Fensterputzen ist zurzeit eine ziemlich sinnlose Hausarbeit in Tel Aviv. Denn schon am nächsten Morgen ist alles wieder mit einer Schicht aus feinem Staub bedeckt. Zusammen mit der salzigen Luft vom Meer gibt das einen schmierigen Film, der kaum herunterzuwaschen ist. Weiterlesen →
Die Leute beginnen wieder mit ihrer Routine. Vor meinem Fenster hat gerade ein Bagger angefangen, Sand wegzuschippen. Man kann doch sehen, dass eine Normalität wieder stattfindet im Vergleich zu den vergangenen Tagen, die noch sehr stark geprägt waren von der Aufarbeitung der Konfrontation zuvor.
“Das Ergebnis der Verhandlungen in Kairo ist noch nicht öffentlich verkündet worden. Allerdings gibt es indirekt Stellungnahmen zu dem, was da gerade abläuft. Der Regierungssprecher der israelischen Regierung hat zum Beispiel als Reaktion auf Meldungen, dass ein Waffenstillstand so gut wie unter Dach und Fach sei, in Kairo schon die Vorbereitungen für die Unterzeichnungen laufen, gesagt, dass dies noch nicht der Fall sei und noch viele Detailfragen geklärt werden müssten.
Peter Kapern, ARD-Studio Tel Aviv, über die nächsten Stunden
“Was den Gazastreifen betrifft, muss man sagen, dass sich die israelischen Luftangriffe in der vergangenen Nacht in unverminderter Zahl fortgesetzt wurden. In Gaza-Stadt wurde die islamische Nationalbank getroffen. Das ist die Bank, die die Hamas gegründet hat, um die Gehälter an ihre Staatsangehörigen auszuzahlen. Auch in dieser vergangenen Nacht gab es wieder Tote und Verletzte im Gaza-Streifen.”
ist das terror? ja, ist es, nach der internationalen definition für terror: terror = anschläge auf zivilisten.  anschläge auf soldaten = guerillakrieg.
ok, also terror, keine frage. große aufregung, entsetzen hier in israel, auch keine frage. auch verständlich. ebenso wie das wehklagen und entsetzen auf der anderen seite, wenn dort die liebsten bei angriffen der israelis sterben.  und natürlich wird dann immer und jeweils nach rache und vergeltung gerufen. im ersten schmerz, auch das verständlich.
im augenblick bin ich auf zypern mit meinem team. zypern gehört zu unserem berichtsgebiet und wir sind jetzt zwei wochen hier, um über die finanzkrise der insel zu berichten, über die beginnende eu ratspräsidentschaft zyperns. wir haben einen weltspiegel gedreht, zwei europamagazine stehen an, stücke für’s mittagsmagazin, für die tagesthemen, für’s morgenmagazin und sicher auch für die tagesschau. um 4 uhr bin ich aufgestanden in tel aviv, um 7 mit team hier rübergeflogen und dann haben wir gleich mit den dreharbeiten begonnen. so sitze ich jetzt, sonntag nachmittag, in meinem hotelzimmer und sehe auf cnn, auf al jazeera, auf bbc world die nachrichten vom tahrirplatz in kairo: die muslimbrüder stellen den neuen präsidenten! und schon klingelt mein handy. unsere newsdeskproducerin im studio tel aviv fragt mich, ob unser team in gaza die dortigen jubelfeiern drehen soll. natürlich. natürlich. in gaza schaut es also gerade so aus:
Da wird also gejubelt. in jerusalem wird natürlich gar nicht gejubelt. daß die muslimbrüder keine freunde der zionisten sind, ist ja nichts neues. daß sie so ihre träume haben, was palästina angeht, klar.