Jakob Augstein – der Holzschnitzer

Eines, lieber User, ist gewiß: Wenn ich mich das nächste Mal für längere Zeit ausklinken und e r h o l e n  will, d.h. nichts über Israel, Juden, Muslime, Antisemiten oder Anti-Islamisten hören will, werde ich nicht mehr nach Deutschland reisen, sondern nach Mikronesien oder mich einer Expedition zur Erforschung der Aborigines in Australien anschließen… Da ich aber nun doch wieder und noch in Deutschland bin, schlägt “es” (“Hamazav” wie das auf Hebräisch heißt, wörtlich: die Sache, aber im übertragenen Sinn: Der Nahostkonflikt) mal wieder zu. In den deutschen Feuilletons gibt es seit Tagen – nach der bekloppten Grass-Debatte – wieder mal ein Thema zu “Hamazav” (was in Deutschland aber eher dann im übertragenen Sinn heißen muß: Der Antisemitismus): Jakob Augstein ist ein Antisemit – Ist Jakob Augstein ein Antisemit?! 

Zugegeben, die Diskussion wurde diesmal nicht in Deutschland angestoßen – Das Simon-Wiesenthal-Center in L.A. hat Augstein auf seine “Hitliste” der größten Antisemiten der Welt aufgenommen. Augstein hat Rang 9 erklommen! Ist da in einem Atemzug mit Herrschaften wie Ahmadinejad & Co. genannt und entsprechend “gefährlich” muß er also sein. Nun, machen wir’s kurz: Die verantwortlichen jüdischen Herrschaften in L.A. haben es mit dieser Nominierung lediglich geschafft, eines der vielen gängigen antisemitischen Klischees wirkungsvoll zu entkräften: daß Juden nämlich so überdurchschnittlich intelligent sind! Gratulation Rabbi Cooper et alii! Well done, great job!  Machen wir’s kurz: Die spinnen in L.A. – soviel der “Ehre” ist Augstein,  sind seine Artikel über Israel gar nicht wert.

Aber klar, daß man sich in Deutschland natürlich mit Freuden auf dieses allbeliebte Thema stürzt, bei dem man sich so richtig echauffieren kann! Wunderbar. Vor allem zwischen den (schlagzeilenarme)  Jahren. Lagerbildung findet statt. Und da Henryk M. Broder ein wesentlicher Verfechter der These ist, Augstein sei ein lupenreiner Antisemit, wird’s gleich noch hitziger, denn wenn’s um Broder geht, dann gibt es nur zwei Reaktionen: Purer Hass oder pure Zustimmung zu dessen Texten, Thesen, Meinungen. Ok.

Wieder mal wird jetzt in Deutschland diskutiert, was Antisemitismus sei, ob man denn gleich ein Antisemit sei, nur weil man Israel kritisiere, ob vielleicht zwar, ja, ok, etwas “Antisemitisches”  gesagt oder geschrieben wurde, aber der Urheber dieser Worte sei deswegen g a r a n t i e r t noch lange kein Antisemit… all die üblichen absurden, bekloppten Girlanden, die in Deutschland immer gedreht werden, wenn’s um “Hamazav” geht.

Jan Fleischhauer, der Co-Kolumnist beim Spiegel, springt seinem Kollegen bei, mit dem er befreundet ist und fragt, ob er nun kontrollieren müsse, ob Augstein in seinem Bücherregal die “Protokolle der Weisen von Zion” oder “Mein Kampf” stehen habe – und merkt nicht, daß er mit solch einer Frage eine absurde Logik in Gang setzt: Denn im Umkehrschluß würde dies ja heißen, daß jeder, der keine “einschlägige” Literatur in seinem Bücherregal besitzt, automatisch unmöglich ein Antisemit sein kann.

Und natürlich werden jetzt zur Ehrenrettung Augsteins gegenüber den bösen Juden aus L.A. die guten Juden aus Deutschland angeführt: Soeben haben die beiden Granden des Zentralrats, Korn und Graumann, Jakob Augstein einen “Persilschein” ausgestellt – also kann er eben doch kein Antisemit sein, die doofen US-Juden an der Westküste haben ja keine Ahnung! “Unsere” Juden sind die Guten, ha!

Sie erwarten jetzt sicher, daß ich “Stellung” beziehe, ob ich Augstein für einen Antisemiten halte? Ach, ich bin überzeugt, daß Sie das als mündige Bürger und vor allem: als User unseres Israel-Palästina Blogs selbst entscheiden können.

Alles, was ich über Jakob Augstein sagen kann ist: Er ist ein Holzschnitzer. Und manchmal frage ich mich schon: Warum? Und manchmal denke ich mir: Damit steht er nicht allein da. Nicht in Deutschland, nicht im Rest Europas.

Denn seine Artikel zum Nahost-Konlikt, zu Israel und dessen Politik sind holzschnittartig gebaut. Es gibt den bösen Schuldigen und den lieben Unschuldigen. Es gibt nur Schwarz und es gibt nur Weiss und für ihn, der meines Wissens nach noch nie mehrere Jahre in der Region gelebt hat, ist die ganze Nahostkonliktthematik ganz eindeutig und klar zu erklären. Auch die Lösung liegt auf der Hand, es ist so simpel, der Schuldige ist ja längst gefunden. Holzschnitt also.

Bitte beginnen sie jetzt nicht mit der ollen Kamelle: “ja, darf man denn Israel nicht kritisieren…” – diese Kamelle ist spätestens seit den Tagen des seligen Möllemann nun zur Genüge durchgekaut, der Frage kann man nur mit resigniertem Schweigen begegnen, die hat einen ellenlangen Bart…

Aber es ist schon ein interessantes Phänomen, das Augstein mit s e i n e r Art der Israelkritik verkörpert. Und er steht unter den deutschen/europäischen Journalisten damit ja nicht allein da. Die journalistisch fahrlässige Bereitschaft, beim Thema Israel ganz rasch in Plattitüden zu verfallen. Liegt es daran, daß ihm die aktuelle israelische Regierung dazu (scheinbar) locker die Steilvorlagen liefert? Liegt es vielleicht an ganz etwas anderem? Doch halt, ich will hier weder den Küchenpsychologen spielen, noch eine weitere Runde in der Frage, ob Jakob Augstein doch ein Antisemit ist, eröffnen.

Mich ärgert  bei Artikeln von Augstein und manch anderen zum Konflik hier immer nur eins: Daß sie – unabhängig auf wessen Seite sie sich stellen – in den meisten Fällen strotzen vor Nichtwissen, Unkenntnis der Kultur, der Geschichte, der Mentalität der beteiligten Konfliktpartner. Daß sie keine Ahnung haben von den Zerrissenheiten in der israelischen und der palästinensischen Gesellschaft, daß sie sich die Welt simpel schreiben, obwohl alles so wahnsinnig komplex ist, daß man in Wahrheit keine einfachen Antworten und keine einfache Lösungen aufzeigen kann –  diese Artikel aber das genaue Gegenteil zu suggerieren versuchen.

Und die Frage, die sich mir stellt, ist immer dieselbe: Warunm ist das so? Warum glauben alle beim Thema Israel/Palästina-Konflikt genau zu wissen, worum es geht, wie es geht und wer der Schuldige ist? Warum lese ich solche holzschnittartigen Artikeln (sei es von Augstein oder anderen) so selten über all die anderen Konfliktherde dieser Welt – über die wir als fern von ihnen Lebende ebensowenig w i r k l i ch verstehen? Hand auf’s Herz: Haben sie in den 90er Jahren wirklich die Rolle der Serben, Bosnier, Kroaten, Albaner im Jugoslawien- und Kosovokonflikt durchschaut und begriffen? Haben sie wirklich g e w u s s t, wie die Lösung in Ex-Jugoslawien ausschauen muß? Haben sie wirklich gewußt, wer “schuldig” ist und wer nicht? Und dieser Konflikt war und ist im Herzen Europas (und wir haben “Untergruppen” wie die bosnischen Serben etc. noch gar nicht erwähnt…), eine knappe Flugstunde von München entfernt.

Aber Augstein & Co. wissen g e n a u, wie’s im Nahen Osten zugeht? Sorry, für mich ist das genauso schwachsinnig, wie die Entscheidung Rabbi Cooper’s und seiner Freunde Jakob Augstein zum neuntschlimmsten Antisemiten des Jahres 2012 zu küren.

 

 

Kommentieren:

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  1. Ja, lieber Schneider,
    so kann man es schreiben. Muss man aber nicht. Denn die Frage, ob Augstein ein Holzschnitzer ist oder nicht, stellt sich nicht. Hier steht ja alles andere, als seine journalistische Fähigkeit zur Diskussion. Es ist ja gradezu grotesk, jetzt zu schauen, ob der gute vielleicht doof schriebt und die Sache doch irgendwie in Teilen berechtigt sein könnte. Nein, hier geht es einzig um die Frage, wie schwer der Vorwurf wiegt. Und um die Frage, wie stark Broder bei der Platzierung involviert war. Das haben sie zunächst zu beantwortet. Mehr nicht.
    Herzlich

  2. Es geht schon um diesen einen deutschen Reflex, den Markus Rosch ganz zufällig in seinem Block über Weihnachten in Bethlehem miteinbrachte: Er interviewt eine deutsche Reisegruppe, die sich über die Friedensperspektiven im Nahen Osten auf beiden Seiten, wie betont wird. Derartige deutsche Reisegruppen sind mir aus anderen Ländern völlig unbekannt. Ist aber gar nicht interessant, Reisegruppen z.B. nach Nordirland, die Türkei, das Baskenland, Marokko, Kaschmirregion, Syrien, Libanon, Nord /Südsudan, Feuerland oder weiß der Teufel wo hinzuschicken.

    Israel/Palästina lösen bei uns Wallungen aus, die einfach teilweise absurd sind. Auch bei Hr. Augstein.
    Wir wollen doch auch nicht, dass z.B. Griechenland, die Türkei uns in Wirtschafts- oder Migrationsfragen oder gar Menschenrechtsfragen beraten und wenn die VN in einem Bericht über die Menschenrechtslage in unserem Land Negatives fesstellt, ändern wir sofort unsere Politik?
    Sicher nicht!

  3. koennen deutsche journalisten keinen englisch?

    die liste heisst “2012 top ten anti-semitic/anti-israel slurs”

    es geht also nicht um top ten antisemiten, sondern um top ten antisemitische ODER antiisraelische beleidigungen. zu keinem zeitpunkt wurde dem augstein antisemitismus vorgeworfen.

    die augsteins verteidiger reagieren ueberspitz um den vorwurf ins laecherliche zu ziehen. dabei passen die von dem wiesenthal zentrum zetierte antiisraelische aussagen augsteins zu den anderen aussagen auf der liste. oder will jemand tatsaechlich behaupten, dass augsteins nahostartikel nicht israelfeindlich sind? und weil augstein viele leser hat und ein beachteter journalist ist, kam er mit seiner aussage auf die liste.

    ist es denn neu, dass die arabischen antisemiten und westliche israelkritiker fast die selbe meinung haben? also fand sich augstein auf dieser liste wieder.

    • “koennen deutsche journalisten keinen englisch?”

      Nee, neuerdings können die nicht mal mehr richtig deutsch. Am Wochenende hatte ich wieder Rechtschreibfehler und falsche Schreibweisen in der Zeitung bis zum Abwinken. Das hätte es vor 10 Jahren noch nicht gegeben.

      “die liste heisst “2012 top ten anti-semitic/anti-israel slurs””

      Das ist interessant, denn der Zusatz “Beleidigungen” wurde tatsächlich nirgendwo erwähnt. Vermutlich weil das Wort kein Deutscher kennt, auch ich musste es erst mal nachschlagen. Und wenn man sieht, wie in Fachzeitschriften viele englische Worte einfach transkribiert werden (z. B. proprietär aus proprietary; statt willkürlich) oder mit einem ähnlich klingenden deutschen Wort falsch übersetzt werden (aus dem Blog wird der Block), so dass man den Text zuerst einmal zurück ins Englische übersetzen muss, um ihn zu verstehen, dann wundert es niemanden, warum das nicht wiedergegeben wird.

      Darüber hinaus beherrschen die deutschen Journalisten perfekt den folgenden Aspekt der eristischen Dialektik: Verwende eine andere Bedeutung desselben Wortes oder zumindest ein ähnlich klingendes Wort mit anderer Bedeutung, um das Argument des Gegeners lächerlich zu machen. Beispiel:
      Vorwurf: “Das war eine eine anti-semitische Beleidung”
      Erwiederung: “Wie können Sie mich einen Antisemiten nennen”
      Und alle fallen drauf rein, keiner merkt, dass der Antwortende den Umfang der Aussage drastisch erhöht hat, um ihn ins Lächerliche zu ziehen. Stattdessen regen sie sich über den Vorwurf auf, ein Antisemit zu sein. Der urprünglich erhobene Vorwurf ist vergessen, und garantiert prüft niemand mehr, ob die Aussage tatsächlich antisemitisch war. Damit ist der Angegriffene vollständig reingewaschen. Im “besten” Fall ist sogar der Angreifer selbst soweit in seiner Glaubwürdigkeit getroffen, dass er künftig keine Gefahr mehr darstellt.

      Denn welcher Deutsche wird sich im nächsten Jahr noch die Mühe machen, diese Liste zu lesen, oder überhaupt irgendwas vom Simon-Wiesenthal-Center, wo die doch nur Müll verbreiten?

      • “Und wenn man sieht, wie in Fachzeitschriften viele englische Worte einfach transkribiert werden (z. B. proprietär aus proprietary; statt willkürlich)”
        Hmm… Ich will mich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen: Wenn ich allerdings im Oxford Dictionary nachschlage, wird mir dort das englische Wort “proprietary” als Adjektiv für “Marken-/Eigentums-” übersetzt. Das Wort “willkürlich” hingegen übersetzt man anscheinend nach landläufiger Meinung mit “arbitrary”.
        Wenn Sie mit diesen Übersetzungen Ihre Texte ins Englische zurückübersetzen, so sollte es mich wundern, wenn Sie nicht ein geringfügig anderes Verständnis der Texte entwickelten. Sie entstellten beispielsweise “proprietary rights” auf fast komische Weise.
        Also: Wer hier Journalisten wegen mangelnder Englischkenntnisse kritisiert, sollte es besser machen. Und wenn Sie jetzt feststellen, daß es ein Versehen war, können Sie ja vielleicht nun auch die Journalisten verstehen.
        Hochachtungsvoll

        • @Rüdiger

          das war tatsächlich ein Versehen. Aber ein Versehen kommt einmal vor, nicht in andauernder Folge mit immer demselben Wort. Lesen Sie mal Computerliteratur, wie oft dort proprietär steht.

    • Da ich es von Anfang an spannender fand zu verfolgen, wie sich die internationale Presse dazu äussern würde, habe ich den deutschen Medien zu diesem Thema kaum Beachtung geschenkt.

      Es ist sehr erhellend, dass diese kleine Schlamperei bei der Übersetzung die Bedeutung dieser Top 10 so sehr verunglimpft hat! Ich wiederhole wohl, was hier bereits gesagt wurde, aber der Unterschied ist erheblich, ob man einer Person vorwirft, Antisemit zu sein, oder ob man mit dem Finger auf die antisemtischen Aussagen derselben Person zeigt. Diese Aussagen liefern den Beweis für den Vorwurf des Antisemitismus.

      Indem man die Aussagen übergeht, wird der Beweis elegant unter den Teppich gekehrt und stehen bleibt nur die Schlussfolgerung, auf die in den Top 10 nicht explizit hingewiesen wurde. Die Schlussfolgerung, der Antisemitismusvorwurf ohne das rhetorisch-manipulativ vernichtete Beweismaterial ist, was er ist: ein haltloser Vorwurf.

      Die Top 10 orientieren sich an Aussagen, Worten, Zitaten – der Wahrheit, derer sich manche Personen rühmen werden und andere sich schämen sollten. Es wird sich nicht geschämt. Augstein “darf” Israel “kritisieren”. Das ist unsere Pressefreiheit und nicht Antisemitismus. Was hat er noch gleich gesagt? Auf jeden Fall darf es nicht antisemitisch gewesen sein, und daran soll sich auch nichts ändern.

  4. Ich las dazu: ““In Deutschland empört man sich nur darüber, dass Augstein unter den Top 10 dieser Liste ist, nicht aber über das, was er gesagt hat.”

    Vielleicht steht er genau dafür auf dieser Liste.

    Es geht nicht nur um Augstein, sondern um Deutschland, die Deutschen.

    • Genau so ist es. Er steht als Repräsentant für einen Neo-Antisemitismus, der mit dem Etikett Israelkritik daherkommt. Das ist ja etwas, was ohnehin in der Diskussion nicht begriffen wird: Antisemitismus ist nicht einmal notwendig eine individuelle Geisteshaltung, sondern eine gesellschaftliche Strömung.
      Die Behauptung: “ich habe (persönlich) nichts gegen Juden, ich habe jüdische Freunde, ich ess gerne jüdisch und habe sogar eine vom Rabbi signierte Talmudausgabe im Regal (und nicht mein Kampf oder die Weisen von Zion)” beweist und widerlegt nichts. Weil man trotzdem durch das, was man öffentlich sagt, was man so schreibt und in die Debatte wirft ein Teil dieser gesellschaftlichen Strömung, dieses Trends sein kann – ja ihn sogar fördern und lenken kann, obwohl man persönlich nun wirklich gar nichts gegen “die Juden” hat.

      Das SWZ ist nicht nur dumm, wenn es mit der Top-Ten Nominierung Augsteins eine empörte Debatte anstößt. Denn natürlich ist Augstein kein Teil des islamo-arabischen Antisemitismus’ wie die Hamas, Hisbollah und Iranfraktion. Und sicher hätte man ohne Not damit die Top Ten besetzen können, und keinerlei Begründungsprobleme bekommen. Aber es ging darum Repräsentanten für verschiedene Typen des modernen Antisemismus’ zu benennen. Und da gibt es diesen neuen, sehr deutschen Antisemitismus, der aber auch in Resteuropa und den USA hoffähig ist.

      Dafür ist Augstein ein hervorragender Vertreter, Grass wäre es auch gewesen, wenn er jünger wäre – und damit frei von dem Verdacht, dass altersbedingt ein paar Ungeister der Vergangenheit wieder an die Oberfläche blubbern. Augstein aber repräsentiert die neue Generation – aber mit den gleichen Argumenten, Motiven und Mechanismen!

      Statt der widerlegbaren und strafbaren Holocaustleugnung wird von dieser Neuen Richtung die genau so alte Schlussstrich-Debatte wieder aufgewärmt. Und das mit über das Vehikel der Israelpolitik. Gleichzeitig wird die deutsche Seele des ach so bedeutendseinwollens in der Weltpolitik gestreichelt.

      Was für ein Pathos! Der Weltfrieden braucht es, dass sich Deutschland aus den Fesseln der duckmäuserischen Israelhörigkeit aus längst verjährten Schuldgefühlen befreit und endlich mit dem Licht des aufklärerisch offenen Wortes die wahren Kriegstreiber, Völkervernichter und Friedenszersetzer offenbar macht.

      Und das sind – welch famose Überraschung – die Juden, nein, Entschuldigung, natürlich nicht DIE Juden, sondern diese böse religiös-fundamentalistische, ultranationalistische, rechtsextremistische Regierung Israels.

      Der irre Witz daran ist, dass sich die intellektuellen Speerspitzen dieses Antisemitismus praktisch nirgends eines judenfeindlichen Satzes schuldig machen, aber mit ihrem Pathos genau diese gesellschaftliche Strömung fleißig befeuern, der die feinsinnige Unterscheidung zwischen DEN Juden und der israelischen Regierung am Allerwertesten vorbei geht, die diesen Schlussstrich ersehnen und Deutschlands Führungsrolle in Europa und der freien Welt keineswegs für unangebracht halten, und die schon immer den Verdacht hatten, es werde durch eine jüdischen Verschwörung klein gehalten und zum Schweigen gezwungen.

      Nirgendwo sagt er das, aber ungesagt brodelt die Frage: Warum wohl durfte das alles bislang nicht gesagt werden, warum wohl kann EIN Staat der westlichen Welt so abscheuliche Dinge tun, ohne sanktioniert zu werden, warum wohl hat Deutschland immer noch keinen Sitz im Sicherheitsrat, warum wohl werden wir Deutschen in der Eurozone zum Buhmann gemacht, obwohl wir retten und helfen wie die Bekloppten, warum wohl … … …

      Es gibt diverse Artikel Augsteins, die lesen sich wie das intellektuelle Kondensat eines ganzen Dutzends solcher Stammtischdebatten, die auf diese Warum-Wohl-Fragen über den Bierglasrand mit einem schweigenden Nicken antworten – und jeder weiß: Der Jud!

      Heidelbaer

      • Lieber Heidelbaer,

        willkommen zurück!

        Sie haben diese sehr bedrückende Wahrheit wunderbar auf den Punkt gebracht.

        Ihre Worte sollten in Schulbüchern abgedruckt und zur Diskussion gestellt werden.

        Vielen Dank.

        • @ heidelbaer,

          grossartige analyse und glänzend geschrieben.
          wo kann man mehr von ihnen lesen ?
          diese sachlichkeit, informiertheit und stilistische eleganz sind selten, und solche komplimente verteile ich höchstens einmal pro dezennium

          • @ benno

            Ich stimme Ihnen zu. Heidelbaer schreibt immer, damals wie heute, sehr schöne Beiträge und bleibt sogar klaren Verstandes, wenn sich sein Fell rosa färbt. Das schafft nicht jeder.

            *kopfkratz*
            ;-)

          • Danke, benno, das geht runter wie Öl. Nein viel zu lesen gibt es sonst von mir nicht, weil ich mit Beruf und Familie genug zu tun habe, als dass ich mich wirklich über ein Blog oder ähnliches regelmäßig zu Wort melden wollte.

            Vielleicht mache ich das irgendwann mal wirklich, aber bis dahin ist das eigentlich nur hier.

            Heidelbaer

      • @Heidelbaer: Was Sie schreiben, finde ich sehr interessant. Einen ähnlichen Gedanken meine ich, im Vorwort von Herrn Schneiders Buch “Wer hat Schuld? Wer hat Recht?” gelesen zu haben. Es fällt mir schwer, in Streitgesprächen genau diese Form des deutschen/europäischen Antisemitismus herauszuarbeiten. Vielleicht können Sie mich dabei unterstützen, indem Sie diese neue Strömung für mich einmal definieren, so gut es geht. Ich weiß, daß ich Sie damit vermutlich der Kritik anderer Forumsteilnehmer aussetze. Ich möchte Sie dennoch bitten, sich für mich an einer solche Definition zu versuchen.

        Cornelius

        • Liebe Lily: Danke für die Blumen *rotwerd*

          Lieber Cornelius: So eine Definition schnell mal aus dem Ärmel zu schütteln überfordert mich. Ich hatte das in bezug auf den arabischen Antisemitismus schon einmal gesagt, dass er nicht eins zu eins mit dem Antisemitismus der Nazis gleichzusetzen ist, und doch gemeinsame Wurzeln hat, und es auch Brücken und Verbindungen mindestens jedoch Sympathien gibt.

          Als relativ kurze Definitionsmöglichkeit bieten sich die bekannten 3 Ds von Sharansky an, die auch von der EU-Menschenrechtskomission vertreten werden, Dämonisierung, Delegitimierung und Doppelte Standards. Ausführlich dazu kann man etwas im Blog von Ulrich Sahm lesen.

          Die Landkarte des modernen Antisemitismus ist jedenfalls bunter geworden. Juden werden aber weiter als “Problem” wahrgenommen. (Hierzu empfehlenswert ein Kommentar im Tagesspiegel von Malte Lehming) Man muss sich klar machen, dass auch der Antisemitismus der 30er Jahre keineswegs ein persönlicher Hass von zig Millionen Individuen gegen die Juden war.

          Im Gegenteil: Fast alle Deutschen (zumindest in den Städten) hatten jüdische Klassenkammeraden, hatten jüdische Händler, jüdische Nachbarn gegen die sie persönlich nichts hatten, die sie nett fanden. “Die Judenfrage” wurde von ihnen dennoch als drängend empfunden. ‘Ich hab nichts gegen Juden, aber der jüdische Einfluss auf Handel/Finanzen/Weltpolitik ist einfach zu groß!’ so werden viele argumentiert haben.

          Oder: ‘Ich habe selber jüdische Freunde, aber es ist nun mal wissenschaftlich erwiesen, dass die arische Rasse durch die Vermischung mit anderem Blut Schaden nimmt. Es ist die Pflicht eines Führers, diesen Schaden von seinem Volk abzuwenden, auch wenn es schmerzhafte Opfer verlangt!’

          ‘Die Juden sind unser Unglück!’ Das hämmerte der Stürmer seinen Lesern als Untertitel mit jeder einzelnen Ausgabe ins Hirn. Und je unproblematischer man diese Zeile unter oder über Gedichte von Grass oder Artikel von Augstein setzen kann, desto berechtigter erscheint der Antisemitismus-Vorwurf. Zitat Malte Lehming aus dem oben erwähnten Kommentar: ” „Die Juden sind unser Unglück“ –, heißt in moderner Übersetzung: „Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden“ (Günter Grass). Damals wie heute werden dem Gegner zerstörerische Allmachtsfantasien unterstellt sowie die reale Fähigkeit, diese auch auszuleben. Aus „den Juden“ ist die Chiffre „Israel“ geworden”

          Und wenn Augstein Islamfundamentalisten mit jüdischen Orthodoxen gleichsetzt, diese ohne jede Orts und Landeskenntnis nach Tel Aviv phantasiert, und ihnen genau jenen eliminatorischen Hass unterstellt, der sie außerhalb der westlichen Wertegemeinschaft stellt – dann ist das in allen denkbaren Dimensionen einfach infam.

          (Natürlich gibt es etwas an jüdischen Orthodoxen zu kritisieren, alle “religiösen Spinner” laden zur intellektuellen Häme ein. Ihr Frauenbild, ihre Ghettobildung, ihr Weltbild – usw. Und natürlich kann man in solchen Gettos auch Gewalt provozieren, das sieht die israelische Öffentlichkeit nicht gern, aber Augstein projiziert das Steineschmeißen auf den Dizengoff, und wer versuchte, dort auf Frauen Steine zu werfen, landet schlicht und ergreifend im Knast und nicht in der Knesset.)

          Eine andere Nummer, auch aus dem Jahr 2012 von Augstein: “Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.” (das Zitat verdanke ich auch Malte Lehming).

          Hier wird wirklich für jeden Lesekundigen das Szenario einer jüdischen Weltverschwörung aufgemacht, in der die US-Außenpolitik von jüdischen Lobby-Interessen gelenkt wird, die bundespolitische Verteidigungspolitik zu einer militiärischen Vergangenheitsbewältigung ganz in den Dienst Israels und der Juden gestellt wird, so dass – wie weit weg ist das eigentlich noch von den Weisen von Zion? – am Ende die ganze Welt (!) am Gängelband (!) der israelischen Regierung (!) in den Krieg geführt wird.

          Es ist völlig absurd, zu behaupten, nur weil Augstein ganz zum Schluss noch die Kurve gekriegt hat, und artig “die israelische Regierung Netanjahu” geschrieben hat, wäre das ganze ja legitime Israelkritik und nicht antisemitische Propaganda. Denn direkt unter dem oberflächlich aufgeklebten Etikett “Israelkritik” wabert die ganze alte braune Gülle – und stinkt zum Himmel!

          Also noch mal von mir: Israelkritik bedient sich antisemitischer Ressentiments und verstärkt und verankert sie neu im öffentlichen Diskurs, wenn sie den jüdischen Einfluss auf Politik, Medien und Wirtschaft überzeichnet, wenn sie den Holocaust als Grundlegitimation der Existenz des Staates Israel in Zweifel zieht oder durch Schlussstrich-Metaphorik aus dem Spiel nehmen will, wenn sie Israel oder jüdischen Gruppen ohne jeglichen Beweis einen eliminatorischen Hass unterstellt, der sich in Vergleichen mit den Nazis oder Salafi-Terroristen äußert, oder im gleichsetzen des palästinensischen Schicksals mit dem der Juden in Deutschland der Nazizeit – was sehr subtil auch über Begrifflichkeiten erfolgen kann.

          Diese Positivliste darf nicht im Sinne eines neuen Korrektsprechs mechanisch gehandhabt werden, dass jede Äußerung vielleicht im Rahmen einer hitzigen Diskussion so auf die Goldwaage gelegt werden kann, dass man damit reihenweise (und inflationär) Leute in die Antisemitismus-Ecke stellen kann. Auch weise ich noch einmal darauf hin, dass nicht jeder, der sich (vielleicht unbedacht) solcher Argumente bedient, nun persönlich als Antisemit zu brandmarken ist. Es ist aber so, dass trotzdem jeder Tropfen aus diesem Tank teil einer Strömung wird, die definitiv absolut giftig ist, und wir sollten nicht zu entspannt sein, wenn der Hahn doch im Prinzip zu ist, aber doch beharrlich tröpfelt.

          Bei Augstein kann man aber nicht mehr von Tröpfeln reden, der ist wirklich nicht ganz dicht.

          Heidelbaer

          • Lieber Heidelbär,

            ich habe eine kleine Anmerkung hierzu. Sie sprechen von den “orthodoxen” Juden. Meinen Sie nicht eher die “Ultraorthodoxen” oder “Haredim”? Sind die Ultraorthodoxen gemeint, wenn man in Deutschland von den Orthodoxen spricht?

            In Frankreich sind die “juifs orthodoxes” der religiöse “mainstream” bzw. DIE Israel bzw. das Judentum in der Diaspora vertretende Autorität.

            Im Übrigen können Sie getrost erneut erröten. :-)) (und hinter dem Bärenfell wird’s auch keiner bemerken).

          • Guter Beitrag. Vielleicht noch ergänzend dazu, da ich gerade wieder ein Gespräch hatte, bei dem auf die Erwähnung Israels der Ausbruch folgte: “Ja die da unten müssen ja mit jedem ihrer Nachbarn Krieg machen.” Die Aussage ist per se antisemitisch. Ich habe als Antwort meinen Standard-90-Minuten-Monolog über die Geschichte Israels seit 1900 gehalten, was dazu führte, dass der Gesprächspartner erst mal verstummte. Ist er ein Antisemit? Das werde ich erst sehen, wenn in der Zukunft das Thema wieder auf Israel zu sprechen kommt. Hat er dazugelernt und drückt er sich differenzierter aus, ist er keiner. Kommt erneut die Tirade, ist er einer.

            Dazu ein Beispiel aus dem Nahen Osten, Zitat aus dem Spiegel 52/12, S. 47. Es geht um eine Mitarbeiterin aus Gaza, die mit ihrer Tochter zum ersten Mal nach Tel Aviv fahren durfte:

            “Vor allem trifft Amira zum ersten Mal Israelis: ‘Mama, warum sind hier keine Juden?’, ruft ihre Tochter mitten in Tel Aviv. In Israel leben nur Juden, und die sind alle Soldaten, hat sie in Gaza gelernt. Aber hier gibt es verschleierte Araberinnen, die am Strand grillen. Verarmte Israelis, die Leergut sammeln. Und selbst die Soldatinnen tragen pinkfarbenen Nagellack.”

            Die antisemitische Äußerung der Tochter beruht auf Nicht-Wissen und falschen Informationen. Durch die antisemitische Berichterstattung von Augstein und Co. werden auch an sich neutrale Bürger vorgeprägt. Setzt man Fakten dagegen, und zwingt sie zum Nachdenken und anschließend dazu, Stellung zu beziehen, dann scheidet sich die Spreu vom Weizen. Das Nicht-Wissen kombiniert mit den Fehlinformationen ist meines Erachtens das zweite Problem (neben der Angst, antisemitische Einstellungne offen zuzugeben), das die meisten Studien zum Thema Antisemitismus in Deutschland haben. Zusammen könnten sich die Fehlerquellen aber egalisieren.

          • Nagellack…und Militär-Miniröcke… Gut man muss es tragen können. Das habe ich bei uns noch nicht gesehen….Bei uns gibt es aber auch kaum Soldatinnen…Israel ist halt gegenüber Deutschland doch das modernere, aufgeschlossenere Land. :-)

          • @Lily: Da ich biogeographisch eigentlich vom Heidel- zum Eisbären mutiert bin, habe ich doch Sorge, dass mein Bärenfell eine zartrosa Farbe annimmt, wenn ich so liebe Komplimente bekomme. ;)

            Ich finde, es gibt zu viel “ultra-” in der Beschreibung der israelischen und jüdischen Gruppierungen. Grundsätzlich gibt es in Israel liberale, konservative, rekonstruktivistische und orthodoxe Gemeinden, die wiederum gliedern sich in Untergruppen, quer darüberweg gibt es durch die Unterscheidung zwischen westlichen und orientalischen Juden – es hat kein Ende.

            Aber sonst haben sie recht: Orthodox bedeutet ja grundsätzlich nur: Rechtgläubig, also der alten Lehre treu bleibend. Das sind die meisten Juden irgendwie, auch wenn sie nicht mit Kaftan und Pejes rumlaufen, ihren Ehefrauen die Haare abrasieren und mit Steinen auf Leute werfen, die am Sabbat Auto fahren. Meinetwegen nennen wir sie Ultras, wie sie in den selbstgewählten Ghettos wie Mea Shearim wohnen, vom Tal Gesetz profitieren und alimentiert von reichen Juden ohne besondere Gesetzestreue eine stellvertretende Frömmigkeit fast wie unsere mittelalterlichen Klöster leben.

            Die Gefahr, ihnen mit den Ultra-Etiketten gleich eine Gewaltbereitschaft anzukleben, ist allerdings groß. Grundsätzlich sind diese Ultras aber friedlich, ja zum Teil sogar leidenschaftliche Gegner des jüdischen Staates, weil sie finden, dass Menschen nicht etwas selber basteln sollen, was erst Gott selbst und sein Messias errichten sollen.

            Heidelbaer

          • @ Heidelbaer

            Ich kann verstehen, dass Sie einen Bogen um die Ultra-Bezeichnungen machen, aber es kann doch hilfreich sein, möglichst exakte Benennungen zu suchen, damit der Rezipient weiss, wer genau gemeint ist.

            Natürlich ist das problematisch, wenn “orthodox” nicht überall dasselbe meint. Heute bin ich jedoch an einem Artikel hängengeblieben, in dem darauf hingewiesen wurde, dass das israelische Oberrabbinat (heisst das so?) (ultra!)orthodox gesteuert wird, und das regelt auch alle zivilrechtlichen Angelegenheiten (wäre vielleicht auch einmal ein interessantes Blogthema).

            Hier (in Frankreich) sind es die Orthodoxen, die man in Israel wohl eher als “traditionalists” bezeichnet, und die Ultras sitzen mit den nur-Orthodoxen hier bei vielem nicht in einem Boot.

            Ja, und in Israel spielen auch noch andere Unterscheidungen eine nicht unbedeutende Rolle…

            Es wäre wohl einfacher, “ultra” und die anderen Trennungsmerkmale wegzulassen, aber sie sind doch auch nicht ganz unwichtig, wenn man versucht zu verstehen, wir da mit wem oder gegen wen… besonders auch jetzt während des Wahlkampfs.

            PS: Ich fahre übrigens ein Auto in Ihrer Fellfarbe (vor der Mutation) ;-)

      • @Heidelbaer

        Schön wieder etwas von Ihnen zu lesen. Interessant: heute findet sich unter tagesspiegel.de folgender Artikel: “Was im 21. Jahrhundert antisemitisch ist” Die Wortwahl ist eine andere, aber der Inhalt fast identisch.

        Interessant auch der “Exkurs” über “Am deutschen Wesen soll die Welt genesen”, der eigentlich keiner ist, sondern nur die andere Seite der Medaille.

          • Gestern gab es auch einen sehr schönen Artikel in der Online-Welt von Matthias Künzel. Er stellt sich wohltuend gegen die ganze Empörungswelle, und stellt einige kluge Fragen:

            * Warum halten sich Augstein und Co für kompetenter, Antisemitismus zu beurteilen als das SWC und Broder? (bei letzterem darf man sich über Wortwahl und Stil mokieren, aber er hat schon eine sehr präzise Wahrnehmungsgabe, da kann man nichts daran ändern, übrigens hat er sich für Wortwahl und Stil auch entschuldigt. Darauf warten wir bei Augstein wohl noch lange…). Vor allem ist es ziemlich interessant, dass die Anmaßung, Antisemitismus besser beurteilen zu können als die Juden auch für die eigene Person zu gelten scheint, was schon recht bizarr anmuted.

            * Ist uns eigentlich klar, dass durch diese Tabu-Brüche von Augstein und Co die Gefahr von mehrheitsfähigem Rechtspopulismus gedankenlos geschürt wird? Es gab einen Konsens in den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Eliten, dass man Ressentiments der Bevölkerung nicht durch populistische Sprüche Nahrung gibt. Nun gerieren sich nacheinander die gefühlten Speerspitzen der links-intellektuellen Szene als Opfer des kriegstreibenden, kritikimmunisierten und weltweit vernetzten in der Bundesrepublik meinungsführenden Judentums. Welche Geister werden da gerufen, und werden unsere Zauberlehrlinge sie je wieder in die Flasche kriegen?

            * Für Israel ist es von existentieller Bedeutung, sich angesichts der Vernichtungsphantasien, die nicht nur in Teheran, sondern auch in Kreisen ägyptischer Muslimbrüder und selbstvertändlich in Palästina kursieren, auf seine Verbündeten verlassen zu können. Ist denen, die Augstein verteidigen, eigentlich klar, dass die linksintellektuelle Israelkritik (mit gleichzeitiger Verharmlosung des Islamismus und schlichter Leugnung der Tatsachen was die iranischen Drohungen angeht) zu einer realen Bedrohung Israels werden kann (Künzel spricht von einer Zangenbewegung)?

            Künzel stellt mutige Fragen, und ich hoffe, sein optimistischer Blick, dass sich die Wahrheit am Ende durchsetzen wird, und Augstein und Co auf die lange Sicht ins Unrecht setzen werden, behält recht.

            Heidelbaer

      • Der gestrige Beitrag von Denis MacEoin auf der website des Gatestone Institute wird sie sicher interessieren.

        • Danke, auch wenn er sehr lang war und wenig erfreulich. In der Tat besteht derzeit wenig Hoffnung, dass die Christen zwischen Juden und Moslems, zwischen Arabern und Israelis irgendeine Vermittlerrolle einnehmen könnten. Dafür ist einerseits die Geschichte zwischen den drei Volksgruppen zu blutig (und nein, das betrifft nicht nur das ausgelatschte Argument der Kreuzzüge, sondern auch Ereignisse wie die schrecklichen Massaker von Sabra und Shatila), es hat auch damit zu tun, dass die christlichen Minderheiten in Israel und Palästina teilweise wirklich an einer Art “Stockholm-Syndrom” leiden.

          Während ich bei den christlichen Palästinensern noch irgendwie Verständnis für ihre israelkritische Haltung habe, ist es dagegen wirklich beschämend, wenn ihre westlichen Brüder und Schwestern in falsch verstandener Solidarität völlig unkritisch ihre “Narrative” übernehmen.

          Natürlich gibt es auch dafür Erklärungen: die alten Amtskirchen (Anglikaner oder auch unsere evangelischen oder katholischen Landeskirchen) haben traditionelle Beziehungen zu den arabischen Gemeinden in Palästina (die zum Teil regelrechte Filialkirchen des Mutterlandes sind – wie die Erlöserkirche in Jerusalem). Das kommt noch aus dem kolonialen Zeitalter. Damals gab es faktisch nur arabische Christen dort (außer westlichen Einwanderern und Pilgern). Die Juden im Heiligen Land waren ja eben Juden, und Mission unter den Juden gab es damals praktisch gar nicht, weil man sich damit abgefunden hatte, dass der liebe Gott sein Volk Israel verworfen habe (sog. Ersatztheologie), und nun nur noch seine Christen liebhat (theologischer Unsinn, falls das jemandem nicht klar sein sollte – Bibelleser wissen mehr!).

          Diese traditionellen Verbindungen bestehen weiter, und so gibt es gerade in den Landeskirchen so ein Gefühl, als gehörten die Araber “zu uns” und die Juden sind diejenigen, die das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Christen plötzlich so schwer gemacht hätten. Das ist natürlich Unfug, denn solange die Christen in der Kolonialzeit die Kanonenboote und Bajonette des Empires auf ihrer Seite hatten, kann man nur schwer ein Urteil über die arabisch-muslimische Toleranz fällen.

          Heute jedenfalls werden die arabischen Christen in eine Art Hyper-Assimilation gedrängt. Um sich jedes Verdachts der Verräterei oder schnell als Parteinahme verstandenen Neutralität zu entledigen, bemühen sie sich, in ihrer Polemik gegen Israel, mindestens mit ihren muslimischen Mit-Palästinensern gleichzuziehen, womöglich sie sogar noch zu übertreffen.

          N.B. Das Phänomen der Hyperassimilation gerade gegen den gemeinsamen Feind kennen wir auch von den jüdischen Deutschen rund um den 1. WK, der Hassgesang gegen England vom jüdischen Dichter Lissauer ist nur ein prominentes Beispiel dafür.

          Ein ähnliches Phänomen gibt es übrigens auch auf der anderen Seite zu “bewundern”. Heute gibt es ja mittlerweile Mission unter jüdischen Israelis, und zwar vor allem vom freikirchlich-evangelikalen Millieu aus. Diese so entstandenen “messianisch-jüdischen” Gemeinden zeichnen sich nach meiner Beobachtung wiederum oft durch eine sehr kritiklose Haltung gegenüber der israelischen Politik aus, und versuchen ihrerseits auch nationale und zionistische Juden noch rechts zu überholen. Eine der schillerndsten Figuren aus dieser Szene ist vielleicht Ludwig Schneider mit seinen “Nachrichten aus Israel”, die in der evangelikalen Szene viel gelesen werden, und z.B. auch von idea (der Nachrichtenagentur der Evangelischen Allianz) kritiklos übernommen werden.

          Es ist schon ein Stück absurdes Theater, dass also auch der Konflikt zwischen Landeskirchen und evangelikaler Bewegung hierzlulande am Ende auch im Heiligen Land ausgetragen wird – als hätte man dort nicht genug Konflikte und Kummer. Aber vielleicht ist das eben doch so etwas wie die Berufung oder Erwählung dieses Ortes, dass es zum Brennpunkt diverser Konflikte unserer Welt wird, ob Ost ob West, ob Islam, Judentum und Christentum, ob Demokratie und Diktatur, ob dies oder ob das.

          Heidelbaer

  5. mit Verlaub Herr Schneider, Sie bemühen sich zwar um die politisch korrekte Mitte, geschmückt mit weisen Worten des Abwägens und der Toleranz. Manche Ansätze kann ich verstehen. Oft liegen Sie – genauso wie jeder von uns (ausser mir natürlich) . grandios daneben. Und hier liegt das Problem. Journalisten gibt es kaum mehr. Wirklich Hintergründe erforschen, Meinungen kenntlich machen, Artikel schreiben dass der Blätter- und Bilderwald wieder mehr zu bieten hat als alternativlosen Mainstream. Und dazu zähle ich Ihre Artikel meist auch, so “mutig” und “anders” sie auch klingen mögen. Kleine nebenfrage: Sind Sie eigentlich Kolumnist oder immer noch ein für uns (die Öffentlichkeit) arbeitender Journalist? Dass WIR ihr Arbeitgeber sind, sollten die “Journalisten” der “öffentlich-rechtlichen” auch lieber ab und zu mal bedenken. Danke

    • Das ist wieder mal ein sehr guter Artikel, der mir aus der Seele spircht.
      Natürlich darf man Israel kritisieren. Obwohl es gibt keinerlei Grund das Land Israel und den Staat Israel an sich zu kritisieren. Es sei denn man ist Antizionist und spricht dem Staat Israel das Existenzrecht ab. Israel, d .h. die israelische Politik wird jeden Tag kritisiert. In Deutschland, von der EU. In der Knesset, von den Medien, von zahlreichen NGOs in Israel.

      Jetzt zum Thema Augstein und zur Frage des SWC, ob sich in Augsteins Texten antisemitische Verleumdungen finden. Um diese Frage beantworten zu können muss man sich mit 2. Dingen beschäftigten und ich glaube, dass haben, diejenigen, die Augstein so vehement verteidigen nicht getan.

      1,) Mit Augsteins Veröffentlichungen
      2.) Mit der Frage, wie Antisemitismus heute definiert wird und in welchen Varianten heute Antisemitismus vorkommt:

      Niemand kommt auf die Idee – auch nicht das SWC – jemanden deshalb des antisemetischer Verleumdungen zu bezichtigen wenn man israelische Politik kritisiert. Hätte Herr Augstein etwa die israelische Siedlungspolitik oder die Einziehungspraxis zum israelischen Militär oder die Entwicklung der Mietpreise in Tel Aviv kritisiert, oder hätte er gesagt, dass er die Blockade des Gazastreifen für falsch hält, nichts wäre geschehen. Das Simon Wiesental-Center bezichtigt Augstein nach dem Studium seiner Veröffentlichungen, wohl deshalb antisemitischer Verleumdungen, weil er antisemitische Ressentiments bedient. So schrieb Augstein – klassisch antisemitisch – wohl einer Fehldeutung der Talionsformel folgend – bestimmte orthodoxe Juden folgten in der tagesaktuellen politischen Auseinandersetzung dem „Gesetz der Rache“
      Augstein scheut nicht davor zurück die israelische Politik gegenüber den Palästinensern mit der Judenvernichtungspolitik der Nazis zu vergleichen, wenn er mit Blick auf den Gazastreifen von einem „Lager“ spricht. Es ist wohl keine Überinterpretation, wenn man annimmt, er habe dabei eher Konzentrations- und Vernichtungslager als an Möbel- oder Warenlager gedacht. Darüber hinaus scheint Augstein anfällig für antijüdische Verschwörungstheorien, wenn er fernab jeder nachvollziehbaren politischen Analytik behauptet, die israelische Regierung profitierte von den aktuellen gewaltsamen, innerarabischen Konflikten, etwa in Libyen oder in den Nachbarländern Ägypten,und Syrien. Dass Juden hinter allen möglichen Konflikten in der Welt stecken und aus ihnen Vorteile ziehen, kann man so ähnlich auch in den „Protokollen der Weisen von Zion“ oder in der durch und durch vernichtungsantisemitischen Charta der Hamas lesen. Herr Augstein dämonisiert Israel in alle höchste Höhen, während er den iranischen Diktator Ahmadinechad und die Terrorgruppe Hamas und all jene, die Israel mit Vernichtung drohen und die Israel angreifen und den jüdischen Staat vom ersten Tag seiner Existenz an angegriffen haben, in Grund und Boden verharmlost.

      Meine Bitte machen Sie genau so erfrischend weiter. Es wird immer Leute geben, die Ihnen in den ein oder Frage nicht 100%ig zustimmen (myself incl.) Das macht es ja gerade so spannend.

      • Heidelbaer schrieb oben, daß Herr Augstein einer neuen Antisemitismusströmung angehört – Sie schreiben von “klassischem Antisemitisums”. Liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen? Gibt es also eine neue Strömung mit ganz klassischen Elemten? Auch an Sie die gleiche Frage wie an Heidelbaer (die sich partiell mit Ihrer Frage (2) überschneidet). Wie definieren/beschreiben Sie die Antisemitismusströmung, in deren Klasse Herr Augstein fällt? (auch wenn wir uns hier in vereinfachte Kategorien begeben sollten…)

        • Hallo Cornelius,

          bei Herrn Augstein kommen eine ganze Reihe antisemitischer Ressentiments zusammen. Er ist vor allen Dingen ein Verschwörungsideologe. Klassischer Weise wird schon den “Protokollen der Weisen vom Zion” der antisemitisch motivierten Fälschung des zaristischen Geheimdienstes von Anfang des 20. Jahrhunderts, davon geredet, dass die Juden wie Puppenspieler an den Fäden der Weltpolitik ziehen, dass sie hinter allen möglichen Konflikten in der Welt stecken und von ihnen profitieren. Das war immer schon eine Lüge. Ein Märchen, das keinerlei Anhalt an der Realität hatte. Herr Augstein überträgt das auf die heutige Politik des Staates Israel. Wenn er zum Beispiel absurderweise behauptet, Israel profitiere von den Konflikten in Lybien oder Syrien oder wenn er schreibt “Wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin” oder wenn er behauptet, der Einfluss der Juden auf amerikanische Politik sei besonders groß, die amerikanische Politik werde quasi aus Jerusalem gelenkt. Auch das ist ein uraltes Gerücht, das mit der Realität nichts zu tun hat. Wenn die amerikanische Politik nicht ganz so antiisraelisch ist wie die anderer Staaten, dann hängt das wohl mit strategischm Denken zusammen, damit dass man Empathie empfindet, für diejenigen, die genauso von Terror bedroht sind und genauso, wenn nicht noch schlimmer, davon getroffen wurden, und genauso von Radikalen gehasst werden, wie man selbst. (Das Stichwort, was immer wieder in der islamistischen Propaganda fällt, heißt: Kliener Satan = Israel und Großer Satan = USA) Beide Staaten kooperieren z. B. auch in der Terrorabwehr. Aber darauf, dass amerik.-isr. Kooperation realpolitische Hintergründe haben könnte, kommt Augstein nicht, er faselt lieber von der Israellobby und von der Banken- und Medienmacht der Juden, die die Amerikaner und andere manipuliere.

          Ein weiteres Element des klassischen Antijudaismus, das häufig – nicht nur bei Augstein – auf Israel übertragen wird, und ist der Vorwurf, dass israelische Politik einem angeblich alttestamentlichen Racheprinzip folge, wobei dem biblischen Text massiv Gewalt angetan wird, um der griffigen Schlagzeile wegen. Hierzu immer wieder zu empfehlen, den Aufsatz des Heidelberger Alttestamtlers M. Oeming mit dem Titel “Auge um Auge” zu ergoogeln.

          Ein letztes was man immer wieder – und andeutungsweise auch bei Augstein – findet: Der Vergleich der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern mit der Judenvernichtungspolitik der Palästinenser. Eines der bekanntes Beispiele: Ein deutscher katholischer Bischof ließ sich vor einigen Jahren bei einer Pilgerreise ins Heilige Land sinngemäß zitieren: “Gestern sahen wir in Yad Vashem die Bilder vom Warschauer Ghetto, heute sind wir im Westjordanland im Ghetto Ramallah” Absurder geht es nicht.

  6. Immerhin berichtet Augstein über Sachen die sonst nirgendwo in den Deutschen Medien berichtet werden, weil sich sonst anscheinend niemand traut darüber zu berichten. Und genau deswegen, weil er nicht schweigt, wie so viele andere, wird er als Antisemit verleumdet. Ich habe z.B. nirgednwo anders in den Deutschen Medien, im Gegensatz zu ausländischen Medien darüber gelsen, dass Israel kurz vor dem letzten Angriff auf Gaza einen Palästinensischen Jungen beim Fußball spielen erschossen hat. Solche Sachen soll der Deutsche Leser anscheinend nicht wissen. Aber das ist typisch, vor allem für die öffentlich rechtlichen. Aus Syrien werden uns immer wieder Amateuraufnahmen gezeigt, aber Amateuraufnahmen vom Gazamassaker von 2008/09 werden uns in den öffentlich rechtlichen Medien vorenthalten. Warum nur?

    • Ihre Versuche unbelegbare Behauptungen hier immer wieder zu verbreiten grenzen an Geschmacklosigkeit, ich bin mir allerdings sicher ,das Niveau der Leser hier im Blog ist einfach zu hoch , um auf eine solch plumpe Propaganda Verbreitung reinzufallen.
      Die billige Propaganda Pallywoods zieht hier nicht : “Kinder werden getötet” “Ethnische Säuberungen finden statt” “Israel ist ein Apartheid Staat” “Gaza ist ein Freiluftgefängnis” “Palästinenser werden jeden Tag aus ihren Häusern vertrieben”
      Haben Sie nicht was Neues auf Lager???? Echte Argumente ????
      Sie betreiben blanke Propaganda anstatt konstruktiv zu argumentieren.

      • Bla Bla Bla, wollen sie mir das Wort verbieten, nur weil sie mit der Wirklichkeit nicht leben können und diese lieber verdrängen?

    • Erklären Sie mir das genauer. Werfen Sie den öffentlich-rechtlichen Medien vor, daß diese einseitig und systematisch israelische Militäraktionen gegen Palestinänser vertuschen, während sie auf der anderen Seite über palestinänsische Angriffe auf Israel umfassend berichten? Ist das Ihr Vorwurf? Legen Sie mir das einmal genauer dar anhand einer Liste von denen aus ihrer Sicht relevanten Geschehnissen während eines längeren, von Ihnen gewählten Zeitraums und wie darüber zum Beispiel in der Tagesschau berichtet oder auch nicht berichtet wurde…

      • Sry die Zeit für so eine Arbeit habe ich nicht. Die Frage ist halt warum uns im öffentlich-rechtlichen Amateuervideos aus dem Irak gezeigt werden und gesagt wird, dass das in Syrien passiert sein soll und wir keinerlei Videomaterial vom Gazamassaker 2008/2009 gezeigt bekommen haben, obwohl es genug Videomaterial gibt. Aljazeera und freie Journalisten haben ja damals aus Gaza berichtet, obwohl die Israelis versucht haben keine Bilder aus dem Gazastreifen raus kommen zu lassen.

        • Mein Gott…Es sind ständig al-jazeera-Bilder aus Gaza in deutsche Wohnzimmer übertragen worden. Auch von der Tagessachau, weil es in Tat keine Bilder von unabhängigen Journalisten gab. Dass man keine Journalisten hingelassen hat 2008/09 war ein schwerer Fehler. Deshalb standen Nachrichtenredaktionen nur die Propagandabilder arabischer Sender zur Verfügung. 2012 hat man Journalisten richtigerweise hinein gelassen, auch als Lehre aus dem Krieg zuvor. Ihre Freunde von der HAMAS haben unabhängige Journalisten behindert, ja sogar festgehalten.

          Hören Sie doch auf hier – vom Hass zerfressen – Unwahrheiten zu verbreiten. Völlig zurecht geht auf Sie und ihre Propaganda niemand mehr ein.

          • “Ihre Freunde von der HAMAS haben unabhängige Journalisten behindert, ja sogar festgehalten.

            Hören Sie doch auf hier – vom Hass zerfressen – Unwahrheiten zu verbreiten. Völlig zurecht geht auf Sie und ihre Propaganda niemand mehr ein.”

            Hören sie endlich auf mich persönlich zu beleidigen. Ich habe keine Videos aus Gaza 2008/2009 im Deutschen Fernsehen gesehen. Vielleicht hab ich ja was verpasst. Sie können mir ja gerne sagen wo ich die Videos finde …

          • @Jörg Jarolimeck
            “2012 hat man Journalisten richtigerweise hinein gelassen, auch als Lehre aus dem Krieg zuvor. Ihre Freunde von der HAMAS haben unabhängige Journalisten behindert, ja sogar festgehalten.”

            Naja… da konnten ja die “unabhängige Journalisten” nichts dafür und wir dürften darüber berichtet werden.
            Auch konnten vor und 2012 unabhängige Journalisten über Ägypten nach Gaza kommen, wenn sie es nur wollten oder dürfen.

            Das könnten sie übrigens auch Heute und die Welt über Hungernden (oder auch nich) oder Wasserknappheit (oder auch nicht) oder Armut (oder auch nicht) unterrichten. Sie könnte uns auch mal Luxushotels, Luxus-Einkaufsmeiler, Wasser-Vergnügungsparks vorstellen und zeigen anstatt nur die immer wiederkehrenden Bilder von Steinhaufen, Müllhalden und verwahrlose Kinder.

  7. Augstein ist vor Allem ein Wichtigtuer dem es in erster Linie um Selbstdarstellung geht.
    Wer sich wichtig machen will ,ob Politiker oder “Journalist” versucht es mit dem Nahostkonflikt. Von all diesen Clowns gibt es aller Arten, die mich am meisten zum lachen bringen, sind Beispielweise all jener , die selbst eine Rabenschwarze Geschichte aufweisen. Spanische Politiker zum Beispiel die nach Israel kommen und Israel belehren wollen. Aus einem Land ,das seine Juden mit dem Edikt vom 31. März 1492 vertrieben und enteignet hat und die wenigen ,die blieben in den Scheiterhaufen verbrannte.
    Ein Land , das 500 Jahre lang ein Genozid dem 20 Millionen Indianer zu Opfer fiel betrieb , ein Land ,das die Basken besetzt hält , ein Land, das Ceuta und Mellia in Nordafrika beansprucht. Tja Politiker so eines Landes gehen tatsächlich nach Israel und sprechen von “Besetzten Gebieten“. Und das machen all die anderen Heuchler ebenfalls , alle wollen vermitteln , die Lösung finden , sich wichtig machen….
    Alle versuchen es , es heißt Bush Junior gab Obama den Rat auf den weg , die Hände vom Nahostkonflikt zu lassen, bekanntlich konnte er es nicht sein lassen , die Versuchung war zu Groß.
    Tja Alle versuchen es auf kosten der Juden und auf Kosten der Araber….. Vom Präsidenten der USA bis hin zu vermeintlichen Journalisten ,alle kennen die Lösung des Problems , meisten eine Lösung , die auf Lasten der Juden geht , früher erboste ich , heute lache ich nur noch.

    • @AlexP
      Wie du selbst richtig beobachtest, so ist das Niveau der Leser dieses Blogs so hoch, dass keiner auf plumpe Propaganda ‘reinfällt’. Sehr beruhigend.

  8. Ist es nicht auch Ihr Vergehen wenn wir den Nahostkonflikt nicht verstehen? Ist es nicht Ihre taeglich Arbeit uns ueber Hintergruende und Zusammenhaenge zu informieren? Bei allem Respekt wie kann ein Jornalist von seinen Lesern glauben/behaupten keine Ahnung zu haben. Als treuer Leser Ihrer Berichte weiss ich zwieschen den Zeile zu lesen, weiss ich das Sie nicht neutral sind/sein koennen.
    In Liebe zu Israel, La Chaime Israel
    Ein Grieche

  9. “früher erboste ich , heute lache ich nur noch.”

    Sie machen es richtig, und wenn sie auch noch den Alkohol und das Pfeiferauchen bleiben lassen, so leben sie gesünder und werden sicher 100 Jahre alt!

    • “Sie machen es richtig, und wenn sie auch noch den Alkohol und das Pfeiferauchen bleiben lassen, so leben sie gesünder und werden sicher 100 Jahre alt!”

      Ein umfassender, differenzierter Post von atemberaubender intellektueller Brillanz. Chapeau!

      Beweisen Sie mir das Gegenteil ! argumentieren Sie !
      Es ist unerfreulich das Nievau des Blogs mit solch qualitätsarmen Aussagen zu proletarisieren.
      Übrigens Jean-Jacques Rousseau sagte mal : “Die Beleidigungen sind die Argumente jener, die über keine Argumente verfügen.“

      • Mein Lieber,

        heute morgen kam ein Patient zu mir herein und erklärte, er habe ständig das Gefühl, wo auch immer er hinkomme, überall warten alle nur darauf, ihre Pfeile nur auf ihn zu richten. Warum ist das so? Hat Herr P. einen Grund, so zu empfinden?

        Ich schaue hier nur gerade vorbei. Ich habe keinen Pfeil auf Sie gerichtet. Sie leiden unter Ungerechtigkeiten. Früher sind Sie erbost, heute lachen Sie lieber darüber. Die Bitterkeit Ihres Lachens konnte niemandem entgehen.

        Wenn Sie aber wirklich Abstand nehmen können, von sich selbst, vom erlebten Unrecht und lernen zu lachen über die Dinge, über die Sie früher erzürnt sind, dann leben Sie leichter, gesünder und glücklicher.

        Meine schlichten Worte waren ernst gemeint. Ich hatte nicht die Absicht, Sie zu beleidigen.

        Hochachtungsvoll

        • ein arzt also. ein psychiater? was haelst du von menschen, welche in voellig anonymen foren ein dr. vor ihrem acronym setzen? oder ist es bloss ein gewoehnungssache?

          • Es gibt zahlreiche Gründe, aus denen anonyme Foristen sich mit einem Dr. in die Gesprächsrunde einbringen. Vielleicht ist es die Gewohnheit, vielleicht Ausdruck von Fachkompetenz in einem nicht näher benannten Bereich, oder es verbirgt sich dahinter das genaue Gegenteil: ein Mangel an besagter Fachkompetenz, der mit einem Titel ausgeglichen werden soll, oder der “Dr.” bietet das letzte Stückchen Halt, da man sich selbst auf eine anonyme Grösse reduziert sieht?

            In meinem Fall handelt es sich um eine hommage an einen hoch kompetenten und sehr geliebten Arzt, der dem Leben leider viel zu früh entrissen wurde. Der Patient hat die Worte wie genannt gesprochen.

            Überrascht?

            Und welches ist Ihr Problem mit einem “Dr” vor dem Kürzel?;)

        • Hallo Dr. LW,
          „Meine schlichten Worte waren ernst gemeint. Ich hatte nicht die Absicht, Sie zu beleidigen.“

          Einerseits glaube ich Ihnen das, andererseits hatte ich bei Ihren Worten über das „gesunde Leben“ irgendwie das Gefühl von „wohlwollendem/gnädigem Belehren“.

          Wenn Sie als Psychotherapeut (ich nehme an, Sie sind ein Psychotherapeut) erkennen, dass jemand z. B. viel Ungerechtigkeit von seinen Mitmenschen erfahren hat, dann finde ich, wirken solche Ratschläge fast wie Hohn.

          • @ Negotiations

            Nein, meine Worte enthielten kein herablassendes Belehren.

            Wenn jemand viel Ungerechtigkeit von seinen Mitmenschen erfahren hat, und ich begrüsse, dass die Person – endlich – darüber lachen kann, so hat das einen einfachen Grund. Ärger als Antwort auf erfahrenes Unrecht schafft nicht Recht und trifft nicht diejenigen, die für die Ungerechtigkeit verantwortlich sind. Er vergiftet einzig das eigene Herz.

            Der Ärger ist eine Antwort unseres verletzten Egos. Der Ärger ist eine natürliche Reaktion, ein Impuls, der die Verletzung nicht zu heilen vermag. Wenn wir den Ärger loslassen, ihn über Bord werfen können, wird es uns in jedem Fall besser gehen. Nicht immer geht das ‘einfach so’. Manchmal genügt es, sich den Ärger von der Seele zu reden, oft braucht es viel Zeit. Es steckt viel Energie in so einer Ladung Ärger, die einen zum Lachen bringen kann und die man auch auf andere Weise positiv verwandeln kann: Mit welcher Tat kann ich selbst etwas für die Gerechtigkeit tun?

            Es hilft auch, den Blick zu weiten, anzuerkennen und darauf zu vertrauen, dass es eine Gerechtigkeit gibt, die wir im Kleinen nicht erkennen können, weil sie uns verborgen ist.

          • @ anon

            Ich habe in meinem Post eine falsche Bezeichnung gewählt: statt “viel Ungerechtigkeit” müsste es heißen “Grausamkeit”.

            Sie schreiben, dass es für die betroffene Person selbst gut ist, wenn sie endlich über die Ungerechtigkeit lachen kann. Ich finde, Sie haben recht, aber es trifft meiner Meinung nach für die Peanuts unter den Ungerechtigkeiten zu.

            Wie soll jemand über etwas lachen, das vom Ausmaß der Grausamkeit her einer Vergewaltigung gleichkommt. Und wenn diese Person dann zusätzlich zu dieser Demütigung auch noch mitansehen muss, dass den Tätern nichts geschieht: Null Konsequenzen, alles unter den Teppich gekehrt – im Gegensatz, sie führen ein erfolgreiches Leben, sind angesehene respektierte Bürger. Wenn man dann versucht, die Wahrheit auch nur im Ansatz anzusprechen, glaubt einem niemand und jeder Versuch bringt nur das Opfer in Schwierigkeiten, während die Täter als die Helden gefeiert werden.

            Wie soll man damit klar kommen? Die einzige Hoffnung, die bleibt, ist, dass Gott alles gesehen hat, und zu Seiner Zeit die Gerechtigkeit bringen wird.

          • “Wie soll jemand über etwas lachen, das vom Ausmaß der Grausamkeit her einer Vergewaltigung gleichkommt.”

            Sie haben Recht. Lachen wäre zu viel verlangt und eine solche Hoffnung deplatziert. Die Person wird niemals über das erfahrene Leid lachen können, aber vielleicht doch grundsätzlich Lebensfreude in anderen Bereichen wiederfinden.

            “Und wenn diese Person dann zusätzlich zu dieser Demütigung auch noch mitansehen muss, dass den Tätern nichts geschieht: Null Konsequenzen, alles unter den Teppich gekehrt – im Gegensatz, sie führen ein erfolgreiches Leben, sind angesehene respektierte Bürger. Wenn man dann versucht, die Wahrheit auch nur im Ansatz anzusprechen, glaubt einem niemand und jeder Versuch bringt nur das Opfer in Schwierigkeiten, während die Täter als die Helden gefeiert werden.”

            Jetzt sind Sie wieder bei der “Ungerechtigkeit”. Die Ungerechtigkeit geht zurück auf brutal erfahrenes Leid, nicht “nur” auf emotional empfundenes. Die Welt ist voll der Ungerechtigkeit solcher Art, für die es eine Erklärung geben muss. Eine Erklärung hilft verstehen, auch wenn sie nicht unmittelbar Gerechtigkeit schafft.

            “Wie soll man damit klar kommen? Die einzige Hoffnung, die bleibt, ist, dass Gott alles gesehen hat, und zu Seiner Zeit die Gerechtigkeit bringen wird.”

            Auch wenn im Moment niemand zuhören will, so hilft das Niederschreiben des Erlebten.

            Wird der Mensch vom Erlebten frei werden, wenn er sieht, dass “Gerechtigkeit” geschaffen wird? Wie soll diese Gerechtigkeit aussehen? Der/die Täter/in/nen können weggesperrt werden, aber die erfahrene Grausamkeit bleibt doch in der Erinnerung.

            Die Vorstellung, dass Gott schon alles gesehen haben wird und zu seiner Zeit Gerechtigkeit bringen wird, ist problematisch. Ich höre ein ‘Er wird schon seine gerechte Strafe bekommen’ heraus – Rache, Vergeltung.

            Der Täter hat eine enorme Schuld auf sich geladen, die die anderen Menschen in Ihrem Beispiel nicht sehen wollen, und so lastet sie weiter auf seiner Seele. Er nimmt diese Last möglicherweise mit ins Grab… – Welch Strafe!

            Manchmal suchen wir die Gerechtigkeit nur nach unseren eigenen Vorstellungen und sehen nicht, wie sie ohne das Zutun Dritter geschaffen wird.

          • “Die Vorstellung, dass Gott schon alles gesehen haben wird und zu seiner Zeit Gerechtigkeit bringen wird, ist problematisch. Ich höre ein ‘Er wird schon seine gerechte Strafe bekommen’ heraus – Rache, Vergeltung.

            Der Täter hat eine enorme Schuld auf sich geladen, die die anderen Menschen in Ihrem Beispiel nicht sehen wollen, und so lastet sie weiter auf seiner Seele. Er nimmt diese Last möglicherweise mit ins Grab… – Welch Strafe!”

            Oh well. Und wenn die Grausamkeit zu Lebzeiten erneut ausbricht, was dann?

            Und wenn das Opfer weiterhin in Angst lebt??

            Sie machen es sich zu einfach, anon!

    • Bin ich im falschen Film? Ich wusste nicht das hier das Thema Alkohol, Rauchen und wie werde ich 100Jahr ist. Zufaellig beobachte und versuche seit Jahren zu verstehen warum Israelis/Juden oft ein hohes Alter erreichen, abgesehen von denjenigen die ihr Leben im Holokaust und Progromen liessen. Warum sterben Ägypter wesentlich frueher, erreichen kein hohes Alter? Da ich Freunde aus beiden Volksgruppen habe sehe ich die Unterschiede in der Lebensauffassung und komme der Erkenntnis immer naeher.
      Der Grieche

  10. Es gibt in Deutschland Antisemitismus. Undenkbar ist es nicht, daß selbst in den Eliten antisemitisch gedacht wird. In der deutschen Gesellschaft wird viel Unrecht nicht geahndet. Mir wurde ins Gesicht gesagt:”Wo kein Kläger, da kein Richter.” Und ich wurde systematisch mit allen illegalen Mitteln und Methoden daran gehindert, den Weg zu gehen, den der Rechtstsaat vorsieht. Warum ist das erwähnenswert? Einfach aus dem Grund, daß das Recht kein Hindernis mehr ist, an Menschen Unrecht geschehen zu lassen. Diese Haltung hat sich in der ganzen Gesellschaft verbreitet. Wer diese Entrechtung zu läßt, begibt sich wieder auf den Weg nach Auschwitz. Und das beachtliche ist, es gibt Leute, die lachen darüber !!!

    In diesem Zusammenhang muß auch dringend darauf hingewiesen werden, wie weit die NSU-Terrorzelle gehen konnte. Es muß auch auf die Debatte um das NPD-Verbotsverfahren hingewiesen werden. Beamte, die die Verfassung schützen sollten, sehen es als erprobtes Mittel an, ausgewiesene Nazis für Spitzeldienste zu entlohnen. Wie blind muss man auf dem rechten Auge sein, um nicht zu erkennen, wer hier wem aus der Hand frisst. Demokratisch-gewählte Poltiker, die auf der Grundlage unserer Verfassung mit Mandaten versehen wurden, können nicht mehr gegen die Feinde der Demokratie argumentieren.

    Wie sieht es aus mit der Aufarbeitung der Stasi-Strukturen? Und wenn auf dem linken Auge der Rechtstaat nichts mehr sieht, braucht man gar nicht mehr wegschauen.
    Es hinterfragt keiner, wo die ehemaligen DDR-Eliten wieder aufgetaucht sind. Die konnten einfacher auf Grund ihrer privilegierten Ausbildung den gesellschaftlichen Anschluß finden. Systemkritikern wurde einfach der Zugang zur Hochschule verwehrt.

    Geht dieses aus der Hand fressen weiter, wechseln die Kälber, bleiben die Tröge? Vermutlich ja solange Münchner Polizeipräsidenten es vorziehen, mit den Ghaddafis dieser Welt im Bayrischen Hof zu speißen, anstatt die Rechtsmittel auszuschöpfen.
    Danach winkt auch noch die Beförderung zum BKA-Präsidenten. Diejenigen die die Macht in unserer Gesellschaft inne haben, verabschieden sich in immer größeren Umfang davon, mit der Macht auch verantwortlich im Sinne des Grundgestzes umzugehen. Und, Herr Schneider, sehr geehrte Blogger-Kollegen, dann erwarten wir noch ein differenziertes Bild zum Nahen Osten?

  11. “Aber es ist schon ein interessantes Phänomen, das Augstein mit s e i n e r Art der Israelkritik verkörpert. Und er steht unter den deutschen/europäischen Journalisten damit ja nicht allein da.”
    “Warunm ist das so? Warum glauben alle beim Thema Israel/Palästina-Konflikt genau zu wissen, worum es geht, wie es geht und wer der Schuldige ist?”

    In der Tat ist es sehr interessant, dass Er als Journalist der “Israelkritik verkörpert”. Noch interessanter ist, dass Er in D und Europa nicht allein da steht.

    Laut Wikipedia ist Aufgabe der Journalismus den “öffentlichen Meinungsbildung” beizutragen. Journalismus sei sogar als “vierte Gewalt” anzusehen. Aber ganz wichtig, Journalismus charakterisiert sich durch professionelle Fremdbeobachtung.

    Wenn man bedenkt also dass 20% der Deutschen einen latenten Antisemitismus ausweist, sollte man sich irgendwann mal die Frage stellen ob es mit dem Auftrag der öffentlichen Meinungsbildung etwas schief gelaufen ist. Um so mehr wenn man “Israelkritik” verkörpernden Journalisten nicht gerade allein da stehen.

    Also entweder bedienen sie eine wachsenden Klientel oder züchten sie erfolgreich eine…
    Denn “Israelkritik” ist wahrlich nicht mehr wegzudenken.
    Mir ist z.B. aufgefallen, dass immer mehr Kommentare damit anfangen: “Nicht dass ich Israels Politik befürworte, aber….”; “Ich bin zwar pro-israelisch, aber diese Regierung…”
    Und egal um was es geht, zur “Israelkritik” muss man sich bekennen.

    Und ja, sicher ist es nicht immer Israel Schuldig. Sicher ist auch, dass es Viele Israel allein für Schuldig halten. Gibt es aber jemand in der deutschen und europäischen Medienwelt der allein den anderen Konflikt-Partei als Schuldig sieht? und nicht als Hassprediger gilt?

    • “Also entweder bedienen sie eine wachsenden Klientel oder züchten sie erfolgreich eine…”

      Herr Sonderbar , beides trifft zu! Leider…..
      Wie in den zwanziger und dreißiger Jahren , für das was danach geschah wollte anschließend aber keiner gerade stehen.
      Daher ist Salonfähige “Kritik” an Israel und das Judentum an sich , nach dieser Katastrophe sehr problematisch und unnötig, es gibt tausend andere Konflikte , wieso wir Juden schon wieder ?????
      In unserer Geschichte war das Ende jeder Beschuldigung immer ein Pogrom, hat sich das heute geändert ? Wohl kaum…….
      Der unterschied ist banal aber entscheidend , dies mal kann keiner uns was anhaben. Man stelle sich nur vor , Israel wäre unbewaffnet…….

    • Die Referenz für die 20% latenten Antisemitismus hätte ich gern – ehrlich gesagt hätte ich die Quote deutlich höher geschätzt… Welche Definition wurde verwendet bzw. welche Fragen wurden gestellt? Ich würde mir von solch einer Studie erhoffen, daß sie klare Definitionen verwendet, die Hintergründe der Fragen erklärt – ich frage so genau, weil ich mir aus der Diskussion hier im Forum erhoffe, einen Argumentationsbausatz für Streitgespräche zu entwickeln… Daher immer her mit Referenzen, Studien, Argumenten, Definitionen…

      • @Cornelius

        Unter tagesspiegel.de finden Sie den Artikel “Wie seriös sind Studien über antisemitische Einstellungen?”. Es ist die Antwort auf einen Leserbrief mit derselben Frage. Hier werden einige Studien vorgestellt.
        Problem der Studien ist tatsächlich, dass sie eine gewisse Dunkelziffer erlauben.

  12. Dieser ganze Kram ist echt zu geil. Jakobs Probleme möcht ich nicht haben. Echt jetzt – sooo persönlich. Ich mein Jakob ist mein Jahrgang, Lassie auch.
    Und wenn ich eine Generation kenne, dann die meine, aber so was von, da kann mir keiner was vom Pferd erzählen. Jakobs Problem scheint wirklich ein Problem zu sein. Er ist offenbar von Leuten seines Jahrgangs plus/minus noch nie richtig verars..t worden. Schön ist das nicht. Gerade bei der Mutter, die er hat. Ich sag ja – sooo persönlich.

    Alter, wenn meine Mutter mir zwei Väter untergejubelt hätte – okay 1967 als das Jahr der Liebe, ist aber keine Entschuldigung – und ich bekomm das erst viel später raus, Alter, wär ich sauer. Ich glaub ich würd durchdrehen und das ganze Kackgeld verbrennen. Allein schon aus Rache. Na, worauf ich hinaus will, einige werden’s schon erraten haben – Alter, wenn Dir so was passiert, was Dir den Boden unter den Füßen wegreißt und Du weißt kaum wohin mit Deiner Wut, dann bleiben dir eigentlich nur noch deine Freunde, die dich damit nach Strich und Faden verars..en. Das hilft wenigstens gegen die Bitternis.

    Ich befürchte allerdings – Jakob hat keine Freunde und wenn nur so komische. Wahrscheinlich, weil er schon immer so war. Deshalb schreibt er offenbar so, das wird’s sein. Von seiner Sorte gibt’s ja einige Exemplare, die sind meist alle gleich und allein gelassen. Wie sie schon gucken. Ich guck nicht so, und meine 67er-Freunde auch nicht. Ja, weil wir uns u.a. immer gut verars..t haben, wenn’s schlimm war, damit wir selber nicht so werden. Und auf andere losgehen. Lieber weiterlachen. Das’ jetzt hier ne Ausnahme. :-)
    Oh man Jakob.

  13. an die leutchen in den ersten kommentaren:
    und habt ihr das pdf vom swc angeschaut? was steht da unter seinen wenig zweifelhaften behauptungen?
    richtig, ein zitat vom broder – dem alten nazi-jargon-fan.
    der dazu auch noch als “respected columnist” vom springer hetzblatt WELT angeführt wird. da schwadroniert er von streicher-vergleichen und dass der mann im reichssicherheitshauptamt (sd und gestapo zB) große karriere gemacht hätte. und im selben zitat nennt er augstein “antisemitische drecksschleuder”.
    und dann redet ihr von des englischen unmächtigen deutschen journalisten.stark.

    • erst mal steht fest, dass alle leitzeitungen das pdf gar nicht angeschaut haben, herr schneider eingeschlossen, sonst haette keiner behauptet, dass SWC den augstein “auf der top ten liste der gefaehrlichsten anitsemiten” gestellt hat.

      ich will natuerlich nicht bestreiten, dass SWC nur durch broders zitate auf augstein aufmerksam geworden ist. broder seinerseits wirft dem augstein vor antisemitische voruteil auf israel zu reflektieren, was gar nicht so falsch ist. dass augstein ein israelknack kann auch keiner bestreiten, was an sich nicht weiter schlimm ist, so lange er nicht mehr uebertreibt, als im fall israel ueblich ist. (so weit sind wir schon. in dtl. gilt ausgewogene berichterstattung ueber israel, als israelfreundlich. mehr kann man nicht erwarten.)

      wenn du die liste angeschaut hast, so hast du natuerlich bemerkt, dass die dort von augstein aufgefuehrten ausschnitte eindeutig antizionistisch sind. natuerlich ist dass alles durch meinungsfreiheit gedeckt kein problem. aber dann kann man sich nicht beschweren, dass solche zitate, wenn sie von prominenten stammen, auf so eine liste landen. schliesslich heisst die liste “top ten antisemitische UND antizionistische beleidigungen”. und augsteins aussagen sind eindeutig israelfeindlich. das kann nun wirklich keiner bestreiten. und so findet man sich auf einer gemeinsamen liste mit echten antisemiten.

      ist es denn komisch, dass antisemiten und israelkritiker fast die selbe meinung ueber israel haben? ist es fuer jemanden hier eine neuheit oder ueberraschung? passen die augsteins zitate denn nicht zu anderen aussagen auf der liste? sie passen und das ist genau das, was die sogenannte “israelkritiker” am meinsten befuerchten. dass man sie zufaellig mit antisemiten vertauscht, schliesslich haben sie fast die selbe meinung.

      • dass das so ungenau in der presse wiedergegeben wurde ist schade, ja. aber wohl wieder mal dem geschuldet, wie massenmedien funktionieren – nach auflagenzahlen und klicks.

        “(so weit sind wir schon. in dtl. gilt ausgewogene berichterstattung ueber israel, als israelfreundlich. mehr kann man nicht erwarten.)”
        so glaube ich stimmt das nicht. pauschalisiert gesagt: pro palästinensische berichterstattung gilt automatisch als anti-israel und ausgewogene berichterstattung gilt, ja, vielleicht, als pro-israel.

        und wenn einer wie augstein vermehrt über israel berichtet (tut er das überhaupt?? ich denke wenn man mal eine statistik aufmacht, wird sich herausstellen, dass der ausschlag im fall israel nicht so stark ist wie beschrieben), dann darf man auch nicht gleich von “obsession” reden – sondern ganz einfach darüber denken, was so die pulverfässer der welt sind. was früher das pulverfass balkan ist, ist nun eben der nahe osten. nur folgerichtig, dass viele sich damit beschäftigen.noch dazu ist der “jüngere” verlauf eng mit europa verquickt.

        ich finde es nicht ganz richtig, wenn man zionist und israel gleich stellt. ein israeli, der einfach nur in ruhe in seinem land leben will, ist doch kein zionist. dass er das kann, ist folge der zionistischen bewegung, ja, aber das macht ihn nicht zum zionisten. so sollte man dann auch differenzieren zwischen anti-zionismus und anti-israel.

        wie oben schon gesagt, alle zitierten aussagen von augstein finde reine meinungsäußerung und nicht bedenklich. das mit grass klingt etwas dämlich ausgedrückt, aber ganz ehrlich war ich in der stimmung damals froh, als endlich die ersten schrieben und sich meldeten, die nicht stumpf “antisemitismus” und “der alte nazi” draufklebten. ich fand das gedicht nach mehr reflektion auch dämlich, aber durch diesen reflex-artigen aufschrei war ich anfangs positiv grass gegenüber gestimmt.

        ja, ihr letzter absatz ist interessant, da sollte man drüber nachdenken.

        • @jakbo

          es gibt keinen unterschied zwischen antizionismus und antiisraelismus, genau so wie es keinen unterschied zwischen judenhass und antisemitismus ist. diejenigen welche sich bewusst als antizionisten bezeichnen tun das um das wort israel nicht zu verwenden, was seine abneigung gegenueber israel abschwaechen soll um so die kritik an seiner aussage zu vermeiden.

          in israel ist das wort zionismus fast gleichgestellt mit dem wort patriotismus. es gibt viele drusen, welche sich als zionisten bezeichnen. in israel bezeichnen sich sowohl die linken, als auch die rechten als zionisten, dabei versteht jeder unter dem wort etwas anderes, was darauf hindeutet, dass es tatsaechlich um patriotismsus geht.

          es hat ueberhaupt keinen sinn, zwischen antizionismus und antiisraelismus zu unterscheiden. bevor israel zum “israel” wurde, gab es vorschlaege das land “zion” oder “judeaa” zu nennen.

          • nichtsdestotrotz: dann habe ich da ein anderes verständnis. da teile ich die auffassung von anderen. zionist heutzutage ist zb der siedler, der politisch motiviert, nicht aus wirtschaftlicher notlage, im westjordanland siedelt. sich in netten morphenden trailerparks breitmacht.

            “genau so wie es keinen unterschied zwischen judenhass und antisemitismus ist”
            exakt. sehe ich genauso. dann wär ich aber dafür diese vokabel endlich rauszuwerfen aus dem sprachgebrauch. weg mit dem unkorrekten euphemistischem pseudowissenschaftlichem unwort. alles so benennen was man damit sagen will: Antisemitismus==>Judenhass . Dann wird es auch endlich nicht mehr bei jeder nichtigkeit ausgesprochen.

          • @jakbo

            vereinfacht ausgedrueckt waere fuer dich ein zionist ein “boeser” israeli. deswegen versuchtst du zwischen antiisraelismus und antizionismus zu unterscheiden. diese auffassung ist von unten bis oben falsch. das hat auch mehrere gruende. erstens ist zionismus an sich eine bewegung fuer juedische nationale heimat. zweitens sieht sich fast jeder tel aviver als zionist, weil zionismus sowohl fuer linke als auch fuer rechte was mit patriotismus zu tun hat.

            und es klingt so, als bo die letzten saetze ueber antisemitismus und judenhass nicht ganz ernst gemeint sind.

            antisemitismus ist judenfeindlichkeit. waehrend antiker/kirchlicher judenhass religioes motiviert war, wurde der neue nicht religionsmotivierte judenhass als antisemitismus bezeichnet. waehrend es ganz im sinne der kirche war die uebergetretene juden nicht mehr zu verfolgen, machten die moderne antisemiten keinen unterschied zwischen getauften und toratreuen juden.

            auf der anderen seite ist der begriff antisemitismus weniger agressiv als judenhass. es klang den gebildeten antisemiten aus dem 19. jhd viel feiner als judenhass des einfachen volkes. “ich bin ab jetzt kein judenhasser, sondern antisemit”.

            wenn du mich fragst, so kann man problemlos auf das wort “antisemitismus” verzichten und stattdessen “judenfeindlichkeit” benutzen.

            und ich moechte auch hinzufuegen, dass jeder der begriffe fuer israel benutzt, welche in irgendeinem zusammenhang mit dem 3. reich stehen, ist fuer mich eindeutig juedenfeindlich.

            und zum schluss, etwas zu ueberlegen. unter allen konflikten seit 49 steht palaestinensisch – israelischer konflikt, was tote angeht an 71. stelle. wenn man alle arabischen staaten hinzufuegt, kommen wir maximal auf die 48. stelle. wie kann es sein, dass ausgerechnet, wenn es um israel geht, so viele nazibegriffe fuer israel verwendet werden. in syrien starben bereits 6 mal so viele menschen in weniger als 2 jahren, als in israel seit 49. wie kann das sein, dass syrien noch kein eiziges mal in die naziecke gedraengt wurde? aus diesem grund ist fuer mich jeder, der fuer andere konflikte keine worte findet, aber israel bei jeder moeglichkeit mit nazibegriffe bewirft kein antizionist, sondern ein antisemit.

      • Klar ist ein Israelkritiker, der sich undifferenziert und diffamatorisch antisemtisch äussert, ein Antisemit.

        Das sagt mir mein gesunder Menschenverstand.

        Darüber muss man nicht so viele Worte verlieren.

        • Genau ! N.Asevoll Sie bringen es auf den Punkt !
          Ist aber die neue Strategie der Antisemiten, den Juden eins auszuwischen und davon zu kommen mit schwammigen ausreden.
          Obama kann das sehr gut beispielsweise, gerade hat er einen anderen Antisemiten Chuck Hagel zum US-Verteidigungsminister auserkoren, der wiederum behauptet ein Freund Israels zu sein und mehr für Israel getan zu haben als sonst keiner.
          Tja so funktioniert es heutzutage….

          • @AlexP

            Differenzieren Sie zwischen Antisemitismus und “neuen Strategien (…) Juden eins auszuwischen”?
            Wo soll in dieser Personalentscheidung denn eine neue Qualität liegen?
            Bitte erklären.

            Gabriele

          • Und was sagen Sie zu Meir Javedanfars “Hagels Berufung sei keine Zeichen von Nachgeben gegenüber dem Iran-Artikel” von heute in der Times of Israel?

            Gabriele

  14. Folgendes Zitat stammt aus dem Artikel “Im Zweifel links – Gesetz der Rache” von Jakob Augstein, der Artikel erschien auf Spiegel Online am 19.11.2012, und ich möchte diesen im Anschluß ein wenig analysieren.

    (Zitatanfang)
    “Tel Aviv ist Berlin”, schrieb die Bild am Sonntag, nachdem sich gezeigt hatte, dass die Raketen der Hamas inzwischen weiter reichen als früher: “Die gleiche Mode, die gleiche Musik, dieselben Wünsche und Werte.” Wirklich? In Israel gibt es Gegenden, da wird eine Frau als Hure beschimpft, wenn sie im Bus vorn bei den Männern sitzt. Und es gibt Menschen, die bespucken ein kleines Mädchen auf dem Weg zur Schule, weil es falsch gekleidet ist.

    Israel wird von den islamischen Fundamentalisten in seiner Nachbarschaft bedroht. Aber die Juden haben ihre eigenen Fundamentalisten. Sie heißen nur anders: Ultraorthodoxe oder Haredim. Das ist keine kleine, zu vernachlässigende Splittergruppe. Zehn Prozent der sieben Millionen Israelis zählen dazu. Benjamin Netanjahu hat in seinem Kabinett Mitglieder gleich dreier fundamentalistischer Parteien sitzen. Die gleichen Werte?

    Diese Leute sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre islamistischen Gegner. Sie folgen dem Gesetz der Rache.
    (Zitatende)

    “diese Leute” – wer ist gemeint? In diesen Absätzen geht es um Tel-Aviv, um die Aussage “In Tel-Aviv herrschen die gleichen Werte vor wie in Berlin.”, verkürzt wiedergegeben mit “Die gleichen Werte?” – und dann geht es weiter mit “Diese Leute…”, also die Bewohner von Tel-Aviv, seien aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre islamistischen Gegner, Tel-Aviv sei von Extremisten bewohnt oder zumindest dominiert.

    Herr Augstein bezeichnet also die Bevölkerung von Tel-Aviv als Extremisten. In Tel-Aviv existieren keine Gegenden, die von ultra-orthodoxen Juden kontrolliert werden, selbst im Großraum von Tel-Aviv liegt nur Bnei Barak. Tel-Aviv ist das Zentrum der sekulären Juden, in Berlin hauptsächlich bekannt für seine Party- und Schwulenszene. Und da dominieren also Extremisten das Leben?

    Die Gesellschaft in Israel ist sehr vielschichtig, sicher gibt es einen nennenswerten Anteil an Menschen, die problematische Ansichten vertreten bzgl. der Außenpolitik und/oder bzgl. der Art und Weise, wie man (und frau) sich in ihren Wohngegenden zu verhalten hat… …ein weitaus größerer Teil der israelischen Bevölkerung vertritt jedoch liberale, europäische, demokratische Werte. Und das Zentrum der Menschen, die in Israel so denken, ist Tel-Aviv.

    Als ich den Artikel damals gelesen habe, habe ich mich gefragt, warum der Spiegel Online einen Autoren beschäftigt, der seine Artikel derart schwach recherchiert. Und ich finde es, ganz ehrlich, schockierend, daß ein so einflußreiches Medium wie der Spiegel online Tel-Aviv diffamiert als eine Stadt, die von rachsüchtigen Extremisten dominiert wird.

    Wenn eine schwache Recherche in einem diffamierenden Artikel resultiert und dem Autoren aber – wegen schwacher Recherche – gar nicht klar ist, was er tut, was dann? Aber ist das so? Hat Herr Augstein nur schwach recherchiert? Berichtet er also seit langem über den Nahostkonflikt und hatte noch nie die Gelegenheit, sich gründlich in das Thema einzuarbeiten? Oder vereinfacht er, um den Leser nicht zu überfordern? Warum schreibt er das, was er schreibt? Und ist eine diffamierende Aussage über Tel-Aviv eine diffamierende Aussage über Israel? Ist das anti-israelisch, was er schreibt?

    Natürlich kann man den Text oben auch anders lesen, wenn man sich Mühe gibt. Man könnte herauslesen, daß “diese Leute” sich auf die vorher genannten 10% der ultraorthodoxen Juden bezieht – und die sollen rachsüchtige Extremisten sein? Was ist der Anteil der rachsüchtigen Extremisten unter den ultraorthodoxen Juden? Selbst wenn man die herausnimmt, die den Staat Israel ablehnen und die, die den Militärdienst verweigern, dann ist mir immer noch nicht klar, wie man aus der problematischen Stellung der Frau unter Ultraorthodoxen herauslesen kann, daß die Ultraorthodoxen rachsüchtig sind? Und wem gegenüber? Der Hamas? Oder gar der palestinänsischen Zivilbevölkerung?

    In diesem Artikel von Herrn Augstein ist viel falsch und viel diffamierend. Es gibt viele, viele, viele Gründe, die israelische Politikerriege zu kritisieren – vielleicht meinte er ja genau diese, als er “diese Leute” schrieb. Vielleicht meinte Herr Augstein genau die vier Politiker, die er nennt. Vielleicht ging es am Ende gar nicht mehr um Tel-Aviv und/oder die Gemeinschaft der Ultraorthodoxen, vielleicht war die Storyline ein Unfall, ein Mißgeschick…

    Nur so kann ich mir erklären, daß Herr Augstein von sich selbst behauptet, sich gegen Antisemitismus einzusetzen. Vielleicht ist also der Konflikt mit dem SWC nur eine unglückliche Verkettung von Mißgeschicken…

    • @Cornelius:
      Lese ich (bisher kein J. Augstein-Leser) den von Ihnen zitierten Artikelausschnitt, komme ich nicht wirklich zu den Schlussfolgerungen im ersten Teil Ihrer Ausführungen. Es erscheint mir schon relativ folgerichtig, dass er in diesem Artikel ausschließlich die “zehn Prozent” meint und was diese Leute tun (was ich auch noch nicht nachgeprüft habe). Wenn aber – auch z.B. im Weltspiegel im ARD-Fernsehen – über manche stark religiös geprägten Einwohner Israels berichtet wird (mit Bild und Ton) ist schon Kompromisslosigkeit bei dieser Gruppe sichtbar. Sind diese dies zeigenden Kameraeinstellungen dann auch diffamierend?
      @all:
      Mir ist als Nicht-Journalist nicht klar, wie gute Recherche funktioniert. Was für mich an der gesamten Blog-Diskussion interessant ist, ist die profunde Kenntnis der Arbeit von Herrn J. Augstein (war mir bis dahin ehrlich gesagt als Leser nicht bekannt). Generelle Qualitätsmerkmale aus den aktuellen Beiträgen von Journalisten zu ziehen finde ich schwierig (auch Handwerker arbeiten vielleicht nicht immer), da mir die berufliche Prägung nicht klar ist; in diesem Blog haben manche Teilnehmer offenbar Zweifel daran, was den Autor des obigen Posts im Besonderen angeht (dazu weiter unten mehr). Dennoch glaube ich aus der Verärgerung von Herrn Schneider über “Einfachheitshalber-Äußerungen” zum Thema durch eine Menge (Nicht-)Beteiligter herauslesen zu müssen, dass bei Diskussionen zum Thema Nahost überhaupt nicht die Absicht besteht einigermaßen objektiv vorzugehen.
      @Zweifler (Frank, L. Melidiadis, sonderbar, ariel in response to jakbo):
      Wie soll das Thema (“Hamazav”) dann gehandhabt werden? Geben Sie doch bitte konkrete Anhaltspunkte für “besseres Arbeiten”. Ansonsten drängt sich mir hierbei der Eindruck auf, dass sich – in Israel/ Palästina Lebende unter den Blogger-KollegInnen aus/- eingeschlossen? – manche bestimmt sehr freuen würden, von der ARD-Personalabteilung hören zu dürfen.
      Welche Bedeutung wird – nicht ohne Augenmerk auf Reichweiten, aber dennoch relativ gesehen – hier bestimmten Autoren (hier ist gemeint J. Augstein, nicht R. C. Schneider) wieder beigemessen? Und ist daraus nicht ein “Stellvertreter-Krieg” geworden, wenn – sowie ich es verstehe – der in diese “Schlechtesten-Liste” aufgenommene Autor doch eigentlich “nur” bzw. vorwiegend Blogger sein soll?

      • @Fränd
        “Wie soll das Thema (“Hamazav”) dann gehandhabt werden?”

        Also mein Sinn für Gerechtigkeit sagt, es soll wenigstens wie all die andere Konflikten gehandhabt werden.
        Sie werden sicher sagen: Ach… die werden doch garnicht gehandhabt! Keiner kümmert sich um die. Soll “Hamazav” auch ignoriert werden und in Vergessenheit geraten?

        Klar soll “Hamazav” nicht ignoriert werden. Zumal er der einziger Konflikt ist in dem die Existenz einer “unserer” Partner im Spiel steht.
        Sogesehen passt es ja wunderbar, dass immer mehr “Israelkritik” verkörpern wollen. Schließlich ist man unter Freunden… Und überhaupt dürfen Juden nicht in Vergessenheit geraten.

        Klar hat “Hamazav” das Potenzial, die Welt im Krieg zu stürtzen. Daher die Notwendigkeit zum Handeln.
        Aber, um was geht es da eigentlich?

        Ab 1945 sind ja Weltweit unzähligen Staaten entstanden. Unzähligen Grenzen wurden mehr oder weniger willkürlich gezogen. Unzähligen Flüchtlingen fanden eine neue Heimat.
        Nur einen einzigen Staat wurde und wird das Existenzrecht abgesprochen, und zwar ausgerechnet den Staat, der mit den Segen der Vereinten Nationen entstanden ist: Israel!
        Mit den selben Segen hätte ja auch einer anderen Staat neben Israel entstehen können. Leider wurde es einstimmig abgelehnt und den Weg der Vernichtungskrieg eingeschlagen, der bis heute andauert – auch wenn anders geführt. Und die Flüchtlinge werden zur Waffen und auf ein Flüchtlings-dasein verdammt.

        Das alles ist allgemein bekannt. Trotzdem wird seit mind. 30 J. (tendenz steigend) “Israelkritik” immer lauter, “verkörpert” sogar…
        Was für ein Paradox! Ein Staat wird von Vernichtungskriege überzogen. Es überlebt es und kommt es sogar verstärkt daraus (sicherer Grenzen). Jetzt kommt…: Von die Weltgemeinschaft hagelt verstärkt Kritik!
        “Israelkritik” also als Folge des “Überlebenskunst” und “Überlebenskraft” eines Staates, der Staat der Juden!

        Das war aber nicht immer so. Denn nach den Sechs-Tage-Krieg wurde ja die israelischen Militärstrategie als Brilliant bezeichnet und an den UNIs gelernt. Nur danach wurde sie aus dem Lehrplan gestrichen und das Überlebenskampf als Aggression definiert. Alles anderes ist eine Folge dieser Wandeln.
        Bleibt ja nur die Frage wo dieser “Wandel” hinführen wird/will.

        Sie fragen nach konkrete Anhaltspunkte für “besseres Arbeiten”.

        Beispiel 1:
        Hunderte wenn nicht Tausende Raketen werden auf Israel geschossen und keiner redet von “Hamazav”. Sobald aber nach wochenlangen Geduldsübung das israelisches Militär zurückschlägt überschlagen sich die Redaktionen wochenlang mit den bekannten Schlagzeilen “Tote Palästinenser nach israelischer Luftangriff”. Kleingedrückt und am Ende dann nimmt man Notiz über Raketenbeschusse und eventuelle Tote oder verletzer Israelis.

        Beispiel 2:
        Eine ganze Familie wird während dem Schlaf die Kehle durchgeschnitten inkl. ein 3 Monate altes Kind. Es gibt eine Meldung, wo man von eine “getötete Siedler-Familie” die Rede ist. Das wars…
        Ein Mädchen wird von Orthodoxen angespuckt! Da laufen wieder die Redaktionen heiß und plötzlich ist “Hamazov” wieder wochenlang Gesprächsthema Nummer 1 und wird bis nimmergeht “analysiert”.

        Weitere Beispiele dürfte ich mir sparen, denke ich mal.

        PS: Zu Erinnerung, Deutsch ist nicht meiner Muttersprache, sorry.

        • “Eine ganze Familie wird während dem Schlaf die Kehle durchgeschnitten inkl. ein 3 Monate altes Kind. Es gibt eine Meldung, wo man von eine “getötete Siedler-Familie” die Rede ist. Das wars…”

          Es wurde massenweise über den brutalen Mord an der Foggel Familie berichtet. Wenn Palästinenser von Siedlern oder Soldaten ermordet, oder mal wieder eine Kirche oder Moschee von Price tag abgefackelt oder geschändet wird hört man davon hier in Deutschland nichts. Oder kennen sie die Namen der von Siedlern oder Soldaten ermordeten palästinensischen Zivilisten?

  15. “Warum lese ich solche holzschnittartigen Artikeln (sei es von Augstein oder anderen) so selten über all die anderen Konfliktherde dieser Welt – über die wir als fern von ihnen Lebende ebensowenig w i r k l i ch verstehen?”

    Lieber Herr Schneider,
    ich vermute, dass dies daran liegt, dass Sie sich beim Thema Iseael/Palästina besonders auskennen. Bei anderen Themen, wie zum Beispiel China (!) sind sie vermutlich auch nicht besser informiert, als der übliche Zeitungsleser in Deutschland. Will sagen, es gibt mit Sicherheit nahezu zu allen Themen eine holzschnittartige BErichterstattung, sie fällt uns aber nur da auf, wo wir besonders tiefe Kenntnis einer Sache haben!
    Z.B. – der Tibet-Konflikt (vor dem Einmarsch der Chinesen gab es in Tibet eine THeokratie mit 90% Leibeigenschaft)
    – Taiwan-Konflikt (souverän, Teil Chinas? Meiner Meinung nach gibt es dazu keine eindeutige Aussage)
    – Menschenrechte (in den vergangenen 30 Jahren sind ich China ca. 300 Mio. Bauern aus der Armut entkommen! Ja, das Recht auf Nahrung ist auch ein Menschenrecht. Über all die Hungertoten in Afrika spricht im Zusammenhang mit Menschenrechten irgendwie niemand..)

    Herzliche Grüße

    • McNavara bringt es auf den Punkt: Es gibt nur noch holzschnittartige Medienberichterstattung, als wären sie alle gleichgeschaltet. Jeden Tag wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben und jeder, der ein wenig Ahnung zu dem entsprechenden Thema hat, denkt, was hat die denn jetzt dazu bewogen. Ich kann nur noch müde lächeln, wenn sich jemand über Fox o.ä. aufregt, die anderen Medien sind nicht besser. Einer der Höhepunkte ist sicherlich der Journalisten-Darsteller Augstein, wenn ich Herrn Augstein sehe, erinnert er mich stets an die Darstlller in den Mittag-TalkShows der Privaten. Die Medien nehmen lieber Holzschnitzer, damit sie selbst im Gespräch bleiben, habe ich die Vermutung, wer hätte sonst etwas über den freitag erfahren, oder gewußt, dass es den Spiegel noch gibt? Aber damit sägen sie den Ast ab, auf dem sie sitzen = Zeitungssterben! Deshalb ein großer Dank an Herrn Schneider, der die Annährung an die Wirklichkeit vollbringt.

  16. Sehr geehrter Herr Richard C. Schneider,

    ich habe von Gershom Gorenberg sein Buch:
    ,, ISRAEL SCHAFFT SICH AB“ gelesen.
    Besonders interessant fand ich die Kapitel 8: Die Neugründung Israel.
    ,, Damit sich das Land als freiheitliche Demokratie neu gründen kann, muss es drei Veränderungen bewerkstelligen.“

    Sehr geehrte Herr Richard C. Schneider, können Sie bitte mit Herr Gershom Gorenberg zu seinem Buch ein Interview machen?

    Hochachtungsvoll, Stanislav Sedlacik, 99427 Weimar

    • Ich finde Ihren Vorschlag sehr interessant! Nett wäre für “uns Andere” jedoch gewesen, wenn Sie uns die erwähnten “drei Veränderungen” auch kurz angeführt bzw. zitiert hätten!

      Danke und schönen Tag noch!

      Hanns

    • Welches sind diese drei Veränderungen? Vielleicht kann jemand, der das Buch gelesen hat, diese Frage beantworten?

      Vielen Dank.

  17. lieber Herr Schneider,

    Ihr Artikel sind auf diesem Blog die lesenswertesten. Danke dafür.

  18. Und jetzt, Herr Schneider?

    Keiner weiß, niemand versteht. Nun fragt sich der demütige Leser:

    “Warum noch Zeitung , einen Blog, unterschiedliche Fachbücher lesen? Warum noch Radio hören? Keiner weiß, niemand versteht. Selbstverständlich sind die Dinge oft komplex; und wiederum andere, sehr einfach und banal.

    Herr Schneider,

    unterschätzen Sie die Leser nicht. Irgendwie hinterlässt der Beitrag einen schalen Geschmack.

  19. “ich finde es nicht ganz richtig, wenn man zionist und israel gleich stellt. ein israeli, der einfach nur in ruhe in seinem land leben will, ist doch kein zionist. dass er das kann, ist folge der zionistischen bewegung, ja, aber das macht ihn nicht zum zionisten. so sollte man dann auch differenzieren zwischen anti-zionismus und anti-israel.” (jakbo)

    Ich habe hier nun einmal ein paar Worte von jakbo herausgegriffen… Er spricht hier vom “Zionisten” und wer einer sei und wie man sich oder nicht zu einem solchen mache. In der Folge solle man Anti-Zionismus und Anti-Israel unterscheiden.

    jakbo oder wer sich eben hierzu äussern mag, falls Sie meinen Post hier unten nicht entdecken, welches ist denn Ihr Problem mit “Zionisten”? Ich verweise da gerne auf ein früheres Montagsblog von Herrn Schneider zur Geschichte des Zionismus. Was soll denn Schlechtes daran sein? Welche Assoziationen haben Sie – oder andere – mit diesem Begriff?

    Welchen Unterschied sehen Sie zwischen Anti-Zionismus und Anti-Israel?

    Ich hoffe, dass Sie mir diese Frage beantworten werden, auch wenn ich mir gut denken kann, dass anti-Israel für Sie bedeuten mag, man sei einem anerkannten Staat nicht wohlgesonnen, während sich Anti-Zionismus gegen den ~militanten Einsatz für dieses Staatsgebilde richtet, was wiederum legitim und wünschenswert ist. Empfinden Sie so?

    Militärisch gesichert sind auch die Staaten der europäischen Union. Ich denke weiter. Stört es Sie, dass dem Zionismus die Idee des gelobten, des von Gott den Juden (!) versprochenen Heiligen Landes innewohnt, der Traum von einem Gross-Israel, ein zionistischer Expansionsdrang? Diesen israelischen Imperialismus darf, ja muss man kritisieren dürfen, nicht wahr?

    Entschuldigen Sie bitte, dass ich Ihre Antworten bereits vorwegnehme. Ich freue mich, wenn Sie den Antworten, die ich Ihnen auf die Tastatur gelegt habe, widersprechen.

    ——

    Leider wird an dieser Stelle noch immer nicht der israelische Wahlkampf thematisiert. Vielleicht ist das so beabsichtigt. Man will Israel in Ruhe die eigenen inneren Angelegenheiten sortieren lassen, und wenn das Ergebnis bekannt ist, dürfen wir hinzutreten und uns darüber aufregen.

    Es gibt zur Zeit Entwicklungen, die für den Rest der Welt nur schwer verdaulich sind/sein werden. Ich denke da an Naftali BENNETT, der rechts von Netanjahus Likud angesiedelt ist. Ich fände es sehr gut!!, wenn es einen separaten Blogeintrag zu seiner Person gäbe. Er und seine Partei (Bayit Yehudi) stehen für den religiösen Zionismus, und er hat den “Anschluss” der “besetzten” Gebiete im Programm, und er ist sehr populär, so populär, dass gefürchtet wird, dass er Teil einer neuen Regierungskoaltion wird.

    In Israel ändern seine Ideen nicht wirklich viel, da die besetzten Gebiete de facto bereits Teil Israels sind. International wird das jedoch anders gewertet, da er für die Aufwertung dieser Gebiete wirbt und damit einer Zweistaatenlösung implizit eine klare Absage erteilt – ähnlich dem Werben Abbas’ für den Palästinenserstaat vor den VN.

    In einem Bericht auf jpost.com unterschied der Autor (Isi Leibler) den religiösen Zionismus eines Bennett von der “authentischen” (ursprünglichen?) religiösen zionistischen Bewegung… – Ich mutmasse, dass er damit eher die jüdisch-säkulare zionistische Bewegung meint, oder einen pluralistisch-religiösen Zionismus, um den verfolgten Juden aller Länder wieder eine Heimstätte zu geben.

    Dabei ging es nicht um die international so sehr kritisierte militante Landnahme zum Selbstzweck bzw. in gewisser Weise ja doch…, aber damals ist nicht heute.

    • @lily: lily ich bin gerade nur durch zufall über ihre “antwort” gestolpert. bitte antworten (und nochmal meine frage an die admins, gab es nicht mal eine benachrichtigungsfktion per email?).

      konnte es nur überfliegen. werde ich mir wannanders zu gemüte führen müssen, da es zeitlich grad schlecht aussieht.
      die sachen, die sie mir in den munde gelegt haben, würde ich wohl so sagen.

      gebietsansprüche sind immer so eine sache, diese religiös zu begründen geht mir gegen den strich. gott zählt nicht.

      der traum von eretz israel ist größenwahn und führt zur vertreibung von menschen. wenn doch solche vorkommnisse wie susiya und die sharon linie im süden der wb schon schlimm für die dortigen bewohner sind.

  20. wenn sie mich mit den vielen worten meinen, muss ich ihnen antworten: das geht sie nichts an, wie genau oder ungenau ich auf die antwort von ariel zu meinem kommentar antworte.

    sie mit ihrem gesundem menschenverstand, sagen sie mir: kann man sich antisemitisch äußern ohne ein antisemit zu sein? ihrem satz nach schon.
    da hätten sie vllt doch ein paar worte mehr verlieren sollen.

  21. Immer wieder diese Themen…

    Redet man über Israel, so schließen alle auf DIE JUDEN.

    Tja, für mich sind das alles Deutsche, Franzosen, Spanier, Israelis, ,…! Ich sage ja auch nicht Katholiken zum Groß der Bayern. Für einen Franzosen bin ich ja auch ein Deutscher und kein Lutheraner. Und in Israel wohnen Israelis. Mehrheitlich Menschen jüdischer Religion, aber immer noch Israelis und nicht DIE JUDEN. Selbst DIE MOSLEMS gibt es nicht. Schiat Ali vs. Sunniten oder auf nationaler Ebene Iraner vs. Afghanen.

    Kritik an der jeweiligen Regierung in Israel kann also kein Antisemitismus sein.

    Was Augstein geschrieben oder gesagt hat? Keine Ahnung, ist mir auch egal.
    Was Broder geschrieben hat? Interessiert mich nicht, nach mir die Sintflut.

    Wir sind hier im Forum mehrheitlich zumindest körperlich erwachsene Leute und somit können wir uns unsere eigene Meinung bilden.

    Nach so vielen Jahrzehnten gibt es immer noch Schwarz-Weiß-Bilder und Verallgemeinerung. Viel geändert hat sich seit Adolf ja doch noch nicht auf der Welt, aber dafür brauch ich mich nicht zu schämen. Dieses Problem ist leider menschlich, zeitlos und nicht an Nationen gebunden.

    Warum nutze ich diesen Blog? Um einen Eindruck zu kriegen. Um Beiträge von Leuten zu sehen, die längere Zeit vor Ort sind und sich mit den Menschen dort befassen. Dann muss ich keine Broder`s und keine Augstein`s “kiffen”. Die beiden wollen doch nur ihr Geld verdienen und Ihr Klientel bedienen.

    Sry für die Rechtschreibung.

    Was denken eigentlich die Israelis über “unsere” Diskussionen in good old Germany? Das wäre mal interessant.

    Eine kleine Frage an Herrn Schneider:
    Warum schreiben Sie zu solchen Ereignissen (Grass, Augstein) Blogeinträge? Sind sind doch von hier und nicht von dort. Sie wissen doch was auf solche Einträge kommt. Wollen Sie damit die Zugriffszahlen auf den Blog erhöhen oder wollen Sie Ihre Mods ärgern die das hier alles lesen müssen?

    MfG

    Schelm

  22. Da gibt Herr Schneider den lieben Usern sein Missfallen mit Holzschnitzern kund und schon bemühen sich einige „follower“ dieses Blogs brav zu beweisen, dass sie differenzieren können – zwischen welchen Begriffen auch immer. ;-)

    Wird Unrecht verhindert, wenn wir es differenziert erklären können?
    Ist es die neue Form von intellektuellem „In-Sein“ in vorauseilender Toleranz und differenzierter Betrachtung Hochmut, Diffamierungen und Verachtung zu entschuldigen?
    Falls dem so ist, habe ich eine ganz wesentliche gesellschaftliche Entwicklung verpasst – verzeihen Sie.

    Lieber Heidelbaer,
    es ist nicht Ihr Ernst, dass (Zitat)“ nicht jeder, der sich (vielleicht unbedacht) [antisemitischer] Argumente bedient, nun persönlich als Antisemit zu brandmarken ist.“(Zitat Ende)

    Ich kann einen Menschen nicht von seinen Worten trennen, in ihnen verkörpert sich sein Geist, sein Charakter, seine Überzeugung. Sie sind das Medium, welches Gedanken und Gefühle, Angst und Vorurteile vermittelt.
    Mein Ich sind meine Worte.
    Antisemitische Äußerungen offenbaren den Antisemiten.
    Und ich stelle auch keine Persilscheine für unüberlegtes Geschwätz in der Hitze der Diskussion aus.
    Jeder Mensch hat die Pflicht seine Wortwahl „vorherzubedenken“ und seine Worte so zu wählen, dass er zu ihnen stehen kann. Jeder. Auch Journalisten.
    Auch das Simon-Wiesenthal-Zentrum. Ich bin enttäuscht, wenn ich von ihm online im Tagesspiegel lesen muss: „Sprechen wir von antisemitischen Äußerungen, bei denen sich die Person vielleicht gar nicht bewusst war, eine Grenze zu überschreiten? Oder geht es um jemanden mit einem Antisemitismus-Problem – der sich dieses Problems bisher gar nicht bewusst war -, oder sprechen wir von einem Antisemiten?“
    Wenn jemand unbewusst eine Grenze überschreitet, dann hat sie für ihn nicht existiert und ihm fehlt der Respekt und die Sensibilität einen anderen zu achten. Warum sollte dieser Charakterfehler, der der Nährboden für Ächtung und Verfolgung ist, nicht angeklagt werden? Und was bitte ist für das SWZ ein Mensch mit unbewusstem Antisemitismus-Problem? Ein Mensch, der nicht weiß, dass Antisemitismus existiert? Ein Mensch, der nicht versteht, dass Antisemitismus problematisch sein kann – unbewusst? Ist das der Versuch einer beschwichtigenden Differenzierung um der Differenzierung willen?
    Mir wäre ein “Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.” (weil ich bereits vorher gut nachgedacht und meine Worte gewägt habe) lieber.

    Gabriele

    • Achte auf Deine Gedanken, denn es werden Worte,
      achte auf Deine Worte, denn es werden Taten,
      achte auf Deine Taten, denn es werden Gewohnheiten,
      achte auf Deine Gewohnheiten, denn es wird Dein Charakter,
      achte auf Deinen Charakter,
      denn es wird Dein Schicksal…

      Der Talmud

    • Liebe Gabriele,
      ist das nicht auch ein wenig holzschnittartig, was Sie da schreiben?
      Natürlich ist Differenzieren l’art pro l’art unsinnig, aber trifft das in der Diskussion denn zu?
      Ja, wenn es nur darum geht, Augstein als Antisemiten zu verurteilen. Doch was ist damit erreicht?

      Nein, wenn es darum geht, Menschen dazu zu bringen, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und zu korrigieren.

      Als ich in der Schule war, hatte ich einen Lehrer, der häufig antisemitische Witzchen machte. Da er recht sympathisch war, war das durchaus prägend für uns Schüler. Wir haben seine Einschätzungen einfach übernommen, ohne uns Gedanken dazu zu machen. Insofern teilte ich den antisemitischen “Mainstream”, indem ich vielen Aussagen zustimmte. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mir dediziert Gedanken zu dem Thema machen und eine Menge Informationen dazu verarbeiten musste. Vieles wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht. Heute bin ich schlauer und habe zu vielen Themen eine andere Meinung. Ich bin in der Lage, die Plumpheiten der Vorurteile in solchen Aussagen zu erkennen, zu benennen und somit auch anderen diese Möglichkeit gebe, die ich bekommen habe.

      Und was glauben Sie, wie viele Menschen eben nicht nachdenken und ihre Worte wägen, sondern nur nachplappern was sie gehört haben, und ihre Meindung BILDen?

      Was würde aber passieren, wenn man jemanden als Antisemiten bezeichnet, der einfach oft gehörte Plattitüden nachplappert? Jede Möglichkeit zur Veränderung wäre von vornherein ausgeschlossen. Broder mag kurzfristig amüsant sein, aber wirkungsvoll für eine Veränderung zum Positiven sind seine polemischen Äußerungen nicht.

      Der wirkliche Antisemit offenbart sich erst, wenn man ihm diese Möglichkeit geboten hat, und er sich bewusst dagegen entschieden hat. Und genau deshalb muss man differenzieren, bevor man einen Menschen in eine Schublade steckt.

      Übrigens würde sich auch ein wirklicher Antisemit niemals als antisemitisch bezeichnen. Selbst Al Capone sagte von sich nach seiner Verurteilung: “Ich bin ein mißverstandenere Wohltäter der Menschheit.” Die Fähigkeit des Menschen, eigenes Fehlverhalten zu verdrängen und schönzureden, ist nahezu unbegrenzt.

      • Lieber Michael,
        wie Sie ja gelesen haben, bin ich kein Verachter der Schnitzkunst, sie kann durchaus filigran sein, aber sie zeigt eine klare Linienführung.

        Es stimmt schon, dass sehr viele Menschen auf das Nachdenken verzichten, bevor sie den Mund aufmachen und der Welt eine Meinung kundtun ohne sich aller Implikationen bewusst zu sein. Meine Argumentation allerdings setzt ein Schritt davor an.
        Bevor ich einen Gedanken ausspreche, ist er bereits als Idee in mir, er ist in mir präsent – sonst könnte ich ihn nicht äußern – und er ist mir nicht nur bewusst, sondern auch wichtig genug, dass ich ihn anderen mitteile. Und er ist in diesem Moment der Ausdruck dessen, was ich für richtig halte.
        Vielleicht habe ich ihn von irgendeiner Autorität sagen hören, ich überprüfe ihn nicht, weil ich darauf vertraue, dass meine Eltern, Freunde, die respektable Zeitung, es schon wissen wird. Aber ich übernehme diesen Gedanken für mich. Es wird mein Gedanke.
        Vielleicht habe ich auch kleine selbstsüchtige Absichten dafür, besagten Gedanken zu wiederholen:Der Satz wurde schon einmal akzeptiert, der Sprecher galt als, klug, witzig, cool – das will ich auch für mich. Und dann bin ich auch das, was dieser nachgeplapperte Satz über mich aussagt: geistreich oder charmant oder antisemitisch.

        Allerdings gestehe ich jedem Menschen auch die Möglichkeit zu, seine Aussagen zu revidieren. Eine so düstere Vorstellung, dass Menschen nie aus Erfahrungen lernen und alle Fehler und Irrtümer in alle Ewigkeit wiederholen, ist furchtbar. Die diffamierende Äußerung war ok für dich, dann warst du eben diffamierend, nun hat man dich auf deinen Fehler hingewiesen, du hast nachgedacht, deine Meinung geändert und bist nun anders. Gratulation.

        Sie haben ja Recht, dass viele Antisemiten immerhin den Versuch der Reflexion starten und den erstaunten Zuhörer erklären,dass sie selbst ihre Vorurteile als neutrale Äußerungen empfinden. Aber mein Kind, wenn du das so nicht meinst, dann darfst du das so nicht sagen. Du b i s t Antisemit; auch wenn es dir selbst noch nicht bewusst ist, ist diese Idee in dir enthalten. Aus diesem Grunde halte ich Ihren Satz“ Der wirkliche Antisemit offenbart sich erst, wenn man ihm diese Möglichkeit geboten hat, und er sich bewusst dagegen entschieden hat.“ für falsch.

        Was soll ein wirklicher Antisemit sein? Ich verstehe in dieser Frage keine diffusen Grauzwischentöne. Man kann nicht ein bischen hassen, man kann nicht ein wenig antisemitisch sein. Und auch nicht aus Versehen.

        „Alles ist richtig, auch das Gegenteil. Nur: „Zwar…..aber“ – das ist nie richtig.“ (Tucholsky)

        • Brillant.

          Die Logik ist bestechend, die Schlussfolgerungen zwingend, da fällt mir keine geistreiche Gegenrede mehr zu ein, außer, dass ich mich wohl als immer-falsch-liegendes Zwar-Aber Weichei outen muss.

          Denn der Antisemitismus-Vorwurf führt eingentlich zuverlässig zum Abbruch der Diskussion, zum lauten Aufheulen des so bezichtigten, zum Wechsel von der Sachebene in den Bereich persönlicher Diffamierungen – egal ob er berechtigt ist, oder nicht.

          Siehe Augstein-Debatte. Siehe Grass-Debatte.

          Der Antisemitismus-Vorwurf hat diskussionstechnisch immer so die Funktion der nuklearen Erstschlagwaffe. Danach ist alles platt. Mir ist noch keiner begegnet, der auf diesen Vorwurf reagiert hätte: Oh, ups, da muss ich wohl in mich gehen, und mich ernsthaft prüfen.

          Aber das alles ändert nichts daran, dass jeder ihrer Sätze ins Schwarze trifft. Und das es folglich einfach auch mehr Antisemiten gibt, als wir wahrhaben wollen. Nicht jeder von ihnen träumt von einer Endlösung, aber mehr als einer meint, dass die Juden irgendwie ein Problem sind, für uns, für “den Weltfrieden” (als ob es den je gegeben hätte!).

          *seufz*
          Heidelbaer

          • “Denn der Antisemitismus-Vorwurf führt eingentlich zuverlässig zum Abbruch der Diskussion, zum lauten Aufheulen des so bezichtigten”

            Ich habe nicht alles gelesen, was hier gestern gesagt wurde, aber ich glaube, es wurde noch nicht erwähnt, dass – obgleich Augstein wohl eine Entschuldigung durch das SWC erwartet – Augstein vom SWC (laut jpost.com) aufgefordert wurde, sich für seine antisemitischen Äusserungen zu entschuldigen.

            Wir werden sehen…

          • Oh Heidelbaer, wie soll ich unsere friendly fire genießen, wenn Sie mir sofort die bedingugslose Kapitulatoin anbieten?

            Ich antworte Ihnen unter dem anderen Eintrag auf Ihre Argumente, vielleicht findet sich unter der weißen Fahne ja noch ein bischen Munition.

            BTW, wieso sind am Freitag alle so schnell in diesem Blog? Hab ich den falschen Beruf gewählt?

            Gabriele

          • Hallo Gabriele,

            “BTW, wieso sind am Freitag alle so schnell in diesem Blog? Hab ich den falschen Beruf gewählt?”

            Es handelt sich hier bei einigen wohl eher um eine Pathologie (fehlgeleitete Berufung, Blogorrhö, Suchterkrankung… ). Da bleibt nur, das Leben und den Beruf unter Rücksichtnahme auf die Symptome zu gestalten, anzupassen, wann, wie oder wo auch immer.

        • Liebe Gabriele,

          so sehr Sie in der Sache Recht haben, einen Widerspruch muss ich dennoch wagen, denn er bezieht sich auf das Zwischenmenschliche. Heidelbaer ist mir mit dem Argument teilweise schon zuvorgekommen, aber ich bringe es trotzdem nochmal.

          “Die Aussage ist antisemitisch” geht ad rem bzw. ad hominem, bewegt sich in der Kritik also auf der Sach- oder Verhaltensebene. Sie lässt dem Gegenüber damit noch Raum zur Bewegung. Je stärker es von der Sach- auf die Verhaltensebene geht, desto kleiner wird dieser Raum, denn dann fängt man an, das eigene Verhalten zu rechtfertigen.

          “Du bist ein Antisemit” geht ad personam, zielt also auf die charakterliche Beschaffenheit der Person. Wie Heidelbaer schon gesagt hat, würgt das jede Diskussion ab, weil es dem anderen nur noch die Möglichkeit lässt, ebenfalls auf der persönlichen Ebene zu antworten, um den Angriff gegen sich abzuwehren. “Was weißt Du schon, Du bist doch doof.”, wäre eine typische Antwort darauf.

          Wenn es Ziel sein soll, den Anderen zu sensibilisieren, ist der erste Weg der Richtige. Wenn es Ziel ist, die Diskussion abzubrechen, der zweite. Wobei der zweite durchaus einfacher zu gehen ist, weil er einem selbst nicht so viel abverlangt.

          Und da kommen wir zum eigentlichen Problem: es ist falsch, ein Antisemit zu sein, darüber gibt es keinen Dissens. Wenn aber der Andere als Antisemit falsch ist, dann bin ich automatisch richtig, und das gibt mir ein gutes Gefühl der Überlegenheit. Also ist auch für das Ego der zweite Weg der angenehmere. Denn ich selbst kann ja nicht falsch liegen, das ist völlig ausgeschlossen.

          Wenn ich allerdings meine eigenen Aussagen in diesem Blog und die Rezeption durch Andere kritisch betrachte, dann frage ich mich, ob nicht ein Teil meiner Überzeugungen anitsemitischen oder antipalästinensischen Ursprungs sind, nur auf einem weniger plumpen Niveau als früher. Manche haben mich im Verlauf der Monate als Israelgegner bezeichnet, andere als islamophob. Kann ich das wirklich entrüstet von mir weisen, oder ist da nicht ein wahrer Kern darin? Ist meine Sicht wirklich der Maßstab aller Dinge? Und wenn die Anderen recht haben, bin ich dann schon ein Antisemit? Oder ein Islamhasser?

          • Lieber Michael,

            Sie haben völlig recht, dass Diskussionen auf der Sachebene wesentlich respektvoller und damit auch anregender und produktiver sind als persönliche Angriffe. Ist das nicht ein gemeinsamer Grund, warum wir diesen Blog und den Umgang hier miteinander schätzen?

            Vielleicht kann ich meine Position retten, indem ich auf meine gedachte Einheit von Sprecher und Inhalt verweise. Ich könnte also, in einer Diskussion – und es macht ja auch der Ton die Musik, der verkündet: Ich will dir nichts Böses, ich respektiere dich – auf den antisemitischen Inhalt einer Aussage hinweisen und damit, ohne “Du-Botschaft”, zum Nachdenken anregen. Und vielleicht ergibt sich dann ja mit meinem Gesprächspartner eine ähnliche Diskussion wie hier.

            In Ihrem letzten Absatz sprechen Sie eines der Themen an zu denen mein Überlegen nicht einmal ein Zwischenstandsergebnis vorzuweisen hat, die ich aber ebenfalls sehr, sehr spannend finde: Die Ursachen für Übereinstimmung oder Diskrepanz von Fremd- und Selbstwahrnehmung. Wie Sie sehen tendiere ich dazu in Fällen von Angriff, Intoleranz und Beleidigung eher dem Adressaten und nicht “der eigenen Intention” das Recht zu geben Grenzen festzulegen.
            Aber für die Frage: “Und was denke ich, wer/was ich bin?” muss man dann trotzdem noch eine Antwort finden.
            Eine spannende Suche. ;-)

            Gabriele

          • Liebe Gabriele,
            Sie müssen keine Position retten.

            Kennen Sie übrigens den Film “Gentlemen’s agreement” (deutscher Titel: “Das Tabu der Gerechten”)?

          • Lieber Michael,

            nein, noch nicht. Empfehlenswert?
            Ich werd’ mal googeln.

          • Liebe Gabriele,
            sehr empfehlenswert. Sollte nach meinem Dafürhalten verpflichtend ab ca. der 8. Klasse gezeigt werden.

            Ohne den Film zu kennen, hatte ich ein ähnliches Experiment gemacht und ähnliche “Ergebnisse” erhalten, die mich ziemlich erschütterten und zum Nachdenken brachten. Deshalb konnte ich mich besonders gut in den Protagonisten einfühlen. Mir ging der Film jedenfalls unter die Haut.

          • @ alle, die dieser Auseinandersetzung folgen –

            Diese Frage nach der Einheit von Wort und Sprecher, nach antisemtisichen Untertönen, ‘Judenhass mit Niveau’ etc. etc. ist interessant und die Diskussion berechtigt.

            Ich bin gerade Michaels Hinweis auf “Gentleman’s agreement” nachgegangen, denke noch nach über das, worüber ich mich mit Gabriele ausgetauscht habe und mir wird bewusst, wie theoretisch diese Diskussion doch geführt wird – abgesehen von dem Beispielkind am Abendtisch.

            Die Welt hat sich seit ’45 geändert. Wir leben nicht mehr im Nachkriegs-Deutschland, Nachkriegs-Europa. Ja, Hitler ist tot – wie viele andere auch. Heidelbaer sprach davon. Gerät die Geschichte in Vergessenheit? Das ist nicht wirklich das grosse Problem. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges konnte man sich an christlichen Werten und Traditionen festhalten. Die waren zwar nicht unbedingt pro-jüdisch, aber doch zumindest irgendwie das Gute, Versöhnung usw. suchend. Der Antisemitismus verschwand damit nicht. …

            In dieser Zeit konnten die von Gabriele und mir erwähnten Gespräche beim Abendbrot Veränderung bewirken. …

            Aber heute? Finden solche Gespräche überhaupt noch statt? In vielen Familien (Familien?) unterhält der Fernseher die Runde, wenn man überhaupt zusammensitzt.

            Ausserdem hat sich das ‘Problem’ mit den Fremden insgesamt grundlegend geändert. Es gibt keine uniforme deutsche Identität mehr. Es gibt zwar Ghettobildungen in den Grossstädten, aber es gibt zugleich auch eine Masse sehr gut integrierter nicht deutsch-stämmiger Deutscher und Ausländer, die ihren Platz in der Gesellschaft finden. “Wir” haben gelernt, tolerant zu sein. Diese Toleranz ist ein zweischneidiges Schwert, denn “wir” sind vor allem offen für den anderen und es ist dabei von nachgeordneter Bedeutung, wer wir selbst sind, welches unsere Identität ist. Eine Identität, die diese absolute Toleranz nicht mehr zulässt, ist unzulässig. Und so passen wir uns den Erwartungen der Masse, der “Mehrheit” an und laufen mit.

            Das schafft eine entspannte Atmosphäre, so dass zum Beispiel Juden wieder gerne in Berlin leben.

            Das Problem dabei ist, dass “wir” so auch einen angenehmen Nährboden für Minderheiten bieten, die selbst identitär und wenig tolerant sind. “Wir” tolerieren sie. Ich spreche vom Islam, den Muslimen.

            Nun ist es auf der anderen Seite aber auch so, dass es von der Politik nur wenig Interesse gibt, dieser Toleranz Einhalt zu gebieten. Wir wollen friedlich miteinander leben und verteidigen damit auch die eigenen wirtschaftlichen Interessen in den arabischen Ländern.

            Deutscher Antisemitismus ist Geschichte. Israelkritik ist arabisch, und aus unerfindlichen (??) Gründen übernehmen wir sie. Toleranz jedem gegenüber, ja, aber Israel? Das ist etwas anderes…

            Und daher ist es auch nicht so, dass Hänschen und Fritzchen beim Abendtisch “unflätige Judenwitze” (Gabriele) reissen und Mama und Papa klären auf und ermahnen. Ihnen ist unter Umständen gar nicht danach, solche “Witze” zu reissen. Sie erzählen nur davon, nicht von Witzen, eher von Vernichtungsfantasien, die andere verbreiten, und was sollen Mama und Papa da sagen? Im “positiven” Fall werden die Eltern sagen: “Das ist schlimm, aber es ist gut, dass Du Abdul und Karim nicht antwortest. Wer weiss, was die sonst mit Dir machen würden.” – Im negativen Fall werden sie sagen: “Naja, das überrascht ja nicht. Hierzulande haben ja sonst nur der Grass und der Augstein den Schneid, die Wahrheit beim Namen zu nennen …”

            Der moderne Antisemitismus knüpft zwar am ‘klassischen’ Antisemitismus an, ist aber längst zum Spiegel des Nahostkonflikts geworden.

            Daher ist leide nur wenig von dem hier so schön Gesagten (Filme anschauen, diskutieren, aufklären, sensibilisieren…) im Alltag effizient.

          • Lieber Michael,

            da würde mich Ihr eigenes Experiment fast noch stärker interessieren.
            Aber vielleicht ist das nichts für eine”Veröffentlichung” hier…….
            Ich meine den nächsten Satz nicht flapsig, aber ich muss gar nicht experimentieren, ich bin es gewohnt für etwas/jmd. gehalten zu werden, der ich nicht bin. Deshalb auch mein Interesse an diesem Phänomen der Fremdwahrnehmung – und damit verbundener Assoziationen.
            Danke für den Filmtipp, klingt wirklich gut und Gregory Peck ist auch ein toller Schauspieler.

          • Lily,

            Ihr Post vom 13. Jan. 2013 13:31 bringt mich schon wieder auf die sprichwörtliche Palme. Und das ist prima, ich neige nämlich zu niedrigem Blutdruck. Danke, dass Sie auf meine Gesundheit achten. :-D
            Hier sind die vier Ebenen erreicht, ich mache unten weiter.

            Gabriele

          • Gabriele,

            Sie meinen, weil ich Sie auf die Palme bringe, haben Sie das Recht, mich auf die Folter zu spannen?!

            Und so warte ich nun auf Ihre Zersetzung meiner Gedanken weiter unten…

            ;-)

          • Liebe Lily,
            zersetzen möchte ich Ihre Gedanken nicht gerade, aber doch ein paar gedankliche Voraussetzungen hinterfragen. Sie schreiben, Hitler ist tot, und der neue Antisemitismus geht von Arabern aus. Auf den ersten Blick stimmt das. Aber hält das einem zweiten Blick stand?

            Vor ein paar Wochen kam hier ein einzelner Beitrag von Stefan Meining. Dadurch wurde ich auf sein Buch “Eine Moschee in Deutschland” aufmerksam. Derzeit lese ich es gerade, wenn auch recht langsam, denn Stefan Meining ist ein großer Aktenfresser vor dem Herrn. Die Packungsdichte mit Informationen ist dementsprechend hoch, und derzeit sind so viele Fäden im Spiel, dass man fast den Überblick verliert.

            Im Prinzip zeigt er jedoch auf, dass Hitler aus islamischen Turkvölkern der UdSSR eigene Truppen rekrutiert hat. Hitler zollte den Moslems durchaus Anerkennung. Daneben war der Großmufti von Jerusalem mehrere Jahre in Deutschland und atmete den Geist des nationalsozialistischen Antisemitismus.

            Auch nach dem Krieg bestand die Kooperation fort, und es gab Unterstützung für die überlebenden Exil-Moslems in Deutschland (diejenigen, die in die UdSSR zurückgeführt wurden, wurden von Stalin massakriert). Den Alliierten schien es nach dem Krieg fast egal zu sein, welche Vorgeschichte ein Mann hatte, solange er nützlich im Kampf gegen die Sowjetunion war. Jedenfalls tauchten viele hochrangige Nazis in der Bundesrepublik wieder auf. Übrigens auch in der DDR, aber die spielt hier keine Rolle.

            Wenn also der politische Islam – und das ist die Kernthese des Buches – tatsächlich ein Kind der alten Nazis ist, dann verwundert es nicht, dass er auch den Antisemitismus geerbt hat.

            Geht man dann etwas weiter in der Geschichte (jetzt habe ich das Buch verlassen) zu den 68ern, dann rebellierten die Jungen gegen die Tätergeneration und deren unerträgliches Schweigen. Im Rahmen des kalten Krieges und der Zweiteilung der Welt in kapitalistische Imperialisten und Kommunisten (wir sind wieder beim Holzschnitt), musste jeder Konflikt in genau dieses Schema passen.

            Nahezu zeitgleich mit dem Aufbegehren 1968 fand der sogenannte Sechs-Tage-Krieg statt. Israel griff das von der UdSSR aufgerüstete Ägypten an – nach eigener Lesart, um einem ägyptischen Angriff zuvorzukommen. Nach russischer Lesart war Israel jedoch der Agressor. Und da die Welt holzschnittartig funktionierte, konnte man entweder nur für Russland und damit gegen Amerika sein, das damals schon Israel unterstützte, oder gegen Russland und damit für Amerika. Da die 68er stark links geprägt waren (es handelt sich bei den 68ern vereinfacht gesagt um den Versuch, künftige Weltkriege zu verhindern, indem man Menschen mit dem kommunistischen Weltbild indoktrinierte, um so in den Ländern, in denen keine Bereitschaft zur Revolution bestand, langfristig dennoch eine sozialistische Gesellschaft zu etablieren), blieb damit nur noch die Seite pro Russland = gegen Israel.

            Aus diesem Grund sind die Linken gegen Israel und für die Palästinenser. Dass der antiisraelische politische Islam von den Nazis stammt, weiß keiner oder will keiner wissen, denn es würde ja das eigene Weltbild stören.

            Ein Zeuge Jehovas, der sowohl unter den Nazis als auch in der DDR inhaftiert war, erzählte, er bekam von einem DDR-Gefangenenwärter zu hören: “Die Nazis waren plumpe Trottel. Wir haben viel subtilere Methoden, wir werden Dich schon kleinkriegen.” In diesem Sinne ist nach meinem Verständnis auch der plumpe Judenhass der Nazis einem subtileren Hass der Linken auf Israel gewichen.

            Wie tief dieser Hass sitzt, habe ich (als Antwort auf Gabrieles Frage) herausgefunden, als ich mich als Jude “verkleidet” in die Fußgängerzone gestellt und mit Passanten diskutiert habe. Abgesehen von Pöbeleien arabischer Jugendlicher schlug mir auch von vielen Deutschen blanker Hass entgegen. Nicht nur, dass ich mich für die angeblichen Greueltaten Israels gegen die Palästinenser rechtfertigen musste (obwohl ich einen “deutschen” Juden gespielt habe), viele Aussagen waren auch vom Typ “Ich hasse alle Juden”. Nun war das keine qualifizierte Stichprobe, aber gefühlt schienen die Intellektuelleren (vielleicht eher dem linken Lager zuzuordnenden) häufiger die Israelschiene zu fahren als die weniger Intellektuellen (vielleicht eher der rechten Seite zuzuordnenden), die meist eher plump antisemitisch waren. Viele änderten auch ihren Kurs, sobald sie mich identifizieren konnten, und gingen mir weiträumig aus dem Weg. Wirklich erfreut über mein “Outing” schien niemand, eher unangenehm berührt.

            Für mich selbst habe ich daraus geschlossen, dass die einseitige Kritik an Israel meist nur eine subtilere Form des Judenhasses ist. Man kann vorgeben, ein friedliches Zusammenleben zu wünschen, und damit vor sich selbst verbergen, dass es Judenhass ist, aber in der Stoßrichtung sagt diese Meinung, dass nur und ausschließlich die Juden (und zwar auch die, die nicht dort leben) schuld an dem Konflikt sind und es an ihnen sei, ihn zu beenden. Damit ist die Parteinahme für die Palästinenser eine nachträgliche Rationalisierung für ein Gefühl. Aus dem “bösen” Judenhass wird der “gute Kampf” für die unterdrückten Palästinenser.

          • Lieber Michael

            ich bin nicht sicher, ob man sagen kann, der politische Islam sei ein Kinder der Nazis und muslimischer Antisemitismus eine neuzeitliche Erfindung. Dafür bewertet der Koran “die Juden” schon zu negativ und diese Werung wird auf die heutige Zeit und den “Judenstaat” Israel vielleicht einfach übertragen.
            Aber die Entwicklung des politisch linken Antisemitismus haben Sie w u n d e r b a r zusammengefasst.

            Gabriele

          • Liebe Gabriele,
            Sie haben Recht, der islamische Antisemitismus hat viele Wurzeln. Wobei er bis 1948 deutlich geringer war als der “christliche”.
            Allerdings hat er seit 1945 einige Veränderungen erfahren. Und ich denke, auf die zielt das Buch ab (wie gesagt, ich bin noch nicht durch).
            Ansonsten danke für die Blumen. Ich warte diesbezüglich noch auf meine Steinigung. ;)

          • “Aber die Entwicklung des politisch linken Antisemitismus haben Sie w u n d e r b a r zusammengefasst.” (Gabriele @ Michael)

            Liebe Gabriele,

            haben Sie nun eigentlich eine Vorliebe für Heidelbaer oder doch eher für Michael? (Ich hoffe, meine neugierige OT-Frage kommt durch.)

          • Lieber Michael,

            Ihre Buchbesprechung finde ich SEHR interessant. Mit “Hitler ist tot” hatte ich lediglich Heidelbaer zitiert.

            Wir diskutieren jedoch aneinander vorbei. Diese Verbindung zwischen Nazi-Ideologie und Islam ist interessant, und Sie fürchten bereits Schlimmes (Steinwurf), da Sie (oder Herr Meining, der offenbar damit angefangen hat) die Deutschen implizit nicht nur für die Shoah, sondern imselben Atemzug gleich auch noch für den modernen Antisemitismus des Islam verantwortlich machen.

            Chapeau!

            Helm auf!

            Schutzweste an!

            Ich werde später (unten) Gabriele und Ihnen gemeinsam näher erklären, worum es mir ging.

        • Liebe Gabriele,

          eigentlich mache ich gerade eine Pause, aber das will mir nicht so recht gelingen, zumal, wenn kein anderer sagt, was ich denke…

          “Bevor ich einen Gedanken ausspreche, ist er bereits als Idee in mir, er ist in mir präsent – sonst könnte ich ihn nicht äußern – und er ist mir nicht nur bewusst, sondern auch wichtig genug, dass ich ihn anderen mitteile. Und er ist in diesem Moment der Ausdruck dessen, was ich für richtig halte.”

          Das stimmt.

          “Vielleicht habe ich ihn von irgendeiner Autorität sagen hören, ich überprüfe ihn nicht, weil ich darauf vertraue, dass meine Eltern, Freunde, die respektable Zeitung, es schon wissen wird.”

          Und auch das ist richtig.

          “Aber ich übernehme diesen Gedanken für mich. Es wird mein Gedanke.”

          Jein.

          Es gibt zwei Dinge, die Sie in Ihren Ausführungen übersehen: Die Idee ist in mir vorhanden, ehe ich den Gedanken ausspreche. Ja, manchmal ist es so, aber es gibt auch diesen Fall, da Worte leichtfertig nachgeplappert werden und dieser AUSDRUCK des Gedanken eines anderen gedankenlos übernommen wird, OHNE dass der Gedanke dabei übernommen worden wäre!

          Wenn dieser Ausdruck jedoch immer wieder wiederholt wird, so werden der Gedanke, der dahintersteht irgendwann zur eigenen Überzeugung. Das ist jedoch nicht sofort und automatisch der Fall, wenn jemand sich leichtfertig antisemitisch äussert.

          Viel wichtiger als die Worte selbst ist das Gefühl, das durch diese Worte transportiert wird. Kennen Sie Leute, die mit schelmischem Blick etwas Antisemitisches sagen, um eine Reaktion zu provozieren, obgleich sie tiefe Bewunderung verspüren für diese Juden, über die sie gerade schimpfen?

          Und auch das Umgekehrte ist wahr: Menschen, die sich im Brustton der Überzeugung “prosemitisch”, pro-israelisch äussern, denen in unbedachten Momenten jedoch hasserfüllte Tiraden gegen die Juden über die Lippen gehen, sagen mit diesen Worten, die von Herzen kommen, mehr als in den Reden von Jahrzehnten.

          Dies bringt mich zu meinem zweiten Gedanken: Ich denke, wir müssen immer auch den Kontext des Gesagten bedenken. Scherzen hier Geschwister im Privaten untereinander, oder spricht jemand vor laufender Kamera in die Menge? Ob ein Präsident im off seinen Gefühlen freien Lauf lässt oder das Kind beim Abendessen den Eltern gegenüber, da gibt es einen Unterschied. Und wenn ein Journalist und Kolumnenschreiber seine Worte bewusst wählt, mit denen er die Masse der Gesellschaft erreicht, so hat auch das eine eigene Bedeutung.

          “Aber mein Kind, wenn du das so nicht meinst, dann darfst du das so nicht sagen. Du b i s t Antisemit; auch wenn es dir selbst noch nicht bewusst ist, ist diese Idee in dir enthalten.”

          Ich teile Ihre Ansicht, dass wir sehr auf unsere Worte achten müssen und auf die Gedanken, die wir mit unseren Worten transportieren. Andere könnten sie übernehmen; sie könnten andere verletzen. In Ihrem Satz; “Aber mein Kind…” würde ich das Kind eher auf die Gefahr hinweisen, die von seinen Worten ausgeht und ihm nicht eine Auseinandersetzung mit der vermeintlichen Identität des Antisemiten ans Herz legen. Auch das wäre zu einfach – und könnte auch “nach hinten” losgehen. “Ach, ich bin also Antisemit, weil ich das sage? Was macht denn so ein Antisemit? Ist das was Schlimmes? Ach, ich find’s gar nicht so schlimm. Ist schon okay, wenn ich ein Antisemit bin. Ich sag’s gleich den anderen. Die sind also auch alle Antisemiten….” :-o

          Das wirkliche Problem, die Wurzel des Antisemitismus, liegt in der Idee, in den Gedanken, in einer Geisteshaltung, in der gefühlten Ablehung und Verachtung der Juden. Es ist wirklich so, dass nicht zwangsläufig jeder, der womöglich keinen Juden kennt, aber judenfeindliche Sprüche nachplappert, davon gleich ein Antisemit wäre. Wenn’s dem jüdischen Klassenkameraden an den Kragen geht, wird er sich wohl für ihn in die Bresche werfen. ;-)

          • “Es ist wirklich so, dass nicht zwangsläufig jeder, der womöglich keinen Juden kennt, aber judenfeindliche Sprüche nachplappert, davon gleich ein Antisemit wäre.”

            Es ist sogar so, dass der stärkste Antisemitismus dort existiert, wo keine Juden leben.

    • Ach Gabriele, ich weiß gar nicht was ich mehr schätze, Lilys Komplimente oder Ihre Kritik. ;)

      Danke dafür jedenfalls. Mit ihrer Anfrage haben Sie natürlich erstmal recht: Eine Person sollte meinen, was sie sagt, und sagen, was sie meint. Insofern sollte man Leute, die antisemitische Argumente oder Argumentationsstrukturen verwenden sie auch so meinen und folglich auch Antisemiten zu nennen sind. Soweit, so richtig.

      Nur bei dieser neuen, subtilen Spielart des Antisemitismus ist es eben doch möglich, dass Menschen den judenfeindlichen Kern bestimmter Aussagen nicht merken, und ihn auch nicht meinen. Bei Augstein muss man eine solche Dummheit freilich verneinen.

      Was mir dennoch Sorgen machen würde, wäre eben eine Inflation des Antisemitismus’-Begriffes. Es ist für mich nicht nur Differenzieren um des Differenzierens willen, wenn ich sagen kann: Dieses Argument ist im Kern antisemitisch – ohne den Diskussionspartner persönlich als Antisemiten zu beschimpfen. Es lässt dem anderen genau den einen Schritt Abstand zur Wand, den er vielleicht braucht, um sich neu zu positionieren.

      Meine Differenzierung zwischen Argument und Person verhindert meines Erachtens auch, dass eben jemand sich mit dem Hinweis, er hasse niemanden und auch keine Juden aus dem persönlichen Vorwurf windet, und dann seine Argumente weiter verbreiten kann. Weil ja im Umkehrschluss jemand, der niemanden hasst, auch kein Judenhasser sein kann, und wer kein Antisemit ist, kann sich ja auch nicht antisemitisch äußern und insofern sei alles nur ganz legitime politische Meinung, Kritik an der israelischen Regierung, und das wird ja wohl erlaubt sein.

      Aber Ihre konsequentere Haltung hat natürlich auch ihre Richtigkeit, weil tatsächlich jeder Tropfen in ein Fass geht, das wir niemals wieder überlaufen sehen wollen. So dass sich jeder, der mit diesen Argumenten wohlfeil und fahrlässig umgeht, wirklich ernsthaft fragen sollte, ob er nicht doch ein Problem hat, dass er sich nur nicht eingesteht. Nur in der Diskussion haben solche Aussagen schlicht den Charakter einer böswilligen Unterstellung – damit kommt man in der Regel dann auch nicht weiter.

      Jaja, mein Pragmatismus
      ;-)
      Heidelbaer

      • An irgendeiner Stelle dieser Semitismus-Antisemitismus-Diskussion habe ich echte Selbstzweifel bekommen: Ich leugne weder den Holocoust noch befürworte ich ihn. Also bin ich KEIN Antisemit. Bin ich Semit oder Pro-Semit? Gefühlt nicht, aber wie sehen es die Anderen von “Außen”? Denn: Ich kritisiere die Siedlungspolitik der israelischen Regierung/des israelischen Staates, somit des jüdischen Volkes (letzteres ist eine Schlußfolgerung eines hier bekannten Bloggers, nicht meine!). Also bin ich Antisemit? Ich sehe rassistische Elemente in der Araber-/Palästinenser-Politik Israels. Also bin ich Pro-Arabisch (Antisemit sowieso!)? Ich kritisiere die Intifada, die Hamas, den Gaza-Konflikt! WAS/WER BIN ICH?

        Nehmen Sie das bis hier meinetwegen als Ironie, ich weiß schon, wer ich bin! ;-)

        Man sollte auf dem Teppich bleiben und den Antisemitismus als das nehmen, was er weitestgehend ist: Eine Meinung! Zur Beurteilung eines Menschen ist er untauglich, weil er im realen Leben der meisten Menschen nicht mehr als eine Nebenrolle spielt.

        Sie sollte nicht (infolge eines MeinungsbildungsPROZESSES) Bestandteil offizieller (Parteien-) Politik werden, da gehe ich mit Ihnen konform.

        BTW: Heißt der Holzschnitt, so wie er hier diskutiert wird, nicht Scherenschnitt? Nur daß sich “Holzschnitzer” besser liest als “Scherenschneider”…

        Schönen Tag noch!

        Hanns

        • “Man sollte auf dem Teppich bleiben und den Antisemitismus als das nehmen, was er weitestgehend ist: Eine Meinung! Zur Beurteilung eines Menschen ist er untauglich, weil er im realen Leben der meisten Menschen nicht mehr als eine Nebenrolle spielt.”

          Das mit der “Nebenrolle” im realen Leben der meisten Menschen, das war nicht immer so und ist auch heute nicht überall so.

          Ich möchte gerne da anknüpfen, wo Sie sagen, es sei eine Meinung, die zur Beurteilung eines Menschen untauglich sei. – Ob diese Meinung nun zur Beurteilung eines Menschen taugt oder nicht, es ist das, wofür sie benutzt wird. Antisemitismus, Judenfeindlichkeit existiert nicht in einem Vakuum, losgelöst vom Menschen, sondern sie richtet sich ganz praktisch gegen Menschen.

          Auf der anderen Seite nehme ich jedoch im Leid der Juden selbst angesichts des Antisemitismus immer wieder die völlige Fassungslosigkeit, ein Unverständnis wahr. ‘”Wir” haben doch nichts getan, niemandem etwas zuleide getan, warum hasst man uns denn dann???’ Diese Frage zieht sich wie ein rotes Band durch die jüdische Geschichte.

          Es tut kaum etwas zur Sache, dass es Israelis gibt, die korrupte Politiker oder Geschäftsleute sind, das Volk der Juden steht nun einmal für eine äusserst unpopuläre und unbequeme Wahrheit. Ob sie es wollen oder nicht, sie sagen mit ihrer Existenz: Es gibt einen Schöpfergott, der sich mit uns und Euch anderen etwas gedacht hat und wir stehen im Zentrum seiner Gedanken. Nur in Abhängigkeit von diesem Schöpfergott leben wir…

          Von solchen Ideen will der emanzipierte Mensch nichts wissen. Von solchen Ideen will auch der Mensch, der eine andere Vorstellung von Gott hat, nichts wissen und auch manch einem Juden selbst gefällt eine solche Auffassung nicht …

          Ich will hier nicht sagen: “Macht Euch doch nichts aus diesem bisschen Antisemitismus auf der Welt. So war’s schon immer, und Ihr wisst doch selbst, warum es so ist…” –

          Es ist aber auch so, dass sich dieses Angefeindetwerden vom Prinzip her nachvollziehen lässt. Jeder erlebt es, wenn er mit der eigenen Wahrheit, die Lüge oder den Betrug eines anderen ans Licht bringt. Der andere wird ihn dafür hassen… klar, denn es ist ihm peinlich und unangenehm, und er fürchtet sich vor den Konsequenzen. Wie schlimm ist diese Feindseligkeit für denjenigen, der sich im Recht weiss? Nicht so schlimm, dass er die Wahrheit dafür verlassen würde. Es ist ein “leichtes Joch”. Viel schlimmer ist doch, in der Dunkelheit zu wandeln und die Wahrheit nicht zu erkennen.

        • @Hanns
          “Man sollte auf dem Teppich bleiben und den Antisemitismus als das nehmen, was er weitestgehend ist: Eine Meinung! Zur Beurteilung eines Menschen ist er untauglich, weil er im realen Leben der meisten Menschen nicht mehr als eine Nebenrolle spielt.”

          Gefährliche und m.M.n. unerträglichen Ansichten vertreten Sie!
          Leider stehen Sie – genauso wie Augstein – damit nicht allein da.

          Sie verleugnen noch befürworten den Holocaust. Im gleichem Atemzug verarmlosen Sie die Ursache des Holocaustes. Sie gehen sogar noch weiter und bezeichnen diese Ursache (Antisemitismus) als eine Meinung. Damit haben Sie Antisemitismus sozusagen als “Menschenrecht” (auf eigene Meinung) erklärt.

          Ach… und ob Sie ein Antisemit sind?
          Na da bin ich ja sowas von unqualifiziert um darauf antworten zu können.

          Und ob Antisemitismus im einzelne Menschen eine Rolle spielt kann ich auch nicht beurteilen. Dazu müsste ich mich mehr mit den Holocaust und noch mehr mit die Geschichte der Prognome beschäfftigen.

          In diesem Sinne
          Ihnen auch einen schönen Tag.

        • Ich glaube hier geht es nicht um Holzschnitzerei im Sinne einer dreidimensionalen Skulpturenkunst, sondern um den Holzschnitt als alter Drucktechnik, bei der (vielleicht kenn jemand hier den Vetter des Holzschnitts, den Linoldruck noch aus der Schulzeit) ein Motiv in eine Holzplatte geschnitzt wird, und dann mit einer Farbrolle eingefärbt wird, so dass man dann damit auf Papier drucken kann. Das sorgt dann für klare Schwarz/Weiß Konturen, man kann natürlich andere Farben verwenden, aber eben keine Graustufen oder Zwischentöne.

          Heidelbaer

          PS.: Google-Bildersuche Holzschnitt bringt schon ein paar bekannte Beispiele…

          • Also ich hab an Tilman Riemenschneider gedacht…….

            Gabriele

          • @ Heidelbaer: Sicher haben Sie recht, aber auch der, der HolzSCHNITTE herstellt, ist ein HolzSCHNEIDER! :-D

            @ RCS: Manche Vergleiche hinken, aber nicht alles, was hinkt ist ein Vergleich! ;-)

            Schönen Tag noch!

            Hanns

          • Also dass es (Holz)Schnitzer gibt, die (Riemen-)Schneider heißen und Journalisten gibt, die Schneider heißten, aber (Holz-)Schnitzer sagen, wenn sie (Holz-)Schneider meinen, – das verwirrt mich jetzt doch ein bisschen…
            fröhlich schmunzelnd
            Heidelbaer

      • “Es ist für mich nicht nur Differenzieren um des Differenzierens willen, wenn ich sagen kann: Dieses Argument ist im Kern antisemitisch – ohne den Diskussionspartner persönlich als Antisemiten zu beschimpfen. Es lässt dem anderen genau den einen Schritt Abstand zur Wand, den er vielleicht braucht, um sich neu zu positionieren.” (Heidelbaer)

        Mir gefällt dieser “Abstand zur Wand”.

        Um sich aber neu positionieren zu können, muss die Frage zulässig sein, warum denn der Antisemit unbedingt nicht antisemitisch sein solle. Ja, ich weiss, diese Idee ist ganz und gar nicht politisch korrekt. Es ist als stelle ich die Frage, wieso man denn nicht blaue, grüne oder gelbe Menschen hassen solle. Man soll diese Menschen aus dem selben Grund nicht hassen, aus dem man auch die Juden nicht hassen soll, weil es ganz einfach kein Mensch verdient hat, gehasst zu werden. Wir haben alle das gleiche Recht auf Leben.

        Damit wird der Antisemit sich aber nicht zufrieden geben, denn er wird Ihnen sagen, dass diese Juden da aber offenbar mehr Recht auf Leben für sich in Anspruch nehmen, so sehr, dass sich in der Weltpolitik irgendwie alles um Israel, immer nur Israel zu drehen scheint, und Israel will sich sicher fühlen dürfen, von allen verstanden und am besten auch unterstützt werden und ganz besonders von den Deutschen…

        Hmm.

        Warum sollen sich die Juden mehr als alle anderen für ihr Leben erklären sollen oder müssen? Der Anglikaner John Smith aus Manchester muss der Welt doch auch nicht erklären, wer er ist, damit man ihn in Ruhe (am) L/leben lässt.

        Es liegt an der ‘Auserwählung’, welche Gestalt auch immer diese ‘Auserwählung’, das Selbstverständnis oder die Aussenschau davon, annehmen mag. Es ist dieses Ding der Ungleichheit, das verstanden werden muss. Dieses Verstehen und Akzeptieren ist das einzige wirksame Gegenmittel gegen den Antisemitismus.

  23. “Es liegt an der ‘Auserwählung’, welche Gestalt auch immer diese ‘Auserwählung’, das Selbstverständnis oder die Aussenschau davon, annehmen mag. Es ist dieses Ding der Ungleichheit, das verstanden werden muss. Dieses Verstehen und Akzeptieren ist das einzige wirksame Gegenmittel gegen den Antisemitismus.”

    Ja, die sich selbst als die Auserwählten ansehenden müssen endlich akzeptieren, dass sie genauso Menschen sind wie alle anderen auch. Es gibt keine Herrenrasse und es gibt kein auserwähltes Volk. Erst wenn der Rassismus überwunden wird, werden wir vielleicht irgendwann Frieden finden.

    • @ free

      “Ja, die sich selbst als die Auserwählten ansehenden müssen endlich akzeptieren, dass sie genauso Menschen sind wie alle anderen auch.”

      Niemand streitet das ab.

      “Es gibt keine Herrenrasse”

      Es gibt nur Hunderassen.

      “und es gibt kein auserwähltes Volk.”

      Ja und ein. Auserwählt: doch! Volk: Es ist gewachsen und nicht mehr ethnisch homogen wie zu Beginn. Oder so: Jeder, der sich von der Auserwählung angesprochen fühlt, wird es.

    • @ free

      Dies hier wird Ihnen gefallen: Heute las ich über ein Essay des Journalisten Ron Unz, in dem er beschreibt, dass und in welcher Weise die Präsenz eines “amerikanisch-jüdische Genies” in den USA immer weniger erkennbar ist. Er hat versucht, herauszufinden, welches die Ursachen für diese rückläufige Entwicklung sind und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es daran liegt, dass säkular lebende, assimilierte amerikanische Juden nicht mehr so sehr das Volk des Buches seien und ihre Studien vernachlässigen. Sie sind zum “people of the buck” mutiert – einem Volk, das für den Dollar, dem Mammon lebt. Diese Entwicklung hat die jüdischen Amerikaner akademisch zurückgeworfen.

      Der Autor geht davon aus, dass es kein “jüdisches Gen” gibt, dass die akademische Überlegenheit (in der man wohl EIN Zeichen von Auserwählung sehen KANN, auch wenn dies nicht DER ausschlaggebende Faktor ist) einzig zurückzuführen ist auf die Liebe zum Lernen, zum Studieren, zu den Büchern, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Sie formt den Geist und befähigt den Menschen zu Höchstleistungen.

      Wir sind als die Spezies Mensch “intelligent” und alle dazu berufen (auserwählt), diese Intelligenz zu nutzen und nicht brach liegen zu lassen, und das jüdische Volk zeichnet sich – zumindest da, wo an Traditionen festgehalten wird – genau dadurch aus.

      Dieser Weg aber steht heute grundsätzlich JEDEM – allen Nationen – offen.

    • Sie sollten sich mal ernsthaft mit dem Begriff der” Auserwähltheit” oder mit dem Begriff “auserwähltes Volk” beschäftigten. Zweifellos hat das auserwählte Volk eine besondere Beziehug zu und eine besondere Verantwortung vor Gott. Auserwähltsein ist alles andere als ein Priveleg, es ist vielmehr eine Verpflichtung. Rein biblisch gesehen, wird das auserwählte Volk von Gott ständig geprüft, gemaßregelt und der Kleingläubigkeit bezichtigt. Auserwähltsein bedeutet alles andere als ein Zuckerschlecken!

  24. @ebners

    Wo sind meine Antworten
    @Heidelbaer
    @Lily
    von gestern Abend?

    Bitte sagen Sie nicht , dass die im Cyber-Nirwarna verschwunden sind? Ich bekomm shon vom Gedanken, dass alles noch mal zu tippen einen Schreibkrampf.

    Gabriele

  25. Lieber Heidelbaer,

    (zweiter Versuch Ihnen zu antworten)

    Sie haben meine Intention voll erfasst und viel hübscher benannt als ich.
    Ja, es geht darum, ob man zwischen einer Person und ihren Argumenten differenzieren darf. Ich sage nein und ich kann nicht ganz Ihren Gedankengang nachvollziehen, wieso eine solche Trennung verhindern könnte, dass sich jemand aus dem Vorwurf des „Judenhassers“ winden könnte. Das Gegenteil scheint mir der Fall. Indem ich mich von meinen eigenen Worten distanziere, sie als „bloße Meinung“ zur Diskussion in den Raum stelle, entlasse ich mich aus der Verantwortung für die Folgen. Was immer meine Worte bewirken, egal, welche Folgen sie haben werden, ich kann immer sagen: „Das war doch nicht mein Ich. Ich selbst denke doch nicht so.“ Diese Distanz von Sprecher und Gesprochenem, Wort und Mensch, ist die Rückversicherung eines Feiglings. (N i c h t Sie Heidelbaer, ein imaginärer Feigling!)
    Dieses intellektuelle Spiel ist ein weiches Ruhekissen, das die Menschen aus der Verantwortung für Ihre Worten und Taten entlässt. Sehen Sie diese Gefahr nicht?

    Aussage: „Die Juden kontrollieren die Regierungen der Welt.“
    Nein, das ist nicht antisemitisch, das ist eine neutrale Falschaussage. Wir haben dieses intellektuelle Spiel doch nicht ernst gemeint, wir diskutieren doch nur – und das differenziert. ;-)
    Einige Menschen heute möchten nur gepflegt Zündeln, (Gabriele, wir wissen doch das Hausbrände gefährlich sind, niemand heißt dies gut, wir müssen Maßnahmen ergreifen sie zu verhindern, schau da liegt die Nummer der Feuerwehr, die kommt dann, wir könnten ja gar nicht löschen), ja ja aber jeder Funke ist Feuer, es geht mir nicht um Größe und Ausmaß, sondern inneres Wesen.

    Und ein bischen komme ich mir so vor wie in den Salons früherer Jahrhunderte in denen man gepflegt und geistreich über „die Sklavenfrage“ oder „die Juden“ philosophierte und nichts tat. Oder tat man nicht doch etwas, indem man einen Zeitgeist kreierte auf den andere ihre Taten stützten? Aber die Frage ist vielleicht müßig, ob der Holocaust in Ausschwitz anfing oder mit Chamberlain oder Gobinau oder……..

    Ich verstehe Ihre Sorge um eine Inflation des Antisemitismusbegriffes, ich verstehe Sie gut, da ich mich bemühe Worte und Begriffe ernst zu nehmen und sie nicht durch leichtsinnigen Gebrauch zu entwerten. Aber die Sorge, dass der Vorwurf des Antisemit-Seins eine Erstschlagwaffe ist, scheint sich nicht zu bewahrheiten, wenn ich mir die Augstein- Debatte so anschaue. Im Gegenteil, manchmal denke ich, dass man schon sehr mutig sein muss, diesen Vorwurf auszusprechen (ich mein jetzt nicht (!) die SWZ-Liste), weil man sich selbst ins Abseits stellt, „Ach, du schon wieder, hast keine Argument, da denkst du, so kriegst du mich mundtot, ewig Gestriger.“) Der Abstand zu unserer Geschichte scheint größer geworden zu sein, die Identifikation lässt nach, damit die Berührbarkeit der Menschen mit Argumenten. Hitler, Napoleon, Karl der Große – alle gleich tot.

    Nein, nein, nicht Pragmatismus, Laissez-faire ;-)

    Gabriele

    • Nun, da ich tatsächlich sonderbare Arbeitszeiten habe, komme ich noch nicht dazu, zu antworten, ich werde die Zeit aber zum Nachdenken nutzen.
      Denn gaaanz so will ich das ja doch nicht stehen lassen.
      Heidelbaer

  26. Liebe Lily,

    [zweiter Versuch]

    ich beziehe mich auf Ihren Abschnitt:
    „Scherzen hier Geschwister im Privaten untereinander, oder spricht jemand vor laufender Kamera in die Menge? Ob ein Präsident im off seinen Gefühlen freien Lauf lässt oder das Kind beim Abendessen den Eltern gegenüber, da gibt es einen Unterschied. Und wenn ein Journalist und Kolumnenschreiber seine Worte bewusst wählt, mit denen er die Masse der Gesellschaft erreicht, so hat auch das eine eigene Bedeutung.“

    Warum macht das einen Unterschied?

    Der Mensch zerfällt nicht in unterschiedlich ernst zu nehmende Teilpersönlichkeiten (psychische Krankheitsbilder ausgenommen).Ein aufrichtiger Mensch steht zu seiner Meinung und das situationsunabhängig. Das funktioniert, wenn ich den Respekt für andere und das „im Einklang sein“ mit meinen inneren Werten – manche nennen das Gewissen – versuche stets umzusetzen. Das heißt integer sein. Und Integrität verlangt, dass man nicht zwischen einer akzeptierten-öffentlichen und eine heimlich-privaten Meinung unterscheidet. Wenn ich Ihren Gedanken zulasse, toleriere ich Falschheit und Doppelbödigkeit. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich Schwierigkeiten mit Opportunismus.

    Nehmen wir doch unser beliebtes Antisemitismusbeispiel.
    Die Geschwister machen abends unflätige Judenwitze und organisieren am nächsten Morgen ganz ernsthaft einen Dachau-Gedenkmarsch.
    Wie wert-voll ist dieses Gedenken?
    Ihr Beispielkind wird ganz sicher irgendwann beim Abendessen mit „diesem Thema“ anfangen. („Heute mussten wir in Geschichte über das Holocaust-Mahnmal in Berlin diskutieren. Totale Bauplatzverschwendung.“ „ Aber wenn die Juden Barabas doch lieber wollten als den Jesus, dann sind die doch böse, Papa.“) Was wenn die Eltern nun antworten: „Du hast ja Recht. Aber sag das nicht in der Schule, sonst bekommst du womöglich noch `ne schlechte Note.“ Mann könnte seinem Kind natürlich auch beibringen, dass man Argumente für eine Meinung braucht und diese Meinung dann höflich und selbstbewusst vertritt.

    Auch bei einer zweiten Überlegung von Ihnen ist mir nicht wirklich kuschelig wohl.
    Sie schreiben: „Es ist wirklich so, dass nicht zwangsläufig jeder, der womöglich keinen Juden kennt, aber judenfeindliche Sprüche nachplappert, davon gleich ein Antisemit wäre. Wenn’s dem jüdischen Klassenkameraden an den Kragen geht, wird er sich wohl für ihn in die Bresche werfen.“

    Also….
    …….bewerten Sie das individuelle, konkrete Eintreten für eine bekannte Person als höherwertig als eine prinzipielle Geisteshaltung?
    Blöd, dass es nicht genug Juden auf der Welt gibt, so dass jeder einen kennt zu dem er persönlich nett sein kann und sich damit über seine Grundprinzipien keine Gedanken mehr zu machen braucht.
    Es ist gut möglich antisemitisch zu denken und trotzdem mit einem, zwei, drei… Juden befreundet zu sein. Meine Freunde sind eben die Ausnahmen von einem negativen Prinzip, das ich generell als wahr anerkenne. Dieser eine ist eben „gut“, das Kollektiv zu verachten. Und verachten ist hier das wichtige Wort, denn ich verlange von Freunden nicht hundertprozentige Identifikation und Zustimmung, die können sehr wohl zu gesellschaftlichen Gruppen gehören, denen ich nicht ganz folge, aber ich muss diese Gruppen respektieren.
    Ich denke, dass die von Ihnen beschriebene Trennung zwischen Prinzip und konkretem Erleben weit verbreitet ist. Und auf sehr vielen – vielleicht harmloseren – Ebenen des Alltags. Wie viele Menschen lehnen Zigaretten vehement ab, sind aber glücklich mit einem Raucher verheiratet? Nur manchmal erscheint sie mir halt etwas bedenklicher.

    Gabriele

    • Liebe Gabriele,

      vielen Dank für die grosse Mühe mit dem erneuten Zusammentragen Ihrer Gedanken!

      „Warum macht das einen Unterschied?“ – „Ein aufrichtiger Mensch steht zu seiner Meinung und das situationsunabhängig.“

      Der Unterschied liegt in der Perspektive und der Schuldfähigkeit.

      Ich nehme mich bei dieser Betrachtung erst einmal heraus.

      Es ist „nicht gut“, wenn ein Zehnjähriger von anderen übernommene Klischees über Minderheiten übernimmt, aber ich gehe davon aus, dass er nicht unbedingt weiss, wovon er spricht bzw. dass er redet wie ein Kind redet. Im Judentum betrachtet man Mädchen ab 12 und Jungen ab 13 für voll schuldfähig. Von diesem Alter an tragen sie die volle Verantwortung für ihr Reden und Tun. –

      Ein Erwachsener, der das Thema studiert hat, das er bespricht, der weiss, dass seine Worte auf viele Menschen wirken, trägt dennoch eine vergleichsweise grössere Verantwortung als ein 15jähriger, oder?

      Zurück zu Ihrer Kritik. Ich bin nicht der Ansicht, dass von Kindern unbedacht Dahergesagtes bedeutungslos wäre und würde das nicht kommentarlos stehenlassen.

      Ich glaube jedoch nicht daran, dass es zielführend ist, die Worte der Kinder politisch korrekt zu zensieren. Sie werden neue Worte finden… Ich glaube, man muss viel tiefer ansetzen. (Ich führe das nun nicht näher aus.)

      Des Weiteren: Es ist bekannt, dass der jüdische Humor eine Belustigung über das eigene Volk ist. Solcher Humor ist legitim. Es ist etwas anderes, wenn Aussenstehende ähnliche Witze über Juden machen. In einer multikulturellen Gesellschaft hat solch teilweise geschmacklos wirkender Humor jedoch zum Teil den ursprünglichen Sinn des jüdischen Humors angenommen. Es ist auch ein Sich-Lustigmachen über sich selbst, das eigene Multikulti-Volk, die eigene Nation und kann in diesem Sinne durchaus legitim sein und sogar helfen, Spannungen abzubauen.

      „Integrität verlangt, dass man nicht zwischen einer akzeptierten-öffentlichen und eine heimlich-privaten Meinung unterscheidet.“

      Da können wir Augstein wohl Integrität unterstellen, oder ist er der öffentlich-akzeptierte Israel-Kritiker und insgeheim denkt er „Next year in Jerusalem..“?

      Ich teile grundsätzlich Ihre Ansicht zur Integrität. Ich denke, unser Bemühen um Integrität ist eine Aufgabe, die manchen leicht fällt und für andere eine lebenslange Herausforderung ist. Kinder und Jugendliche sind im Werden und haben noch nicht in allen Dingen eine klare eigene Meinung. Sie übernehmen populäre Ansichten von anderen, hinterfragen später und werden auch hinterfragt und entwickeln nach und nach ihre Vorstellungen von richtig und falsch, die sie dann selbstbewusst vertreten sollten.

      „Die Geschwister machen abends unflätige Judenwitze und organisieren am nächsten Morgen ganz ernsthaft einen Dachau-Gedenkmarsch.
      Wie wert-voll ist dieses Gedenken?“

      Ich hatte ein ganz anderes Beispiel im Kopf… Natürlich hat solches Gedenken den Wert einer leeren Worthülse.

      „„Du hast ja Recht. Aber sag das nicht in der Schule, sonst bekommst du womöglich noch `ne schlechte Note.“ Mann könnte seinem Kind natürlich auch beibringen, dass man Argumente für eine Meinung braucht und diese Meinung dann höflich und selbstbewusst vertritt.“

      Sie beschreiben hier eine Unterrichtssituation. Vergleichsweise sind die Gespräche auf dem Pausenhof sehr viel schwieriger. Da können Eltern den Kindern dann schon einmal den Rat auf den Weg mitgeben: Es ist gut, dass Du weisst, dass es so ist, aber sei vorsichtig, wenn, achte darauf, mit wem Du darüber sprichst.

      „Also bewerten Sie das individuelle, konkrete Eintreten für eine bekannte Person als höherwertig als eine prinzipielle Geisteshaltung?“

      Nein. Ich vertrete die Ansicht, dass nicht jedes unbedacht dahingeplapperte Wort eine prinzipielle Geisteshaltung spiegelt.

      „Meine Freunde sind eben die Ausnahmen von einem negativen Prinzip, das ich generell als wahr anerkenne.“

      Nein. Meine Freunde sind meine Freunde, egal was kommt. Was hab‘ ich da noch einmal gesagt? Da muss ich wohl nochmal drüber nachdenken. Wie bin ich nur darauf gekommen? Weil die anderen es gesagt haben, weil’s „halt jeder weiss…“ – Und woher will das jeder so genau wissen? Ist das wirklich wahr? Ich muss das prüfen…

      Ich entnehme Ihren Worten beziehungsweise werde mir beim Schreiben nun selbst bewusst, dass die Gewissensbildung in der Kindererziehung im Allgemeinen einen viel zu geringen Stellenwert einnimmt. Wir gehen davon aus, ich sage es hier selbst so, dass auch Jugendliche noch nicht klar zwischen richtig und falsch unterscheiden können. Im Judentum erwartet man, dass der Mensch mit 12/13 Jahren in der Lage ist, Recht und Unrecht auseinanderhalten zu können, und ich lasse auch selbst jenseits meiner Worte sehr viel weniger Milde in diesen Fragen walten als ich – vermutlich politisch korrekt verwirrt – vorgebe.

      • „werde mir beim Schreiben nun selbst bewusst, dass …“

        Liebe Gabriele,
        ich bin mir beim Schreiben (einmal wieder) meiner eigenen inneren Widersprüche unangenehm bewusst geworden. Danke für Ihr Nachhaken…

      • Liebe Lily,

        Unvorhergesehenes hat mich gestern von meiner Tastatur losgerissen…..

        Sie eröffnen die Frage wie viel ich von meiner eigenen Identität zurückstellen oder aufgeben muss um Integration anderer Ethnien reibungslos zu ermöglichen.
        Das können wir für den Nahen Osten diskutieren oder für Deutschland. Bitte.
        Prinzipiell schaffen aber Sätze wie Ihr „Eine Identität, die (….) absolute Toleranz nicht zulässt, ist unzulässig.“ mehr Konflikte als Harmonie. Für niemanden ist es (Zitat) „von nachgeordneter Bedeutung“, wer er ist. (Sie sehen Lily, ich sitze noch auf der Palme, verzichte aber mit Nüssen zu werfen. ;-) )

        Es ist auch kein Zeichen von positiver Toleranz, wenn in unserem Abendbrotbeispiel die Eltern den Kindern sagen: “Das ist schlimm, aber es ist gut, dass Du Abdul und Karim nicht antwortest. Wer weiss, was die sonst mit Dir machen würden.”
        Es natürlich einfach hier gemütlich mit einer Tasse Tee vor dem PC mutig zu sein, aber ersetzen wir Adul und Karim mit SA, dann haben wir die Stimmung ab spätestens Januar 1933. Ich muss Extremisten und Antisemiten gegenüber doch nicht meine Toleranz beweisen! Hier muss man seine eigenen Werte durchsetzten. Und ich denke, dass die Politik tatsächlich ein Interesse hat fehlverstandener Toleranz Einhalt zu gebieten. Sozialer Friede ist für jeden Staat äußerst vorteilhaft. Und genau deshalb kann es sich Deutschland als „Gemeinwesen“ nicht erlauben, dass soziale Gruppen ihre Konflikte unbeachtet austragen. Es scheint zum Glück auch noch genügend Solidarität zu geben. Als im August in Berlin muslimische Jugendliche einen Rabbiner mit seiner kleinen Tochter in Berlin angegriffen haben, erschien mir die spontane Reaktion „der“ Öffentlichkeit und der Menschen in den „Gesprächen auf der Straße“ recht beruhigend.

        Ich möchte auch noch auf Ihre hohen Ansprüche an die Verantwortungsfähigkeit von Kindern eingehen.
        Sie schreiben: „Im Judentum betrachtet man Mädchen ab 12 und Jungen ab 13 für voll schuldfähig. Von diesem Alter an tragen sie die volle Verantwortung für ihr Reden und Tun.“
        Auch im säkularen deutschen Strafrecht ist man bis zum 14. Lebensjahr strafunmündig. Anschließend gilt das Jugendstrafrecht, das die entwicklungspsychologischen Stadien eines Jugendlichen bei der Bewertung der Tat berücksichtigt. Lesen Sie mal ein paar Bücher zur Entwicklungspsychologie – die Schuldfähigkeit eines 12-, 14- und 18jähigen unterscheidet sich dramatisch. Dies gilt auch für das Erfassen und Umsetzen ethischer Prinzipien und das Einordnen abstrakter Begriffe. Überfordern Sie mir bitte die jüdischen Kinder nicht. ;-)
        Sie schreiben: „Ein Erwachsener, der das Thema studiert hat, das er bespricht, der weiss, dass seine Worte auf viele Menschen wirken, trägt dennoch eine (…) größere Verantwortung als ein 15jähriger.“
        Ich sage : Jeder trägt in seiner eigenen Sphäre die gleich große Verantwortung.
        Der Jugendliche hat in seinem Lebensbereich, den er bewältigen und überblicken kann (Familie, Sportverein, Pausenhof), das gleiche Maß an Verantwortung für die Handlungen seines Alters wie der Journalist, der in seinem Beruf ein anderes Maß an Verantwortung gewählt hat.Und die von Ihnen genannte Gewissensbildung, erfolgt meiner Ansicht nach unbewusst. Ein Kind imitiert, was die Bezugspersonen (hauptsächlich Eltern) vorleben. Aufgrund der Autorität wird das vorgegebene Verhalten als „richtig“ empfunden und bis zum nächsten entwicklungspsychologischen Schritt nicht hinterfragt und damit erstmal internalisiert. Da brauchen Sie keinen eigenen Tagesordnungspunkt „Gewissensbildung“ im Alltag.

        A propos „jüdischer Humor eine Belustigung über das eigene“:
        Ist dies nicht ein Grundelement jeden Humores?
        Vielleicht ist Ihnen in Frankreich die Komödie um den Berlin-Brandenburger Flughafen nicht so präsent, aber in Berlin können Sie seit einiger Zeit Postkarten erwerben mit einem sehr unvorteilhaften Porträt Walter Ulbrichts und der Bildunterschrift „ Niemand beabsichtigt einen Flughafen zu eröffnen“. Berliner können darüber lachen.

        Gabriele

      • Liebe Gabriele,

        nun haben Sie doch nicht “unten” geantwortet. Dann komme ich nun später unten auf Sie zurück.

  27. Ich weiß nicht welchen Browser sie verwenden, bei Firefox gibt es so ein Tool, das heißt Lazarus, und speichert eingegebene Formulardaten zwischen, so dass man Sie bei Verlust “wiederauferstehen” lassen kann. Wenn man seine Texte nicht auf Word schreibt und hier reinkopiert, sondern live direkt hier ins Formular tippt (was ich auch immer tue) dann ist das zuweilen sehr hilfreich (führt aber zu Doppelposts, wenn man irrtümlich meint, es sei weg und mit zwei Klicks wiederherstellen kann)

    Heidelbaer

  28. Macht es Sinn sich zu engagieren, bei diesen Kommentaren? Richard Schneider versucht in seinem Artikel es sich selbst wieder schwer zu machen. Warum in der deutschen Presse die Antisemitismusdebatte wieder hochgekommen ist? Doch wohl nur weil das Wiesenthal-Center sich ziemlich dumm geäußert hat (finde ich). Und man kann sich immer hinter dem Argument verkriechen, dass niemand genau alles verstehen kann und der I/P-Konflikt kompliziert ist. Juden haben einen Staat bekommen und das auf Kosten der Palästinenser. D.h. zwei Volksgruppen beanspruchen das gleiche Land. Damit stehen sich zwei Volksgruppen unversöhnlich gegenüber. Friedensverhandlungen haben bisher nichts gebracht, weil es keine wirkliche politische Agenda gab, die auch die Völker mit einbezog. Es gab nicht den großen Entwurf, der das Volk als auch eine breite politische Elite auf ein friedliches Miteinander einschwor. Gerade der israelische Sicherheitsapparat, das Militär waren meiner Meinung nach überhaupt nicht auf Frieden ein- und abgestimmt. Es wurde und wird Frieden gesprochen, aber das israelische Kolonialprojekt und Besatzung gehen weiter, entgegen internationalen Konventionen. Das ist inakzeptabel! Das Schlimmste ist, dass der Mensch und die Menschlichkeit immer wieder zu kurz kommen. Systeme und Verordnungen scheinen wieder einmal das Verhalten der Menschen zu bestimmen, nicht Emphatie und Respekt vor dem Anderen und dessen Würde.

    Die Michaels in diesem Blog haben sich auf Machtvakuum, den Islamismus in seinen verschiedenen Schattierungen bezogen, hingewiesen auf Filme und Vergleiche, um die Fragestellungen verständlicher zu machen. Ich glaube der israelische Film ’Lemon Tree’ von 2008 ist imstande, das Problem des Konfliktes sehr gut auf den Punkt zu bringen und auch zu zeigen, dass mit mehr Mut vieles sich zum Besseren wenden könnte (kann hochgegoogelt werden). Die ganze Diskussion um Antisemitismus kommt dann ziemlich schal daher, während die Forderung nach Menschlichkeit sich aufdrängt.

    Das nur als einleitender grober Ansatz. Wer immer noch auf Frieden hofft, der verfolgt die politischen Ereignisse. Im März 2012 war Netanyahu in Washington. Wer geglaubt hat er würde über Frieden sprechen und die Zwei-Staaten Lösung, der sah sich getäuscht. Er und Barak hatten nur ein Thema. Und das war Iran. Zu diesem Zeitpunkt war Barak auch kurz zu einem Besuch in Berlin, um sich für seine U-bootslieferungen zu bedanken. Das war es dann ’mal wieder mit dem Frieden.

    Und das ist mein Beitrag zu dieser Debatte: Gott sei Dank kam Günter Grass zu diesem Zeitpunkt mit seinem kritischen Gedicht. Er hat es auf den Punkt gebracht, weil es gesagt werden musste und gezeigt wie verblendet Intellektuelle sind und befangen sind in ihrem Denken. Und Gott sei Dank gibt es auch einen Augstein, der in Talkshows und anderweitig berechtigte Kritik nicht auslässt. Man kann ja anderer Meinung sein. Aber ohne solche Kritiker werden wir uns mit schlechten Denkgewohnheiten abfinden und uns nur mit Einverstandenen umgeben.

    • @Michael K.
      “Und man kann sich immer hinter dem Argument verkriechen, dass niemand genau alles verstehen kann und der I/P-Konflikt kompliziert ist. Juden haben einen Staat bekommen und das auf Kosten der Palästinenser. D.h. zwei Volksgruppen beanspruchen das gleiche Land. Damit stehen sich zwei Volksgruppen unversöhnlich gegenüber.”

      Wenn ich richtig verstehe, meinen Sie, den Konflikt sei im Grunde nicht so kompliziert.
      Finde ich auch. Alles was folgt hängt dann von den jeweiligen Annahmen und für sich beansprüchten Wahrheiten ab.
      Ihre Annahmen und Wahrheiten: Juden bekommen einen Staat auf Kosten der Palästinenser. Zwei Volksgruppen stehen unversöhnlich gegenüber.

      Aber ist es wirklich so?
      Ja, es gab zwei Völker im diesem Land: Araber und Juden. Deshalb wurde das Land auch geteilt (Transjordanien lassen wir erstmal außenvor). Den jüdischen Teil sollte eben als Heimstätte für die Juden dienen, was aber niemals Minderheiten ausschließen sollte!
      Also nix mit “auf Kosten” von irgendjemand. Denn jeder bekam einen Teil!
      Die Juden gaben sich mit ihrem Teil zufrieden und akzeptierten es.
      Die Araber NICHT und beansprüchten das ganze Land für sich. Nix mit teilen…!

      Also die einen akzeptierten EINEN Teil. Die anderen beansprüchteten das GANZE Land für sich!
      Die einen bauten ihren Teil auf! Die anderen (+ weitere 5-7 Nationen) überfielen den neuen, legittimen geborenen Staat mit einen Vernichtungskrieg!
      Die einen gaben die arabische Minderheit gleiche Rechte. Die anderen enteigneten und vertrieben alle Juden aus ihren Länder.

      Also nix mit unversöhnliche gegenüberstehen zweier Völker, sondern EINER gegenüber den anderen. Und zwar kompromisslos!

      Damals gab es übrigens keine “Palästinenser” sondern Araber.

      “Es gab nicht den großen Entwurf, der das Volk als auch eine breite politische Elite auf ein friedliches Miteinander einschwor.”
      Solche Entwürfen müssen von “innen” kommen. Bei der einen Teil gab es aber gar kein Wille zu teilen. Was übrigens kein friedliches Miteinander erlaubt.
      Schon jahrzehnten zuvor gab es jemand der soetwas wie ein “großen Entwurf” ansprach.
      Prinz Faisal von Arabien z.B. hatte nichts gegen die Einrichtung eine jüdischen Heimstätte in den von ihn fast verachtete “Ecke”. Er hatte ja schon gesehen was die (noch) wenige eingewanderten Juden mit dem Land gemacht hatten und war sich sicher: Die werden Kapital in der Region bringen, Wissenschaft. Die werden das Land aufblühen lassen und WIR könnten ZUSAMMEN arbeiten um unseren Ländern werden auch aufblühen.

      LEIDER gab es keine “Willigen” die diesen Traum verfolgten. Stattdessen entschied man sich zum Kampf, kein “Miteinander”.

      “Gerade der israelische Sicherheitsapparat, das Militär waren meiner Meinung nach überhaupt nicht auf Frieden ein- und abgestimmt.”
      Und Sie haben sogar recht! Denn der Sicherheitsapparat und das Militär mussten das Volk von Angriffe und das Morden schützen. Meine Meinung nach war jemand anderen “überhaupt nicht auf Frieden ein- und abgestimmt.”

      “Es wurde und wird Frieden gesprochen, aber das israelische Kolonialprojekt und Besatzung gehen weiter, entgegen internationalen Konventionen. Das ist inakzeptabel!”
      Wissen Sie, in der Wissenschaft gilt: Falsche Annahmen, falsche Ergebnisse.
      Denn während die Weltgemeinschaft über Frieden sprach, folgten 3 Angriffskriege.
      Und wie bei Kriege so ist, kann man sie auch verlieren. Wobei das für Israel die Vernichtung bedeutet hätte. Im Grunde gab es eigentlich unter die Augen und das nichts-tun der Weltgemeinschaft ein Vernichtungsprojekt. Wer hat das für “inakzeptabel” empfunden?
      Stattdessen wird weiter über Frieden gesprochen und das Ergebnis eines überlebten Vernichtungskrieges (Landgewinn) als “Kolonialprojekt” von Ihnen bezeichnet und als “besetzen Gebiete” von die Weltgemeinschaft. Das angegriffenen Land wird somit als Besatzungsmacht erklärt, nur weil es überlebt hat.

      Wie Sie sehen “was gesagt werden muss” heisst für jedem was anderes. Es hängt von den Annahmen und den eigenen “Wahrheiten” ab, ob dann das gesagtes richtig oder falsch ist. Wobei hier “falsch” oft antisemitischen Züge annimmt. Daher die notwendigkeit sich als “Antizionisten” zu bezeichnen, das klingt ja positiver, weil es eben sich gegen den “Besatzungsmacht” Israel richtet und nicht gegen die Juden. Angeblich…

      • Ich will meinen Kommentar nicht durch zu viele und zu lage Zitate unlesbar machen, aber folgende Punkte möchte ich doch richtigstellen:

        “Damals gab es übrigens keine “Palästinenser” sondern Araber. [Sonderbar]”: Nicht richtig falsch, aber auch nicht richtig richtig ;-)! 1920 wurde das Völkerbundsmandat für Palästina an Großbritanien übertragen. Zur einfacheren Unterscheidung der dort lebenden Araber von den vielen anderen Arabern wurden diese gemeinhin als Palästinenser bezeichnet. Und ja, bis zum Ende des Holocoust bildeten diese die Bevölkerungsmehrheit.

        “Ja, es gab zwei Völker im diesem Land: Araber und Juden. Deshalb wurde das Land auch geteilt […]. Den jüdischen Teil sollte eben als Heimstätte für die Juden dienen, was aber niemals Minderheiten ausschließen sollte!
        Also nix mit “auf Kosten” von irgendjemand. Denn jeder bekam einen Teil!(Sonderbar)” Wirklich nicht? Die Juden bekamen etwas, was vorher (hauptsächlich) von Arabern bewohnt war. Merken Sie was? EIN Territorium wurde GETEILT, Ergebnis: Zwei Teile, jedes naturgemäß KLEINER als das GANZE. Die vorher das GANZE bewohnten, hatten plötzlich weniger als vorher und die vorher (fast) nichts hatten, bekamen etwas. Der etwas bekommt, ist selbstverständlich zufrieden, der, dem etwas genommen wurde sollte es auch sein?

        Übrigens, soweit ich informiert bin, wurde “Karl der Käfer … nicht gefragt” :-), will heißen, die britische Mandatsmacht hatte im besten Kolonialstil über die Köpfe der arabischen Palästinenser hinweg entschieden. Und Jordanien war es auch zufrieden, denn das vorherige Transjordanien bekam ja die Westbank hinzu (daß Jordanien sich nie richtig für dieses Gebiet interessiert hat, kann hier wirklich außen vor gelassen werden).

        Zum Abschluß noch ein kleines Gedankenspiel: Angenommen, Israel wäre gezwungen, innerhalb der nächsten Jahre alle völkerrechtswiedrigen Siedlungen in der Westbank zu räumen. Wer wäre dann zufrieden und würde es akzeptieren, wer “NICHT und beansprüchte(n) (Sonderbar)” die Siedlungen für sich?

        So, das mußte raus!

        Schönen Tag noch!

        Hanns

        • Sorry für den Typo, sollte natürlich “völkerrechtswidrig” heißen!

          Hanns

          • Aber auch das “völkerrechtswidrig” ist genauso richtig wie falsch. Das Völkerrecht ist keine fixierte positive Größe. Tatsache ist, dass es überhaupt keine völkerrechtlich bindenden Regelungen für dieses Stück Land gibt. Israel wurde anerkannt, ja, aber die Grenzen wurden immer offen gelassen, und es wurde verlangt, sie durch Verhandlungen einvernehmlich zu vereinbaren und es wurde empfohlen, sich an der Waffenstillstandslinie von vor dem Sechstagekrieg zu orientieren.

            Die Position Israels ist: die Araber (sowohl Palästinenser, als auch Jordanien, Syrien, Libanon und Ägypten) haben sich gegen die bindende Resolution eine Verhandlunslösung herbeizuführen entschieden, und den Weg der Gewalt gesucht. Damit verlieren auch die weniger bindenden “Empfehlungen” ihren Wert, und deshalb gibt es keine völkerrechtlich anerkannte Grenze zwischen Israel und Palästina, damit ist das Bauen “jenseits” der Grenze auch kein Bruch des Völkerrechts, weil es ohne Grenze auch kein Jenseits-Davon gibt.

            Natürlich ist die arabische Position einer andere, sie beruft sich auf die (völkerrechtlich aber nicht bindenden) Resolutionen der UN-Vollversammlungen, die sie im Zeitalter des Kalten Krieges fast auf Bestellung bekommen konnten, weil man dort mit den Sowjet-Vasallen und den Blockfreien eine Mehrheit zur Verfügung hatte.

            Man kann sich der arabischen Position natürlich anschließen, dass es “im Prinzip” ja auch egal ist, ob es eine bindende Sicherheitsratresolution gibt oder nicht, weil ja im Grunde klar ist, wem welches Territorium gehört, oder einmal gehören soll. Ich finde man sollte sich dessen aber bewusst sein, und das ggf auch kenntlich machen, dass das mit dem “völkerrechtswidrig” eben eine Behauptung und keine objektiv feststellbare Tatsache ist.

            Heidelbaer

        • @Hanns

          Also doch richtig. Denn ein Begriff zur “einfacheren Unterscheidung” macht schon längst kein Volk aus. Araber also, nur anders genannt.

          Und da wir schon beim richtigstellen sind – ganz nebenbei – schon etwas vor 1920 hatten die ansässigen Araber kurzerhand “Palästina” in Süd-Syrien umbenannt und kurz darauf wieder in “Palästina”.

          Zu beginn der 20’er war der größten Teil Palästina unfruchtbar und unbewohnt. Die Befölkerung umfasste einige 100000 Menschen.
          Die Araber lebten vorallem in der Bergregionen, Küstenebenen und Tälern waren meist verlassen.
          Das Jezreel Tal war ein Malaria versäuchtes Sumpfgebiet. Die Pioniere bonifizierten es, auch der ganz verlassene “Sumpf des Todes”.
          Die Pioniere verwandeten die Landschaft. Kooperative und Kibbuts entstanden.
          Ein einst unbewohntes, verlassenes und versäuchtes Gebiet wurde so das Ziel weitere Einwanderer.
          Das alles brachte in der Region Arbeit und Wohlstand. Tausende Arabern aus den umliegenden Ländern wanderten ebenfalls ein.

          Natürlich blieben so die Arabern in der Mehrzahl, denn im Grunde unterschied man nicht zwischen ansässigen und eingewanderten Araber. Denn ein Araber ist eben ein Araber und alle wohnten nun in Palästina. Wurden also alle “Palästinenser”.
          Inzwischen vollzog sich dann eine art “Industrielle Revolution” die 1932 zur “Levante Fair” Messe brachte.
          Wie viele Einwanderer die aufgrund Arbeitsangebot und Wohlstand hinzukamen kann man nur erahnen.
          Man bedenke: Anfangs 1920 insgesamt einige 100000 Menschen. Palästinensischen Flüchtlingen ca. 700000.

          Also, “Die vorher das GANZE bewohnten” gibt es nicht, denn grössten Teil des Ganzes unbewohnt/unbewohnbar war.
          Die Juden hatten/haben Sümpfe trockengelegt, Wüsten wiederbelebt. Deshalb hatten sie mit den “wenig” keine Probleme, nicht weil es ein Garten war. Die haben sogar Platz für zahlreichen Schutzgebiete und Naturparks.

          Die Araber hätten das auch machen können. Die beschwören sich aber heute noch, weil in den “kleinen 15 Km Streifen” zwischen E1 und Totes Meer keine Strassen gibt, und nur Berge….. Also keine Sümpfe, keine Malaria etc… Stattdessen Milliarden von Hilfsgeldern…

          Zum “Gedankenspiel”
          Da die Araber …sorry die Palästinenser (ein guter Teil davon) immernoch das Ganze Land für sich beanspruchen, handelt sich hier zumind. für Israel um eine Sicherheitsfrage, die der eigene Existenz.
          Es ist dann selbstverständlich und im Einklang mit dem Völkerrecht, dass Israel die Kontrolle über für die Sicherheit relevanten Gebiete erhält/behält und für sich beansprucht.

          Gäbe es keine Bedrohung, gäbe es auch keine “Nahost-Konflikt”.

          • @hanns

            vergessen etwas dazuzufuegen… die israelische zeitung “jerusalem post”, hiess “palestine post”. und der juedische philharmonic orchestra, hiess palestina philarmonic orchestra usw. es gab keine keine verbindung zwischen dem wort palaestinenser und araber.

          • “Also, “Die vorher das GANZE bewohnten” gibt es nicht, denn grössten Teil des Ganzes unbewohnt/unbewohnbar war.
            Die Juden hatten/haben Sümpfe trockengelegt, Wüsten wiederbelebt. Deshalb hatten sie mit den “wenig” keine Probleme, nicht weil es ein Garten war. Die haben sogar Platz für zahlreichen Schutzgebiete und Naturparks.”

            Im Größtenteil geben sie hier zionistische Propaganda wieder. Weil die Araber ungebildete Barabaren sind und die Zionisten das Land kultiviert haben, haben sie das Land auch verdient. Schwachsinn! Das Land war nicht leer und der Handel hat flouriert. Ohne die rassistischen europäischen Einwanderer würde es den Palästinensern millionen Mal besser gehen!

            “Da die Araber …sorry die Palästinenser (ein guter Teil davon) immernoch das Ganze Land für sich beanspruchen, handelt sich hier zumind. für Israel um eine Sicherheitsfrage, die der eigene Existenz.
            Es ist dann selbstverständlich und im Einklang mit dem Völkerrecht, dass Israel die Kontrolle über für die Sicherheit relevanten Gebiete erhält/behält und für sich beansprucht.”

            Naja wenn das ihr Argument ist dann wäre es auch legitim wenn die Araber Israel von der Landkarte tilgen, damit sie die für ihre Sicherheit relevanten Gebiete kontrollieren können, um nicht von Israel aus unterdrückt, bestohlen und massakriert zu werden. D.h. die Sicherheit der Palästinenser ist deutlich unsicherer durch Israel wodurch es nach ihrer Logik ok wäre Israel zu erobern und die Israelis durch unmenschliche Maßnahmen zu unterdrücken. Wenn sie das nicht OK finden, warum sind sie dann der Meinung, dass Israel das einfach mit den Palästinensern tun darf? Haben die Palästinenser denn kein Recht in Freiheit und Frieden zu leben, ohne einen israelischen Staat der sie ihrer Freiheit beraubt, unterdrückt und ermordet? Versuchen sie den Konflikt mal nur 1 Sekunde von der anderen Seite her zu betrachten.

        • “1920 wurde das Völkerbundsmandat für Palästina an Großbritanien übertragen. Zur einfacheren Unterscheidung der dort lebenden Araber von den vielen anderen Arabern wurden diese gemeinhin als Palästinenser bezeichnet.”

          das ist geschichtlich falsch. als palaestinenser wurden ausschliesslich juedische bewohner des mandatsgebiets betrachtet. die araber hiessen damals araber. du wirst vor 1964 keinen dokument finden, welches die in israel lebende araber als palaestinenser beschreibt. hoechstens wirst du finden, dass ALLE bewohner palaestinas als palaestinenser bezeichnet wurde, auf kein fall implizit das arabische teil.

          • @Free

            Also von “Barbaren” hat doch keiner gesprochen.
            Die Araber waren doch zufrieden mit dem was sie hatten. Auch Indios, Pigmeen, Aborigenen, Eskimos etc. lebten schon immer zufrieden, im Einklang mit der Natur und von dem was sie hatten/haben. Und keiner würde auf die Idee kommen sie als Barbaren zu bezeichnen.
            Für denen war damals offensichtlich ok, ansonsten hätten sie ja was dagegen unternommen.

            Übrigens war es für die ansässigen Juden genauso.
            Für die Sionisten war es aber anders. Sie konnten es einfach nicht ertragen, das Land ihre Väter in so einen Zustand zu sehen und kämpften sie dagegen.

            Und mit “verdienen” hat das (Israel) nichts zu tun. Denn das Land wurde ihnen von den Vereinte Nationen zugeteilt. Das sie es vorher bonifiziert hatten kam ihnen nur zu gute.

            Niemand hat behauptet das Land sei leer gewesen sondern größten Teil leer.

            Die von Ihnen genannten “rassistischen europäischen Einwanderer” flohen damals von Pogrome und Vernichtungsgelüste europäische Mitmenschen. Und genau die haben das Land bewohnbar und fruchtbar gemacht.
            Ihre Worte klingen da wie blanker Hohn!

            Ob es dann denn Arabern “millionen mal besser” gehen würde können Sie leicht bei den zahlreichen arabischen Ländern entnehmen.

            “Naja wenn das ihr Argument ist dann wäre es auch legitim wenn die Araber Israel von der Landkarte tilgen, damit sie die für ihre Sicherheit relevanten Gebiete kontrollieren können….”

            Wen meinen Sie hier mit “Araber”? Achmadinejad ist keins…

            Sie verdrehen hier wie gewohnt Geschichte und Tatsachen.
            Die Sicherheit der Grenzen der Araber (Nachbar-Ländern) wurde zu keinem Zeitpunkt seitens Israel gefährdet.

            Genauso wenig würde die Sicherheit der Palästinenser gefährdet, wenn sie nicht (mehr oder weniger offensichtich) auf das ganzes Land abgesehen hätten. Sie hätten schon längst einen eigenen Staat NEBEN Israel haben können. Haben Sie mind. 1 Sekunde lang darüber nachgedacht ob sie es tatsächlich einen Staat NEBEN Israel haben wollen?

            Was Sie hier als “unmenschliche Maßnahmen” bezeichnen hat dafür gesorgt dass keine unschuldigen Männer Frauen und Kinder weiterhin in die Luft gejagdt werden. Aber das wissen Sie ja, als unmenschlich bezeichnen Sie sie trotzdem…

            Und natürlich haben Palästinenser all die Rechte die Sie aufzählen.
            Aber solang sie sich auf das Recht auf ein Land “von Fluss bis zum Meer” berufen kann nichts daraus werden.
            Und da Sie da weiterhin von Unmenschlichkeit, Freiheitberaubung, Unterdrückung, Ermordung etc. sprechen, kann ich nur auf den blanker Hohn von oben hinweisen.

            Ach… und wenn ich den Konflikt von den anderen Seite betrachte, frage ich mich: Was ist denn daran so schlimm NEBEN einen jüdischen Staat zu leben?

          • “hoechstens wirst du finden, dass ALLE bewohner palaestinas als palaestinenser bezeichnet wurde, auf kein fall implizit das arabische teil.[ariel]”

            So gehe ich mit. Wenn man es gaaaanz genau nehmen will. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung im Mandatsgebiet stieg von < 5% 1918 auf ca. 33% 1948 (Quelle: Wikipedia). Wobei ich davon ausgehe, daß der stärkste Zuwachs in den 1940er Jahren stattfand. Belege, die das widerlegen, möge man selber suchen…

            Schönen Tag noch!

            Hanns

          • @hanns

            freue dich nicht zu frueh. als palaestinenser wurden die bewohner nur von europaern bezeichnet(falls ueberhaupt). die osmanen und araber haben das wort NIE benutzt.

            vergiss nicht, dass es auch eine sehr starke arabische einwanderung gegeben hat.

            am anfang des 19 jhd. lebten auf beiden seiten des jordans (israel-jordanien) weniger als 250 tausend palaestinenser. davon waren ein vierteil juden und christen (die osmanen fuehren die volszaehlung nur nach religioeser zugehoerigkeit). bis zu 1947 hat sich diese zahl vervierfacht (!) was nur auf eine immigration zurueckzufuehren ist. viele araber kamen nach palaestina, wegen der wirtschaftlichen entwicklung, welche es seit (neu)anfang der juedischen einwanderung gegeben hat.

          • “Die von Ihnen genannten “rassistischen europäischen Einwanderer” flohen damals von Pogrome und Vernichtungsgelüste europäische Mitmenschen. Und genau die haben das Land bewohnbar und fruchtbar gemacht.
            Ihre Worte klingen da wie blanker Hohn!”

            Ich wollte damit nicht sagen, dass alle europäischen Einwanderer rassisten waren, aber viele wichtige zionistische Persönlichkeiten wie Herzl, Gurion, Weizmann oder andere und viele die ihnen folgten waren Rassisten. Sie propagierten von anfang an die Vertreibung der Araber, um eine Jüdische Mehrheit in Palästina zu schaffen. Sie sind nicht gekommen um mit den Arabern in Frieden zu leben. Da ist es doch nicht verwunderlich wenn es Widerstand gegen den Zionismus gab. Und genau diese Leute bezeichneten die Palästinenser als Barbaren und wollten das Palästina so jüdisch wird, wie England englisch.

            “Wen meinen Sie hier mit “Araber”? Achmadinejad ist keins…

            Sie verdrehen hier wie gewohnt Geschichte und Tatsachen.
            Die Sicherheit der Grenzen der Araber (Nachbar-Ländern) wurde zu keinem Zeitpunkt seitens Israel gefährdet. ”

            Die Sicherheit der Palästinenser ist durchgehend gefährdet. Nicht nur gefährdet, es gibt keine Sicherheit vor rassistischen israelischen Siedlern und Soldaten. Die Palästinensern sind ihnen wehrlos ausgeliefert und werden fast täglich von ihnen angegriffen, misshandelt, eingesperrt oder ermordet.

            “Ach… und wenn ich den Konflikt von den anderen Seite betrachte, frage ich mich: Was ist denn daran so schlimm NEBEN einen jüdischen Staat zu leben?”

            Naja solange dieser Jüdische Staat ein radikaler Apartheids- und Unterdrückerstaat ist, der immer mehr Land raubt, ist es ein riesen Problem neben diesem Staat zu leben. Die Zionisten haben 47 ja einige Massaker verübt, um schnellst möglich eine jüdische Mehrheit zu schaffen. So macht man sich keine Freunde unter seinen Nachbarn, sondern schafft sich mehr Feinde.

            Gegenfrage: Was ist daran so schlimm mit den Palästinensern in einem gemeinsamen, demokratischen Staat mit gleichen Rechten für alle zu leben?

          • Die Antwort auf diese Frage:
            “Was ist daran so schlimm mit den Palästinensern in einem gemeinsamen, demokratischen Staat mit gleichen Rechten für alle zu leben?”
            habe ich verschiedentlich schon zu geben versucht. Das Problem beginnt mit den “gleichen Rechten”. Dies ist in einem Staat mit muslimischer Mehrheit schlicht nicht vorgeshen. Selbst wenn man davon ausginge, dass es vorübergehend gelänge, eine Art säkulares, demokratisches Palästina aufzubauen, zeigen uns die Beispiele: Iran, Irak, Türkei, Ägypten usw. dass bei einer muslimischen Mehrheit die Idee eines islamischen Staates nach den Prinzipien der Schari’a, des Koran oder des Propheten jederzeit mehrheitsfähig werden kann.

            Dann bliebe Juden und Christen nur die Stellung eines Dhimmi, die ihnen sicher das Überleben (sofern sie keine Todsünden begehen, wie Mission unter Muslimen zu betreiben…) sichert, aber ganz sicher nicht die gleichen Rechte.

            Zumal im fraglichen Zeitraum 1920ff die palästinensiche Widerstandsbewegung gegen die Briten (und später die Haganah) ganz klar muslimisch geprägt war, und der einzige halbwegs anerkannte Palästinenserführer der Großmufti von Jerusalem, Haj Amin Husseini war, mit dem man ganz sicher keinen säkularen Staat machen konnte.

            Der UN-Teilungsplan war ja kein Hirngespinst, sondern versuchte der Situation vor Ort irgendwie gerecht zu werden. Und spätestens, als absehbar war, dass es auf eine Teilung hinauslief, versuchten *beide* Seiten, möglichst vorher Fakten zu schaffen. Die Palästinenser versuchten das jüdische Jerusalem zu isolieren und damit zur Aufgabe zu zwingen, die jüdischen Kräfte versuchten einen Korridor zur Heiligen Stadt freizukämpfen. Dabei hatte keiner Samthandschuhe angezogen.

            Am Ende wurde Westjerusalem erfolgreich gehalten, das jüdische Viertel in Ostjerusalem fiel und wurde Opfer von gewalttätigen Pogromen, die Klagemauer wurde geschändet und die Hurva Synagoge niedergebrannt. Das ist natürlich alles nur legitimer Widerstand gewesen, wie Sie uns gleich erklären werden, während alle Taten von Haganah, Irgun und Stern natürlich Massaker sind. Schon klar.

            Heidelbaer

          • “Am Ende wurde Westjerusalem erfolgreich gehalten, das jüdische Viertel in Ostjerusalem fiel und wurde Opfer von gewalttätigen Pogromen, die Klagemauer wurde geschändet und die Hurva Synagoge niedergebrannt. Das ist natürlich alles nur legitimer Widerstand gewesen, wie Sie uns gleich erklären werden, während alle Taten von Haganah, Irgun und Stern natürlich Massaker sind. Schon klar.”

            Natürlich wurden auch Verbrechen von Palästinensischer Seite begangen. Das will ich ja garnicht bestreiten, aber der Unterschied ist eben, dass die Zionisten nach Palästina gekommen sind, um die Araber zu vertreiben und die Araber eben schon da waren und seit eiwgkeiten dort gelebt haben. Wer ist jetzt verantwortlich für den Konflik? Der, der mit der Absicht zu vertreiben und zu stehlen gekommen ist oder der, der das versucht zu verhindern, auch wenn die Maßnahmen oftmals verbrecherischster Natur waren?

  29. Heute kann ich auch in der letzten Zeitung feststellen, dass der Hinweis auf die falsche Übersetzung nirgendwo “angekommen” ist. Offensichtlich war die Auslassung des Wortes “slurs” beabsichtigt. Ziel war damit, das SWC seiner Autorität zu berauben, zumal man auch den Zentralrat der Juden in Deuschland dazu gebracht hat, die Auslassung zu schlucken.

    Was einem platten Vorurteil von mir neue Nahrung gibt: Journalismus ist der Berufsstand mit der geringst-entwickelten Fähigkeit zur Selbstkritik bzw. eigene Fehler einzusehen und zuzugeben. Ob es da einen Zusammenhang gibt mit der Tatsache, dass Journalisten auch diejenigen sind, die andere am häufigsten kritisieren?

    Eine öffentliche Diskussion darüber, ob Augsteins Aussagen nun dumm-plump antiisraelisch sind, ist daher in Deutschland nicht zu erwarten. Folglich auch keine differenziertere Sicht der Dinge. Somit bleiben wir bei den beiden Holzschnitten böse Israelis / arme Palästinenser und böse Araber / arme Israelis. Dass aus einer solchen Sicht der Dinge niemals eine friedliche Lösung entstehen kann, die beiden Seiten gerecht wird und damit auch für beide Seiten akzeptabel ist, versteht sich von selbst. Statt Frieden kann es wohl nur Ruhe geben – Friedhofsruhe.

  30. Weil es noch keiner angemerkt hat: Gestern abend lief in der ARD “ttt” mit zwei hier gut passenden Themen: “Ein deutscher Journalist durchwandert den Nahostkonflikt” und “Die Antisemitismus-Debatte um Augstein und Broder”. IMHO sehenswert. Noch läuft es unter “Sendung verpaßt?”.

    Und “Ja”, die “slurs” wurden auch da “unterschlagen”!

    Schönen Tag noch!

    Hanns

    • Ich habe mir die Beiträge angesehen. Aufgrund der fehlenden “slurs” war die Argumentation in beide Richtungen überzeichnet.

      Würde Augstein konkrete Maßnahmen der Regierung Netanjahu benennen und aufzeigen, warum die falsch wären, dann wäre er ein Kritiker. Stattdessen hat er undifferenzierte Allgemeinbeschuldigungen raus, was seine Aussagen antisemitisch macht.
      Auf der anderen Seite hat ihm das SWC Aussagen als antisemitisch vorgehalten, daraus wird in der Diskussion gleich der Antisemit Augstein.
      Die Frage die sich mir stellt: Können wir Deutsche eigentlich noch normal argumentieren, oder müssen wir immer gleich in die Dämonisierung von Personen gehen?

      Gut war, dass sie gezeigt haben, wie Augstein versucht, sich aus der Verantwortung für sein Handeln zu stehlen. Kennen Sie die Geschichte hinter dem chinesischen Boxeraufstand mit tausenden Toten?

  31. Sooo, ich melde mich noch mal.
    Aaaalso: Einen Schwachpunkt in Ihrer brillanten Rhetorik finde ich dann doch. Sie schreiben:
    “Man kann nicht ein bischen hassen, man kann nicht ein wenig antisemitisch sein. Und auch nicht aus Versehen.”

    Dem würde ich doch widersprechen wollen. Ich glaube es gibt eine sogar sehr feinschichtige Abstimmung zwischen einfach nur Unsicherheit im Umgang mit der jüdischen Minderheit oder der Politik Israels, einfach weil Informationen fehlen, oder weil man Israel nur aus der Presse kennt und Juden nur aus dem Geschichtsunterricht. Dass Israel nicht nur ständig Krieg führt, und Juden Themen wie Sex, Schuhe, Fußball und Urlaub auch spannender finden als Auschwitz, Holocaust und Palästina – das würde schon viel entkrampfen.
    Irgendwer hat mal gesagt: Erst wenn Juden ganz normal Verbrecher, Zuhälter und ähnliches sein könnten, ohne, dass es eine besondere Meldung wert sei, dann sei der Antisemitismus überwunden. Soll sagen: Wenn es eben keine Unsicherheit gibt, sondern Unbefangenheit. Wenn uns solche Nummern wie seinerzeit mit Michel Friedman erspart bleiben, wo sich eine große Öffentlichkeit tierisch aufregt, weil er Drogen konsumiert haben soll und Sex mit Prostituierten gehabt haben soll. Und das als “moralische Instanz. Meine Güte! Anders als die katholische Kirche mischt sich der Zentralrat der Juden doch ausschließlich in gesellschaftliche und politische Themen ein, unser Sex- und Privatleben ist ihm egal. Also dürfte es doch auch umgekehrt so sein. Scheint aber nicht so zu sein. *seufz*

    Aber so wird auch Unsicherheit schnell Unbehagen, Menschen fühlen sich durch die bloße Existenz von Juden an die Schuld ihrer Väter erinnert, und das ist ihnen unangehm. Das Bild der Juden, die einem ständig die eigenen Verfehlungen vor Augen halten resultiert in einem besonders strengen moralischen Maßstab gegen Israel. Und wenn alle Staaten der Welt genauso – oder noch härter – reagieren würden, Israel hätte doch die besondere moralische Pflicht der Zurückhaltung. Eine Zeit lang hatten wir das für uns selbst immerhin auch so gesehen, aber die deutsche Zurückhaltung ist ganz offensichtlich Geschichte. *wieder seufz*

    Ist das Unbehagen erstmal da, lässt sich das natürlich immer noch steigern. Noch würde der Mensch, der sich unbehaglich fühlt, noch nicht an antijüdischen Aktionen, Demos, Boykottaufrufen oder gar Pogromen beteiligen. Aber ob er sich gegen solche Aktionen stellen würde? Die Sehnsucht, sich aus dem Unbehagen zu befreien, selbst in die Offensive zu kommen kann groß werden. “Jetzt muss aber mal schluss sein!” – dieser Ausbruch gegen das jüdische Erinnern an die Schuld der Vergangenheit hat schon manchmal was von dem Watzlawik’schen “behalten Sie doch Ihren Sch***-Hammer!” Denn mir persönlich hat noch nie ein Jude Vorwürfe allein ob meines Deutsch-Seins gemacht. Dass Juden sich selbst der Shoah erinnern wollen, ist ihr gutes Recht, wenn ich damit ein Problem habe, ist das erstmal mein Problem, fertig.

    Aber mit diesem “in die Offensive kommen” gewinnt die latente, skeptische, ablehnende Haltung gegenüber Juden und Israel eine Aggressivität, die zu dem führen kann, was Michael wohl mit “wirklichem” Antisemitismus meinte, also einem wie auch immer gearteten Hass, der sich darin äußert, dass der Mensch der festen Überzeugung ist, dass das Leben ohne Juden leichter, die Welt ohne Israel friedlicher wäre.

    Von hier ist es dann tatsächlich nicht mehr weit, nach “Lösungen” für das “Problem” zu suchen, dass die Juden allein aufgrund ihrer Existenz darstellen – weshalb die einzige Lösung eigentlich nur darin bestehen kann, die Existenz von Juden, beispielhaft das Existenzrecht des Staates Israel in Frage zu stellen, und Maßnahmen, diese Existenz zu beenden für legitim zu halten.

    Ab hier ist es eigentlich nur noch eine Machtfrage, in wieweit es dem Einzelnen tatsächlich möglich ist, aktiv etwas zur “Problemlösung” (oder soll ich sagen “Endlösung”) beizutragen. Aber auch die ist natürlich nicht unerheblich. Es ist ja ein Unterschied, ob ein Stammtischidiot spricht, oder ein renommierter Journalist oder der Präsident eine Staates auf dem Weg zur Atomwaffe.

    Letzteres dürfte auch ein bisschen bei der Auswahl der Top Ten eine Rolle gespielt haben: wie einflussreich diese Leute eingeschätzt werden. Augstein ist auf der Heidelbaer-Skala nicht so weit fortgeschritten wie Ahmadinedschad, aber seine Artikel sind geeignet Millionen von deutschsprachigen Lesern auf der Skala die eine oder andere Stufe hochzuhieven.

    Dabei sollte die Aufgabe von seriösen Journalisten sein, die Leserinnen und Leser ganz von dieser Leiter runterzuholen. Sie aufzuklären über das Judentum, statt Klischees und Ängste, Vorbehalte und Unbehagen zu bedienen und auszuweiten.

    Aber auch jeden Menschen, der seinem Unbehagen oder nur seiner Unsicherheit Ausdruck gibt, gleich zu einem kleinen Ahmadinedschad oder Hitler zu stempeln, dürfte für den Ausstieg aus der Leiter eher kontraproduktiv sein.

    Es geht nicht um Laissez-Faire, sondern Laissez-être. ;-)

    Heidelbaer

    • “Denn mir persönlich hat noch nie ein Jude Vorwürfe allein ob meines Deutsch-Seins gemacht.” (Heidelbaer)

      Mir schon. Und zwar gleich der erste jüdische Mensch, der mir in meinem Leben begegnet ist.
      Das war in den USA. Da war ich der Ausländer, die Minderheit, vom wiedervereinigten Tätervolk kommend. -

      • Ja, die amerikanischen Juden sind auch noch mal etwas anderes als die Israelis. Bei manchen habe ich den leisen Verdacht, sie haben ein latent schlechtes Gewissen im sicheren Amerika zu wohnen, und nicht in Israel. Das kompensieren sie dann entweder durch Spenden, durch besonders scharfe Rhetorik – oder beides. Aber vielleicht ist das auch nur Küchentisch-Psychologie.

        Heidelbaer

    • Lieber Heidelbaer,

      Ihre Argumentation ist verführeisch und gehaltvoll wie Schweizer Schokolade, touché! :-)

      Ich gebe Ihnen Recht, dass Unbefangenheit (aber bitte nicht Unbedarftheit) und nicht Unsicherheit Ziel sein müssen, aber ich hoffe, dass dies Erinnerungen und Gedenken nicht ausschließt und sie nicht als Problem empfunden werden. (vgl. Ihr 4. Abschnitt)

      Gabriele

      • Eine wichtige Klarstellung und Grenzziehung. Die Israelis und auch die Juden anderswo haben einen Anspruch darauf, zunächst mal als ganz normale Menschen zu gelten, weder als Edel-Premium-Menschen, von denen man etwas besonderes erwarten zu dürfen meint – noch als die Untermenschen und Volksschädlinge, die alles verderben von der Wirtschaft über die Politik bis zur Gesellschaft und der Moral der Sitten. (Wie lächerlich heute dieser Vorwurf klingt – und man hat das damals ernsthaft behauptet und geglaubt!).

        Andererseits darf dieser Wunsch nach “Normalität” eben nicht die “Schlussstrich”-Demagogie einleiten, denn wir teilen nun mal eine Geschichte miteinander. Die deutsch-französische Aussöhnung ist auch nicht geschichtsvergessen, sondern wurde gebaut bewusst im Blick auf den zu überwindenden Hass, die zigtausenden von Toten auf beiden Seiten, die widerwärtigen Ressentiments und Verleumdungen der Vergangenheit.

        Ich habe kein Problem damit, wenn Jugendliche aus Israel und Deutschland lieber über Justin Bieber, Beyoncé und die Twilight Saga chatten als über Holocaust, Staatsräson und Palästinakonflikt. Es gibt ja auch auf jüdisch/israelischer Seite eine Sehnsucht danach, nicht nur auf das “Opfervolk” festgelegt zu werden.

        Die Geschichte bleibt damit existent, man kann sie nicht ungeschehen lassen, und sie lehrt uns, bei bestimmten Themen behutsam zu sein, und lieber erst mal zuzuhören, als überall unseren Senf zuzugeben.

        Hm, das sage gerade ich, der Vielschreiber…
        Heidelbaer

        • Lieber Heidelbaer,

          es gibt auch bei Senf deutliche Geschmacks- und Qualitätsunterschiede. :-)

          Sie schreiben:” Andererseits darf dieser Wunsch nach “Normalität” eben nicht die “Schlussstrich”-Demagogie einleiten, denn wir teilen nun mal eine Geschichte miteinander. ”

          Genau darum geht es mir auch und ich freue mich, dass Sie diese Position nocheinmal ausführlich formuliert haben. Ihr Satz vom 14. Januar “Dass Juden sich selbst der Shoah erinnern wollen, ist ihr gutes Recht, wenn ich damit ein Problem habe, ist das erstmal mein Problem, fertig.” hat mich volle zwei Tage des Nachdenkens gekostet, ob ich ihn unterschreiben könnte. Und wie Sie sehen habe ich mich mit einem Kurzstatement “aus der Affaire” gezogen. :-)
          Solange sich jemand erinnert, und auch gleichgültig, ob es die zweite, dritte, vierte Generation ist, sind meiner Ansicht nach zwei “Seiten” miteinander verwoben und sollten sich dessen auch bewusst sein.

          Gabriele

          P.S. Ich habe ganz unabhängig vom Alter mit jedem ein Problem, der Twilight zu seinem Gesprächsthema macht. ;-) Menschen gebären keine Vampirbabys! Jede, die mir von Robert Pettinson vorschwärmt, erhält standardmäßig zum Geburtstag Stokers “Dracula” oder Sims “connoisseur’s collection of victorian vampire stories” (was Ludwig Tiek darin sucht, hinterfrage ich nicht). Mein Beitrag zur (rudimentären) Qualitätssicherung. ;-)

  32. Liebe Gabriele,

    Vielen Dank für die verbalen Kokosnüsse. Ein paar davon konnte ich auffangen und werfe sie Ihnen gerne wieder hoch… ;-)

    “Sie eröffnen die Frage wie viel ich von meiner eigenen Identität zurückstellen oder aufgeben muss um Integration anderer Ethnien reibungslos zu ermöglichen.“

    Habe ich diese Frage gestellt?

    „Das können wir für den Nahen Osten diskutieren oder für Deutschland. Bitte.“

    Sie entlarven mich hier als das „faule Ei“, denn meine Kenntnis darüber, wie die Dinge in Deutschland laufen, habe ich aus zweiter Hand; das französische Beispiel habe ich stärker vor Augen, wobei ich vom Prinzip her denke, dass europäische Erfahrungen kompatibel sind und ein Blick zu den Galliern daher erhellend.

    „Prinzipiell schaffen aber Sätze wie Ihr „Eine Identität, die (….) absolute Toleranz nicht zulässt, ist unzulässig.“ mehr Konflikte als Harmonie.“

    Es ist nicht der Satz, der die Dissonanzen schafft, sondern der Sachverhalt. Es sind die Jugendlichen, die glauben, innerhalb der Gruppe, der sie sich zugehörig fühlen, nicht anders sein zu dürfen, und „sein wie die anderen“ bedeutet sehr oft grenzenlos tolerant – oder auch gruppenkonform intolerant.

    „Für niemanden ist es (Zitat) „von nachgeordneter Bedeutung“, wer er ist. (Sie sehen Lily, ich sitze noch auf der Palme, verzichte aber mit Nüssen zu werfen. )“

    Dafür mussten Sie nicht auf die Palme klettern. Das sehe ich wie Sie, aber „wer jemand ist“, dieser identitäre Schwerpunkt, ist unter Umständen problematisch und wird entsprechend von der Politik weder gewollt noch gefördert. Beispiel Frankreich: Es wird alles versucht, Jugendliche wegzubringen von ihrer manchmal sehr stark religiös oder ethnisch geprägten Identifikation. Es gibt den Versuch, die (einende) „identité nationale“, die nebenbei auch laizistisch ist, zu stärken. Solche Versuche schlagen in der Regel besonders bei denen fehl, um deren Integration man besonders bemüht ist.

    Und es gibt die anderen, die Angst haben, aufzufallen und sich aus diesem Grund anpassen, wobei sich das Eigene dann unter Umständen gewaltsam die Bahn bricht. Das ist auch nichts Neues.

    „Es ist auch kein Zeichen von positiver Toleranz, wenn in unserem Abendbrotbeispiel die Eltern den Kindern sagen: “Das ist schlimm, aber es ist gut, dass Du Abdul und Karim nicht antwortest. Wer weiss, was die sonst mit Dir machen würden.”“

    Klar. Dieses Bild habe ich bewusst überzeichnet. Ich kann mir diese Situation in Deutschland auch weniger vorstellen.

    In Frankreich ist sie hingegen gut denkbar. Hier gibt es gemessen am Anteil der Gesamtbevölkerung sowohl die meisten Muslime als auch Juden in Europa (mehr Muslime in England??). Und wie läuft das mit deren Integration? Die Antwort lautet: kaum. In der französischen Klassengesellschaft kennt jeder seinen Platz. Die Immigranten/Franzosen in der ersten, zweiten, dritten Generation wohnen für sich; Franzosen, die ihren Stammbaum bis Louis XIV zurückverfolgen können, wohnen woanders und schicken ihre Kinder in andere Schulen. In reichen Stadtvierteln können die Immigranten nicht leben (zu teuer), und in den anderen weicht man auf private (katholische) Einrichtungen aus. Die sind weder teuer noch sehr religiös. Das heisst Atheismus ist an diesen Schulen (unter den Schülern) weit verbreitet.
    (Ghettobildung/”Elite”förderung durch die Eltern sehe ich zunehmend auch in Deutschland.)

    Solange jeder an dem ihm gesellschaftlich zugewiesenen Platz bleibt, bleibt es friedlich, aber der Geist der Revolution lebt weiter…

    „Es natürlich einfach hier gemütlich mit einer Tasse Tee vor dem PC mutig zu sein, aber ersetzen wir Adul und Karim mit SA, dann haben wir die Stimmung ab spätestens Januar 1933.“

    Das haben Sie richtig erkannt. Ich beschreibe die Stimmung 80 Jahre später, wie sie ist, nicht wie sie wäre, wenn.

    „Ich muss Extremisten und Antisemiten gegenüber doch nicht meine Toleranz beweisen! Hier muss man seine eigenen Werte durchsetzten.“

    Nun ja. Sagen wir’s mal so: Mit diesen Leuten ist schlecht Kirschen essen. Haben Sie das Video mit Herrn Schneider auf der Hamas-Demo gesehen? Er ist da auch brav mitmarschiert, obwohl er Israel auf der ‘Palästina’-Karte immerhin gesucht hat. Oder schauen Sie nach Mali. Da gab es offenbar auch nur ein Zusehen und dann Draufschiessen. „Toleranz“ ist manchmal Schweigen/Wegsehen zum Selbstschutz. Ja, ich weiss, so etwas wollten wir doch überwunden haben. Jetzt ist es anders.

    Es macht immerhin einen Unterschied, ob wir billigend oder missbilligend schweigen. Es gibt auch andere Wege als die direkte Konfrontation, um die eigenen Werte zu vertreten (durchzusetzen?).

    „Und ich denke, dass die Politik tatsächlich ein Interesse hat fehlverstandener Toleranz Einhalt zu gebieten. Sozialer Friede ist für jeden Staat äußerst vorteilhaft. Und genau deshalb kann es sich Deutschland als „Gemeinwesen“ nicht erlauben, dass soziale Gruppen ihre Konflikte unbeachtet austragen…“

    In Deutschland ist die Lage vergleichsweise weniger dramatisch; Integration funktioniert besser, aber Deutschland oder Frankreich, beides ist Europa. Wir leben in einer globalisierten Welt… Wir sitzen letztlich im selben Boot.

    „Ich möchte auch noch auf Ihre hohen Ansprüche an die Verantwortungsfähigkeit von Kindern eingehen….“
    „Auch im säkularen deutschen Strafrecht ist man bis zum 14. Lebensjahr strafunmündig. Anschließend gilt das Jugendstrafrecht,…“
    „Überfordern Sie mir bitte die jüdischen Kinder nicht. “

    ;-) So war es nicht gemeint. Mir gefällt einfach dieser „Anspruch“ und auch das – gefeierte – Selbstverständnis der Kinder, die diesen Eintritt in die (von mir aus Jugend-)strafmündigkeit bewusst erleben und darauf vorbereitet werden, während sich in den westlichen/säkularen/christlich geprägten Gesellschaften Erwachsene immer wieder aus ihrer Verantwortung herauswinden und sich auf die Umstände, Notwendigkeiten, die Relativität aller Dinge undund berufen, wenn sie gefordert sind, sich für ihre Taten zu rechtfertigen, sich zu entschuldigen oder ihre Haltung zu korrigieren.

    „Jeder trägt in seiner eigenen Sphäre die gleich große Verantwortung.“

    Das sehe ich auch so.

    „Und die von Ihnen genannte Gewissensbildung, erfolgt meiner Ansicht nach unbewusst. Ein Kind imitiert, was die Bezugspersonen (hauptsächlich Eltern) vorleben. Aufgrund der Autorität wird das vorgegebene Verhalten als „richtig“ empfunden und bis zum nächsten entwicklungspsychologischen Schritt nicht hinterfragt und damit erstmal internalisiert. Da brauchen Sie keinen eigenen Tagesordnungspunkt „Gewissensbildung“ im Alltag.“

    Dieser Tagesordnungspunkt wird benötigt. Sie gehen davon aus, dass die Eltern sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sind, dass ihnen wichtig und eine Selbstverständlichkeit ist, die Kinder zu Gewissenhaftigkeit heranzuziehen.

    Was man jedoch so Tag für Tag sieht und erlebt, zeugt vom Gegenteil. Die Erwachsenen benehmen sich wie die Kinder und sind sich ihrer Vorbildfunktion und Verantwortung überhaupt nicht (mehr) bewusst. Die Kinder sind desorientiert. Alles, was machbar ist, ist erlaubt. Die Eltern leben es vor. Die Kinder machen es nach. Gewissensbildung? Fehlanzeige.

    „A propos „jüdischer Humor eine Belustigung über das eigene“:
    Ist dies nicht ein Grundelement jeden Humores?“

    Viele Menschen lachen lieber über andere als sich selbst und finden (nur) das lustig.

    • Liebe Lily,
      wie sollte ich nur meine trüben Wintertage füllen ohne Ihre laaaangen Texte mit so vielen Punkten zum Nachdenken ;)
      Nur habe ich die oben versprochene Klärung der Mißverständnisse hier vermisst. Oder nur nicht verstanden?

      Was mich aber an dem Text etwas nachdenklich gemacht hat, waren Ihre Äußerungen zu Toleranz und Gewalt. Kennen Sie Brechts “Maßnahmen gegen die Gewalt”? In Kurzfassung geht es darum, dass man in der Gefahr so tun soll, als ob man sich der Gewalt beuge, um dann, wenn die Gefahr vorüber ist, nein zu sagen.

      Mir scheint, dass Sie dem Geist dieses Literaten folgen, während Gabriele eher dem Geist von Wilhelm Busch (dem Pfarrer, nicht dem Dichter) folgt, der in seinen Erlebnissen mit der Gestapo schreibt: “Wenn wir geschrien hätten wie wir hätten schreien müssen, dann hätten wir nicht überlebt. Deshalb ist da eine Schuld.” Wie stehen Sie (Lily und Gabriele) dazu?

      Martin Niemöller schrieb “Als sie die ersten Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Kommunist. Als sie die ersten Juden holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Jude. Als sie die ersten Katholiken holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Katholik. Als sie mich holten, war niemand mehr da, der seine Stimme hätte erheben können.”

      Es gab schon Ende der zwanziger Jahre Menschen in Deutschland und dem benachbarten Ausland, die erkannten, dass da “etwas Böses wächst”. Sie wurden nicht für voll genommen. Auch heute gibt es viele Warner und Rufer – vor Überfremdung, vor Islamisierung, der Klimakatastrophe, dem demografischen Wandel und vieles mehr. Wer nimmt sie ernst? Muss man sie überhaupt ernst nehmen, vgl. den Maya-Kalender-Weltuntergang?

      Und selbst wenn man klar sieht: kann man ein Kind, das vor 30, 70 oder mehr Jahren in den Brunnen gefallen ist, wieder herausholen? Und wenn nicht alleine, kann man denn andere so weit überzeugen, dass sie mit aktiv werden? Dass sie wie ein Mann stehen und das Ruder noch herumreißen? Hätte man Hitler im Frühjahr 1933 noch stoppen können? Oder waren alle schon zu besoffen von ihm?

      ——-

      Was mich noch interessieren würde ist, wie Sie auf die Idee kommen, dass jüdischer Humor eine Belustigung nur über das eigene sei? Die jüdischen Witze, die ich kenne, spielen den Unbedarften oder Unterlegenen nur, um am Ende die Situation durch eigene Schläue zu den eigenen Gunsten zu wenden. Um nur ein Beispiel zu zeigen:

      Ein russischer Jude wird nachts um 3:00 Uhr durch Hämmern an die Tür geweckt. Draußen ruft jemand: “Machen Sie auf, hier ist die Post mit einem Paket”. Als er öffnet, stürmen drei KGB-Agenten herein, drücken ihn an einen Tisch und fragen ihn: “So, sie haben also einen Ausreiseantrag gestellt und wollen unsere schöne Sowjetunion verlassen. Warum?” Darauf der russische Jude: “Ach wissen Sie, ich möchte einfach nicht in einem Land leben, in dem die Post um 3 Uhr früh kommt.”

      • Hallo Michael,

        die Klärung der Missverständnisse sollte sich aus meinen Antworten ergeben haben.

        Danke für den Witz! :-) Sie fragen, wie ich darauf komme, dass jüdischer Humor eine Belustigung nur über das eigene sei… Ich weiss es nicht! Woher habe ich das? (Vielleicht finde ich durch Nachdenken eine Antwort.)

        Zu Gewalt und Toleranz. Es ist meiner Meinung nach kaum möglich, mit einer allgemein gültigen Formel aufzuwarten.

        Ich denke auch, dass wir Schuld auf uns laden, wenn wir uns vor Gewalt ducken und sie dadurch zulassen, aber ist es nicht diese Schuld, um die es beim Yom Kippur-Fest geht, dem Opfer im Tempel oder Jesus (je nach inidivueller Lesart)?

        In den Bereichen, in denen wir bewusst aneinander schuldig werden, sind wir gefordert, aufeinander zuzugehen, Fehler einzugestehen und einander um Vergebung zu bitten und sie einander zu gewähren. Es gibt aber auch diese andere Schuld, die “einfach so” geschieht, für die wir irgendwie nichts können, weil wir nicht anders haben handeln können oder weil wir aus Unwissen oder Versehen andere verletzt haben.

        Ein Beispiel ist vielleicht, wie jemand darüber jammert, weil er sich den Fuss/Knöchel vertreten hat, und er spricht zu einem Mann im Rollstuhl. Es ging ihm wirklich nur ums eigene Malheur, aber er hat dem anderen u. U. damit sehr wehgetan. So ähnlich ist es mit der Schuld, die wir durch unser Nichteingreifen auf uns laden.

      • Lieber Michael,

        es ist Mitte Januar, vor meinem Fenster liegt genau 10 cm zu hoch Schnee und um dies zu verkraften brauche ich erfreuliche, ablenkende Gedanken. ;-) Deshalb versage ich mich Ihrer deprimierenden Diskussion um Widerstandsrecht und Tyrannenmord und bemühe stattdessen noch einmal Tucholsky: “Der Zustand der gesamten menschlichen Moral läßt sich in zwei Sätzen zusammenfassen:We ought to. But we don’t.”
        Und wie ich zu diesem ‘But we don’t’ stehe, wissen Sie ja schon.

        Gabriele

        • Liebe Gabriele,
          Sie können ja einen Schneemann bauen. Übrigens habe ich am Wochenende gesehen, dass auch in Jerusalem Schnee liegt. Und was baut der Araber? Richtig, eine M75-Rakete aus Schnee, mit grünem Hamas-Schal.

          • Lieber Michael,

            ermutigen Sie mich besser nicht zum Jammern und Meckern über diese u n z u m u t b a r e n Schneemassen. Ich werde sonst noch zickiger als die Hipster im Blog vom 16. Januar.
            Schneeraketen mit Hamas-Schal? Erinnert mich an das Gefühl als ich entdeckte, dass ein sich selbst als “gemäßigt” bezeichnender Bekannte seinem Kind Arabisch mit Anlautpostern vermittelt bei denen statt A für Affe, B für Biene, u.s.w. Handgranaten und Maschinengewehre abgebildet waren.

            Gabriele

  33. In der jüdischen Allgemeinen gibt es ebenfalls einen Artikel zum Thema. Auch hier wurde “slurs” unterschlagen. Dafür gibt es ein paar sehr differenzierte Aussagen dazu, warum Antisemitismus offensichtlich wieder salonfähig wird, wie er es bis zum Holocaust in Deutschland auch war.

    Eine weitere Parallele zu früher besteht laut dem Artikel darin, dass die antisemitischen Argumente immer einen moralisierenden Diskurs einschlugen. Im Kaufmann von Venedig will Shylock mit dem Messer in der Hand “sein Pfund Menschenfleisch – er verkörpert das Böse, Satanische, die »alttestamentarische« Rachsucht.”

    Zum Vergleich sagt Augstein “dass die Gewalt in Libyen, im Sudan und im Jemen den amerikanischen Republikanern und der israelischen Regierung nütze, dass Israel durch eigene Schuld seine Legitimität, also sein Lebensrecht, verliere, dass die Ultrafrommen in Israel auf derselben moralischen Stufe stünden wie mordende islamische Fanatiker, dass der Gazastreifen ein Lager sei und dass Israel seine eigenen Gegner ausbrüte. (Mit dem Verb »ausbrüten« wird der Judenstaat endgültig in den Bereich des Tierischen, Krokodilhaften gerückt.)”

    Klingt irgendwie vertraut, oder? Nur mit der Moralisierung wird verständlich, warum die “humanitäre Krise” in Gaza so viel schlimmer sein soll als die “humanitären Katastrophen” in so vielen anderen Regionen der Welt. Nimmt man Lilys Auserwählungsthese mit ins Boot, dann bedeutet auserwählt zu sein, wohl perfekt sein zu müssen, und wenn nicht der Verdammnis anheim zu fallen.

    Auf die Fragen des Shylock “Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns beleidigt, sollen wir uns nicht rächen?”, lautet die antisemitische Antwort also “Nein.”

    • Zur Ehrenrettung der Jüdischen Allgemeinen sei hier vermerkt, dass mit “Streit um Platz 9″ auf Seite 2 tatsächlich ein Artikel existiert, der “slurs” erwähnt und korrekt übersetzt.

  34. @Hanns
    “Der Anteil der jüdischen Bevölkerung im Mandatsgebiet stieg von 600000 – Arabischen Bevölkerung >1200000

    1945 –
    Anstieg jüdischen Anteil 31% – Anstieg arabischen Anteil 60% (Moslems) / 8% (Christen)

  35. @Hanns

    Sorry, mit den Beitrag von 16:43 Uhr ist offensichtlich was schief gelaufen.
    Da ich den Text nicht kopiert hatte, hier eine Kurzfassung.

    Also laut Report of UNSCOP vom 1947 ergibt sich einen Anstieg der jüdischen Anteil von 33% und den arabischen Anteil von 68% (Moslem und Christen).

    • @sonderbar: Ihre Zahlen bestätigen meine Quelle! :-) In meinem Nachsatz ging es mir darum, daß ich (ohne Beweis/Quelle!) davon ausgehe, daß der Anstieg des jüdischen Bevölkerungsanteils von 1940 bis 1948 schneller stieg als von 1918 bis 1940. Zahlen dazu (z.B. jüdischer Bevölkerungsanteil 1940) habe ich nämlich nicht gefunden. Und mit der Staatsgründung Israels liefen die Uhren ja dann anders.

      @Ariel: Sicher ist es richtig, daß Palästina vor allem in Europa so genannt wurde. Und daß sich Zeitungen, Orchester usw. naheliegenderweise als “palästinisch” bezeichneten, ist wohl auch klar, es gab ja keinen anderen offiziellen Begriff. Man hat halt das genommen, was allgemein verständlich war.

      Und wenn man als Europäer alle Bewohner des Mandatsgebietes der Einfachheit halber als “Palästinenser” bezeichnete, meinte man sogar noch am Ende des Mandats(!) 66% Nicht-Juden! Wenn Sie darüber richten, daß das geschichtlich Falsch ist, ist das für mich ein “Streit um Kaisers Bart”!

      Außerdem war das so lange vor meiner Geburt, daß ich beim besten Willen keine Zeitzeugen mehr finden kann.

      BTW, auf der (offiziellen?) Flagge des britischen Mandatsgebiet stand auch “Palestine”.

      Schönen Tag noch!

      Hanns

      • @Hanns

        Dass es ab 1940 schneller ging braucht man glaube ich nicht zu “belegen”.

        Ich wollte Ihre Zahlen ja garnicht widerlegen ;-) Mir ging es darum, Ihnen auf den Anstieg der arabischen Anteil (Moslems+Christen) aufmerksam zu machen – was mir aber offensichtlich nicht gelungen ist.

        Sie bezogen sich auf Ariels Worte “ALLE bewohner Palästinas” und wollten mit Ihren Zahlen den (enormen?) Anstieg der jüdischen Anteil von 8% 1915 bis 33% 1947(8) hervorheben. In der Tat war es ein beträchtlicher Anstieg.

        Was Sie aber übersehen haben, ist der Anstieg der arabischen Anteil.
        1922 – 290000 Araber (Moslems) 71000 Araber (Christen)
        1931 – 761922 Araber (Moslems) 90000 Araber (Christen)
        1945 – 1061270 Araber (Moslems ) 135550 Araber (Christen)
        1947 – Laut UNSCOP 1237000 Araber (Moslem+Christen) (Juden 608000)

        Quelle: Wikipedia – Völkerbundsmandat für Palästina (die Zahlen sind aber in der italienische Fassung).

        Also einen Anstieg (in Zahlen) von 361000 (1922) auf 1237000 (1947).

        Meine Zahlen belegen aber durchaus, dass 68% der Araber genauso Einwanderer waren als der 33% der Juden. Die Zahlen belegen nebenbei aber auch, dass 68% der Araber (1947) in Palästina KEINE “Palästinenser” waren.

        “BTW, auf der (offiziellen?) Flagge des britischen Mandatsgebiet stand auch “Palestine”.”

        Na sicher…! Und was wollten und haben die Briten mit den Mandatsgebiet (West des Jordans) gemacht? Richtig, eine Heimstätte für das jüdischen Volk.
        Den östlichen Teil des Mandates wurde (von den Araber?) Jordanien genannt.
        Von “Palestine” blieb also nur den jüdischen Teil, ihre Heimstätte.

        Alle einen schönen tag noch.

        • Nun ja, es gibt ja schon die absurde Situation, dass es von britischer Seite auch in den 40er Jahren Restriktionen in der Einreise von Juden nach Palästina gab. “Exodus” muss man schon gesehen oder gelesen haben, wenn man Israel verstehen will. Deutsche Juden bildeten bei der Startbevölkerung von Israel eine Minderheit, weil sie eben nicht rauskamen, sondern zum größten Teil umgebracht wurden. Erst mit der Veröffentlichung der Bilder aus den Vernichtungslagern wurde es eben auch allen anderen Juden klar, dass sie keinen sicheren Rückzugsraum haben, dass es auch im zivilisiertesten und gebildetesten Land der Welt, mit den assimliertesten Juden, die man sich denken konnte, zu so einer Barbarei kommen konnte, ließ eben selbst im “sicheren” Amerika, wo ja angeblich die jüdische Lobby die Wirtschaft, die Medien und die Regierung beherrscht, so manchen jüdischen Familienvater die Koffer packen.

          Wichtig bei der Einwanderung nach Israel ist aber auch, dass viele arabische Juden relativ unfreiwillig einreisten, weil sie z.B. aus dem Irak regelrecht nach Israel vertrieben wurden. Jetzt habt ihr ja euren eigenen Staat, also verschwindet. “Die Araber” haben also den Anstieg der jüdischen Bevölkerung in Israel zum Teil selber aktiv betrieben. (Was andererseits den Irak kulturell ärmer gemacht hat! Der absehbare Verlust der christlich-orientalischen Kultur ist die nächste Katastrophe. Man kann dem blühenden Mesopotamien derzeit Ozeane von Tränen nachweinen, wenn man bedenkt was die Ayatollahs und Sunni-Fundis in den letzten Jahren und Jahrzehnten an kultureller Vielfarbigkeit dort vernichtet haben)

          Aber zurück zu Augstein: Außer den Juden wissen eigentlich nur wir Deutschen ganz genau, warum Israel so einen “Sicherheits-Tick” hat. Dass Sicherheit für ihre Bevölkerung wirklich Staatsräson im eigentlichen Sinne ist. Weil sich dieser Staat als einziger Ort versteht, in dem Juden sicher leben können sollen, nachdem es bis zur Shoah noch im Prinzip die ganze Welt war.

          Wir waren es, wir allein, die den Beweis erbracht haben, dass Juden in anderen Ländern niemals ganz sicher sein können. Dass ein salonfähiger Antisemitismus in einen alles vernichtenden Hass umschlagen kann, gegen unschuldige, biedere, steuerzahlende Mitbürger.

          Und genau deshalb steht es uns besonders gut zu Gesicht, für das (hier und da durchaus übersteigert wirkende) Sicherheitsbedürfnis Israels volles Verständnis zu zeigen, und etwaige Kritik wenn überhaupt, sehr diskret zu äußern. Uns darüber lustig zu machen, oder gar mit polemischen Übertreibungen und beleidigenden Vergleichen über Israel herzuziehen ist im höchsten Maße widerlich.

          Heidelbaer

  36. Aug’ um Auge,
    Zahn um Zahn,
    steinigte er
    Israel, der
    Jakob gewesen…

    Auf Platz 9
    bei drei jüdischen Bezügen im eigenen Namen!

    • Da brauchte ich ein bisschen, um Ihr Wortspiel zu kapieren.
      Nicht schlecht, sogar ziemlich gut, um es mal norddeutsch zu sagen.
      Heidelbaer

  37. @Free

    “Ich wollte damit nicht sagen, dass alle europäischen Einwanderer rassisten waren…”

    Ja natürlich wollten Sie das nicht. Das will ja doch niemand gesagt haben wollen…

    Was einzelne Personen angeblich propagiert haben sollen spielt doch keine Rolle.
    Was zählt ist was die Einwanderer selber getan haben. Also NICHTS von alldem was Sie da aufzähen.

    Sie haben niemanden vertrieben, ermordet oder was auch immer, höchstens wollten sie “unter sich” bleiben. Gründeten z.B. eine eigene Stadt (Tel Aviv), zogen sie in den Sumpfgebieten etc…
    Sie haben niemanden den Krieg erklärt.
    Alle hätten friedlich und im Wohlstand nebeneinander leben können. Die Grundlagen dafür hatten sie ja auch geschaft (siehe wirtschaftliche Entwicklung, Industrie etc.).

    Sie reden von “Widerstand”. Widerstand gegen wen, gegen was?
    Hätte ein (politischen) Widerstand gegen die Briten gegeben, hätte ich vielleicht noch verstanden. Aber GEGEN Menschen die den russischen Pogrome überlebt hatten und nebenbei gesagt das Land langsam zum blühen brachten UND Arbeitplätze und somit Wohlstand schafften? Nein, das kann ich nicht verstehen, zumal dieser “Widerstand” schon in den 20ern mit das MORDEN anfing.
    Und das Morden… sorry den “Widerstand” ging weiter, selbst dann wenn in Europa die Vernichtungsmaschienerie auf hochtouren lief! Da wurden sogar abschäuliche Allianzen betrieben, und DAS nennen Sie “Wiederstand”?

    Da es dann auch zu Reaktionen kam ist mehr als verständlich. Um so mehr wenn man bedenkt was in Europa geschah und wie Offen die Grenzen ALLER Länder dieser Welt waren!

    Sie reden immer und immerwieder über “rassistischen” Übergriffen der Siedler und der Soldaten.
    Ich glaube, Sie sind auf mind. eine Auge Blind. Und wenn es nach Ihnen ginge, dann sind wahrscheinlich alle umliegenden Ländern Israel “wehrlos ausgeliefert”.
    Da es ernstzunehmenden Gründe für Sicherheitsmaßnahmen gibt nehmen Sie nicht wahr. Sie sprechen nicht mal davon…

    Ach wissen Sie, m.M.n. passen “Jüdische Staat” und “Apartheid-Unterdrückerstaat” grundsätzlich nicht zusammen.
    Nehmen Sie Rahab z.B. oder noch besser Ruth die Moabitin. Beide stehen nicht allein da in die jüdische Geschichte und Kultur.

    1947 war der “Krieg” schon voll im Gange. Angefangen hat es mit das Morden am 1921, 1929 etc. Aber natürlich verweisen Sie auf die Reaktionen, und nennen sie sie “Massaker”. Einen “Grund” dafür haben Sie auch parat.
    Dass das Mufti von Jerusalem aber schon in den 30ern “Tot den Juden” predigte und mit Hitler sympatisierte und später in Verbindung stand erwähnen Sie nicht.

    “Was ist daran so schlimm mit den Palästinensern in einem gemeinsamen, demokratischen Staat mit gleichen Rechten für alle zu leben?”

    Garnicht. Denn das ist im Grunde was Israel ausmacht: Ein demokratischen Staat mit gleichen Rechten für alle. Denn es gibt wahrscheinlich nichts was in Israel nicht gibt in Bezug auf “Rassen”, Religionen und Nicht-Religionen, Nationalitäten, “Lebensstyle” und und und. Alle haben die gleichen Rechten, außer das Recht den Staat zu Vernichten, was auch selbstverständlich ist.

    Was mir interessieren würde ist wie Sie eigentlich – angesicht der politische Entwicklung in Gaza und den Ist-Zustand ALLER arabischen Länder – auf die Idee kommen, dass ausgerechnet die palästinensichen Araber tatsächlich ein “gemeinsam, demokratischen Staat mit gleichen Rechten für ALLE” haben wollen.
    In welche arabischen Staat gibt es denn bitteschön soetwas?

    • “Sie haben niemanden vertrieben, ermordet oder was auch immer”

      Das ist einfach Schwachsinn! Wenn ich auf einem Auge blind bin, dann sind sie schon voll erblindet ;)

      “Sie reden von “Widerstand”. Widerstand gegen wen, gegen was?
      Hätte ein (politischen) Widerstand gegen die Briten gegeben, hätte ich vielleicht noch verstanden. Aber GEGEN Menschen die den russischen Pogrome überlebt hatten und nebenbei gesagt das Land langsam zum blühen brachten UND Arbeitplätze und somit Wohlstand schafften? Nein, das kann ich nicht verstehen, zumal dieser “Widerstand” schon in den 20ern mit das MORDEN anfing.”

      Natürlich gab es Widerstand gegen die Briten und sie scheinen immer noch nicht einzusehen, dass die Zionisten nicht als Flüchtlinge sondern als Eroberer gekommen sind. Sie wollten einfach nicht mit den Arabern zusammen leben, sie planten von Anfang an sie zu vertreiben.

      “Dass das Mufti von Jerusalem aber schon in den 30ern “Tot den Juden” predigte und mit Hitler sympatisierte und später in Verbindung stand erwähnen Sie nicht.”

      Ich dachte was einzelpersonen propagiert haben spielt keine Rolle? Oder gilt das nur für Zionisten?

      “Garnicht. Denn das ist im Grunde was Israel ausmacht: Ein demokratischen Staat mit gleichen Rechten für alle. Denn es gibt wahrscheinlich nichts was in Israel nicht gibt in Bezug auf “Rassen”, Religionen und Nicht-Religionen, Nationalitäten, “Lebensstyle” und und und. Alle haben die gleichen Rechten, außer das Recht den Staat zu Vernichten, was auch selbstverständlich ist.”

      Ach kommen sie, den täglichen Rassismus gegen NIchtjuden in Israel können sie doch nicht leugnen. Araber dürfen teilweise nicht in den selben Bussen fahren, nicht in die selben Restaurants u.s.w.

      “Was mir interessieren würde ist wie Sie eigentlich – angesicht der politische Entwicklung in Gaza und den Ist-Zustand ALLER arabischen Länder – auf die Idee kommen, dass ausgerechnet die palästinensichen Araber tatsächlich ein “gemeinsam, demokratischen Staat mit gleichen Rechten für ALLE” haben wollen.
      In welche arabischen Staat gibt es denn bitteschön soetwas?”

      Wie wäre es mit der Westbank? Wie sieht es z.B. in Nablus aus. Die Christen und Juden leben friedlich mit den Muslimen unter gleichen Rechten zusammen. Probleme gibt es nur wenn muslimische oder christlische Palästinenser, die Jüdische Palästinenser besuchen wollen und von israelischen Soldaten am Checkpoint gehindert werden. Mir so passiert. Mussten warten bis derjenige der uns eingeladen hat mit den Soldaten gesprochen hat. Bzw. musste er erst mit seinem Vater telefonieren, damit der mit den Soldaten telefoniert, u.s.w …

      • @Free

        Ich hatte mir vorgenommen die Diskussion nicht weiter zu führen, da es wie üblich sich im kreis dreht. Daher mein letzter Beitrag dazu.

        1921 als das Morden anfing gab es keine Vertreibung, Ermordung oder was auch immer. Vor 1929 auch nicht.

        Speziell 1929 fang das Morden mit den Aufruf zum morden an. Also EINE einzelneperson bewegte VIELE einzelnepersonen zum Mord.
        Dagegen hatten die Gedanken oder eventuell geäußerte Meinungen einzelne Einwanderer NIEMANDEN weder zum Mord noch zu irgendwas anderes bewegt.
        DAS ist der Unterschied.

        Der nächster Unterschied ist, dass der arabischen “Führer” für seiner Gedanken an die “Protokolle” bediente und mit Hitler zusammen arbeite.
        Soviel also zu den angebliche “Pläne” der Sionisten.

        Und wiedermal verwechseln Sie Sicherheitsbedürfnisse mit Rassismus. Selbst wenn es – wie in jedes Land der Welt – zu einzelne Rassismusvorfälle kommen kann/kommt.

        Die Westbank ist kein Staat. Und wenn es ein Staat wäre, seine Charta lässt grüßen…
        Da die Christen von dort fliehen und langsam aber sicher verschwinden haben Sie es sicher vergessen. Genauso wie demokratisch man dort mit Journalisten und Blogger umgeht. Homosexuellen fliehen übrigens auch.

        Dass die Hamas in der Westbank immer mehr an Zustimmung gewinnt haben Sie es auch verpasst.

        Aber solange Vernichtungsfanthasien “Zustimmung” bekommen werden die “Probleme” an den Checkpoints nicht aufhören.
        Für solche “Probleme” sollten Sie sich daher eher mit die Hamas und all die die sie gleichgesinnt sind beschwören.

        • Sie wollen einfach nicht sehen, dass die Drohungen der Zionisten für die Reaktionen verantwortlich sind. Wer mehr oder weniger öffentlich bekanntgibt, dass er ein anderes Volk vertreiben will kann nicht damit rechnen dass man ihn freundlich empfängt. Es ist logisch, dass es Widerstand gibt. Und das immer mehr Christen aus Palästina fliehen liegt nicht an den Palästinensern sondern an der israelischen Militärdiktatur. Viele der frühen Palästinensischen “Terroristen” waren Christen. Wenn jemand die Christen vertreibt dann Israel mit seiner menschenfeindlichen Politik.

          Und zur Hamas. Die Hamas ist eine sehr junge Organisation die nur wegen der Besatzung und der darus resultierenden Unterdrückung entstanden ist. Und dass die Hamas mehr Zulauf bekommt liegt daran, dass immer mehr Palästineneser verzweifeln, weil es bisher keinen Sinn gemacht hat mit Israel zu verhandeln und die Taktik der Fatah nicht aufgegangen ist, weil die Machthaber in Israel nicht Frieden sondern an mehr und mehr Land interessiert sind.

          • Ganz, ganz manchmal beneide ich Sie um Ihre Weltsicht. Es gibt auf jede Frage eine eindeutige Antwort, auch für die übelste Schandtat eine wohlfeile Rechtfertigung und alles ist so klar, so einfach, so schlicht.

            Aber jede zwischenmenschliche Konfliktlösung beginnt damit, sich in die Menschen der Gegenseite hineinzuversetzen, sie zu verstehen versuchen.

            Mir macht das gerade bei religiösen Fundamentalisten der arabischen Seite einige Mühe, und dann muss ich mir auch noch den Vorwurf anhören, eine Sozialverteidigungs-Strategie zu verfolgen.

            All diese Mühen ersparen Sie sich.
            Beeindruckend.
            Beneidenswert.

            Allerdings macht diese verführerische Einfachheit auch ein bisschen Angst, denn historisch haben wir hierzulande damit nicht so ganz tolle Erfahrungen gemacht.

            Schlichte Grüße
            Heidelbaer

          • @Heidelbaer

            Tja…. Weltsichten kommen ja nicht aus dem nichts. Von daher sollte man sich erstmal mit sich selbst beschäftigen um zu verstehen versuchen, wie es zu den jeweiligen Weltsicht kommt oder kommen konnte. Erst danach kann man es wagen sich in den anderen hineinzuversetzen, sie verstehen versuchen zu dürfen.

            Nur muss man dann aber bereit sein eventuell auch auf bösen Überraschungen zu stoßen und ggf. umsteuern/umlenken/umdenken.

            Ich von meiner Seite, kann nicht verstehen wie man einen Volk das tausende von Jahren – auf der Welt versträut – immerwieder zu vernichten versuchte, Vernichtungsgelüste unterstellen kann. Es ist fast so als wurde man den Schwarzen unterstellen, sie möchten den Weisen ausrotten, vernichten…

            Nehmen wir man z.B. Jerusalem oder Ost-Jerusalem.
            Im Verlauf eine faire und gerechte Verhandlung stünden ja 2 Lösungen auf den Plan:
            A (Palästinenser) bekommt Jerusalem – B (Juden-Israel) bekommt Jerusalem.
            Bekommt A Jerusalem – was auch die Weltgemeinschaft verlangt (Verhandlungen? Wo?) – wäre die Welt in Ordnung. Selbstverständlich ohne Garantien, dass dabei (Jerusalem) bleibt.

            Bekommt B Jerusalem – ach… wovon rede ich überhaupt? Diese Möglichkeit wird doch garnicht in betracht genommen. Unmöglich, das geht nicht…
            Dann lieber Jerusalem unter UNO-Verwaltung zu stellen, bloß nicht unter Israel (den Juden) – wohlgemerkt, ein “Verhandlungspartner”.

            Ägypten z.B. ist ein riesiges Land. Bewohnt wird nur ein Bruchteil davon. Man findet sich damit ab, es wird nichts unternommen um das zu ändern, zu investieren, obwohl die Technologie vorhanden ist.

            Übertragen wir das alles jetzt auf den arabischen Halbinsel. Ein riesiges gebiet, sparlich bewohnt und größtenteils unbewohnbar. Eine winzige, kleine Ecke, ebenfalls sparlich bewohnt und größtenteils unbewohnbar. Jahrhundert lang fandet man sich damit ab, nichts aber garnichts wurde dagegen unternommen.
            Da kommt jemand, der unbestreitlich historisch mit dem Land in verbindug steht, und fängt an das Land zu beleben, in einen Garten zu verwandeln.
            Innerhalb weniger Jahrzehnten ändern sich Lebensbedingungen und die Bevölkerungzahl explodiert. Wohlstand macht sich breit…

            Was tun…
            Richtig, den Menschen die das alles ermöglich hatten den Krieg zu erklären. Schließlich hätten sie ja auf Landraub(?), Vertreibung(?), Mord(?) abgesehen…

            Zur Erinnerug: Das war ein winziges kleines Eck in der immense arabischen Welt. Noch dazu kaum bewohnt und unbewohnbar.

            Fast Hundert Jahre später hat es sich immernoch nichts daran geändert. Die große Weite der arabischen Welt leidet immernoch unter großen Armut, in den Landschaften hat sich garnicht geändert.
            Anstatt mit den ehemaligen “totes, kleines Ecke” zusammen zu arbeiten wird das am Leben erwechtes Land als “Fremdkörper” betrachtet und konsequent bekämpft.

            Aber vielleicht sollte ich meiner Sicht der Dinge überprüfen, überdenken und endlich einsehen, dass es doch Menschen als “Fremdkörper” ansehen kann/darf – vorallem wenn sie Juden sind und ausgerechnet das Land ihre Väter als Heimat beanspruchen.

      • Mir so passiert.

        da haben sie aber glück gehabt, dass der soldat nicht so war wie israelis, die sie immer als mörderisch, blutrünstig und brutal beschreiben. sonst hätte der die wohl abgeknallt wie einen räudigen hund.
        tja, lügen haben kurze beine.

  38. “Der Araber” kann man so nicht sagen: Auch in RamAllah gab es Schnee, aber der dortige (arabische?) Schneemann, von dem ich einige “Ganzkörperportraits” :-) bekam, hatte eine schwarze (Müllsack-)Kufiya, die von einem Blechkochtopf gehalten wurde. Außerdem als Nase eine Gurke statt einer Möhre. ;-)

    Schönen Tag noch!

    Hanns

    • Jetzt will ich EINMAL auch einen Holzschnitt machen, und dann kommt hier gleich wieder so ein Spielverderber ;)

    • Es ist mir ein Rätsel wie man sich überhaupt für Schneemänner begeistern kann……
      Ist das Teil des y-Chromoson gesteuerten Konstruktionstriebes? ;-)

      Gabriele

      • Liebe Gabriele,
        dieser sexistische Holzschnitt sei Ihnen gegönnt ;)

    • Also, ich verstehe nicht wie man sich überhaupt so für Schneemänner begeistern kann…..
      Ist das Teil des Y-Chromoson gesteuerten Konstruktionstriebes? ;-)

      Gabriele

    • habe keine Schneemänner gesehen, dafür aber schneeraketen

      • Naja… man muss ja bedenken dass die M75 gerade dort sehr im Vouge ist.
        Ein Kosmetikhersteller in Gaza hat z.B. ein neuen Parfum auf den Markt gebracht, es heisst M75. Bilder gibt es bei tante Google…

        • Erinnert mich an “Der Planet der Affen”. Dort betete eine degenerierte Menschheit eine Atomrakete an, mit der sie schlußendlich den Planeten vernichtete.

        • Ich versteh ja, dass sich in Deutschland dafür kein Kunde begeistern könnte, aber sind militärischen Begriffe nicht irgendwie geschützt? Wäre es rechtlich überhaupt möglich ein deutsches Perfum bsw. “Awaks” zu nennen? Kann mir jemand diese -ernst gemeinte- Frage beantworten?

          Gabriele

          • Ich sollte mir wohl besser das Korrekturlesen angewöhnen.
            Entschuldigung !

            Gabriele

          • Liebe Gabriele,
            “Awaks” dürfte es bestimmt heißen, denn der Flieger heißt AWACS. Prinzipiell hängt das davon ab, ob es sich um einen Namen oder ein Akronym (eine Abkürzung) oder eine Zahlen-/Buchstabenkombination handelt. Zum Beispiel scheiterte Intel mit dem Versuch, 386, 486 usw. schützen zu lassen, so dass Mitbewerber AMD seine Prozessoren genauso bezeichnen durfte. Deshalb nannte Intel den 586 auch Pentium. Pentium ist ein Eigename und als solcher schützbar.
            Das gilt übrigens europaweit, so dass Daimler an einen französischen Künstler “Lizenzgebühren” zahlt, weil der sich “Classe E” schützen ließ, und die E-Klasse von Mercedes damit kollidiert.
            Daneben kommt es auch auf die Verwechslungsgefahr der Produkte an. Würde ein Hersteller z. B. einen Schokoriegel “Nickers” nennen, wäre das ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht, bei einer Matratze dieses Namens hätte eine Klage keinen Erfolg.

            Langer Rede kurzer Sinn: in Deutschland wäre M75 nicht schützbar. Wie es im Iran aussieht, weiß ich nicht, aber da heißt sie auch Fadschr-5. Die Hamas nennt sie “verbesserte Qassam”, und 75 km ist die maximale Reichweite. Von daher ist M75 auch kein “Markenname”.

          • Nutze AWACS und die Männer haben dich auf dem Radar… Sorry could Not resist ;-)

          • Lieber Michael,

            vielen Dank für die Erläuterungen!

            Zu meinen diversen Rechtschreib- und Grammatikfehlern vergleiche bitte meinen Beitrag von 20:25. Sorry!

            Gabriele

  39. Ich bin ja kein Fan der Springerpresse, aber die Welt bringt einen langen offenen Brief von dem Schauspieler Christian Berkel an Augstein, der nochmal weniger analytisch sonder stärker emotional herangeht. Lesenswert – nicht nur, weil (das wird Michael freuen) “slurs” ziemlich treffend mit “Entgleisungen” übersetzt wurde
    Heidelbaer

    • Nachdem man jetzt offenbar auch wieder ältere Beiträge kommentieren kann: Ich habe den Brief auch gelesen, danke für den Tipp! War sehr gut. Berkel ist nicht nur ein guter Schauspieler, sondern weiß auch den richtigen Ton für ein derart heikles Thema zu treffen.

  40. Kleine Ergänzung aus aktuellem Anlass:

    Jakob Augstein hat neuerdings Menschen als Spießer beschimpft, die sich gegen Pädophilie (besonders gegen die der 68er) echauffieren. Da zeigt sich wieder, wes Geistes Kind dieser Mann ist.

  41. Lieber Herr Schneider,

    immer mal wieder höre ich das Argument, dass wer nicht wenigstens längere Zeit in der Region gelebt hat, die Komplexität des Konflikts nicht verstehen und somit auch nicht beurteilen kann.
    Ich denke, dass das nicht ganz stimmen kann.
    Ich lebe in Deutschland, ich bin gebürtige Deutsche. Ja, ich habe einige Zeit in einem arabischen Land verbracht, aber das ist 45 Jahre her und seitdem hat sich viel verändert. Aber aus dieser Zeit habe ich das Interesse am Nahost-Konflikt und halte mich für ziemlich umfassend informiert. Über beide Seiten, ja, und auch noch über die diversen Strömungen innerhalb der beiden Hauptprotagonisten.
    Mit all diesem Wissen, mit allem Verständnis für die Gefühle sowohl der Araber als auch der Israelis, sehe ich aber schon ein Schwergewicht auf Seiten Israels, was das Moralische betrifft. Israel ist der Stärkere in dem Konflikt. Israel hat auch die stärkeren Verbündeten. Aber gerade aus dieser Stärke heraus sehe ich eine Verpflichtung Israels, einer Konfliktlösung näher zu kommen, die beiden Seiten dienlich ist.
    Dieser Verpflichtung kommt Israel nicht nach, in keinster Weise. Im Gegenteil. Es nutzt seine starke Stellung dazu, den Konflikt nur noch mehr und mehr zu vertiefen.
    Darf man das nun kritisch kommentieren? Ich denke schon. Ob holzschnittartig oder nicht. Ich denke, gerade weil Israel uns “Westlern” zivilisatorisch und kulturell viel näher steht als viele andere Völker/Länder/Regionen, haben Menschen des “Westens” das Recht und sogar die Pflicht, Israel zu kritisieren, wenn es seiner Pflicht zur Lösung des Konflikts nicht nachkommt oder sogar dagegen arbeitet.
    Ich habe gerade Ihr Interview mit Uri Avnery gesehen, einem Mann, den ich seit Jahren sehr verehre. Ich stimme ihm auch in den meisten Punkten zu, nur in seiner Einschätzung über die Zukunft Israels stimme ich ihm nicht zu. Ich fürchte, da ist er zu optimistisch. Die Schutzmacht USA wird über kurz oder lang ihren Weltmachtstatus verlieren. Wenn die USA aber Israel nicht mehr unterstützen kann, dann wird es sehr schwer für Israel sein, zu bestehen. Ich hoffe, ich irre mich da.

    Gruß nach Tel Aviv
    Brigitte

  42. “immer mal wieder höre ich das Argument, dass wer nicht wenigstens längere Zeit in der Region gelebt hat, die Komplexität des Konflikts nicht verstehen und somit auch nicht beurteilen kann.
    Ich denke, dass das nicht ganz stimmen kann.” (BRIGITTE @ rcs)

    Wieso sollte das nicht ganz stimmen?

    „Ich denke, gerade weil Israel uns “Westlern” zivilisatorisch und kulturell viel näher steht als viele andere Völker/Länder/Regionen, haben Menschen des “Westens” das Recht und sogar die Pflicht, Israel zu kritisieren, wenn es seiner Pflicht zur Lösung des Konflikts nicht nachkommt oder sogar dagegen arbeitet.“

    1. Ich denke, dass „wir Westler“ uns grundsätzlich nicht anders in die Politik Israels einmischen sollten als in die der Mongolei…
    Das heisst, Israel sollte sogar noch weniger in der Kritik stehen als die Mongolei. Aufgrund – Sie wissen, was jetzt kommt… – unserer Geschichte steht es uns überhaupt nicht zu, die Politik Israels „aktiv“, sich einmischend, zu kritisieren. Wir können Israel jedoch sehr wohl im von Israel selbst zu definierenden Sinne unterstützen, so, wie es beispielsweise in Form der Lieferung von U-Booten geschehen ist.

    Abgesehen von unserer Geschichte, verstehe ich nicht, warum Israels angenommene „zivilisatorische und kulturelle“ Nähe Rechtfertigung für ein Eingreifen oder Kritisieren unsererseits sein sollte. Solches sind Fragen des Prinzips und nicht einer einseitig empfundenen Nähe.
    Inwiefern können wir uns überhaupt in Israels spezifische Bedrohungslage hineinversetzen?

    2. Welches ist Israels „Aufgabe“?

    Bedeutet Israel vor allem, dass Juden im von Gott versprochenen Land jüdisch leben und jüdisches Leben garantieren? oder
    Ist der „Frieden“ – der gerne auch mit der Erwartung der Unterwerfung daherkommt – mit evtl. streitsüchtigen Nachbarn/Mitbewohnern, die nicht jüdisch sind, wichtiger?

    Diese Fragestellung selbst macht ebenfalls deutlich, wie weit wir von Israels Lebensrealität entfernt sind.

    Nachdem ich gerade die Frage nach der Bedeutung Israels für das jüdische Volk mit den Foristen Mariana und ariel diskutiert habe, kann ich sicher sagen, dass ein Frieden um jeden Preis, ggfs. Israel veräussernd, absolut unjüdisch ist. Das jüdische Volk ist im Zweifelsfall immer Gott und dem Bund mit ihm stärker verpflichtet als einer nicht-jüdischen Idee vom “Frieden”.

    3. „…Verpflichtung Israels, einer Konfliktlösung näher zu kommen, die beiden Seiten dienlich ist.
    Dieser Verpflichtung kommt Israel nicht nach, in keinster Weise. Im Gegenteil. Es nutzt seine starke Stellung dazu, den Konflikt nur noch mehr und mehr zu vertiefen.“

    An diesen Worten wird deutlich, dass Brigitte den Konflikt aus der Ferne leider nicht verstanden hat. Es kann keine Konfliktlösung geben, die „beiden Seiten dienlich“ ist, da die Palästinenser sich letztlich in keiner Form mit der Präsenz von Juden in der Region zufrieden geben wollen. Und wie Zugeständnisse vonseiten Israels an die Palästinenser degenerieren können, sehen wir an Gaza.
    Wer ist also nicht bereit, einer Konfliktlösung näher zu kommen?

    „Wenn die USA aber Israel nicht mehr unterstützen kann, dann wird es sehr schwer für Israel sein, zu bestehen.“

    Das mag sein. Umso mehr sind wir als Deutsche und Europäer gefragt, Israel helfend zur Seite zu stehen!!! Israel hat nur Israel; das Araberland hingegen ist immens gross. Die Juden haben nur diese eine kleine Heimat, in der auch viele Palästinenser ein Zuhause haben!

    Go figure.

  43. Nun, ich wünschte, Sie hätten Recht mit Ihren Einschätzungen. Ich sehe das alles etwas kritischer, wie oben schon beschrieben.
    Um es noch etwas holzschnitzerischer auszudrücken: wenn ich irgendwohin neu zuziehe und sehe, dass die Nachbarn mir nicht freundlich entgegenkommen, dann tue ich alles, um mir die Nachbarn freundlicher zu stimmen.

    Brigitte

    • @ Brigitte

      “…dann tue ich alles, um mir die Nachbarn freundlicher zu stimmen.”

      Und wie machen Sie das, wenn Sie schwarz sind und Ihre Nachbarn Ritter des Ku Klux Klans? …

  44. Lustige Frage.
    Wenn Sie meinen Nachnamen kennen würden, hätten Sie schon die Antwort. Zwar bin ich nicht schwarz, aber mein Mann und meine Kinder. Und ob Sie es glauben oder nicht: als wir hier zugezogen sind, hat man uns nach anfänglicher Reserviertheit akzeptiert und es gab nie ernsthafte Probleme. Und das, obwohl wir Deutschen ja gerade auch von Israelis immer noch als potentielle Rassisten gesehen werden. Und ja, auch hier in der Gegend gibts Ecken, wo es für Schwarze schwierig ist, unbehelligt zu leben. Vielleicht wäre das auch bei uns schwierig geworden, wenn wir nicht auf unsere Nachbarn zugegangen wären, sie eingeladen hätten zu kleinen Feiern, ihnen mal ein Schälchen Beeren aus unserem Garten angeboten hätten etc. Solche Kleinigkeiten machen Freude und manchmal auch Freunde.
    Um nun auf Israel zurück zu kommen. Diese Nachbarschaftsprobleme bestehen ja nicht erst seit gestern oder heute, sie bestehen eigentlich seit dem Beginn der zionistischen Besiedlung Anfang des 19. Jahrhunderts. Und es hat eigentlich recht lange gedauert, bis die einheimische Bevölkerung anfing, sich gegen die Neusiedler zu wehren. Sie werden das sicher besser wissen als ich, aber nach meiner Kenntnis war es etwa in den 20er Jahren, als die ersten massiveren Proteste erhoben wurden. Man sollte sich mal anschauen, was diese Proteste ausgelöst hat.
    Dass dann natürlich auch die Weltpolitik sich unerfreulich entwickelt und das Klima auch von außen vergiftet hat, brauch ich sicher nicht weiter auszuführen.
    Fakt ist allerdings, dass es zumindest seit der Staatsgründung nur wenige Versuche gegeben hat, das Klima zu verbessern. Und das ist äußerst bedauerlich – für beide Seiten.

    Brigitte

  45. …..Anfang des 19. Jahrhunderts.

    Sorry, ich meinte natürlich Anfang des 20. Jahrhunderts.

    Brigitte

  46. Gerade habe ich einen Artikel gelesen über den ungarischen Politiker Csanad Szegedi gelesen. Er hat sich von der politischen antisemitischen Ultrarechten abgewendet, als ihm bewusst wurde, dass seine eigene Grosseltern mütterlicherseits jüdisch sind und er selbst damit ebenfalls. Nun lernt er jüdisches Leben.

    Vielleicht sollte man einen Weg finden, Antisemiten in Schlüsselpositionen zu flüstern, dass sie ohne es je gewusst zu haben, auch jüdisch sind… – Es ist bemerkenswert, was möglich ist durch eine entsprechende Änderung des Bewusstseins, namentlich durch den Fakt der eigenen Zugehörigkeit.