Duma: Aufklärung oder Schutz für V-Leute?


Was wiegt schwerer? Die juristische Aufarbeitung eines Gewaltverbrechens oder der Schutz der eigenen V-Leute? Aktueller Anlass für die Frage: Israels Verteidigungsminister Yaalon soll in kleiner Runde erklärt haben, dass die Ermittler die mutmaßlichen Täter des tödlichen Brandanschlags von Duma kennen. Sie könnten sie aber nicht festnehmen, zitiert die Tageszeitung Haaretz den Minister. 

In der vergangenen Woche war Reham Dawabsha in Nablus beigesetzt worden. Die junge Frau erlag ihren Brandverletzungen. Sie ist das dritte Todesopfer des Brandanschlags von Duma, im Westjordanland. Jüdische Siedler stehen im Verdacht, das Haus der Familie Dawabsha Ende Juli beschmiert und in Brand gesetzt zu haben.

DawabshaHaus-Blog

Israels Verteidigungsminister Yaalon bestätigt die Berichte. Aber er erklärte, man könne die Tatverdächtigen nicht anklagen ohne die eigenen Geheimdienst-Quellen zu enttarnen.

Dadurch ist bei Hinterbliebene der Opfer, wie Nasser Dawabsha ein Bild entstanden, wonach Israel die Täter schützen will. Er fordere den Verteidigungsminister als Menschen und als Politiker auf, die Identität der Mörder bekannt zugeben, so Dawabsha.

Argument: Sicherheit

Der Verteidigungsminister aber führt Fragen der Sicherheit an. Er macht es damit jeder Diskussion in Israel schwer. Denn: Wer stellt sich schon gegen das Militär, wenn es um die Sicherheit geht? Allein die Chefin der kleinen linken Meretz-Partei, Galon, kritisierte die Regierung im Armee-Radio:

Zu sagen, wir wissen, wer für den schrecklichen Brandanschlag in Duma verantwortlich ist, aber wir stellen ihn nicht vor Gericht, weil wir keine Quellen nennen wollen? Das ist militärisches Versagen in meinen Augen, aber vor allem auch ein moralisches Versagen.

Zehava Galon, Parteichefin Meretz

Nach dem Brandanschlag Ende Juli hatte Israels Regierungschef Netanjahu die Tat als Terror gegeißelt. Israel gehe hart gegen Terrorismus vor, egal von welcher Seite, versprach der Ministerpräsident.

Keine juristisch Aufarbeitung?

Doch schon in den folgenden Tagen war viel über die Nachlässigkeit der Regierung im Umgang mit jüdischen Extremisten zu lesen. Vor allem fehle der Zugang zum harten Kern der Siedlerbewegung im von Israel besetzten Westjordanland, spekuliert Or Heller. Heller ist Journalist bei Channel 10. Ya’alon versuche die Öffentlichkeit darauf vorzubereiten, dass es überhaupt keine juristisch Aufklärung des Falls geben wird, so der Journalist.

 

 

Kommentieren:

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  1. Wenn das wirklich stimmt, dass man die Mörder von Duma kennt und nicht vor Gericht stellt, dann ist das ein moralisches Versagen der Israelischen Regierung.
    Das ist in Mitteleuropa absolut undenkbar. Natürlich sind die Europäischen Regierungen auf dem rechten Auge blind, und es geht immer länger, bis die Polizei bei rechten Ausschreitungen eingreift als
    bei linken Ausschreitungen. Aber man stelle sich mal vor, dass man Beate Zschäpe (NSU) jetzt freilassen würde, ein Ding der Unmöglichkeit.
    Ich bin wirklich entsetzt, dass man angeblich die Mörder von Duma kennt, und sie nicht vor Gericht stellt.
    Im gleichen Augenblick diskutiert die Israelische Regierung den Schiessbefehl auf Steinewerfer. Aber hallo?????

  2. Klingt so, als hätte der israelische Geheimdienst dasselbe Problem wie der deutsche Verfassungsschutz. Die V-Leute haben Narrenfreiheit, weil man sonst nicht an die Informationen zu kommen glaubt. Oder sind die Dienste von Rechtsradikalen unterwandert?

    • Lore: “Oder sind die Dienste von Rechtsradikalen unterwandert?”
      Da bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass das so ist.

    • Lore: “Oder sind die Dienste von Rechtsradikalen unterwandert?”
      Das frage ich mich auch.

  3. Gerichtsverfahren? Die wollen doch mit jüdischen Terroristen seit neustem genauso verfahren wie mit arabischen. Also keine Verhandlung und einfach die ganze Siedlung aus der die Mörder kommen mit einem Flächenbombardement wie in Gaza überziehen. Sippenhaft und Kollektivstrafen sollten doch dann auch auf jüdische Terroristen angewandt werden, ober bleibt das als Sonderbehandlung für Nicht-Juden? Wenn Israel nicht mit zweierlei Maß messen würde müssten sich die Bewohner von Maale Ephraim warm anziehen. Dann würde es demnächst Bomben und Weißen Phosphor auf die Siedlung hageln müssen. Sie müssten dann auch damit anfangen jüdische Steinewerfer oder Randalierer durch Schüsse aus kürzester Distanz in den Rücken zur Strecke zu bringen.

    Ich will hiermit nicht sagen, dass ich ein solches Vorgehen befürworten würde. Ich würde mir wünschen, dass Israel endlich seine Sippenhaft und Kollektivstrafen gegen Palästinenser einstellt. Vielleicht verstehen die Verteidiger der israelischen Menschen- und Völkerrechtsverbrechen durch diesen Vergleich was für eine Menschen verachtende Politik sie unterstützen und welchen Terrorstaat sie zu verteidigen versuchen.

    • Free: Ob in Israel, USA oder sonst irgendwo, Gesetze sollten für alle da sein, und für alle gleich angewendet werden. Das ist aber leider nicht so. Ob in der USA schwarze unbewaffnete Jugendliche von Polizisten erschossen werden, oder in Israel Sippenhaft und Kollektivstrafen gegen Palästinenser angewendet werden, das ist unglaublich. Nennen die sich nicht alle Demokratien? Da kriege ich Hautausschläge!
      Auch in Europa ist die Polizei und die Politiker auf dem rechten Auge blind, leider, aber so ist es.

    • Ein Grund mehr nicht ständig völlig überzogene Moralvorstellungen an Israel zu stellen und zu akzeptieren, dass auch dort Fehler gemacht werden. Und solange Israelis durch Steinewerfer um´s Leben kommen und Gewalt gegen Israelis nicht nur legitim ist sondern sogar glorifiziert wird, gerechtfertigt durch eine Besatzungslüge, wird es auch weiterhin zu Fehlern kommen. Fehler, die jeder Israeli bedauert.

    • Ismael: ich finde die Forderung Mörder einzusperren nicht als überzogene Moralvorstellung. Gewalt gegen Israelis wird von den meisten Menschen weder glorifiziert noch legitimiert. Und dass diesen “Fehler” jeder Israeli bedauert, das reicht nicht! Da müssen Aktionen gestartet werden, Unterschriften sammeln und an die Regierung weitergeben, Protestkundgebungen, Demos usw. Diese Regierung muss sehen, dass es in Israel noch Demokraten gibt. Und bei der nächsten Wahl müssen diese Politiker abgewählt werden. Da besucht ein zerknirschter Netanjahu die Familie im Krankenhaus und dann das. Mehr Scheinheiligkeit und Zynismus geht wirklich nicht mehr.
      Und das Gefängnis Gaza muss endlich geöffnet werden!

    • @Lydia Kesselring
      Ich habe Isamels Aussage so verstanden: Gerade weil in Europa die Polizei und die Politiker auf dem rechten Auge blind sind, wie Sie ja sagten, sollten eben von hier aus nicht überzogene Moralvorstellungen an Israel gestellt werden. Das Land ist so unperfekt wie jedes andere auch.
      Ich bitte um Berichtigung wenn ich mit meinem Verständnis falsch liege.
      Für mich bedeutet das:
      Es heißt ja nicht, dass man das beschriebene Vorgehen befürwortet. Die meisten Israelis befürworten dies nicht, davon auch ich, nach meinen eigenen Erfahrungen, überzeugt. Wie sie allerdings damit umgehen, ob sie demonstrieren, Unterschriften sammeln oder die Regierung abwählen…das sollten wir uns nicht anmaßen, ihnen sagen zu müssen. Israel ist eine Demokratie und das es dort Demokraten gibt, daran besteht kein Zweifel. Die Leute dort wissen schon was sie tun, sie brauchen unsere “gut gemeinten” Ratschläge nicht.
      Und noch etwas zu Ihrem Kommentar
      “und das Gefängnis Gaza muß endlich geöffnet werden”. Was ist denn das für eine pauschale undifferenzierte Aussage? Es wäre ja schön, wenn alles so einfach wäre. Ist es aber nicht. Können Sie sich ausmalen was passiert, wenn man die Grenzen einfach öffnet? Würden Sie das wollen und würden Sie die Verantwortung dafür übernehmen wollen?

    • ich bitte, mir meine Rechtschreib- und Satzstellungsfehler im o.a. Kommentar nachzusehen,
      soll heißen: Ismael, und, davon bin auch ich, …., überzeugt

  4. Renate: ” Israel ist eine Demokratie und das es dort Demokraten gibt, daran besteht kein Zweifel.” Diese Demokraten müssen sich für die Demokratie wehren, es nützt nichts, wenn die nicht einverstanden sind, dass die einen Mörder verurteilt werden, und die anderen bestraft werden, dazu sind Aktionen nötig, um glaubwürdig zu bleiben.
    Dass das mit Gaza nicht einfach ist, weiss ich auch. Aber soll es deswegen ewig und immer ein Gefängnis bleiben? Oder wie würden Sie den Zustand beschreiben, dass nach Gaza niemand ausser Journalisten und Hilfsorganisationen weder rein noch raus kann? Die Aegypter machen die Grenze wenigstens hin und wieder für einige Tage auf, was natürlich auch viel zu wenig ist.

  5. So ein Blödsinn. Wer schon mal denn Sasson Report gelesen hat, weiß, wie tief der Staat Israel die sogenannten illegalen Außenposten unterstützt. Die können die Täter nicht festnehmen, weil die sonst auspacken würden. Seit Jahren gibt es unzählige sogenannte pricetag-Anschläge und praktisch nichts davon ist aufgeklärt oder gesühnt worden. Die Israelis brauchen den Krieg mit den Palästinensern, um weiter deren Ressourcen ausbeuten zu können. Schon heute deckt Israel mehr als die Hälfte seines Wasserbedarfs aus palästinensischen Quellen.

    • Thomas: Ich hab den Sasson Report von 2005 gelesen. Die Westbanksiedlungen und Aussenposten waren nach israelischem Recht illegal.
      “Die Israelis brauchen den Krieg mit den Palästinensern, um weiter deren Ressourcen ausbeuten zu können.” So ist es.

      Ismael: Ich bin mir sicher, dass Israeli die Vorschläge brauchen, um die demokratischen Strömungen, die noch vorhanden sind, zu verteidigen.

  6. @ renate: Sie haben mich richtig verstanden. Und auch Ihre weiteren Ausführungen finde ich absolut richtig.

    @ lydia: “Da müssen Aktionen gestartet werden, Unterschriften sammeln und an die Regierung weitergeben, Protestkundgebungen, Demos usw. ”
    Machen Sie diese Vorschläge doch bitte mal den Palästinensern.

    • Gut dass es eine Renate gibt, die wiederholen und als nicht unrichtig empfinden kann, was Ismail zur Verteidigung einer brutalen Besatzungsmacht zu sagen hat. Weil die Mehrheit der israelischen Bevölkerung sich zu einer Politik bekennt, die ein anderes Volk vertrieben hat, immer noch vertreibt und unterdrückt, dann ist das eine Demokratie? Es geht wohl nicht nur darum was eine Mehrheit wählt und beschliesst, sondern es geht auch um den Inhalt, was nach unserem Grundgesetz heisst, die Würde des Menschen zu schützen, nicht anzutasten. Wir sollten uns an unsere eigene Geschichte erinnern, um zu erkennen, dass man mit demokratischen Mitteln grosses Unheil unter die Menschen anrichten kann). Ich glaube, wir sollten vergessen, dass Israel eine Demokratie ist und sich auch nicht rühmen kann, ein Rechtsstaat zu sein. Wer kolonisiert, wer Menschen unterdrückt und nur das Wohl einer bestimmten Ethnie oder Religion fördert, kann weder Rechtsstaat noch Demokratie sein. Es ist heutzutage ein riesiges Problem allgemein geltende Menschenrechte als Massstab politischen Handelns durchsetzbar zu machen. Ismail und Renate, was verteidigt ihr eigentlich? Mord von illegalen, internationales Recht verletzenden Siedlern, die unter dem Schutz einer illegalen Besatzungsmacht und mit dem Auge des Rechtssystems eines Apartheidstaates sich an wehrlosen Palästinensern vergeht und nur von einem Motiv geleitet ist: Hass und Verneinung eines gleichen Rechts für alle. Die Menschen, für die Palästina ihre Heimat ist, sollen vertrieben werden. Ihnen soll jeden Tag klar gemacht werden, dass sie unerwünscht sind, in ihrem eigenen Land, ohne dass sie sich wehren können. Man sollte versuchen sich ein Bild zu machen, um zu verstehen. Das gilt auch für Gaza. Was da passiert und vor den Augen der Weltöffentlichkeit sich abspielt ist unanehmbar. Es ist eine Geisteshaltung, die wir leider gerade heute an vielen Grenzen Europas erleben. Das kann doch nicht in Ordnung sein. Und doch soll man die diskriminierende Rechtssprechung eines Apartheidstaates als eine zufállige Banalität hinnehmen? Wenn das umgkehrt auf israelischer Seite passiert wäre, würde man die PR-Trommeln in Bewegung setzen, hinausposaunen, man hätte das Recht auf Selbstverteidigung und würde hunderte von feindlich gesinnten Menschen inhaftieren, bevor man den längst bekannten Gesetzesbrecher zu Rechenschaft ziehen würde. Heisst, die Palästinenser könnten alle Siedler im Westjordanland in ein palästinnsisches Gefängnis stecken. Aber in den Köpfen vieler Menschen hat sich die schlechte Denkgewohnheit festgesetzt, dass nur eine Besatzungsmacht Unrecht ausüben und darüber richten darf. Wer sich als Unterdrückter zur Wehr setzt ist ein Terrorist. Wir stecken noch immer tief im Zeitalter der Aufklärung. Menschenrechte müssen neu erfunden werden und es muss uns mit der Muttermilch auf den Weg gegeben werden, dass Unrecht immer Unrecht ist und bleiben muss. Lydia und Free, ihr habt Recht: Empört Euch. Die Gleichgültigkeit einer Besatzungsmacht gegenüber einer ins Unheil gestürzten palästinensischen Familie verstösst gegen Normen von Menschlichkeit. Die Menschheit sollte sich vorwärts bewegen, nicht rückwärts.

  7. @michael k.
    Na, da haben wir ja mal wieder das ganze Programm…
    Zur Klarstellung:
    Es ging mir nicht darum das Geschehene zu rechtfertigen, sondern darauf aufmerksam zu machen, dass hier eine Aussage, nämlich die von Ismael, evtl. falsch interpretiert wurde.
    Zum anderen ging es darum, die israelische Gesellschaft nicht so zu be-/verurteilen als lebten hier unmündige Leute in einem System ohne Entscheidungsfreiheit, die wir belehren müssen.
    Zum dritten ging es darum eine pauschale undifferenzierte Aussage als unzureichend zu bezeichnen, da man, würde man sie genau so einfach lösen wollen, mit Folgen zu rechnen hätte, die nicht zu verantworten wären.
    Wenn ich etwas wirklich nicht leiden kann ist es, wenn weder differenziert noch zugehört wird und deshalb am Ende garnichts dabei rauskommen kann.
    Deshalb nun zu ihrer Frage Herr K., was ich eigentlich verteidige:
    Nein nicht Mord und Totschlag, Enteignung, Apartheid und was immer Sie hier unterstellt haben, sondern ganz einfach:
    das oben Genannte und das Recht zur freien Meinungsäußerung. Hier wurde nicht zugehört, hier wird gleich eingeordnet. Der aufmerksame Leser macht sich bereits verdächtig, wenn er ausspricht was er denkt wird ihm Böses unterstellt… Wie gut, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben sonst würde er auch noch verbrannt.

    • @Renate, richtig, hier hast du wieder das ganze Programm. Besatzung und Unterdrückung werden zu Banalitäten abgestuft. Man hat sich eben daran gewöhnt. Hier geht es nicht um die Meinungsfreiheit, sondern um die Logik des Kommentars von Ismail und deiner darauf folgenden Rechtfertigung. Hier wird entschuldigt und eine Rechtsauffassung verteidigt, die von der Forderung des Besatzers nach ungestörter Dominanz und Recht auf immerwährenden Freispruch und Straffreiheit bestimmt wird. Ismail fordert die Anwendung weniger strenger Moralmassstäbe für die militärische Besatzungsmacht, nur Steinewerfen ist kriminell und verwerflich. Die Kritik an dieser Herrenvolkslogik kann man nur mit schlechten Absichten als Angriff auf die Meinungsfreiheit interpretieren. Mit Steinen zu werfen ist gefährlich und kann tötlich sein. Wehrlose Palästinenser immer wieder anzugreifen und sogar deren Häuser anzuzünden ist ungeheuerlich. Erstes kann man als natürliche Reaktion auf Besatzung und Unterdrückung verstehen. Letzteres ist Teil des Herrschaftsdenkens einer Siedlermentalität, die für jeden um Gerechtigkeit bemühten Menschen unannehmbar ist. Zur Erinnerung, so wurden Juden im Dritten Reich behandelt. (Du wolltest es ja etwas differenzierter).
      Auch die Forderung, die Blokade Gazas zu beenden und die Grenzen zu öffnen ist pauschaler und undifferenzierter Unsinn? Die mit der Besatzungsmacht und der Apartheidpolitik Israels sympatisieren haben das Verständnis von Freiheit und von dem Recht auf Gleichheit und Selbstbestimmung ganz einfach verloren. Die zynische Frage soll unbeantwortet im Raume stehen bleiben, was wohl passieren würde, wenn man die Grenzen Gazas öffnen würde. Auch, was soll denn an dem Tatbestand der Unterdrückung so kompliziert sein?

    • @michael k.
      Nur einen Punkt Ihres Kommentars möchte ich aufgreifen.:
      Sie fragen mich bezugnehmend:
      “Auch die Forderung, die Blockade Gazas zu beenden und die Grenzen zu öffnen ist pauschaler undifferenzierter Unsinn”?.
      Wo steht das, dieses Wort “Unsinn” was Sie hier lesen (wollen)? Ich habe “unzureichend” gesagt!
      Meine daraus abgeleitete Frage lautete: “können Sie sich ausmalen was passiert, wenn man die Grenzen einfach öffnet? Und würden Sie die Verantwortung dafür übernehmen wollen?”
      Bitte gestehen sie mir meine eigenen Bilder zu. Ich würde mir wünschen, dass sie nicht der Realität entsprächen. Zurück zu Ihrem Kommentar:
      “Die “zynische” Frage soll unbeantwortet im Raum stehen bleiben” . Warum ist die Frage zynisch und warum soll sie unbeantwortet bleiben. Lassen Sie uns doch wirklich darüber nachdenken!

    • Liebe Renate,
      Recht und Freiheit, Solidarität und Empathie sind Güter, die wir schützen und immer wieder einfordern sollten. Als Ronald Reagan 1987 nach Berlin kam und in Richtung Ost-Berlin und Moskau rief “Tear down this wall“, hätten wir ihm dann auch ermahnend zurufen sollen, dass seine Rhetorik zu pauschal und unzureichend ist? Dass du nicht von Unsinn gesprochen hast, erkenne ich und nehme die Wortwahl zurück. Aber deine Befürchtung was wohl passieren würde, wenn man die Grenzen öffnen würde, ist unbegründet, wenn es ein Akt der Einsicht und Versöhnung ist, der einen solchen ganz notwendigen Beschluss hervorrufen würde. Was sollte wohl passieren? Sind es wilde Tiere, die in Gaza leben? Du fürchtest um das Leben der einen mehr als um das Leben der anderen? Das klingt so, als wäre es besser die einen im Gefängnis zu behalten, um die von einer Besatzungsarmee beschützten anderen davor zu schützen, sich miteinander zu vermengen. Ich finde eine solchen Gedanken zynisch, was du möglichweise von dir weisen würdest. Darüber nachzudenken heißt für mich Grenzen öffnen, jetzt sofort, Menschen Hoffnung und eine Perspektive geben (Erklärung von einem Gutmensch im Knesset), seine unterdrückten Nachbarn um Vergebung bitten und fragen wie man miteinander eine gemeinsame Zukunft aufbauen kann, der allen Menschen, ob Juden oder Nicht-Juden die gleichen Rechte zusichert. So in etwa, pauschal und wenig differenziert. Die Hamas würden wie hinweggefegt erscheinen.
      Ich kann mich übrigens an das Begräbnis eines Mitgliedes des prominenten Husseini-Klans aus Jerusalem erinnern. Das war, glaube ich, im Jahre 2001. Möglicherweise aus Angst vor Unruhen hatte man alle Kontrollen an den Checkpoints eingestellt und tausende von Palästinensern aus der West Bank strömten nach Jerusalem und säumten die Straßen, um der Begräbnisprozession durch Ost-Jerusalem hin zur Al-Aqsa Moschee beizuwohnen. Es war als hätte sich Frieden und Normalität für einen Tag in Jerusalem und der West Bank eingefunden. Ich habe von keinen Zwischenfällen gehört. Am nächsten Tag war alles wieder beim alten. Ein Beispiel dafür, dass es geht. Nichts würde passieren, die Menschen würden sich freuen. Aber viele kleinherzige Menschen wollen das nicht.

  8. @michael k.
    “Aber deine Befürchtung was wohl passieren würde, wenn man die Grenzen öffnen würde, ist unbegründet, wenn es ein Akt der Einsicht und Versöhnung ist, der einen solchen ganz notwendigen Beschluss hervorrufen würde”
    Ja, richtig Herr K. und ich ergänze:
    ein Akt der Einsicht und Versöhnung von beiden Seiten, sonst geht es nicht!
    Was tun?
    Die Regierung im Gazastreifen erkennt bis heute den Staat Israel nicht an und was viel schlimmer ist, die islamistische Hamas nutzt jede Gelegenheit diesen Staat mit Raketen zu beschießen. Als es die Trenn-/Schutz- oder sonstwie genannte Mauer noch nicht gab versäumte sie auch keine Gelegenheit zu brutalsten Terroranschlägen gegen Menschen. Das war die bittere Realität und wäre sie auch heute noch, gäbe es die Sperranlage nicht. Leider!
    Glauben Sie mir eins: ich habe Opfer, die einen derartigen Anschlag in Israel überlebt haben und ihr Leben lang an den Folgen leiden, kennengelernt. Ebenso sehr liebe Leute aus Gaza, die in Israel behandelt werden. Glauben Sie wirklich, ich würde denken dort lebten eine Horde wilder Tiere? Was bilden Sie sich eigentlich ein? Die Menschen in ihrer jeweiligen Situation tun mir leid. Die ich kenne, haben mir erzählt, dass während des Krieges im letzten Sommer die Grenze ganz zu war und sie ihr Kind nicht besuchen konnten, welches in dieser Zeit in Israel behandelt wurde, zum Glück geschützt durch das israelische Raketenabwehrsystem. Wenn hier mal kurz in den Raum gerufen wird: “Die Mauer muss weg”, dann mag das einem schönen Traum entspringen und dieser sollte auch nicht vergessen werden, aber hier und jetzt ist das nicht umzusetzen. Aufgrund dem schlampigen Umgang zur Aufklärung der Morde von Duma wurde vorgeschlagen, Israelis sollten demonstrieren und ihre Regierung abwählen. Möglicherweise tun Sie dies ja sogar. Sie haben die Wahl der Entscheidung. Sagen Sie dasselbe den Menschen in Gaza (vielleicht sind sie dort sogar wirklich dankbar für Unterstützung):
    Setzt diese Verbrecher ab, die Euer Volk betrügen, die Euren Kindern böse Märechen erzählen um sie dann im zarten Jugendalter mit Sprengstoffgürteln auszustatten und in den sicherern Tod zu schicken. Lasst Euch nicht betrügen, es gibt keine Jungfrauen im Himmel, das Paradies ist hier, der Frieden ist hier, bei Euch, neben, mit und nicht gegen Israel. Es ist böse, Juden zu töten, weil es Menschen sind wie wir. Lasst die Freiheitskämpfer, die für unsere Zukunft in Demokratie stehen, aus den Gefängnissen in Gaza raus. Die haben nichts verbrochen, wir stehen mit Ihnen gegen Euch. Wir wollen Demokratie, Freiheit und Frieden mit Israel1
    Ein neues Bild hab ich gemalt, weas neben dem alten steht, ein Zukunftsbild in schönen Farben. Aber ich nehme das alte nicht weg. Es steht zum ewigen Gedanken, als Mahnung und Erinnerung!

    • Renate, du sprichst von Raketen und Hamas, aber du willst nicht einsehen, wie es dazu gekommen ist. Du verstehst einfach nicht, was Besatzung, Diskriminierung, Enteignung, Vertreibung für die Menschen bedeutet, die darunter zu leiden haben. Hamas wurde nicht gewählt, weil die Bevölkerung Gazas einen Gottesstaat errichten wollte. Von Hamas hatte man sich erhofft, das jemand sich für die Befreiung der Menschen einsetzen würde und nicht wie die Ramallah-Führung mit dem Sicherheitsorganen der Besatzungsmacht zusammenarbeitet. Die Gefängnisse in Israel sind voll von Palästinensern, darunter Kinder. Die Freiheitskämpfer von denen du sprichst, sitzen in iraelischen Gefängnissen. Dein emotionaler Aufruf hat wenig mit Ursachenforschung zu tun. Du bist Fürsprecher einer Besatzungsmacht, die es ganz unbedenklich findet, ein Volk mit einer gewaltigen militärischen Schlagkraft und brutalsten Absichten in Trümmer und Asche zu bomben und ihm gerade soviel Kolorien zu gewähren, damit es überleben kann. Eignet sich auch gut zum Testen von neuen Waffensystemen. Klar, wer unterdrückt, muss sich vor den Unterdrückten schützen. Daher gibt es nicht Speeranlagen wie du es so schön verniedlichst, sondern menschenunwürdige, ausgrenzende und die Freiheit beraubende Mauern, Grenzzäune und tödliche Sicherheitstreifen. Das Problem deines von dir gemalten Bildes ist nur, dass es auf dem Kopf steht. Das wirklich schöne Bild wäre, wenn sich der Stärkere aufraffen würde, einem verarmten und von ihm unterdrücktem Volke die Hand zu geben, die Freiheit und gleiche Rechte.

    • Ok Herr K.
      malen Sie ein Neues und stellen Sie es bei Gelegenheit aus.
      Schönes Wochenende!

  9. Shirin Amrad / Medico International Schweiz:

    Shirin Amrad, Projektverantwortliche Palästina/Israel

    Shirin “Als Schweizerin mit israelischen Wurzeln begleitet mich der Konflikt in Israel/Palästina seit ich mich erinnern kann. Relativ später erst habe ich jedoch erfahren, dass der Alltag der Palästinenser und Palästinenserinnen in den besetzten Gebieten geprägt ist von Gewalt durch israelische Soldaten und Siedler, von nächtlichen Verhaftungswellen, von ständiger Angst alles zu verlieren und von einer Bürokratie, die derjenigen der südafrikanischen Apartheid erschreckend ähnlich ist.

    Auch die medizinische Grundversorgung in Palästina/Israel ist stark beeinflusst von der Bevorzugung und Besserstellung der israelischen Bevölkerung. Die palästinensiche und andere Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel Flüchtlinge aus Afrika, haben kaum bis keinen Zugang zu einem funktionierenden Gesundheitssystem und zu dringend benötigter psychologischer Hilfe.

    Ich möchte mit meinem Engagement zur Gleichberechtigung aller Menschen in Israel/Palästina beitragen und mich gleichzeitig dem Leitsatz verschiedener um Frieden bemühter PalästinenserInnen und Israelis anschliessen, die sagen: Wir weigern uns, Feinde zu sein.”

    • @lydia Kesselring
      Guter Satz von Frau Amrad: “Wir weigern uns Feinde zu sein”.
      Ich habe mit einigen Menschen gesprochen, die sich weigern, in Israel und in den palästinensischen Gebieten. Gute Leute. Diesen ist es u.a. zu verdanken, dass Battir heute Weltkulturerbe ist und der Mauerbau vom obersten Gerichtshof eingefroren wurde. Gut auch die Differenzierung in der Aussage : “eine Bürokratie, die derjenigen der südafrikanischen Apartheid erschreckend ähnlich ist”.
      Auch wenn es gerne so bezeichnet wird: Israel ist kein Apartheidsstaat. Ich habe auch mit Leuten in Israel gesprochen, die fürchten, dass er sich dahin entwickeln könnte, die sich aber ebenso weigern Feinde zu sein.

    • “…..inside Israel, there is repression, but it is not apartheid. In the Occupied Territories, it’s much worse than apartheid”.

      ” …..crucial difference from South Africa. South Africa had to incorporate the Black population, they had no choice. First of all, it was the vast majority of the population and secondly, it was their workforce. They could not say, we will let you go rot somewhere and then they would disappear, but Israel can, that is the Greater Israel option………create this greater Israel, which won’t have a lot of Palestinians and repress them inside..” (Hier reflektiert der Author über die Anwendbarkeit der Südafrika-Opfion für eine Einstaatenlösung als Ausweg für eine Lösung des Konfliktes).

      Noam Chomsky aus seinem Buch ‘On Palestine’

    • ” Wir weigern uns, Feinde zu sein ”

      Ja, so kann es sein.
      Aus eigener Erfahrung!
      Wem diese fehlt: “Wir wollen beide hier leben” von Amal Rifa`i und Odelia Ainbinder (zwei jungen Frauen in Jerusalem).

  10. Nennen Sie das seriösen Journalismus? Hier und anderswo im Netz ist erkennbar, dass das Hörensagen aus zweiter Hand, Yaalon hätte bestätigt, dass der Schutz von V-Leuten vor Klärung des brutalen Mordes geht, bereits als Fakt aufgegriffen wird, um Israel die Moral abzusprechen. Was soll das? Journalistisches Unvermögen oder bewusste Stimmungsmache hinter der seriös wirkenden Fassade des ARD und auf Kosten der Beitragszahler? Von öffentlich-rechtlichen Anstalten erwartet man etwas Objektivität und kein Geschwurbel, dass je nach politischer Ausrichtung missbraucht werden kann. Eine wahrlich beschämende journalistische Fehlleistung.