt, während die Gojim jetzt “am Zug” sind,…”

            Woher “wissen” Sie das?

            Denken/glauben Sie, dass der/ein Messias wieder/kommen wird?

            Und was ist mit dem Antichristen? Denken/glauben Sie, dass es eine solche Gestalt geben wird?

          • “Woher wissen Sie das?”

            Römer 9-11.

            “Denken/glauben Sie, dass der/ein Messias wieder/kommen wird?

            Und was ist mit dem Antichristen? Denken/glauben Sie, dass es eine solche Gestalt geben wird?”

            Es gibt eine auffallende Übereinstimmung in fast allen Weltreligionen (nicht nur den semitischen, zu denen auch die auf Abraham zurückgeführten gehören), die das Kommen eines großen Führers am Ende der Zeiten und eine gigantische Schlacht im Nahen Osten vorhersagen. Entweder haben die alle voneinander abgeschrieben, oder da ist was dran.

            Bereits zu Zeiten Friedrichs des Großen antwortete ein Mann auf die Frage nach einem schlüssigen Gottesbeweis: “Majestät, die Juden”. Auch Hegel meinte, dass seine Philosophie alles ausser den Juden erklären könne. Wenn man länger darüber nachdenkt, ist eine Menge an diesen Aussagen dran.

            Die Tatsache, dass es nach rund 1900 Jahren wieder einen jüdischen Staat gibt, ist für mich eines der erstaunlichsten Ereignisse der Weltgeschichte, wenn nicht sogar ein Wunder. Und dazu noch eines mit Ansage.

            Auch wenn Vieles dagegen spricht und mir Vieles an dieser Vorstellung noch weniger gefällt, komme ich doch nicht umhin, sie für ziemlich wahrscheinlich zu halten. Auch wenn ich nicht genau weiß, wie ich persönlich mit dieser Erkenntnis umzugehen habe. Wobei das keine Aufforderung für “Ich-erklär-Dir-die-Welt”-Missionare ist.

          • Hallo Michael,

            vielen Dank für Ihre Erklärungen und die Erinnerung an Römer 9 – 11. Es ist schön, dass dieser Diskussionsfaden hier noch nicht geschlossen wurde, so dass ich nun verspätet noch antworten kann, und da wir uns langsam dem bisher am meisten kommentierten Post nähern, findet man auch leicht wieder hierher.

            “das Kommen eines großen Führers am Ende der Zeiten und eine gigantische Schlacht im Nahen Osten”

            Mir ist dabei jedoch aufgefallen, dass man im Judentum nur einen guten Führer, nämlich den Messias erwartet, während man zumindest im Christentum davon ausgeht, dass (s)ein Gegenspieler zuerst in Erscheinung treten wird, der dann auch im Zentrum der von Ihnen genannten grossen letzten Schlacht im Nahen Osten stehen wird.

            Wissen Sie, ob es im Judentum ebenfalls die Idee eines solchen Gegenspielers gibt?

            Interessant ist Ihre Frage, wie man diese Erkenntnis am besten in etwas Sinnvolles verwandeln könnte. Ich denke, die Antwort darauf lautet: Wach und bereit sein, so wie ohnehin angesichts des Todes, der uns alle erwartet – und nicht erschrecken, sondern akzeptieren, dass solche Schrecken sein ‘müssen’, ehe am Ende aber alles gut werden wird.

          • Ja, die Suche nach Einträgen ist relativ mühselig, seit so viele Posts hereingekommen sind. Da ist die “häufigste Kommentare” Funktion doch hilfreich.

            “Wissen Sie, ob es im Judentum ebenfalls die Idee eines solchen Gegenspielers gibt?”

            Das hängt davon ab, wie man die Kapitel 9ff. im Buch Daniel interpretiert. Es gibt da (mindestens) drei Auslegungen:
            a) bei dem “König” (11:36 ff) handelt es sich um Antiochus IV. Epiphanes (=der erscheinende Gott)
            b) bei dem “König” handelt es sich um Titus, den Zerstörer Jerusalems 66 n. Chr.
            c) bei dem “König” handelt es sich um einen zukünftigen Herrscher.

            Im Judentum wird die dritte Auslegung teilweise noch akzeptiert. Das führt dazu, dass sich Juden das Neue Testamt kaufen, um Daniel mit der Apokalypse des Johannes zu vergleichen. Offiziell wird dagegen eher a oder b vertreten.