Hamas – 25 Jahre

Am Ende dieses Textes finden Sie ein Link, das sie zu meinem heutigen Videoblog “Zwischen Mittelmeer und Jordan” führt. Ich habe mich entschieden, heute “dieselbe” Story im Videoblog und hier zu posten, wenngleich ich hier noch ein paar Anmerkungen machen möchte, die im VBlog nicht vorhanden sind.

Die Hamas, ein Ableger der Muslimbrüder, ist radikal antijüdisch. Nicht nur anti-israelisch! In ihrer Charta findet man Teile der “Protokolle der Weisen von Zion”, dieses antisemitischen Pamphletes aus dem zaristischen Rußland des 19. Jh., das zum ersten Mal in schriftlicher Form der “jüdischen Weltverschwörung” und der “jüdischen Weltherrschaft” faselt, eine der klassischen “Überzeugungen” des modernen Antisemitismus.

Was viele vergessen haben: Ausgerechnet Israel hat die Hamas in ihren Anfangsjahren kräftig unterstützt! Denn damals, zu Beginn der Ersten Intifada, hoffte Israel, mit der Hamas einen Gegenpart zu dem übermächtigen Yassir Arafat, seiner PLO und der Fatah aufbauen zu können, um somit den “Hauptfeind” schwächen zu können. Daß ausgerechnet die Hamas sich dann zum größten und gefährlichsten Feind Israels unter all den palästinensischen Gruppen und Organisationen entwickelte, hatte man in Jerusalem damals nicht gesehen, die PLO, Arafat waren einfach seit Jahrzehnten übermächtig und niemand, niemand hätte damals glauben können, daß neben Arafat noch “andere Götter” existieren könnten in der palästinensischen Welt.

In gewisser Hinsicht, hat Israel allerdings ein Ziel erreicht: Es wurde innerhalb der palästinensischen Gesellschaft ein Keil getrieben. Auch wenn zur Zeit Hamas und Fatah mal wieder Annäherungsversuche machen – die Äußerungen Khaled Meshaals, des eigentlichen Führers der Hamas, man werde Israel niemals anerkennen, wurden von Palästinenserpräsident Abbas bei einem Besuch in der Türkei gleich verurteilt: Man habe doch schon gemeinsam die Oslo-Verträge akzeptiert, Israel nicht anzuerkennen, sei nicht akzeptabel - fraglich also, ob die Differenzen zwischen Fatah und Hamas wirklich überwunden werden können.

Doch die Hamas ist in großen Teilen der pal. Gesellschaft im Aufwind. Viele glauben tatsächlich, daß die Islamisten im letzten Krieg einen “Sieg” gegen Israel errungen hätten. Die Raketen auf Tel Aviv und Jerusalem sind ein großer symbolischer Erfolg, daß die Israelis nicht mit Bodentruppen einmarschierten wird als “Feigheit” vor den Islamisten bewertet und die schiere Tatsache, daß die Hamas auch diesmal de facto nicht besiegt wurde, läßt das Ansehen der Organisation immer weiter wachsen, da hilft es auch nicht, wenn hohe israelische Militärs anonym den Medien erklären, wie groß der Schlag gegen die Hamas und damit der militärische Erfolg der Israelis möglicherweise gewesen war. Abgesehen davon, daß wir das kaum überprüfen können – selbst wenn es wahr wäre. Die Wahrnehmung des palästinensischen Volkes ist auf jeden Fall eine andere.

So – und nun: mein Vblog zur Feier der Hamas in Hebron am letzten Freitag:

http://www.tagesschau.de/videoblog/zwischen_mittelmeer_und_jordan/hamas-hebron100.html

 

 

 

 

 

Kommentieren:

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  1. das haben sie toll gemacht, richard schneider…

    israel soll hamas unterstuetzt haben? koennen sie uns dann verraten, im welchem zeitraum es geschah? und wie hat israel hamas unterstuetzt? waffen? sprengstoff? ausbildung?

    israel hat die hamas hoechstens gedulded, solange sie keine terroristische aktivitaeten betrieb. von einer unterstuetzung zu sprechen ist schlicht falsch.

    ich weiss, dass es stimmen gibt, die das immer wieder behaupten, aber so lange es UEBERHAUPT KEINE beweise gibt, grenzt es an ein unfug die unterstuetzung als ein fakt zu betrachten.

    • was den sieg der hamas angeht… so sollte man sich bei den europaern, in erster linie bei england und frankreich, aber auch bei dem obama bedanken, dass sie den israelis klar gemacht haben, dass sie eine bodenoffensive nicht unterstuetzen wuerden, was so viel heisst, dass sie dem israel in den ruecken fallen wuerden. die israelische bevoelkerung war bereit, den preis einer bodenoffensive zu zahlen. in europa versteht man nicht, dass jede zurueckhaltung nicht als entgegenkommen, sondern als schwaeche und damit einladung zu noch mehr gewalt bewertet wird.

      • Wirklich schade herr schneider. Es ist leider nicht das erste mal, dass sie etwas behaupten, was nicht der wirklichkeit entspricht und sich dann davor druecken stellung zu nehmen.

        • die aussage der israelischen unterstützung für hamas in den anfangsjahren der bewegung ist nicht aus der luft gegriffen. wenn ich mich recht erinnere, kann man das u.a. bei dem historiker joseph croitoru (buch “hamas. auf dem weg zum palästinensischen gottesstaat”) nachlesen. ich hoffe, ich erinnere mich noch richtig, denn es ist schon länger her, dass ich das buch gelesen habe.

          • wenn es wahr waere, wuerden die linken die rechten bei dem wahlkampf zerfleischen oder umgekehrt, was davon abhaengt, wer diese idee hatte.

            man hat dem ermordeten itzhak rabin noch nicht vergeben, dass er es aktiv zuliess, die palaestinensischen sicherheitskraefte zu bewaffnen.

          • angenommen, es war unter shamir… dann haetten die linken diesen fakt schonungslos ausgenutzt.

            das ist ein sehr starkes indiz dagegen. aber wie gesagt, es gibt ueberhaupt keine quellen.

  2. Lieber Herr Schneider,
    da sorgen Sie ja dafür, dass Mustafa-Normalpalästinenser richtig die Hosen runterlässt und seine/ihre Meinung unverblümt äußert.
    “Der Westen hatte die Juden satt und sie zu uns geschickt, ….” Da fällt mir nichts mehr ein. Außer danke für die Bilder und Interviews.

    • “Da fällt mir nichts mehr ein. Außer danke für die Bilder und Interviews.”

      Dem schliesse ich mich gerne an, prima.

    • Herr Schneider,
      klar können sie nicht auf jeden kommentar antworten und wo fängt man an und wo hört man auf und so weiter.
      aber wollen sie sich nicht von solchen schulterklopfern distanzieren? von leuten, die besser einige blogs weiter rechts ihren geistigen müll verbreiten sollten?

      michael, warum bleiben sie nciht im Pipi-blog mit ihren ergüssen, da fänden sie mehr klatscher

  3. Sehr geehrter Herr Richard C. Schneider,

    Ich war anfangs wirklich ein großer Fan ihres Blogs und habe, wie viele andere, jeden Montag den Blog geschaut. Aber in letzter Zeit fühle ich mich zunehmend angegriffen und vor allem der heutige Beitrag (Blog 17.12.2012) über die 25-jährige HAMAS-Feier war sehr einseitig und die Darstellung der Palästinenser mehr als fraglich.

    Natürlich haben sie lediglich die HAMAS-Anhänger dargestellt, wie sie tatsächlich sind und ich werde nicht abstreiten, dass die HAMAS Popularität genießt und sehr radikal, anti-israelisch und auch anti-jüdisch/anti-semitisch ist. Ich finde aber die Veröffentlichung dieses Berichts dennoch sehr daneben im Kontext der Ereignisse der letzten Monate und auch der vorherigen Beiträge ihres Blogs. Israel/Palästina ist eine Konfliktregion und es gäbe ohne Radikale keinen Konflikt und Konflikt produziert Radikale – AUF BEIDEN SEITEN !!! Nun ist es aber so, dass sie aus Israel Interviews mit sehr reflektierten (und meiner Wahrnehmung nach linken) Personen veröffentlichen, wie z.B. dem Autor von “an-Nashim Tuvim” oder dem ehemaligem israelischen Botschafter in Deutschland. Aus Palästina aber erscheint ein Bericht über eine grölende HAMAS – Meute. Mir fehlen wirklich die Worte, ich fühle mich so beleidigt und verletzt. ENDLICH mal ein Bericht aus Palästina – mein Herz schlägt zunächst höher vor Freude – und dann lese ich HAMAS (erste Enttäuschung) und beim Schauen des Beitrags kann ich meinen aufgeklappten Mund nicht mehr schließen. Es gibt sooooooo viele Beispiele von nicht-militanten, 2-Staatenlösung-unterstützenden Palästinensern, aber nein, sie suchen diese gewaltbereiten, brainwashed Masse aus. Warum ?!? Und grundsätzlich ist auch nichts einzuwenden gegen die Darstellung der HAMAS wie sie auch ist, das Problem besteht darin, dass sie NUR HAMAS zeigen, ohne auch den anderen großen Teil der palästinensischen Bevölkerung zu zeigen, nämlich nicht-militante oder auch Friedensaktivisten. Ich verfolge z.B. gerade mit großer Freude die Grassroot-Initiative “Palestine-loves-Israel”.

    Was mich auch noch an ihrem Beitrag und der Blogreihe allgemein stört: Ich war auch mal in Hebron und es war einer der schrecklichsten Tage meines Lebens. 1. Konnte ich meinen Augen nicht trauen beim Anblick dieser Straße, die in zwei geteilt ist und zwar eine Hälfte (eine schöne, große Hälfte) für jüdische Bewohner und Touristen und eine zweite Hälfte (eine kleine, schmale) für Araber.
    2. Hatte ich auch noch das Pech, das während ich auf dem arabioschen Markt spazieren war, plötzlich ein vom IDF begleiteter, provokant laut Singender Siedleraufmarsch demonstrativ durch den arabischen Markt Hebrons zum Grab Abrahams stolziert ist. So fand ich mich auf einmal, zusammen mit den palästinensischen Marktverkäufern, an die Wand gedrängt, umzingelt von IDF-Soldaten, die mit scharfen Waffen alle im Zaum hielten, während die Siedler mit Trommeln und provokant uns ins Gesicht lächelnd zum Grab marschierten. Klaro, der arabische Markt ist auch schöner und sicherer als die “private Straße” ???
    Was ich damit sagen will: Wenn sie schon radikale Gruppierungen dokumentieren und veröffentlichen wollen, dann sollten sie alle Seiten zeigen.
    Sie haben ja noch schriftlich hinzugefügt, dass Israel anfangs die HAMAS unterstützt hat, aber nicht ohne den Zusatz “aber nur weil damals NIEMAND gedacht hätte, dass es möglich ist neben der PLO erfolgreich zusein”. Soll das etwa eine Rechtfertigung oder Legitimierung sein für das Fördern einer militanten, radikalen Gruppe ? Mindert dies das Leid, das durch die Popularität der HAMAS DEM PALÄSTINENSISCHEN VOLK zugefügt wird ? Ja, nicht nur Israel leidet unter der HAMAS, sondern die palästinenser selber und AraberInnen auf der ganzen Welt auch! 1. Leidet die arabische Gemeinschaft deshalb, weil Gruppierungen wie HAMAS ermöglichen, dass diskriminierende Stereotypen von Muslimen/Arabern erstellt werden oder Darstellungen suggerieren, dass Araber/Muslime einfach von Natur aus militant und brutal sind. 2. Terrorisiert HAMAS auch das palästinenische Volk. Es gibt keine Demokratie und keine Menschenrechte und Nicht-HAMAS Anhänger oder oppositionelle werden von HAMAS verfolgt und bedroht. 3. HAMAS stört demokratische friedliche Initiativen der nicht-militanten Palästinenser, weil Gegner solcher Initiativen, z.B. Netanyahu, dann argumentieren könne man dürfe es nicht unterstützen, weil die ja nur so tun um später militärisch zu werden und den Staat Israel anzugreifen (was auf HAMAS zutreffen mag, aber eben NICHT auf Abbas!!!).

    Tja, also summa sumarum, ich bin eigentlich schon daran gewöhnt, dass westliche Medien sich nicht die Mühe machen, “normale” Araber darzustellen (wär auch langweilig), sondern lieber bedrohliche, radikale Macker zeigt, aber es auf einem seriösen Blog der Tagesschau zu sehen, war trotzdem mal wieder ein Schock.

    Mit freundlichen Grüßen
    Amina Rayan

    • Liebe Frau Rayan,

      Ich bezweifle nicht das es viele Palästinenser/-innen gibt wie sie, die mit dem Hamas-Terror nicht einverstanden sind und in Frieden mit Israel leben wollen.
      Aber ich bin sicher das Sie wissen, das Menschen wie Sie dort von ihren “Brüdern” dafür umgebracht , oder zumindest als “Verräter” gebrandmarkt werden.
      Ich bezweifle leider stark das Menschen wie Sie dort die Mehrheit darstellen, anonsten könnte die Hamas sich solche Aufmärsche nicht leisten, und Haniyeh würde in Umfragen nicht größere Zustimmung erhalten als Abbas.
      Wo soll denn Herr Schneider Menschen wie Sie aufspüren? Friedliebende Palästinenser sind ja leider nicht organisiert, wahrscheinlich aus Angst vor den Extremisten wie ich vermute. Ein Äquivalent zu den Israelischen Linken existiert nicht im Westjoranland, und schon gar nicht im Gazastreifen. Wo also solche Menschen aufspüren?

      Mit Hochachtung,
      Leo

      • Lieber Leo,

        Leider haben sie Recht mit ihrer Feststellung, dass nicht-radikale Palästinenser nicht so gut organisiert sind und unter einem sozialen Druck stehen, ihre Meinung nicht immer und überall äußern können. Allerdings sehe ich die Situation auch so, dass immer wieder die Existenz der Radikalen zu betonen kein konstruktiver Ansatz ist, sondern die Radikalen eher stärkt und vielen Menschen Angst einjagt – an erster Stelle der israelischen Bevölkerung. Ich denke, dass z.B. durch Medienerstattung der “stille Teil” der Bevölkerung ermutigt und gestützt werden könnte. Wenn die Leute sehen, dass sie nicht alleine in ihren Ansichten sind, sondern es andere gibt, suchen sie vielleicht Anschluss oder trauen sich auch etwas zu sagen. Sie fragen auch, wo diese Menschen sind und wie man sie finden kann ? Ich habe mal von einem Mann in Bethlehem gehört (einem Araber), dass es eine neue Partei gibt, die eine Einstaatenlösung fordert: Einen Staat Israel ! Also dass Westjordanland und Gaza sich mit Israel vereinigen und jüdische und palästinensische Bürger zusammen in Israel leben. Natürlich ist diese Idee bei der aktuellen Lage unmöglich umzusetzen, aber ich finde das Wertesystem hinter der Idee sehr bereichernd. Eine glückliche, friedvolle Gemeinschaft – eine schöne Vorstellung. Leider weiß ich nichts genaueres über diese Gruppe, nur dass sie Flugblätter verteilt hat.

        • Danke, Amina Rayan, für Ihren Ur-Beitrag, aber danke auch hierfür:

          “Ich habe mal von einem Mann in Bethlehem gehört (einem Araber), dass es eine neue Partei gibt, die eine Einstaatenlösung fordert: Einen Staat Israel ! Also dass Westjordanland und Gaza sich mit Israel vereinigen und jüdische und palästinensische Bürger zusammen in Israel leben.” Ich bin doch nicht allein mit meiner These, die Zweistaatenlösung ist vor allem für die Palästinenser nur die zweitbeste Lösung. Ich habe es am 23.11. hier in einem Beitrag zu “Wer glaubt eigentlich noch an Sieger?” erstmalig ausgeführt und später auch immer mal wieder, verbunden mit den Stichworten “Umdenken”, “Zurückstecken”, “Verzicht auf Eitelkeiten, Macht- und Geldgier” bei den Playern beider Seiten. Außer heftigster Gegenargumentation aus der pro-israelischen Ecke fand ich aber bisher keine Zustimmung. Und nun kommen Sie!

          Vielleicht ist der “gesunde Menschenverstand”, befreit von allem politischen, religiösem und emotionalem Ballast und gewürzt mit einer gewissen Portion Logik doch eine weltumfassende “Idee”! :-D

          Nochmals Danke und mehr Kommentare von Ihnen!

          Schönen Tag noch!

          Hanns

          • mein aus israel stammender professor hat mir mal eine geschichte erzaehlt. er war irgendwo in europa und arbeitete mit einem hochbegabten aegyptischen studenten. den hat er dann eingeladen in israel bei ihm zu forschen und das doktorat zu machen. ein stipendium waere kein problem. der junge hat zugestimmt und nach viel buerokratie auf beiden seiten konnte er nach israel ausfliegen und hat tatsaechlich doktorat bei meinem professor gemacht. in israel war er von der “peace now” bewegung sehr fasziniert (damals war sie weniger israelfeindlich und deklarierte, dass jerusalem unteilbar ist – aber das ist eine andere geschichte) und wollte etwas aehnliches in aegypten aufbauen.

            auf eine initiative von dem professor wollte man erstes israelisch-aegyptisches wissenschaftler treffen organisieren. erst wollten die aegypter nichts dafuer bezahlen. und als die israelis die ganzenkosten uebernehmen wollten, sagten die aegypter, dass sie das treffen in aegypten machen wollen, was das israelische ministerium nicht machen durfte, da sie es bezahlt haben. am ende ist trotz der durch israel uebernommenen kosten nichts daraus geworden.

            zurueck zu dem aegyptischem studenten… nach vielen jahren traffen die beiden sich wieder und der professor fragte ihn, ob er etwas aufbauen konnte. der student meinte zu ihm, dass er vieles versucht hat, aber er konnte NICHT MAL EINEN wissenschaftler finden um mit ihm diese organisatino zu gruenden.

            was ich damit sagen will. es reicht nicht auf die israelis einzureden, dass sie sich aendern und die “tore” oeffnen muessen. man muss erst mal dafuer sorgen, dass die durch und durch antisemitische propaganda in dem gesammten nahen osten von klein auf aufhoert. egal wie schlimm die israelis sein sollen, es rechtfertig nicht die entmenschlichung welche juden in den arabischen medien und schulbuechern erfahren.

            es ist leicht ueber frieden zu reden. jeder will frieden. aber er wrid nicht dadurch erreicht, dass man einfach sagt “redet miteinander”.

            nicht nur die israelis muessen zeigen, dass sie bereit sind mit den arabern zu leben. auch die araber muessen zeigen, dass sie israel akzeptieren. es gibt weder fuer aegypten noch fuer jordanien und libanon gruende israel zu hassen und einen frieden zu schliessen (libanon) oder menschliche beziehungen auszubauen (jordanien und aegypten). nur wenn die israelis sehen, dass sie nichts zu befuerchten haben, waeren sie auch bereit die palaestinenser “loszulassen” ohne zu befuerchten, dass schon morgen raketen auf tel aviv fallen.

            man kann den israelis keine “friedensversuche” andrehen, deren ausgang so offen ist, dass keine vorhersagen koennte was passieren wird.

          • @ ariel:Das ist eine wundersame Geschichte. In der Tat, es gibt viele Kontakte zwischen Israelis und Arabern, die die Zusammenarbeit fördern wollen. Wahrscheinlich sind diese Kontakte in den letzten Jahren weniger geworden. Ariel, Sie beziehen sich hier auf ein Beispiel, dass sich auf zwei Ebenen abspielt und voraussetzt, dass der gute Willen auf beiden Ebenen spürbar ist. Mit der einen Ebene meine ich in diesem Fall das geteilte Interesse zwischen Professor/Universität und dem Studenten von damals. Die haben kein Problem zusammenzuarbeiten und überwinden die anfänglichen ’bürokratischen’ Probleme. Die andere Ebene ist eben gerade diese ’Bürokratie’, die aber auch die offizielle Politik und von Militär diktierte Sicherheitsmassnahmen beinhaltet. Hinter dem Begriff ’Bürokratie’ stecken oft unglaublich anmutende Sicherheitsvorkehrungen, die besonders für Araber erniedrigend wirken können (um es diplomatisch auszudrücken). Israelisches Militär und Sicherheitsapparat sind überhaupt nicht auf solch zwischenmenschliche Beziehungen eingestellt. Die israelische Siedlungspolitik und israelische Politik allgemein mit Mauerbau, Besatzung ohne Endziel, die gefühlte Unterdrückung der Palästinenser erzeugt bestimmt keine Gegenliebe auf arabischer Seite. Die Situation in Gaza wird als verletzend in der arabischen Seele empfunden. Der ehemalige Student wird sich kaum trauen in seinem Land eine Peace Now – Bewegung aufzubauen ( die entwickelten Antipathien sind zu groß) und der Professor wird sich nicht gegen die offizielle israelische Politik und die militärische Dominanz des kolonial ausgerichteten Sicherheitsdenkens im öffentlichen Leben aufbäumen. Solange man diese Diskrepanz zwischen den Verhaltensweisen auf beiden Ebenen nicht beseitigt, fehlt jede Glaubwürdigkeit, dass man Frieden will und man friedlich innerhalb anerkannter Grenzen leben könnte. Wirkliche Zusammenarbeit und Status quo beibehalten, das geht nicht! Einen kalten Frieden kann man für einige Zeit mit militärischen Mitteln bewahren, doch wirklicher Frieden kommt mit dem Verzicht auf Siedlungsbau und Abschaffung der hässlichen Besatzung. Das mag nicht allen in diesem Forum gut in den Ohren klingen, doch statt imperialistischem Gehabe, müsste Israel mit großen Schritten auf die arabischen Nachbarn zugehen.

          • michael k, du bist leider mit lichtgeschwindigkeit an kern meiner aussage vorbeigedonnert. du gehst nicht auf meine aussage ein, sondern wiederholst das, was hier im forum immer wieder gesagt wird und zwar dass die israelis sich aendern muessen.

            ich sehe ueberhaupt keinen grund fuer die israelis, irgendetwas zu aendern. bis jetzt hat JEDE landabgabe und JEDE erleichterung den israelis um die ohren geflogen. die oslovertraege fuehrten zu terror. gazarueckzug genau so.

            es ist klar, dass sie palaestinenser leiden, keiner zweifelt daran. aber du kannst von niemanden auf dieser welt verlangen dieses leid auf eigene kosten zu mildern. und es geht hier nicht nur um gebiete, es geht hier um sicherheit. man kann die leid der palaestinenser nicht lindern indem man die israelis in gefahr bringt. so funktioniert das nicht.

            du kannst von den israelis nicht verlangen die eigene sicherheit zu gefaehrden, waehrend hisbollah, hamas, iran und palaestinensische fatah minister auf arabisch immer wieder sagen, dass sie israel vernichten wollen.

            es sind die arabischen staaten welche jeden freundlichen kontakt zu israel verdammen. wie soll man da etwas gutes anfangen?

            ja es gab diese saudische initiative. aber die saudis weigern sich mit israelis an einem tisch zu sitzen. wie soll das funktionieren? wie serioes ist es, wenn man den israelis per fernsehen vorschreibt, was zu machen ist um eine aussicht auf bessere kontakte zu haben.

            alle, die auf israel einreden, machen es nicht, da sie ueberzeugt sind, dass es gut fuer das kleine land sein wird, sondern weil es ihnen um die palaestinenser geht. ich habe damit kein problem. nur sollte man verstehen, dass israel das tut, was gut fuer ihn ist. oder soll er darauf warten, bis abas wieder verhandlungwillig ist? das verhalten der arabischen staaten ist sehr unserioes.

            auch die eu verhaelt sich total anungslos. wieso setzt sich die eu nicht fuer einen frieden zwischen libanon und israel ein? wieso nimmt die eu nicht proisraelische stellung in dieser frage?

            israel wird sich nicht bewegen, solange er nur verlieren kann. und so lange es keine verhandlungen gibt und es offen ist, ob es noch 10, 20 oder 100 jahre dauern wird, bis ein frieden geschlossen wird, loest israel es auf eigene weise. wie lange soll man denn in einem wartezustand leben?

          • @Ariel: Wir sehen es anders, wir verstehen es anders. Du behauptest, dass es den Israelis nicht um Gebiete geht, sondern um Sicherheit. Beim Zionismus geht es wohl um die Gründung eines nationalen Staates in diesem Falle auf palästinensischem Boden.Also hier geht es zuerst um im Gebiete. Wer Gebiete haben will, die er noch nicht hat, macht sich auf, ein Gebiet zu erobern. Wer erobert und sich Gebiete aneignet kommt in Konflikt mit den dort lebenden Menschen und die Sicherheit der ‘eindringenden’ Siedler ist dementsprechend gefährdet. Ein sich ziemlich logisch entwickelnde Konfliktsituation. Also, Lektion1: Bedrohung der Sicherheit auf Grund von als ungerecht empfundenen Gebietsansprüchen.Ohne Gebietsansprüche wäre das Sicherheitsproblem verhandelbar, zu bewältigen.

            Es wird oft hervorgehoben, dass Israel geographisch ein sehr kleines Land ist, dessen Sicherheit leicht gefährdet ist. Also werden weitere Gebietsansprüche gestellt, um eben die Sicherheitsbedürfnisse zu befriedigen.Ein richtiges Hammerargument! Ich habe kaum Argumente gehört und gelesen, die das dezimierte Gebiet, das den Palästinensern noch verblieben ist, ein Sicherheitsproblem für die Palästinenser darstellen könnte. Lektion 2: Das Sicherheitsbedürfnis des ‘Agressors’ wird immer wieder in den Vordergrund gestellt und finanziell und militärisch unterstützt.Der Schwächere und Unterdrückte darf solche Ansprüche nicht stellen, muss auf Waffenbesitzt verzichten und muss sich sogar auf eine Tunnelwirtschaft zurückziehen.Wer ein friedliches Zusammenleben will, muss versuchen schnellstens über Gebietsansprüche und damit über Grenzen zu verhandeln. Aber dann müsste man ja seine Kolonialprojekt aufgeben. Die Reaktionen der letzten Tage auf israelischer Seite spricht wohl eine klare Sprache. Ich habe einmal anders gedacht, aber was ich gesehen habe, zeugt von grosser, himmelschreiender Ungerechtigkeit.

            Kluge Politik versucht Ungerechtigkeiten, auch möglicherweise falsch empfundene, zu erkennen und dementsprechend zu handeln. Deswegen sollte man sich auf 1947/48 besinnen und das Thema versuchen aufzuarbeiten und nicht länger unter den Teppich kehren. Das wäre ein guter Anfang zur Lösung des Konfliktes. Hier müsste die EU auch ein viel klareres Zeichen setzen. Was da im Moment pasasiert ist haarsträubend.,

          • michael k, es kann sein, dass ich zu viel schreibe und es dich verwirrt, deswegen verstehst du meine aussage ueberhaupt nicht.

            das was du schreibst ist nicht neu und wird staendig wiederholt. ich kann es gut nachvollziehen. aber das ist eine rein palaestinensische sichtweise.

            erst mal sollten wir zwei sachen nicht vergessen. esrtens wurden die gebiete besetzt, weil die araber einen krieg vom zaum gebrochen haben.(und komm mir nicht damit, dass israel zuerst angegriffen hat) zweitens, es gab schon genug verhandlungen und israelische angebote.

            und jetzt zu meiner aussage.

            israel wird sich keinen millimeter richtung palaestinenser bewegen, solange er eigene interessen gefaehrdet sieht. punkt. er wird sich keinen millimeter bewegen solange die angeblichen europaeischen freunde ihn nicht dort unterstuetzen, wo er recht hat. in dem konflikt mit libanon, verhalten sich die europaer neutral, anstatt die libanesen richtung frieden zu draengen. es gibt keinen grund fuer israel in der palaestinensersache”einzulenken”, solange er sich auf niemanden verlassen kann.

          • “erst mal sollten wir zwei sachen nicht vergessen. esrtens wurden die gebiete besetzt, weil die araber einen krieg vom zaum gebrochen haben.(und komm mir nicht damit, dass israel zuerst angegriffen hat)”

            Warum soll man ihnen damit nicht kommen? Ertragen sie die Wirklichkeit nicht? Ich kann mich immer nur wiederholen. Wer 1947 anfängt die Palästinenser zu vertreiben und zu massakrieren aht den Krieg angefangen und nicht diejenigen die erst Monate später in den Konflikt einsteigen!

      • “Ein Äquivalent zu den Israelischen Linken existiert nicht im Westjoranland, und schon gar nicht im Gazastreifen. Wo also solche Menschen aufspüren?”

        Vielleicht sollte man mal über die wöchentlichen Freitagsdemonstrationen gegen die Mauer aus verschiedenen palästinensischen Dörfern berichten. Jeden Freitag gehen Palästinenser, Israelis und Ausländer gemeinsam an die Mauer bzw. Zaun um friedlich zu protestieren und jedesmal schießen die Soldaten mit Gummigeschossen und Tränengas zurück. Teilweise sind sogar Soldaten in Zivil unter den Demonstranten. Eine jüdische Freundin von mir wurde bei einer solchen Gelegenheit von israelischen Soldaten zusammengeschlagen und festgenommen. Als die Soldaten dann feststellen mussten, dass sie Israelin ist wurde sie direkt wieder frei gelassen.

        Es gibt genug Palästienser die den Konflik friedlich lösen wollen, leider werden diese von israelischen Soldaten grundlos eingesperrt und gefoltert. Und solange friedlicher Protest mit Gewalt durch Israel beantwortet wird, wird es schwer weitere zu überzeugen, dass der gewaltlose Protest der beste Weg ist.

    • Vielen Dank auch von mir an Sie, Frau Rayan.
      Ich hatte ja auch schon im Stereotypen & Rassismus-Beitrag darauf hingewiesen, dass die Beiträge von Herrn Schneider nur Stereotypen wiedergeben, wenn es um Araber geht.
      In Israel haben wir ihn bereits zu Kneipenbesuchen, Theateraufführungen, in Konzerte begleiten dürfen. Wir hatten kurze Einblicke in den Alltag mit dem Schrotthändler und dem Handyman. Und vieles mehr. Das Leben in Israel wird bunt beschrieben, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Dafür sind wir ja hier, um mehr Infos zu erhalten. Aber die Verwendung von zwei gleich grossen Fahnen suggeriert, dass beide Gruppen gleich intensiv bearbeitet werden. Sonst schlage ich vor, dass der Blog in Israel-Blog umbenannt wird.

    • Liebe Amina Rayan, leider kann Richard Schneider nichts dafür, dass der 25jährige Geburtstag von Hamas nun genau in dieses zeitliche Fenster fällt, und das Abu Mazen beschlossen hat, ihnen die ganz große Bühne zu bieten.

      Ihre Kritikpunkte sind gleichwohl überwiegend zutreffend. In der Tat entsprechen die jüdischen Siedler bei Hebron am ehestem dem Klischee/Stereotyp, das in den Köpfen der Medienkonsumenten hierzulande existiert – wie diese Hamas-Leute nun auch jedes einzelne Klischee bedienen.

      Während “Siedler” in Ariel oder Ma’ale Adumim eigentlich ganz normale Vorortbewohner sind, die von günstigen Baulandpreisen, Mieten oder familienfreundlicher Infrastruktur in diese Gebiete gelockt wurden, sind die Siedler bei den Patriarchengräbern (Laut der Bibel erwarb Abraham dort ein Erbbegräbnis für seine Familie) religiös fanatische Leute, die sich genau so verhalten, wie die Oranje-Bruderschaften in Nordirland: Laut, provokativ, gewaltbereit – und mit Deckung durch die Besatzungsmacht.

      Dazu kommen noch die Halbstarken, die (natürlich sämtlich bewaffnet) von ihrem festungsartigen Siedlungsbau “Exkursionen” ins Palästinensergebiet machen und dort unschuldige Leute drangsalieren, und das als Mutprobe verstehen, wobei das Risiko bescheiden bleibt, weil sie sich bei ernster Gefahr wieder zu Mami zurückziehen können, und die IDF schon alle Verfolger auf Distanz halten wird. Wenn es eine Siedlung gibt, deren Auflösung ich lieber heute als morgen in der Zeitung lesen würde, dann diese!

      Hier in Hebron fand auch das Massaker durch Baruch Goldstein an betenden Muslimen statt – 29 Tote und 150 Verletzte (lt. Wikipedia/Haaretz).

      WENN es also einen Ort gibt, an denen die arabischen Bewohner die hässliche Seite der Besatzung durch Israel regelmäßig und schmerzhaft erfahren mussten und bis heute erfahren, dann ist es Hebron. Dies *könnte* zu einer der Ursachen gehören, warum Hamas gerade mit ihrer kompromisslosen Israelfeindlichkeit dort reüssiert.

      Das fehlte in diesem 10min Spot dann eben doch: Die Gründe, die Motive, weshalb diese Leute Hamas so lieben. Auch die Fragen, wo sie herkommen, aus welchem sozialen Umfeld, Flüchtlingserfahrung, sozialer Stand (wenn ich mir die Leute da angesehen habe, waren das keineswegs nur Habenichtse – aber das kennen wir aus “unserer” Hooligan-Szene ja auch, dass da Banker und Ärzte mitmischen).

      Nur – da muss ich Richard Schneider dann doch in Schutz nehmen – das war keine politologische Doktorarbeit, sondern ein Streiflicht, ein Eindruck, ein Blick mitten in das Getümmel. Und dadurch, dass es auf der Westbank war, hatte man keine Hamas-Aufpasser, die handerverlesene Interviewpartner servierten – sondern die Fatah-Sicherheitskräfte, die womöglich gar nichts dagegen hatten, dass der Westen mal ein unverstelltes Bild von Hamas gekommt (honi soit, qui mal y pense!).

      Und – auch wenn ich mich nicht als repräsentativ erklären kann – kann ich Ihnen sagen, dass mein spontaner Eindruck nicht war, dass “die” Palästinenser “alle” so sind. Sondern eher: Und Gott sei dank gibt es auch noch andere. Die sehen wir ja fast täglich, wie sie vor der UNO auftreten, Westerwelle die Hand schütteln und, und, und. Und ich hoffe mit Ihnen, dass letztere die Mehrheit bilden, und dass dies auch durch demokratische Wahlen manifestiert wird.

      Wann?

      Heidelbaer

    • @MODERATOR: Diese Antwort wurde von mir eben bereits geschickt, ging aber offenbar verloren. FALLS sie doch angekommen ist, das folgende Post nicht veröffentlichen, da Doppelposts nerven!!!

      Liebe Amina Rayan, leider kann Richard Schneider nichts dafür, dass der 25jährige Geburtstag von Hamas nun genau in dieses zeitliche Fenster fällt, und das Abu Mazen beschlossen hat, ihnen die ganz große Bühne zu bieten.

      Ihre Kritikpunkte sind gleichwohl überwiegend zutreffend. In der Tat entsprechen die jüdischen Siedler bei Hebron am ehestem dem Klischee/Stereotyp, das in den Köpfen der Medienkonsumenten hierzulande existiert – wie diese Hamas-Leute nun auch jedes einzelne Klischee bedienen.

      Während “Siedler” in Ariel oder Ma’ale Adumim eigentlich ganz normale Vorortbewohner sind, die von günstigen Baulandpreisen, Mieten oder familienfreundlicher Infrastruktur in diese Gebiete gelockt wurden, sind die Siedler bei den Patriarchengräbern (Laut der Bibel erwarb Abraham dort ein Erbbegräbnis für seine Familie) religiös fanatische Leute, die sich genau so verhalten, wie die Oranje-Bruderschaften in Nordirland: Laut, provokativ, gewaltbereit – und mit Deckung durch die Besatzungsmacht.

      Dazu kommen noch die Halbstarken, die (natürlich sämtlich bewaffnet) von ihrem festungsartigen Siedlungsbau “Exkursionen” ins Palästinensergebiet machen und dort unschuldige Leute drangsalieren, und das als Mutprobe verstehen, wobei das Risiko bescheiden bleibt, weil sie sich bei ernster Gefahr wieder zu Mami zurückziehen können, und die IDF schon alle Verfolger auf Distanz halten wird. Wenn es eine Siedlung gibt, deren Auflösung ich lieber heute als morgen in der Zeitung lesen würde, dann diese!

      Hier in Hebron fand auch das Massaker durch Baruch Goldstein an betenden Muslimen statt – 29 Tote und 150 Verletzte (lt. Wikipedia/Haaretz).

      WENN es also einen Ort gibt, an denen die arabischen Bewohner die hässliche Seite der Besatzung durch Israel regelmäßig und schmerzhaft erfahren mussten und bis heute erfahren, dann ist es Hebron. Dies *könnte* zu einer der Ursachen gehören, warum Hamas gerade mit ihrer kompromisslosen Israelfeindlichkeit dort reüssiert.

      Das fehlte in diesem 10min Spot dann eben doch: Die Gründe, die Motive, weshalb diese Leute Hamas so lieben. Auch die Fragen, wo sie herkommen, aus welchem sozialen Umfeld, Flüchtlingserfahrung, sozialer Stand (wenn ich mir die Leute da angesehen habe, waren das keineswegs nur Habenichtse – aber das kennen wir aus “unserer” Hooligan-Szene ja auch, dass da Banker und Ärzte mitmischen).

      Nur – da muss ich Richard Schneider dann doch in Schutz nehmen – das war keine politologische Doktorarbeit, sondern ein Streiflicht, ein Eindruck, ein Blick mitten in das Getümmel. Und dadurch, dass es auf der Westbank war, hatte man keine Hamas-Aufpasser, die handerverlesene Interviewpartner servierten – sondern die Fatah-Sicherheitskräfte, die womöglich gar nichts dagegen hatten, dass der Westen mal ein unverstelltes Bild von Hamas gekommt (honi soit, qui mal y pense!).

      Und – auch wenn ich mich nicht als repräsentativ erklären kann – kann ich Ihnen sagen, dass mein spontaner Eindruck nicht war, dass “die” Palästinenser “alle” so sind. Sondern eher: Und Gott sei dank gibt es auch noch andere. Die sehen wir ja fast täglich, wie sie vor der UNO auftreten, Westerwelle die Hand schütteln und, und, und. Und ich hoffe mit Ihnen, dass letztere die Mehrheit bilden, und dass dies auch durch demokratische Wahlen manifestiert wird.

      Wann?

      Heidelbaer

    • Liebe Frau Rayan,
      vielen Dank für Ihren sehr reflektierten Beitrag. Wobei ich Ihre Wahrnehmung gerne darauf richten möchte, dass Richard Schneider durchaus andere Facetten des Lebens in den Palästinensergebieten beschrieben hat. Da war ziemlich zu Anfang die palästinensische Sängerin, ein Beitrag aus einer Flüchtlingssiedlung, einer aus einem Ruinendorf, in dem sogar die ehemalige Eigentümerin zu Wort kam, einmal ging es um Sofaherstellung und einmal um Türenbau. Es ist also nicht so, dass nur radikale Palästinenser gezeigt würden. Vermutlich haben Sie das nur in der Fülle der Beiträge vergessen.

      Die Frage, die ich mir aber immer wieder stelle, und die mir bislang keiner so richtig beantwortet hat: Warum sind Fatah und Hamas als radikale Organisationen die einzig wahrnehmbaren Vertreter der Palästinenser? Gibt es denn keine Organisationen mit gemäßigten Palästinensern?
      Und wenn die Hamas die Mehrheit im Gaza hat und in der Westbank hätte, sofern die Fatah dort hätte fristgerecht wählen lassen, ist dann der radikale Araber nicht der Durchschnittsbürger?

      Es ist unbestritten, dass es “normale” Araber oder Palästinenser gibt, wie es unbestritten ist, dass es die hasserfüllten Radikalen gibt, die in dem Beitrag gezeigt wurden.

      Bezogen auf Deutschland wäre ein Bericht nur über die Neonazis ebenfalls einseitig. Was aber in Deutschland zu sehen ist, ist ein bürgerschaftliches Engagement gegen diese radikalen Kräfte. Jeder Aufzug von Rechtsradikalen wird von einer Gegendemonstration oder “bunten” Festen konterkariert. Gegen randalierende linksradikale Autonome hat sich am 1. Mai in Berlin das Myfest organisiert, weil die Leute es nicht zulassen, dass ein aufgeheizter Mob zerstörungswütig durch die Straßen marodiert.
      Wir sind das Volk, und auch wenn wir mehr tun könnten und müssten: wir lassen uns unsere Demokratie nicht von radikalen Kräften zerstören!

      Aber wo, Frau Rayan, wo sind die organisierten gemäßigten Palästinenser, die gegen der Wahnsinn der Hamas aufstehen? Warum gibt es keine demokratische Partei, mit der man verhandeln könnte, weil sie eine Mehrheit in der Bevölkerung hinter sich vereint? Wo sind diejenigen, die dieses einseitige Bild vom radikalen Macker, das Sie zurecht kritisieren, in Gaza und Westbank korrigieren würden? Bitte zeigen Sie sie mir, denn ich bin gerade dabei, meinen Glauben an die Existenz dieser Leute zu verlieren.

      • Diese Frage (“wo sind die organisierten gemäßigten Palästinenser”) stellt sich mir auch und in Fortführung meine Farge an die Wissenden in Israel: Wo sind die weiterdenken “gemäßigten” Israelis, die sich durchaus eine andere Problemlösung vorstellen können als Ariel, der hier behauptet, weil es Israel gut gehe, gäbe es keinen Grund, etwas an der israelischen Politik zu ändern. Leider implizieren solche Aussagen für mich immer den Nachsatz “was kümmert mich das Leid Anderer!”, ob ausgesptochen oder gedacht…

        Gibt es Siedler, die sich ein Leben in einer Siedlung ohne Bewachung und Zaun vorstellen können? Gibt es eine Art Parallelbewegung zu “Palestine-loves-Israel”?

        Schönen Tag noch!

        Hanns

        • Um Protesten vorzubeugen: “hier behauptet” in meinem Kommentar von heute 9:20 Uhr soll heißen “in einem Kommentar zum Beitrag “Palästinensische Versöhnung. Und dann?” vom 12.12.12. behauptete”

          Schönen Tag noch!

          Hanns

        • @Hanns

          “Wo sind die weiterdenken “gemäßigten” Israelis, die sich durchaus eine andere Problemlösung vorstellen können als Ariel…?”

          Die werden meist von Richard Schneider interviewt oder zitiert.

          “Gibt es eine Art Parallelbewegung zu “Palestine-loves-Israel”? ”

          Ja, laut dem Beitrag von Amina Rayan weiter unten. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob “Israel-loves-Palestine” ernst gemeint ist. Die Bilder, die dich dazu gefunden haben, waren reichlich sarkastisch. Aber das kann ja auch ein Stilmittel sein.

          Die Resignation von Ariel habe ich auch schon wahrgenommen, und ich habe den Eindruck, dass sich diese auf fast alle Israelis erstreckt. Wenn auf der Gegenseite nur Schreihälse wie die gezeigten von der Hamas erkennbar sind, kann ich das sogar nachvollziehen.

      • Sehr geehrter Michael,

        Bevor ich nochmals einen Kommentar als Antwort auf ihren Kommentar schreibe, möchte ich äußern, dass es wirklich eine interessante, kluge Diskussion ist hier auf dem Blog. Wer hätte das Gedacht ? Ich lese mit Aufmerksamkeit und Freude die verschiedenen Einwände und Ideen.

        Ich möchte auch hinzufügen, dass ich die Arbeit von RCS und seinem Team sehr gut finde und sehr dankbar dafür bin und es ist schön, solche menschlichen und interessanten Eindrücke in Israel zu bekommen und auch in die anderen Regionen aus denen berichtet wird. Natürlich ist es auch so, dass RCS nicht in jedem Beitrag alle Seiten beleuchten kann und dass es auch andere Beiträge gibt, bei denen sich andere schlecht repräsentiert fühlen.

        Es wird langsam schwierig, in kurzen Kommentaren auf alle Argumente einzugehen, weil die Thematik immer komplexer wird, aber ich werde es versuchen: Der Vergleich mit Neo-Nazis ist interessant, allerdings nicht gleichwertig. Es ist etwas völlig anderes, in Deutschland auf die Straße zu gehen, als in Palästina (oder jeglichem anderen Land in der arabischen Region). Denn Deutschland ist eine Demokratie, ein Rechtsstaat, in welchem Neo-Nazis eine Minderheit darstellen. Im Zweifelsfall, sollte es zu Ausschreitungen kommen, wird der Staat immer eingreifen um Gewaltausbrüche zu stoppen/hindern. In Palästina hingegen, wo die HAMAS über viele Machtressourcen verfügt, auch Waffen, und die Palästinensische Autorität aber sehr machtlos ist, begibt man sich in Lebensgefahr als oppositioneller politischer Aktivist. Der palästinensische Staat ist sehr schwach und in solchen Kontexten können radikale Gruppierungen sich besser ausbreiten als in einer stabilen Demokratie – sogar soweit, dass sie in der Lage sind, die eigene Bevölkerung zu terrorisieren.

        Nichtsdestotrotz ist es natürlich so, dass die Palästinenser auch selber aktiv werden müssen. Ich bin aber der Meinung, dass es solche Initiativen gibt, die aber nicht so viel Medienaufmerksamkeit erhalten wie die Radikalen. Es wurden in den Kommentaren ja schon einige genannt, ich persönlich verfolge “Palestine loves Israel” (es gibt auch Israel-loves-Palestine, Iran-loves-Israel und allen voran die Mutterinitiative Israel-loves-Iran). Es gibt z.B. auch das “Bethlehem Peace Center” oder “Hewar Center for Peace and Development”. Es gab auch mal ein sehr reflektiertes Onlinejournal names “Bitter Lemon”. Es konnte sich nicht mehr finanzieren, da die EU Gelder gestoppt hat und ist deswegen auf Eis gelegt. Und an diesem Beispiel würde ich auch gerne das Argument einfügen, dass in Palästina auch Ressourcen knapper sind für solche Aktivitäten und eine gewisse Abhängigkeit von westlichen Geldgebern besteht.

        Nun lautet meine Frage: Mehrere Kommentatoren haben gefragt “Wo sind diese friedlichen plalästinensischen Menschen?”. Meine Frage lautet: “Warum kennen Sie keine der Organisationen oder Initiativen die ich oder andere Kommentatoren genannt haben ???” – die Antwort lautet: Weil sie unbekannt sind. Warum sind sie unbekannt? Weil niemand über sie berichtet, sondern stattdessen die Medien mit Berichten über Terroristen überschwemmt werden. Natürlich ist es nicht die Aufgabe von RCS über alle friedlichen Organisationen zu berichten und selbstverständlich ist die HAMAS militant und antisemitisch und das darf/soll auch berichtet werden – dennoch: verstehen sie in diesem Kontext meinen Anfangseinwand etwas besser ? Es gibt diese Menschen, aber man übersieht sie, weil die Aufmerksamkeit sich woanders sammelt. Ich weiß keine Zahlen, wieviele HAMAS sind und wieviele friedlich sind. Aber ich weiß mit Sicherheit, dass viele die Schnauze gestrichen voll haben von diesem Konflikt – und das nicht nur im Westjordanland sondern auch in Israel, aber diese Stimmen sind (leider) leiser als die der wütenden Redenschwingerer.
        Ich denke man kann diese Diskussion endlos weiterführen, sie dauert quasi schon seit ca 64 Jahren an…

        Die Beiträge in dieser Runde sind sehr qualifiziert – das sieht man selten :)

        • Liebe Frau Rayan,
          da ich einige Exil-Iraner kenne, habe ich eine Vorstellung von dem, was Sie meinen. Viele sahen die Auswanderung als einzige Möglichkeit zu leben.
          Eine erfolgreiche Änderung der Verhältnisse setzt eine Solidarisierung unter den gemäßigten voraus. Die Gegenseite wird natürlich alles tun, um die Gefährdung ihrer Machtbasis zu verhindern.

          “Palestine loves Israel” ist da eine Möglichkeit, vielen Dank, dass Sie das bekannt gemacht haben!

        • Danke für die Blumen, ihre freundlichen Komplimente an dieses Board.
          Gerade bei politischen und religiösen Foren hat man oft eine Emotionalität, die sachliches Diskutieren schwer macht. Dass es hier derzeit gelingt, schätze ich genauso wie Sie – und deshalb schätze ich auch Ihre Beiträge.

          Tatsächlich ist es kompliziert, wenn man in Palästina “Friedensaktivist” sein möchte. Israel ist ja nicht nur militärisch mächtig, es hat auch sehr starke Geheimdienste. Das sorgt aber umgekehrt dafür, dass jeder, der laut darüber nachdenkt, ob es nicht einfacher wäre, mit Israel zusammenzuarbeiten, in den Verdacht der Spionage oder Kollaboration kommt.

          Und der reicht in Kriegszeiten in Gaza bekanntlich dafür aus, mit einer Kugel im Kopf hinter einem Motorrad zu hergeschleift zu werden, zur Abschreckung oder Belustigung der Massen.

          Das macht die Sache wirklich schwierig: Gäbe es so eine Initiative, ich – und wohl viele andere – würden sich darum reißen, sie zu unterstützen. Kaum hätte diese Initiative dann die Unterstützung von Christen, Muslimen, Juden aus Deutschland und der westlichen Welt, wäre sie praktisch schon als ausländische Organisation eingestuft, die den Widerstandswillen des palästinensischen Volkes brechen soll.

          Es müssen die Palästinenser also ohne große Hilfe von außen gegen ein eigenes Regime der Gewalt und unter permanenter Gängelung durch Israel auf die Reihe kriegen. Wenn ich vorher gesagt habe, was man Israel zumuten muss, wenn man von ihnen Verhandlungen mit der Hamas verlangt: die Herausforderungen auf pal. Seite sind mindestens genauso hoch.

          Heidelbaer

    • ach Frau Ayan, finden beiträge nur dann ihre Gnade, wenn Sie israelkritisch sind, wenn sie ihre vorurteile über israelis bestätigen? Soll immer nur kritisch über israelis, niemals aber kritisch über palästinensische innenpolitik berichtet werden? Ja so bekommt der interessierte doch nie das ganze Bild. Zu einer guten Nahostberichterstattung gehört auch hin und wieder mal ein kritischer Bericht über die politische Führung der anderen Konfliktpartei: Die palästinensische….An israelkritischen Berichten, besteht hier wie in anderen deutschen Medien und selbst in israelischen Medien kein Mangel. Dieser Blog heißt eben nicht Israelhaudraufblog, auch solche gibt es zu hauf im Internet, sondern “Israel und Palästina”…Wenn neben den vielen israelkritischen Berichten, die es auch hier gibt, hier auch mal ein wenig Kritik an der Führung der Palästinenser und ihrer Parteikader geübt wird, dann müssen sie das ertragen. Wenn sie das nicht können, dürfen sie eben hier nicht lesen und müssen sich wieder den Israelbashingblogs zu wenden. Im Übrigen ist es absurd RCS und seinem Team Araberfeindlichkeit vorzuwerfen oder ihm vorzuwerfen die normale arabische Bevölkerung propagandistisch als Bösewichte darzustellen. Es gibt hier sehr viele Blogeinträge in denen Araber sehr gut weg kommen. Restaurantbesitzer, Fussballspielpartner, Bierbrauer, Alte-Sachen-Händler, Journalistenkollegen oder auch als Opfer im Krieg gegen die Hamas, die vom team der ARD begleitet wurden.

      Die Hamas ist natürlich ein wichtiger Politischer Akteur in dem Gebiet über das Herr Scheider zu berichten hat, dann ist es nur korrekt, wenn er auch ein solches Ereignis wie die Mashaal Rede bei seinem “historischen Besuch in Gaza” covert und auch die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag

    • Ich muss ganz ehrlich sagen, dass sich nach Ansehen des Videoblogs bei mir nicht wirklich das einstellen möchte, was in diesem Blog diskutiert wird.
      Es liegt ganz deutlich auf der Hand, wer sich hier wie disqualifiziert: Das ständige sich in den Vordergrund drängen derer, die die Waffen in der Hand haben und gegen alles was ihnen nicht passt zu Felde ziehen ist erbärmlich. In diesem Fall ist es eben, so sieht es das zu berichtende Thema vor, die radikale arabische Seite in Form von HAMAS.
      Wenn, wie ein arabisch-stämmiger Sozialwissenschaftler in einem noch recht neu gegründeten kleinen Institut in Deutschland auf den unglaublich ineffektiven und nicht zündenden “Schweigeprotest” (bezogen auf Anfeindungen gegen Fremde in Deutschland; auf tagesschau.de in diesem Jahr, irgendwann zwischen August und November glaube ich, so berichtet) verweist und dieser “Protest” überhaupt als das Mittel der Wahl gilt (vielleicht eine “kulturelle” Variante) muss er im Umgang mit HAMAS (sollte Konfliktvermeidung mit dieser Organisation als das interpretiert werden) als gescheitert betrachtet werden. Die “normalen” Menschen können nicht gesehen werden, wenn sie sich nicht zeigen (was auf die Bildformung natürlich einen negativen Einfluss hat aber eben durch Nichtexistenz im Bild auch nicht korrigierend wirksam werde kann).
      Und was aus den Bildern noch für mich hervorgeht: Wenn sich HAMAS so immer weiter vorwagt, kann die Organisation dann alles immer kontrollieren? Wo ist dann für HAMAS der Abgrund, der Schritt zu weit wenn sie irgendwann zu selbstsicher werden?

  4. Schön Herr Schneider , dass Sie dem Deutschen Zuschauer und Leser diese Bilder präsentieren.
    Was diese arabische Frauen und Männer in Hebron sich voller Hass wünschen , wünschen sich auch alle andere Araber auch innerhalb Israels wenn auch verkappter und in voller Stille.
    Das Ganze Territorium ohne Juden für sich allein. Das ist jetzt so und das war schon früher so auch vor 1948.
    Ich erinnere hier an das Massaker von Hebron, die Ermordung von 67 jüdischen Zivilisten durch Teile der arabischen Bevölkerung Hebrons. Das Massaker ereignete sich am 23. und 24. August 1929 und führte zur vollständigen Vertreibung aller Juden aus Hebron.
    Die Araber wollten nie Frieden , sie wollten nie das Land teilen, sonst hätten sie damals den Teilungsplan akzeptiert.
    Und selbst die arabische Abgeordneten in der Knesset wie Ahmed Tibi oder Haneen Zoabi die am Bord der Mavi Marmara war und offen den Staat Israel die zerstörung wünschten denken genau so und nutzen die Israelische Demokratie aus , um Israel von innen zu zerstören.Im März 2009 sagte Zoabi sie wäre nicht beunruhigt wenn der Iran Atomwaffen bekommt stattdessen schlug sie vor ein nuklear bewaffneter Iran würde als Gegengewicht gegenüber Israel agieren. Und begrüßte Irans Einfluss auf palästinensische , jordanische und ägyptische Belange.
    Das sagt eine arabische Politikerin in der Kenesset, anstatt für Versöhnung und einen Mittelweg zwischen beiden Völkern zu propagieren.
    Aber genau diese Versöhnung , Teilung und ein Friedliches Miteinander wollen die Araber nicht und wollten es nie.

    • “Was diese arabische Frauen und Männer in Hebron sich voller Hass wünschen , wünschen sich auch alle andere Araber auch innerhalb Israels wenn auch verkappter und in voller Stille.”

      Leider wird das dem Zuschauer nach dem Schauen dieses Videos nicht klar sein.

      Wenn ich mir vorstelle, dass Frau/Herr westlicher Politiker XY dieses Video schaut, dann kann man nach dieser “Lektüre” trotzdem nicht viel Veränderung erwarten. In dem Video kommen ja Hamas-Anhänger zu Wort, das ist ja klar, dass die sich so radikal äußern und sie sind schließlich auch (großzügigerweise) als Terror-Organisation anerkannt. Aber der ganz normale “Palästinenser” will doch in Frieden leben und denen muss man doch helfen.

      Und schon ist die nächste Ausrede fertig, um Israel nicht WIRKLICH unterstützen zu müssen.

    • “wünschen sich auch alle anderen araber auch innerhalb israels” –
      ach hören sie doch auf…
      allein von “ganz hebron” zu sprechen, wäre ein unzulässige pauschalisierung.
      dann aber noch den spezialfall hebron plus den spezialfall einer hamas-demo auf eine ganze volksgruppe umzumünzen, ist schon regelrecht dummdreist.

      wahrscheinlich wissen sie aber gar nicht, wieso al-khalil ein spezialfall ist (abgesehen von dem schlimmen massaker)

      • [QUOTE Jakbo] wahrscheinlich wissen sie aber gar nicht, wieso al-khalil ein spezialfall ist [ENDQUOTE Jakbo] ICH weiß es nicht! Bitte erzählen Sie, nennen Sie Quellen, Suchbegriffe!

        Schönen Tag noch!

        Hanns

  5. Sehr geehrter Herr Schneider, nett, wie sie über die 25-Jahr-Feier berichten! Starker Toback, leider sehr einseitig! Daß die Demonstranten die Hamas feiern, ist “eine Binse”[tm rcs]! Interessant wäre es doch auch die Meinung dererdagegenzustellen, die NICHT bei der Demonstration waren, die zu Hause blieben, warum auch immer.

    Weiterhin, wie weit reicht der Einfluß der Hamas wirklich in der Westbank, von woher kamen die Demonstranten? Wie sah es in RamAllah oder Nablus aus? War es wirklich eine die Westbank umfassende Demo, wie Ihr Bericht ein wenig subtil den Eindruck vermittelt?

    Das fehlte mir! Und da sollten in 10 Minuten auch ein paar Sekunden für über sein…

    Schönen Tag noch!

    Hanns

  6. Offenbar war dieser Videobeitrag pointiert genug.
    Nur so kann ich mir die Aufregung, Enttäuschung und Kommentare im Sinne “aber alle Palästinenser sind nicht so” erklären. Nein, alle nicht; aber diese schon. Da sie eine politische Macht darstellen und es ein konretes Jubiläumsereignis gab um diesen Bericht zu erstellen, müssen sie gezeigt werden.
    Im nächsten Blog kommt dann die andere, menschenfreundliche Position zu Wort. Oder eine radikale israelische. Eine bei der man dann bei einem Juden, nicht Araber, das Video nach jedem zweiten Satz mit dem Aufschrei “WAS sagt der?” anhält. Kam in diesem Blog schon vor.

    Gabriele

  7. Lieber Richard Schneider,

    ungeachtet der Kritik (es gibt immer etwas zu meckern) danke ich Ihnen für diesen Beitrag. Denn nach Stand der Dinge IST Hamas die stärkste politische Kraft (so jedenfalls die letzten *halbwegs* freien Wahlen), und da Beobachter vor Ort es so wahrnehmen, dass ihr Einfluss eher noch gewachsen ist, wird es heute zumindest nicht so sein, dass sie nur noch ein paar wenige Schreihälse mobilisieren kann, während sich der Rest innerlich von ihr abgekehrt hat. Wobei es angesichts der Repressionsmöglichkeiten der Hamas zumindest in Gaza schwer zu überprüfen ist.

    Für mich bedeutet das in der Konsequenz aber nicht, jeden Friedensprozess und jede Hoffnung darauf sofort begraben zu müssen. Es ist nur sehr hilfreich zu wissen, wie weit der Weg ist, der von beiden Seiten noch gegangen werden muss. Bislang hörte man gebetsmühlenartig: Hamas wird von Israel und der internationalen Gemeinschaft als Terrorgruppe gestempelt, und deshalb gibt es keine Verhandlungen. Nun dürfen wir sehen, dass das nicht ganz ohne Grundlage ist.

    Aber “Frieden schließt man mit Feinden” – dieses vielzitierte Diktum (ich meine es kommt von Rabin, Google findet es aber auch bei Primor, Geva und anderen) bekommt eine ganz andere Prägnanz, wenn man sich diesen Feind auch mal live und in Farbe ansehen kann. Ich kann ariel verstehen, wenn er sagt: Das kommt NIE zusammen, ich kann Claudia Casula verstehen, der sagt: mehr als eine armselige Hudna ist nicht drin.

    Dennoch gibt es Ansätze zur Hoffnung, bislang wurden die Arrangements von Hamas sogar besser eingehalten als von Arafats Fatah, die sich immer ein bisschen Narrenfreiheit herausnahm – und damit aber immer weniger ernst genommen werden konnte. Ich sehe noch nicht ganz schwarz oder grün…

    Zuletzt noch eine Anmerkung zu Israels Unterstützung der Hamas: Damals hatte Hamas klein angefangen, als religiöse Erneuerungsbewegung und soziale Hilfsorganisation. Dass daraus eine Kraft gewonnen werden kann, die korrupte Potentaten aus dem Amt fegen kann, beweist die jüngere Geschichte. Total doof waren sie damals also nicht. Die Hoffnung, durch die Zusammenarbeit aber einen leidenschaftlichen Juden- und Israelhass zu verhindern, erfüllte sich nicht.

    Heidelbaer

  8. Guten Tag Herr Schneider,

    ich mag Ihre Berichte/Videos wirklich sehr gerne und freue mich jedes Mal wenn es wieder was neues aus der Heimat gibt. Bei diesem Bericht fühlte ich mich jedoch stark angegriffen. Die Araber haben es seit den Anschlägen auf die Tower wirklich nicht einfach gehabt. Solch ein Clip wird in meinen Unternehmen wieder heiß diskutiert werden und ich werde mich in den nächsten Tagen wieder die Fragen meiner Arbeitskollegen stellen müssen und die andere Seite der Medaille erklären müssen.

    Ich will nicht bestreiten, dass es solche Stimmen nicht gibt. Aber was erwartet man auch für Aussagen, wenn man in Hebron bei einer Hamas Feierlichkeit geht? Ein absolutes Verständnis der Israelis gegenüber – ggü. der Politik, ggü. ihre Taten.
    Klar ist die Emotion geladen, klar sagen die Leute wie sie sich – den nicht zu erreichenden – Ideal Fall vorstellen. Hier wäre jedoch ein Kommentar zur Glättung der Aussagen oder die israelische Meinung von Siedlern gegenzuhalten. Diese sind nicht minder radikal/Extrem. Sie haben alle Palästinenser über einen Kamm geschert. Nicht alle teilen diese Haltung. Insb. in der Westbank und den großen Städten wie Nablus, Ramallah und Bethlehem ist die überwiegende Meinung nicht so.

    Was mir große Sorge bereitet ist, dass die Stimme der arabischen Intellektuellen ist nie zu hören ist. Die westlichen Intellektuellen machen alles Mögliche, halten Kongresse etc, sind in den Medien präsent. Die arabischen Intellektuellen schweigen bzw. werden nicht befragt.

    Gruß
    Sammy

    • Wo sind die arabischen Intellektuellen,? Wo sind denn die kritischen Journalisten?
      Wo sind denn die Gideon Levys, Akiva Elders, Carlo Strengers, Amira Hasses, Uri Avnerys des Gazastreifens oder der Westbank, die sich offen gegen ihre jeweilige Regierung stellen, die ihre Regierung kritisieren? Dass es eben keine Zivilgesellschaft und keinen nennenswerten offenen kritischen innerpalästinensischen Diskurs gibt ist doch eines der Probleme der Palästinenser.

      Es gibt dort allenfalls Mini-Ansätze in dieser Richtung. Es war in der Vergangenheit durchaus zu lesen, dass es Leute gab, die auf Facebook Abbas.kritische Kommentare geschrieben haben. Und was ist diesen Leuten passiert? Richtig sie sind verhaftet worden. Und im Gaza? Dort wird jedes zarte Pflänzchen an Opposition brutal unterdrückt.

  9. Entäuschend Herr Schneider,
    da halten sie erst einen Ballon der das Symbol der hamas ist hoch, dann maschieren sie in bester deutscher Tradition auch noch mit den Judenhassern mit. Das entsetzt mich!
    Mir fehlen die Worte.

    Sie erwähnten in einem Blog einmal, dass sie ein Andeken aus einem Vernichtungslager besitzen- aber warum klären sie uns in ihrem Film nicht wirklich über die Ideologie der Moslembrüder und Hamas auf- stellen endlich die Verbindung zwischen deutschem NS und den Islamisten her???
    Ich empfehle ihnen dringend das Buch von Mattias Küntzel “Jihad und Judenhass”
    und hoffe das sie die Hamas nicht weiter Hoffieren.
    In diesem Sinne Shalom

  10. Also bitte…

    Es geht in den Beitrag doch um “Hamas – 25 Jahre”.
    Worüber sollten man da berichten? Etwa über die die nicht feiern und Hamas nicht mögen (falls es die überhaupt gibt)?

    @Amina Rayan
    “ENDLICH mal ein Bericht aus Palästina – mein Herz schlägt zunächst höher vor Freude – und dann lese ich HAMAS (erste Enttäuschung) und beim Schauen des Beitrags kann ich meinen aufgeklappten Mund nicht mehr schließen.”

    Was heisst da “endlich”? Hier werden doch täglich Beiträge aus “Palästina” veröffentlicht.
    Und gerade weil man nicht Einseitig zugehen soll war es ein solcher Beitrag schon längst hinfällig. Denn auch DAS ist “Palästina”, wie Sie selbst zugeben…
    Also ist es gut, dass es solche Beiträge gibt. Da es Leute geben soll die soetwas nicht wissen (wollen).

    Und wenn Sie schon ihren “aufgeklappten Mund nicht meht schließen” können, stellen Sie sich mal den Israelis vor die mit sowas täglich konfrontiert werden.

    • “Und wenn Sie schon ihren “aufgeklappten Mund nicht meht schließen” können, stellen Sie sich mal den Israelis vor die mit sowas täglich konfrontiert werden.”

      Wo und wann wurden die Israelis täglich womit konfrontiert? Wenn hier jeamand täglich rassismus und Unterdrückung zu spüren bekommt dann sind das die Palästinenser. Durch israelische Soldaten und fanatische Siedler. Das sollen sie sich nicht vorstellen, dass können sie sich regelmäßig angucken!

      • @Free

        Wo wann und womit?
        All das was wir in den Video-Beitrag zu hören bekommen haben wird ständig in zahlreichen arabischen und palästinensischen Sendern wiederholt. Sogar Kindersendungen sind voll damit!
        Und das alles bekommt jeder in Israel mit. Täglich, wenn man nicht die Augen (und Horen) davon schließt…

        In keinem palästinensichen Lehrbuch, Atlas oder Karte/Flagge ist Israel erwähnt oder gezeichnet. Da ist kein Platz für Israel!
        Auch das bekommt jeder in Israel mit.

        Palästinensern die nicht öffentlich Israel mit Vernichtung drohen sind in Israel bestens integriert und erfahren weder Rassismus noch Unterdrückung. Es gibt sogar hochangesehenen Richter und mehreren Abgeordneten.

        Alles anderes ist vergleichbar mit alles was auch in jedes Land passiert.
        Hier in D erfährt z.B. die NPD gerade “Unterdrückung”, und Minderheiten und Ausländern fühlen sich meistens benachteiligt.

        Wer sich so äußert wie die Leuten in den Video kann wahrlich nichts anders erwarten als “Unterdrückung”. Obwohl sie ganz offensichtlich zu tausenden auf den Strassen ganz normal “feiern”…

        Also mit der “Unterdrückung” ist da sicher was schief gelaufen.

        PS.: Sorry für den Schreibfehlern. Deutsch ist halt nicht meine Muttersprache.

        • “Palästinensern die nicht öffentlich Israel mit Vernichtung drohen sind in Israel bestens integriert und erfahren weder Rassismus noch Unterdrückung.”

          Schwachsinn. Sie werden wie alle Palästinenser wie Terroristen behandelt. Egal ob am Checkpoint oder am Ben Gurion Airport. Jeder Nicht-Jude wird in Israel diskriminiert.

          • @Free
            “Schwachsinn. Sie werden wie alle Palästinenser wie Terroristen behandelt. Egal ob am Checkpoint oder am Ben Gurion Airport. Jeder Nicht-Jude wird in Israel diskriminiert.”

            Ich bitte Sie…!
            Seit den 11.09.2001 muss sogar Deutschland mit solche Vorwurfe leben wenn man wegen den Terror-Risiko bei Kontrollen (speziell am Flughäfen) auf “besonderes Merkmale” achten muss.

            In Israel ist es leider die Sicherheitslage nicht erst seit den 11.09. angespannt und vom wem die Gefahr meistens ausgeht muss man auch nicht extra erleutern.
            Davon abgesehen sind Kontrollen am Flughäfen oder “Checkpoint” keine Diskrieminierung sondern Kontrollen. Das muss sich jeder Weltweit gefallen lassen.

            “Jeder Nicht-Jude wird in Israel diskriminiert.”
            Sie verwechseln da offensichtlich was. Denn soetwas passt nämlich (ohne “Nicht”) auf alle (Ausnahmlos) Nachbarn Israels.

  11. an den admin: es ging mal, dass man benachrichtigt wird bei antworten, geht das nicht mehr oder finde ich das einfach nicht? danke

  12. “die Äußerungen Khaled Meshaals, des eigentlichen Führers der Hamas, man werde Israel niemals anerkennen, wurden von Palästinenserpräsident Abbas bei einem Besuch in der Türkei gleich verurteilt: Man habe doch schon gemeinsam die Oslo-Verträge akzeptiert, Israel nicht anzuerkennen, sei nicht akzeptabel”

    Herr Schneider, warum halten Sie es fuer noetig, die Luegen von Abbas hier zu wiederholen? Soll ich Ihnen ein YouTube-Link schicken, wo Abbas klipp und klar sagt, dass er Israel NIEMALS als Staat akzeptieren werde? Haben Sie schon mal eine Fatah-Karte oder Flagge von Palaestina gesehen, worauf Israel in irgendeiner Form eingezeichnet ist?

    Ich warte auf den Tag, wo in Ihrem Blog der judenhassende, Nazi-aehnliche Charakter der Ideologie Islam endlich mal offen und ehrlich thematisiert wird, denn genau darauf basiert der grenzenlose Juden/Israelhass der Hamas, Fatah und der von Arafat als ‘Palaestinenser’ neu erfundenen Araber generell.

    Schaffen Sie das noch vor dem Ruhestand?

  13. Lieber Heidelbaer,

    bezugnehmend auf ihr

    Nur – da muss ich Richard Schneider dann doch in Schutz nehmen – das war keine politologische Doktorarbeit, sondern ein Streiflicht, ein Eindruck, ein Blick mitten in das Getümmel. Und dadurch, dass es auf der Westbank war, hatte man keine Hamas-Aufpasser, die handerverlesene Interviewpartner servierten – sondern die Fatah-Sicherheitskräfte, die womöglich gar nichts dagegen hatten, dass der Westen mal ein unverstelltes Bild von Hamas gekommt (honi soit, qui mal y pense!).

    dem ich (schon wieder) zustimme, stelle ich fest, dass dieser Videoblog unsere Diskussion um “Verkaufsstrategien” und starke Bilder ganz wundervoll bestätigt, finden Sie nicht?

    Gabriele

  14. Ich hätte vielleicht ein wenig genauer sein sollen: Wo sind die arabischen Intellektuellen und die geistlichen in den westlichen Medien? In der arabischen Welt, Al Jazeera und Al Arabiya sind sie vertreten und offen für Diskussionen und Politrunden. Warum werden sie nicht befragt? Wo bleibt hier die Diskussion auf sachliche und niveauvolle Basis?

  15. Was ich bei den Beiträgen vermisse, ist die Reflexion darüber, was denn der Grund dafür ist, dass Hamas das geworden ist, was die Organisation heute darstellt. Einmal ist die Hamas aus der ersten Intifada hervorgegangen, hatte also irgend etwas auch mit Widerstand zu tun (das war vor 25 Jahren). Soweit ich Meinungsumfragen noch im Kopfe habe, hatten die Jihadisten und Hamas zusammen vor 15 Jahren einen Zuspruch von 20-25%, die anderen Anteile entfielen auf die Fatah und Arafat. Wenn Hamas 2006 so erfolgreich aus den Wahlen hervorging, dann sollte man sich doch auch fragen, woher dieser Aufschwung kommt. Jetzt kann man sich selbstverständlich über die Wutausbrüche (um dem Wort Hass nicht zu viel Platz einzuräumen) der Hamas Anhänger, von der aus Hebron berichtet wurde, entsetzt aufregen. Ich bin der festen Überzeugung, dass unter günstigen Umständen und einer konstruktiven, menschenfreundlichen Politik sich Menschen näher kommen können. Will damit nur sagen, dass es wohl an der Politik liegt und gelegen hat, wenn zwei Völker so weiterhin auf Konflikt zusteuern. In den Kommentaren wird immer über Terrorismus als Ursache geredet. Was sagt eigentlich die Geschichte, deren Aufarbeitung vielleicht hilfreich wäre? Gaza war der Ort, wo sich Flüchtlinge um 1948 ansiedelten und wohin Palästinenser vertrieben wurden und sie am liebsten ein Leben in Knechtschaft und die weitere Kolonialisierung ihres Landes hinnehmen sollten. Ohne in Details zu gehen, die Situation in Gaza heute ist doch völlig unannehmbar. Aber wer das mit Gleichgültigkeit hinnimmt (der Abzug der israelischen Siedler aus Gaza hat den Belagerungszustand der Bevölkerung in keiner Weise aufgehoben), der riskiert eine Radikalisierung und Extremismus. Was ist die zu erwartende Reaktion eines Volkes, das nicht in Freiheit leben darf? Welches eigenen Boden aufgeben muss, weil eine massive Einwanderungswelle sich auf 4000-jährige Geschichte beruft? Und sind wir es oder diejenigen die zu wissen meinen, einem anderen Volk zu sagen, wie es sich zu organisieren hat? Westliche Politik zwang Palästina zu Wahlen, deren Ausgang der Westen dann nicht akzeptierte. Fatah und Abbas waren nicht lieferfähig, weil Israel immer noch mit seinem Kolonialprojekt beschäftigt ist. Es war wohl eine Trotzreaktion der Palästinenser Hamas zu wählen? Um es kurz zu machen, man erntet was man säht. Im sozialen und psychologischen Bereich stempeln wir nicht einfach Menschen ab, sondern versuchen Hintergründe und Ursachen zu ergründen, wenn wir Verhaltensweisen ändern wollen. Das gilt nicht im Palästina-Israel Konflikt. Ein sehr unkriegerisches Ersuchen einen Beobachterstatus zu erlangen, wird mit neuem Siedlungsbau, Überfällen auf palästinensische NGOs, etc beantwortet. Vergeltung ist wichtiger, als Frieden zu wollen. Letzteres würde Sicherheit bedeuten und den Rückgang radikaler Gruppen und Gedankengutes.

    In diesem Sinne

    • Sorry, Michael, aber ich glaube, dass Sie hier einen wesentlichen Teil ausblenden. Wenn Sie die übersetzten Parolen mal genau anhören, dann hören Sie immer wieder “Das ist Gottes Weg”. Den Hamas-Mitgliedern geht es nicht wie uns Europäern um Freiheit und Würde und Wohlstand (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge), sondern darum Gottes Willen zu erfüllen. Ist für uns praktische Atheisten (auch wenn wir einen theologischen Überbau haben) nahezu unvorstellbar.
      Der durchschnittliche Selbstmordattentäter sprengt sich nicht in die Luft, weil er seinem elenden Schicksal in Hunger und Armut entkommen will, sondern weil er das als einzig sicheren Weg ins Paradies ansieht. Und das ist ihm so wichtig, dass er dafür buchstäblich über Leichen geht.
      Allahu akhbar – Gott ist größer, das wird skandiert und geglaubt. Die Vernichtung von Israel und den Ungläubigen wird von den Autoritäten als oberste Aufgabe eines Muslim gepredigt. Und diese Autoritäten sind nicht hinterfragbar. Deshalb würde sich jemand, der sich gegen Selbstmordattentate ausspricht, sofort als Kuffar, als Ungläubiger bezeichnet und für vogelfrei erklärt.
      Das ist insbesondere für “unsere” Linken, die gerne den Konflikt als Klassenkampf zwischen Imperialismus (Israel/Amerika) und Proletariat (Araber/Russland) umdeuten und Gottesglauben als Wahnsinn abstempeln wollen, natürlich unverständlich, deshalb schließt man messerscharf, dass nicht sein kann was nicht sein darf.
      Während der hier beschriebene Salafismus in Deutschland eher eine Randerscheinung ist, ist er für die Hamas Eintrittsvoraussetzung. Deshalb sieht man auch nicht nur junge Männer, sondern buchstäblich alle Schichten der Bevölkerung in dem Zug mitlaufen. Laizismus ist da keine Option. Und die bei uns häufig anzutreffenden friedlichen Moslems werden an solchen Tagen lieber zuhause bleiben.

      • Mir geht es nicht darum auszublenden. Vielleicht meinen Beitrag noch einmal lesen? Ich versuchte zu ergründen, warum extreme Gruppen und Standpunkte so dominant werden und wie man durch eine ‘gerechtere und bessere’ Politik unerwünschte Entwicklungen vermeiden könnte. Die Hamas war nicht immer stark. Also, warum ist sie so erstarkt? Man soll mit Vergleichen aufpassen, aber dennoch: die NSDAP wurde 1932 grösste Partei in DE, aber heute würde sie wohl niemand wählen. Das muss doch heissen, dass das etwas mit den Umständen und der Wahl der Politik zu tun hat. Darum geht es mir. Man muss die Vorraussetzungen schaffen, dass radikale und fundamentalistische Elemente nicht das Zusammenleben einer Gemeinschaft bestimmen. Ein Ägypter hat mich einmal daruaf aufmerksam gemacht, dass vor gar nicht so langer Zeit z.B. Frauen in Ägypten keine oder kaum Kopftücher trugen.

        In diesem Sinne

        • Zumindest bezüglich der NSDAP kann ich hier weiterhelfen. Im Jahr 1919 wurde von Gustav Scheidemann die Weimarer Republik ausgerufen. Nur wenige Stunden, bevor eine Räterepublik nach sowjetischem Muster ausgerufen wurde. Daneben gab es diejenigen, die einen Kaiser wollten.

          Schaut man sich die Verhältnisse der Parteien an, stellt man fest, dass in der jungen Demokratie ca. 2 Drittel keine Demokraten waren. Und eine Demokratie kann ohne Demokraten nicht funktionieren, trotz teilweise hervorragender Politiker in der Weimarer Republik.

          Obwohl in den 20er Jahren trotz der Reparationen die Wirtschaft wieder zu blühen schien, war die Unzufriedenheit mit der Demokratie hoch, und z. B. die Dolchstoßlegende tat ein Übriges, um die Politiker zu diskreditieren.

          Da Europa seine christliche Religion verloren hatte (die “goldenen 20er” waren eine stark atheistisch angehauchte Zeit), aber immer noch viele Menschen religiös geprägt waren, sprach Hitler mit seinem messianischen Anspruch zusätzlich die religiösen Bedürfnisse der Menschen an. Lesen Sie zu dem religiösen Überbau der Nazis mal LTI, oder besuchen Sie das Dokumentationszentrum am Obersalzberg.

          Insofern spielte nicht so sehr die wirtschaftliche Lage, sondern ganz stark die Religion auch bei den Nazis eine Rolle.

          Interessanterweise waren es kirchlich geprägte Männer (z. B. Gustav Heinemann), die aus den Ruinen den Menschen wieder Hoffnung gaben. Wobei Adenauer einen sehr autoritären Führungsstil hatte.

          Erst mit der Spiegelaffäre 1962 fingen die Menschen an, sich aktiv als Demokraten zu betätigen.

  16. die innerpolitischen und -gesellschaftlichen debatten zu dieser zeit in israel habe ich nicht so weit im kopf, als dass ich sagen könnte, dass dieses thema damals eine rolle gespeilt hat oder auch gar keine rolle gespielt hat. von ihren vermutungen auf die geschichte zu schließen, ist wohl wissenschaftlich nicht sonderlich ertragreich. eine quelle als ausgangspunkt für weitere recherche habe ich ihnen genannt. es lohnt sich bestimmt, dem nachzugehen, denn bücher über hamas gibt es genug, um aufklärung darüber zu schaffen, z.b. von joseph croitoru, khaled hroub, helga baumgarten, matthew levitt, beverley milton-edwards, azzam tamimi, shaul mishal/avraham sela, sara roy u.a. – freilich ohne wertung der einzelnen autoren.

      • Das passiert, wenn man das ReCaptcha nicht bestanden hat (so wie jetzt gerade wieder bei mir). Dann muss man nochmal neu auf “Reply” drücken.

        @Admin: gibt es auch eine leichter lesbare Version, ich habe da manchmal ganz schöne Probleme mit dem welligen Teil.

  17. Ariel, ich habe ja schon geschrieben, dass unsere Ansichten sich nicht decken. Verwirrt bin ich auf keinen Fall. Ich habe früher einmal anders gedacht. Nachdem ich gesehen habe, habe ich eine andere Sichtsweise. Israel hat sich zu einer Kolonialmacht entwickelt, die sich ganz typischer traditioneller Mittel der Machtanwendung bedient und nur an eigene Bedürfnisse denkt. Ich finde es unausweichlich, sich mit seiner Geschichte zu beschäftigen. Es ist mein Eindruck, dass man das am liebsten nicht tun möchte, aber weiter Mythen fabriziert. Das wäre ein Schritt zur Vergangenheitsbewältigung, hilfreich auch für eine notwendige Aussöhnung.

    Interessant, dass mir das Recht abgestritten werden soll, zu behaupten, dass Israel den Krieg angefangen hat. Einmal tue ich das nicht. Ich habe 1967 mit grossem Bangen vor dem Radio gesessen und für einen israelischen Sieg gehofft. Auf der anderen Seite habe ich inzwischen andere Argumente gehört. Da müssten wir doch unser Verständnis versuchen zu erweitern.

    Dass meine anderen Standpunkte nur die palästinensische Sicht aufzeigen hilft uns nicht weiter. Ich denke an die unmenschliche Situation in Gaza, an die mit Strassenabsperrungen verbundenen menschenunwürdige Kontrollen, usw,usw. Das sind bekannte Fakten. Mein Problem ist, dass solche Fakten nur noch ein Axelzucken hervorbringen, dabei handelt es sich um Umstände, die für zivilisierte Menschen als untragbar angesehen werden sollten und Taten er fordern. Wenn das altbekannte Fakten sind (wie Sie behaupten), dann ist es nicht akzeptabel, dass man weiter untätig ist.

    Israel ist bisher mit viel zu grosser Sympatie behandelt worden. Wenn behauptet wird, dass Israel kritisiert wird, nur um den Palästinensern entgegenzukommen, auf Kosten von Israel, dann ist dass eine völlig falsche Interpretation der wahren Absichten vieler Regierungen und Organisationen. Und was können die Palästinenser noch anbieten, um die Friedensbereitschaft Israels zu stützen? Ich behaupte sogar, dass westliche Regierungen wissen, dass sie ein Unrecht akzeptieren, dass neues Unrecht immer wieder geschaffen wird im I/P Konflikt und dass die finanzielle Unterstützung Palästinas nur eine Art Bussgeld ist für diese Ungerechtigkeiten zu kompensieren.

    Israel könnte mit grossen Schritten vorangehen und sich als Partner für eine bessere Welt, für Demokratie, Menschenrechte und wirtschaftliche Entwicklung in der Region anbieten. Leider will man aber weiter am Siedlungsbau festhalten, weiter unbedingt Kontrolle über die Palästinenser ausüben und die militärische Vormachtstellung sichern und bewahren. Das schafft keinnVertrauen.Deswegen geht es nicht um Israels Atombomben, sondern nur um die im Iran. Es ist leider nur Günter Grass, der das meiner Meinung nach richtig einordnen kann. Noch etwas, Israel wird sich sehr schnell bewegen müssen.

  18. Ich wünsche Herrn Schneider und dem gesamten Team frohe Weihnachten und für das neue Jahr nur das Allerbeste.
    Viel Kraft und Gesundheit für die Dinge, die da kommen werden!!