Vor dem Mausoleum in Ramallah

Die Zufahrtsstraße zur Muqaata, dem Amtssitz des Chefs der Autonomiebehörde, ist abgesperrt. Doch die blau uniformierten Polizisten brauchen nicht einzugreifen: Eine Phalanx von mindestens 20 Kamerateams hat sich an dieser Straßenkreuzung in Ramallah aufgebaut, um den besten Blick auf das mit großen, blauen Plastikplanen abgeschirmte Mausoleum Arafats zu haben.

Wichtig, weil es Arafat ist

Juwan Abed Hafiz, Korrespondent des arabischen Nachrichtensenders Al Arabjia, zur Bedeutung des Ereignisses für seine Zuschauer: “Das ist eine sehr wichtige Geschichte, weil wir über Jassir Arafat reden. Er ist eine nationale Persönlichkeit, er ist die Sache des palästinensischen Volkes, und das ist genau der Ort, in der Geschichte des palästinensischen Volkes und des Konflikts. Die Sache ist wichtig, weil es um Jassir Arafat geht.” Der Al Arabija-Korrespondent war schon vor acht Jahren hier, als die Hubschrauber der jordanischen Luftwaffe am 12. November 2004 die sterblichen Überreste des jahrzehntelangen Palästinenser-Chefs zurück nach Ramallah brachten. Hunderttausende waren damals auf den Beinen – viele seiner Kollegen von Al Arabija hätten, sagt Juwan Abed Hafiz, live auf dem Sender weinen müssen.

Spekulationen über die Todesursache halten seit acht Jahren an

Für alle in der Region sei die heutige Exhumierung bedeutend, weil es um Jassir Arafat gehe: “Auch wegen der geheimnisvollen Umstände seines Todes: Vor acht Jahren gab es unheimlich viele Diskussionen über die Frage, wie er ums Leben kam. Und wer Jassir Arafat umgebracht hat. Alle diese Fragen warten bis heute auf eine Antwort. Nicht allein für das palästinensische Volk, das das wissen will, sondern auch für die Araber ist das wichtig. Sie warten darauf zu wissen, was seinen Tod verursacht hat. ”

Internationale Wissenschaftler exhumieren die Leiche

Ab Mitternacht stand nur ein einziger journalistischer Augenzeuge vor dem abgeschirmten Mausoleum, Mohammad Abu Rub, ein junger palästinensischer Reporter für Radio Palestine. Er habe verfolgen können, dass bereits um 1 Uhr nachts die Präsidialgarde aufgezogen sei, während zeitgleich die Grabstelle geöffnet worden sei. Dann, noch vor Sonnenaufgang, seien die Wissenschaftler und Ermittler aus Frankreich, der Schweiz und Russland vorgefahren: “Ich sah einen Bus für den Transport der Experten. So gegen 04. Uhr 30 und 5 Uhr am Morgen.” Seine Freundin steht neben dem jungen Journalisten des palästinensischen Rundfunks und will etwas zur Bedeutung Arafats sagen: “Arafat lebt in unseren Herzen und in unserem Bewusstsein immer noch. Er ist unser Symbol und er ist unser Anführer. Ich hoffe, er könnte aus seinem Grab herauskommen, um zu sehen, dass es unter Palästinensern keine Teilung mehr gibt.”

Erste Ergebenisse im Frühjahr

Gegen 10 Uhr 30 Ortszeit ist alles wieder vorbei – zehn, vielleicht 20 Menschen verlassen das abgeschirmte Zelt vor dem Mausoleum und steigen die wenigen Stufen ins die Muqaata hoch. Das seien die Experten, die jetzt ihre Arbeit abgeschlossen hätten, analysieren einige umstehende Journalisten aus der Ferne. Vor Frühjahr des nächsten Jahres werden die Ergebnisse der Wissenschaftler nicht vorliegen und bis dahin bleibt die Frage offen, die Omar, ein Geschäftsmann aus Ramallah aus dem Fenster seines Autos zuruft, das im Stau vor dem Präsidentengebäude stecken bleibt: “Jeder Palästinenser wartet immer noch darauf, die Fakten zu erfahren, was der eigentliche Grund für seinen Tod war, um ehrlich zu sein.”

 

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