Syrische Verletzte – In Israel

Sie liegen in einem kleinen Zimmer im Western Galilea Hospital in Naharija im Norden Israels. Schwer Verwundete aus dem syrischen Bürgerkrieg. Dem einen fehlen ein Arm und ein Bein, dem anderen ist der Kiefer weggeschossen worden. Erst nach einer langen Diskussion ist der eine bereit uns ein Interview zu geben. Verdeckt. Denn sie haben Angst erkannt zu werden. Denn in Syrien gilt Israel oft noch als der Feind.  Falls man erkannt wird könnten bei der Rückkehr Strafen und sogar der Tod drohen. Es sind keine einfachen Deharbeiten für die NDR-Weltbilder (Sendetermin vermutlich 15.10., ab 23:30 NDR). Vor allem als uns der Arzt Dr. Eyal Sela mit in den Operationsaal nimmt. Der Kiefer muss sofort operiert werden. Kein schöner Anblick. Aber Alltag hier. In drei israelischen Krankenhäusern werden syrische Verwundete behandelt. Doch wie kommen die Verletzten da hin? Das sagt man uns nicht. Nur soviel: Der Transport wird von der israelischen Armee über den Golan organisiert.  Und die Behandlung in den Krankenhäusern von Israel bezahlt. Nach der Genesung werden die Syrer zurückgebracht, egal ob es Männer, Frauen oder Kinder sind.

Die Ärzte und das Klinikpersonal geben ihr Bestes. Religion und Politik ist ihnen egal.  Hier arbeiten Israelis,  Araber und Drusen ohne Probleme zusammen. Das erklärt uns auch Dr. Masad Barhoum, der als erster israelischer Araber, das Krankenhaus in Naharija leitet. “Es ist keine Frage der Ehre, sondern es ist unsere moralische Pflicht zu helfen, ein kleiner Tropfen auf dem heissen Stein” sagt er uns am Ende des Interviews. Und auch der Arzt und Chirug Eyal Selal meint am Ende der Operation: “Bevor man Waffen nach Syrien liefern sollte,  wäre es wichtiger medizinische Unterstützung zu liefern. Dann erst sollten größere Entscheidungen fallen.”

 

 

Zwischen Hamburg und Syrien

In den vergangenen Tagen habe ich nach fast 7 Jahren endlich mal wieder die Tagesschau-Redaktion in Hamburg besucht. Fast täglich telefoniert man als Korrespondent mit der Redaktion, manche Kollegen kennt man persönlich (von früheren Besuchen) andere aber nicht – nur dem Namen und der Stimme nach. Und so war es dann sehr lustig, wenn wildfremde Gesichter auf einen zukommen und sagen: “Hallo – ich bin….” und man dann herzlich lacht, weil man sich doch seit Jahren “kennt”, aber dann eben doch natürlich gar nicht. Kaum war ich  in der Redaktion angekommen – unmittelbar am Tag als bekannt wurde, daß die Israelis (waren es die Israelis?) Syrien bombardiert hatten – , da wurde ich gebeten, für “Tagesschau 24″ im Studio die Lage zu erklären. Das Interview mit mir ist hier vor ein paar Tagen gepostet worden.

Die Moderatorin stellte mir am Ende des Gesprächs die Frage, ob Israel nicht fürchte, daß solch ein Angriff die Lage eher destabilisieren könnte – ob es also nicht gefährlicher sei, Ziele in Syrien zu bombardieren als die Hizbollah welche Waffen auch immer hinüberbringen zu lassen in den Libanon. Weiterlesen