Ein letztes Mal: 50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

Zum Ende unserer Gesamtberichterstattung zum 50. Jahrestag der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen, möchte ich nun hier nochmal eine Reihe von Interviews hineinstellen, die noch einige vielleicht unbekannte Aspekte beleuchten.

1.) Prof. Norbert Frei. Er hat sich in zahlreichen Publikationen mit den Folgen des NS-Regimes für die Bundesrepublik auseinandergesetzt und ist ein Kenner der dt.-isr.Beziehungen

2.) Miriam Shomrat. Eine der herausragenden Diplomatinnen Israels, war Sie sowohl in der isr. Botschaft in Bonn wie dann auch später in Berlin tätig.

3.) Ari Rath. Der gebürtige Wiener, floh 1938 nach Palästina, wurde dort Chefredakteur der “Jerusalem Post” und arbeitet bis heute als freier Publizist. Er war ein enger Vertrauter der israelischen Politiker der ersten Stunde.

4.) Moshe Meiron. 1926 in Königsberg geboren, arbeitete in Israel als Rechtsanwalt und war für den Likud Abgeordneter in der Knesset von 1977 bis 1981. In dieser Eigenschaft war er auch für die Kontakte mit dt. Politiker zuständig

5.) Chaim Noll. Der bekannte Publizist ist in der DDR geboren und aufgewachsen. Mit zivilem Namen hieß er damals Hans Noll. Er ist der Sohn des DDR-Schriftstellers Dieter Noll. Er verweigerte den Militärdienst in der NVA, siedelte 1984 nach Westberlin und kam nach einigen Jahren in Rom schließlich nach Israel.

6.) Prof. Jürgen Renn ist unter vielen anderen Lehraufträgen und Professuren, Direktor und Wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. In den Jahren vor der Aufnahme diplomatischer Beziehungen, waren es nicht zuletzt die Kontakte zwischen dem Max-Planck-Institut und dem Weitzmann-Institut in Rehovot, die den Weg mit ebneten für die Aufnahme dipl. Beziehungen.

 

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  1. Danke. Wurde das Interview mit Bildungsministerin Wanka bereits gezeigt?

  2. Die Tonspur für Ihr Video “Israels Sorgen nach dem Atomdeal” auf Tagesschau.de ist nicht vollständig oder kann nicht vollständig geladen werden. Bei mir endet sie ab 5:26. Haben auch andere dieses Problem?

  3. Es ist spannend und lobenswert, dass solche Interviews ins Netz gestellt werden. Spannend noch einmal die immer noch nicht ganz alte Geschichte Revue passieren zu lassen, die im Zeichen des 50. Jahrestages der Aufnahme der diplomatischen Beziehung stand. Die Anfänge waren verständlicherweise schwierig und die Beziehungen haben sich so gefestigt, dass man sich sogar jährlich gegenseitig zu Regierungskonsultationen einlädt. Man fühlt sich stark miteinander verbunden und diese Verbundenheit ist mit den Jahren gewachsen. Israel ist Staatsräson (Merkel) oder doch nicht ganz (Gauck) und der militärischen Zusammenarbeit, besonders wenn es um Lieferung von Waffen oder U-Booten geht, wird besonders in Israel große Bedeutung beigemessen.

    Schwierig sechs Stunden Interview in wenigen Zeilen zu kommentieren. Die Geschehnisse des Holocausts sind immer ernster Hintergrund und Empfindsamkeiten arten sich auf deutscher als auch auf israelischer Seite nicht immer in gleicher Weise.
    Gleich am Anfang (Norbert Frei) wurde vom Wunder gesprochen, dass die Untermenschen (Juden) plötzlich einen Staat hatten. Die Frage ist verständlich, aber für den kritischen Leser stellt sich sogleich die Frage, warum die neuen Untermenschen (Palästinenser) immer noch keinen Staat haben und welche Konsequenzen das bisher gehabt hat und immer noch haben wird. Obwohl das Palästina-Problem ungelöst ist und sehr mit der Staatsgründung Israels verknüpft ist, so ist es schon eigenartig, dass dieses Problem kaum aufgegriffen wurde. Eine Mauer des Schweigens macht das Schicksal der unmittelbaren Nachbarn, nämlich der Palästinenser, einfach vergessen. Das ist israelische Politik und das ist Politik und Projekt der deutschen Elite (Frei). Heißt der normale Bürger ist weniger interessiert an guten Beziehungen mit Israel? Das ist kaum anzunehmen, aber die Erkenntnis, dass in Israel und den besetzten Gebieten nicht alles mit rechten Dingen zugeht ist bei vielen Menschen angekommen. Daher eine verbreitete Israel-Kritik in der Bevölkerung, die zwischen Antisemitismus und Kritik an Israel wohl unterscheiden kann. Ein Großteil der Bevölkerung ist nach dem Krieg geboren (Kohl sprach von der Gnade der späten Geburt). Da kann die Frage aufkommen, ob es wirklich einen ernst zu nehmenden Bodensatz antisemitischer Stimmungen in Deutschland gibt (ich weiß, es gibt unbelehrbare Gruppen, die versuchen Schwachsinn zu verbreiten) oder ob es nicht doch die zunehmend kritische Haltung gegenüber der Politik Israels ist, die sich da breit macht. Das ständige Hinterfragen nach antisemitischen Stimmungen verdrängt den Ernst der Lage in der sich die Palästinenser befinden, die Hoffnungslosigkeit und deren Perspektivlosigkeit. Es lässt Unrecht als sekundär und als eine Banalität erscheinen. Diese Erkenntnis ist ein Grund warum Deutschland anti-israelisch und pro-palästinensisch ist/war, wie Miriam Shomrat bekundet?
    Ari Rath spricht von dem Krieg den niemand wollte (1967) und der Israel zu einer Besatzungsmacht gemacht hat; leider immer noch, wie er beteuert. Er meinte auch, dass man heute mit den Palästinensern in Frieden leben würde, wäre Sharon noch am Leben. Vielleicht wird er eines Tages aus seinem Koma aufwachen und Netanyahu zeigen, wo es lang geht. Rath war auch der Meinung, dass es ohne das schlechte Gewissen der Welt auf Grund der Shoa nie zu einem Staat Israel gekommen wäre. Aber es ist dazu gekommen und die Palästinenser müssen die Rechnung bezahlen.

    Interessant das Verhältnis der Regierungsvertreter zueinander. Für Adenauer war das Verhältnis zu Israel Herzenssache. Kohl hat anscheinend oft ins Fettnäpfchen getreten, aber er hat es dann doch ganz gut gemacht. Shamirs Angst vor dem großen Reich nach der Wiedervereinigung hat ihm kräftige Kritik von Kohl eingebracht. Brandt war gern gesehener Gast, aber sein Treffen mit Arafat hat man ihm nicht verziehen. Schmidt hatte es schwer mit Begin, den er für schwierig hielt (eigene Anmerkung) und wahrscheinlich umgekehrt, aber von dem er einen palästinensischen Staat einforderte (wer würde das noch heute tun?). Und wie wir erfahren, surprise, surprise, ist Netanyahu nicht einfach und Merkel mit Recht böse auf ihn wie Rath erklärt. Aber eben nur böse, obwohl man ein Land besetz hält, die Bevölkerung unterdrückt und immer noch vertreibt, was sich kaum mit der Lieferung von Kriegsschiffen und U-Booten vereinbaren lässt. Sinn macht das nicht.
    Der Publizist Chaim Noll ist mit der anti-israelischen und anti-zionistischen Politik in der DDR aufgewachsen, was für Juden bedeutete weiterhin in Angst zu leben. Aus jüdischer Sicht war es schwierig zu verstehen, dass man sich damals mit Arafat traf und in der DDR Terroristen gegen Israel ausgebildet wurden. Noll kam über Berlin und Rom als überzeugter Zionist nach Israel. Für ihn sind es verkappte Antisemiten, die Israel ablehnen. Man habe es immer noch viel mit Antisemitismus zu tun. Kritik zu üben und nicht Antisemit zu sein, das ginge nicht. Dass es Israel gibt, sei der Grund warum Israel gehasst wird. Dass es einen Palästinenserstaat nicht geben soll, dazu äussert er sich nicht. Aber die Verbindungen zu Deutschland seien im Grunde gut, dank verschiedener Gesetzesvorlagen und einer hohen Politik, die Eckpfeiler errichtet und zu guten Beziehungen führt.
    Jürgen Renn vom Max-Plack Institut bezeichnet die stetig gewachsene wissenschaftliche Zusammenarbeit als sehr eng an der sich sowohl Israelis, Palästinenser und Deutsche beteiligen. Klingt gut. Die politische Lage ließ eine Zusammenarbeit sich nur langsam entwickeln. Erst in den 80er/90er Jahren konnte man offener über die Geschichte miteinander sprechen. Der Beitrag den die Wissenschaft im militärischen Bereich leistet sei ein zentrales Thema sowohl auf israelischer als auch auf deutscher Seite sein.

    Ein interessantes Kaleidoskop von Ansichten und Einsichten wurde uns hier geboten. Interviews ins Netz zu stellen ist eine großartige Sache. Es geht im Besonderen um die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland im Zeichen des schwierigen Versuches Geschehenes wieder gutzumachen. Anscheinend kann man mit klugen Menschen das deutsch-israelische Verhältnis diskutieren, ohne kaum ein Wort über das Palästinenser-Problem zu verlieren (Ausnahme Ari Rath). Es ist erstaunlich, dass man auf dem Rücken eines anderen Volkes einen jüdischen Staat errichtet mit dem Ziel sich so viel Land wie möglich anzueignen und in dem so wenig Palästinenser wie möglich wohnhaft sein sollen, ohne darüber viele Worte zu verlieren. Nur bei Ari Rath wurde die Frage nach der ersten Intifada gestellt, aber nicht beantwortet. Man riegelt sich von seinem Nachbarn ab, lässt ein Volk hinter Mauern verkommen und sagt nichts. Geht das? Erfordert Wiedergutmachung und Sühne, dass man sich blind stellt? Ich hoffe, ich bin mit den deutsch-israelischen Beziehungen nicht zu ungebührend umgegangen. Wir müssen Menschen einschließen, nicht ausschließen.