Fußball, Gewalt und Politik

Gewalt auf dem Stadionrasen ist im israelischen Fußball kein neues Phänomen. So, wie sich Gewalt am Mittwochabend im Bloomfield-Stadion von Tel Aviv gezeigt hat, erschreckt sie die meisten Beobachter dennoch.

http://www.youtube.com/watch?v=ZjX9zif8qkk?rel=0

Die Umstände sind übersichtlich: Ein Freistoß-Treffer von Maccabi Tel Aviv bringt einen Anhänger von Hapoel Tel Aviv in Rage, der Mann gelangt auf das Spielfeld und attackiert den Torschützen. Sicherheitsleute und Polizei schauen unverständlicherweise zu, bis der Spieler sich mit einem Fußtritt wehrt. Der Schiedsrichter stellt daraufhin den Spieler vom Platz – worauf es kein Halten mehr gibt. Zuschauer bewerfen die Spieler mit allem, was sie finden können, Polizisten rennen quer über den Platz hinter weiteren gewaltbereiten Anhängern her, Sicherheitsleute werden auf dem Rasen K.O. geschlagen.

Letztendlich wird das Spiel abgebrochen, mehr als zehn Randalierer werden festgenommen. So weit, so unsportlich. Bemerkenswert sind zwei Dinge. Erstens geht die Randale am Tag darauf auf der Straße vor dem zuständigen Amtsgericht in Tel Aviv weiter. Anhänger der beiden Vereine gehen mit Fäusten aufeinander los. Im Gerichtssaal wird die Untersuchungshaft für den polizeibekannten Hooligan um drei Tage verlängert.

Zweitens aber melden sich reihenweise Regierungsmitglieder zu Wort. Justizministerin Livni warnt vor Gewalt im Sport, “aber auch in allen anderen Bereichen der Gesellschaft”. Gewalt mache sich breit auf der Straße, im Sport und letztlich auch in den sozialen Netzwerken und “im Leben unserer Jugend”. Sportministerin Livnat nennt die Ausschreitungen “beschämend”. Bildungsminister Piron von der Partei Yesh Atid aber bescheinigt der israelischen gesellschaft eine “ernsthafte Erkrankung”, die dringend behandelt werden müsse. “Diese Behandlung wird einschneidend sein und an die Wurzel gehen müssen.” Piron sagt, eine überfällig Diskussion müsse geführt werden.

Wäre eine interessante Diskussion, wenn sich die israelische Politik trauen würde, die Dinge beim Namen zu nennen: Den Einfluss des Militärs in der israelischen Gesellschaft, die Verrohung der Sprache in der Politik und was Politik gegen Aggression unternehmen kann. Aber davor scheint Piron dann doch zurückzuschrecken.

 

Kommentieren:

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  1. Ich würde mich an der Stelle der Herrn Wagner nicht auf das Spiel Maccabi – Hapoel beschränken. Man muss sich endlich fragen: warum haben serbische und albanische Fußballnationalmannschaften vor kurzem eine Schlagerei angezetellt? Kann es sein, dass sie sich unter dem Einfluss des israelischen Miltärs standen?
    Oder vor einigen Wochen wurde ein Fussballspieler der russischen Nationalmannschaft direkt auf dem Fussballfeld krankenhausreif geschlagen.
    Ist es nicht einer Diskussion wert, ob der Täter ein Zahal-Verherrlicher war?

    “Die jüngsten Fan-Anfeindungen gegen die Fußball-Profis Kevin Pezzoni und Emanuel Pogatetz haben die Gewalt im deutschen Fußball auf eine neue Stufe gehoben”, – meldete BR vor einige Zeit. Ich frage mich: ist das zufällig nicht auf die Lieferung der deutschen U-Boots an Israel zurückzuführen?
    Eine solche Diskussion wird bestimmt zu weitreichenden Erkenntnissen führen.

    • Gut geschrieben ! 🙂

      Und ich meine mich zu erinnern, dass Herr Schneider in irgendeiner Doku oder in dem Videoblog (vor längerer Zeit) gesagt hat, dass Israel das einzige westliche Land ist, in dem mehr Menschen in ein Konzert als zu einem Fußballspiel gehen. Insofern ist diese Diskussion hier von ganz besonderer Relevanz. :roll:

  2. Habs mir gerade mal im Internet angeschaut. Also der Schiri hat auf jeden Fall eine falsche Entscheidung getroffen als er die rote Karte gezeigt hat dafür, dass sich der Spieler gegen einen angreifenden Zuschauer gewehrt hat.

    Wäre es nicht zu dieser dummen Entscheidung gekommen, wäre das Spiel normal weitergelaufen. So ist es ein bisschen eskaliert. Allerdings für den europäischen Fussball schon fast normal. Dort eskaliert die Gewalt ja jährlich. In der 2. und dritten Liga in D ist es ja mittlerweile kaum noch möglich ohne grossen Polizeischutz Spiele laufen zu lassen.