Rafah, Gaza an der Grenze zu Ägypten

Zerstörter Tunneleingang, Rafah. Rechte: BR

Im Vordergrund der zerstörte Eingang zu einem Schmugglertunnel. Die Schäden an den Häusern im Hintergrund stammen aus vorangegangenen Konfrontationen. Das ist die Philadelphia Road an der Grenze zu Ägypten, die von hunderten Tunnelröhren untergraben ist. Und wenn die Blockade gelockert wird, wie es die Hamas für einen dauerhafte Waffenruhe fordert, was passiert dann mit der Tunnelwirtschaft?

Der Eingang zu einem anderen Tunnelschacht ist betoniert. Insgesamt 700 Meter lang. Vier Meter tief unter der Erde. Abu Mohamed zeigt auf einen Sandhaufen neben dem Eingang.

Rakete zugeschüttet

Dort habe eine sechs Meter lange israelische Rakete in der Tiefe gesteckt. Nachbarn hätten erzählt, die sei explodiert, sagt Abu Mohamed. Also habe man den Krater einfach zu geschüttet. Seit die Gefahr aus dem Blick ist, läuft der Transport durch den Tunnel wieder.

Fader Odwan, Rafah. Rechte: BRZollamt für Schuggelware, Rafah. Rechte: BRWeinende Menschen als Beweis für einen Sieg? Rechte: BR

Die Tunnel sind seit der Abriegelung des Gazastreifens durch Ägypten und Israel der Hauptversorgungsweg: Benzin, Tiere, Lebensmittel und Waffen kommen illegal durch. Tunnel-Geschäftsmänner und Hamas-Regierung kassieren mit.

Der Geschäftsmann Fader Odwan hofft, dass er sein Geschäft bald wieder über der Erde abwickeln kann. Aber lässt sich das Rad einfach wieder zurückdrehen? Die Tunnel sind ein fester Bestandteil des Wirtschaftskreislaufs geworden. Es geht um Macht, Einfluss und Geld.

Zollamt für Schuggelware

Neu für mich war: In Rafah gibt es mittlerweile eine Art Zollterminal der Hamas: Container-Büros, ein Wetterschutz und eine Waage. Im Regen erzählt ein Palästinenser, dass Waren aus einem der Tunnel auf die Waage kommen. Der Händler bekommt an verschiedenen Schaltern Belege, Stempel und bezahlt Geld. Anschließend kann er seine Ware bei der Polizei auslösen.

Abu Mohamed glaubt, daran werde sich nichts ändern. Vielleicht sagt er das auch, weil er mit seinem Tunnel gutes Geld macht. Aber die Ägypter würden nie einem kommerziellen Grenzübergang zustimmen, so Abu Mohamed. Die hätten Sorge, die israelische Regierung wolle die Verantwortung für den Gaza-Streifen Kairo übertragen.

 

 

 

 

 

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  1. Kann sein, dass die Ägypter nie einem kommerziellen Grenzübergang zustimmen würden, aber Tatsache ist, dass diese Tunnels auch von den Ägyptern zugeschüttet werden (und an der Grenze bei Rafah vor ein paar Jahren eine Stahlmauer 30m tief im Boden versenkt wurde, um die Tunnels zu unterbinden). Einfach mal auf YouTube nach ‘Egypt closes Gaza tunnels’ suchen. Unterm Strich ist nichts, was durch diese Tunnels nach Gaza kommt ueberlebenswichtig – ausser man zaehlt Benzin dazu.

  2. Erstmal danke für den tollen Block. Kann mir mal einer erklären, was das soll mit dem “illegalen Schmuggel” durch unterirdische Tunnels und geschlossenen Grenzen von Gaza und fast Fischfangverbot vor der Küste. Wovon sollen die denn leben, wenn sie mit keinem Nachbarn Handel treiben dürfen und man ihre Handelsbeziehungen stranguliert. Es ist richtig… kein Land der Welt würde es hinnehmen, dass sein Territorium laufend mit Rakteten beschossen wird, aber auch kein Land der Welt würde es hinnehmen, dass man seine Grenzen und seinen Handel blockiert. Warum werden diese elementarsten Menschenrechtsaspekte tabuisiert und kaum in Friedensverhandlungen angesprochen. Beides muss gewährleistet werden, die Sicherheit Israels und die souveräne Handesmöglichkeit Gazas. Solange man darüber nicht einmal redet, wird es sicher keinen Frieden geben.

    • Nur mal zur Info – Israel liefert jede Woche 12 bis 15.000 Gueter nach Gaza. Nur werden die israelischen Grenzuebergaenge natuerlich streng ueberwacht, weil man verhindern will, das Waffen etc. auf diesem Wege an die Hamas gelangen.

      Tatsache ist, dass es in Gaza keine echte Not gibt, ausser dass Benzin mal knapp werden kann und es Strom nicht 24 Stunden garantiert ist. Einfach mal bei Google Photos ‘Gaza Markets’ eingeben und die Markt-Bilder mit endlos viel Gemuese, Obst, Fisch und Fleisch betrachten. In Gaza City gibt es sogar ein relativ neues Einkaufszentrum, wo es s ziermlich alles zu kaufen gibt, was man sich vorstellen kann. Ist alles auf YouTube zu sehen oder auf Wikipedia unter ‘Gaza Mall’ beschrieben, inkl. Link zur offiziellen Website auf arabisch.

      Dass Gaza ein Open-Air-Gefaengnis wie die polnischen Judenghettos zur Nazi-Zeit sein soll, ist einer der groessten Luegen unserer Zeit. Natuerlich ist Gaza kein Paradies – auch wenn es sogar 5-Sterne-Luxushotels wie das al-Mashtal gibt – aber fuer die Missstaende dort ist nicht Israel, sondern die Hamas zustaendig, die ihre eigenen Leute terrorisiert und mit ihrer jahadistische Einstellung zu Israel eine Normalisierung der Verhaeltnisse gar nicht zulaesst.

    • @joshui

      Es ist ein Märchen, dass Gaza keinen Handel treiben darf. Jeden Tag fahren LKW mit Lebensmitteln etc. über die Grenze und beliefern die Menschen mit den Waren des täglichen Bedarfs. Es gibt also keinen Hunger in Gaza.
      Was blockiert wird, sind Lieferungen von Artikeln, die zum Bombenbau geeignet sind. Leider ist das auch so ziemlich alles, was in modernen Zivilisationen zur Herstellung von Waren dient.
      Es gab übrigens den Versuch, aus Gaza das Singapur des Nahen Ostens zu machen, indem man dort eine Mikrochipfabrik baute. Darin wurden dann aber Raketenteile montiert, so dass man das Projekt aufgeben musste.

      • Der Export aus Gaza und dem Westjordanland wird von israel verhindert. Einfegührt werden Israelische Güter die man wahrscheinlich nicht an die eigenen Bevölkerung verkaufen kann. Gaza als auch das Westjordanland sind unter Israelischer Besatrzung und Wirtschaftsblockade. Die Situation in Gaza kann man nun wirklich nicht schönreden.