Berlin ist eine Reise wert

Berlin ist im Weihnachtsfieber. Überall sieht man Weihnachtsmärkte, überall sind schon die Glühweinstände aufgebaut. Auch in unserem Hotel steht schon ein Weihnachtsbaum, wenngleich er noch nicht geschmückt ist:

 

 

Unser Hotel liegt im Hochsicherheitstrakt Berlins – denn heute kommt Premier Netanjahu mit Teilen seines Kabinetts zu den deutsch-israelischen Regierungskonsultationen. Und das bedeutet für die Hauptstadt: Wieder einmal höchste Sicherheitsstufe, selbst für uns mitreisende Journalisten, die wir die Story für Sie covern wollen.

Heute Abend werden Kanzlerin Merkel und Netanjahu Weiterlesen

 

Anziehungskräfte zwischen Deutschen und Israelis

Im Verhältnis zwischen Israel und Deutschland, zwischen Israelis und Deutschen, zwischen dem Opfer-Volk und dem Täter-Volk, wirken besondere Anziehungskräfte. Mittlerweile haben 100 000 Israelis einen deutschen Paß. Tausende junge Israelis sind nach Berlin gezogen und fühlen sich dort wohl. Der Austausch zwischen beiden Ländern blüht auf allen Gebieten: in Wissenschaft, Kultur, Politik, Wirtschaft und beim Militär. Austauschprogramme verbinden Schüler und Studenten, Parteien und Berufsgruppen.Was sich zwischen den beiden Staaten und Gesellschaften entwickelt hat, ist erstaunlich. Es ist eine Freundschaft, die gerade 67 Jahre nach Ende des Holocaust einem Wunder gleicht. In der letzten Folge einer siebenteiligen Hörfunk-Serie beschreibe ich die Anziehungskräfte zwischen Deutschen und Israelis. Das Audio steht unten.

“Ich bin ein Berliner” – Titel einer Ausstellung im Tel Aviv Museum von Januar bis März 2012. Künstler aus Berlin stellten ihre Werke aus. Bild: BR

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Paris, New York, Barcelona, Berlin

“Le’umi digital ermöglicht Ihnen, Ihr Bankkonto von jedem Ort der Welt aus zu führen”, wirbt die israelische Bank Le’umi auf dem Ben Gurion-Flughafen von Tel Aviv. Der Slogan ist umrahmt von vier Stadtansichten in der Glaskugel. Wer wie die Hebräer von rechts nach links liest, wird zuerst Paris sehen, dann New York, Barcelona und schließlich Berlin. Der Graphiker hat jeder Stadt die Schrift zugeordnet, die zu ihr paßt: Paris geschwungen, New York statisch, Barcelona verspielt – und für Berlin eine zünftige Fraktur.

Werbung in der Abflughalle. Bild: BR

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Was wissen Israelis über …

Was kennt man von Bremen. Rechte: apWie man sich München wohl vorstellt. Rechte: ap

Die Frage ist in Deutschland sehr beliebt: Was denkt die Welt eigentlich über uns? Im Fall unseres Studios wird häufig gefragt, was Israelis von Deutschen halten. Was wissen die über uns?

Jetzt in der Urlaubszeit gibt es eine Variation: Was steht in israelischen Reiseführern über … ? Auch diesen Wunsch erfülle ich gern. Für Bremen fragte Radio Bremen aus Bremen.

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Für München fragte Bayern 1 aus Bayern

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Erinnern an die “Kindertransporte” von 1938/39

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Der Berliner Kaufhaus-Besitzer Wilfrid Israel war der Drahtzieher hinter den “Kindertransporten” von 1938/39. Er rettete 10 000 jüdische Kinder kurz vor Kriegsbeginn aus Nazi-Deutschland. Im Juni 1943 kam er bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Zu den Kindern, die Wilfrid Israel gerettet hat, gehörte Frank Meisler. Der heute 83jährige Künstler reiste Ende August 1939 von Danzig nach London und überlebte. Mit seinen Skulpturen in Berlin, Danzig, Rotterdam und London erinnert er an die Rettung der jüdischen Kinder – auch seiner selbst. Meisler erhielt am 29. März in Tel Aviv vom deutschen Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, das Bundesverdienstkreuz.

Im Audio geht es um die Lebensgeschichten von Frank Meisler und Wilfrid Israel. Das Video bietet einen Einblick in Frank Meislers Galerie in der Altstadt von Jaffa bei Tel Aviv.

 

Das Spiel ihres Lebens

Lange geplant, endlich zustandegekommen. Das Spiel der Spiele.  Eine Wiedergutmachung nach der Championsleaguepleite. Die deutsche Journalistenmannschaft trifft auf eine Auswahl aus Gaza. Im ältesten Sportclub des Gaza-Streifens findet das Match statt. Schon 1934 wurde hier gekickt. Wir, die deutschen Journalisten, kamen mit großen Erwartungen. Und waren siegessicher. Es kam aber dann doch ganz anders.

 

Gaza – Endstation oder Hoffnung?

Grenzübergang ErezWenn man über den Erez-Checkpoint (eine riesige, klimatisierte Schließanlage) in den Gaza-Streifen will, muss man nach allerlei Türen und Toren durch einen Stacheldrahttunnel. Der ist fast zwei Kilometer lang. Bisher musste man gehen. Mit all dem Gepäck. In der Sommerhitze war das nicht lustig. Auch wenn ringsum geschlossen wurde war das nicht lustig. Und auch nicht einfach war es für behinderte und alte Menschen, die nach Israel zum Arzt durften.

Doch jetzt seit Kurzem gibt es ein Tunnel-Mobil! Wahnsinnig schnell und für mindestens vier Personen konzipiert (Heute habe ich sechs Passagiere gesehen!) ! Es passt auch genau durch die Betonpolder in der Mitte, hinter die man sich werfen kann, wenn geschossen wird. Der Fahrer: Ein Profi. Passieren darf nämlich nichts in der Einöde.  Rettung ist weit weg, im Niemandsland. Auch wenn überall Kameras sind. Macht aber echt Spaß. Leider holt einen die Wirklichkeit wieder schnell ein.

Hinter den Sperranlagen beginnt eine andere Welt. Kinder sammeln Bauschutt, Pferdekarren dominieren das Straßenbild, die Menschen leiden unter hoher Arbeitslosigkeit und Armut. Raus dürfen nur die Wenigsten. (Vorbeugend: Ja, natürlich: Es gibt auch Reichtum im Gaza-Streifen. Aber nur für die Wenigsten!!)

 

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Nicht schuldig! Günter Grass arbeitet nicht für mich!!

Lieber User,

da poste ich heute morgen meinen Beitrag, schlage anschließend die SZ auf und finde das “Gedicht” des Herrn Grass, Günter. Mit großer Ankündigung auf der Seite 1.

Nun, ich will hier nur der lieben Ordnung halber mal feststellen, daß Herr Grass nicht für mich arbeitet, geschweige denn von mir einen Auftrag erhalten hat, heute einen solchen Beitrag zu veröffentlichen, damit Sie, lieber User, zu meinem heutigen Post noch aktuelles Anschauungsmaterial bekommen.

Es ist wirklich köstlich, wie die Realität einen ganz schnell einholt. Hilarious! Und nun darf ich in den nächsten Tagen zuhören, -sehen und lesen, wie sich die ganze Republik empört, wie sich die einen über Herrn Grass aufregen werden, die anderen dann wiederum (siehe Möllemann) sagen werden: “man wird doch noch mal sagen dürfen….”

Was aber mit Sicherheit keiner tun wird: Sich die Frage stellen, wie Israel eigentlich auf Drohungen, daß es von der Landkarte getilgt werden soll (jaja, ich kenne den angeblichen Übersetzungsfehler, den Frau Katajun Amirpur, übrigens auch in der SZ, “aufgedeckt” hatte – nur hatte sie sich in ihrer “Interpretation” geirrt, aber darüber schrieb die SZ dann nicht mehr…), reagieren soll – reagieren darf……

Nein, was jetzt mit Sicherheit in Deutschland abgehen wird, ist eine Debatte über innerdeutsche Befindlichkeiten. Mit dem Nahen Osten, mit Israel, dem Iran, mit realen und fiktiven Bomben hat das dann alles nichts mehr zu tun. Aber die Feuilletonisten werden sich die Finger wundschreiben, die “üblichen Verdächtigen” werden sich zu Wort melden, Talkshows haben endlich wieder ein brisantes Thema, über das sie endlos debattieren können und in diversen Bistros, Cafés und Szenelokale hat man endlich wieder ein Thema, über das man herrlich streiten kann.

Und ich habe nun das Glück, nicht mehr gefragt zu werden, wann der Krieg gegen den Iran losgeht, sondern, was ich zu Herrn Grass sage.

Zu dem habe ich nur wenig zu sagen, außer daß er mir doch bitte nochmal ausführlich erklären soll, wie er “aus Versehen” in die SS gekommen ist. Meines Wissens nach hat er da nie so wirklich eine akzeptable Antwort gegeben. Oder bin ich jetzt einfach nur kleinlich?

 

 

Urlaubsimpressionen – zweiter Teil

Nein, diesmal kein Bild von mir. Beim letzten mußte ich ja schon ständig Rechtfertigungen geben. Meine Freunde riefen mich an – was denn los sei…. “bist du krank?” – so der allgemeine Tenor. Klar, die sehen ein Foto von mir in der Sonne sitzend gemütlich, im Hintergrund die Frauenkirche… “Richard, machst du etwa Urlaub” – also nein, furchtbar. So ein Stress… Da spar ich mir das Foto, bin ja noch offiziell im Urlaub, das ist mir ja schon fast peinlich….

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Wann, bitte, beginnt der Krieg – Urlaubsimpressionen in Deutschland

Richard C. Schneider“Nächste Woche Donnerstag, um 17.35 h” – so lautet meine Standardantwort, die ich mittlerweile hier in Deutschland gebe. Kaum zu fassen, aber wahr: Ich mache mal kurz Urlaub. Urlaub ist für mich eigentlich ein unerträglicher Zustand, denn was heißt schon Urlaub? Am Strand liegen? Am Meer? In der Sonne faulenzen? Nun – ich lebe in einer Stadt mit Strand und Meer und viel Sonne. Und es gibt tatsächlich einige Kollegen daheim im Sender, die meinen, daß wir vom ARD Studio Tel Aviv ja eh nichts zu tun hätten und den lieben langen Tag am Strand, am Meer, na, Sie wissen schon…

Also – nun bin ich im Urlaub und: Ich hasse es! Denn ich arbeite nun mal gerne, aber bitte, es “muss ” ja mal sein. Aber das kann ich Ihnen sagen: Urlaub ist extrem anstrengend, vor allem, wenn man Korrespondent in Tel Aviv ist. Denn ob im Gym oder bei Freunden, im Sender (ja, da gehe ich trotz Urlaub auch hin, um mir noch ein bißchen mehr Arbeit für “danach” zu organisieren), oder beim Friseur oder beim Zahnarzt – jeder, aber auch wirklich jeder fragt mich: “Wann beginnt denn nun der Krieg gegen den Iran?”

Es stimmt schon: Ich lebe im Land der Propheten – aber hey, woher soll ich das denn wissen?? Obwohl wir Journalisten ja gute Kontakte zu diversen Organisationen und Institutionen pflegen –  glauben die Leute denn wirklich, daß mir der Mossad oder das Militär oder gar Barak und Bibi im vertrauten Gespräch (natürlich am Strand, am Meer…  na, Sie wissen schon… siehe oben!) sagen: “Schneider, nächste Woche Donnerstag um 17.35 geht’s los gegen Teheran.” —-

Also wirklich… schön wär’s, dann hätte ich ja einen “Scoop”, wie wir Journalisten sowas nennen. Aber Pustekuchen, nix da. Also, Klartext: Ich weiß nicht, wann der nächste Krieg beginnt. Ich habe -  ja! -  ein paar Zusatzinformationen, die andere vielleicht nicht haben, aber das hilft mir für die exakte Datumsangabe auch nur bedingt, respektive: gar nicht.

Aber noch viel schlimmer: Nachdem mir diese Frage gestellt wurde und ich dann alle Leute enttäuschen muß, weil ich eben nicht genau sagen kann, wann’s losgeht: Da beginnt doch ein jeder, aber wirklich jeder hier in Deutschland mir zu erklären, wie das denn nun so sei mit dem Nahostkonflikt. Ja, kein Witz! Die Leute beginnen mir zu erkären, wer Schuld ist und wer Recht hat, wie “da unten” alles aussieht, und wer wofür wie was und überhaupt steht. Und dann kommt sicher irgendwann auch noch das Thema der “jüdischen Lobby” in den USA auf’s Tapet und sicher auch noch ein wenig der Aspekt, daß eigentlich das mit dem islamistischen Terrorismus sofort aufhören würde, wenn Israel…….

Und dann geht es los: Mit den Stereotypen und Klischees, mit Weltverschwörungstheorien und Antiamerikanismus, mit Friedensbewegtheit und Endzeitsehnsucht und vielem weiteren, was der Mensch so erfindet, um sich in dieser immer komplexeren, bedrohlicheren Welt scheinbar “auszukennen” und für sich einen Kosmos zu erschaffen, der ihm das psychische und emotionale Überleben in diesem Chaos ermöglicht.

Und dann denke ich mir schon jetzt, nach nur einer Woche hier: Puh…. Urlaub ist entsetzlich anstrengend, ich will zurück in meinen Job, zurück in den Nahen Osten – da ist es doch wirklich ruhiger und gemütlicher und weniger anstrengend und so wunderbar unübersichtlich, daß ich mir dann immer wieder freudig denke: “Hey, ich bin hier mitten im richtigen Leben!”

Ach übrigens, für all die, die mich jetzt total ernst nehmen: Das da oben sollte ein kleiner satirischer Einwurf (mit einem wahren Kern) sein – nur damit wir uns hier nicht mißverstehen :-)

Bis zum nächsten Post!