Tanzen auf dem Mond

DAM

Mit einem Film aus dem Westjordanland hat die Woche angefangen, dann kann sie mit palästinensischer Musik aus Israel zu Ende gehen. Mahmoud und die Brüder Tamer und Suhell sind “DAM”, Hip-Hopper aus Lod, das ist in der Nähe von Tel Aviv. Sie rappen auf arabisch.Aber auf ihrer neuen CD, “Dabke on the Moon” (Dabke ist ein alter palästinensischer Volkstanz) bringen sie zum ersten Mal einen Song auf Englisch: “Mama, I Fell In Love With A Jew.” Die Jungs von DAM reden über die tiefen Gräben, die zwischen dem Leben eines Palästinensers und dem einer jüdischen Israelin liegen. Und sie machen es mit Übertreibung und Ironie ein bißchen anschaulich, wie ihr Leben als Palästinenser in Israel aussieht.

Zu Beginn des Songs erzählt Tamer seiner Mutter, dass er im Aufzug stecken geblieben ist, mit einer Jüdin. Und in sie hat er sich unsterblich verliebt:

Her skin is white, my skin is brown.
She was going up, I was going down.

Ob ich Hebräisch spreche, hat sie mich gefragt.
“Yesh avoda?” kann ich, das heißt: “Hast Du Arbeit für mich?”

Und ob sie arabisch kann, hab’ ich sie gefragt.
Ja, ein paar Worte: “Wakef ya batuchak” – “Stehenblieben, oder ich schieße!”

Na ja, das sind die Sätze, die man so braucht – als Palästinenser oder als israelische Soldatin.

DAMDAMDAM

Es ist heiß im Fahrstuhl, sie zieht ihre Armee-Jacke aus. Und er sagt: “Grün steht Dir wirklich nicht.”
Und sie, ganz cool: “Du bist auch echt süß, so direkt vor mir, ohne dass ich durch’s Zielfernrohr schaue.”

Beim Interview habe ich Tamer und Mahmoud gefragt, ob ihre Songs denn eigentlich oft im Radio laufen. “Auf den palästinensichen Sendern, klar! Aber im israelischen Radio? Eher nicht.” Beim Konzert in Tel Aviv haben Israelis und Palästinenser übrigens jeweils ungefähr die Hälfte des Publikums ausgemacht.

“Dabke On The Moon” heißt die CD, weil es schwierig bis unmöglich ist, auf dem Mond zu tanzen – auch die Palästinenser in Israel müssen oft ohne festen Boden unter den Füßen auskommen.

Hier gibt’s mehr über DAM – zu hören und zu sehen, auch Songtexte:

http://damrap.com

 

Kommentieren:

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  1. die sind gut die jungs,
    hab sie in ramallah gesehen.

    zu den sonstigen texten kann ich nicht viel sagen, ich hab mir nur die titel übersetzen lassen,
    aber gesanglich und vom beat her sehr eingängig, vor allem wenn man den arabisch klang mag…

    außerdem wars vom goethe/institut-francais veranstaltet, da hofft man,
    dass nichts extremes propagiert wird.

      • natürlich, auf den üblichen kanälen…

        in youtube “dam palestine” eingeben, da is ne ganze menge, auch mit englischen subtiteln

  2. Freue mich zu lesen, dass Israelis (jüdischen Glaubens) die Hälfte des Publikums auf dem Konzert ausgemacht haben. Denn was der Dialog auf der politischen Bühne nicht zu erreichen vermag, scheint zumindest auf zwischenmenschlicher Ebene zu funzen.

    Schön, mal wieder ein Beispiel interkulturellen Austauschs auf diesem Blog zu vernehmen -fernab von Bibi & Co. Würde weitere Beiträge und Stimmen aus diesem Milieu sehr begrüßen!

    Spread optimism!!