Spurensuche in Ramallah

Seit einer Stunde sind sie also bei ihrer Spurensuche: Die Wissenschaftler und Ermittler aus Frankreich, der Schweiz und Russland. Hier in Ramallah deuten allein die riesigen blauen Plastikplanen (überdacht von einer riesigen palästinensischen Fahne) um das Mausoleum in der muqataa  daraufhin, dass nach acht Jahren ein ernsthafter Versuch gestartet wird zu klären, woran Arafat gestorben ist. Suha Arafat, die heute hier nicht in Ramallah ist, hatte alles in Rollen gebracht, indem sie Al Jazeera die mutmaßlich letzten Gegenstände und Kleidungsstücke, die Arafat in Paris vor seinem Tod benutzt habe, übergab. Die wiederum schickten die Sachen nach Lausanne in ein Institut, Auswertung – Spuren von Polonium 210. Dann konnte die PA von Mahmud Abbas nicht anders, als einer Exhumierung zuzustimmen. Im März, April 2013 dann die Ergebnisse der Proben. – Relevant ist das für die große Mehrheit der Palästinenser nicht. Sie haben sich ohnehin längst ihre Meinung gebildet, dass es die “Israelis gewesen sind”, so der Chef der palästinensischen Untersuchungskommission schon vor Beginn der Exhumierung. Nein, relevant sind ganz andere Ergebnisse: Der Fortgang der Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Israel und der Hamas in Kairo, der Abbas-Antrag am Donnerstag vor der UN-Generalversammlung auf Aufwertung des völkerrechtlichen Status Palästinas – und Israels Innenpolitik. Der Likud hat seine “primaries” nach zwei Tagen jetzt abgeschlossen: Auf die Kandidatenliste des Likud, Netanjahus Regierungspartei, wurden vorrangig Politiker gewählt, die von den Rudimenten des vormaligen Friedensprozesses nicht viel halten. Von einem “tektonischen Beben” innerhalb des Likud spricht Ha’aretz. Das sind die Faktoren, die die nächsten Tage und Wochen prägen werden, nicht die heutige Spurensuche in Ramallah.

 

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