Lose Hose.

LoseHose

Israels Ministerpräsident Netanyahu hatte sich bei seinem Interview-Marathon auch an junge Iraner gewandt. Im persischen Programm der BBC erklärt er, wenn junge Iraner wirklich frei wären, könnten sie Jeans tragen, westliche Musik hören und frei wählen. Die Antwort aus Teheran kam prompt per Twitter unter #Jeans.

Für Donnerstag haben junge Iraner zu einer Demonstration in Jeans aufgerufen. Aber für den Moment öffnen sie erst einmal bei Twitter ihre Kleiderschränke – voll mit Jeansklamotten. Andere User warnten Netanjahu vor der nächsten Überraschung, denn – oh Schreck! – man spiele auch AngryBirds in Teheran.

Nationalstolz getroffen oder einfach nur überzogen

Häme schlägt Israels Regierungschef entgegen. Der israelische Geheimdienst habe es wohl versäumt, Netanjahu auf den letzten Stand der Mode in Teheran zu bringen, tweetet ein User.

Offenbar hat Netanjahu mit seiner Belehrung den iranischen Nationalstolz getroffen. Zuvor bei der UN hatte der Ministerpräsident den neuen iranischen Präsidenten Rohani bereits einen “Wolf im Schafspelz” genannt. Nima Shirazi fand auch gleich das passende Bild: Einen stolzen, (etwas übertrainierten) iranischen Wolf – na klar, in Jeans.

WolfIsraelische User glauben, dass nicht alle Fotos, die derzeit kursieren, auch tatsächlich aus Iran zu stammen. Lahav Harkov hat zumindest Zweifel.

GegenwehrWorauf sich Netanjahu mit seiner Belehrung über die Freiheit bezogen hat, ist eine Meldung aus dem Januar 2011. Die ist auch noch bei Twitter zu finden:

Ursprung

Allerdings: In einigen Meldungen – wie der von Tullio Bagnoli – taucht die Frage auf, ob der israelische Ministerpräsident eigentlich so stark mit dem moralischen Zeigefinger wackeln darf?

VergleichIn den vergangenen Tagen war darüber diskutiert worden, warum niemand mehr Netanjahus Kassandra-Rufen zuhört. Die Sorge scheint unbegründet zu sein. Die Frage jetzt ist nur, was von seinen Reden hängen bleibt.

 

Kommentieren:

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    • Ich hätte heute auch ganz gerne mit Mariana übers Altersheim diskutiert, ehhm, ich meine natürlich über Marihu!ana im Altersheim.
      😉

  1. wann weisst man, dass man mit bibi-bashing zu weit gegangen ist? wenn man bibi-witze auf kosten der freiheit des iranischen volkes macht…

  2. Ich habe-wenn ich mich richtig erinnere-Herrn Netanjahu noch nicht sehr oft in Jeans gesehen, weshalb ich nicht wirklich davon ausgehen kann ob er aus eigener Erfahrung weiß “wie das ist”…Aber ein etwas Hotxa-esquer Einwurf ist doch noch nicht Politik, oder?

    • Fränd schrieb am 07/10/2013 um 17:06, dass er Herrn Netanjahu noch nicht sehr oft in Jeans gesehen habe

      Vielleicht ist der gar nicht frei ??

      • “Vielleicht ist der gar nicht frei ??”

        Nee, der ist nicht frei. Ich hab’s gerade nochmal nachgesehen: aktuell zum dritten Mal verheiratet, aber was hat das mit Jeans zu tun??

      • Hallo Frau/Herr NamenskollegIn!
        Welchen Zusammenhang hat Ihre Antwort mit meinem Eintrag? –auch auf die Gefahr hin, dass mich jetzt “gleich” MituserIn @ariel für das Stellen dieser Frage für einen “Stilmitteldiebstahl” schimpfen möchte…–
        Klar kann es/ so etwas daran liegen, dass Herr Netanjahu “immer” beruflich im Fernsehen/ auf Fotos zu sehen ist; über sein Privatleben und das von Anderen habe ich mich ehrlich gesagt nicht geäußert.

  3. Wer wie Herr Netanjahu in seinem Stab Berater hat, die ihn öfter solche “Kühe fliegen” und ihn gerne als den Welt-Ober(be)lehrer auftreten lassen, braucht sich um andere Feinde keine Gedanken mehr machen! 😀

    Die Bevölkerung Israels über ihr Staatsoberhaupt, ihre Regierung und die Ergebnisse der letzten Wahl vielleicht doch…

    Just my 2 cents und einen schönen Tag noch!

    Hanns

  4. Die Jeans-Geschichte ist schön recherchiert. Ich frage mich, wie es sein kann, dass Netanjahu derart “detached” (losgelöst) von der Realität ist. Ist in seiner Entourage niemand, der ihn hätte aufklären können? Sarah? Ein Redenschreiber, von dem er seine Stichworte zumindest durchsehen lassen oder ein PR-Berater, mit dem er seine Ideen besprechen könnte?

    Der Kritik, ob es ihm überhaupt zusteht, solche Kritik zu üben, schliesse ich mich ebenfalls an. Die Ultraorthodoxen in Israel tragen ebenfalls keine Jeans.

    Diese dazu noch verfehlte populistische Aussage ist sehr zu bedauern.

    “In den vergangenen Tagen war darüber diskutiert worden, warum niemand mehr Netanjahus Kassandra-Rufen zuhört. Die Sorge scheint unbegründet zu sein.”

    Ist das so?

  5. Können IranerInnen jetzt in der Öffentlichkeit Jeans tragen, wenn sie das möchten oder gibt es staatliche Regelungen, die vor allem Frauen und Mädchen das Tragen von Jeans in der Öffentlichkeit untersagen, gibt es wie in Saudi-Arabien auch im Iran eine Sittenpolizei, die ein evtl. Verbot, Jeans zu tragen notfalls mit dem Rohrstock durchsetzt.

    Gibt es etwa freie Wahlen im Iran, ist das öffentliche Abspielen westlicher Musik problemlos möglich oder mischt sich auch hier der Staat Iran ein und verhindert derartige Aufführungen?! Meines Wissens gibt es Iran selbstverständliche junge Leute die westliche Musik hören, sie können das aber nicht wie israelische Jugendliche in aller Öffentlichkeit tun, sondern müssen sich in Underground-Clubs treffen.

    Fragen über Fragen, die wert gewesen von einem Journalisten beantwortet zu werden. Stattdessen macht Herr Teichmann, der auch ansonsten seine persönliche Abneigung gegenüber dem israelischen Premier nur schwer verbergen kann, ein billiges Witzchen auf Kosten Netanjahu und merkt gar nicht, dass er sich damit zum Werkzeug der Mullahs und ihrer Propaganda macht.

    • Ein paar der Fragen kann ich dir beantworten. Da ich gerade erst aus dem Iran kommen, sind die Infos auch ziemlich frisch.
      Jeans tragen ist tatsächelich kein Problem, sowohl gesetzlich als auch gesellschaftlich gibt es. Sowohl Männer als auch Frauen tragen sie ständig und überall, durch alle Alltersklassen hindurch und auch in ländlicheren (sprich konservativeren) Gegenden sind sie kein unüblicher Anblick und erregen keinerlei Aufsehen. Für Frauen ist Hijab (Kopftuch und ein weites Oberteil, das über den Po reicht und die “weiblichen Formen” verdeckt) Pflicht, was aber besonders seit dem Wahlsieg Rohanis zunehmend freier ausgelegt wird.
      Es gibt eine Sittenpolizei im Iran. Aus Erzählungen von Iranern beschränkt sich deren “Eingreifen” darauf, dass man aufgefordert wird z.B. das Händchenhalten zu unterlassen (was offiziell nicht erlaubt, aber überall (vorallem unter jungen Leuten) selbstverständlich zu sehen ist). Eine Freundin sagte mir, wenn sie mal von der Sittenpolizei angesprochen wird, weil ihr Kopftuch zu weit auf Hinten liegt, grinst sie nur und geht weiter. Allerdings glaube ich, dass es hierbei darauf ankommt wen von denen man vor sich hat. Vergleichbar mit der Sittenpolizei in Saudi-Arabien ist die in Iran aber nicht.
      Freie Wahlen ist so eine Sache, da erzählt einem jeder was anderes. Ich selbst vermute, dass sie ziemlich frei sind, da Chamenei und seine Clique aus religösen Hardlinern ohnehin kontrollieren wer überhaupt zu Wahlen (egal welche) zugelassen werden und danach auch alle Gesetze absegnen müssen, bevor sie umgesetzt werden. Das macht Wahlbetrug völlig unnötig.
      Bezüglich Musik gibt es eine lebhafte Diskusion im Iran. Es ist richtig, dass es im privaten Berreich völlig normal ist Musik aller Art (also auch westliche) zu hören und das nicht nur unter jungen Leuten. Auch in der Öffentlichkeit ist das im kleinen Rahmen kein großes Problem. Aber die öffentliche Aufführung in Form von Konzerten oder gar Festivals ist etwas komplizierter. Zum einen sind die Texte, die gesungen werden dürfen ziemlich strengen Reglementierungen unterworfen, besonders was zum Beispiel Lieder über Sex, Liebe oder jegliche Form von politischer und religiöser Kritik betrifft. Zum anderen ist man sich unter den Shiitischen Geistlichen nicht so ganz einig, ob denn solche Veranstaltungen an sich vertretbar sind. Fakt ist, es gibt Konzerte auf denen nicht-traditionelle Musik gespielt wird. Veranstalter und Besucher gehen allerdings immer ein gewisses Risko eine, dass das Ganze von der Polizei aufgelöst wird, weswegen sie selten sind und auch nicht an die große Glocke gehangen werden.
      Noch ein Wort zum unten stehenden Beitrag von Refporus Zen:
      Die BBC ist so Mullah unfreundlich, dass es für BBC Reporter fast unmöglich ist nach Iran zu reisen und 2011 einige Dokumentarfilmer festgenommen wurden, weil sie ihre Filme an die BBC verkauft hatten.

      • Hallo Frank

        vielen herzlichen Dank für die guten Infos und die die differenzierte Betrachtung.
        Das ist guter, sachlicher unaufgeregter (Bürger-)Journalismus.
        Davon könnte sich so manch Professioneller eine Scheibe abschneiden…SCNR

  6. Habe gerade zwei iranische Freunde angerufen, die jedes Jahr nach Iran fliegen dort Familie haben und sich politisch bestens auskennen.
    Frauen dürfen Jeans tragen ja! aber darüber müssen sie ein Kleid tragen.
    Den schönen Popo zeigen ist gefährlich sagte einer. Männer dürfen in der Tat Jeans tragen Außer Baggy Pants dann kommen sie in den Knast.
    BBC ist eine den Mullahs in Iran freundliche Rundfunkanstalt sagte der andere, sie hätten sogar einen abfälligen Spitznamen für die BBC.
    @ Lily
    “Die Ultraorthodoxen in Israel tragen ebenfalls keine Jeans.“
    Freiwillig, niemand zwingt sie dazu keine Jeans zu tragen, der Orthodoxe Jude ob Mann oder Frau, der/die sich freizügig anziehen will kann es tun, ohne vom Staat bestraft zu werden. Viele Orthodoxe hauen nach Tel Aviv ab und führen ein säkulares leben. Es gibt sogar vereinzelte Fälle von orthodoxen Frauen, die sich in Araber verlieben und mit denen abhauen oder sich schwängern lassen. Israel ist ein freier Staat wo jeder machen kann was demokratisch erlaubt ist.
    Off Topic : Gestern haben zwei amerikanische Juden den Nobelpreis für Medizin erhalten.

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar. Meines Erachtens erscheint das Thema viel komplexer, denn mitunter können staatlicher Selbstanspruch und das reale Alltagsleben bzw. die Durchsetzung dieses Selbstanspruches voneinander (mehr oder minder) stark voneinander abweichen. Das spiegelt sich noch nicht einmal nur in der Kleiderordnung wider, sondern auch in anderen Bereichen des Lebens. Das schreiben Sie auch quasi direkt in ihrem Beitrag: Was ist Freiheit wert, wenn ich von zu Hause “abhauen” muss, weil ich mich ggf. der Gefahr aussetze nicht nur von meinem engeren Freundes-, Bekannten- und gar Familienkreises nicht mehr akzeptiert zu werden, sondern auch vor körperlichen Attacken fürchten muss?

      Das bekannteste Beispiel in Israel hierfür dürfte Me’a Sche’arim sein. Hier klaffen der Selbstanspruch des Staates und das alltägliche Leben mitunter auseinander. Ein bekanntes Gegenbeispiel hierfür ist das französische Burka-Verbot: Seitens des Staates wird ein Kleidungsstück verboten, das mitunter freiwillig getragen wird (womit ich den Zwang eine solche zu tragen nicht verharmlosen will). Hier wird der Schutz des Individuums über die Freiheit aller anderen Individuen gesetzt. Der Selbstanspruch des Staates wird hier über das Alltagsleben von Individuen und Religionsgemeinschaften gestellt.

      Vielleicht ist eine Burka nicht mit einer Jeans zu vergleichen (und den Iran möchte ich an dieser Stelle auch nicht verharmlosen), was ich allerdings aufzeigen möchte ist, dass Staaten eine gewaltige Aufgabe zu leisten haben: Sie müssen nicht nur den Selbstanspruch auf Freiheit haben, sondern ihn auch durchsetzen; im Zweifelsfall auch gegen die Ansprüche religiöser Gruppierungen (im besten Fall jedoch im Einklang mit diesen, um das freiwillige, religiöse Leben nicht einzuschränken).

    • “Off Topic : Gestern haben zwei amerikanische Juden den Nobelpreis für Medizin erhalten.” (Refporus Zen)

      … und gestern ein belgischer den für Physik.

      • francois englert ist ein belgischer jude! 🙂

        und in chemie ging der preis an zwei juden einer davon in usa lebender israeli, der in israel studiert hat. somit hat israel noch einen nobelpreistraeger.

      • … und heute geht es nahtlos weiter mit der Vergabe der Nobelpreise in Chemie
        für Arieh Warshel – Amerikaner und Israeli, jüdisch
        Martin Karplus, dessen Name auf jeden Fall jüdisch ist
        sowie
        Michael Levitt – Levi– na, wenn der nicht ebenfalls jüdisch ist?!

      • Ergänzung: Die Chemiker sind alle drei jüdisch, zwei davon sind Israelis. 😉

      • hopla… auch der dritte nobelpreistreager in chemie martin karplus ist jude. und suedafrikaner/us-amerikaner michael levitt hat auch die israelische staatsbuergerschaft(obwohl er im gegensatz zu arieh warshel in israel weder studiert noch gelbt hat). d.h. von 8 nobelpreistraeger 2013 (bis jetzt) sind 6 juden 🙂

        das letzte mal, dass kein jude dabei gewesen ist, war 1999.

        • schlecht recherchiert… michael levitt hat drei von sieben jahren an denen er an der forschung fuer die er den nobelpreis bekommen hat in dem weizman institute verbracht. hat aber keine feste stelle bekommen und ist deswegen nach usa weitergezogen.

  7. Zu der Vergabe der Nobelpreise:

    Ariel hatte vor einiger Zeit geschrieben, dass es keine Erklärung dafür gibt, warum so viele jüdische Wissenschaftler so große Erfolge vorweisen können, dass das auch nicht mit der Erziehung und dem Studium der Schriften zu erklären ist.

    Hier ein neuer Erklärungsversuch:
    In 1. Mose 12,2 sagt Gott: “Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.”

    • bei wiki kann man unter dem begriff “list of jewish nobel laureates” mehr infos zu den namen bekommen.

      noch nicht alle preise sind vergeben, aber unter 8 preistraeger sind 6 judisch. das letzte mal, das kein jude unter den preistreagern war passierte 1999.

      • Hallo Ariel,

        danke für den Hinweis.

        Nach dem ersten Durchsehen der Liste fällt aber auf, dass doch sehr wenig Frauen darunter sind. Im westlichen Kulturkreis werden Mädchen leider entsprechend dem Klischee erzogen, dass Mathe/Technik/Computer eine Männerdomäne sind, und damit von Anfang an demotiviert, sich dafür zu interessieren. In China oder Indien z.B. gibt es nicht diese Männerdominanz in technischen Berufen. Dort ist es eher normal, dass Frauen einen technischen Beruf ergreifen. Wie ist das in jüdischen Familien?

        • ich kann nur meine beobachtung aus israel weitergeben.

          maschinenbau und luft/raumfahrt ingenieure sind auch in israel von maennern klar dominiert.

          bei IT berufen egal ob elektronik oder computerwissenschaften sind frauen stark vertretten. bei chemie und biologie gab es schon immer viele frauen oder sogar weibliche mehrheit. in mathe und physic sind die maedchen auch unterrepraesentiert.

          bei midizin, wirtschaft und jura gibt es auch sehr viele frauen. ich wuerde von 50:50 sprechen.

          so sieht es in israel aus.

          was die juedischen familien angeht, so muss man da unterscheiden. was die sekulaeren familien angeht, so ist es die verteilung die ich oben beschrieben habe. bei den ultraorthodoxen werden die frauen ermutigt etwas soziales zu machen, wie lehrerin z.b. aber es gibt auch viele frauen bei einfachen it-berufen, wo man keinen abschluss braucht.

          die nationalreligioesen sind da viel offener und haben eher sekulaere sichtweise auf die berufe. wenn man aber viele kinder hat, so ist man als lehrerin mit klaren arbeitszeiten und vielen ferien, viel besser dran, als intelmitarbeiter welche ihre arbeit immer mit nach hause nehmen muessen. dass man dort das dreifache verdient ist natuerlich eine andere geschichte.

          • @Ariel

            Vielen Dank für die Infos.

            “bei IT berufen egal ob elektronik oder computerwissenschaften sind frauen stark vertretten.”

            Aus der Sicht der deutschen Wirtschaft sind das ja traumhafte Zustände.

            Ich habe noch mal die “List of Muslim Nobel Laureates” angeschaut:
            – 1 Nobelpreis für Chemie
            – 1 Nobelpreis für Physik
            – 2 Nobelpreise für Literatur
            – 6 Nobelpreise für Frieden

            Interessanter Interessensschwerpunkt 😉

    • Aber warum sich nur auf die Wissenschaft beschränken?

      Um nur ein weiteres aktuelles Beispiel für die Gültigkeit dieser Worte zu nennen: Janet Louise Yellen ist die neue Chefin der US-Zentralbank Fed.

      • Ben Bernanke ist natürlich auch jüdisch, aber Janet Yellen ist die erste Frau in dieser Position.

        Es ist Zeit, dass endlich ein Jude ins Weiße Haus einzieht !!!!

        • Außerdem:

          – Janet Yellen’s Mann, George Akerlof, hat 2001 den Wirtschaftsnobelpreis erhalten.

          – Ben Bernanke’s Vorgänger Alan Greenspan ist ebenfalls jüdisch.

          Ich könnte noch stundenlang weiter aufzählen… 🙂

          • Liebe Mariana,

            es mangelt in den israelischen Medien online-Medien nicht an Glücksbekundungen angesichts der jüdischen Preislawine der vergangenen Tage. Besonders schön fand ich einen Artikel heute Morgen von Herb Keinon auf jpost.com, der ebenfalls übervoll der Freude ist.

            Er schreibt darin jedoch auch folgendes:
            “Schadenfreude is that German word coined to describe the feeling of joy at another’s downfall. Naches is the Yiddish opposite, joy at someone else’s accomplishment.
            Oh, what naches did Wednesday bring.”

            Es gibt kein Wort im Deutschen für “naches”, und ich habe mich gestern gefragt, ob sich wohl jeder über diesen jüdischen Erfolg mitfreuen wird?

            Wir haben nicht einmal ein Wort fürs Mitfreuen, ausser Mitfreuen oder freudige Anteilnahme, aber diese Begriffe klingen gewollt und eher schwerfällig.

            ‘Natürlich freut man sich in der jüdischen Familie über jüdische Erfolge; das ist ja klar’, aber freut sich in den deutschen Familien immer einer über den Erfolg des anderen, oder gibt es nicht selbst in der Familie immer auch eine gewisse Portion Neid, der die Mitfreude trübt? – Meiner Beobachtung nach ist das leider so.

            Wer sich mitfreuen kann und positiv Anteil nimmt, der ist frei von Ablehnung gegen den Erfolg eines anderen und offen, es ihm NACHzutun, ihn NACHzuahmen, ihm NACHzueifern. Vielleicht hat NACHes etwas damit zu tun? Er wird es schön finden, sich anzustrengen, um sich selbst ebenfalls eine so grosse Freude zu bereiten, die von allen anderen geteilt wird.

            Mit Neid geht das nicht. Wer sich nicht mitfreuen kann, wird sich daher eher fragen: ‘Steckt nicht eine Verschwörung der “global elite” dahinter, die das Nobel Prize Committee entsprechend unter Druck setzt?’ – ‘Warum immer die Juden?’ etc. – und damit bleibt für ihn selbst der Weg dorthin für immer versperrt.Und wer daran schuld ist, ist klar.

          • Liebe Lily,

            ich teile Ihre Beobachtungen.

            Schadenfreude ist (leider) immer eine echte „Freude“, während freudige Anteilnahme i.d.R. eine Höflichkeitsfloskel ist.

            Das Neidproblem könnte man schon als kulturspezifisch betrachten: in Deutschland wird eher erwartet, dass man möglichst nicht auffällt und mit seinem Erfolg nicht prahlt, während z.B. in den USA das Zeigen von Erfolg kein Problem ist, da dieser als Gottes Segen angesehen wird.

            Aber die Frage ist, ob man in seinem ganz persönlichen Leben auf diese (angebliche) gesellschaftliche Akzeptanz von Erfolg reinfallen sollte, denn die menschliche Natur hat auch universelle Eigenschaften, die kulturunabhängig sind. Die Menschen vergleichen sich nun mal miteinander und jeder will möglichst gut abschneiden. Ich habe einmal einen klugen Satz gelesen (sinngemäß): Wenn man etwas Schönes in seinem Leben hat, sollte man es nach Möglichkeit verbergen, um sich nicht den Emotionen anderer Leute auszusetzen.

            Die Tatsache, dass das Wort „Naches“ überhaupt existiert, zeigt meiner Meinung nach die Loyalität und Verbundenheit, die ich bei jüdischen Familien schon immer so bewundert habe. In nichtjüdischen Familien ist das leider nicht immer bzw. seltener der Fall.

            „Mit Neid geht das nicht. Wer sich nicht mitfreuen kann, wird sich daher eher fragen: ‘Steckt nicht eine Verschwörung der “global elite” dahinter, die das Nobel Prize Committee entsprechend unter Druck setzt?’ – ‘Warum immer die Juden?’“

            Ist das der Grund, warum es in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch nie einen jüdischen POTUS gegeben hat?

            Zum Thema Selbstlosigkeit gibt es den sehr schönen short movie „validation“. Wenn es einem nicht so gut geht und man seine angeknackste Laune reparieren möchte, tut es richtig gut, sich das anzuschauen. Am Ende zahlt sich das Gute immer aus.

          • Liebe Mariana,

            vielen Dank für den schönen Filmtipp!

            “Aber die Frage ist, ob man in seinem ganz persönlichen Leben auf diese (angebliche) gesellschaftliche Akzeptanz von Erfolg reinfallen sollte…”

            Die Formulierung Ihrer Frage enthält die Antwort: selbstverständlich nicht.

            “Wenn man etwas Schönes in seinem Leben hat, sollte man es nach Möglichkeit verbergen, um sich nicht den Emotionen anderer Leute auszusetzen.”

            Nun, die Nobelpreisträger werden ihr “Schönes” kaum verbergen können. 😉

            Aber auch im privaten Bereich ist das ein zweischneidiges Schwert, denn wenn Sie immer das Schöne vor anderen verbergen und nur Ihren Kummer mit anderen teilen, werden Sie irgendwann auf ihre Sorgen reduziert und ausgebremst, wenn Sie sich offen freuen und dankbar sind. Verstecken und nicht teilen kann auch einsam machen.

            “Ist das der Grund, warum es in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch nie einen jüdischen POTUS gegeben hat?”

            Ich denke, ja, und ich glaube auch, dass es keinen jüdischen POTUS geben sollte: Verfolgt und verkannt von der Menge strengen die Menschen sich an, um zu wachsen, grösser und besser zu werden. Das ist gut.

            Ein POTUS ist angekommen, aber ist sein Platz der Ort, zu dem die Juden hin wollen?

          • @ Mariana

            “Die Tatsache, dass das Wort „Naches“ überhaupt existiert, zeigt meiner Meinung nach die Loyalität und Verbundenheit, die ich bei jüdischen Familien schon immer so bewundert habe.”

            “naches” – hat nichts mit “nachahmen” zu tun…

            Ich bin dem noch einmal nachgegangen. Welch schönes Wort! “Naches” kommt vom hebräischen “nachat” und das wiederum von dem Verb “lanuach”, was so viel bedeutet wie ruhen, liegen, sich wohlfühlen. “Naches” beschreibt eher einen Genuss, in dem der Mensch schwelgt und ein Wohlgefühl als teilnehmende Freude. Es heisst, Kinder bringen den Eltern “naches”. “Naches” wird empfangen und genossen. “Naches” ist zum (Ver)na(s)chen da! (sicher ist das der Zusammenhang zur deutschen Sprache).

            Ein schöner Satz auf Yiddish: ‘Du sollst krenken in naches.’ – sinngemäss: Du sollst an Deinem Vergnügen zugrunde gehen, oder: Iss nur so viele Bonbons, bis Dir der Bauch platzt.

            Ausserdem gibt es aus der jüdischen Perspektive yidishe naches und goyishe naches, Dinge, die das Herz der Juden und Dinge die das Herz von Nichtjuden erfreuen.

            Kurz: Der Autor des Artikels, den ich weiter oben erwähnte, freut sich über die jüdischen Nobelpreise wie ein Kind über die Bonbons. Die Nachricht verbreitet in ihm ein genussvolles Wohlgefühl.
            Das ist nicht dasselbe wie die höflich-freudige Anteilnahme am Glück/Erfolg eines anderen. Mit naches badet man förmlich in der Freude des anderen.

            Und nun lade ich Sie ein, mit mir noch das geniale Wort für emails auf Yiddish zu (ver)na(s)chen: blitz brivn (!)
            😀

          • Liebe Lily,

            „Nun, die Nobelpreisträger werden ihr “Schönes” kaum verbergen können.“

            Die Nobelpreisträger befinden sich ab sofort auf der VIP-Ebene, sie dürfen Erfolg/Reichtum haben, mit ihnen und anderen Promis wird sich ein einfacher Postbeamter nicht identifizieren.
            Aber wenn dessen Nachbar/Arbeitskollege sich plötzlich ein neues Auto kauft, während sein eigenes Auto 20 Jahre auf dem Buckel hat, oder befördert wird, dann wird das nicht ohne Weiteres geschluckt.

            Natürlich lässt sich nicht alles Schöne verbergen, aber man sollte diese Notwendigkeit immer im Hinterkopf behalten, denn in manchen Situationen lässt sich das gut umsetzen und man erspart sich wirklich viel Stress. Und im privaten Bereich kann man froh sein, wenn man vielleicht mit 3-4 Personen seine Freude teilen kann, weil man weiß, dass sie sich wirklich für einen freuen werden. Das reicht.

            „Ein POTUS ist angekommen, aber ist sein Platz der Ort, zu dem die Juden hin wollen?“

            Ich finde, die POTUS-Position ist etwas überbewertet, und wie man an Präsident Obama sehen kann, kriegt man davon graue Haare, ein absolutes No-Go. 😉

            Jetzt im Ernst: wenn ein jüdischer POTUS das Land aus der Pleite hochheben würde (bitte nicht vergessen: „Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.“), dann würde das vielen Menschen zu denken geben. Die Bedeutung dessen würde weit größer sein, als nur die Tatsache, dass endlich ein Jude diese Position erreicht hat.

            Danke für die schönen Infos zu “Naches” und dem Blitzbrief. So wie Sie es beschreiben, ist “Naches” weit mehr als „Wir sind Papst“. Es ist wirklich etwas Besonderes. Vielleicht könnte man es mit der Freude von Fußballfans vergleichen, aber ich glaube es ist noch etwas mehr.

            Übrigens ist die Person, von der ich den Validation-Filmtipp bekommen habe, eine der Frauen, die den Egotrip des Ehemannes nicht ausgehalten haben.

          • Liebe Mariana,

            Ihr Denkansatz zu einem jüdischen US-Präsidenten ist mir neu; der Gedanke hat etwas. Andererseits wissen ‚wir‘ jedoch, dass die Person des POTUS nicht ganz so allmächtig ist wie es den Anschein hat. Von vielen wird er als eine Marionette gesehen, die weisungsgebunden ist. Das Prinzip bliebe auch bei der Wahl eines jüdischen Staatsoberhauptes dasselbe.

            Zur Zur-Schau-Stellung bzw. zum Teilen von schönen Dingen…
            Leider ist die Welt ganz eingenommen vom Haben, und das Sein kommt erst sehr viel später. Für mich ist das Sein wichtiger als alles andere. Das klingt wie ein Luxus nach dem Motto: Über Geld spricht man nicht; Geld hat man. Es ist riskant, mehr auf der Seite des Seins als des Habens zu leben. Auf der anderen Seite ist es jedoch auch so, dass wer ist, der er sein soll, ‚Erfolg‘ und Lebensglück anzieht. Meiner Erfahrung nach neiden die Menschen einander persönliches Glück und Zufriedenheit mehr als messbaren materiellen Erfolg.

            Im Übrigen teile ich Ihre Ansicht: Es ist in Ordnung, wenn nur wenige eine Freude teilen können.