Weltuntergang oder: eine ultrarechte Regierung? Ja bitte!

Weltuntergangsstimmung (c) BR

Weltuntergangsstimmung (c) BR

Es stürmt wie blöd über Tel Aviv und ganz Israel. Der Regen peitscht fast waagerecht durch die Straßen. Und wenn es in Israel regnet, dann aus Kübeln. In Sekunden ist man völlig durchnäßt, wenn man sich nicht gleich in Deckung und Schutz begibt. Ein nahöstliches Schicksal: Immer muß man sich in Deckung und Schutz begeben hier, selbst wenn es “nur” einfach regnet. Aber wer weiß, vielleicht ist dies ja der Weltuntergang? Today’s the day, wenn man den Mayas Glauben schenken will oder all den ach so aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts, die das abrupte Ende des Maya-Kalenders so deuten. In Nahost ist jeder Tag, jedes Jahr Weltuntergangsstimmung (selbst wenn man dies im lustigen Tel Aviv manchmal so nicht wahrnehmen mag oder kann): Was sich etwa 200 km nördlich von hier abspielt, in Damaskus, ist das nicht der Weltuntergang? Und in Kairo? Und vor ein paar Wochen in Gaza? Wir sind doch geübt mit Weltuntergängen im Nahen Osten. Was kann uns da schon ein Uralt-Kalender anhaben, wenn wir doch gleichzeitig aufgrund eines anderen Kalenders glauben, daß in ein paar Tagen ein jüdischer Junge in einem Stall geboren wird (wurde), der die Welt verändert? Oder nach wieder einem anderen Kalender, daß soeben ein Ölwunder stattgefunden hat, das ein Beweis der Existenz Gottes ist? Oder nach wieder einem anderen Kalender…. aber sorry, ich schweife ab.Also, nach dem gängigen Kalender sieht es so aus, daß wir 2013 vielleicht unser blaues Wunder erleben werden, hier im Nahen Osten. Krieg gegen den Iran – das ist das eine Thema, das über unseren Köpfen wie ein Damoklesschwert schwebt, eine “Dritte Intifada” wird ebenfalls bereits herbeigeschrieben, ein Giftgasangriff der Syrer auf Israel, um abzulenken, ein Jihadistenstaat in Syrien nach dem Fall von Assad, das Aufkündigen des Friedensvertrages mit Israel von Kairo, 50 000 Raketen der Hizbollah, die im nächsten Jahr abgefeuert werden könnten, aus welchen Gründen auch immer. Klasse Aussichten… Bleigießen an Sylvester nicht nötig.Und: wir könnten am 22. Januar einen weiteren Schritt in Richtung Weltuntergang erleben: Eine ultrarechte Regierung. Eine Regierung Netanjahu, die noch extremer, noch ultranationaler, noch fundamentalistischer agieren wird als die aktuelle Regierung… und ausgerechnet der äußerste linke Rand in Israel wünscht sich das: eine ultrarechte Regierung in Jerusalem? Ja, bitte! Eine Regierung, die die demokratischen BAsisrechte abschafft? Ja, bitte! Eine Regierung, die weiter in den besetzten Gebieten baut und siedelt? Ja, bitte! Wohlgemerkt: Diesen Wunsch haben linke (es gibt noch ein paar wenige…) israeliche Kommentatoren und Beobachter und Aktivisten!Sie wünschen sich das, weil sie Angst haben. Angst, daß Shelly Yachimovitch, daß Zipi Livni, daß Yair Lapid, daß diese “Oppositionspolitiker”,sollten sie mit ihren jeweiligen Parteien genug Stimmen bekommen, daß diese drei Parteiführer sich jeweils in eine Regierungskoalition mit Bibi und seinen Mannen einspannen lassen werden und damit – wieder einmal mehr in der Geschichte der israelischen Politik – als Feigenblatt, als moderates Feigenblatt für eine dennoch ultrarechte Regierung dienen könnten, um so die Welt zu “betrügen”, wie sie schreiben, sagen, meinen.Nein, diesmal soll es eine rein ultrarechte Regierung geben – eine echte, wirkliche, mit all denjenigen Politiker und Knessetabgeordneten, die inzwischen laut und deutlich gegen eine Zwei-Staaten-Lösung plädieren! Die meisten gerade neu gewählten Politiker auf der Likudliste sind solche “Denker” – die Mannen und Frauen um Moshe Feiglin lassen Netanjahu fast schon moderat-liberal erscheinen. Ein Naftali Bennett, der Netanjahu und seinen Likud mit seiner Partei “Habait Hayehudi” noch weiter rechts überholt, erklärt in aller Öffentlichkeit, er würde einen Armeebefehl zur Räumung einer Siedlung verweigern… naja, ich muß das nicht fortführen, wer sich die Namen, das Programm und die Listen der rechten bis ultrarechten Parteien in Israel mal anschaut, sieht, in welche Richtung diese Leute vorstoßen: Kein Palästinenserstaat, mehr Siedlungen und wenn sie zwischen einem “jüdischen” und einem “demokratischen” Staat wählen müßten, dann würde viele von ihnen auf das Beiwort “demokratisch” verzichten… Lieberman ist da ziemlich eindeutig… andere ebenso. Nun denn.Also – linke Denker wollen das. Sie hoffen, daß dies eine Regierung ohne zentristische oder gar linke Beteiligung wird. Soll Israel sich doch immer weiter isolieren, sagen sie. Soll Israel sich doch zu einem Apartheids-Staat wandeln, soll Israel doch von der Weltgemeinschaft geächtet werden! Vielleicht wird dann die israelische Gesellschaft endlich kapieren, daß der Weg der Nationalisten und Frommen ein Irrweg ist. Sollen die Rechten doch Israel so an den Rand des Abgrunds treiben, daß die Wirtschaft allmählich zusammenbricht und die Bevölkerung endlich mal die  Konsequenzen solch einer Politik zu spüren bekommt.Das Verrückte: Die Jahre mit Netanjahu waren für den israelischen Bürger eigentlich gute  Jahre: Es war ruhig  und sicher, der Gaza-Krieg war nur ein “kleines Geplänkel” dank des Iron Dome Systems, die Wirtschaft ist nicht toll, aber im Vergleich zu vielen europäischen Staaten und den USA glänzend, es gab kaum Anschläge und selbst Obama sagt, daß die USA Israel in Sachen Sicherheit immer beistehen werde – so sehen das viele. Und darum werden sie ihr Kreuz  am Wahltag  “rechts” oder “ultrarechts” machen. Und die wenigen Linken wird es freuen… Doch die Rechnung könnte schlecht ausgehen, sehr schlecht – denn der Weltuntergang ist ja ständiger Begleiter im Nahen Osten. Vielleicht kommen wir ihm wieder ein kleines Stückchen näher? Wer weiß das schon…

 

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  1. und hiermit kann man wieder behaupten, dass die araber keine gelegenheit verpassen, eine gelegenheit zu verpassen. arafat haette das angebot von barak annehmen sollen, bzw. abas das angebot von olmert. der staat pal. staat rueckt in weite ferne. (die israelis sind dran schuld – natuerlich!) aber es kann ja sein, dass die rechten recht haben und es den pal. nicht um einen staat, sondern um vernichtung israels geht und da gleicht ein pal. staat einer aufgabe dieser plaene. aber das ist ja alles nur spekulationen.

    und jetzt eine frage an die medienvertretter… wenn die meisten links bzw. rechts waehlen, wird es dann nicht zu einer mittelinks bzw. mitterechsts regierung?

    wenn die israelis in einem monat zu 60 prozent “rechte” parteien waehlen, wird es dann nicht eine mitterechts regierung sein? und die “linken” waehren dann eine linke oposition?

    und was hat es fuer einen sinn die israelischen regierungen staenidg neue noch radikale anhaensel anzuhaengen. eine giga-super-ultra-nationalistische regierung… auf der anderen seite ist der holocausleugner abas (hat dr. zum thema holocaustluege in moskau gemacht), der an dem munechenatentat mitgearbeitet hat, der verkuenden hat, dass der palaestinensische staat “judenrein” (nicht “israelisrein”) sein wird und der sich weigert das juedische charakter israels anzuerkennen… ein gemaessigter. gemaessigter als was? als die hamas? oder al qaeda?

    was die linke oposition angeht, so sind lapid, livni und jachimowich die selbstsuechtigsten, egozentrischsten persoenlichkeiten, die israel zu bieten hat. wieso schliessen sie sich nicht zu einer partei zusammen?

    und uebrigens steht netanjahu mit grundsaetzlichen anerkennung des rechts palaestinenser auf einen eigenen staat viel linker, als der linke friedensengel izhak rabin.

    • Vielen Dank für Ihren Beitrag, Ariel. Es ist immer recht interessant, Ihren Standpunkt zu sehen. Zu einem kleinen Punkt habe ich allerdings eine Frage:
      “und der sich weigert das juedische charakter israels anzuerkennen… ”
      Was genau meinen Sie mit dem “jüdischen Charakter Israels”? Wie hat sich die Mehrheits-Religion auf die Politik und die Gesellschaft, auf das “Weltliche” Ihrer Meinung nach auszuwirken? Wie stark muss/darf getrennt werden zwischen Staat und Religion?

      • auf hebraeisch heisst der staat “medinat israel”. die englische bezeichnung ist “state of israel”, was auf dt. eigentlich heissen sollte “der staat israels” oder “der staat von israel”. mit “israel” ist natuerlich das volk israel gemeint. somit sagt bereits die bezeichnung des staates selbst, dass es sich um ein juedisches staat handelt. das schliesst natuerlich nicht aus, dass die gesetze allen nichtjuden die selben rechte zuspricht.

        was “ein juedischer charakter” praktisch heisst, waere z.b. die freie einwanderung der juden nach israel. oder pflicht an allen staatlichen organisationen kaschrut einzuhalten. abas will nach eigener aussage, auch nach einem friendesvertrag, in israel keinen juedischen staat sehen. er will sozusagen mit einem staat frieden schliessen, welcher auf “arabischem boden” gegruendet ist und von juden regiert ist. man koennte es mit der nichtanerkennung der DDR durch BRD vergleichen. man hatte frieden, aber DDR wurde als teil der bundesrepublik angesehen.

        “Wie hat sich die Mehrheits-Religion auf die Politik und die Gesellschaft, auf das “Weltliche” Ihrer Meinung nach auszuwirken?”

        begriff weltlich gibt es nur im christentum. judentum macht da keinen unterschied. aber ich weiss schon, was du meinst. die meisten praktizierenden juden scheinen keinen problem mit dem weltlichem zu haben. sie studieren gehen arbeiten, dienen in der armee. auch die meisten ultraorthodoxen haben da eine bruecke aufgebaut, nachdem sich sich zwischenzeitlich entfernt haben. judentum ist zu sehr realitaetsorientiert um etwas auszuschliessen.

        meiner meinung nach scheint es so wie es jetzt ist zu funktionieren.

  2. Lieber Herr Schneider,

    sie machen ja aus ihrer Ablehnung gegen Netanjahu und alles Rechte keinen Hehl. Aber wäre das wirklich so schlimm (von Extremen einmal abgesehen)? Sie schreiben selbst:
    “Das Verrückte: Die Jahre mit Netanjahu waren für den israelischen Bürger eigentlich gute Jahre: Es war ruhig und sicher, der Gaza-Krieg war nur ein “kleines Geplänkel” dank des Iron Dome Systems, die Wirtschaft ist nicht toll, aber im Vergleich zu vielen europäischen Staaten und den USA glänzend.”
    Sooo verkehrt ist Netanjahu dann vielleicht doch nicht … ?
    Und auf der linken Seite gibt es im Übrigen genauso Leute, die spinnerte Ideen haben. Lesen wir auch einmal ein paar Gedanken ihrerseits zu diesem Thema?

  3. “Weltuntergangsstimmung” in Tel Aviv… :-)

    Dazu gibt es auch ein schönes Interview auf der TS-Hauptseite mit einem Psychologen, der die Sache gut auf den Punkt bringt.

  4. Lieber Herr Schneider, machen Sie doch bitte Absätze und immer ein Leerzeichen nach einem Punkt – das erleichtert uns das Lesen sehr!

  5. Na denn, lieber Richard, ein gutes (christliches?) Neues Jahr!

  6. “aber sorry, ich schweife ab.Also, nach dem gängigen Kalender sieht es so aus, daß wir 2013 vielleicht unser blaues Wunder erleben werden, hier im Nahen Osten. Krieg gegen den Iran – das ist das eine Thema, das über unseren Köpfen wie ein Damoklesschwert schwebt, eine “Dritte Intifada” wird ebenfalls bereits herbeigeschrieben, ein Giftgasangriff der Syrer auf Israel, um abzulenken, ein Jihadistenstaat in Syrien nach dem Fall von Assad, das Aufkündigen des Friedensvertrages mit Israel von Kairo, 50 000 Raketen der Hizbollah, die im nächsten Jahr abgefeuert werden könnten, aus welchen Gründen auch immer. Klasse Aussichten…”

    Ich wünsche mir angesichts solcher Gefahren, die sich kein Land auf dieser Welt bitten lassen würde, ein Diktator auf Zeit, wie im alten Rom, der Senat bestimmte in Gefährlichen Zeiten ein Diktator auf Zeit. Das System hat sich bewährt.
    Man könnte fleißig den Mossad, die IDF , die knesset und all die ultralinke Medienlandschaft Israels samt all den Ciceros gründlich ausmissten.
    So jemand wie Putin wäre nicht schlecht, ich beneide die Russen so einen tollen Mann und Patriot als President zu haben. Als Jude darf ich den Weihnachtsmann nicht schreiben, aber dieses Jahr werde ich es doch machen, ich wünsche mir Putin soll zum Judentum konvertieren nach Israel kommen und President werden.
    In zwei Jahren wäre der Konflikt gelöst.
    Bibi und Co als Ultrarechten Psychos darzustellen ist eine Übertreibung , denen sind doch die Hände gebunden außerdem sind das alles Duckmäuser selbst wenn sie Freiehand hätten würden sie nicht Nägel mit Köpfen machen. Mittlerweile laufen sogar IDF Soldaten wie Mädchen vor Steinewerfern weg.

    ” linke Denker wollen das. Sie hoffen, daß dies eine Regierung ohne zentristische oder gar linke Beteiligung wird. Soll Israel sich doch immer weiter isolieren, sagen sie. Soll Israel sich doch zu einem Apartheids-Staat wandeln, soll Israel doch von der Weltgemeinschaft geächtet werden! Vielleicht wird dann die israelische Gesellschaft endlich kapieren, daß der Weg der Nationalisten und Frommen ein Irrweg ist. ”

    Ohne Nationalisten und Frommen gebe es der Staat Israel nicht.
    Was bitte schön haben “linke Denker” je der Welt Gutes gebracht ? Als kommunistische Diktatoren, krieg , Unterdrückung , Armut und Unglück.
    Alle linke Regierungen dieser Welt haben etwas gemeinsames , sie stürzen immer ihre Länder in den Finanziellen Ruin und Chaos.

    • Hallo AlexP,

      “So jemand wie Putin wäre nicht schlecht, ich beneide die Russen so einen tollen Mann und Patriot als President zu haben.”

      Ich kann Ihre Aussage verstehen, aber ich würde Israel doch nicht eine exakte Putin-Kopie wünschen.

      Außerdem habe ich noch eine Frage, da ich mich mit den Hintergründen nicht befasst habe.
      Wie beurteilen Sie, wie Putin mit Michail Chodorkowski umgegangen ist? Er ist ja Jude.

      • Chodorkowsky ist nach der Halacha kein Jude, denn seine Mutter ist eine Christin . Außerdem hat er mit dem Judentum so viel zu tun wie Äpfel mit Birnen.
        Der Mann sitzt zurecht im Gefängnis er war ein Oligarch der wie all die anderen Oligarchen mit Betrug und Morde in weniger als 5 Jahren zu Milliarden gekommen ist. Selbst in den USA das Mutterland des Kapitalismus geht das nicht so leicht.
        Ein Verbrecher egal welcher Herkunft und egal in welchem Land sollte sich vor dem Gesetz verantworten.
        Der Wirtschaftsverbrecher Bernard Madoff halachisch jüdisch wurde in den USA zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt, Chodorkowsky der nicht nur Menschen sondern Russland als Land geschädigt hat kommt dank ein neues Gesetzt sogar früher raus in 7 Jahren und wird seine restlichen Millionen in der Schweiz abholen können. Während in Russland einigen Leuten sehr schlecht geht. Ansonsten ist Chodorkowsky keine Lichtgestalt der Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenrechte, er ist ein Verbrecher , der in dem noch tobenden unterschwelligen kalten Krieg vom Westen instrumentalisiert wird.
        Wie Pussy Riot eine Erfolgreiche Erfindung finanziert über Umwege von der National Endowment for Democracy eine Organisation die 1980 von der CIA gegründet wurde “natürlich um Demokratie zu propagieren”.
        Hoffe ihre Frage zufriedenstellend und detailliert genug beantwortet zu haben.

        • Vielen Dank für Ihre Antwort.

          Ich hatte zu dem Thema nur wenige Artikel in den deutschen Medien gelesen und alle waren sich einig, dass Chodorkowsky ein Opfer der demokratiefeindlichen Politik Putins ist.

          Es sind die gleichen Medien, die sich einig sind, dass Israel der Unterdrücker der armen „Palästinenser“ ist.

          Daraus könnte man eine (zugegeben sehr vereinfachende) Regel ableiten: Wenn sich die westlichen Medien in irgendeiner Sache einig sind, dann muss man sich zuerst das Gegenteil denken und davon ausgehen, dass man dann der Wahrheit nahe ist.
          Dies gilt vielleicht nicht in jedem Fall, hilft aber sicher, sich nicht manipulieren zu lassen.

    • Soweit ich weiß, erzeugen hier “Rechte” das wirkliche Problem und weil sich “Linke” trauen, das auszusprechen (oder eben alle, die mit diesen “Rechten” nicht übereinstimmen) werden diese dann diffamiert. Obiger Beitrag vergisst ganz offensichtlich, dass Hierarchie überhaupt keine heilende Wirkung zukommt; egal von dem sie ausgeht und wen sie unterordnet. Solche Gedanken gehören ausgemistet!

  7. Wieder nix mit dem Weltuntergang. Und wie sagte Luther so schön: Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen und meine Schulden bezahlen (der zweite Teil wird oft “vergessen”).

    In den 80ern hatte ich übrigens mal ähnliche Gedanken wie Herr Schneider. Ich dachte, wenn die Grünen jemals an die Regierung kommen, geht die Welt unter. Ende der 90er habe ich sie dann sogar gewählt, wenn auch mehr als humanitären Gründen als aus Überzeugung. Und was soll ich sagen: wir haben auch das überlebt.

    Die Moral von der Geschicht’: man sollte die Macht von Regierungen nicht überschätzen.

    In diesem Sinne Frohe Weihnachten!

  8. Sehr geehrter Herr Schneider,

    ja, das sind wirklich bedrohliche Aussichten. Ich bin gerade zurück von einem längeren Aufenthalt in einem arabischen Land und ich finde es erschreckend, wie Israel dort fast überall wahrgenommen wird. Es ist sehr schwer, den Leuten ein anderes Bild zu vermitteln, aber ich habe es versucht.
    Was auch immer die Zukunft bringt, ich wünsche Ihnen viel Kraft und gutes Gelingen für Ihre Arbeit. Ihre Beiträge sind großartig! Sie haben mir dabei geholfen, die Komplexität der Lage besser zu verstehen. Zugegeben, dass hat auch dazu geführt, dass ich oft völlig ratlos darüber bin, auf welche Weise der Konflikt gelöst oder zumindest entspannt werden könnte. Und der Gedanke an die Sicherheit der Bürger Israels und seiner Nachbarländer bereitet mir große Sorgen.
    Sogar die Gedanken über eine Art Weltuntergang kann ich verstehen, aber trotzdem – das geht zu weit! Ich sage das nicht nur, weil ich einen möglichen schlechten Ausgang nicht wahrhaben will, sondern auch, weil ich nicht an einen Untergang glaube. Bei allen Uneinigeiten innerhalb Israels und den Konflikten mit den Nachbarländern – es gibt doch auch Entwicklungen, die positiv und dauerhaft sind. Hebräisch, das lange Zeit nicht mehr als Alltagssprache gebraucht wurde, ist jetzt eine lebendige dynamische Sprache, die in Israel wieder aufgeblüht ist. Wie kann diese Gesellschaft und ihre Kultur untergehen, solange die Sprache, die Israelis verschiedenster Herkunft teilen, besteht? Die Sprache, welche die gesamten Geschichte Israels, und die Gedanken und Gefühle seiner Bürger bewahrt und die mit jeden neuen Entwicklung – positiv oder negativ – reicher wird.
    Wer weiß, vielleicht fange ich auch eines Tages an, diese Sprache zu lernen und die Gefühle und Gedanken der Menschen dort besser zu verstehen.
    Jedenfalls, vielen Dank, dass Sie sie uns vermitteln!

  9. Der weitere Rechtsruck ist schon erschreckend. Die politische Lage in Israel wird fast trivialisiert. Israel ist ja ein demokratischer Staat. Habe ich vor einiger Zeit wieder von unserem politisch korrektem Aussenminister Westerwelle erfahren. Demokratie zu sein, ist auch einer der Gründe warum Deutschland grosszügig und ungeachtet UNO-Resolutions-verachtender Politik Israel in aller Hinsicht unterstützen wird. Klar, einig ist man sich nicht über die Siedlungspolitik, aber was macht’s? Und die Besetzung des Westjordanlandes und die Diät-einhaltende Belagerung Gaza’s ist nicht einmal mehr der Rede wert….. Vielleicht ist die Haltung des jüdischen Diplomaten Stephane Hessel hilfreich (in Deutschland geboren, franz.Staatsbürgerschaft, Widerstandskämpfer, Mitverfasser der UNO-Menschensrechtserklärung). Er hat mit seinem Buch ‘Empört Euch’ im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt. Übrigens auch ein Befürworter eines Boycotts gegen israelische Politik, insbesondere der Besatzungs- und Siedlungspolitik. Für ihn bedeutet, dass wahre und autentische Demokratie sich dann einfindet, wenn die privilegierte Gruppe hilft der nicht-privilegierten Gruppe privilegiert zu werden. Das ist doch ein schöner Satz (es gibt möglicherweise bessere Übersetzungen). Oder? Einer ‘ rechten’ Poltik fehlt jeder Funken für eine solche Denkweise. Und das ist das wirkliche Problem. Schon viel zu lange!

    • israel wird von den palaestinenser regelrecht erpresst. die palaestinesner wollen einen staat. barak und olmert waren bereit einen zu geben. ok es waren keine 100 prozent der forderungen, aber bestimmt ueber 90. die palaestinenser wollten nicht. wie soll es weiter gehen? die palaestinenser tun jetzt so, als ob israel fuer eine zwei staatenloesung nicht bereit waere. sie drohen mit gewalt. menschen wie du, wollen diesen vorgang nicht sehen. sie blenden alles herum aus und sehen nur das leiden der palaestinenser.

      israel ist nicht verpflichtet, alle palaestinensische forderungen in eienm stueck zu erfuellen. die israelis sehen, dass die palaestinenser angebote ausschlagenn und immer wieder ausreden finden um nicht zu verhandeln. wieso soll irgendjemand druck auf israel ausueben, wenn die palaestinenser von den verhandlungen weglaufen. mal suchen sie in der gewalt, mal in der un die loesung. hautpsache keine verhadlungen.

      und wenn so aus israelischer sicht die palaestinenser keinen bock auf verhandlungen haben, tut israel das was jeder tun wuerde. er versucht eine loesung ohne die palaestinenser zu finden. wie lange soll man den warten???

      und vergiss nicht, der zaun, checkpoints und verhaftungen sind direkte folgen der moerderischen gewalt, welche israel durch die palaestinenser erfahren hat.

      und ja die siedlungen… keine schoene angelegenheit, aber warum nemen die araber nicht die palaestinenser einfach auf? schliesslich mussten fast eine millionen juden ohne entschaedigung aus arabischen laender fluechten.

      israel wird nicht umdenken, solange es keinen grund zum umdenken gibt. zugestaendnisse haben nur zu kriegen und gewalt gefuehrt. wieso sollte israel sich das noch einmal antun? du leidest mit palaestinenser? sollten israelis leiden, wuerde es dich nicht stoeren. anders kann man sich nicht erklaren, dass du so leicht israels sicherheit gefaehreden wuerdest.

      • Auf Grund des Holocausts ist leicht die Welt nur mit israelischen Brillen zu sehen. Wenn man aber auch die palästinensische Seite kennengelernt, versucht man selbstverständlich auch das ’Warum’ dieses Konfliktes zu ergründen. Und ich lerne immer noch dazu. So kann man z.B. in Israel unbeschwert ans Meer fahren, das bunte Treiben Tel Avivs oder die Vielfalt des Lebens in Jerusalem beobachten und genießen. Und was dabei erstaunlich ist, dass nur wenige Kilometer entfernt eine Mauer Palästinenser von Israelis trennt und diese sich in einer unnatürlichen militärischen Umklammerung als Gefangene in ihrem eigenen Land zu bewegen haben., ohne dass das Argwohn, Fragen oder sogar eine gewisse Scham aufkommen lässt. Es ist unverständlich, dass man nicht über die Situation in Gaza erschreckt und sogar noch Blockaden einführt, um das Leben von Menschen einfach so schlecht wie möglich zu machen. Es ist so, als seien Straßensperren, Besetzung, Siedlungsbau das Natürlichste auf der Welt. Das ist doch ein unerträglicher Zustand, einfach mal abgesehen von Ursachen und der Schuldfrage. Und man kann über Recht und Unrecht streiten, aber die in meinem obigen Blog angeführte Aussage von Stephane Hessel über die Pflicht des Privilegierten ist für mich ein guter Ausgangspunkt. Es setzt jedoch die Erkenntnis voraus, dass der jetzige Zustand unhaltbar ist und die Einsicht, dass man auf irgendeine Weise miteinander zurecht kommen muss.

        Ariel, ich glaube es ist kein Zeichen von Ausblenden, wenn es doch ganz offenbar ist wer militärische Macht hat und anwendet, um einzuschüchtern, um zu kontrollieren und weiterhin zu dominieren mit den traditionellen Instrumenten kolonialer Machtpolitik. Klar wollen die Palästinenser einen Staat, aber noch mehr ihre Freiheit. ’ The material and emotional losses sustained by the Palestinians in 1948 are the true root of the Middle East conflict, although no one – no diplomats, journalists or politicians – dares to say so’ ,(Susan Nathan, 2006). Ich glaube, daran ist viel Wahres und es ist ja wohl auch kein Geheimnis, dass hunderttausende von Palästinensern aus ihrer Heimat vertrieben wurden und immer noch in ärmlichen Flüchtlingslagern hausen. Das muss doch irgendwie Eindruck machen? Aber es ist genau diese Vergangenheit, die völlig ausgeblendet wird und man sich stattdessen auf Begebenheiten beruft, die nicht Ursache aber Folgewirkung sind. Und der Siedlungsbau geht ja rechthaberisch weiter. Ariel, hier sind wir uns sehr uneinig, wer was in umgekehrter Reihenfolge sieht. Dass Palästinenser ihre Heimat verlassen und sich bei arabischen Nachbarn niederlassen sollen ist doch allen Ernstes kein annehmbarer Vorschlag. Aber durchaus israelische Politik. Aussagen der jetzigen Regierung lassen daran keinen Zweifel. Der Eindringling hat Recht auf ein Land in dem eine einheimische Bevölkerung gelebt hat und noch lebt. Und UNO-Resolutionen werden arrogant abgewiesen.

        Dass die Palästinenser ein großzügiges Angebot abgeschlagen haben sollen ist wohl ein Mythos. Taktik ist/war unannehmbare Vorschläge zu machen, diese als amerikanische Vorschläge zu verkaufen und bei Nichtannahme dem Kontrahenten die Schuld zuzuschieben. (Barak bei Camp David II/Palästina und Genf /Syrien). Neutralere Beobachter von Camp David II können nicht unterschreiben, dass überhaupt konkrete Angebote auf dem Tisch lagen (siehe Clayton E. Swisher, 2004). Die Gespräche mit Olmert führten auch ins Leere, da ja plötzlich der Einmarsch in Gaza Vorrang hatte.

        Ariel, zu deinem letzten Punkt kann ich nur sagen, dass weder Israelis noch Palästinenser leiden sollen. Denke daran, was Hessel sagte. Ich würde mich auch einmal erkundigen, welche Rolle Israels Regierungen bei der ’Flucht’ von einer Million Juden aus arabischen Ländern gespielt haben.

        • “einfach mal abgesehen von Ursachen und der Schuldfrage”

          kein problem, dann sollten die araber sich dafuer einsetzen, dass es den palaestinenser besser geht. z.b. indem man sie aufnimmt und ihnen staatsbuergerschaft gibt. oder indem jordanien diese gebiet einfach in sein staatsgebiet einnimmt. schliesslich sitzt jordanien auf 75% des historischen palaestinas und die meisten einwohner sind palaestinenser.

          “Ariel, ich glaube es ist kein Zeichen von Ausblenden, wenn es doch ganz offenbar ist wer militärische Macht hat und anwendet, um einzuschüchtern, um zu kontrollieren und weiterhin zu dominieren mit den traditionellen Instrumenten kolonialer Machtpolitik”

          ja, aber wuerde israel es nicht tun, wuerden juden jetzt richtung europa padeln. du bist doch derjenige, wer ausblendet.

          “Ich glaube, daran ist viel Wahres und es ist ja wohl auch kein Geheimnis, dass hunderttausende von Palästinensern aus ihrer Heimat vertrieben wurden und immer noch in ärmlichen Flüchtlingslagern hausen.”

          genau so wurden 1 mill juden vertrieben. wieso leben diese denn nicht in fluechtlingslager??? wieso konnte hundert millionen araber die fluechtlinge nicht integrieren, waerend israel mit nur einem prozent der bevoelkerung es konnte? die araber haben die ganzen jahre nichts gemacht um die situation zu verbessern. in syrien, libanon und jordanien gibt es nach 60 jahren immer noch fluechtlinglager. man kann das nichtstun der araber den juden in die schuhe schieben. man hat bewussts die situation als waffe missbraucht.

          “Dass Palästinenser ihre Heimat verlassen und sich bei arabischen Nachbarn niederlassen sollen ist doch allen Ernstes kein annehmbarer Vorschlag. ”

          wieso nicht? wieso konnte die juden “problemlos” aus 20 arabischen staaten einwandern, nach dem sie enteignet und vertrieben wurden? wieso soll das umgekehrt nicht funktionieren?

          “Ich würde mich auch einmal erkundigen, welche Rolle Israels Regierungen bei der ’Flucht’ von einer Million Juden aus arabischen Ländern gespielt haben.”

          ich weiss, was sie meinen und das sind spekulationen. aber mit diesem vorwurf zeigst du wie einseitig dein denken ist. hast du glatt vergessen, welche ursachen es fuer den flucht der araber gegeben hat?

        • @ Michael K.
          “The material and emotional losses sustained by the Palestinians in 1948 are the true root of the Middle East conflict, although no one – no diplomats, journalists or politicians – dares to say so’ ,(Susan Nathan, 2006).”

          Das erklärt leider nicht das Massaker von Hebron 1929 und die folgenden Anschläge der arabischen Bevölkerung während der Zeit des britischen Mandates. Der Konflikt hat 48 vielleicht eine andere Qualität erhalten, da sich Status und Organisationsgrad der Gegenspieler änderten. Der Konflikt an sich aber sicher älter. Frage: Kann ich daraus schließen, dass es sich um einen “israelischen” oder “jüdischen” Konflikt handelt?

      • Israel sollte erstmal anfangen sich an UN-Resolutionen, an Völker- und Menschenrecht zu halten, danach kann verhandelt werden.

    • “Und die Besetzung des Westjordanlandes und die Diät-einhaltende Belagerung Gaza’s ist nicht einmal mehr der Rede wert….. Vielleicht ist die Haltung des jüdischen Diplomaten Stephane Hessel”

      Links macht blind Herr Martin K !
      Dinge müssen in ihrem gesamten Umfang gesehen werden , die Wurzeln und Komplexität eines Konfliktes können nur verstanden werden wenn man “gerecht” und “unbefangen” sich die Verfehlungen aller beteiligten Parteien anschaut.
      Alles andere ist Propaganda, die nur der eigenen Ideologie gerecht wird.
      Gaza wird nicht belagert ,All die jüdischen Siedlungen dort wurden geräumt.
      Von dort wurden Terrorakte auf die israelische Zivilbevölkerung ausgeübt und mehr als 10.000 Raketen auf Israelischen Zivilisten abgefeuert jüngst sogar auf Tel Aviv.
      Was glauben sie was die Franzosen oder Engländer machen würde wenn jemand Raketen auf London oder Paris abfeuern würde ????
      Wer fing mit der zweiten Intifada an, nach dem man ihn Großzügig aus dem Exil einreisen ließ, samt Entourage und Waffen ????? Wer fing mit der zweiten Intifada an , nach dem man ihnen großzügig Autonomie und klare Aussichten auf einen Staat in Aussicht gestellt hatte ????? Ja genau die PLO und Co….
      Hier ein Rückblick :
      Die Israelis zählten in den 1558 Tagen der Al-Aqsa-Intifada 20.406 Anschläge, darunter 138 Selbstmordanschläge und 13.730 Schussüberfälle, sowie 460 Angriffe mit Qassam-Raketen. Nach Angaben der Zeitung Jedi’ot Acharonot wurden 1036 Israelis getötet (715 Zivilisten) und 7054 verletzt.

      Israel belagert niemand , Israel baut Zäune um die Zivilbevölkerung zu schützen.
      Die Blockade haben sich die Araber durch dieses Verhalten selbst eingebrockt.

      • @ Michael: Es gibt wahrscheinlich andere Stimmen als Hessel, die man auch zitieren könnte, aber es ist doch immerhin eine konstruktive Aussage. Diese Aussage beinhaltet, dass es Möglichkeiten gibt, ein Klima friedlichen Zusammenlebens zu schaffen. Oslo sollte ein Instrument sein. Menschen brauchen keine grosszügige Autonomie, sondern ihre Freiheit, aber mussten einem ungehemmten Ausbau der Siedlungen zusehen. Besatzung bedeutet Leben in Knechtschaft und das ist unakzeptable. Gewalt ist das Produkt fehlender Friedensbereitschaft.

        Israel belagert niemand? Das heisst die Menschen in Gaza und im Westjordanland können ungehindert reisen, ihre Familien besuchen, in Gaza wohnen und im Westjordanland studieren, Waren aus- und einführen nach Belieben, usw………… Propaganda oder Tatsachen?

        Es sieht so aus, dass nur wenige die Komplexität des Konfliktes erahnen können.Und die Palästinenser sollten doch eindlich einsehen, dass sie sich einfach mit ihren Schicksal abfinden müssen?

        • @Michael K.
          vermutlich meinten Sie Martin K. und nicht mich. Trotzdem folge ich der Aufforderung zum Dialog.

          “dass sie sich einfach mit ihren Schicksal abfinden müssen?”

          Kennen Sie den Begriff “Kismet”? Es handelt sich um ein islamisch-religiöses Konzept, das man im Deutschen am besten als Fatalismus bezeichnet. Es bedeutet, dass ein Gläubiger sich dem Willen Allahs unterordnen muss, auch wenn er ihm Schlechtes bringt. Mascha Allah – Allah hat es so gewollt. Mit dieser Regel wird jeglich Empathie gegenüber dem Unglück von Dritten weggewischt.

          Das ist der wahre Grund, warum islamische Länder nicht für die Tsunami-Opfer in Indonesien gespendet haben. Das ist der wahre Grund, warum die “Flüchtline” noch in der zehnten Generation in den Lagern sitzen werden, nicht nur in anderen Ländern, sondern auch in der Westbank. Mascha Allah. Das Unglück der Menschen interessiert keinen der arabischen Nachbarn.

          Aber nicht nur das, Kismet enthebt sie auch von jeder Verantwortung gegenüber der Schöpfung. Islamisten und Umweltschutz sind unvereinbare Gegensätze. Und er hindert sie daran, in die Zukunft und die Weiterentwicklung der eigenen Gesellschaft zu investieren. Deshalb hinken – abgesehen von den ölreichen – alle islamistisch regierten Staaten in der Entwicklung der restlichen Welt hinterher. In früheren Jahrhunderten, als die islamische Orthodoxie noch nicht die arabische Kultur erstickt hatte, war das anders, da konnten wir Europäer viel von den Arabern lernen.

          Neben Mascha Allah gibt es ein anderes religiöses Prinzip, genannt Dschihad. Es bedeutet wörtlich übersetzt Anstrengung, und zwar mit dem Ziel, das Dar al Harb langsam aber sicher in das Dar al Islam zu verwandeln. Anders ausgedrückt: die ungläubigen Länder (Haus des Krieges) der Herrschaft Allahs zu unterwerfen. Im Dschihad gibt es keinen Fatalismus.

          Wie diese Herrschaft aussieht, können Sie auf Tagesschau.de unter dem Bericht von Martin Durm über die Christen von Mossul (ausland/christenirak108.html) erfahren. Sie können es von denen erfahren, die als Entwicklungshelfer unter den Taliban in Afghanistan gearbeitet haben. Sie können es von den Exil-Iranern erfahren, die zu tausenden in Deutschland leben. Sie können es von einer jungen Irakerin erfahren, die bis 2008 unter dem Pseudonym Riverbend aus dem Irak berichtet hat. Das sind Augenzeugenberichte, keine Propaganda. Aber diese Berichte lassen die linke Propaganda als das erscheinen, was sie ist: realitätsverweigernde Utopie.

          Je intensiver ich mich mit dem Salafismus beschäftige, also dem theokratisch / antilaizistisch ausgerichteten Islam, der seit 9/11 massiven Zulauf hat, desto klarer wird mir, dass es mit derart fanatisierten Leuten keinen Frieden geben kann. Das wird umso deutlicher, als die Rechten das auch erkannt haben. Ich habe z. B. Udo Voigts Solidaritätsbekundung auf einem Islamistenkongress als Video im Web gefunden. Deshalb wäre auch ein Rückkehrrecht der “Flüchtlinge” oder eine Einstaatenlösung gleichzusetzen mit dem Ende des Wohlstands in Israel, wenn nicht sogar mit dem Ende des jüdischen Volkes und anderer Minderheiten im Land.

          Und um auf die Aussagen in dem anderen Thread zu antworten: warum gehen die Palästinenser denn nicht ans Meer wie die Israelis? Weil sie zwischen Kismet und Dschihad gefangen sind. Eine wirkliche Befreiung Palästinas könnte nur mit der Befreiung vom Salafismus erfolgen, nicht durch eine “Befreiung” von einem jüdischen Israel. Deshalb sind auch die Projekte, in denen palästinensische Jugendliche von israelischen Unternehmern oder Künstlern in eine neue Umgebung gebracht werden, erfolgreich. Sie lösen die Jugendlichen aus einem Umfeld fanatisch-religiöser Indoktrination und der aus der Todesfixierung resultierenden Hoffnungslosigkeit heraus, und ermöglichen ihnen positive, lebensbejahende Erfahrungen, die man nur außerhalb der Umma machen kann.

          • @ Michael: Ich bin noch einmal zu diesem Blog zurückgekehrt. Wollte es an sich dabei bleiben lassen. Aber dass eine Befreiung Palästinas nur mit der Befreiung vom Salfismus erfolgen kann, hat mich doch vom Stuhl gehauen. Ich weiss nicht wo du dein Wissen her hast. Fundamentalisten, Salafisten, ja, all das gibt es. Doch im táglichen Alltag geht es in Palästina sehr viel pragmatischer zu. Jetzt gehe ich vielleicht ein bisschen leichtsinnig mit Fakten um, aber die Menschen, die ich kenne, brauchen nicht vom Salafsimus erlöst zu werde. Dass die Religion eine grosse Rolle spielt, will ich gar nicht abstreiten. Aber interessiert mich nicht richtig. Habe es schon einmal geschrieben, Hamas und Dschihad z.B. in Gaza haben vor 12 Jahren eine noch nicht sehr dominate Rolle gespielt. Es ist gar nicht so lange her, dass man z.B. in Ägypten kaum Kopftücher trug. Was ich damit sagen will ist, dass äussere Umstände innere und damit religiöse Haltungen und Tendenzen prägen. Würden Menschen in Palästina in Freiheit leben, die Religion würde eine weniger bedeutende Rolle spielen. Wir sollten uns immer an der Forderung nach Menschenwürde orientieren. Das bedeutet in Freiheit und ohne religöse oder von einer Kolonialmacht ausgeübten Unterdrückung leben zu können.

          • @Michael K.

            Sie schreiben, dass Sie keine religiösen Aktivitäten in der Bevölkerung sehen, und Sie schreiben, dass Sie sich nicht dafür interessieren. Sind Sie schon mal auf die Idee gekommen, dass es dazwischen einen kausalen Zusammenhang geben könnte?

            Und prägen die Umstände wirklich die religiösen Haltungen? In Ägypten gab es auch unter Mubarak Muslimbrüder, nur wurden die brutal unterdrückt. Deshalb durfte auch niemand ein Kopftuch tragen. Dann revoltierten die Säkularen, modern orientierten Ägypter. Plötzlich kamen die radikalen Moslems “an die Oberfläche”, kaperten die Revolution und sind jetzt an der Macht. Wohin das führt, kann man in Ägypten nur erahnen. Im Iran ist und in Afghanistan war man da schon weiter.

            Und schauen Sie sich Gaza an. Es wurde von der israelischen “Kolonisation” (ein sozialistischer AgitProp-Kampfbegriff) befreit. In der Folge kamen die Radikalen (die auch vorher schon an der Macht waren) an die Macht.

            Daneben kann man seit 9/11, also seit mehr als 10 Jahren, eine deutliche Zunahme von religiösen Aktiviäten in muslimischen Ländern wahrnehmen. Ein prominentes Beispiel ist die Türkei, das Musterland des Laizismus mit einer überwiegend muslimischen Bevölkerung. Auch hier drängt die Religion in den Vordergrund. Ist Israel daran schuld?

            Wenn Sie sich die Welt ansehen, werden Sie also zwei Phänomene beobachten:
            a) Die Religion wird für die Muslime wichtiger, und zwar mit Tendenz zur Radikalisierung
            b) Sobald man in muslimischen Ländern tyrannische Autokraten beseitigt, erfolgt umgehend eine Machtergreifung der Radikalen.

            Fügt man diese beiden Fakten zu einer Schlußfolgerung zusammen, dann folgt daraus, dass ein von Juden befreites Palästina ein von Salafisten regiertes totalitäres System würde, das die Freiheit und die Menschenrechte der arabischen Bevölkerung, aber noch mehr das der Minderheiten negieren würde.

            Insofern – auch wenn es Sie schockt – ist der Salafismus derzeit die einzig mögliche Alternative zur Existenz des jüdischen Israel. Klingt das für Sie nach der Wahl zwischen Skylla und Charybdis? Dann herzlich willkommen in der Realität!

  10. Super-mega-hyper-ultra-giga-orthodox-religiös-nationalistisch … kann nur Israel.

    Ich würde einfach sagen, Benjamin ist Realo mit zwanghaften Hang zum Überleben.

    Dazu braucht es in dieser Region Stärke und Massnahmen die uns Super-mega-hyper-ultra-giga-gemein vorkommen. Aber ohne würde es zum Blutbad, was dann für viele Europäer zwar akzeptabel wäre, aber von diesem europäischen Wohlwollen, wenn die Juden endlich wieder die geliebten Opfer würden, können sich die gehackstückelten Israelis nach den Attentaten dann auch nix kaufen.

    Lieber als Buhmann leben als Blumen auf dem Grab.

    Also Zaun und Checkpoints, in die Luft ballern, Tränengas, Stärke zeigen, Sicherheitskontrollen, Hausdurchsuchungen, Aktivistenspinner aller Herren Länder in Schach halten, Grenze auf und zu und auf und zu, mit tausenden israelhassenden NGO’s rumärgern, den UnMenschenrechtsrat (die alte Diktatorenfiliale) ignorieren, Rucksäcke filzen, Raketendepots hochjagen, ab und zu einen fetten Terrorboss und Massenmörder eliminieren … alles Super-mega-hyper-ultra-giga-orthodox-religiös-nationalistisch und gemein. Und das Ganze nur um paar Millionen Juden am Leben zu erhalten.

    WIE KÖNNEN DIE ES WAGEN.

  11. “Israel belagert niemand , Israel baut Zäune um die Zivilbevölkerung zu schützen.
    Die Blockade haben sich die Araber durch dieses Verhalten selbst eingebrockt.”

    Sie waren tatsächlich noch nie in den besetzen Gebieten. Ansonsten könnten sie niemals so ewas schreiben. Die Palästinenser werden brutal von Israel unterdrcükt, entrechtet und ermordet. Jeder Israeli sollte sich für die Verbrechen seiner Regierungen schämen.

    • Doch war ich, als Soldat und wir haben niemals Menschenrechtsverletzungen jedweder Art begangen , wir haben stattdessen viele Attentate auf Israelische Zivilisten verhindert.das verhindern von Attentate bring beider Bevölkerungsgruppen Etwas : kein Attentat= keine Vergeltung. Ich kann verstehen , dass es nervig ist eine Stunde an einem Checkpoint auszuharren, aber das ist der Preis für Leben und Frieden. Keine Terroristen = Keine Checkpoints. Da Sie Ursache und Wirkung hier absichtlich verdrehen und Tatsachen mit plumpen Genozid-Lügen dramatisieren , kann man Sie leider nicht ernst nehmen.
      Sie werden von dem selben Hass getrieben, der einen Frieden verhindert.
      Sie wollen diesen Konflikt nicht verstehen und Sie wollen keine Verständigung.

      • Lieber AlexP,
        der erste Satz ist der schwierigste, ich will nämlich nicht, dass Sie sich angegriffen oder als „Zeitzeuge missbraucht“ fühlen, aber vielleicht sind Sie jemand, der Dinge, über die ich nachdenke, in die richtige Perspektive rücken kann. (Wenn er mag.)
        Sie schreiben, dass Sie „nie Menschenrechtsverletzungen(…) begangen haben“, das glaube ich Ihnen so. Nun lese ich gerade „Breaking the Silence. Israelische Soldaten berichten von ihrem Einsatz in den besetzten Gebieten“ und auch wenn ich noch nicht durch alle 146 Interviews durch bin, verwundern mich ein paar Dinge.
        1. Den Soldaten fehlt jede Begründung für ihre Einsätze, sie sehen keinen Sinn in ihrem Handeln, ihren Aufträgen. Immer und immer wieder lese ich: „Wir finden doch sowieso keine Waffen bei der Hausdurchsuchung“ und „ Die Leute sind total harmlos“. Wie kann es sein, dass diejenigen, die der Bedrohung begegnen und sie minimieren sollen, keine Bedrohung sehen? Haben Sie damals ähnlich empfunden?
        2. Ich lese aus diesen Interviews eine klare Anklage an Offiziere und Armeeführung heraus, überflüssig grausame, demütigende oder tödliche Aktionen als karrierefördernd anzusehen. Mir wird das Bild vermittelt, die israelische Armee sei ein kleiner Staat in Staate, der sich nicht viel um dialogfördernde, politische Vorgaben schere. Hat dieser Eindruck ein Körnchen Wahrheit oder wie soll ich diese Vorwürfe in dem Buch einordnen? Wie muss man denn sein um Ihrer Meinung nach Karriere in den IDF zu machen?
        Ich freue mich, wenn Sie mir beim Nachdenken weiterhelfen.
        Gabriele

        • Wenn Sie sich dafür interessieren, versuchen Sie eine Kopie des Fernsehvierteilers “Gelobtes Land”/”The Promise” von 2010 aufzutreiben! Genauere Informationen dazu finden Sie bei “arte”. Er schafft ganz allgemein eine Verbindung zwischen den Vorgängen in den 1940-er Jahren und der jüngeren Vergangenheit. Sehr gut recherchiert, aufwendig produziert, nur zu kurz! ;-) Im Speziellen werden auch Hintergründe zu “Breaking the Silence” in Szene gesetzt…

          Wenn man des Englischen mächtig ist, ist auch die Version im englischen O-Ton ein Genuß, weil der Regisseur auf Schauspieler mit “Original-Sprachhintergrund” Wert gelegt hat!

          BTW: Eine Verbreitung über “YouTube” wurde kürzlich unterbunden…

          Schönen Tag noch!

          Hanns

          • Vielen Dank für den Tipp, ich mach mich auf die Suche.
            Alles zu “Rollenbild/ethische Grundsätze von Armeen” ist gerade mein Thema.
            Wissen Sie vielleicht von einer Vergleichsstudie zu Traumata von Soldaten bei denen die IDF mit beteiligt war? Das such ich nämlich auch gerade verzweifelt. Danke. :-)

            Schönen Tag zurück!

            Gabriele

          • @ Gabriele:

            Das paßt ja, dann hätten sie gleich Material aus zwei Epochen, der britischen Mandatszeit und dem Heute. Viel Erfolg bei der Suche!

            In Deutsch ist es wohl mittlerweile fast zwecklos. Irgendwo habe ich einen Link zu einer französisch synchronisierten und zu einer (vermutlich englisch synchronisierten) Version mit französischen Untertiteln gefunden, leider aber nicht weiter verfolgt.

            Internet-Quellen zufolge soll dieser Film aktuell in Israel verboten sein, kann das jemand bestätigen/widerlegen?

            Und auch zu Ihrer anderen, sicherlich interessanten Frage kann ich Ihnen nicht weiterhelfen. Ich kenne nur die Ihnen sicherlich auch bekannten pauschalen Aussagen, daß viele IDF-Soldaten nach Ableistung ihres Wehrdienstes “irgendwohin ;-)” ins Ausland verschwinden, um Ihre Traumata mit Alkohol, “Sex, Drugs and Rock’n Roll” usw. zu “bekämpfen”, sprich vergessen zu machen. Natürlich nur die, die sich solche Trips leisten können.

            Ich habe es hier trotzdem noch mal aufgeführt, weil möglichwerweise der Eine oder Andere davon noch nichts gehört hat oder nichts hören will! ;-)

            Schönen Tag noch!

            Hanns

      • “Doch war ich, als Soldat und wir haben niemals Menschenrechtsverletzungen jedweder Art begangen”

        Dann waren sie die Ausnahme. Wachen sie auf!

        “Keine Terroristen = Keine Checkpoints.”

        Kein Landraub, keine Massaker, keine Vertreibung, keine Unterdrückung = Kein Terrorismus. Israel hat sich seine Feinde selbst geschaffen. Wer mit rassistischen Absichten in ein Land kommt um dessen Bewohner zu vertreiben darf sich über Gegenwehr nicht wundern.

    • Ich wohnen un den “bestzten Gebieten”, und sie haben wirklich keine Ahnung….wir unterdrücken niemenden, und ermorden niemanden, woher nehmen sie die Frechheit so etwas zu behaupten? Ich tipp mal auf Unwissenheit (im besten Fall) oder vielleicht doch nur Dummheit…

      • Wie wäre es mal in Youtube vorbei zu schauen, da können sie sich tausende von Videos angucken. Sie scheinen hier keine Ahnung zu haben was in den besetzen Gebieten passiert.

  12. Okay, danke für die Erklärung.
    Was Regelungen bezüglich der Feiertage, Kaschrut usw. betrifft – meinst du, wenn du davon sprichst, dass das von staatlichen Institutionen eingehalten werden muss, dass sich das aus auch auf Nichtjuden beziehen muss oder sind von jüdischen Traditionen abweichende Regelungen für Nichtjuden deiner Meinung nach mit einem Staat “mit jüdischem Charakter” vereinbar?
    Und, wenn ich noch eine letzte Frage stellen darf, wie stehst du zu dem Tal-Gesetz (das ja jetzt gekippt wurde)?

    • Oh, entschuldigung, das sollte unter Ariels Post ganz oben vom 25. 12. um 13:20

    • ich kenne keine regelungen, welche auf das judentum zurueckzufuehren sind und die die freiheiten von nichtjuden einschraenken. ok, am jom kippur darf man in juedischen landschaften nicht autofahren und keine laeden oefnen. aber solche tage gibt es ueberall auf der welt und sie betreffen alle ob sie es moegen oder nicht.

      zu dem gekipptem tal gesetz, habe ich einmal bereits stellung bezogen. alle muessen dienen.

      das grosse problem mit dem gesetz war, die verpflichtung der ultraorthodoxen nicht zu arbeiten. wie es aussieht, wird man demnaechst erst mal mit kleinen zahlen auch die ultraorthodoxen einberufen, bis sie sich gewoennen. ich bin optimistisch, dass am ende bis auf paar ausnahmen, alle dienen und danach die meisten arabeiten werden.