Religion und Zeit

sonnenuhr

Die einen warten sehnlichst auf den Sonnenuntergang, um zu essen. Die anderen brauchen nach Sonnenaufgang Zeit, um zu beten. Muslimen wie Juden macht die Sommerzeit zu schaffen.

In diesen Tagen beginnt der Ramadan, der islamische Fastenmonat. Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang werden gläubige Muslime in den kommenden Wochen nicht essen und nicht trinken. Wenn der Ramadan – wie in diesem Jahr – in die Sommerzeit fällt, dann ist das eine große Belastung; denn bis zum Sonnenuntergang vergehen mehr als 14 Stunden.

Etwas Erleichterung verschaffen sich die Menschen im Westjordanland und im Gaza-Streifen, indem sie die Sommerzeit außer Kraft setzen. Das bedeutet zwar: Für’s Frühstück muss man dann noch eine Stunde früher aufstehen; aber dafür zeigt die Uhr abends beim Fastenbrechen 19 Uhr und nicht 20 Uhr.

Ramadan bedeutet also auch: Eine Stunde Zeitunterschied zu Israel. Wer sich mit jemandem jenseits der Checkpoints verabredet, muss in den kommenden Wochen aufpassen, dass nicht einer auf den anderen eine Stunde warten muss.

gebet_klagemauer

Aber auch gläubigen Juden macht die Verschiebung der Zeit zu schaffen. Gerade hat die Knesset, das israelische Parlament, über eine Verlängerung der Sommerzeit bis Ende Oktober entschieden. Das bedeutet auch: Bei Sonnenaufgang zeigt die Uhr im Oktober schon fast 7 Uhr. Für das jüdische Morgengebet nach Sonnenaufgang würde vielen Pendlern keine Zeit bleiben.

Der stellvertretende Religionsminister Eli Ben-Dahan hat erfolglos eine Zusatzklausel gefordert: Religiöse Juden sollten in den beiden Wochen vor der Zeitumstellung später zur Arbeit kommen dürfen.

Die Befürworter der verlängerten Sommerzeit hoffen auf weniger Zeit-Verwirrung zwischen Israel und Europa. Uns kommt es auch sehr gelegen, denn so bleibt auch im Oktober durchgehend die “Stunde Vorsprung”: Beim Live-Gespräch für’s Frühprogramm um 6:20 Uhr zeigt die Uhr in Tel Aviv 7:20 Uhr.

 

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  1. Danke für diese schöne Randnotiz!

    Jetzt kommt sicher gleich free oder Michael K., und die beiden werden dann schlimm wettern, weil sich die in Israel lebenden Muslime während des Ramadan der Sommerzeit unterwerfen müssen!

    Die Debatte in der Knesset dreht sich auch um den einen (1) Tag des Yom Kippur, der von der Verlängerung der Sommerzeit (Anpassung an die europäische Regelung) betroffen wäre, womit das Fasten entsprechend eine Stunde länger dauern würde.

    Ich liebe den Sommer, wenn der Tag beginnt, und die Sonne ist schon da; die Sommerzeit – nicht!

  2. In der Region sieht man besonders deutlich den Irrsinn der Sommerzeit. Ich wünschte mir eine weltumspannende Bürgerbewegung, die die Sommerzeit schlicht ignoriert und Uhren nicht mehr umstellt – bis die Politiker reagieren und den Blödsinn endlich wieder abschaffen…

    (@Lily: Ich wundere mich, dass noch kein Palästinenser auf die Idee gekommen ist, die „perfiden Pläne“ Israels, die die Sommerzeiten so definieren, dass sie den regionalen Handel mit den Palästinensern bestmöglich behindern, „offenzulegen“. Aber ich wette: Gäbe es solche Verlautbarungen, der User ‘free‘ wäre der erste, der sie hier als Beleg für die Boshaftigkeit der Ju…, äh, Israelis anbringen würde. ;))

    • kommt ihr zwei euch aber recht lustig vor heute, hm?
      piet,diese juden-unterstellung ist eine frechheit.

    • Jaja… *gähn*, eine Frechheit. Denn seit 1945 gibt es keine Antisemiten mehr, nur noch Israelkritiker, überall honorige Israelkritiker… und hätten die mehr Zeit, wären sie auch veritable Somaliakritiker, u.s.w., aber Israel ist ja so zeitraubend, da kommt man ja zu nix…

    • anscheinend halten sie es für nicht*gähn* genug, darüber zu schreiben

    • Nein, ist nur Illustration. Sie findet sich in den Herrenhäuser Gärten in Hannover, s. z.B. Wikipedia, Großer Garten und stammt von (s. eng. Wikipedia) dem Engländer Jonathan Sisson, der diese 1712 fertigte. 😉

    • Piet, ich bin beeindruckt! Der Garten (Park) mit den Statuen darin sieht sehr unisraelisch aus, aber für unmöglich hätte ich es nicht gehalten, dass sich der Ort in Israel befindet.