Keine Lust auf Frieden?!

Zugegeben: Die Überschrift ist etwas provokativ. Aber nicht unrealistisch. Wann man sich so auf der Strasse, im Land umhört, dann spielen mögliche Friedensgespräche im Alltag kaum eine Rolle: Im Gegenteil. In Tel Aviv geniesst man das Leben, der Strand ist nah, es ist Ferienzeit, man geht bis in die Puppen aus, isst und trinkt gut. In andereren Teilen des Landes sieht es ähnlich aus. Wirtschaftlich steht das Land immer noch prima da, der Schekel ist stark, die Arbeitslosigkeit gering. Vor allem bei jungen Israelis stelle ich fest, dass man sich zwar sehr für Politik interessiert, für einen Frieden mit den Palästinensern aber wenig bis gar nicht. Man ist sich geographisch nahe, aber trotzdem ziemlich fern. Ähnlich auf der anderen Seite: Ob in Ramallah oder Hebron: Friedensgespräche interessieren nur am Rande, oder werden sofort politisch instrumentalisiert. Oft dominieren innerpalästinnsische Streitigkeiten. Experten meinen, dass sich beide Seiten im status quo ganz gut eingerichtet haben und ihre immergleiche Rolle spielen. Doch wie lange kann das gut gehen? Was ist wenn sich die wirtschaftliche Lage in Israel eintrübt und in den Palästinensergebieten noch schlechter wird? Um diese verfahrene und komplizierte Ausgangslage zu lösen braucht man vemutlich Politiker mit Visionen. Auf beiden Seiten. Es bleibt die Hoffnung.

 Nahost-Friedensgespräche: Wenig Hoffnung

 

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  1. “Während die Welt über möglichen Friedensverhandlungen diskutiert, genießen die Israelis am Strand von Tel Aviv den Sommer….”

    Oh mein Gott….!
    Steht “die Welt” jetzt still oder wie? Sind denn Strände, Badeseen, Biergärten, Vernügungsparks etc. verweist?

    Nicht nur den Titel ist “provokativ”, den ganzen Beitrag ist eine Zumutung…

    Man geht ja im Hochsommer am Strand einer Welt-Metropole und siehe da, die Menschen genießen den Sommer und entspannen sich…, während “die Welt” still steht und über den Friedensverhandlungen diskutiert…
    Na wo gibt es denn sowas…!

    “Wirtschaftlich steht das Land immer noch prima da…”

    Immer noch…! Wie entäuschend…, oder warum soll das Land wirtschaftlich nicht “immer noch” prima da stehen?

    “Ähnlich auf der anderen Seite…”

    Nur das Leben genießt man “auf der anderen Seite” nicht. Straßen und Märkte sind Menschenleer. Resignation macht sich breit…
    Einige protestieren gegen den Fridensgespräche und schreien “Tot den Juden, Tot Israel”…. Verständlich nach so viele Entäuschungen…

    Kein Wunder, dass die Israelis das Leben genießen und entspannen, so lange sie noch können.

    • “Kein Wunder, dass die Israelis das Leben genießen und entspannen, so lange sie noch können.”

      In Deutschland nannte man das in den 1930er den “Tanz auf dem Vulkan”! Danach brach das “Dritte Reich” einen Krieg vom Zaun, an dem es zugrunde ging…

      Entschuldigung, ich habe heute meinen bissigen Tag!

      Schönen Tag noch!

      Hanns

  2. Lieber Herr Rosch,
    in dem Fernsehbeitrag schreiben Sie, dass in Folge der Lage eine schlechte Wirtschaftslage und Korruption herrsche. Ist die schlechte Wirtschaftslage nicht eher immer eine Folge von Korruption?
    Gibt es in den palästinensischen Autonomiegebieten eigentlich eine inklusive oder eine extraktive Ökonomie? Verständlicher ausgedrückt: werden Talente aktiv gesucht und gefördert, oder herrscht ein starres Kastensystem, aus dem man nicht ausbrechen kann (=Vater Obsthändler, Söhne Obsthändler)?

    • Auf welchem Planeten lebst du? Palästina ist besetztes Land und das schon seit Jahrzehnten. Weil es besetzt ist, ist es auch verarmt, da die Wirtschaft völlig von Israel abhängig ist. Land-, Luft- und Seewege werden von Israel kontrolliert. Der Bauer der sein Obst, seine Blumen oder andre landwirtschaftliche Produkte vermarkten will, ist niemals sicher, dass er seine Ladung sicher auf den Markt bringen kann. Dein ‘Kastensystem’ gibt es nicht. Höchstens, Vater und Sohn waren oder müssen irgend wann einmal ins israelische Gefängnis. Ansonsten fehlt es nicht an gut ausgebildeten und talentierten Menschen in Palästina. Übrigens wollen die Palästinenser als freie Menschen leben. Schönen Tag!

    • “Auf welchem Planeten lebst du?”

      Ich komme vom Planeten Erde, wo die Gesetze der aristotelischen Logik herrschen. Und Sie? Ach, ich weiß schon, Sie kommen vom Antisem. 😉

      Im Ernst: landwirtschaftliche Gesellschaften können nur unter ganz besonderen Umständen (Ägypten VOR dem Bau des Nasser-Staudamms) zu Wohlstand gelangen. Also ist die Aussage, dass Gemüse auf dem Markt verkauft wird, schon ein Hinweis darauf, dass die wirtschaftliche Lage unabhängig von der “Besatzung” misslich ist. Vergleichbare Situationen ohne “Besatzung” findet man übrigens in Jordanien, Ägypten, Tunesien, Algerien etc.. Insofern ist die “Besatzung” definitiv nicht die Ursache für die Probleme, auch wenn sie sie verschärfen kann. Soweit die Logik.

      Die “Besatzung” als alleinige Ursache anzusehen ist aber wiederum ein Zeichen von verzerrter Wahrnehmung, und da einerseits die aktuelle Situation von beiden Seiten verursacht wurde (ja, auch die Palästinenser haben Fehler gemacht, genau wie die Israelis), und Ihnen – wie Sie früher schon gezeigt haben – die Palästinenser an sich herzlich egal sind, solange sie nicht in Beziehung zu den Israelis treten, folgt daraus als logischer Schluss, dass diese verzerrte Wahrnehmung ihre Ursache im Hass auf Israel hat. Q. e. d.

      Im Übrigen haben Sie mittlerweile fast das Niveau von Free erreicht, was die Verwendung von nicht konkret belegten, undifferenzierten und dämonisierenden Behauptungen über Israelis und Geschichtsrevisionismus mit dem Ziel der Delegitimation der Existenz des Staates Israel und doppelte Standards angeht. Herzlichen Glückwunsch!

    • @ Michael – Mit dem Antisem solltest du es dir nicht zu einfach machen. Unwahrheiten kann ich einfach nicht mehr hören. Wenn ich vom Markt spreche (schreibe), dann meine ich lokale aber durchaus auch Exportmärkte. Bei Obst und Gemüse ist schnelle Abfertigung und kurze Transportzeit ausschlaggebend für den wirtschaftlichen Erfolg der Bauern. In Gaza werden teilweise Exporte von produzierten landwirtschaftlichen Produkten (Erdberren, Blumen, etc) völlig unterbunden. Wer will investieren, wenn man nicht weiss, ob die Produktion auch vermarktet werden kann. Produktionsmittel sidn nur mit Schwierigkeiten einzuführen, was teilweise durch die Benutzung von Tunnels kompensiert wird. Der reine Wahnsinn und alles ein Resultat der Besatzung. Ich weiss, du kannst es nicht hören, aber ich verstehe nicht, dass du die Besatzung oder Belagerung (Gaza) versuchst wegzureden. Die Menschen wollen ihre Freiheit und dann sollen sie doch selbst entscheiden wie sie sich entwickeln sollen. Und die Palästinenser sind in vielen Bereichen viel weiter als die Jordaner oder Ägypter. Sie hätten auch keine Probleme mit Israelis zusammen zu arbeiten. Aber die Politik, das Militär und der krankhafte Sicherheitsapparat lässt das nicht zu. Das ärgert, nein, das erzürnt mich!

      Du sprichst von Hass. Ich bin der einsame Rufer, der sich empört. Nun sage ich es zum 4.Mal, als Beispiel der zynischen Besatzung und des Unrechts an Palästinensern. Siedler mit der Unterstützung von Soldaten fallen über wehrlose palästinensische Bauern her, brennen ihre Ernte oder Olivenbäume nieder. Wie viel Agrarland wurde schon von der israelischen Armee zerstört? Olivenbäume sind zu tausenden ausgerissen, zerstört worden. Warum sagt da niemand ‘genug ist genug’? Ich bin ein starker Fürsprecher der Aufarbeitung der Geschichte und ich bin empört, dass man die Wahrheit nicht konfrontieren will. Worauf baut sonst Logik? Die Gültigkeit formeller Argumente zu untersuchen sollte man nicht scheuen, sonst bleibt nur der von die geübte Syllogismus übrig. (übrigens kann ich einen Artikel in Haaretz empfehlen – The original ‘no’: Why the Arabs rejected Zionism, and why it matters).

    • “Unwahrheiten kann ich einfach nicht mehr hören.”

      Auch Al Capone hielt sich für einen missverstandenen Wohltäter der Menschheit. Die Idee, er könne ein schwerkrimineller Unmensch sein, wies er entschieden von sich. Jeder Mensch hält sich und sein Tun für richtig oder zumindest für gerechtfertigt. Das ist jedoch noch lange kein Beweis dafür, dass es auch so ist.

      Was ich Ihnen vorwerfe ist:
      a) Einseitigkeit: Ein Israeli, der einen Olivenbaum verbrennt, “empört” Sie; ein palästinensischer Sniper, der eine israelische Mutter mit vier kleinen Kindern erschießt, offenbar nicht.

      b) die Unfähigkeit der Unterscheidung zwischen Behauptung und Beleg. Sie behaupten viele verallgemeinerte Dinge, aber die konkrete nachprüfbare Angaben dazu machen Sie nicht. Bei Free habe ich mittlerweile die Hoffnung aufgegeben, dass er das jemals begreifen könnte, bei Ihnen schwindet sie langsam.

    • “Was ich Ihnen vorwerfe ist:
      a) Einseitigkeit: Ein Israeli, der einen Olivenbaum verbrennt, “empört” Sie; ein palästinensischer Sniper, der eine israelische Mutter mit vier kleinen Kindern erschießt, offenbar nicht.

      b) die Unfähigkeit der Unterscheidung zwischen Behauptung und Beleg. Sie behaupten viele verallgemeinerte Dinge, aber die konkrete nachprüfbare Angaben dazu machen Sie nicht. Bei Free habe ich mittlerweile die Hoffnung aufgegeben, dass er das jemals begreifen könnte, bei Ihnen schwindet sie langsam.”

      Wir sollen einseitig sein? Ihr Beispiel ist an Einseitigkeit nicht zu überbieten. Sie sollten lieber mal einen vergleich nehmen, wie ein fünfjähriger Palästinenser der einen Stein schmeißt und ein Israelischer Sniper der einen 5 Jähriger erschießt. So passt das Bild deutlich besser. Die Zahlen der toten und verletzen können sie sich ja mal angucken. Dann werden sie feststellen, dass Israel mindestens 10 mal so viele Palästinenser ermodet hat wie andersrum. Das sie nicht mit diskutieren können liegt daran, dass ihnen die Argumente fehlen und sie deshalb mit Beleidigungen um sich werfen müssen …

    • “Im Übrigen haben Sie mittlerweile fast das Niveau von Free erreicht, was die Verwendung von nicht konkret belegten, undifferenzierten und dämonisierenden Behauptungen über Israelis und Geschichtsrevisionismus mit dem Ziel der Delegitimation der Existenz des Staates Israel und doppelte Standards angeht. Herzlichen Glückwunsch!”

      Immerhin liegt mein Niveau weit über ihrem. Wenn sie Argumente haben gerne, aber ihre billigen, platten Antisemitismusvorwürfe können sie sich sparen. Ich habe es im Gegensatz zu ihnen nicht nötig sie persönlich anzugreifen. Ich habe es auch nicht nötig ihren Nickname zu missbrauchen, wie sie es mit meinem getan haben. Sie sind einfach nur nicht in der Lage sich mit meinen Argumenten auseinanderzusetzen, weswegen sie versuchen müssen mich als Antisemit oder Nazi darzustellen, um der Diskussion auszuweichen.

  3. Der Status Quo – kein echter Frieden, aber auch kein offener Krieg – ist die zweitbeste Variante. Die beste waere, wenn Israel die West Bank endgueltig annektieren wuerde und diejenigen Araber, die Trouble machen, nach Jordanien abschiebt.

    Diese neuen ‘Friedensverhandlungen’ kann man sich getrost schenken – das ist (r)eine Zeitverschwendung, solange die Araber eine 2-Staatenloesung bloss als ersten Schritt zu einer 1-Staatenloesung ohne Israel sehen.

    • Nur mal so gefragt: Auf welcher Basis sollten sie abgeschoben werden? Und warum sollte Jordanien sie aufnehmen?

      Tut mir leid, aber das liest sich so wie zu “seeligen” DDR-Zeiten! Systemkritikern wurde damals auch vorgehalten: Geht doch in den Westen, wenn es Euch hier nicht paßt!

      Für den Fall, daß Sie noch etwas (zu) jung sind, zur Erinnerung: Die Kritik war “damals”[tm] weitestgehend berechtigt und die DDR ist untergegangen! 😛 Oder schreibt hier ein alter DDR-Betonkopf?

      SCNR!

      Schönen Tag noch!

      Hanns

    • “Auf welcher Basis sollten sie abgeschoben werden? Und warum sollte Jordanien sie aufnehmen?”

      Na warum wohl? Weil Jordanien die West Bank von 1948 bis ’67, als sie die WB mit Gewalt westlich erweitern wollten und dabei von Israel die Hucke voll bekamen, besetzt hielten und diese sog. Palaestinenser somit ihre Buerger waren.

      Komischerweise gab es ja damals von diesen Links-vom-Jordan Jordaniern keinen Aufruf nach einem Palaestinenser-Staat – damals war man rundum gluecklich nicht unabhaengig zu sein. Erst als die Juden das Gebiet in Beschlag nahmen, ging das grosse Geschrei los.

    • “Die beste waere, wenn Israel die West Bank endgueltig annektieren wuerde und diejenigen Araber, die Trouble machen, nach Jordanien abschiebt.”

      Wenn die zionistischen rassisten keine Lust haben mit Arabern zusammen zu leben sollen sie halt wieder zurück nach Europa gehen und die Araber in Frieden lassen und das von den Arabern gestohlene Land zurück geben …

    • Schlaumeier, selbst wenn jeder askenasisch-staemmige Jude nach Europa zurueckginge, waeren da immer noch die Nachkommen von ca. 800.000 Juden, die ab 1948 in diversen arabischen Laendern enteignet und vertrieben wurden. Wann bekommen diese Menschen ihr Land und Besitz wieder?

    • Schlaumeier, selbst wenn jeder askenasisch-staemmige Jude nach Europa zurueckginge, waeren da immer noch die Nachkommen von ca. 800.000 Juden, die ab 1948 in diversen arabischen Laendern enteignet und vertrieben wurden. Wann bekommen diese Menschen ihr Land und Besitz wieder?

      Vielleicht wenn die Israelis den Palästinensern ihr Land zurück gegeben haben …

  4. Lebe in Tel Aviv und kann sagen, der Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf. Mit Welt ist die weltweite Politikbühne gemeint. Das versteht doch jeder, der den Beitrag sieht. Und nicht die Deutschen die am See liegen. Allerdings die, die es eben betreffen soll, nämlich die Israelis, denen ist es eben egal was gerade abgeht, weil sie eh nicht daran glauben, dass es etwas bringt und verfolgen die talks deshalb nicht wirklich, und diskutieren während sie am Strand liegen eben überhaupt nicht darüber. Es ist einfach kein Gesprächsthema. Über alles wird diskutiert während des sonnebadens, bis his zu den kleinsten Nebensächlichkeiten, aber über die endlich wieder sich bewegenden Verhandlungen eben überhaupt nicht.

  5. Lieber Herr Rosch,

    ich stimme jakbo zu und finde den Beitrag auch Klasse. Ihre ausgleichende und informative Berichterstattung gefällt mir. Lassen Sie sich nicht von sonderbar unkonstruktiven Talkbacks beeindrucken!

  6. “Ist die schlechte Wirtschaftslage nicht eher immer eine Folge von Korruption?”

    Nein, sie ist auch die Folge eines in sich krisenhaften Kapitalismus.

  7. Schwierig zu sagen, ob es die fehlende Lust auf Frieden ist oder der Unglaube, dass die Welt im Mittleren Osten auch anders aussehen kann – oder muss. Die Israelis haben dank einer bis auf die Zähne bewaffneten Armee (und deutscher Atom-Uboote!) die palästinensische Bevölkerung ’gut im Griff’ und üben sich weiterhin mit ihrer Spezialität, nämlich palästinensischen Boden zu besiedeln und der Welt zu erklären, dass ihre Sicherheit konstant bedroht ist. Dass da nur ein paar Kilometer entfernt Checkpoints und Besatzung das Leben der Palästinenser schwierig machen, interessiert absolut die wenigstens Israelis. Oder vielmehr fürchten sie sich vor den Konsequenzen und deswegen kann man sich lieber mit dem Status quo begnügen und einfach wegsehen.

    Die Palästinenser haben seit Jahrzehnten Unrecht erlitten. Sie sind täglicher Diskriminierung ausgesetzt, ohne dass das viel Aufregen erzeugt. Die Palästinenser haben gelernt, dass sie kaum tatkräftige Unterstützung erwarten können. Nicht einmal UNO-Resolutionen, die Anweisungen geben, wie der Konflikt zu lösen ist, scheinen von Relevanz zu sein. Also Unglaube macht sich breit und die USA, die sich jetzt so sehr für Frieden einsetzt, sind bei den Palästinensern nicht gerade als glaubwürdige Vermittler geachtet.

    Die westliche Welt war zu lange zu feige, sich für eine gerechte Lösung rechtzeitig einzusetzen. Nach so vielen Jahren von geführten Scheingefechten macht sich mehr Unglaube als Unlust breit. Aber vielleicht ist Kerry jemand, der Veränderungen herbeiführen kann. Dass er meint für Pessimismus keine Zeit zu haben ist ein guter Ansatz.

  8. Der Beitrag gefällt mir eigentlich recht gut. Ich kann durchaus nachvollziehen, was die zufällig ausgewählten Israelis hier sagen. Gut ist auch, dass die Erwartungen auf beiden Seiten nicht übertrieben hoch sind. Bisschen schade finde ich, dass man den Israelis, den Tel Avivs und den Israelis – vor allem den 93%, die nicht auf dem Gebiet leben, dessen Status bei den Verhandlungen diskutiert wird, unterschwellig vorwirft, ob der stattfindenden Gespräche nicht euphorisch genug zu sein, und trotz der Vorverhandlungen in Washington ihren Alltag weiter zu leben. Warum sollen bitteschön die Menschen nicht an den Strand gehen, warum sollen sie nicht essen gehen und nicht feiern? Hätte es irgend einen Einfluss auf den Gang der Verhandlungen, wenn die Tel Avivis ihr Freizeitverhalten ändern würden? Wohl kaum….Übrigens wäre ich jetzt auch lieber am Strand irgendwo in Israel

  9. “Keine Lust auf Frieden? – Zugegeben: Die Überschrift ist etwas provokativ. Aber nicht unrealistisch.”

    Die Überschrift ist nicht provokativ, aber unrealistisch, bzw. sie geht am Thema vorbei.

    Keine Lust am Frieden? Wer wünscht sich denn nicht Frieden? Jeder hat Lust auf Frieden, jedoch nur nach der eigenen Fasson, gemäss der eigenen Auffassung von Recht und Ordnung, Gerechtigkeit und Wahrheit, aber darüber machen sich die Leute am Strand oder der Otto-Normal-Palästinenser in der West Bank kaum Gedanken, sondern er lebt seinen Tag ebenso wie die Strandurlauber. Das ist richtig.

    “Um diese verfahrene und komplizierte Ausgangslage zu lösen braucht man vemutlich Politiker mit Visionen. Auf beiden Seiten. Es bleibt die Hoffnung.”

    Politiker mit Visionen? Die gibt es auf beiden Seiten – und zwar zuhauf. An Visionen fehlt es also nicht. Die Frage ist, welche der vielen Visionen sich mit unserer (!) Idee vom Frieden in Einklang bringen lässt, denn es ist wichtig zu verstehen, dass aus der Sicht palästinensischer Vordenker ein Scharia-Rechtsstaat (selbstverständlich ohne Juden) eher Frieden bedeutet als ein säkular-religiöser, pluralistischer Staat wie Israel.

    Sie suchen Frieden, das heisst: Israelis am Strand, die sich Frieden wünschen und Palästinenser auf der anderen Seite, die sich den Frieden und eine Konfliktlösung genauso sehr wünschen. Die Israelis am Strand Tel Avivs sind AUCH “Palästinenser”, Araber. Wo den Frieden suchen, wenn sie doch Seit’ an Seite mit Jedermann am Strand Sonne und Meer geniessen und ausserhalb der Ferien gemeinsam in Büros sitzen oder in Restaurants arbeiten? Das Miteinander funktioniert durchaus… aber nur unter israelischer Führung.

    Die palästinensischen Führungen sind überhaupt nicht an solchem Miteinander interessiert. Sie wollen nichts von der jüdischen Idee vom Frieden wissen.

    Ja, werden “Sie” (wer auch immer sich hier angesprochen fühlen mag) sagen, Israel bedeutet aber auch “Unterdrückung”, “Besatzung” usw. – Und zugegeben, ich war “da”, aber ich habe die Palästinensergebiete nicht bereist, wohl aber den Unterschied wahrgenommen – in Israel – zwischen mehrheitlich arabischen Wohngebieten und jüdischen. Warum wird in den arabischen Gegenden (Nazareth bspw.) der Müll gedankenlos oder bewusst in die Natur geschmissen, während “jüdischere” Wohngebiete sauber und aufgeräumt sind? Räumt die israelische Müllabfuhr den Müll nur in jüdischen Wohngegenden weg? Tja, wenn so manche Bilder von Schmutz und Armut in den sogenannten Flüchtlingslagern auf die “Besatzung” und den Flüchtlingsstatus zurückgeführt werden, dann frage ich mich doch, warum es da, wo Araber frei als israelische Staatsbürger leben, genauso aussieht, und warum werden diese Bilder nicht gezeigt und entsprechend kommentiert?

    Es fehlt nur den Palästinensern an positiven Visionen; die Israelis leben die ihre mit Erfolg.

    • @ Lily – ‘ Das Miteinander funktioniert durchaus… aber nur unter israelischer Führung.

      Mal wieder typische Herrenvolkmentalität, der du dich bedienst. Im übrigen ist es nicht allen Palästinensern beschieden ans Meer zu fahren ( du weisst, Systemfremde, wie es zu nennen plegst!!). Ansonsten, das Miteinander funktioniert und würde funktionieren, wenn da nicht das isrealische Militär wäre, der menschenunfreundliche Sicherheitsapparat. Sie machen das Miteinander zu einer Bergfahrt.

    • @ Michael K.

      “Mal wieder typische Herrenvolkmentalität, der du dich bedienst.”

      Mal wieder das typische Schubladendenken, dessen Sie sich bedienen.

      “Im übrigen ist es nicht allen Palästinensern beschieden ans Meer zu fahren”

      1. Richtig. Und Sie werden auch nicht alle israelischen Juden am israelischen Mittelmeer finden, … weil manche woanders ihre Ferien verbringen (mit dem Flugzeug, weit weg, Sie wissen schon..).

      2. Wäre die gesamte West Bank israelisch, so würden natürlich auch die israelischen Palästinenser, die in der West Bank leben, an die Strände Israels fahren können (Plan Bennett).

      “das Miteinander funktioniert und würde funktionieren, wenn da nicht das isrealische Militär wäre,”

      Ich habe noch nie derart sympathische Soldaten und Soldatinnen erlebt! 😉

    • “Politiker mit Visionen? Die gibt es auf beiden Seiten – und zwar zuhauf. An Visionen fehlt es also nicht. Die Frage ist, welche der vielen Visionen sich mit unserer (!) Idee vom Frieden in Einklang bringen lässt, denn es ist wichtig zu verstehen, dass aus der Sicht palästinensischer Vordenker ein Scharia-Rechtsstaat (selbstverständlich ohne Juden) eher Frieden bedeutet als ein säkular-religiöser, pluralistischer Staat wie Israel.”

      Sorry, aber der nicht vorhandene Staat in der Westbank ist deutlich tolleranter als die angebliche Demokratie in Israel. Scharia? Wie leben dann Christen und Muslime friedlich in der Westbank zusammen? Und Pluralistisch ist Israel noch lange nicht. Es wird doch alles versucht, um zu verhindern, dass die Palästinenser der Nakba gedenken. Man versucht die Errinnerungen an den zionistischen terrorismus auszublenden, weil man sich die eigenen verbrechen nicht eingestehen will und sie lieber ausblendet als endlich Wiedergutmachung dafür zu leisten …

    • @ free

      “der nicht vorhandene Staat in der Westbank ist deutlich tolleranter als die angebliche Demokratie in Israel.”

      Das mag punktuell sogar der Wirklichkeit entsprechen.

      Die Stärke der palästinensischen West Bank-Gebiete liegt in ihrer Schwäche. Toleranz ist möglich, WEIL der nicht vorhandene Staat nicht existiert. Die Vision von diesem Staat ist jedoch nicht von Toleranz gegen Andersdenkende geprägt. Ein Palästinenser-Staat wäre der Beziehung von Christen und Muslimen sicher nicht zuträglich.

      Israel ist selbstverständlich pluralistisch, und es sind an jedem Ort manche gleicher als andere, und das sind nicht immer dieselben. Gehen Sie an einem Sabbat-Abend in Strandshorts und T-Shirt in Jerusalem spazieren, und tun sie dasselbe in Tel Aviv. Umgekehrt die gleiche Empfehlung an einen Ultraorthodoxen… – Grundsätzlich ist alles möglich, jedoch Pluralismus hin oder her: Man wird sich immer wohler fühlen im Gleich- als im Anderssein.

      “Scharia?”

      Wir sprachen von Visionen…

      Heute gab es übrigens wieder einen klasse Artikel von Khaled Abu Toameh auf GatestoneInstitute über die verhinderte Neueröffnung eines Outlets des israelischen Labels “Fox”. Darin erfahren Sie mehr über die Friedensbereitschaft und Toleranz auf der palästinensischen Seite.

    • “Es fehlt nur den Palästinensern an positiven Visionen; die Israelis leben die ihre mit Erfolg.”

      Wenn man täglich von einem rassitischen Terrorregime unterdrückt wird. Angehörige im Gefängniss verrotten oder schon ermordet wurden, dann ist das nicht so einfach. Gucken sie sich den Film “precious life” an. Da geht es genau um dieses Thema …

  10. Ich finde den Beitrag ziemlich klasse, die Haarspaltereien der Rechthaber hier on board (die wahrscheinlich sogar recht haben, nu?) ändern finde ich nichts am zutreffenden Stimmungsbild. Es geht sogar mir so: Ich werde das Gefühl nicht los, dass man irgendwie für das internationale Publikum noch mal eine Folge der Reality Soap “Friedensprozess” aufführt, obwohl keiner der Beteiligten wirklich noch Lust darauf hat, dem Storyboard auch schon längst die Ideen ausgegangen sind, und die Zuschauer längst andere Favoriten haben.

    Nichts von der Spannung, der Hoffnung, den Befürchtungen und Visionen der vergangenen Friedensgespräche springt über, die Entwicklung in der Türkei, in Syrien, in Ägypten ist viel spannender, dort scheint viel auf dem Spiel zu stehen, das geht es um das Wohl und Wehe ganzer Völker, um die machtpolitische Landkarte der ganzen Region, um die Rolle der Religion überhaupt und dem Einfluss der einzelnen Strömungen des Islam im Besonderen. Es geht um die Macht von Militär, Moschee und den Massen, alles wahnsinnig aufregend, potentiell gefährlich aber auch mit Chancen für ein Ende von ewiger Gängelei und Unterdrückung, einer Befreiung der Jugend zu einer globalisierten Gemeinde freien Denkens, Redens und Handelns.

    Und in Israel/Palästina? Da geht es um hier ein paar Kilometer Grenzbegradigung, dort um ein paar Hektar Siedlerland, ein paar symbolisch-humanitäre Flüchtlingskontingente und natürlich um lauter fadenscheinige Übergangslösungen was Sicherheit, was Jerusalem, was Grenzkontrollen und Souveränitätsrechte angeht, um Symbolik und sonst ganz viel technokratische Realpolitik.

    Alle Argumente sind x-fach wiederholt und immer wieder neu gewandet und sachlich unverändert serviert worden, nirgendwo ist so etwas wie ein Durchbruch zu erkennen oder auch nur zu erwarten. Niemandem traut man das Format zu, einen wirklich “tough negotiator” (Erekat) abzugeben, und mit Mut und Visionen die eigenen Landsleute von schmerzhaften Kompromissen und gewaltigen Hoffnungen zu beseelen.

    Die einzige Hoffnung, ist vielleicht tatsächlich nur das, was Clemens Wergin in der Welt veröffentlicht hat: Vielleicht kommt der Frieden gerade deshalb, weil keiner damit rechnet: “diesmal könnte es klappen – gerade weil die Erwartungen so gering und beide Seiten so nüchtern sind.”

    Das wär doch mal was – die Beteiligten sollten aber wenigstens so lange verhandeln, bis RCS wieder aus dem Urlaub zurück ist, sonst wäre das wirklich unfair – auch wenn ich natürlich jedem anderen aus dem TLV-Team so eine Knallermeldung gönne.

    Heidelbaer

  11. “Um diese verfahrene und komplizierte Ausgangslage zu lösen braucht man vemutlich Politiker mit Visionen. Auf beiden Seiten.” Der Beitrag bringt ein paar gute Vergleiche der aktuellen Situation auf beiden Seiten. Neben guten Politikern auf beiden Seiten mit Visionen braucht es vor allem erst einmal den sofortigen Stopp des Siedlungsbaus und ein Ende der Besatzung. Erst wenn Israel dies in die Tat umsetzt, bekommt die Hoffnung für Weiteres eine Chance. Israels Politik will eben alles, aber keinen Frieden. Wenn es anders wäre, sähe die Situation schon lange anders aus!

    • Prima, da hat doch free einen Bruder im Geiste gefunden. Jeder mit auch nur ein wenig (Sach-)Verstand weiß, dass solche einseitigen Zuweisungen purer Nonsense sind. Wäre es so einfach, wie sie behaupten (und wie schlichtere Gemüter sich die Welt ja auch immer zurechtlegen), dann hätte man Israel schlicht gezwungen, endlich Frieden zu wollen. Die Mittel und der Wille ist dazu da.

      Aber leider ist die Welt nicht so einfach, der Nahostkonflikt ist kompliziert, verworren, propagandistisch vielfach ausgeschlachtet und verdreht, mehrschichtig und gerade deshalb auch hochinteressant.

      Allerdings nur für Leute, die die Kapazität und auch eine gewisse Freude haben, sich in so etwas hineinzudenken, einfache Antworten zu hinterfragen und Verschwörungstheorien zu widersprechen.

      Da sie offenkundig ganz anders heran gehen, will ich sie mit weiteren Argumenten, historischen Tatsachen, belegbaren Aussagen und alternativen Denkweisen nicht überfordern, die ihr schlichtes Weltbild in Frage stellen könnten.

      Aber da wir für derartige eindimensionalen Platitüden schon einen Fachmann haben, mögen Sie ihre Weisheit nicht vielleicht lieber in einem anderen Forum oder Blog zum Besten geben, wo das auch akzeptiert und respektiert wird?

      Heidelbaer

    • “Da sie offenkundig ganz anders heran gehen, will ich sie mit weiteren Argumenten, historischen Tatsachen, belegbaren Aussagen und alternativen Denkweisen nicht überfordern, die ihr schlichtes Weltbild in Frage stellen könnten.

      Aber da wir für derartige eindimensionalen Platitüden schon einen Fachmann haben, mögen Sie ihre Weisheit nicht vielleicht lieber in einem anderen Forum oder Blog zum Besten geben, wo das auch akzeptiert und respektiert wird?”

      Wenn sie was zum Thema beizutragen wäre ich sehr intressiert, aber ihren Blödsinn hier können sie auch gerne in einem anderen Forum oder Blog verbreiten. Haben sie Argumente nur her damit. Ihre Beleidigungen können sie sich auf jeden Fall sparen. Haben sie das absolute Wissen und warum finden sie sich so überlegen? Ist das ihre Art von Rassismus? Sind Araber ihrer Meinung nach dümmer als Europäer? Lernen sie sich erstmal zu benehmen …

    • “braucht es vor allem erst einmal den sofortigen Stopp des Siedlungsbaus und ein Ende der Besatzung.” (RaiKar)

      … sehr mühsam, dass solche Sätze in diesem Forum immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt werden.

      Die Palästinenser bauen Rawabi, und benötigen für ihre Versorgungsinfrastruktur der Stadt israelisches C-Gebiet-Land – und nun? Da werden von Israel Zugeständnisse erwartet, obwohl diese sich doch aus der Einigung durch gemeinsame Friedensverhandlungen und -lösungen ergeben sollen. So ganz klar ist nicht, wann solch internationales Regelwerk Gültigkeit hat und wann nicht. Die Interpretation desselben ist beiderseitig beliebig.
      Wie bereits mehrfach erwähnt, sollten die israelischen Siedlungsbauten keine Probleme bereiten. Die israelischen (jüdischen) Wohnungseinheiten, die AUCH VON ARABERN bewohnt werden, würden ganz einfach unter palästinensische Verwaltungshoheit fallen. Warum sollten Juden dafür umziehen, ihre Häuser räumen usw.?

    • Natuerlich will Israel Frieden, aber nicht um jeden Preis. Es gibt keinen Grund den Arabern zu trauen, dass sie ein Israel in den Grenzen von 1967 nicht wieder angreifen wuerden, wie es es bereits 1967 getan haben, weil ihnen jenes Israel entschieden zu gross war.

      Fool me once – shame on you. Fool me twice – shame on me.

  12. “zu oft enttäuscht worden” von wem denn bitteschön? von den eigenen Machthabern sind die arabischen Palästinenser enttäuscht worden! Die Jüdischen Palästinenser hatten viel angeboten, Vorraussetzung war die Änderung der PLO Charta. Diese ist NIE geändert worden, entgegen aller Versprechen und Lügen.