Ein Hostel soll den Abstieg stoppen

Jisr a-Zarqa ist ein beinahe unbekanntes Dorf an der Mittelmeerküste Israels. Kaiser Wilhelm II soll vor langer Zeit hier gewesen sein. Die Brücke, auf der er wohl stand, ist teils weggespült. Jisr ist heute einer der ärmsten Orte Israels. Mit einem Hostel wollen Neta und Ahmed des Abstieg des Dorfes stoppen

Neta erzählt, eine französische Stundentin sei einmal für ein Projekt zwei Monate in Jisr gewesen. In Tel Aviv hätten der jungen Frau zuvor nur alle abgeraten: Dont go there! Der Ruf des arabischen Dorfes und seiner Bewohnern ist so schlecht, dass selbst andere arabische Familien ihre Kindern nicht nach Jisr verheiraten wollen, steht in der Zeitung.

Hostel über Crowdfounding finanziert

Trotzdem hat sich Neta, die in einem benachbarten Moshav lebt, in das Dorf verliebt. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Ahmed hat sie ein Hostel gegründet; in Ahmeds Haus. Der ist mit sieben Kindern und Frau zu seinem Vater gezogen.

Hostel Juna hat im Moment erst eine Wohnung und richtet sich an Rucksacktouristen. Die Menschen suchen authentische Orte, sagt Neta. Und das sei Jisr nun wirklich.

Der schönste Fleck ist der unverbaute Strand. Die schwerste Last sind die hohen Schulden des Dorfes und dass es kaum Investitionen gibt. 14-tausend Einwohner. 70 Prozent von ihnen sind jünger als 18 Jahre, die brauchen Bildung und Jobs. Sonst sei Jisr eine Zeitbombe in der Mitte des Landes, sagt Ahmed.

Ausgebucht in den ersten Tagen

Erste Gäste kommen. Die erste Woche nach der Eröffnung war Hostel Juha komplett ausgebucht. Nun hoffen Neta und Ahmed, dass ihr Beispiel in Jisr Schule macht, dass ein Cafe entsteht im Ort, ein Humus-Laden, ein neues Restaurand vielleicht.

 

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  1. Jisr a-Zarqa ist von 4 Seiten abgesperrt. Erstens dem Meer mit dem zweifellos herrlichen Strand und einem armseligen Fischereihafen mit einer schwer anzusteuernden Einfahrt. Zweitens im Norden vom Tananim-Fluss, der schön ins Meer mündet. Drittens mit einem hohen Erdwall nach Süden Richtung Cäsarea, dem luxuriösen Nachbar-Wohnort, zu dem nicht die kleinste Straße führt und jeglichen Kontakt verhindert und dann viertens durch den hohen Damm der Straße N2. Ein erschreckend schmaler Tunnel bildet darunter die einzige Zufahrt in den Ort – eine Schande! Wie soll sich dieser Ort entwickeln können?

  2. Es lässt sich ja anscheinend gut an. Ich wünsche Neta und Ahmet weiterhin und dauerhaft viel Erfolg.

    Angesichts des Touristenbooms mit von Jahr zu Jahr neuen Rekorden, den Israel verzeichnet, werden auch in Zukunft mehr Hotel- und Hostelkapazitäten gebraucht.

  3. Tragisch! Während Millionen in den Ausbau von jüdischen Siedlungen und für deren Raumplanung ausgegeben werden, palästinensiche Wohnorte können kaum mit mehr Raum und Entwicklung rechnen. Das politische Ziel des jüdischen Staates um jeden Preis ist wichtiger als das Wohlergehen des Menschen, aller Menschen. Einige Stimmen werden behaupten, dass die in Israel lebenden Palästinenser die gleichen Rechte haben und die gleiche Aufmerksamkeit bekommen wie alle anderen Bürger Israels. Hmm!

  4. @alle Korrespondenten

    Seit 4 Tagen ist Kanadas Ministerpräsident Harper zu Besuch in Israel und es ist mal ausnahmsweise schön zu sehen, dass ein westlicher Politiker Israel nicht in den Rücken fällt. Er sagte z.B. unter anderem: ‘Wenn ich in Israel bin, werde ich gebeten Israel zu verurteilen, wenn ich in den Palästinensergebieten bin, werde ich gebeten Israel zu verurteilen und in der Hälfte der Länder, in denen ich sonst bin, werde ich gebeten Israel zu verurteilen. Aber niemals hat mich jemand gebeten, die palästinensische Autonomiebehörde für Menschenrechtsverletzungen oder andere Vergehen zu verurteilen.’
    Warum hat hier in diesen Tagen HipHop und ein ‘beinahe unbekanntes Dorf’ eine größere Relevanz?

    • Sorry, aber was wollen sie bitte mit Stephen Harper? Einen krasseren Israeluntersützer gibt es wohl kaum unter den Staatschefs unseres Planeten. Harper hat sogar mal gesagt, dass er Israel sogar dann unterstützen würde, wenn es Kanada schaden würde. Ich denke nicht, dass es wirklich von Bedeutung ist wenn eine Marionette wie er irgendetwas zum Nahostkonflikt sagen muss.

    • @Alex, du sagst es, warum hat ein beinahe unbekanntes Dorf eine grössere Relevanz? Ersten glaube ich, man wollte nur eine Geschichte an uns Leser weitergeben, ohne die Bedeutung anderer Ereignisse zu herunterzuspielen. Abgesehen davon verbirgt sich hinter der Geschichte dieses Dorfes viele Tatsächlichkeiten und Grundwahrheiten, die von den Harpers dieser Welt einfach nicht wahrgenommen werden wollen. Ich bin z..B. immer wieder bestürzt, mit welcher Brutalität, Intensität und Ungeschorenheit jüdische Siedler im Westjordanland wehrlose palästinensiche Bauern überfallen, Häuser anzünden, Olivenbäume und -ernten zerstören und das überhaupt keinen Eindruck macht. Meistens werden solche Aktionen auch noch von der IDF unterstützt (man stelle sich das einmal vor!). Das geht schon seit Jahren so, aber man scheint sich an Unterdrückung und kriminelle Gewalt so weit gewöhnt zu haben, dass man daran einfach abgestumpft ist. Das ist mehr als tragisch und es ist erschütternd, dass man das einfach verneint und davon nichts wissen will. Aber es ist muss einem schlechten Gewissen wohltun, von einem nichtsahnenden Prime Minister aus Kanada Wertschätzung zu erfahren. Militärische Besetzung, eine ein Land umgebende hässliche Mauer, um sich von einer unterdrückten Bevölkerung abzusondern, sagt diesem unwissenden Schutzpatron auch sehr wenig. Erstaunlich von welchen Menschen wir regiert werden. Abgesehen davon, ein richtiger Prime Minister hält sich in diesen Tagen in Davos auf, um sich für einige Tage Ablass zu erkaufen für die immer grösser werdende Ungleichheit in der Welt und sogar über Frieden zu sprechen, den man ja gar nicht will.

  5. @ Free,

    aber so ganz ein Schlimmer kann der Herr Harper nun auch nicht sein.
    Hat sich 2008 bei den 1,3 Millionen Indianern entschuldigt für die an ihnen begangenen Verbrechen…..und ein 2 Milliarden Dollar – Programm verabschiedet um wiedergutzumachen was wiedergutzumachen ist.
    Man mag das als Tropfen auf den heissen Stein empfinden, aber jemand, der in verschiedenen Indianersprachen und unter ( sicher nicht künstlich herausgequetschten ) Tränen vor der ganzen Nation eine solche Entschuldigungsgeste zeigt, iverdient Respekt.
    Und dann ist er auch noch einer der ganz wenigen konsequenten Freunde Israels.
    Guter Mann !

    • Dann sollte sich Herr Harper mal über die Verbrechen der Zionisten an den Palästinensern informieren …

  6. So richtig Harpers Analyse des palästinensisch-israelischen Konflikt auch ist, und so begrüßenswert seine klare Sprache und und Unterstützung für Israel ist ich glaube, dass der Besuch des kanadischen PM für die deutschen Medien tatsächlich wenig Relevanz hat.

    Natürlich ist die Geschichte von Ahmed und Neta jetzt nicht weltbewegend, dennoch ist es eine interessante Geschichte eines arabischen Unternehmerpaares, das in Israel geschäftlich seinen Weg gehen will und dabei hofft vom Israel-Tourismusboom zu profitierten. Das ist aller Ehren wert, dem ersten Eindruck nach, scheint der Plan ja aufzugehen ich wünsche den Beiden jedenfalls viel Erfolg. Ich finde solche Geschichten aus dem Alltag allemal interessanter als den 1785. in larmoyanten Ton vorgetragene Bericht mit einem Neuigkeitswert allenfalls knapp über Null über das, was in Israel angeblich nicht klappt.
    Ich bewerte den Bericht über Ahmed und Neta positiv.
    Aber insgesamt verfährt natürlich auch die ARD nach dem altbewährten journalistischen Motto “Good News is No News”

    Dabei gibt es neben dem was nicht oder schlecht läuft, auch viele Gute Nachrichten über das Zusammenleben, Arbeiten, Militärdienstleisten Feiern, Musizieren, Tanzen von Arabern und Juden in Israel, das jedenfalls nehme ich wahr, und höre es von meinen Bekannten in Israel.

    • Hallo joerg, ja, die Geschichte von Ahmed und Neta ist schön und erwähnenswert. Aber mindestens genauso erwähnenswert ist der Besuch und vor allem die Worte von Stephen Harper. Er ist in der internationalen Politik eine leuchtende Ausnahme was Israel betrifft, und gerade deshalb sollte sein Besuch in diesem Blog erwähnt werden. Dieser Blog ist ja auch dazu da, Berichte über Israel zu bringen, die für die deutschen ‚Normalmedien‘ unwichtig sind.
      Dazu fällt mir ein, dass sich hier jemand schon darüber beschwert hat, dass die Interviews hier hauptsächlich mit Linken geführt werden und Leute wie Mordechai Kedar oder Danny Ayalon nicht zu Wort kommen. Ist es jetzt nicht genau das gleiche, was Harper betrifft? Seine Ansichten passen nicht in die allgemeingültige Weltsicht von Israel. Das Motto “Good News is No News” müsste hier eigentlich umformuliert werden: ‚Pro-Israel-News (was den Konflikt betrifft) is No News‘.

  7. Hier drüber ist wieder der Meinungskrieg entbrannt, da muss ich immer noch über das vielleicht Bemerkenswerteste an diesem Textblogbeitrag nachdenken: Eine Jüdin aus einem Moshav (sagen wir mal, “Dorf”, Näheres bzw. Erklärendes konnte ich noch nicht herausfinden…) baut mit einem israelischen Araber ein Geschäft auf. Mehr Joint Ventures würde vielleicht gleichbedeutend sein mit weniger Gewalteinsatz. Gut, es kann nicht unbegrenz viele Beherbergungsbetriebe geben; aber für Dienstleistungen wäre das doch ein erster Anfang (siehe Handel miteinander statt Handeln gegeneinander in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg: Hier hat es ja auch funktioniert…).