Tagesschau 20:00

 

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  1. Hallo Herr Rosch,
    na also, jetzt haben wir zumindest mal eine Waffenruhe. Aber: nun geht die Arbeit an der Zukunft für die Palästinenser und für den Aufbau eines Palästinenserstaates erst richtig los.

    Aber eine Frage habe ich da noch:
    Wie sollen denn die Bedingungen für die Menschen in Gaza verbessert werden? Was hat Netanjahu dazu gesagt (also zu welchen Zugeständnissen ist Netanjahu bereit)??

    Und für die zukünftige Arbeit an diesem Zukunftsprojekt braucht es jetzt wirklich alle, die an dieser Sache der Palästinenser interessiert sind und zwar ernsthaft interessiert!!

    Daher schlage ich vor, man sucht nun einen ruhigen Arbeitsort, wo diese Dinge nun in Ruhe und ohne weitere Störungen besprochen werden können.

    Wer solle da dabei sein:

    1. auf jeden Fall die Palästinenser mit ein oder zwei Vertretern (davon könnte einer Abbas sein und dann noch ein zweiter oder eine zweite)
    2. Präsident Barack Obama + Hillary Clinton
    3. ein oder zwei Vertreter der EU
    4. unser Außenminister Westerwelle
    5. Herr Netanjahu selbst
    6. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon
    7. eventuell auch Vertreter der Fatah

    Denn es gibt verdammt viel zu tun. Daher: lasst uns nun dafür sorgen, dass diese Waffenruhe dauerhaft bleibt und lasst uns mit dieser Arbeit an dem Zukunftsprojekt für die Palästinenser (= Zwei-Staaten-Lösung) anfangen!!!

    Und zur Überwachung, dass diese Waffenruhe auch wirklich hält, brauchen wir aber auch euch Journalisten weiterhin. Es wäre gut, wenn ihr uns mittelien würdet, ob diese Waffenruhe dauerhaft hält, oder ob es wieder Zwischenfälle gibt.

    Grüße
    Linuxpinguin

  2. Liebe Linux,

    Du findest ja, dass Netanjahu in diesem Konflikt der “Böse” ist (wie man so sagt) und die Palästinenser sind die armen Opfer, denen man helfen muss. Wenn sie ihr eigenes Land hätten, Zugang zu Bildung, Arbeit, Chancen auf ein würdiges Leben, dann werde es Frieden geben; eine 2-Staaten-Lösung soll dauerhaften Frieden bringen.

    Weisst Du, da, wo ich wohne, gibt es ziemlich viele Araber, und sie sind frei, haben Zugang zu Bildung und Ausbildung. Sie bekommen staatliche Unterstützung. Sie sind hier eine Minderheit, aber sie haben die gleichen Rechte wie alle. Daher müsste wohl alles einigermassen gut sein. Und weisst Du was? Ist es aber nicht. Es gibt sehr viele Probleme mit ‘diesen’ Leuten. Das liegt nicht an den Leuten selbst. Es liegt sicher teilweise an äusseren Umständen, aber vor allem an der Weltanschauung dieser Leute.

    Ich kenne Familien, da fehlt es materiell an nichts, aber die Kinder werden geschlagen, und sie geben die Gewalt an ihre Klassenkameraden oder in Sportclubs weiter. Da mischen ein oder zwei Kinder die gesamte Klassengemeinschaft auf. Ich habe einmal Schilderungen eines idealistischen Arztes gelesen, der über seine Arbeit in einem ‘schwierigen’ Stadtviertel berichtete und dort allen Widrigkeiten zum Trotz blieb.

    Er erzählte, wie die Mütter mit ihren Kindern kommen und niemals “nein” sagen. Die Kinder öffnen die Schränke des Arztes, folgen nicht, und die Mütter schauen zu und greifen nicht ein. So sieht zumindest die ‘Erziehung’ der Jungen im Islam aus.

    Ich kann Dir auch die provokanten Bücher von Necla Kelek empfehlen, die über die Integrationsbereitschaft und daher -fähigkeit von Türken in die deutsche Gesellschaft schreibt.

    Und wir sehen nun ja auch, wie die Palästinenser jubeln, wenn sie den Israelis wehtun können. In Israel aber jubelt keiner über den Tod der palästinensischen Zivilbevölkerung. Ist Dir das schon einmal aufgefallen?

    Oder dann gab es da gestern diese Geschichte, da angebliche palästinensische Kollaborateure von den eigenen Leuten öffentlich niedergemetzelt wurden. Das wurde hier im Forum auch erwähnt.

    Aber Du glaubst trotz all dieser Dinge, dass ein eigener Staat für die Palästinenser eine Lösung bringt? Warum blendest Du die Dinge aus, die so offensichtlich sind, oder trittst Du nur so sehr für die Rechte der Palästinenser ein, weil es Dich nervt, wie Israel, wie Netanjahu sich nach aussen gibt, weil es ihnen ja relativ gut geht und sie offensichtlich die Stärkeren sind, was wir ja gerade nun wieder gesehen haben an der geballten Verteidigung Israels und den Bildern, die wir aus Gaza bekommen?

    Mussten die Kämpfer im Gazastreifen auf Israel losfeuern, weil sie sich da – von Israel – unterdrückt fühlen? Wollten die Kämpfer wirklich auf das Leid aufmerksam machen, das von Israel verursacht sei? Arbeiten die Menschen da selbst aktiv an einer besseren Zukunft? Sie könnten doch alle aktiv bei Hilfsprojekten mitarbeiten und zeigen, dass internationale Unterstützung bei ihnen in guten Händen ist. Aber was ist? Ihre eigenen Brüder und Schwestern sind offenbar vor allem daran interessiert, den Landstreifen zuzurüsten. Bekämpft Israel denn die Palästinenser? …

    Ich könnte immer so weiterschreiben. Ich kann Deine – Entschuldigung – Blauäugigkeit in dieser Frage einfach nicht verstehen.

    Aber ich weiss auch, dass viele so denken, und dass ich selbst vor vier Jahren noch auf demselben Zug sass!!

    Es waren die Bilder, das, was die Israelis den Palästinensern im Krieg mit Gaza angetan hatten, es waren diese Bilder, die mich von der Schlechtigkeit des Staates Israel überzeugt hatten. Ich habe damals schon getrennt zwischen Juden, die ich selbst kennengelernt hatte und dem, was der Staat Israel tut. Dann aber wurde mein Interesse fürs Judentum geweckt, und da gab es dann diese Herausforderung, dass Israel-toll-finden und Judentum zusammengehören, und ich dachte nur: Judentum ja, aber Israel? Nein. Unmöglich. – Aber ich fand es auch spannend und war neugierig, wollte wissen, ob es denn möglich wäre, Israel irgend etwas Gutes abzugewinnen… –

    Die Bilder haben heute eine völlig andere Bedeutung für mich. Man kann nicht vergleichen, indem man die Opferzahlen und das Leid auf beiden Seiten in Waagschalen wirft und dann sagt: “Seht her!” – Viele tun das aber, und es sind NICHT die Guten, die die Welt mit solcher Vernunft täuschen wollen.

    • Sehr guter Kommentar! Die Beschreibung der “Buschkowsky-Kids” sich 100% mit meinen Beobachtungen.

      • Danke, Dermichael.

        Schade, dass Linux noch nichts geantwortet hat. Ich bin neugierig auf ihre Antwort.

        ———————–

        Sie hatten übrigens irgendwo anders etwas darüber gesagt (in einer Ihrer zähen Auseinandersetzungen mit free, glaube ich, ich kann den Beitrag nicht wiederfinden), dass das Benennen von Schuld erforderlich sei, damit man sich ent-schuldigen könne.

        Ich finde auch, dass Schuld benannt werden muss, damit der Schuldige seinen Fehler korrigieren kann.

        Wie viel aber ist eine Entschuldigung ‘heutzutage’ noch wert? Im Tonfall von “I’m sorry. I’m sooo sorry…!” heisst es dann “Es tut mir sooo leiiid. Das kommt nie wieder vor. Ich bin untrööstlich”… Das geht alles superleicht über die Lippen, aber selten wird daraufhin das Verhalten geändert.

        So läuft es zumindest in unserer modernen Gesellschaft, die die Erosion der Werte und Gefühle propagiert.

        Im Orient ist das eine etwas andere Sache. Ein Schuldzugeständnis wird da eher als Schwäche interpretiert und geht daher nur schwer über die Lippen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Menschen danach schuldbewusst handeln und ihre Wege bessern. Sie werden wohl eher auf Rache sinnen, da sie sich geschmäht fühlen.

        • @Lily,
          das muss in einer Unterhaltung mit Heidelbaer gewesen sein. Mit Free konnte ich nie zu so philosophischen Betrachtungen kommen.

          Das von Ihnen so schön beschriebene “I am sorry” entspricht im Deutschen dem “ich entschuldige mich”. Wenn das ginge, wären alle Banken pleite. Es entspricht einer Pervertierung des Konzepts der Entschuldigung. Es gab früher (in katholischen Zeiten) auch eine andere Form der Pervertierung, man nannte das “Buße tun”, und bestand darin, sich selbst zu bestrafen. Besonders krude fand ich in der Beichte immer, Gebete als Buße auferlegt zu bekommen. Gebet als Strafe.

          Die Luther’schen Wortschöpfung “Busse tun” und “versöhnen” (was das Wort Sohn enthält) sind von ihrer Herkunft im Altgriechischen beides Worte für einen vollständigen Sinneswandel. Metanoia bedeutet Neues Denken und katallasso besteht aus kata (gegen) und allaso (verändern, wechseln), also ein Synonym für eine 180-Grad-Wende.

          Dass das im Orient so anders ist, würde ich auf den Islam zurückführen. Das Konzept der Vergebung gibt es dort nicht, sondern wenn man betet, vergißt Allah die Sünden. Ein Gedanke, der übrigens so ähnlich im Judentum nach der Zerstörung des Tempels aufgekommen ist, als man einen Ersatz für die Opfer (die die Versöhnung (kippur) bewirken sollten) finden wollte. Damit bietet der Islam den Boden für die religiöse Selbstgerechtigkeit, die ich immer wieder geißele.

          Das heißt nicht, dass der Islam die Quelle aller Probleme ist. Wie Sie selbst sehr treffend sagen, ist die Postmoderne von Werteverfall geprägt. “Gäbe es keine absolut gültigen Regeln, würden die Menschen aufeinander losgehen” schrieb C. S. Lewis treffend und hat damit die aktuelle Situation vorhergesehen. Somit gibt es auch eine materialistische Selbstgerechtigkeit, denn wenn nichts absolut gilt, kann ich auch nichts falsch machen. Everything goes.

          Und Selbstgerechtigkeit führt immer zur Abnahme von Empathie.

          Was hat Sie eigentlich vor vier Jahren dazu gebracht, den Zug zu verlassen?

          • Hallo Michael,

            sehr schön, was Ihnen noch zum Thema Schuld eingefallen ist!

            “Somit gibt es auch eine materialistische Selbstgerechtigkeit, denn wenn nichts absolut gilt, kann ich auch nichts falsch machen.”

            “Absolutheit” wird in der Postmoderne wie Sie sagen, ebenso wie “Wahrheit” gemieden und ersetzt durch den Absolutheitsanspruch der Relativität, die die von Ihnen genannte materialistische Selbstgerechtigkeit rechtfertigt.

            Sie ist unser “Goldenes Kalb”, das sich als der schon mehrfach erwähnte rosa (auf Deutsch weisse?) Elefant tarnt.
            ———————–

            Zu Ihrer Frage am Schluss: Was mich vor vier Jahren dazu gebracht hat, “den Zug” zu verlassen?

            Das ist nicht vor genau vier Jahren geschehen. Ich weiss nur, dass ich ihn zu dem Zeitpunkt noch nicht verlassen hatte bzw. noch voll in Fahrt war. Es beschäftigt mich heute mehr, wie es gekommen ist, dass ich mich überhaupt erst so unkritisch von diesem kollektiv manipulierten Bewusstsein hatte vereinnahmen lassen. Es ist so gekommen, weil ich der erstbesten Quelle Vertrauen geschenkt habe.

            Wie ich davon weggekommen bin, ist eine etwas längere Geschichte. Nicht auf direktem Weg. In einer leidvollen Erfahrung habe ich nach Antworten gesucht und nach langer Zeit schliesslich gefunden – in jüdischer Philosophie und Mystik. Ich habe nicht nach “einer” Wahrheit gesucht, die mir angenehm gewesen wäre; mir ging es nicht darum, in meinen Fehlern bestätigt zu werden, sondern sie zu verstehen und immer wieder nach dem Warum fragen zu dürfen und endlich Antworten zu finden, die die Wahrheit des Lebens spiegelten.

            Und so begann meine Faszination für, ja, meine Liebe zum Judentum. Ich habe mir viele stundenlange Vorträge von Männern mit langen Bärten angehört und musste immer wieder über mich selbst schmunzeln, wenn ich mir selbst zusah bei dem, was ich da tat. Das Philosophische führte mich schliesslich nach Jerusalem – als “mind traveller”, versteht sich. Israel empfand ich weiterhin als politisch unverdaulich. Jerusalem führte mich dann zur Jerusalem Post und noch manch anderen Quellen (auch dem Montagsblog der ARD), so dass ich irgendwann zumindest besser verstand, wie Israel funktioniert. Meine Skepsis Israels Politik und Militärführung betreffend hat sich noch länger gehalten. Die reale Situation Israels inmitten seiner Nachbarn ist mir erst nach und nach bewusst geworden, und damit hat sich meine (nahezu) Aversion gegen das politische Israel ins Gegenteil verkehrt, auch wenn ich mittlerweile (wieder) Kritik übe; sie hat nun eine andere Qualität.

          • Liebe Lily,
            vielen Dank für diese Einblicke. Ich finde solche persönlichen Erlebnisse immer sehr interessant.
            Heißt “mind traveller”, dass Sie noch nie physisch in Jerusalem waren?