Gegen die Bilder ist unser Text machtlos

Die Sonne scheint, die Kinder schreien: Wie man die Wahrheit über den Krieg in Gaza erzählt, obwohl die Wahrheit sich hinter Propaganda und Desinformation verbirgt. Ein Erfahrungsbericht

Richard C. Schneider, ARD Tel Aviv, zur aktuellen Lage in Nahost thumbnailWie berichten von einem Konflikt, der inzwischen ein Krieg geworden ist, wenn man über beide Seiten berichten muss? „Neutralität“ und „Objektivität“ werden von uns Journalisten erwartet, doch im Alltag des Nachrichtenproduzierens erweist sich dieses Ziel oft fast als unerreichbar. Nicht weil wir Partei ergreifen – obwohl andere Kollegen dies manchmal doch tun -, sondern weil wir mit drei Hindernissen konfrontiert sind: die Macht der Bilder, die Propaganda von beiden Seiten, die vielen verschiedenen „Wahrheiten“, die der palästinensisch-israelische Konflikt beinhaltet, und nicht zuletzt die Erwartungshaltung der Zuschauer daheim im sicheren Deutschland. Weiterlesen

 

Mit dem Eselskarren durch Gaza

Seit Tagen bestimmen Nachrichten über palästinensische Angriffe auf israelisches Gebiet und israelische Luftschläge auf Ziele im Gaza-Streifen die Nachrichten. So auch heute Früh. Und gleichzeitig gibt es vor Ort Alltag.

So ging es bei der Fahrt nach Gaza vergangene Woche um die Frage, wie sich die Hamas Organisation während der Eskalation verhalten wird. Wie lange hält sie sich an die Feuerpause? Und dann sagt die Redaktion, mach’ auch wieder Alltag. Mach’ etwas über die tausenden Eselskarren in Gaza. Die Geschichte ist im August in der Radiowelt auf Bayern2 zu hören, hier schon ein paar Video-Schnipsel.

 

 

Verdächtige. Entführung. Gag Order.

 

Hungerstreik, Kidnapping und Razzien

 

Der verhinderte Marathon-Man

 

Gefangen in Gaza

nadia

Nadia kommt schon seit drei Wochen jeden Tag nach Rafah, an den Grenzübergang im Süden des Gazastreifens. Die junge Palästinenserin muss nach Kairo, das Semester hat schon längst wieder angefangen. Aber wie hunderte anderer Studenten sitzt Nadia nach dem Ende der Semesterferien im Gaza-Streifen fest.   Weiterlesen

 

Tunnel dicht! Gaza am Abgrund.

ARD Mittagsmagazin / 02 August 2013 / Markus Rosch

Tagesthemen / 02 August 2013 / Markus Rosch

 

Von Gaza nach Münster

Nor

Ich will Ihnen heute die Geschichte von Nor Abu Khater erzählen. Mein Kollege Peter Münch von der Süddeutschen Zeitung und ich haben Nor vor etwa einem Jahr kennengelernt. Beide haben wir über ihre traurige Geschichte berichtet. Seitdem ist der Kontakt nicht mehr abgerissen. Und nun planen wir Nor einen Wunsch zu erfüllen von dem sie seit über eine Jahrzehnt träumt. Diese Geschichte und die Schwierigkeiten die damit verbunden sind will ich Ihnen heute erzählen. Weiterlesen

 

Hamas – Ihre Talkbacks – Abstand vom Nahen Osten

Zum Jahreswechsel wieder mal weit weg vom Nahen Osten. Kurze Pause. Innehalten, Abstand gewinnen, nachdenken über ein wahnsinniges Jahr in der Region. Über das mögliche und wahrscheinliche Ende der Zwei-Staaten-Lösung, über den Islamismus, der seinen Siegeszug in einigen Ländern antreten durfte und wohl weiter an Fahrt aufnehmen wird. Über die  Hilflosigkeit des Westens auf die Veränderungen im Nahen Osten mit einer echten und vernünftigen Strategie zu reagieren. Über die Fehleinschätzungen und das Schönreden der Realität in den Hauptstädten Europas, in Berlin und Paris und London. Über den Wandel in Israel, das sich allmählich eine neue Identität zulegt, eine, die immer weniger mit dem zu tun hat, was die Gründerväter wollten, über die Unfähigkeit der Palästinensischen Autonomiebehörde, in der neuen arabischen Welt noch echte Unterstützung zu finden, während die Hamas immer weiter hofiert und finanziell gepampert wird.  Es gibt soviel…

Und nachdenken über Ihre Talkbacks. Da gibt es die, die voller Hass und Häme und Verunglimpfungen geschrieben werden. Die meisten davon bekommen Sie gar nicht zu lesen, weil die Redaktion natürlich die Pflicht hat auf die “Netiquette” zu achten. Antisemitisches, Anti-Islamisches kommt nicht auf die Seite – aber das alles ist Teil der Realität hier im Lande, in Europa – es gibt diese Stimmen, da kann man nichts machen.

Und dann gibt es die Stimmen, die “argumentativ” vorgehen, aber den Nahen Osten ganz klar in Schwarz und Weiss einteilen. Weiterlesen

 

Hamas – 25 Jahre

Am Ende dieses Textes finden Sie ein Link, das sie zu meinem heutigen Videoblog “Zwischen Mittelmeer und Jordan” führt. Ich habe mich entschieden, heute “dieselbe” Story im Videoblog und hier zu posten, wenngleich ich hier noch ein paar Anmerkungen machen möchte, die im VBlog nicht vorhanden sind.

Die Hamas, ein Ableger der Muslimbrüder, ist radikal antijüdisch. Nicht nur anti-israelisch! In ihrer Charta findet man Teile der “Protokolle der Weisen von Zion”, dieses antisemitischen Pamphletes aus dem zaristischen Rußland des 19. Jh., das zum ersten Mal in schriftlicher Form der “jüdischen Weltverschwörung” und der “jüdischen Weltherrschaft” faselt, eine der klassischen “Überzeugungen” des modernen Antisemitismus.

Was viele vergessen haben: Ausgerechnet Israel hat die Hamas in ihren Anfangsjahren kräftig unterstützt! Denn damals, zu Beginn der Ersten Intifada, hoffte Israel, mit der Hamas einen Gegenpart zu dem übermächtigen Yassir Arafat, seiner PLO und der Fatah aufbauen zu können, um somit den “Hauptfeind” schwächen zu können. Daß ausgerechnet die Hamas sich dann zum größten und gefährlichsten Feind Israels unter all den palästinensischen Gruppen und Organisationen entwickelte, hatte man in Jerusalem damals nicht gesehen, die PLO, Arafat waren einfach seit Jahrzehnten übermächtig und niemand, niemand hätte damals glauben können, daß neben Arafat noch “andere Götter” existieren könnten in der palästinensischen Welt.

In gewisser Hinsicht, hat Israel allerdings ein Ziel erreicht: Es wurde innerhalb der palästinensischen Gesellschaft ein Keil getrieben. Auch wenn zur Zeit Hamas und Fatah mal wieder Annäherungsversuche machen – die Äußerungen Khaled Meshaals, des eigentlichen Führers der Hamas, man werde Israel niemals anerkennen, wurden von Palästinenserpräsident Abbas bei einem Besuch in der Türkei gleich verurteilt: Man habe doch schon gemeinsam die Oslo-Verträge akzeptiert, Israel nicht anzuerkennen, sei nicht akzeptabel - fraglich also, ob die Differenzen zwischen Fatah und Hamas wirklich überwunden werden können.

Doch die Hamas ist in großen Teilen der pal. Gesellschaft im Aufwind. Viele glauben tatsächlich, daß die Islamisten im letzten Krieg einen “Sieg” gegen Israel errungen hätten. Die Raketen auf Tel Aviv und Jerusalem sind ein großer symbolischer Erfolg, daß die Israelis nicht mit Bodentruppen einmarschierten wird als “Feigheit” vor den Islamisten bewertet und die schiere Tatsache, daß die Hamas auch diesmal de facto nicht besiegt wurde, läßt das Ansehen der Organisation immer weiter wachsen, da hilft es auch nicht, wenn hohe israelische Militärs anonym den Medien erklären, wie groß der Schlag gegen die Hamas und damit der militärische Erfolg der Israelis möglicherweise gewesen war. Abgesehen davon, daß wir das kaum überprüfen können – selbst wenn es wahr wäre. Die Wahrnehmung des palästinensischen Volkes ist auf jeden Fall eine andere.

So – und nun: mein Vblog zur Feier der Hamas in Hebron am letzten Freitag:

http://www.tagesschau.de/videoblog/zwischen_mittelmeer_und_jordan/hamas-hebron100.html