Und nun? Was nun?

Wie geht’s nun weiter? Wer hat gewonnen? Aus meiner Sicht geht die Hamas als klarer Sieger dieser 8 Tage Gewalt hervor. Vielleicht nicht militärisch. Aber politisch auf alle Fälle. Wir erleben einen Paradigmenwechsel. Denn nun ist es sozusagen “offiziell”: Israel “spricht” mit der Hamas, hat ihr offiziell die Macht “übergeben” in Gaza. Nein, nicht nur, daß Israel die Hamas verantwortlich macht für das, was dort an negativen Dingen geschieht – das hat Israel schon immer, in dem es sagte, für den Abschuß jeder Rakete auf uns, auch wenn sie von einer anderen Gruppe abgefeuert wird, machen wir die Hamas verantwortlich, weil sie das Sagen hat in Gaza – nein, nicht nur negativ, sondern, zumindest laut Abkommen, jetzt auch “positiv”: Indem Israel erklärte, es werde die Lebensbedingungen der Menschen in Gaza verbessern, hat der jüdische Staat der Hamas etwas “gegeben”, womit die Hamas nun wirklich protzen kann: Eine – wahrscheinlich – bessere Lebenssituation der Palästinenser. Die “Regierung” in Gaza hat dies erreicht. Wie? Mit Waffengewalt. Nicht mit freundlichen Reden, wie Palästinenserpräsident Abbas. Er ist übrigens der große Verlierer des Tages.

Ist es wirklich so, wie die Extremisten behaupten, Israel verstünde nur Waffengewalt als Sprache, nur dann könne man etwas erreichen? Und man bedenke: Die Hardliner in Jerusalem haben diesen Waffenstillstand herbeigeführt – und begrüßt. Netanjahu (der von vielen Israelis allerdings als Weichei gesehen wird. Denn er sei ein Zauderer, ein Zögerer, ein “bellender Hund”, der aber nicht beiße, einer der sich nicht traue, wirklich Krieg zu führen. Das sagten die meisten Israelis schon vor diesem Krieg – darum hatten viele auch nicht daran geglaubt, daß er den Iran angreifen werde, darum waren jetzt viele überrascht, daß er der Operation in Gaza Grünes Licht gegeben hat. Doch nun fühlt man sich wieder bestätigt, weil er vor dem entscheidenden, letzten “Schritt” nun doch wieder zurückgewichen sei aus Angst, weil er nun eben ein Zauderer sei… sagen sie…), aber auch Lieberman und all die anderen, die sich sonst immer so gern bellikos geben.

Man muß sehe, was das Waffenstillstandsabkommen wert ist. Vor allem sind noch viele Fragen offen: Wird es irgendeine Form der Kontrolle in Sachen Waffenschmuggel nach Gaza geben? Wer wird das garantieren? Die Ägypter? Die USA? Die internationale Staatengemeinschaft? Der Iran hat sich in den letzten Tagen gebrüstet, daß er Gaza aufgerüstet habe (was jeder wußte, auch die Israelis) und es auch weiter tun werde, daß man den Palästinensern obendrein das Know-How geliefert habe, Fajr-Raketen selbst zu bauen.

Wie wird es wirklich weitergehen? Es ist sicher zu früh ein endgültiges Urteil über den soeben beendeten Krieg zu geben. Mir persönlich ist es wirklich nicht wichtig im Augenblick zu entscheiden, wer der “wahre Sieger” ist – jede Seite beansprucht dies jetzt für sich, natürlich. Die für mich entscheidende Frage ist: Werden die Menschen, die ganz normalen Menschen auf beiden Seiten nun wirklich endgültig Ruhe habe vor Raketen und Bomben?

Ich glaube es nicht. Ich fürchte, daß wir schon in naher Zukunft die nächste Runde der Gewalt erleben werden. Israels “Abschreckungskraft”, wie die Politiker in Jerusalem vollmundig erklären, ist mitnichten “wiederhergestellt” – nach dem Gaza-Krieg 2008 (mit Bodeninvasion!) war die Hamas “schwer getroffen”, wie man damals in Jerusalem jubilierte. Das Ergebnis: Sie hat noch mehr und bessere und weiter fliegende Raketen bekommen als vorher. Sie hat ihre Infrastruktur in Gaza noch besser ausgebaut als zuvor. Was sollte sich jetzt ändern? Vielleicht braucht Hamas tatsächlich nun ein wenig Zeit, sich wieder aufzustellen. Aber sie wird es tun, keine Frage. Und der Hass auf Israel ist in Gaza genauso wieder gewachsen, wie der Hass auf die Hamas in Israel.

Eine politische Lösung wäre jetzt wirklich nötig. Dringend. Doch wer soll die bringen? Die bekannten Akteure in Nahost – ich traue ihnen im Augenblick nicht zu, aus eigener Kraft etwas zu verändern. Ich sehe nicht, daß sie in der Lage wären, ihre Denkschablonen beiseite zu schieben, um irgendwas Neues auszuprobieren und zu riskieren.

Und dann ist da 2013 noch ein anderes, größeres Problem, daß den Fokus von der israelisch-palästinensischen Problematik wahrscheinlich rasch wieder abziehen dürfte: Iran und sein Atomprogramm. Dieses Problem ist nicht gelöst. Und schon bald wird die ganze Welt auf Barak Obama schauen und sich fragen: Wie wird der Präsident der Vereinigten Staaten, der seit vier Jahren sagt, er werde einen nuklearen Iran nicht zulassen, wie wird dieser Präsident mit der Problematik nun tatsächlich umgehen? Wenn es stimmt, was die Geheimdienste sagen, dann wird 2013 das Jahr der Entscheidung werden…

Und dann, spätestens dann, wird sich wieder niemand um Gaza kümmern, werden die Palästinenser mal wieder in den Hintergrund geraten, werden sie nicht in den Nachrichten und nicht in der Politik auftauchen.

Und vielleicht werden Israelis schon bald hoffen müßen, daß ihr Raketenabwehrsystem “Arrow” für große, schwere Raketen, so gut funktioniert wie das “Iron Dome” System jetzt.

Israel wird es brauchen – gegen mögliche Angriffe aus dem Iran und – nicht zu vergessen – aus dem Norden. Denn dort steht ja noch die Hizbollah mit ihren rund 50 000 Raketen, die auf ganz Israel gerichtet sind.

Übrigens: Den  massiven Protest gegen die israelischen Angriffe auf die Zivilisten in Gaza, habe ich täglich mitverfolgt.Er wurde immer lauter je schlimmer die Bilder aus Gaza wurden, je mehr Kinder und Frauen Opfer wurden. Was den Protest gegen das Schlachten in Syrien betrifft, so wird der immer leiser, je länger das Schlachten dort dauert. Warum eigentlich? Sind syrische Menschen weniger wert als Palästinenser? Oder hat es was damit zu tun, wer zuschlägt, wer tötet? Ich weiß es nicht. Wissen Sie das?

 

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  1. Meine Guete, Herr Schneider, wie kann man nur so einen Unfug schreiben:

    “Israel erklärte, es werde die Lebensbedingungen der Menschen in Gaza verbessern, hat der jüdische Staat der Hamas etwas “gegeben”, womit die Hamas nun wirklich protzen kann: Eine – wahrscheinlich – bessere Lebenssituation der Palästinenser. ”

    Die Lebensbedingungen in Gaza sind wie sie sind, weil die korrupte Hamas ausser ihr Arsenal aufzubauen und ihren Shari’a-Terror durchzupeitschen, nichts aber auch gar nichts gebacken bekommt, um das Leben der Menschen dort zu verbessern (was sie im Endeffekt ja auch nicht wollen, denn das Schicksal der Gazaraber ist ihnen unterm Strich egal; die liefern als Tote hervorragenden Bilder, um weltweit Israel- und Judenhass zu schueren – das ist ihre Rolle in diesem Spiel, sonst gar nichts).

    Es liegt doch verdammt nochmal nicht an Israel, dass es in Gaza laeuft wie es laeuft – das liegt 100% an der Hamas, in deren Statuten man sich explizit die Vernichtung Israels auf die Fahnen geschrieben hat und damit fuer die Isolation Gazas verantwortlich ist. Wie bitte soll Israel solchen-Juden-Genozid-geilen Islamzombies entgegen kommen? Offene Grenzen zwischen Gaza und Israel? 30.000 anstatt bloss 15.000 Tonnen Gueter nach Gaza pro Woche? Eine Halalferien-Tourismus-Offensive finanziert vom israelischen Steuerzahler?

    Dieser Waffenstillstand ist nicht mal das Papier wert, auf dem er noch nicht geschrieben ist – und jeder halbwegs intelligente Mensch ist sich dessen bewusst.

    • Sie haben Herrn Schneider falsch verstanden . Die Lockerung der Blockade Übergänge sollen geöffnet werden und es soll dafür gesorgt werden, dass Personen sich freier bewegen ( neue Raketen auch ) und Waren leichter geliefert werden können.
      Dies Alles wird jetzt schon protzig als Sieg von der Hamas und der Bevölkerung in Gaza gefeiert. Die Hamas steht besser da als zuvor und die Bevölkerung vertraut ihr blind.
      Israel wurde gezwungen der Hamas einen großen Sieg zu schenken.
      Israel genießt militärisch gesehen den Respekt der Muslimischen Welt nicht mehr.
      Wenn der IDF und den Politikern in Jerusalem von der Weltöffentlichkeit und der eigenen Bevölkerung ( Die nicht mehr Kriegstauglich ist ) die Handlungsmöglichkeiten genommen werden , dann ist nicht viel zu machen.
      In der Logik der Muslime , wird Israel mit der kleinen Hamas nicht fertig , dann erst recht nicht mit der größeren Hisbollah und schon gar nicht mit dem Iran.
      Eine starke Demokratie wie Israel kann gedeihen wenn man die Schweiz oder Schweden als Nachbarn hat , im Mittleren Osten kann aber eine Demokratie nicht überleben. Die Israelische Bevölkerung ist nicht mehr Kriegstauglich und ist zu einer dekadenten Spaßgesellschaft mutiert.
      Die israelische Militärs und Geheimdienstler verweigern die Befehle und schlimmer noch man hat sich hoffnungslos von den USA abhängig gemacht.
      Obwohl technologisch sehr wohl imstande “man ließ sich überreden” keine Kampfflugzeuge, Bunker buster und vieles mehr zu bauen.
      Selbst Iron Dom wollten die Amerikaner vereiteln.
      Nun muss man betteln…. Und das Alles für läppische 3 Milliarden “Militärhilfe” , ich würde das Mengenrabatt nennen, denn Israel kauft für viel mehr ein und sorgt somit dafür ,dass die Saudis & co ebenfalls kräftig kaufen.
      Die Lösung heißt Einigkeit , Unabhängigkeit , neue Partner (Russland,China,Indien)
      und ein “Befreiungsschlag” egal was die Welt am nächsten Tag denken mag.
      Die Alternativen sehen Düster aus :
      1.Neuen Holocaust
      2. Neue Diaspora ( Aber wohin ? In die Antarktis ? )
      3. Assimilation durch die arabische Welt und als Dhimmi ( Untermensch ) unter der Scharia leben.
      Ich persönlich werde versuchen mein Leben in Europa zu gestalten und nach Israel nicht zurückkehren , nicht solange 60 tausend Raketen plus die Iranische ( Bald atomar) , plus Syrien , plus Ägypten, plus , plus , plus das Leben der Bevölkerung bedrohen und in Israel keine Regierung den Mut hat dem Alles ein Ende zu bereiten und von Kompromiss zu Kompromiss die Galgenfrist verlängert.
      Napoleon wüsste Rat , hier ein Paar Zitate:
      “Man kann keinen Eierkuchen backen,
      ohne ein paar Eier zu zerschlagen.”

      von Napoleon

      “Das Schlimmste in allen Dingen,
      das ist die Unentschlossenheit.”

      von Napoleon

      “Um den endgültigen Sieg davonzutragen, muß man rücksichtslos sein.”
      von Napoleon

      “Die Schwäche der höchsten Gewalt ist das schrecklichste Unglück der Völker.”
      von Napoleon

      “Du darfst nicht zu oft mit einem Feinde kämpfen; denn sonst lehrst du ihn deine gesamte Kriegskunst.”

      von Napoleon

    • Was mich wirklich wahnsinnig macht in dieser Debatte ist, dass Israel und die Hamas auf eine gleiche Ebene gestellt werden. Hamas ist eine TERRORORGANISATION (international eingestuft), sie hat sich der Sharia und dem Jihad verschrieben, tritt Menschnrechte mit Füßen (schleift Leichen öffentlich durch die Strassen), hat sich BLUTIG an die Macht geputscht (das wird ja garnicht mehr erwähnt) und hat Vernichtungsphantasien. Nur ein toter Israeli ist ein guter Israeli. Bitte wer kann von Israel verlangen auf selber Augenhöhe zu verhandeln? Vor allem WAS sollen sie verhandeln? Wenn dein Gegenüber nur deine Vernichtung als Lösung sieht, dann fällt mir wenig Gesprächsstoff ein! Die Welt spielt ein schmutziges Spiel mit Israel und mit den Palästinensern. Wenn endlich mal Druck käme, die Milliarden an Hilfsgeldern auch für Entwicklung zu nutzen, dann würde Hamas nicht mal ein Mitglied haben. Denn auch Mohammed aus Gaza will, genau wie Moishe aus Israel, eigentlich seine Ruhe, arbeiten und seine Kinder groß ziehen. Wenn er denn endlich mal eine Perspektive hätte. Die muss ihm die ARABISCHE Welt und die WELTGEMEINSCHAFT geben.

  2. Lieber Herr Schneider,
    wissen können auch wir das nicht. Aber ich glaube auch, dass es damit zu tun hat, wer hier agiert. In Syrien sind zwei (oder mehr) “Parteien” am Werk, die allesamt als verbrecherisch gelten. Denen man quasi nichts zutraut außer Mord und Totschlag. Die kein Gewissen zu haben scheinen, an das man appellieren kann, kein Ehrgefühl, das dem Stärkeren aufgibt, den Schwächeren zu schützen. Man hält sie für Barbaren.

    Israel dagegen gilt als zivilisiert und moralisch auf europäischem Niveau. Die Israelis haben ein Gewissen und ein Ehrgefühl. Gleichzeitig sind sie keine Europäer. Das macht die Kritik so einfach, sie zeigt ja nicht auf uns selbst. Gegen den NATO-Angriff auf Serbien gab es auch Protest, aber der war leise, weil man kritisiert sich ja nicht selbst.

    Außerdem fürchtet man in Europa die arabischen Ländern, denn die liefern ja das Öl, von dem man so dringend abhängig ist. Ein Fixer würde den Dealer niemals kritisieren. Und je stärker die Solidaritätskundgebungen der anderen arabischen Länder mit der Hamas, umso größer die Angst.

    Insoweit glaube ich hier an eine Gemengelage aus Gründen, die irgendwo zwischen einer kruden Form von Wertschätzung (die auch Kritik beinhalten kann) und Scheinheiligkeit liegen.

    • Stimmt, das habe ich vergessen zu erwähnen (oder verdrängt?).

      Das Problem an Totschlagargumenten ist, dass man sehr lange nachdenken muss, um sie als unsinnig zu entlarven. Und manchmal muss man dazu erst ein Gegen-Totschlagargument finden, um nicht nur Recht zu haben, sondern auch Recht zu bekommen.

      Das Verheerende am Holocaust ist – wie Sie so treffend schreiben – dass er nie richtig aufgearbeitet wurde. Die Tätergeneration hat “nichts gesehen” und hüllt sich in Schweigen. Die 68er-Generation hat dieses Schweigen kritisiert, aber die Schuld im Wesentlichen einseitig zugewiesen, ohne sich aufrichtig der Frage zu stellen, ob sie denn in der Situation wirklich anders gehandelt hätten.

      Da es ohne Schuldeingeständnis niemals zu einer Ent-Schuldigung kommen kann, und darüber hinaus Vergebung nicht einklagbar ist, herrscht bei vielen – auch Nachgeborenen – eine Art von grimmigem “Lasst mich damit in Ruhe”. Und auf dieser Grundstimmung ist eine feindselige Haltung der logische Schluss. Und die wird von den Eltern auf die Kinder weiter übertragen, ohne dass diese den Grund dafür kennen könnten. So hat sich eine unbewusste Feindseligkeit gegenüber “den Juden” über Generationen eingeschliffen.

      • Was war das? Der Kommentar, auf den ich geantwortet habe, ist verschwunden.

  3. Sehr schön geschrieben.

    Natürlich sind alle Menschen gleich wertvoll!!!

    Ich glaube es hat viel mit Gewohnheit zu tun, dass irgendwann Proteste nachlassen und mit dem Gefühl, dass man doch nichts ändern kann. Wenn man prostestiert und es ändert sich nichts, was bleibt einem dann? Noch mehr protestieren? Stärker protestieren? Muss dass dann nicht zwangsläufig in Gewalt enden? Es gibt wenige große Revolutionen in der Weltgeschichte, die unblutig verlaufen sind, leider. Wenn man das Blut nicht will, gewöhnt man sich an den Stand der Dinge. Irgendwie ist das merkwürdig.

    Bevor ich vor zwei Tagen zum Raketenalarm in Jerusalem war, habe ich mir nicht vorstellen können so etwas zu erleben. Aber was macht man? Man steigt aus dem Auto aus, bringt sich in Sicherheit steigt wieder ein und fährt weiter. Und am nächsten Tag war ich wieder in Jerusalem unterwegs. Ebenso die Straßenkämpfe am Checkpoint in Qalandia. Ich fahre gerne durch Qalandia, weil es für mich der kürzeste Weg nach Hause ist. Aber man fährt ganz ruhig da durch und plötzlich steht man inmitten von israelischen Soldaten, die mit Tränengasgeschossen und Gummigeschossen auf mit Steinen bewaffnete Palästinensische Jugendliche schießen und man fährt einfach weiter. Ich versuche diese Situationen zu vermeiden in dem ich vorher durch das Loch in der Mauer schaue, wie es drüben ausschaut (und notfalls dann über den Diplomaten Checkpoint fahre denn das darf ich als nicht Palästinenserin), aber man rasselt da einfach so rein, weil auch die Autos vor einem einfach weiter fahren. Was sollen sie auch sonst machen, anders kommen sie nicht nach Ramallah rein und raus. Alles ganz normal?

    Wenn man nur mit Gewalt nicht so viel Macht und Geld verdienen könnte…

    Alles Gute ans Team

  4. Zum letzten Absatz: Vielleicht hat es damit zu tun, dass die Situation in Syrien unübersichtlicher ist. Als der Konflikt begann, vermittelten die Medien noch große Hoffnungen in die Aufständischen, die Rebellen schienen die Guten zu sein. Inzwischen sieht es nicht mehr so eindeutig aus, auch die Rebellen begehen Massaker. Der syrische Bürgerkrieg passt offensichtlich nicht mehr in ein einfaches Gut-gegen-Böse-Schema. Der israelisch-palästinensische Konflikt zwar auch nicht recht, aber da kennt man immerhin die Akteure und kann sich bei Bedarf auf eine Seite schlagen. Und wer glaubt, dass die (militärisch) Stärkeren immer die Bösen und diejenigen in der scheinbar schwächeren Position die Guten sind, ist eben gegen Israel.

  5. Lieber Richard,

    vielen Dank für den wie immer sehr nachdenklichen und zum Mitdenken einladenden Blog. Auf das Cease-Fire darf jetzt auf keinen Fall ein Cease-Politics folgen. Sollen die Palästinenser in der Westbank lernen, dass gegenüber Israel nur Gewalt hilft wie bei Hamas gesehen?

    Ich finde Israel sollte gerade jetzt die Hand gegenüber Mahmud Abbas ausstrecken und die Status-Verbesserung in der UN unterstützen. Und – wie Carlo Strenger gestern in der Ha’aretz vorschlug – die kürzlich wieder erneuerte Arabische Friedensinitiative aufgreifen.

    Das löst zwar nicht das Iran-Problem, würde aber zu einer dramatischen Klimaverbesserung in Nahost führen. Und Netanjahus Mehrheit bei den nächsten Wahlen noch weiter festigen bei gleichzeitiger Befreiung von den extremen Rechten.

    Grüße an Micki und Markus,
    Ralph

  6. “Übrigens: Den massiven Protest gegen die israelischen Angriffe auf die Zivilisten in Gaza, habe ich täglich mitverfolgt.Er wurde immer lauter je schlimmer die Bilder aus Gaza wurden, je mehr Kinder und Frauen Opfer wurden. Was den Protest gegen das Schlachten in Syrien betrifft, so wird der immer leiser, je länger das Schlachten dort dauert. Warum eigentlich? Sind syrische Menschen weniger wert als Palästinenser? Oder hat es was damit zu tun, wer zuschlägt, wer tötet? Ich weiß es nicht. Wissen Sie das?” (R. Schneider)

    Ich glaube, dass es den meisten Menschen im Grunde egal ist, dass andere Menschen überhaupt leiden müssen. Da schaut man sich schnell die Tagesschau o.ä. an oder liest Zeitung, damit man am nächsten Tag bei Freunden, Bekannten usw. einen pseudo-Intelektuellen Spruch loslassen kann und dann kann man sich wieder wichtigeren Fragen widmen: „Welcher Nagellack steht mir wohl besser: Azurblau oder Dunkelblau?“

    Etwas zynisch. Ich weiß! Aber ich rede mit vielen Menschen und meinst muss ich mich genau über diese Gleichgültigkeit ärgern!

  7. Guten Morgen und boqer tov nach Tel Aviv!

    Danke für den Beitrag, auch wenn ich Ihnen zunächst widersprechen werde! Denn (ein bisschen typisch für Journalisten, sorry) die schnelle Einordnung in Gewinner und Verlierer zielt mir zu sehr auf politische Kräfte und Gruppen. Dabei sind die größten Gewinner dieser Waffenruhe zu allererst die Menschen der Region. Vor allem der in Gaza, denn eine weitere Eskalation hätte sie am härtesten getroffen, in einer Bodenoffensive mit Panzern und schweren Bulldozern, die sich ihre Aufmarschroute in diesem chaotisch dicht besiedelten Gebiet erst freiwalzen müssen, hätte es hunderte, womöglich tausende Tote gegeben.

    Gewinner sind aber auch die Menschen in Sderot, Ashkelon und Ashdod, die schon diesen Morgen ruhig ausschlafen konnten – ohne Alarm Rot, ohne Sirenen, ohne Raketen. Das ist ein echter Gewinn, und wäre mit Fortsetzung des Beschusses eben nicht erreicht worden.

    Gewinner sind auch die Rekruten und Reservisten der israelischen Armee. Eine Bodenoffensive wäre (siehe oben) sehr schmutzig geworden. Manchen Hinterhalt hätte man übersehen, es hätte Verletzte, Tote womöglich neue Gefangene und Geiseln gegeben. Aber auch das siegreiche Vorrücken hätte einen furchtbaren Preis gehabt. Wenn einberufene Familienväter die Überreste palästinensicher Kinder aus den Panzerketten pulen müssen, macht das ja auch etwas mit ihnen (tschuldigung für das drastische Bild, aber ein Einmarsch hätte nicht pinpointed, clean und surgical stattfinden können).

    Wenn man (erst dann!) über die Sieger und Verlierer in den verschiedenen Gruppen und Parteien nachdenkt, ist es für mich nicht ein Sieg der Extremisten, sondern gerade der Pragmatiker. Natürlich ist Hamas aufgewertet worden, aber doch aus einer pragmatischen und klugen Einsicht heraus. Die Ideologen (auch hier im Talkback) haben uns stets erklärt, dass Hamas eine Terrororganisation sei, mit der man gar keinen Frieden machen *könne*. Diese Ideologen sind die Verlierer des Waffenstillstands, ihr Schmollen ist unüberhörbar.

    Die rationale Einsicht zeigt aber, dass es keinen anderen Partner für Frieden oder wenigstens Waffenruhe gibt in Gaza. Selbst wenn man Hamas komplett zusammenschießt ist die Fatah nicht in der Lage den Gazastreifen unter ihre Kontrolle zu bringen und ein “gemäßigtes” Regime aufzubauen. Allein die Tatsache, dass sie im Kielwasser der israelischen Armee über die Leichen palästinensischer Zivilisten dort einrückte, würde sie derart delegitimieren, dass es wahrscheinlicher wäre, dass sie dann auch ihre Macht in der Westbank verlöre. (Also ja, Abbas ist sicher nicht gestärkt aus diesem Konflikt hervorgegangen, aber es hätte für ihn noch schlimmer kommen können!)

    Tatsächlich ist die einzige Konkurrenz für Hamas in Gaza ein Haufen verrückter Salafisten, genau die Typen, die auch die ägyptische Armee in Sinai angreifen und empfindlich treffen konnten. Dieses Netzwerk (al-Qaida mag man gar nicht mehr dazu sagen) hat gute Verbindungen in den Sudan und in vermögende Kreise der Ölstaaten. Sie sind straff organisiert, finanziell und waffentechnisch gut ausgestattet und in ihrem Fanatismus zu allem entschlossen.

    Eine Bodenoffensive hätte in Gaza endgültig somalische Verhältnisse herstellen können, aus denen erfahrungsgemäß genau diese Salafi-Terror-Clans als größte Profiteure hervorgehen. Dass sich Israel, Ägypten und Hamas jetzt de facto gegen sie verbünden ist ein Signal dafür, wie ernst diese Gefahr von allen genommen wird. Auch wenn die Salafisten ideologisch vielleicht gegen die jetzt als verweichlicht dastehende Hamas Punkte machen könnten, dürfte es für diese Leute jetzt ziemlich heißer Boden zwischen Suez und Ashdod werden. Man muss sie zu den Verlierern rechnen.

    Natürlich ist dieser Sieg der Pragmatiker fragil, der Hass und das Misstrauen auf beiden Seiten ist groß. Deshalb ist es jetzt von entscheidender Bedeutung, dass möglichst rasch die Menschen auf beiden Seiten von dem Waffenstillstand profitieren, dass sich die Versorgungslage bessert und am besten wirklich ernsthaft über eine Friedenslösung verhandelt wird.

    Denn das habe ich ja schon an anderer Stelle angesprochen: erst wenn aus all den zornigen jungen Männern wohlbeleibte zufriedene Spießer geworden sind, gibt es eine Hoffnung auf dauerhaften Frieden. Dahin ist der Weg noch sehr, sehr weit, aber diese Nacht wurde ein Schritt in diese meines Erachtens richtige Richtung gegangen.

    Heidelbaer

    • Hallo Heidelbaer (aus Heidelberg?)!
      Sehr guter Beitrag. In zwei Punkten würde ich aber etwas nachhaken wollen:
      1. Sind die Menschen in Gaza wirklich Gewinner des Waffenstillstands?
      2. Soll man die Hamas wirklich mehr in die Verantwortung nehmen?

      ad 1.:
      Bislang hat sich die Hamas insbesondere darin hervorgetan, ihre eigene Macht zu stabilisieren. Schön zu sehen im Beitrag von Bernd Niebrügge für den Weltspiegel, wo der Aufpasser der Hamas gezeigt wurde.
      Hilfsgelder der EU usw. wurden für die persönliche Bereicherung der Funktionäre und zur Beschaffung von Waffen eingesetzt, statt für die Beschaffung von Lebensmitteln. Trotzdem scheint es keinen Hunger in Gaza gegeben zu haben.
      Würde eine Erhöhung der Hilfen also tatsächlich zu besserer Versorgung in Gaza führen (weil bei gleichem prozentualen Anteil ein größerer Gesamtbetrag zur Verfügung steht), oder würde dann einfach ein größerer Anteil “versickern”, weil auch mehr Möglichkeiten zum Veruntreuen der Gelder existieren?

      ad 2:
      Schon bei der Frage, ob das Kriegsrecht geändert werden muss, hatte ich Überlegungen dahingehend gestellt, dass es für Israel von Vorteil sein könnte, wenn die Hamas als staatlicher Akteur anerkannt wird, und damit internationale Verpflichtungen übernehmen muss (wie die Achtung der Genfer Konventionen).
      Außerdem haben Sie Recht, solange man die Hamas nur als Terror- oder Verbrecherorganisation sieht, wird sie sich auch so verhalten. Nimmt man sie dagegen in die politische Verantwortung, dann bringt man sie in gewisse Zwänge.
      Nur ist die Hamas eine relativ junge Organisation. Davor war die Fatah die dominierende Macht und die Mittel gegen Israel waren die gleichen. In dem Maße, in dem die Fatah jedoch “politisch” wurde, und damit gezwungenermaßen gemäßigter, gab es eine immer größere Gruppe von Radikalen, die damit unzufrieden waren, und schließlich die Hamas gründeten.
      Die Fatah wurde in Gaza entmachtet, und in der Westbank ist sie nur noch dran, weil die Autonomiebehörde mit Billigung Europas einfach die seit 19 Monaten fälligen Wahlen nicht abhält, aus Angst, gegen die Hamas zu verlieren.
      In einigen Beiträgen haben wir gehört, dass die Hamas schon noch radikalere Nachfolger hat. Würde also nicht letztlich die Hamas das Schicksal der Fatah teilen und durch eine noch radikalere Gruppierung schließlich ihre Macht und ihre Bedeutung verlieren?

      • Zu Ihrem ersten Punkt: Tatsächlich bin ich da unsicher. Waffenvernarrtheit, Prunksucht und Korruption der Mächtigen sind im gesamten orientalischen Bereich ein schwerwiegendes Problem, das genauso wie in Afrika eine nachhaltige Entwicklung der ganzen Region hemmt.

        Bislang hieß es, die Hamas sei zumindest im Bereich Korruption noch erträglicher als die Fatah, die ja tatsächlich die gesamte “Friedensdividende” aus den Oslo-Abkommen verzockt hat, und damit Intifada 2 und schließlich ihren Untergang produziert hat.

        Das wäre wirklich mal ein Wunsch an Herrn Rosch oder wer immer die besten Kontakte in Gaza hat, ein möglichst authentisches Porträt dieser neuen anerkannten Führung in Gaza erstellen (ich hoffe Herr Rosch kann so gut Arabisch wie Herr Schneider Ivrit – wobei ich gerade schmunzeln muss, wenn ich mir Arabisch mit seinem charmanten bayerischen Akzent vorstelle!!!).

        Gibt es eine Chance auf Entwicklung und wenigstens bescheidene Fortschritte? Wie redet man über die Führungsclique hinter vorgehaltener Hand? Die Hamas hat mich positiv überrascht, weil ihr tatsächlich gelungen ist, nicht nur einen Waffenstillstand einzugehen, sondern ihn auch einzuhalten. Vielleicht haben die ihren Laden ja im Griff, das hatte Arafat trotz allem Personenkult eigentlich nie.

        Natürlich müsste es dazu eine halbwegs freie Presse geben, eine Opposition, die Misswirtschaft und Korruption aufdecken und damit unterbinden kann. Aber das Beispiel China zeigt, dass es auch ohne das zumindest in einem gewissen Rahmen aufwärts gehen kann.

        Hilfsgelder hineinzupumpen ist jedenfalls keine wirklich gute Idee, klar, Wiederaufbauhilfe ist jetzt schon nötig, aber grundsätzlich muss die Eigeninitiative der Bevölkerung geweckt werden. Es muss eine Mittelschicht aus Handwerkern, Basaris, Anwälten und dergleichen entstehen, die nicht am Tropf des die Auslandsmillionen verwaltenden Regimes hängen. So eine unabhängige Kleinkreditbank wäre eine gute Idee.

        Das berührt Ihren zweiten Punkt: die Fatah-isierung der Hamas wird der Hamas nur dann die Anhängerschaft kosten, wenn wieder nichts von der Friedensdividende unten bei der Bevölkerung ankommt. Israel und die internationale Gemeinschaft können schon dafür sorgen, dass es da etwas zu verteilen und zu gewinnen gibt – es hängt aber allein an der Hamas, *wie* es verteilt wird, und *wer* zu den Gewinnern zählt.

        Deshalb, liebe ARD: Betreiben Sie mal investigativen Journalismus, und lassen Sie uns dann wissen, wie Ihre Einschätzung vor Ort ist. Wir sind *sehr* neugierig!

        Heidelbaer

  8. “Oder hat es was damit zu tun, wer zuschlägt, wer tötet?” –

    Gedankenexperiment: Aus dem Gaza-Streifen würden Raketen auf Ägypten abgefeuert, die Ägypter würden als Reaktion ihre luftwaffe schicken. Ich vermute, nach ein paar internationalen Appellen würde alle Welt das mit einem gewissen Schulterzucken hinnehmen. Selbst wenn die Ägypter Bodentruppen schicken und den Gaza-Streifen dem Erdboden gleich machen würden, wäre das nur ein vorübergehendes Thema.

    Trotz Gaza-Abzug hat Israel den Ruf des Besatzers und Übeltäters. Begründet wird das nach meinem Eindruck mehr mit Betroffenheit als mit Fakten. Wenn die Hamas Kindern Zettel in die Hand drückt und sie vor der Kamera flammende Appelle gegen Israel verlesen lässt, wird solche Betroffenheit gefördert. Viele, die ich kenne, sagen an dem Punkt nicht “publizistischer Kindesmissbrauch” und “Nun ja, fein inszeniert, aber wer schießt denn seit Jahren tausende von Raketen rüber?”, sondern fühlen sich stattdessen in ihrer anti-israelischen Betroffenheit bestätigt.

    Aus irgendeinem Grund wird Israel durch eine ungünstige Brille wahrgenommen, die Zugeständnisse (Abzug aus Gaza und aus dem Südlibanon) herausfiltert und Militäraktionen als: “Da haben wir es wieder, die israelischen Rambos, die die unterdrückten Palästinenser töten” abbucht.

    Die letzten Tage habe ich bei einem anderen öffentlich-rechtlichen Sender etwas von der “Deutschen Staatsräson” gelesen, was suggeriert: “Eigentlich traut sich unser Land wegen der Shoa nicht, Israel zu sagen, was Sache ist. Eigentlich kriechen wir vor den Israelis.” Auch hier wieder: Suggestionen statt Argumente.

  9. Zu Ihrer abschließenden Frage: Selbstverständlich weiß ich es nicht. Ich habe aber eine Vermutung. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Kriege heute nicht nur nach militärischen , sondern mindestens genauso nach medialen Gesichtspunkten zu führen sind. Die Strategen fragen sich nicht nur: Welchen Vorteil bringt mir eine Aktion gegenüber dem Feind, sondern auch welcher Vorteil (oder Nachteil) ist damit für mein Ansehen in der Weltöffentlichkeit verbunden. In dieser Hinsicht war die Hamas in dieser Auseinandersetzung im Vorteil. Dass Waffenlager und Raketenabschussvorrichtungen in unmittelbarer Nähe der ziviler Wohngebäude platziert waren (und sind?) hat die palästinensische Zivilbevölkerung dem Bombardement Israels ausgesetzt, es hat aber auch die Schreckens-Bilder ermöglicht, mit denen sich die öffentliche Meinung im Weltmaßstab beeinflussen ließ. Die Bilder der wenigen zerstörten Häuser im Süden Israels kamen dagegen nicht an. Der Truppenaufmarsch der IDF hat ein “David-Goliath-Szenario” produziert, das mit der realen, hochgefährdeten Lage Israels, die Sie geschildert haben, nicht viel zu tun hat. Ein worst case des Medienkrieges allerdings ist der, auf den Sie mit ihren Verweis auf Syrien aufmerksam machen. Hier scheint es den Kriegern gelungen zu sein, sich aus dem Focus der Aufmerksamkeit wegzustehlen, weil man zu Recht oder zu Unrecht vermutet, dass wir Konsumenten nichts mehr sehen und hören wollen. Ich denke, Sie als Medienleute (denen für Ihre aktuelle Berichterstattung mein ganzer Respekt und Dank gilt) und wir als “Konsumenten”, sind da in einem Dilemma. Die Bilder sind nicht die Wirklichkeit und die Wirklichkeit ist ohne die Bilder nicht zu haben.

  10. Dass die Araber mit Waffengewalt mehr gegen Juden erreichen, als mit Gesprächen ist nicht neu. Sie wissen, dass alle Welt u.A. wegen dem Öl vor ihnen kuscht.
    Schon vor 100 Jahren, als in den 20ern die ersten Anschläge waren hat England nicht etwa die Täter verhaftet… sondern den Juden verboten sich zu wehren, an der Einreise gehindert, verboten Waffen zu besitzen, während gleichzeitig die Araber aufgerüstet wurden.

    Anschläge der PLO waren nur interessant, wenn Europäer betroffen waren (Landshut), Juden gegnüber gleichgültig(Olympia).

    1. Intifada – Arafat durfte verhandeln
    2.Intifada – Arafat durfte sein Terrornetzwerk mitten in Judäa etablieren inklusive Waffenlieferungen für weitere Attentate (u.A. Schiff Karine A)

    Und jetzt. Hat irgendein Diplomat wirklich Druck auf die Hamas ausgeübt und die Raketen als erste Agression verurteilt?
    Nein! Alle wettern nur gegen Israel. Nur im Nebensatz als Alibi werden die jahrelangen Raketen erwähnt.

    • Meine Beobachtung, liebe Doris, ist eine andere: Was in dieser diplomatischen Offensive ganz offenbar gut funktionierte, war, dass beide Seiten Besuch von ihren Freunden bekamen (Israel von Westerwelle, Clinton – und Gaza von Erdogan und dem ägyptischen Premier), die jeweils in die Kameras laut und deutlich ihre Solidarität bekundeten – und Westerwelle hat undiplomatisch deutlich allein die Raketen der Hamas für die Eskalation verantwortlich gemacht! – während dann im Hinterzimmer gesagt wurde: so, mein Freund, jetzt habe ich mich für dich öffentlich in die Bresche geworfen, jetzt tu du auch mal etwas für mich.

      So konnten Berlin und Washington Israel von der Bodenoffensive abbringen, aber auch die Türkei und Ägypten die Hamas zum Einstellen ihres Raketenbeschusses bringen, den bislang noch nichts und niemand abstellen konnte. Ich persönlich kann mich über so einen Erfolg der Diplomatie ehrlich freuen. Gerade auch für die Menschen dort.

      Heidelbaer

  11. Lieber Richard, Du hast ganz recht: jetzt muss eine politische Lösung kommen, die ein erneutes Ausbrechen von Gewalt verhindert. Mein, zugegebenermaßen etwas simplistischer Vorschlag: Gaza wird Ägypten zugeschlagen, das Westjordanland wird an Jordanien abgetreten und Jerusalem wird in Automien geteilt, der israelische Teil und der jordanische werden gegen Verletzungen von der UN geschützt.

    • Lieber Detlef, die Ägypter WOLLEN Gaza NICHT! Das wurde schonmal versucht als sie Sinai an Ägypten zurückgegeben haben. Im Grunde sind den Arabern die Palis total wurscht! Nein, das stimmt so nicht, sie sind ein willkommener Spielball für die Araber und ein nicht enden wollender Unruheherd. Wie praktisch!

  12. “Aus meiner Sicht geht die Hamas als klarer Sieger dieser 8 Tage Gewalt hervor.”

    -> Zumindest feiern sie sich selbst als Sieger.

    “Eine – wahrscheinlich – bessere Lebenssituation der Palästinenser.”

    -> Das können wir ja nun beobachten. Wie werden die Palästinenser mit der grösseren Freiheit umgehen? Wird sich ihre Lebenssituation spürbar verbessern? – Oder die der israelischen Nachbarn dadurch verschlechtern??

    “Die Hardliner in Jerusalem haben diesen Waffenstillstand herbeigeführt – und begrüßt. Netanjahu (der von vielen Israelis allerdings als Weichei gesehen wird.”

    -> Na, na, die Bevölkerung war doch mehrheitlich GEGEN eine Bodenoffensive. Die Menschen werden dankbar sein, dass dieser Schritt vorerst abgewendet ist.
    Falls dennoch jemand diese rechtsextremen Politiker lasch und weicheiig findet, so weise ich gerne – erneut – darauf hin, dass “rechts” in Israel nichts mit unserem europäischen Rechts-Verständnis zu tun hat.

    Warum sind es denn gerade die Ultra-Orthodoxen, die bei der Armee nicht mitmachen?

    Wer in Israel soll es also sein, der diesen Weichei-Vorwurf macht?

    “Mir persönlich ist es wirklich nicht wichtig im Augenblick zu entscheiden, wer der “wahre Sieger” ist – jede Seite beansprucht dies jetzt für sich, natürlich.”

    -> “Sieger”… So können doch nur Männer denken?! Kam mir noch überhaupt nicht in den Sinn, hier einen “Sieger” auszumachen. Aber darauf kommt es den Streitparteien wohl an: den Kampf gewinnen! Besser dastehen. Da hat der kaputte Bus in Tel Aviv mit den Verletzten drin dem palästinensischen Stolz sicher gutgetan, seufz.

    Also, ich sehe keinen Sieger, aber ich denke, dass das Vorgehen Israels sehr klug und durchdacht war. Die Opfer, vor allem auch auf palästinensischer Seite sind zu betrauern, aber Opfer gibt es nun einmal, wenn Krieg ist. Es war gut, dass Israel sich nicht zur Bodenoffensive hat provozieren lassen.

    Nun sind die Grenzöffnungen gelockert, aber man darf hoffen, dass die Welt nun HINSIEHT und genau verfolgt, was geschieht. Das ist trotz der Lockerung der Blockade auch ein politischer Erfolg für Israel!

    “nach dem Gaza-Krieg 2008 (mit Bodeninvasion!) war die Hamas “schwer getroffen”, wie man damals in Jerusalem jubilierte.”
    “der Hass auf Israel ist in Gaza genauso wieder gewachsen, wie der Hass auf die Hamas in Israel.”

    -> N.B. Die Menschen jubilierten, weil die HAMAS(!) schwer getroffen war! Israel hasst die HAMAS. GAZA hingegen hasst ISRAEL, alle, jeden.

    • Liebe Lily,

      ““Sieger”… So können doch nur Männer denken?!”
      Ich bin entsetzt. Derart sexistische Kommentare von Ihnen? ;)

      Im Ernst: was mich etwas gewundert hat, war der plötzliche Schwenk von Herrn Schneider, der damals, als der Angriff auf den Iran im Raum stand, Netanjahu noch für einen halb-wahnsinnigen Kriegstreiber zu halten schien, und ihn jetzt als Weichei bezeichnet.
      Hat er hier seine Meinung geändert, oder gibt er hier unterschiedliche Stimmungen aus der Bevölkerung wieder?

      • @ Michael

        “Ich bin entsetzt. …”

        Die Mädchen sind immer die Klügeren!
        Wer nicht “siegen” muss, kann nachgeben – und gewinnt dabei.

        “der plötzliche Schwenk von Herrn Schneider…”

        Also, mir kommt das, was er so sagt, auch manchmal etwas schizophren vor. Es ist mir im Übrigen weiterhin unklar, WER Netanjahu angeblich für ein Weichei hält. Es ist auch möglich, dass das mit dem Weichei zynisch gemeint war, und dass letztlich alle erleichtert sind und aufatmen, dass das grosse Blutbad (vorerst) ausgeblieben ist.

        Ein Hoch auf alle Verlierer-Weicheier dieser Welt!

        ;-)

  13. Hallo Herr Schneider,
    so ganz kann ich Ihre Interpretation des “Siegers” nicht nachvollziehen. Man kann es nämlich genau so gut umgekehrt deuten. Die Hamas, die den Namen ‘Israel’ sonst nicht in den Mund nimmt und unentwegt vom “zionistischen Gebilde” spricht, hat sich über die ägyptische Vermittlung auf eine Waffenruhe GEEINIGT und feiert sich selbst, weil die Lebensbedingungen der Palästinenser in Gaza VERBESSERT werden sollen????
    Wer knickt hier vor wem ein, zumindest aus palästinensisch/arabischer Sicht? Ist denn nicht das erklärte Ziel der Hamas die vollkommene “Befreiung Palästinas” und die vollständige “Eliminierung des zionistischen Gebildes”? Wo bleibt der märtyrerhafte Todesmut der grünschwarz gekleideten “Kämpfer”? Oder reicht es es denen inzwischen schon, ein halbes Dutzend sogenannter “Kollaborateure” öffentlich hinzumetzeln und die Leichen grölend hinter Motorrädern zu schleifen? Welch ein Heldenmut!

    Die Terrorbande der Hamas hat meines Erachtens (mit Waffengewalt) gar nichts erreicht. Ihr Geprotze entspricht allein deren pubertärer Haltung gegenüber der ganzen Problematik. Ich will nicht Prophet spielen, aber ich fürchte, daß die Waffenruhe sehr bald von Gaza aus verletzt werden wird, und sobald die Raketen wieder nicht nur auf Feldern, sondern in Häusern und Orten einschlagen werden, Menschen verletzen oder töten werden, dann ist Israel mit der Bodenoffensive drin, und das mit gutem Recht.

    Indem die Hamas aktiv an der Schaffung der jetzigen Waffenruhe beteiligt war, hat sie de facto das getan, was sie nie tun wollte, Israels Existenz zumindest als gegebenen Fakt anzuerkennen. Das “zionistische Gebilde” sogar als Verhandlungspartner – wenn auch indirekt – akzeptiert. Allein dies wird ihnen unter arabischen und muslimischen Extremisten keine neuen Freunde bescheren! Zumal Israel das letzte Wort hatte und der Waffenruhe erst Stunden nach der Zustimmung der Hamas auch zugestimmt hat.

    Israel ist nicht erst seit gestern im Orient, und es kennt die orientalische Mentalität. Es weiß, wie wichtig “Gesichtsverlust” ist, und daß man eben nichts erreichen kann, wenn man seinen Gegner das Gesicht verlieren läßt. Ich gehe davon aus, daß der palästinensische Jubel in Gaza über den vermeintlichen Sieg in Israel eher mit entsprechender Gleichgültigkeit aufgenommen wird. Letztens habe ich irgendwo den Spruch gelesen “Diplomatie ist die Kunst, jemanden so zur Hölle zu schicken, dass der sich auf die Reise freut.” Das könnte hierher passen.

    Ihre recht düster geschilderten Perspektiven auf die weitere Entwicklung in der Region teile ich allerdings mit Ihnen.

  14. Natürlich hält dieser Krieg nur solange vor, bis die Hamas wieder über ein „ausreichendes“ Maß an Waffen verfügt, vermutlich ähnlich wie die Hisbollah, die sich noch nie so massiv und vollumfänglich wiederbewaffnen konnte wie unter den Augen der UN: Etwas besseres als ein Schweizer Käse, UN-„Kontrolle“ genannt, kann der Hamas also gar nicht passieren.

    Der Westen alimentiert Gaza (und damit die Finanzierung der gegen Israel gerichteten Aggression). Leider sind die Subventionen nicht an Bedingungen geknüpft, aus meiner Sicht ein großer Fehler. Denn wenn Palästinenser tatsächlich gewahr werden, dass es ihre Führungen sind, die sie seit Jahrzehnten und stets aufs Neue ins Verderben führen, richtet sich die Aggression für ihre schlimme Lage vielleicht endlich gegen diese und nicht mehr reflexhaft gegen die Juden (resp. den Judenstaat).

    Natürlich sind nicht alle Palästinenser böse und schlechte Menschen. Viele wollen Frieden und ein ganz normales, geregeltes Leben. Aber solange eine genügend große Anzahl Menschen (ja nicht nur in dem, was man Palästina nennt, sondern in der arabischen Welt drumrum) Israel als Staat nicht akzeptieren und ihren Hass über das Wohlergehen der Menschen stellt, wird es keinen Frieden geben. Sagte schon Golda Meir und hatte Recht: „Frieden wird es geben, wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben, als sie uns hassen.“

    In Gaza wird die nächste Generation Terroristen herangezogen. Die Propaganda, der die Kinder ausgesetzt sind, ist unerträglich (auch hier: Keine Bedingungen seitens der Geldgeber, keine Sanktionen). Und machen wir uns nichts vor: In Fatah-Land sieht es nur bedingt besser aus, auch wenn wir sie gerne als „gemäßigt“ bezeichnen. Der schöne Libanon ist quasi enteignet. Was sich in Jordanien und erstrecht Syrien entwickelt, wissen wir nicht. Guckt man dann noch Richtung Türkei und beobachtet die Entwicklung des Hetzers Erdogan, macht das nicht wirklich Hoffnung.

    Ich fürchte, Israel hat eine Runde überstanden, mit den üblichen weltweiten Schmähungen (natürlich hat die Hamas den Propaganda-Krieg gewonnen! Haben Sie ernsthaft anderes erwartet?), aber es war eben nur das: Eine Runde. Was man machen kann? Israel darin unterstützen, sich auf die nächsten Runden vorzubereiten und diese zu überstehen. Klingt deprimierend, ich weiß.

    Vielleicht könnten Moslems in der westlichen Welt eine Rolle spielen, wenn sie vorführten, wie man Religion unter freiheitlichen Bedingungen leben kann, also ohne Hass gegen „den Westen“, das „zionistische Gebilde“, die Juden. Also als role model und Gegenentwurf. Vielleicht.

  15. Das Schneider’sche Netanjahu-Bashing geht weiter. Die ganze Zeit haben Sie geschrieben, wie blöd Netanjahu ist, an eine Bodenoffensive auch nur zu denken, weil damit nichts zu gewinnen sei. Jetzt feixen sie mehr oder weniger unverhohlen über das Weichei Netanjahu der, weil er die Bodenoffensive abgesagt hat, vor der Hamas in die Knie gegangen sei, nichts erreicht habe und auf eine Bodenoffensive, die 2009 doch so erfolgreich (!) und für Israel gewinnbringend gewesen sei, verzichtet habe. Ja was denn nun?

    Dass die Blockade des Gazastreifens gelockert wird, das kann man in der Tat kritisch sehen, aber normalerweise wird das eher positiv gewertet.

    Die politische interessante Frage ist doch, was haben Obama, was haben Clinton, die die ganze Zeit über fest an Israels Seite gestanden haben, und nicht müde wurden, mit Recht die Hamas für die Gewalt verantwortlich zu machen und Israels Recht auf Selbstverteidigung zu betonen, Netanjahu zugesagt, damit er sich auf diesen auf den ersten Blick für Israel nicht ganz überzeugenden Deal eingelassen hat.

    Haben die Amerikaner weitere Militärhilfen zugesagt? Es ist seit dem Einschlag der Fajr-5-Raketen im Großraum Tel Aviv nun auch für den Letzten ersichtlich geworden, dass der Iran ein großer Terrorsponsor ist und auch in Gaza einen Stellvertreterkrieg führt, und alles tut, um seinen Einfluss zu vergrößern und die Region zu destabiliesieren. Vielleicht hat die amerikanische Regierung, die sich wegen einer Wiederwahl keine Gedanken machen muss, nicht zuletzt vor diesem Hintergrund zugesagt, das Iran-Problem – eine Gefahr nicht nur für Israel – zu lösen. Schließlich haben die Amerikaner die weitaus besseren Flugzeuge und sind mit ihren Basen im perischen Golf auch viel näher dran?

    Spekulation na klar! Aber es wäre doch einmal interessant herauszufinden, was der Inhalt der Gespräche zwischen Netanjahu und der US-Regierung war und welche Vereinbarungen und Zusagen, es zu Gunsten Israels gibt Vielleicht ist Netanjahu gar nicht so doof, wie Sie glauben?

  16. “Und nun? Was nun?”

    Ich schlage vor:
    Nichts wie weg und ab in die Erholungskur!

    • Das kann Herr Schneider nicht, er ist Workaholic. Siehe seine Blogs zum Thema Urlaub. Da hat er förmlich drum gebettelt, dass was passiert, damit er den Urlaub abbrechen kann ;)

      • Hab’s kapiert, das mit der Urlauphobie. Daher sagte ich Erholungs-KUR.
        Nach Ihren Worten ist wohl eher eine kommunikationsfreie ENTZIEHUNGS-Kur angezeigt.

        Und Urlaub für den Rest des Teams.

  17. Dieses pubertäre Geschrei der Hamas, wonach man gewonnen habe, soll man nicht überbewerten. Das ist Propaganda. Man erinnert sich noch an den Libanonkrieg, damals hieß es auch in Israel – so selbstkritisch wie man dort eben ist – man habe schlimm verloren und die Hisbollah, sei der eindeutige Sieger. Seitdem hat sich Nassrallah nicht mehr aus seinem Bunker getraut, und die Hisbollah hat zwar viele Raketen unter der Aufsicht der UN angehäuft , sie kloppt weiterhin starke Sprüche, macht weiterhin ihre Hasspropaganda, traut sich aber offenbar nicht mehr Raketen nach Israel zu schießen, weil man immernoch an der Klatsche von 2006 knabbert, die wohl doch größer war als man – besoffen von der eigenen Propaganda – zuzugeben bereit ist, Auch die Hamasführer würden sich wahrscheinlich eher ein Bein abhacken, als zuzugeben, dass ihnen, ihrer Führungsschicht und ihrer Terrorinfrastruktur, der “zionistischen Feind” schweren Schaden zugefügt hat.

    Während dieser Militäroperation hat zumindest die westliche Welt, sogar die EU, so fest wie wohl noch nie an der Seite Israels gestanden. Sogar die Berichterstattung in den Medien war nicht so antiisraelisch wie man das normalerweise gewohnt ist, weil die Notwendigkeit der sehr gezielt, sehr zurückhaltend und schonend geführten Militäroperation für jeden halbwegs Vernunftbegabten nachvollziehbar war.
    Eine Bodenoffensive – hätte so auch Herr Schneider noch vor wenigen Tagen überzeugt – wohl schweren diplomatischen Schaden angerichtet und zu hohen Verlusten auf beiden Seiten geführt, und Israel hätte wieder am Pranger gestanden.

    Wenn wirklich der Raketenbeschuss auf Israel aufhören sollte und der Waffenschmuggel gestoppt wird. (Gerade heute war zu lesen, dass die Ägypter iranische Gradraketen, die für Gaza bestimmt waren, abgefangen haben), dann wäre das Ziel der Op “Pillar of Defense” von Seiten Israels erreicht. Darüberhinaus hat der außerhalb Israels als irratiónale Hardliner verschrieene Netanjahu der Welt gezeigt, dass er bereit ist, zurückzustecken, und wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind, auf die Palästinenser zuzugehen. Wenn die Waffenruhe von Seiten irgendwelcher palästinensischer Fraktionen (trotz dieser Zugeständnisse) wieder gebrochen wird, und der Waffenschmuggel doch weitergeht, dann müsste die ziviliesierte Welt, die das eigentlich ohnehin immer tun sollte, doch erstrecht an der Seite Israels stehen.

    Also ich bleibe bei meiner These: Netanjahu ist nicht so dumm, wie manch einer glaubt.

    • „Netanjahu ist nicht so dumm, wie manch einer glaubt.“

      Genau, und es nervt, wenn jede seiner Aktionen oft nur vor dem Hintergrund der Wahlen im Januar interpretiert wird. Das kann man bei Politikern aus Ländern machen, die nicht ständig um die Sicherheit und das Leben ihrer Bürger bangen müssen.

      Aber angesichts der Lage, in der sich Israel befindet, würde das bedeuten, dass Netanjahu ein herzloser Opportunist ist, dem das Leben seiner Mitbürger egal ist, Hauptsache seine Karriere nimmt keinen Schaden – und das ist einfach nicht wahr. Leider wird durch dieses ständige Erwähnen der Wahlen als Motiv für verschiedene Handlungen dies dem deutschen GEZ-Normalverbraucher suggeriert. Wahrscheinlich, weil dies eine für ihn plausible Erklärung ist.

      Aber vielleicht könnte man dem deutschen Zuschauer auch mal etwas Neues „beibringen“, z.B. die Wertschätzung, die Israel für seine Bürger hat, die mit Sicherheit das Hauptmotiv für die Politik von Netanjahu ist.

      Heidelbaer hat geschrieben:
      „Man kann es für rassistisch halten, für religiösen Erwählungswahn, dass dem Staat Israel das ein einziger seiner Bürger locker 1000 Palästinenser wert sei (man vergleiche die “Kurse” beim Gefangenenaustausch, zuletzt bei Gilad Shalit), in Wirklichkeit ist es Zeichen der enormen Wertschätzung, die dieser Staat dem Leben seiner Bürger beimisst (und ja: da könnte man als Deutscher schon neidisch werden.“

      Oder wäre eine solche „Fortbildung“ für den deutschen Zuschauer nicht „möglich“ ????

  18. Hallo Herr Schneider,

    na, da haben Sie sich diesmal aber ganz schön was getraut.

    Wenn Sie schreiben: “Den massiven Protest gegen die israelischen Angriffe auf die Zivilisten in Gaza, habe ich täglich mitverfolgt” dann möchte ich Sie mal fragen, ob Sie auch Proteste der “Zivilisten in Gaza” gegen den Beschuss Richtung Israel durch sog. “radikale Kräfte” der Hamas erlebt haben? Ich vermute mal: Nein.
    Ja warum denn nicht? Es drängt sich dann doch die Frage auf, ob der Abschuss der vielen Raketen Richtung Israel MIT DEM WOHLWOLLEN der Menschen in Gaza erfolgte, denn sonst würden diese doch logischerweise ihren Protest dagegen zum Ausdruck bringen, oder? Haben diese aber nicht. Folglich sollte sich doch keiner über eine entsprechende Reaktion aus Israel wundern. Und diese Proteste der Menschen aus Gaza GEGEN die Reaktion aus Israel sind durchschaubar und m.E. für das westliche Fernsehen in Szene gesetzt, um westliche Zuschauer besonders zu schocken, um eine Anti-israelische Stimmung weiter zu fördern.

    Mal noch etwas anderes zum vermeindlichen “Sieg der Hamas” bezüglich der ausgehandelten Waffenruhe: Das erklärte Ziel der Hamas ist der Krieg gg. Israel, bis das heilige Land zurück erobert und Israel von der Landkarte verschwunden ist. Das ist aber nicht passiert. Sollte es zu einer Lockerung der Blockade kommen, so wird die Hamas sicher weiter aufrüsten. Die Folge: Der Druck im Kessel steigt weiter an, die nächste Stufe der Eskalation der Gewalt wird noch dramatischer werden und Israel wird neuerlich unter Zugzwang gesetzt.

    Nein, bislang gibt es dort keine Gewinner; weder bei der Hamas noch auf der Seite Israels.
    Bedauerlicherweise bekomme ich das Gefühl, dass externe Kräfte den Staat Israel indirekt bekämpfen und den Kriegsschauplatz einfach nach Gaza verlagern, um selbst – als vermeidlich souveräner Staat – nicht an den blutigen Kampfhandlungen teilnehmen zu müßen, da ja die Hamas die Drecksarbeit gehorsamst erledigt.

    Sollte sich diese These bestätigen, werden Sie, Herr Schneider, mitsamt Ihrem Team noch eine Menge Arbeit und Berichterstattungsmöglichkeiten vor sich haben.
    Der gesamte nahe Osten befindet sich m.E. gegenwärtig in einem Umbruch. Mit dem “arabischen Frühling” verlagern sich die (islamischen) Kräfte und das verhasste Israel steckt wie ein Keil mittendrin.

    In diesem Konglomerat an seit Jahrzehnten währenden Feindseligkeiten gg. den Staat Israel sehe ich leider keine nachhaltige Aussicht auf Frieden im nahen Osten.

    Den beteiligten Berichterstattern wünsche ich in dieser schweren Zeit weiterhin die nötige Sachlichkeit, Neutralität, Kraft und Durchhaltevermögen.

    Gruß,
    Stefan E.