Gegen die Bilder ist unser Text machtlos

Die Sonne scheint, die Kinder schreien: Wie man die Wahrheit über den Krieg in Gaza erzählt, obwohl die Wahrheit sich hinter Propaganda und Desinformation verbirgt. Ein Erfahrungsbericht

Richard C. Schneider, ARD Tel Aviv, zur aktuellen Lage in Nahost thumbnailWie berichten von einem Konflikt, der inzwischen ein Krieg geworden ist, wenn man über beide Seiten berichten muss? „Neutralität“ und „Objektivität“ werden von uns Journalisten erwartet, doch im Alltag des Nachrichtenproduzierens erweist sich dieses Ziel oft fast als unerreichbar. Nicht weil wir Partei ergreifen – obwohl andere Kollegen dies manchmal doch tun -, sondern weil wir mit drei Hindernissen konfrontiert sind: die Macht der Bilder, die Propaganda von beiden Seiten, die vielen verschiedenen „Wahrheiten“, die der palästinensisch-israelische Konflikt beinhaltet, und nicht zuletzt die Erwartungshaltung der Zuschauer daheim im sicheren Deutschland.

Das ARD-Studio Tel Aviv mit seinen Außenstellen in Gaza und Hebron ist ein Biotop. Hier arbeiten Juden, Muslime und Christen zusammen, Deutsche, jüdische Israelis, israelische Araber und Palästinenser. Wir sprechen im Studio Hebräisch und Arabisch und Deutsch und Englisch. Wir sind ein Team, zum Teil über Jahre und Jahrzehnte befreundet, wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Nur so können wir sicher sein, dass wir journalistisch saubere Arbeit machen können.

Ein Beispiel: Die ARD hat uns Korrespondenten angewiesen, aus Sicherheitsgründen im Augenblick nicht nach Gaza zu gehen. Doch wir haben ein palästinensisches Team dort. Wir sind im ständigen telefonischen Kontakt, bestellen Storys, Bilder, Informationen, die wir dann im Studio zu Stücken zusammenstellen. Wir wissen, dass unser Team Bilder nicht manipuliert, Informationen nicht fälscht. Nur auf diese Bilder können wir uns verlassen, nur bei diesen Bildern wissen wir, dass sie das zeigen, was wir sehen.

Auch bei unseren Bildern bleiben Fragen

Die Erfahrung aus den anderen Kriegen in Gaza hat gezeigt, dass Agenturmaterial, das aus Gaza kommt, häufig von der Hamas zensiert wird. Bilder, die der Hamas nicht genehm sind, werden nicht zugelassen (und Bildmaterial, das Menschen via Handy auf Twitter, Facebook oder Youtube ins Netz stellen, ist sowieso nie verifizierbar). Als Israel 2008 behauptete, die Hamas-Kämpfer würden in Zivil herumlaufen und somit sei die Zahl der Opfer manipuliert, weil es sich dabei nicht nur um Zivilisten, sondern auch um Hamas-Kämpfer handelt, war dies für uns erst dann nachweisbar, als wir von unserem Kameramann heimlich gedrehte Bilder erhielten, die zeigten, wie tatsächlich Hamas-Kämpfer in normaler Kleidung ihre Kalaschnikows unter der Jacke versteckten.

Und doch bleiben auch bei unseren Bildern Fragen: Wir sehen eine zerstörte Moschee, ein umgestürztes Minarett – und natürlich ist das Entsetzen, dass ein Gotteshaus zerbombt wurde, die beinahe automatische Reaktion, auch bei uns. Doch dann müssen wir uns fragen: Waren in der Moschee Waffen gelagert oder nicht? Wir wissen, dass in Moscheen Waffen gelagert werden, es gibt Belege. In diesen Tagen erleben wir Angriffe der Israelis (die manchmal sagen, es seien Raketen der Hamas gewesen – und so steht erst einmal Aussage gegen Aussage) auf UNRWA-Schulen mit entsetzlichen, grauenvollen Bildern: Blut, schwer verletzte Babys, schreiende Kinder vor den Leichen ihrer Eltern.

Auch in uns Journalisten regen sich zunächst Wut und Verzweiflung, Entsetzen und Trauer. Doch wir wissen auch, dass in zwei Schulen Raketen der Hamas gefunden wurden, das bestätigte die UNRWA selbst. Wie also ist dieser Angriff dann zu werten? Rechtfertigt die Tatsache, dass an diesem Ort möglicherweise tödliche Waffen versteckt wurden, die Israelis umbringen sollen, zivile palästinensische Opfer? Gelten in einem asymmetrischen Krieg noch die Regeln und Gesetze konventioneller Kriege?

Da wird sogar das Wetter zum Problem

An diesem Beispiel wird das Dilemma, in dem wir uns befinden, besonders deutlich. Wir müssen unsere eigenen Gefühle zurückstellen. Das wird mit zunehmender Dauer des Krieges, mit den immer schrecklicheren Bildern, die wir tagtäglich sehen, ungefiltert, ungeschnitten, immer schwieriger. Wir müssen versuchen, all die bewusst gestreuten Falschinformationen und unzuverlässigen Informationen abzuwägen. Wir müssen gleichzeitig immer wieder die Beweggründe beider Seiten einbeziehen, erklären, vermitteln. Diese Aufgabe ist für uns Fernsehjournalisten wesentlich problematischer als für die Kollegen der Printmedien. Denn wir wissen: Unser Text ist gegen die Macht des Bildes so gut wie machtlos.

Der Zuschauer sieht das schreiende Kind vor der Leiche seines Vaters – und hört nicht mehr zu. Er sieht umgekehrt verschreckte Israelis, denen es im Vergleich zu Gaza gut geht und denkt: Was regen die sich so auf, es geschieht ihnen doch fast nichts. Und er vergisst, dass es dafür auch Gründe gibt: das Abwehrraketensystem, das die israelische Regierung entwickelt hat, Bunker in jedem Haus et cetera. Wohingegen die Hamas ihre Bevölkerung als menschliche Schutzschilde einsetzt und missbraucht. Das Bild aber, das unmittelbare Bild, das der Zuschauer zu sehen bekommt, vermittelt nicht die Angst der Israelis.

Da wird sogar das Wetter zum Problem, gerade für die israelische Seite: Die Sonne scheint, die Bäume sind grün, die Häuser sind mehr oder weniger unbeschädigt – wo ist das Problem? Die Bilder zeigen nicht, was es vor allem im Grenzgebiet bedeutet, seit Jahren mit dem Code Red Alarm leben zu müssen und dann nur zwischen 15 und 40 Sekunden Zeit zu haben, sich in einen Schutzraum zu flüchten.

Alle glauben mitreden und urteilen zu können

Allein in einem Städtchen wie Sderot rund 1000 Mal pro Jahr. Da hilft es dann auch nichts, auf der Polizeistation des Ortes die eingesammelten und aufgereihten Raketen zu filmen, die in den vergangenen Jahren auf Sderot niedergingen – es sind abstrakte Bilder, die dem verzweifelten, entsetzten Gesicht des palästinensischen Kindes nichts entgegenzusetzen haben.

Wie also texten? Wie gegen die Macht der Bilder, aber auch gegen die Urteile und Vorurteile der Zuschauer in Deutschland antexten? Gegen die Islamophoben und Islamophilen, gegen die Antisemiten und Philosemiten, gegen all diejenigen, die nie im Nahen Osten waren, aber über den palästinensisch-israelischen Konflikt mitreden und glauben urteilen zu können in einem Ausmaß, wie es bei keinem anderen Konflikt auf dieser Welt der Fall ist? Machen wir uns nichts vor: Ein Konflikt, bei dem Juden mit im Spiel sind, wird in Deutschland per Reflex anders wahrgenommen als ein Krieg zwischen Muslimen oder zwischen Christen.

Und wir wissen natürlich, wie die Zuschauer reagieren: Viele sehen und hören nur, was sie sehen und hören wollen. Die typischsten Fälle sind die, wo ein und derselbe Beitrag von Zuschauern als prozionistisch beziehungsweise propalästinensisch gewertet wird, die ärgerlichsten sind Beschimpfungen für Dinge, die man gar nicht gesagt hat – der Zuschauer aber angeblich „gehört“ haben will. In solchen Fällen kann man nichts tun, außer versuchen in der eigenen Sprachwahl präzise zu sein.

Seit sechs Wochen arbeiten wir praktisch rund um die Uhr

Dass dies nicht immer gelingt, ist angesichts unserer Arbeitsbelastung klar. In den Wochen, in denen die ARD das „Morgenmagazin“ macht, beginnt unser Tag oft um fünf Uhr, sonst um sechs oder sieben, oft dauert er bis nach Mitternacht. Im Stundentakt produzieren wir Stücke, für „Morgenmagazin“, „Mittagsmagazin“, „Tagesschauen“, „Tagesthemen“, „Nachtmagazin“. An manchen Tagen im Krieg habe ich bis zu 30 Live-Schalten, denn wir bedienen auch noch Tagesschau24, Phoenix und die Dritten Programme. Zusätzlich twittern wir, produzieren Videoblogs, machen Sondersendungen. Seit sechs Wochen arbeiten wir eigentlich rund um die Uhr, seit der Entführung der drei israelischen Jugendlichen im Westjordanland.

Diese „Story“ erscheint schon in weiter Ferne, denn seitdem haben sich die Ereignisse dermaßen überschlagen, sind wir dermaßen gehetzt von einer zur nächsten Geschichte „unterwegs“, von einem entsetzlichen Geschehen zum nächsten, von einem gescheiterten Waffenstillstand zum nächsten, dass wir alle das Gefühl für Zeit verloren haben. Wir sehen unsere Familien so gut wie gar nicht mehr, vier, fünf Stunden Schlaf sind das Maximum, das Team ist die Ersatzfamilie, wir sitzen in einem Boot und produzieren wie am Fließband.

Und manchmal sind wir sogar in Gefahr. Das Team in Gaza ganz gewiss. Als Studioleiter habe ich die Verantwortung für das Wohlergehen der Mitarbeiter. Doch welches „Wohlergehen“ gibt es in Gaza? Mitten im Bombenhagel ohne Bunker oder Schutzräume? Ich überlasse es daher meinen palästinensischen Kollegen und Freunden, zu entscheiden, wann sie wo drehen wollen – oder eben nicht. Weil sie sagen, es sei zu gefährlich oder weil sie in den Nächten daheim sein wollen bei ihren Frauen und Kindern, um im schlimmsten Fall gemeinsam zu sterben. Und so sind wir jeden Morgen froh, am Telefon wieder ihre Stimmen zu hören.

Und wir auf der israelischen Seite? Inzwischen reichen die Raketen bis nach Tel Aviv, die Sirenen heulen regelmäßig, dann hören und sehen wir die Explosionen. Manchmal aber, wie vor ein paar Tagen, heulen die Sirenen nicht. Dann erschrecken wir, wenn wir unerwartet eine Explosion hören. Die Raketen, die in Deutschland gerne als „selbstgebastelt“ verharmlost werden, sind längst gefährliche Waffen, die töten würden, massiven Schaden anrichten würden, wenn es das Abwehrsystem „Iron Dome“ nicht gäbe.

Und dennoch: Wenn wir unmittelbar an der Grenze zu Gaza stehen und der Alarm losgeht, dann haben wir gerade mal 15 Sekunden Zeit, uns in Deckung zu begeben. Im freien Feld ist das ein Problem. Wir werfen uns auf den Boden, versuchen uns hinter irgendwelchen Steinbrocken zu verstecken, warten auf den Einschlag und noch ein bisschen länger, um nicht danach von Granatsplittern getroffen zu werden. Danach stehen wir wieder auf und machen weiter, sehen, keinen Kilometer von uns entfernt, Rauchsäulen, sehen und hören Explosionen, Bombardement.

Es wirkt wie im Kino, aber wir wissen: Da sterben Menschen und wir können nichts tun. Außer berichten, immerzu weiter berichten. Nach bestem Wissen und Gewissen.

Dieser Text erschien am 3.8.2014 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

 

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  1. Herrn Schneider und dem gesamten Team, besonders auch den Kollegen in Gaza: Vielen Dank für die aufopferungsvolle Arbeit, um uns zeitnah ein realistisches Bild von der Lage zu geben. Eine unverzichtbare Quelle zur Information. Ich hoffe, es wird bald ruhiger – und sie können sich auch mal wieder ausschlafen.
    Herzliche Grüße aus Dresden,
    Herbert Lappe

    • Gaza — Israel / Hamas-Terroristen –Palestinenser / HASSPREDIGER

      Sehr geehrter Herr Schneider,

      ich rege an, einemal eine Reportage über die sog. ‚Hassprediger‘ in dieser Region / bzw. die Propagandamethoden der ‚Hamas-Terroristen‘ und ihrer ‚ideologischen Hintermänner‘ zu erstellen.

      Bei der Verfolgung des aktuellen Krieges in den Medien ( u.a. auch Ihrer Berichterstattung ) bin ich etwas tiefer in das Thema eingestiegen. Was ich dort in Zusammenhang mit dem Thema ‚Hassprediger‘ / Verherrlichung von Gewalt und Tod usw. gefunden habe ( ob auf Facebook … ), hat mich zutiefst erschüttert; zutiefst erschüttert, das ich es fast nicht verbakisieren kann.

      Ich bin überzeugt, viele Menschen in Europa wissen viel zu wenig darüber, wie und auf welche Art und Weise im arabischen Raum Gewalt und Terror von bestimmten Personen propagiert werden zur Durchsetzung ihrer perfiden Ziele. Über Syrien / Irak usw. mag ich gar nicht erst sprechen.

      Eine solche Reportage hielte ich für sehr wichtig. – Über Ihr Feedback würde ich mich freuen.

      MfG, Roland Weinert.

    • pflichte Ihnen bei, da tun sich die öffentlich rechtlichen sehr schwer damit. Das unterliegt meiner Meinung nach der Anforderung, Sendungen attraktiv und für die breite Bevölkerung sehenswert zu gestalten.
      Die ö.r. Medienanstalten mögen aber auch in ihre Überlegungen beziehen, dass zur Zeit jede muslimisch legitimierte Aktion eine Speerspitze des Terrors vor sich herzuschieben scheint; sei es in Syrien, Irak, Afghanistan, Loko Haram und natürlich dem Gaza Streifen. Alle scheinen das gleiche Ziel zu propagieren, den „religiös“ ausgerichteten Staat nach dem Islam.
      Wenn sich dann noch Sunniten und Schiiten einigen könnten…..aber die hauen sich gegenseitig die Köpfe ein. Und spätestens hier – und das wissen die ö.r. besser als ich – erfordert es eine kritische Betrachtung der Hintergründe.

    • hat hier jemand schon erlebt, dass solche appelle von der ard oder den journalisten ernst genommen wurden? hier tippen und tippen die leute unermüdlich „bitte, biiiiiiitteeeee, berichtet endlich über die fakten !“

      nur es passiert nichts, lol!

    • ach so, ein paar andere fakten können auch nicht schaden. der aktuelle deutschlandtrend wurde gestern in den tagesthemen vorgestellt.

      demnach „ist es für die befragten offenkundig sehr sehr schwer festzustellen, wer in diesem konflikt (mit der hamas) der schuldige sein soll“. aha, und warum ist das so? jetzt könnte man einige antwortmöglichkeiten anbieten:
      1. die mehrheit der deutschen ist nicht in der lage, die nachrichten zu verstehen (oder aus zeitmangel anzusehen).
      2. die journalisten sind nicht in der lage, fakten weiterzugeben, wobei wir wieder beim thema wären.
      3. die mehrheit der deutschen will auf keinen fall, dass die hamas schuldig ist, weil es dann bedeuten würde, dass Israel unschuldig ist… und was schließen wir daraus?
      4. ?habe ich noch eine erklärung vergessen?

    • Warum sollte Israel „unschuldig“ sein, wenn die Hamas auch schuldig ist?
      „Schuld“ sind alle, die durch ihr Handeln mit dazu beitragen, dass kein Frieden zustande kommt.
      Und da berichten gerade die öffentlich-rechtlichen Sender genügend und genügend objektiv, dass auf beiden Seiten erschreckend viel zusammen kommt.
      „Schuld“ sind insbesondere jene, die die eigenen Anteile an diesem Konflikt nicht mehr sehen wollen und die Schuld nur den anderen zuschieben.
      Im Kinderzimmer kann man den einen raus schicken und den anderen drin lassen. Dann ist erst mal Ruhe. Aber in Israel/Palästina? „Du bist schuld!“ „Nein, Du! Du hast nämlich!“ „Nein, habe ich nicht, Du hast…!“ Nur dass man im Kindergarten keinen Iron Dome hat, keine Panzer, keine Drohnen und keine Raketen.
      Wenn Sie Frieden wollen: Hören Sie auf, die Schuld bei den anderen zu suchenund nachzuweisen: Da wird doch genug drüber berichtet. Über Tunnels und Jubel, und Raketen und Zivilisten als Schutzschilde. Das wissen wir doch alles.
      Wenn Sie Frieden wollen: Fangen Sie an, sich für die Sorgen der anderen Seite zu interessieren. Wie die das Leben erleben. Fangen Sie an, nach Wegen der Versöhnung zu suchen. Das ist ein langer und mühseliger Weg. In Deutschland hat er bei der RAF funktioniert, in England bei der IRA, in Spanien bei der ETA, auch wenn man da noch ein wenig auf dem Weg ist. Dass es mit Raketen und militärischer Macht nicht gehen wird, ist doch offensichtlich.
      Der Iron Dome ist auch nicht umsonst. Wie lange wird Israel ihn finanzieren können? Wie viele Geldgeber will Israel noch verschrecken? Jeder weitere zivile Tote wird die Bereitschaft sinken lassen. Ich gehe davon aus, dass die Hamas das knallhart kalkuliert. (Das wäre eine Recherche vor Ort wert, liebe ARD) Wird Israel diese Position der Härte durchhalten können? Ich bezweifle das. Irgendwann wird die Einsicht kommen, dass es ohne Nachgeben niemals gehen wird. Die Frage ist nur: Wieviele Tote wird es bis zu dieser Erkenntnis noch geben? Wieviel Angst, wieviele Kinder, die einnässen? Jedes Engagement, dass diesen Irrweg verkürzt, ist hilfreich. Vielleicht machen Sie doch mit?

    • Weil ich eben vor allem die Tunnels und so erwähnt habe: Nur kurz angedeutet: Die Siedler, die zerstörten Ölbäume, das rationierte Wasser, die Sippenhaftung, wenn als „Strafe“ das Haus der ganzen Familie zerstört wird, die Inkaufnahme von Hunderten von Toten: Auch darüber wird permanent berichtet, und auch das ist bekannt.
      Der Konfklit ist asymmetrisch, darum wird auch die Berichterstattung asymmetrisch bleiben und auch die Möglichkeiten der Konfliktparteien, substantielle Beiträge zu einem Friedensprozesse beizutragen.

      Von einer Regierung, die von sich behauptet, rechtsstaatlich zu sein, erwarte ich übrigens unsymmetrisch wesentlich mehr als von einer Organisation, die weltweit als Terrororganisation eingestuft wird.

  2. Im Interview mit Carlo Strenger (auf dem Videoblock von Herrn Schneider) werden viele Fragen beantwortet, dabei Zusammenhänge erschlossen und offen gelegt, die vielen Menschen (womöglich) unverständlich und verhüllt geblieben wären.

    Und auch im Text von Herrn Schneider, der hier zu lesen ist, wird die Lage und Situation der Menschen im Krisengebiet – auf beiden Seiten -, auf eine unverhüllte und ungeschönte Art und Weise beschrieben.

    „Alle glauben mitreden und urteilen zu können“

    Dieser Gedanke bringt es auf den Punkt: Mitreden und urteilen, ohne Wissen, Verstehen und Innehalten, verzerrt Wirklichkeit.

    Das Interview mit Herrn Carlo Strenger und Herrn Schneider, sowie der Text hier, sind empfehlenswert, lesenswert, eröffnen eine veränderte Sicht auf die Geschehnisse im Krisengebiet, auf die Menschen, die Politiker, auf die Dauerkonflikte, aber auch auf Auswege aus der Krise….

    Danke

    • Diesem Kommentar kann ich mich nur anschließen!
      Vielen Dank Herr Schneider und Ihrem Team für die objektive und klare Berichterstattung, den Beiträgen, den Interviews, allein dass Sie die ganze Zeit vor Ort sind, viele schlaflose Nächte, sehr viel Arbeit…..besser und engagierter geht nicht!!!

    • Ich kann mich nur der Meinung von Herrn Lappe und Frau Stöhr-Ackermann anschließen, dass das ARD Studio in Tel Aviv sehr zu beglückwünschen zu seiner Arbeit zu beglückwünschen ist.
      Ich bin froh, dass Herr Schneider und seine Kollegen so intensiv und vielfältig aus dem Nahen Osten berichten, denn es fällt tatsächlich schwer die vielen Facetten des Konfliktes zu begreifen, wenn man nie vor Ort war.
      Da ist es umso wichtiger, dass das Team in Tel Aviv möglichst viele Seiten beleuchtet: Carlo Strenger, Avraham Burg und auch Siedler in Hebron.
      Eigentlich bin ich ein großer Fan von Aljazeera English, doch wer die Berichterstattung zum Gazakrieg verfolgt hat, dem musste klar sein, dass AJE eindeutig versucht hat die Meinung zu Gunsten der Hamas zu lenken. Es gab weniger Hintergrundberichte, sondern eher hoch emotionale Bilder vom menschlichen Leiden aus Gaza.
      Daher noch einmal ein großen Dank an das ARD Studio Tel Aviv.

  3. “ Alle glauben mitreden und urteilen zu können “ – „die nie im Nahen Osten waren“

    … und so habe ich mir mittlerweile angewöhnt, vor jeder ellenlangen Diskussion genau das zu erfragen.
    … und sehr häufig die Antwort bekommen “ Nein – und da will ich auch gar nicht hin.
    … oder “ 1 Mal – dann und dann (in einer „geschlossenen Gruppe“) „.

    „Das ARD-Studio Tel Aviv … ist ein Biotop “

    Solche Biotope gibt es in einigen Berufen. Und sie machen Lust auf mehr !

    • Lieber Herr Schneider,

      auch meinen Dank.

      Ich kann Ihnen nicht oft genug sagen, wie sehr ich Ihre Arbeit schätze – und natürlich ist Kritik manchmal auch eine Art Wertschätzung.

      Und das Gefühl mit Leuten reden zu müssen, die sich eine Meinung anmaßen, ohne auch nur Spuren von Sachkenntnis mitbringen, aber gleichzeitig einen sehr belehrenden Ton anlegen – auch das kenne ich.

      Man spürt ihrem Text ab, dass die „Heimatfront“ in diesem Krieg für Sie als Journalisten keineswegs die unproblematischte ist. Dass man ständig versucht zu analysieren, zu interpretieren auch zu sensibilisieren – und Sie dann tonnenweise feedback bekommen, in dem Sie einfach als Vertreter der „Mainstreammedien“ alternativ der jüdischen Weltverschwörung oder des antisemitischen Israelvernichterkartells zugehörig gestempelt werden.

      Da fragt man sich schon: Wofür mache ich das eigentlich, wenn mir sowieso niemand zuhört, sondern jeder seine Meinung schon vorher hat, und sich weder durch Worte, noch Bilder noch Fakten in irgendeiner Richtung stören lässt.

      Aber lassen Sie es sich gesagt sein: Den aufmerksamen Zuhörer erkennt man eben gerade daran, dass er nicht sofort antwortet, dass er nicht im Handumdrehen kommentiert – sondern dass er innhält und nachdenkt.

      Meine Antwort auf ihren Stoßseufzer auf Twitter über die menschenverachtende Rechthaberei in Islam, Christentum und Judentum brauchte auch bis heute.

      Liebe Grüße und weiter so!
      Heidelbaer

    • „Meine Antwort auf ihren Stoßseufzer auf Twitter über die menschenverachtende Rechthaberei in Islam, Christentum und Judentum brauchte auch bis heute.“ (Heidelbaer)

      Ich habe Ihre Antwort auf philippika gelesen. Sie fragen dort nach der Last und dem Übel der Monotheismen. Sie stellen dies so dar, als gebe es eine freie Wahl zwischen Monotheismus und Polytheismus, so wie es in der Wirtschaft die Möglichkeit des Kommunismus oder des Kapitalismus gibt. Wenn sich Gott als EIN Gott ohne Nebengötter offenbart, so ist für diejenigen, die die Offenbarung empfangen haben, Polytheismus, Atheismus usw. keine Option mehr. Dann ist Monotheismus alternativlos.

      Im Moment der Offenbarung sind die Dinge klar, aber wir Menschen verlieren die Klarheit des ersten Momentes, dieses „erste Licht“, von dem auch in der Schöpfungsgeschichte die Rede ist, nur allzuleicht wieder und schütten es zu mit allerlei menschlichem Blendwerk. Jene Klarheit/Licht lässt sich jedoch immer wiederfinden, wenn wir danach suchen, und in dem Mass, in dem wir aufrichtig danach suchen, als Individuen, als Gemeinschaft von Individuen, als Gesellschaft, Nationen, Völker… können wir uns des Segens dieses Einen Gottes wieder bewusst werden, und alles kann/könnte gut werden.

    • Sie haben natürlich völlig recht: Wenn es (nur) einen Gott gibt, ist er alternativlos. Im eigentlichen Sinne des Wortes. Nur betrachte ich das eben geistesgeschichtlich: Ist nicht gerade der Begriff „alternativlos“ in unserer politischen Debatte ein Mittel zur Durchsetzung unpopulärer, womöglich ungerechter Maßnahmen? Liegt die Wurzel der Diktatur, der Intoleranz, der „Alternativlosigkeit“ in unserer monotheistischen Religion begründet?
      Jan Assmann, ein Heidelberger Religionsgeschichtler und Ägyptologe hat das behauptet (er spricht von einer „intrinsischen Gewalttätigkeit“, und die öffentliche Diskussion hat sich mit einer erstaunlichen Begeisterung auf diese These gestürzt. Sie wurde auch von jenen aufgegriffen und wiederholt, die die Ursprungsdebatte gar nicht kennen oder verfolgt haben.
      Einfach, weil es so schlüssig ist: Gerade am Nahostkonflikt sind ausschließlich die monotheistischen Religionen beteiligt, er ist extrem gewalttätig (so die öffentliche Wahrnehmung) und überhaupt: Kreuzzüge, Islamismus und jüdische Landnahme! Wer will da noch gegenan argumentieren?
      Und dann ist es auch noch so hip und modern! Man findet Indien und Buddhismus und die Indianer sowieso viel friedlicher, viel spiritueller und viel toleranter als die bösen Kirchen, die eigenbrötlerischen Juden und die fanatischen Muslime.
      Bei einer solchen Gemengelage von gefühlter Wirklichkeit möchte man mit R. C. Schneider seufzen: Dagegen kommt man mit Fakten nicht mehr an. Dass Indien als toleranter Polytheistischer Staat gerade mit der Wahl einer Hindhu-Regierung sehr wohl ein massives Gewaltproblem hat, nach außen wie nach innen. Dass China als Heimat des Buddhismus über Leichen geht in Afrika, nach innen eine brutale Diktatur gerade gegen ethnische und religiöse Minderheiten und Dissidenten ist und im Chinesischen Meer sich militärisch gerade mit allen Nachbarn gleichzeitig auf massive Provokationen einlässt – das spielt keine Rolle.
      Auch historisch ist das alles ziemlich gewagt argumentiert. Im Polytheismus gibt es den Kampf im Himmel zwischen guten und bösen Göttern oder zwischen den Göttern der einen gegen die der anderen – und auf der Erde findet das dann eben als Abbildung statt, ob wir die Ilias lesen oder andere Mythen: Ein Hort friedfertiger Gewaltlosigkeit ist der polytheistische Götterhimmel nun wirklich auch nicht.

      Heidelbaer

  4. Ich gehöre zu den lebhaftesten Kritikern. Das ist möglich und m.E. auch nötig bei gleichzeitig grundsätzlicher Zustimmung und Anerkennung für die Herausforderungen (Dauerstress, Schlafmangel, Gefahren) der Berichterstattung zu Kriegszeiten:

    1. Zum Anspruch der Objektivität

    „“Neutralität“ und “Objektivität“ werden von uns Journalisten erwartet, doch im Alltag des Nachrichtenproduzierens erweist sich dieses Ziel oft fast als unerreichbar.“

    Das Ziel, neutral und objektiv zu sein ist IMMER unerreichbar, nicht nur für Journalisten oder besonders im Krieg.

    „Nicht, weil wir Partei ergreifen…“

    Niemand ist neutral. Jeder ergreift Partei.

    2. Für wen spricht Herr Schneider?
    a) Nur sich selbst
    b) Sein ihm direkt unterstelltes Team
    c) Das gesamte Studio der ARD

    Er spricht für die Arbeit des gesamten Studios der ARD in Tel Aviv/Hebron/Gaza. Es ist beeindruckend und bewundernswert, dass das Miteinander zwischen den unterschiedlichen kulturellen, religiösen, politischen, kurz: identitären Befindlichkeiten aller Mitarbeiter so gut läuft und als Teamleiter ganz sicher auch Herrn Schneiders besonderes persönliches Verdienst.

    Auf der anderen Seite muss gesagt werden, dass das Funktionieren des Teams darauf beruht, dass das Miteinander säkular ist. Darin liegt seine „Objektivität“ und seine Fähigkeit zu einem friedlichen Umgang miteinander. Niemand trägt eine Kippa, rollt den Gebetsteppich aus, kommt irgendwie verschleiert ins Studio oder ist nur beschränkt einsatzfähig aufgrund religiöser Gesetze/Bräuche. Trennende Religion wird ausgeklammert. Nur so geht es, und alle sind glücklich damit.

    Verheisst Säkularität jedoch Objektivität? Wird sie auf diese Weise besser erreicht? – Ich halte diese Vorstellung für eine (Selbst)täuschung, auf die man sich in gegenseitigem Einvernehmen unter Zustimmung der Öffentlichkeit geeinigt hat.

    Das heisst, ich nehme jeden einzelnen Korrespondenten auf jeden Fall immer subjektiv urteilend wahr. Es lässt sich vielleicht sagen, dass die Summe subjektiver Einschätzungen ein insgesamt möglichst objektives Bild zeichnen (soll, kann). Nicht mehr und nicht weniger.

    3. Was ändert der Krieg?

    Selbst die Behauptung, die Berichterstattung sei im Krieg anders als zu Zeiten des Waffenstillstands – oder gar Friedens zwischen Israel und seinen Nachbarn, ist Propaganda. In der Information liegt Macht. Meinung stärkt, oder Meinung schwächt. Information wird immer vorenthalten oder breit gestreut, um zu lenken und zu manipulieren. Die Korrespondenten stehen nur in der zweiten Reihe, wenn sie verfügbare Informationen an uns weitergeben. Die Kontrolle der Quellen liegt nicht in ihrer Hand.

    Während des Krieges *wissen* wir, dass Informationen von Politik und Militär bewusst zurückgehalten werden und dass auch Falschinformationen bewusst gestreut werden können, um „den Feind“ zu verwirren. Dieses Wissen macht uns misstrauisch, kritisch, und mit diesem Blick kommen wir der Wahrheit näher als in Zeiten, da wir vertrauensvoll jede Information, die an uns herangetragen wird, für wahr halten.

    „die vielen verschiedenen Wahrheiten“ – Es hilft, sich zu vergegenwärtigen, dass es diese lästige Wahrheit wirklich gibt und dass sie sich für den, der nach ihr sucht, finden lässt, im Grossen wie im Kleinen. Im Grossen können wir sie niemals ganz erfassen, aber das macht sie nicht minder wertvoll. Im Kleinen lässt sie sich finden, umzingeln, benennen – selbst im Krieg. „Ich weiss es nicht“, „Wir wissen es nicht“, „Niemand kann es im Moment sagen“… auch das ist Wahrheit und sehr viel wertvoller als ein sich sicher Wähnen angesichts einer Täuschung.

    4. Über Bild, Text und Meinung

    a) Welche Rolle spielen die Bilder?
    b) Welche Bedeutung kommt den Texten zu?
    Die Bilder sind mächtig. Keine Frage. Daran besteht kein Zweifel. Sie graben sich in unser Gedächtnis, und je schockierender (überraschender) sie sind, desto mehr wirken sie in uns nach. Aber die Worte – für diejenigen, die lesen und hören können – regen unser Denken an. Wir antworten auf Worte mit Worten, formulieren unsere eigenen Gedanken, bilden eine reflektierte Meinung, die letztlich nachhaltiger wirkt als die Bilder in ihrer sehr unmittelbaren, jedoch tendenziell auch flüchtigen Sprache. Wäre dem nicht so, wäre c) Zensur nicht nötig.

    c) Zensur
    Alle, die regelmässig auf der Hauptseite von tagesschau.de kommentieren, können ein Lied singen von der Zensur, die dort stattfindet. Nein, sie betrifft nicht die Regeln der Netiquette, sondern Meinungen und Ideen, die nicht gesagt werden sollen/dürfen. Ich empfinde solche Zensur als enormen Affront gegen meine Meinungsfreiheit und die Demokratie, auf die wir so stolz sind.

    d) Liveblog/twitter-Meldungen
    „Wir wissen, dass unser Team Bilder nicht manipuliert, Informationen nicht fälscht.“
    Das finde ich sehr beruhigend, und ich vertraue, dass dies so ist. Das Team unterhält jedoch auch den Liveblog zum Krieg, und dort wird geprüftes und nicht geprüftes, fabriziertes und authentisches Material ungefiltert an den follower weitergegeben, so dass ich es streckenweise als Beleidigung der kritischen Intelligenz der User erlebe. Von einem Anspruch auf Objektivität und Neutralität kann dort keine Rede sein. Ich kann bei einigen der aus Gaza twitternden Aktivisten mit politischer Agenda als kleiner User nicht einmal sicher sein, ob sie real existieren und in dem Moment erleben, was sie schildern.

    Ich habe den Eindruck, dass Herr Schneider nur Infos von verifizierten und verifizierbaren Quellen weitergibt. Manche seiner Kollegen treffen ihre Auswahl hingegen eher entsprechend dem Bild, dass sie subjektiv gerne vermitteln möchten, ohne Prüfung der Quellen oder ein Bemühen um Nüchternheit. Meine natürliche Empathie angesichts des Leidens der palästinensischen Bevölkerung erstarrt vor dem Hintergrund dieses Vorgehens zu Eis.

    5. Rezeption der Berichterstattung

    Jeder einzelne Korrespondent berichtet individuell und subjektiv. Das ist menschlich und ganz normal. Alle Zuschauer und Zuhörer reagieren auf die Berichterstattung mit der gleichen Menschlichkeit. Sie sehen und hören durch ihre eigene Brille, und werden entsprechend Ge- oder Missfallen an den Berichten des Einen oder der Anderen finden, Einseitigkeit zur einen oder zur anderen Seite beanstanden.

    Ich glaube nicht, dass jeder Recht hat und haben kann, aber es steht jedem eine eigene Sicht auf die Dinge und eine eigene Meinung zu. So ist unsere Welt rund und bunt. So leuchten die Farben unserer Freiheit.

    6. „Wie also texten? Wie gegen die Macht der Bilder, aber auch gegen die Urteile und Vorurteile der Zuschauer in Deutschland antexten? Gegen…“

    Mein persönlicher Tipp 🙂 : „Gegen“ nichts und niemanden „antexten“, sondern sich an die Wahrheit und an die Fakten, auch das scheinbar irrational oder vielmehr super-rational Faktische halten. Dieses tun, nach bestem Wissen und Gewissen – und unbedingt frei von Zensur, auch Selbstzensur…

    … All else will fall into place.

    • Sehr guter Kommentar, an dem ich trotz akribischer Suche nichts auszusetzen finde.

  5. Vielen Dank, Herr Schneider, für die bewegenden Beiträge und Videoblogs, die Sie für uns täglich aus der Krisenregion produzieren. Sie und ihr Team leisten hervorragende Arbeit. Kein anderes Korrespondententeam der ARD liefert derart detailliertes und objektives Hintergrundmaterial.

  6. Dieser Text und das Interview mit Carlo Srenger. Zwei Sternstunden der Nahost-Berichterstattung.

    Ich kritisiere ja auch hin und wieder sachlich die Israel-Berichterstattung der ARD, aber wo Lob angebracht, muss man auch mal loben!

  7. @ joerg

    „Ich kritisiere ja auch hin und wieder sachlich die Israel-Berichterstattung der ARD, aber wo Lob angebracht, muss man auch mal loben!“

    Die Berichterstattung ist asymmetrisch. Herr Schneider bezieht das Team in seinen eigenen Anspruch mit ein, aber es ist doch bemerkenswert, dass er selbst beide Seiten zeigt und auch immer wieder auf die Auswirkungen des Krieges verweist (Antisemitismus), während Herr Verenkotte mit grosser Unermüdlichkeit das Leiden der Palästinenser unter der überstarken Militärmacht Israels unterstreicht und dabei das Leiden und die Last dieses Krieges auf der israelischen und jüdischen Seite kaum erwähnt.

    Was ist mit den Familien der gefallenen Soldaten, die ihre Kinder ganz sicher nicht zum Hass oder für einen Märtyrertod erzogen haben? Man kann die Kamera auch auf die Trauer dieser Familien halten.

    Herr Verenkotte ist nicht der einzige, der die „Schuld“ an diesem Krieg und an den Opfern klar auf der israelischen Seite sieht. Sachlich und objektiv ist das nicht. Mich empört solche Einseitigkeit nicht wenig. Damit bin ich wohl auch allein.

    „Wie also ist dieser Angriff [UNRWA-Schule/n] dann zu werten? Rechtfertigt die Tatsache, dass an diesem Ort möglicherweise tödliche Waffen versteckt wurden, die Israelis umbringen sollen, zivile palästinensische Opfer? Gelten in einem asymmetrischen Krieg noch die Regeln und Gesetze konventioneller Kriege?“ (aus dem hoch gelobten Text ;-))

    Besonders, da es sich um einen so ungleichen Krieg handelt, ist es doch wichtig, sich mit einer Wertung der Kriegsführung möglichst zurückzuhalten und sich auf die Weitergabe möglichst vollständiger Fakten zu konzentrieren und zu beschränken, so dass der Zuschauer eigene Schlüsse ziehen kann.

    Es ist offensichtlich, dass in einem asymmetrischen Krieg nicht mehr die Regeln und Gesetze konventioneller Kriege gelten können. Bedauerlicherweise wurde die Dynamik solcher Kriege von Organen wie dem ICC nicht vorgesehen. Die Hamas macht sich das zunutze. Israel bleibt nur, die internationale Wertung zu ignorieren und, wie von C. Strenger im von anderen Usern genannten Interview beschrieben, so viel wie möglich zu dokumentieren.

    • „Die Berichterstattung ist asymmetrisch.“

      Das stimmt. Allerdings ist mein Eindruck, dass sie deutlich weniger asymmetrisch ist als noch im letzten Konflikt. Und auch wenn noch viel Luft nach oben ist, sollte man die Verbesserung doch als solche anerkennen.

      Was das Dokumentieren angeht, mag das für judikative Einrichtungen richtig und wichtig sein. Die öffentliche Meinung kann es nicht beeinflussen, dagegen erzeugen Bilder Stimmungen, weil Bilder vom Gehirn nicht vorausgewertet werden, bevor sie rezipiert werden. Deshalb hat ein normaler Mensch auch Mit-Leid mit den Palästinensern. Er kann nur die Gefühle mit dem Verstand unterdrücken und durch Schuldzuweisungen beruhigen.

    • @ Rainer Unsinn

      „… sollte man die Verbesserung doch als solche anerkennen.“

      Das mache ich schon auch… even if I’m less vocal about it than the majority. 😉

  8. Nach dem Motto dieses Blogeintrags verabschiede ich mich aus diesem Blog.

    Gegen die „Netiquette“ sind meine Kommentare machtlos! :roll:

  9. Gerade ein Text, der im richtigen Moment hinzugefügt oder einem Bild (Foto, Film) gegenübergestellt wird, vermag viel mehr zu bewirken, als ein Bild das jemals vermag.

    Gegen die Bilder ist ein (Euer) Text machtvoll!

    Gruß
    Thea

  10. Seit Jahren schätze ich die Berichte des ARD Studios aus Israel und den palästinensischen Gebieten als fair, objektiv und informativ. Insbesondere auf den Blog „Zwischen Mittelmeer und Jordan“ freue ich mich immer wieder. Für diesen unbedingten Willen zur objektiven Information, wie er hier von Herrn Schneider beschrieben wird, bedanke ich mich ausdrücklich.

  11. Ein Beispiel: Die ARD hat uns Korrespondenten angewiesen, aus Sicherheitsgründen im Augenblick nicht nach Gaza zu gehen. Doch wir haben ein palästinensisches Team dort. Wir sind im ständigen telefonischen Kontakt, bestellen Storys, Bilder, Informationen, die wir dann im Studio zu Stücken zusammenstellen. Wir wissen, dass unser Team Bilder nicht manipuliert, Informationen nicht fälscht. Nur auf diese Bilder können wir uns verlassen, nur bei diesen Bildern wissen wir, dass sie das zeigen, was wir sehen.

    Lieber Herr Schneider,
    der Ausschnitt aus Ihrem Blog besagt, daß Sie sich auf die Wahrheit des Materials aus Gaza sozusagen blind vertrauen können. Trotz des Einflusses, der Fälschungen und der Bedrohungen durch Hamas und deren Helfershelfer auf die Journalisten vor Ort??? Und es sind ja auch Palästinenser, die Ihnen das Material bringen. Alles aufrichtige, ehrliche Journalisten, die kein X für ein U vormachen??? Sicher?
    Kein nachhaltiger Druck von Seiten der Terroristen auf ihre Leute vor Ort? Ich bin sehr im Zweifel.
    Übrigens, selbst die UNWRA hat drei auf ihren Einrichtungen versteckte Raketendepots mittlerweile zugegeben – und an die Gaza-Offiziellen (die Hamas) übergeben. Wer hinterfragt eigentlich einmal die Rolle dieser in vielen Aktivitäten dubiose Organisation in Gaza und ihre Verquickungen mit Hamas und anderen Terrororganisationen, die die UNWRA-Einrichtungen als Depot benutzen, in deren Schulen Haß auf Israel zum Lehrstoff gehört, und die seit vielen Jahrzehnten das Elend in Gaza „verwaltet“ und deren englischer Pressesprecher auch nur hilflos vor sich hinsabbelt und den Aggressor Israel im Sinn hat?

    • Herr Wolski,

      das ausgesprochene Vertrauen von Herrn Schneider bezog sich auf sein Team, mit dem er schon so lange zusammenarbeitet. Und dieses beinhaltet auch die Palästinenser, die für die ARD in Gaza arbeiten. Im Text von Herrn Schneider steht das explizit: Nur diesen Quellen kann er / das Team blind trauen !

  12. Wie ironisch, dass ein Artikel, der Objektivität thematisiert, so haarsträubend einseitig sein kann.
    „Die Erfahrung aus den anderen Kriegen in Gaza hat gezeigt, dass Agenturmaterial, das aus Gaza kommt, häufig von der Hamas zensiert wird.“
    Was ist denn mit Israelischer Zensur, die im Krieg in 2008 überhaupt keine Journalisten nach Gaza reingelassen hat, damit diese lediglich aus sicherer Entfernung in Sderot die Staubwolken fotografieren können, und ja keine Gesichter, Körper – keine ermordeten Menschen, Kinder – zu sehen bekommen?

    Es wird wieder Hamas hier, menschliche Schutzilde da nachgeplappert, wobei die Armee die bewiesen, konsequent und jahrelang u.a. Zivilisten auf Autos fesselt und als menschliche Schutzschilde benutzt, die IDF ist.

    Es wird eine der mächtigsten Militärmaschinerien der Welt der Widerstandsbewegung gegen eine illegale und mörderische Besetzung gleichgestellt – weil Objektivität.

    Die Unbequemlichkeit, kurz mal die Parties in Tel Aviv wegen Sirenen unterbrechen zu müssen, wird gleichgestellt mit dem Völkermord in einem besetzen Gebiet – weil Objektivität.
    „Da wird sogar das Wetter zum Problem, gerade für die israelische Seite: Die Sonne scheint, die Bäume sind grün, die Häuser sind mehr oder weniger unbeschädigt.“
    Heißt das, sie hätten die Realität doch gerne etwas anders dargestellt als sie wirklich ist? Etwas „objektiver“, damit die sowohl unmittelbare als auch jahrzehntelange Zerstörung Palästinas im Vergleich nicht so furchtbar erscheint? Glücklicherweise sind gegen die Bilder solche Texte in der Tat machtlos. Die Bilder sprechen schon für sich selber.

    • @Wayne, ich glaube, Sie haben nicht von dem Artikel von Herrn Schneider verstanden.

    • „Es wird wieder Hamas hier, menschliche Schutzilde da nachgeplappert, wobei die Armee die bewiesen, konsequent und jahrelang u.a. Zivilisten auf Autos fesselt und als menschliche Schutzschilde benutzt, die IDF ist.“
      Wenn Sie ernsthaft bezweifeln wollen dass die Hamas ihre eigene Bevölkerung als menschliche Schutzschilde missbraucht ist Ihnen nicht zu helfen. Ich gehe also davon aus dass Ihr Argument ist „aber die IDF fesselt Zivilisten auf Autos, das sind auch menschliche Schutzschilde“.
      Der Unterschied: In Israel gibt es eine öffentliche Diskussion über solche Dinge, es werden solche Praktiken verboten, es werden die entsprechenden Personen verurteilt. In Gaza bedroht die Hamas Personen die entsprechende Infos rausgeben (Journalisten, „Kollaborateure“).

      „Die Unbequemlichkeit, kurz mal die Parties in Tel Aviv wegen Sirenen unterbrechen zu müssen, wird gleichgestellt mit dem Völkermord in einem besetzen Gebiet – weil Objektivität.“
      „Heißt das, sie hätten die Realität doch gerne etwas anders dargestellt als sie wirklich ist?“
      Nein. Lesen Sie den Artikel. Es geht darum dass es Gründe gibt warum wir nicht täglich von Toten in Israel lesen. Nicht weil die Hamas es nicht wollte, sondern weil Israel Maßnahmen trifft um seine Bevölkerung zu schützen (Iron Dome, Bunker). Es geht darum, dass die Situation Auswirkungen auf die Menschen hat die dort leben. Oder wollen Sie gerne dauernd in Bunker rennen und hoffen dass der Iron Dome alle Raketen erwischt. Es geht darum, dass es schwierig ist die israelische Seite dem 0815 Fernsehzuschauer zu vermitteln wenn alles so nett und ruhig aussieht (QED).

  13. Was ist denn mit Israelischer Zensur, die im Krieg in 2008 überhaupt keine Journalisten nach Gaza reingelassen hat, damit diese lediglich aus sicherer Entfernung in Sderot die Staubwolken fotografieren können, und ja keine Gesichter, Körper – keine ermordeten Menschen, Kinder – zu sehen bekommen?

    Wenn ich das hier oben lese, frage ich mich wesen Geistes Kind dahinter steckt? Kann ja nur ein Hamas-Lover und Israel-Hasser sein.
    Sagen sie das mal den Bewohnern von Sderot, daß sie in „sicherer Entfernung“ wohnen. Das ist schon grotesk, ihre selektive Wahrnehmung, die dann selbstredend die Realität vor Ort ausblenden muß. In das gleiche Schema paßt ja auch der Hinweis von den „ermordeten Menschen“. Ja was, es ist Krieg, Israel hat einige Tage dem Raketenbeschuß nur mit Einsatz des Iron Dome abgewehrt, jedoch die Eskalation im Beschuß mit gezielten Luftschläge und später mit der Zerstörung diverser Tunnels nach Israel (die grenznahe „sichere Entfernung“). Die Zivilbevölkerung wurde durch vielfältige Maßnahmen wie Telefonanrufe, Abwurf von FLugblättern oder Abbruch von Aktionen soweit wie möglich außen vorgehalten. Aber ihre Freunde von Hamas legten ja großen Wert auf menschliche Schutzschilde, haben dias Ausweichen in nicht umkämpfte Gebiete unterbunden, ebenso die Behandlung in der grenznahen israelischen Klinik. Sehen sie, daß ist der große Unterschied zwischen einem mörderischen Toteskult wie Hamas, der seit dem Auszug Israels aus dem Gazastrip vor vielen Jahren (Peace for Land) die Rechte und die Daseinvorsorge der Bevölkerung im Strip mit Füssen getreten und im Grunde nur für den Krieg gerüstet hat, und einem Land wie Israel, daß sich um die Sicherheit seiner Leute wirklich kümmert und Vorsorge soweit wie möglich trifft (Shelter, Iron Dome, usw.). Klar ist mir, daß das Freunde von Hamas, Israel-Hasser oder Antisemiten überhaupt nicht interessiert. Um so wichtiger ist, daß Israel einige Ziele jetzt erreicht: weitgehende Auslöschung der Hamas-Kommandostruktur, Demilitarisierung des Strips und bei Öffnung diverser Grenzübergänge (wie jetzt angekündigt) mit einer lückenlosen Kontrolle der eingeführten Güter, speziell dahingehend, was ist waffenfähig oder kann zum Festungsbau/Tunnels eingesetzt werden. Das ist übrigens auch die Position Ägyptens, dem anderen direkten Nachbarn an Gaza.
    Israel hat jedes Recht und jede Legitimierung sowie die Verpflichtung, das Land und seine Bewohner unter allen Umständen zu schützen, wie jedes andere Land zudem auch.

  14. Lieber Herr Schneider, lieber Herr Rosch, liebes ARD-Team in Tel-Aviv,

    vielen Dank für Ihre unermüdliche Arbeit. Die Anstrengung, ein möglichst objektives Bild der manchmal verworrenen Lage zu zeichnen und ein paar rote Fäden einzuflechten ist Ihnen anzumerken.

    Ich glaube, Sie bräuchten da unten ein paar Leute mehr und dafür sollte man ein paar Hansel aus der Zentralredaktion anderweitig einsetzen. Mich ärgert immer, was Texter da aus vorhandenen Infos machen bzw. ehe nicht machen. Das was von der Zentralredaktion rausgehauen wird ist im Vergleich zum Studio Tel-Aviv Grümpelturnierklasse.

    So ein Text wie der Ihre da oben, sollte auch direkt auf tagesschau.de kommen. Das würde die Qualität dieser „News“-Seite erheblichst steigern.

    Danke also nochmal für die Arbeit des Teams und speziell für die Arbeit von Herrn Schneider, dessen Engagement real spürbar ist.

    • @ Andre

      Ja, ich finde auch, dass das „RCS-Team“ z.Zt. die allerbeste Arbeit macht .
      Ja, auch die Sondersendung „Mut zum Frieden“, letzte Woche und “ so gemein spät (mal wieder…) ausgestrahlt“ , war klasse.

      In einem Vortrag vor wenigen Wochen ( „Nahost-und Friedenspolitik im Nahen Osten“ , lange angesetzt, über die „Deutsch-Israelische-Gesellschaft“ ) sagte der eingeladene Politiker – der ca. 10 Jahre in Jerusalem gelebt hatte und „mit allen Wassern gewaschen war“ – dass Leserbriefe u.ä. (auch wenn man nie eine Antwort bekäme) durchaus Wirkung hätten !!!
      Und so habe ich am Wochenende eine kurze Email an die ARD raus gelassen (und heute eine Antwort bekommen).
      Ob`s hilft ???

  15. “ Gegen die Bilder ist unser Text machtlos “ …

    … und manchmal auch gegen die „Gerüchteküche“ oder was der Mensch sich so zu recht spinnt …
    Braucht jemand was zum Lachen (obwohl`s auch zum Heulen sein könnte) : könnte er den gerade gelesenen Artikel in der „Die Welt“ „An allem ist der Mossad schuld“ lesen – viel Spass !

  16. Die Berichterstattung durch die ARD Tel Aviv ist gut. Nachrichten werden aktuell gesendet. Hintergründe, also Dokumentationen wurden früher mehr gebracht. Nachrichten werden heute mehr in einem Doku-Format präsentiert, allerdings sprechen Bilder nicht für sich. Insgesamt ist die journalistische Arbeit der ARD Tel Aviv gut, besser ist, mehr über die israelische Tagespolitik zu bringen. Deswegen sind die Blog-Interviews mit Themen aus der israelischen Politik, Religion und Gesellschaft sehr interessant.

    Im neuen Interview mit Mohamed Shtayyeh wurde wieder die selektive Wahrnehmung und Darstellung durch das palästinensische Elitenprojekt (asymetrische Strategie der Kommunikation) erkennbar, und eben nicht nur Fragen des Interviewers. Eigentlich hat Herr Shtayyeh keine neuen politischen Signale gesendet, keine Distanzierung vom Terrorismus vorgenommen. Bedauerlich ist, daß ein hochrangiger palästinensischer Politiker nicht aus der irrationalen Rechtfertigung politischer Gewalt aussteigen kann, wegen der falschen Annahme sein Gesicht zu verlieren. Warum stellt er sich an die Seite der Hamas, islamistischer Roter Khmer? „Re-Arrange the scene“ (Willy Brandt) bedeutet eben nicht auf fortschreitende Gewalt (islamistischer Terror, antisemitischer Terrorismus) als politisches Mittel zu setzen.

  17. Danke dem ganzen Team, das jetzt wohl in einem etwas sichereren Notstudio oder unter feldmäßigen Bedingungen fast rund um die Uhr über Wochen arbeiten muß. Alleine diese Arbeitsbedingungen können wir uns hier nicht vorstellen. Dazu kommt eine Flut von Bildern und Berichten, die für die, die sie filtern müssen in ihrer Fülle und in ihrer Grausamkeit kaum erträglich sind. Danke , dass dies für uns Zuschauer geschieht. Aber was machen diese Bilder mit denen, die damit arbeiten müssen. Es gibt keinen Knopf im Kopf den wir auf “ löschen “ schalten können. Wie kann man die Angst vermitteln, der die Menschen in Israel und Gaza permanent ausgesetzt sind ?
    Wir hier in Deutschland vor unseren Fernsehern mit Chips und Pantoffeln wissen ja, dass sie uns nicht betrifft. Es ist fürwahr schwierig nicht nur die Ausgewogenheit bezüglich der Kriegsparteien zu vermitteln als auch die Wahrheit des Krieges den Menschen in ihren Fernsehsesseln nahe zu bringen. Zu sehr ist der Zuschauer gewohnt, dass alles Blut nur Theaterblut ist und das Tote nur zu einem Aktionfilm oder Krimi gehören. Aber der Krieg ist Realität wie die Angst und die Leichen und die Zerstörung

  18. Ungläubig

    Lärmende Stille tost in meinen Ohren.
    Ich schliesse sie,
    der Lärm wird nur lauter.
    Trümmerhaufen der Verzweiflung.
    So weit das Auge reicht
    Tod und Vernichtung,
    nirgends ein Laut.
    Wo ist das Leben?
    Was ist aus der Hoffnung
    geworden?
    Ein Leben in Ketten,
    dem der Friede nichts nützt.
    Krieg, Krieg, Tod und Verzweiflung.
    Lärm, Lärm – kein Laut. –
    Der Gordische Knoten
    durchtrennt.
    Gestorben ist die Freiheit,
    verloren das Glück.
    Wer will es erklären?
    Wer kann, wer soll es erklären?
    Wer kann die Last tragen?
    Wie soll das Herz es verkraften?
    Drückende Stille,
    fort, kein Laut.
    ‚Er nützt Dich aus,
    er liebt nur Deine Gedanken.
    Du bist die Muse, die inspiriert.‘
    Lärm in meinen Ohren.
    Nein, nein, neiiin!
    Gott würfelt nicht – nie.
    Drückende Stille,
    fort, kein Laut,
    Stille um Stille
    Lärm in der Stille
    St-ille, ille ille, illy,
    Lily

    • Gott würfelt nie! Stimmt! Er lässt auch schmerzhafte Prüfungen/Lektionen zu, durch die wir Weisheit erlangen können. Und man kann ihn bitten, den Schmerz wegzunehmen. Ich hoffe, das wirkt jetzt nicht wie Besserwisserei. Ich wollte nur meine Erfahrungen teilen, weil Ihr Post so bewegend ist.

    • „Er [Gott] lässt auch schmerzhafte Prüfungen/Lektionen zu, durch die wir Weisheit erlangen können.“ (Tikva)

      So wie dereinst Menschen, die auf die entseelte und entmenschlichte Bedeutungslosigkeit von Nummern reduziert wurden? Welche „Weisheit“ kann der Mensch denn dadurch erlangen? Wer würde einem anderen eine solche „Lektion“ erteilen wollen und zu welchem Zweck? –

      Ihre Worte sind und bleiben ohne Sinn. Vielleicht möchten Sie das näher erklären?

      Gott begegnet uns nicht so, wie Menschen einander begegnen können. Wir begegnen Gott durch Zeichen, durch andere Menschen, durch Gefühle, im Gebet, jedoch nicht in einer für uns greifbaren ‚menschlichen‘ Weise.

      Menschen aber haben Augen, um zu sehen und lesen, um wahrzunehmen, Ohren, um zu hören, Haut und Hände zum Fühlen, (Be)greifen, Schreiben, Machen, einen Mund zum Sprechen. Unsere zwischenmenschlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten können wir heute durch das Internet noch multiplizieren. Entfernungen fallen weg. Die Menschen müssen einander nicht einmal mehr aus den Augen verlieren, können auf Knopfdruck füreinander erreichbar sein – in der „zivilisierten“ Welt, auch wenn dadurch die Grenze zwischen Tag und Nacht, zwischen Hier und Dort immer stärker verwischt.

      Es mag unsere Seele zuweilen überfordern, was alles und dass das alles in dieser neuen Realität möglich ist. In der „neuen Welt“ wird diese Unmittelbarkeit „Standard“ sein. Jetzt sind wir ihr noch nicht so recht gewachsen. Wir sind trotz allem gefangen in Zeit und Raum, die für uns sowohl Hindernis als auch Schutzraum sind. Ganz ohne diese Barrieren geht es nicht.

      Für die Verneinung des Lebens und des Seins eines Nächsten gibt es sicher Gründe. Sie ist jedoch bar jeder „Weisheit“ für denjenigen, der dieser Erfahrung macht. Er kann die Gründe nur erahnen, aber nicht kennen. Diese Erfahrung ist wie eine bittere Medizin, die sich nicht schlucken lässt und deren Geschmack nicht vergehen kann.
      Ohne Sinn, ohne Weisheit, ohne Lehre und ohne Heilung.

  19. Herz,
    Schmerz,
    Krieg,
    Sieg,
    dann Stille,
    Lily

    PS:
    Sagen Sie Lily, wie weit wollen Sie noch gehen? Der Blog wurde vom BR sicher nicht eingerichtet, um die interessierten Leser und Schreiber zu lyrischem Ausdruck zu animieren. Was Sie hier zusammenzureimen versuchen, ist für einen politischen Blog nicht akzeptabel. Schon Ihre pseudotheologischen Deutungen eines „Gottesstaates“ hatten hier nichts zu suchen. Hier geht es um Fakten und um deren Beurteilung. Wie mir scheint, haben Sie auch ein Problem damit, als Nichtjüdin Zugang zur jüdischen Gemeinschaft zu finden. Aber auch das scheint mir nicht Gegenstand dieses Blogs zu sein.

    Liebe Grüße
    Caldonazzi

    Fügen Sie meinen lieben Grüßen einfach ein @gmx.at an und Sie können mit mir Kontakt aufnehmen. Es würde mich freuen.

    • @ Caldonazzi

      Finden Sie nicht, dass Sie sich mit Ihrer Beschwerde eher an die Moderatoren des Blogs wenden sollten?

      Was die sachbezogene Themenauswahl betrifft, wurden hier im Forum schon unendlich viele Dinge zwischen Himmel und Erde diskutiert: das heisst die irdisch-materielle-politische Seite sowie der religiös-spirituelle Unterbau, dem in der offiziellen Berichterstattung normalerweise keine Beachtung geschenkt wird. Ich bin nicht alleine an dieser Diskussion beteiligt (gewesen).