Reporteralltag im Sirenengeheul Videoblog

Raketenalarm in Tel Aviv: Wenn andere in Deckung gehen, rennt das ARD-Team aufs Dach, um den Abschuss im Bild festzuhalten. Danach geht es weiter zu Häusern, die von palästinensischen Geschossen getroffen wurden. Und zwischendurch immer wieder: Deckung!

Videoblog Zwischen Mittelmeer und Jordan / Richard C. Schneider

 

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  1. Man ist geneigt zu sagen: “ihr seid doch verrückte Selbstdarsteller”. Aber bitte: Das ist Euer Job, ihr setzt Euch jeden Tag damit auseinander dass das was ihr tut gefährlicher ist als eine Kochsendung zu moderieren und jeder von Euch ist doch genau deshalb hier um Bilder und Eindrücke zu vermitteln. Niemand wird gezwungen in einen Shcutzraum zu fliehen. Die deutschen Fernsehzuschauer wollen Bilder und sollen die auch bekommen und das ist auch wichtig. Danke für die Eindrücke die mich bewegen und die ich aus einer anderen Position bewerten kann als von zu Hause vor dem TV da ich unfreiwillig zu diesem Konflikt in Beerscheba bin. Zweimal bin auch ich nicht gerannt sondern habe mit meiner Digitalkamera gedreht was am Himmel passiert, was das zischen, das Knallen und Bumsen, das leichte Wändezittern bedeutet. Der Mensch ist einfach neugierig.
    All das hat nichts damit zu tun, dass man “geil” auf die ereignisse ist -ich denke jeder, auch Journalisten, hoffen dass der, entschuldigung, Scheiß hier bald zu Ende ist. Danke für die Eindrücke und die Seiteneinblicke in Eure Arbeit.

  2. Glückwunsch! Endlich kooperieren die verschiedenen Akteure von ARD und BR erfolgreich miteinander, und auch der Montagsblog wird kommentierbar!

    Dazu fällt mir nun ein, dass ich ein bisschen schade finde, dass es nun nur noch um die unmittelbare Berichterstattung über die Kampfhandlungen geht und gehen kann.

    Das ist nun zwar nicht der Moment, um Ruinen in Sebastia zu besichtigen, aber es gibt doch auch noch andere Seiten des Krieges als das Feuerwerk am Himmel, Detonationen, Zerstörung, Verletzung und Tod… –

    So haben sich gestern Rabbiner und Gläubige vor der Klagemauer zusammengefunden und für die Soldaten und die Zivilbevölkerung gebetet, was wohl sehr bewegend war, oder ich las einen Bericht über ein Krankenhaus (Rambam), in dem – wie in allen israelischen Krankenhäusern – Menschen jeder Konfession und Herkunft behandelt werden, auch Menschen aus Gaza, obwohl Krieg ist und Israel den Gazastreifen bombardiert. Man spürt so sehr, dass es den Israelis nicht um die ‘Vernichtung der Palästinenser’ geht, dass die Menschen sich Sicherheit und Frieden wünschen und keinen Hass empfinden.

    • hey, schön die anderen Punkte auch mal zu hören. Ich persönlich war allerdings erstaunt, dass bei dem Stress, den die Journalisten vor Ort haben auch noch dieser Videoblog weiter geführt wurde. Keine Ahnung ich glaube bei all den Blogs hätte ich schon einen Burnout. Wie Herr Schneider ja selbst sagt, ist es irgendwie pervers, was die Journalisten da machen. Ich denke also, dass Herr Schneider das selbst recht gut refelektiert. Dennoch frage ich mich manchmal, auch wenn es natürlich von den meisten Zuschauern gewünscht ist, ob die Vermittlung von Emotionen der richtige Weg ist. Ich finde die Emotionen immer etwas gefährlich, sie vertuschen schnell die Fakten und lassen wie Herr Schneider ja auch schon angedeutet hat in vorherigen Beiträgen, den Zuschauer schneller parteiergreifen. Es ist ihr Job jetzt Bilder zu liefern und in späteren Zeiten werden Sie hoffentlich auch wieder Fakten und Hintergrundwissen vermitteln.
      Vielen Dank für die kontinuierliche Berichterstattung!

    • Hi Johannes,
      einen Burnout bekommt man nicht von zu viel, sondern von sinnloser Arbeit. Und die Arbeit hier ist sehr sinnvoll, denn sie vermittelt uns Sofa- und Schreibtischkartoffeln einen Eindruck von der Welt “da draußen”. Ich hoffe nur, dass die derzeitige Arbeitsmenge für die Reporter abnimmt, zusammen mit den gegenseitigen Aggressionen.

    • “einen Burnout bekommt man nicht von zu viel, sondern von sinnloser Arbeit. Und die Arbeit hier ist sehr sinnvoll” (Michael)

      Das haben Sie sehr treffend bemerkt, und ich finde auch, dass man das den Korrespondenten anmerkt. Sie blühen regelrecht auf in ihrer Aufgabe.

      Ich erinnere mich gerade an ein (Montags?)blog von Herrn Schneider, in dem er einigermassen genervt und gelangweilt Zeitungsartikel vorstellte, in denen es um einen möglichen Angriff auf den Iran ging. Ihm war die Unsinnigkeit solcher Berichterstattung vermutlich klar, und er musste dennoch genau dazu etwas sagen.

      Jetzt geht es hingegen wirklich zur Sache. Auch wenn die Sache als solche nicht erfreulich ist, so ist das nun ein realer und konkreter Konflikt, der journalistischerseits erhellt werden darf. DAS ist sinnvoll und führt durch völlige Verausgabung vermutlich irgendwann zur totalen Erschöpfung und dreitägigem ununterbrochenem Schlaf, während sich so ein Burnout eher durch Unruhe und Schlaflosigkeit auszeichnet…

    • “Ich persönlich war allerdings erstaunt, dass bei dem Stress, den die Journalisten vor Ort haben auch noch dieser Videoblog weiter geführt wurde.”

      Johannes,

      es ist nett, dass Sie das erwähnen. Ich muss sagen, mich persönlich überrascht hier mittlerweile gar nichts mehr! Die verhandeln sicher bald auch noch den Frieden in ihrem Satellitenwagen, unterstützt von linuxpinguin, die speziell dafür an die Front reist.

      Haben Sie schon einmal davon gehört, dass Zeit dehnbar ist? Wir kennen ja alle das Gefühl, dass die Zeit manchmal so langsam vergeht, dass man sie totschlagen muss, und dann gibt es Phasen, da fliegt sie davon, und man hat einfach nicht genug davon.

      In den Händen der Journalisten wird sie offenbar bei gesteigertem Bedarf neu geboren. Vielleicht liegt das am Heiligen Land? Ich versuche aus der Ferne mit dem Lesen und Verarbeiten nachzukommen, und das allein ist eine ziemliche Herausforderung.

      Ihre Bedenken wegen der Bilder und Emotionen: Das sehe ich auch so. Wir dürfen nicht vergessen: Bilder sind mächtig, aber die Welt wurde durch das Wort erschaffen. Bilder können eine Realität veranschaulichen, aber sie täuschen auch.

      Aber wennschon Bilder, so finde ich genau diese Bilder – vor der Klagemauer, in der Klinik usw. von israelischer Seite her wichtig, denn es kann sein, dass bereits in einer Woche nur noch Tod, Elend und Zerstörung mit Israel in Verbindung gebracht werden wird.

      Was ich anspreche, hat nichts mit Hintergründen zu tun. Diese Bilder zeigen einen anderen Aspekt derselben Wahrheit.

      Ich weiss ja, dass die Männer da unten nicht gleich mehrere Herkulesaufgaben stemmen können und dass es sicher auch entsprechende Erwartungen (Bilder von der Front! Feuerbälle und Explosionen! Drama!) von den Redaktionen gibt. Andererseits könnte man für zwei Tage vielleicht auch einmal auf Material der Nachrichtenagenturen zurückgreifen und woanders drehen. Das war mein Gedanke.

  3. Hallo liebes ARD-Team in Tel-Aviv und guten Mittag.

    Gerade eben habe ich euer wirklich gut gemachtes Videoblog auf der ARD-Seite geguckt und ihr seid wirklich die emsigsten Arbeitsbienen, die ich je gesehen habe. Bei so viel Stress habt ihr wirklich mal total recht, wenn ihr euch die eine oder andere Pause gönnt. Die habt ihr euch wirklich redlichst verdient!! Da gibt es nichts darüber zu diskutieren.

    Ich war gestern Nacht bis 1 Uhr für euch online und habe versucht, die neuesten Entwicklungen aus den Friedensverhandlungen für euch zu finden. Auf der ARD wird berichtet, dass unser deutscher Außenminister Westerwelle heute in Kairo erwartet wird zusammen mit Ban Ki moon, der seine Reise nach Nah-Ost ebenfalls beschleunigt hat. Herr Westerwelle hat seinen Reisetermin auch gestern bereits in einem Video-Interview von Herrn Ulli Deppendorf im Bericht aus Berlin bestätigt.

    Das heißt: die beiden stoßen heute zu den Friedensverhandlungen dazu. Mit der Ankunft wird für heute Abend gerechnet. Aber die Verhandlungen gehen emsig und arbeitsam weiter!!

    Lasst uns zusammen hoffen, dass es bei diesen Verhandlungen – bei denen es um weit mehr geht als nur eine Waffenruhe, nämlich um eine bessere Zukunft für beide Seiten – einen Durchbruch geben wird.

    Ich bleibe bei dem Thema für euch am Ball und beobachte das weiter und gebe euch die neuesten Meldungen weiter, sobald ich da was neues spitzkriege, damit ihr im Kampf um Aktualität einen Vorteil habt.

    Ganz liebe Grüße aus dem heute sonnigen Deutschland,
    Linuxpinguin

    • Kann es sein, dass du eine akute Profilneurose hast, lieber Pinguin?

  4. “Ich war gestern Nacht bis 1 Uhr für euch online und habe versucht, die neuesten Entwicklungen aus den Friedensverhandlungen für euch zu finden. ”

    ich glaube, dass das ard team dir sehr dankbar dafuer ist, dass du bis um 1 uhr nachts fuer sie etwas gesucht hast, was sie selbst am selben tag geschrieben haben.

    “Ich bleibe bei dem Thema für euch am Ball und beobachte das weiter und gebe euch die neuesten Meldungen weiter, sobald ich da was neues spitzkriege, damit ihr im Kampf um Aktualität einen Vorteil habt.”

    ich weiss gar nicht, was das ard team vor ort in israel ohne deiner hilfe in dtl. tun wuerde.

  5. Hallo Herr Schneider (und das team vom Studio TLV),

    Sie haben den richtigen Job ! Ich hätte nicht gedacht dass Sie Zeit haben den Blog mit fesselnden Beiträgen zu füttern.

    Bonne courage et bonne chance.

    Brgds
    Harald

  6. Cooler Beitrag…so ein Blick hinter die Kulissen…

    Ich weiss, eigentlich ein blöder Kommentar unter den Umständen da vor Ort…trotzdem ein klasse Beitrag.

    @Linuxpinguin:
    Ich hoffe, Sie meinen das nicht wirklich alles ernst : ) Sogar die Reporter unterwegs sind (wie man ja auch im Beitrag sehen könnnte, wenn man denn wollte) schon an alle möglichen Datenquellen angeschlossen (Agenturen usw.). Die im Studio in TelAviv sowieso.

  7. Tag für Tag und jede freie Stunde verfolge ich euren Blog und eure Beiträge. Sie sind sehr wichtig und geben – im Gegensatz zu anderen Medienanstalten – einen Blick auf die Situation in Israel die großes Unbehagen in mir auslöst.
    Bleibt zu hoffen, dass dem Team nichts zu steht.
    Viel Glück weiterhin bei eurer Arbeit.